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Full text of "Zeitschrift für deutsches Alterthum und deutsche Litteratur"

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« 



ZEITSCHRIFT 



FÜR 



J m t t ■ 



DEUTSCHES ALTERTHÜM 



HBRAUS6EGEBBN 



VON 



MORIZ HAUPT. 



ERSTER BAND 



LEIPZIG 

weidmann'schb bochbandldno. 

1841. 



VORWORT ZUM ERSTEN HEFTE. 

Es scheint rathsam das erste heft dieser neuen Zeit- 
schrift, da es ihre richtung und ihre gränzen thatsächlich 
noch nicht yollständig darlegt, mit einem Vorworte zu be- 
gleiten das den umfang bestimmt in welchem hier der name 
des deutschen alterthumes gilt. 

AusgeschloHsen von dem Stoffe dieser Zeitschrift bleiben 
alle handgreiflichen alterthfimer ohne geistigen gehalt. es 
ist nicht nöthig für diese gegenstände ein neues mittel der 
bekanntmachung zu schaffen , da ja ganze gesellschaften auf 
die Sammlung und beschreibung derselben den grösten thdl 
ihrer thätigkeit verwenden, die vaterländische gesinnung mit 
der dies geschieht ist gewiss nicht zu schelten, aber der 
wifsenschaftliche ertrag dieser bestrebungen scheint mir sehr 
gering, die gräber die man zu hunderten aufgedeckt hat 
sind doch fast stumm geblieben über die alte zeit deren 
Sprache verhallt ist; Scherben Waffen und geräthe werden 
aus ihnen in zahlloser aber gleichförmiger menge zu tage 
gefordert ohne dafs wir dadurch mehr lernen als wir längst 
wüsten, und das ist nicht viel, denn ich sehe nicht dafs 
man auch nur so weit gekommen ist in diesen alterthumem 
deutsches celtischcs slavisches mit fester Sicherheit zu un- 
terscheiden, sollte es gelingen solchen Überresten des grauen 
alterthumes erhebliche belehrung abzugewinnen, dann mag 
auch diese Zeitschrift sie in ihren kreifs ziehen. 

Lebendiger und manigfacher redet der geist alter zeit 
zu uns in den denkmälem der bildenden kunst des mittelal- 
ters. allein wenn für diese Zeitschrift ein allzu weites ge- 
biet abgesteckt würde, so könnte es nur spärlich angebaut 
werden und manche strecken würden ganz öde bleiben, 
kunstbetrachtung und kunstgesdilchte lafse ich also aufser 



IV 



ihren gränzen und nur wo ein dcnkmal bildender kunst die 
Sitten, die Vorstellungen, die literatur des mittelalters erläu- 
tert glaube ich darauf rücksicht nehmen zu müfsen. 

Eben so fordert das ungemefsene feld der geschichte für 
seine reichen ärnten eigene scheuem, die politische ge- 
schichte liegt aufserhalb des kreifses den diese Zeitschrift 
zu umfafsen sich vorsetzt; aber geschichtliche quellen kön- 
nen als Sprachdenkmäler ihr angehören und Untersuchungen 
in dem gebiete der deutschen geschichte wenn dadurch die 
alterthümer deren bekanntmachung und erklärung sie gewid- 
met ist aufgehellt werden. 

Immer noch bleiben ihre gränzen weit gezogen; sie 
schliefsen die literatur, die spräche, die sitten, die rechts- 
alterthümer, den glauben der deutschen vorzeit in sich ein. 
in diesem umfange ist ihre bestimmung eine doppelte; sie 
soll dazu dienen unbekanntes dem gebrauche darzubieten 
and vorhandenes oder neugefundenes wifsenschafUich zu be- 
arbeiten, das unabläfsige zuströmen neuer quellen verleiht 
der deutschen alterthumskunde einen eigenen reiz der sich 
dem vei^leichen läfst wenn wir von einem berge herab se- 
hen wie die nebel sich nach und nach von der gegend he- 
ben, lichte stellen in bunten färben erglänzen wo wir eine 
leere öde erblickten, und. deutlich entgegentritt was unbe- 
stimmte umrifse nur ahnen liefsen. man kann sagen, der 
tägliche Zuwachs neues Stoffes gibt der wifsenschaft etwas 
unfestes und läfst sie immer als ein werdendes oder erst 
angefangenes erscheinen, ich halte dies für einen vorlheil 
in dem sie sich gegen die classische philologie befindet, dort 
fliefsen neue quellen seltener und spärlicher und die wüsen- 
Schaft teuscht oft durch den schein des abschloTses; man 
hält für sicher und allgemein giltig was nur in den gränzen 
der erhaltenen trümmer beschränkte Wahrheit hat und erläftt 
sich fragen zu denen der ungewohnte anblick des neuen 
anzuregen pflegt, die deutsche philologie ist zur beschei- 
denheit gezwungen, weil sie gewohnt ist dafs neue ent- 
deckungen umstofsen oder verändern was fest und sicher 
ermittelt schien, und zur kühnheit berechtigt, weil sie die 
hoShung in sich wahrscheinliche Vermutungen bald bestätigt 
zu sehen niemals aufzugeben braucht. 



Der räum dieser Zeitschrift verstattet die aufnähme nicht 
blofs kleiner stücke und abgerifsener Fragmente , sondern 
auch gröTserer denkmäler. ich werde dafür sorge tragen dafs 
hier nur würklich merkwürdiges gedruckt wird; von vielem 
genügt es dasein und inhalt zu wifsen und es scheint mir 
in neuerer zeit manches altdeutsche wider verdienst gedruckt 
worden zu sein, aber die bedeutsamkeit ist eine sehr ver- 
schiedene und die Forderung dafs auch alles schön oder un- 
terhaltend sei lehne ich ab. über die weise in der hier 
Sprachdenkmäler bekannt gemacht werden sollen verstatte ich 
mir folgende bemerkungen. man legt heutzutage denen die 
ihre kräfte der deutschen philologie widmen oft zur last dafs 
sie sich vornehm abschliefsen , ihre bücher nur für wenige 
geheimer lehren mitkundige leser berechnen, und wie die 
ziemlich allgemein gehaltenen ausdrücke noch sonst lauten 
mögen ; denn bestimmte forderungen werden selten gestellt, 
diese vorwürfe sind meist ungerecht und treffen viele der 
ausgezeichnetsten arbeiten nicht einmal mit einem scheine; 
ein gerechter tadel aber dünkt mich dafs manche sich zu oft 
damit begnügen altdeutsche texte wie sie die handschriften 
darbieten ohne alle bearbeitung abdrucken zu lafsen. nicht 
jeder leser hat geräth Übung oder zeit genug um von dem 
edeln erze das taube gestein zu scheiden oder den rost zu 
tilgen der alte kunstwerke überzieht, das also ist eine bil- 
lige forder ung, dafs wer leser verlangt soviel möglich les- 
bares bringe, die behauptung was nur in einer einzigen 
handschrift vorhanden sei müfse immer buchstäblich abge« 
druckt werden ist in solcher allgemeinheit ausgesprochen 
ungilü'g und oft nur eine beschönigung der arbeitscheu, man 
meint dadurch der Sprachgeschichte zu nützen ; aber tausend 
neue beispiele schlechter sprachformen aus späten handschrif- 
ten lehren nicht mehr als hundert alte, und wem nützt es 
denn wenn ein herausgeber sogar die interpunction hinzu 
zu fügen sich erläfst? höchstens ihm selbst, denn nun kann 
niemand sehen wie vieles er nicht verstanden hat. hand- 
schriften treu zu wiederholen kann aus sehr verschiedenen 
gründen pflicht sein ; die mühe der berichtigung ihrer fehler 
soll in dieser Zeitschrift soweit es angeht oder nöthig ist 
den lesem erspart werden, dafs auch alles immer erklart 



* ♦ 



VI 



werde ist ein weit weniger billiges verlangen, denn so we- 
nig ist fiir das Verständnis der alten spräche wahrlich nicht 
geschehen dafs ihre denkmäler für den verschlofsene bücher 
wären der mehr dazu mitbringt als träge beqaemlichkeit, 
leichtfertige neugier oder den wünsch bald aburtheilen zu 
können, viele aaläfse zu Spracherklärungen in ausgaben alt- 
deutscher texte werden von selbst weg£sdlen sobald wir erst 
ein mittelhochdeutsches Wörterbuch haben das dieses namens 
werth und nach den grundsätzen gearbeitet ist die Benecke 
durch meisterhafte leistungen bewährt und zu meiner freude 
in diesem hefte durch einen eigenen aufsatz erläutert hat. 
der mangel eiiies solchen Wörterbuches ist empfindlich, aber 
er kann keinem einzelnen zum Vorwurf gereichen. 

Aufser ungedruckten texten mögen zuweilen auch schon 
gedruckte mitgetheilt werden, es versteht sich dafs dazu 
nicht die verbefserung einiger fehler hinreichen kann; das 
ganze mufs durch neue hilfsmittel oder eindringendere Sorg- 
falt eine andere gestalt gewonnen haben, in der regel wer- 
den beitrage zur berichtigung oder erklärung schon bekann- 
ter Sprachdenkmäler ihren wiederholten abdruck nicht er- 
fordern. 

Der literaturgeschichte soll, wie ich hoffe, diese Zeit- 
schrift auf dem wege gewinn bringen auf dem man nur lang- 
sam und mit mancher kleinlich scheinenden mühe vorwärts 
dringt, der aber der allein sichere ist; ich meine damit die 
erfor3chung des einzelnen, die geschichte der literatur in 
einem allgemeinen gemälde darzustellen mag das letzte ziel 
aller dieser ))estrebungen sein, aber wenn gar zu früh oder 
mit ungenügender Vorbereitung, obwohl mit lebendigem gei- 
ste, ein solches bild entworfen wird, wenn die lacken der 
kenntnis mit keckem absprechen bedeckt werden, die alt- 
deutsche poesie sich unbedingten forderungen bequemen soll 
oder über den leisten der griechischen oder gar der italiäni- 
sehen dichtkunst geschlagen wird , dann glaube ich dafs das 
unscheinbare streben einzelnes und kleines zu erkennen und 
festzustellen der wifsenschaft dauerndere fruchte trägt, dort 
erhebt sich ein glänzendes gebäude zum theil aaf flachem 
gründe, hier befestigt auch das was an sich geringfügig 
heifsen mag den Zusammenhang des ganzen. 



Der räum dieser Zeitschrift verstauet die aufnähme nicht 
blofs kleiner stücke und abgerifsener Fragmente , sondern 
auch gröfserer denkmäler. ich werde dafür sorge tragen dafs 
hier nur würklich merkwürdiges gedruckt wird; von vielem 
genügt es dasein und inhalt zu wifsen und es scheint mir 
in neuerer zeit manches altdeutsche wider verdienst gedruckt 
worden zu sein, aber die bedeutsamkeit ist eine sehr ver- 
schiedene und die forderung dafs auch alles schön oder un- 
terhaltend sei lehne ich ab. über die weise in der hier 
Sprachdenkmäler bekannt gemacht werden sollen verstatte ich 
mir folgende bemerkungen. man legt heutzutage denen die 
ihre kräfte der deutschen philologie widmen oft zur last dafs 
sie sich vornehm abschliefsen , ihre bücher nur für wenige 
geheimer lehren mitkundige leser berechnen, und wie die 
ziemlich allgemein gehaltenen ausdrücke noch sonst lauten 
mögen ; denn bestimmte forderungen werden selten gestellt, 
diese vorwürfe sind meist ungerecht und treffen viele der 
ausgezeichnetsten arbeiten nicht einmal mit einem scheine; 
ein gerechter tadel aber dünkt mich dafs manche sich zu oft 
damit begnügen altdeutsche texte wie sie die handschriften 
darbieten ohne alle bearbeitung abdrucken zu lafsen. nicht 
jeder leser hat geräth Übung oder zeit genug um von dem 
edeln erze das taube gestein zu scheiden oder den rost zu 
tilgen der alte kunstwerke überzieht, das also ist eine bil- 
lige forderung, dafs wer leser verlangt soviel möglich les- 
bares bringe, die behauptung was nur in einer einzigen 
handschrift vorhanden sei müfse immer buchstäblich abge« 
druckt werden ist in solcher allgemeinheit ausgesprochen 
ungilü'g und oft nur eine beschönigung der arbeitscheu, man 
meint dadurch der Sprachgeschichte zu nutzen ; aber tausend 
neue beispiele schlechter sprachformen aus späten handschrif- 
ten lehren nicht mehr als hundert alte, und wem nützt es 
denn wenn ein herausgeber sogar die interpunction hinzu 
zu fügen sich erläfst? höchstens ihm selbst, denn nun kann 
niemand sehen wie vieles er nicht verstanden hat. hand- 
schriften tren zu wiederholen kann aus sehr verschiedenen 
gründen pflicht sein ; die mühe der berichtigung ihrer fehler 
soll in dieser Zeitschrift soweit es angeht oder nöthig ist 
den lesem erspart werden, dafs auch alles immer erklart 



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^frerdc ist ein weit weniger billiges verlangen, denn so we- 
gig ist für das Verständnis der alten spräche wahrlich nicht 
geschehen dal's ihre dcnkmulcr fiir den verschlofsene bücher 
wären der mehr dazu milbringt als trage betiaemlichkeit, 
lÜpichlfertige neugier oder den wünsch bald abnrlheiteu zu 
-können, viele anläfse zu spradicrkliirungcn in ausgaben alt- 
deutscher texte werden vou selbst wegfallen sobald wir erst 
ein mittelhochdeutsches Wörterbuch haben das dieses namens 
werth und nach den grnnds'atzcn gearbeitet ist die Benecke 
durch meislerhatle leistungeu bewährt und zu meiner Ireude 
in diesem hefte durch einen eigenen aufsalz erläutert hat. 
der mangel eines solchen Wörterbuches ist empfindlich, aber J 
er kann keinem einzelnen zum Vorwurf gereichen. 

Aufser ungedruckten texten mögen zuweilen auch schon 
gedruckte milgelheilt werden, es versteht sich dafs dazu j 
Dicht die verbefscruug einiger felilcr hiureichcn kann; das \ 
ganze mul's durch neue hilfsmittel oder eiudrlngendere Sorg- 
falt eine andere gestalt gewonnen haben, in der regcl wer- 
den beitrage zur bcrichtigung oder erklürung schon bekann- 
ter Sprachdenkmäler ihren wiederholleu ahdruuk nicht er- ,' 
fordern. 

Der litcraturge schichte soll , wie ich hoffe , diese Zeit- 
schrift auf dem wege gewinn bringen auf dem man nur lang- 
sam und mit mancher kleinlich scheinenden mühe vorwärts 
dringt, der aber der allein sichere ist; ich meine damit die j 
crforschung des einzelnen, die geschichle der litcratur in 
einem allgemeinen gemülde darzustellen mag das letzte ziel 
aller dieser bestrebuugen sein, aber wenn gar zu früh oder 
mit uugeniigeuder Vorbereitung, obwohl mit lebeHiligem gei- 
ste, ein solches hild entworfen wird, wenn die locken derMl 
kenntnis mit keckem absprechen bedeckt werden, die alt- 
deutsche poesie sich unbedingten forderungeii bequemen soll 
oder über den leisten der griechischen oder gar der ilaliäni- 
scheu dichlkunst geschlagen wird, dann glaube ich dafs das 
unscheinbare streben einzelnes und kleines zu erkennen und 
festzustellen der wifsenschafl dauerndere fruchte trägt, dort 
erhebt sich ein glänzendes gebäude zum theil auf Rächern 
gründe, hier befestigt auch das was an sich geringfügig 
heifsen mag den Zusammenhang des ganzen. 



VII 



In gleichem sinne meine ich dafs diese Zeitschrift der 
Sprachforschung die nützlichsten dienste leisten werde wenn 
in ihr die betrachtung grammatischer dinge bis in das ge- 
naueste und feinste getrieben wird, es scheint mir kein 
geringes verdienst der bewunderungswürdigen arbeiten Jacob 
Grimms dafs sie nirgend Zweifel zurückhalten oder darauf 
ausgehen die Untersuchung vorschnell abzuschliefsen , son- 
dern überall die puncto bezeichnen oder deutlich erkennen 
lafsen an die neue forschungen anzuknüpfen sind, die deut- 
sche Sprachforschung, die in wenigen jähren an mehr als 
einer stelle der classischen philologie vorausgeeilt ist und 
sie zur nachfolge genöthigt hat, darf das geständnis nicht 
scheuen daCs sie vieles erst angeregt, noch nicht vollstän- 
dig untersucht hat. jede neue beobachtung ist ihr willkom- 
men und ihr gilt nichts gering, mit einer art sprachlicher 
Untersuchungen ist erst ein anfang gemacht, mit der dar- 
stellung des Sprachgebrauches einzelner Schriftsteller und 
einzelner gattungen der poesie. ich gedenke einige versu- 
che dieser art mitzutheilen. 

Wie vieles in den alterthümem der sitten, des rechtes, 
des glaubens zu sammeln , zu erforschen und zu deuten 
übrig ist kann keinem verborgen sein, hier gilt es zum theil 
der wifsenschaft die Überreste aus alter zeit zu retten die 
in der veränderten bildung unserer tage immer mehr abster- 
ben, ich hoffe dafs sich davon hier manches aufsammeln 
wird. 

Auf deutsches in der eigentlichen bedeutung des namens 
ist diese Zeitschrift gerichtet; doch wird es unvermeidlich 
oder erlaubt sein zuweilen in das gebiet anderer germani- 
scher Stämme über zu streifen, ja selbst die alterlhümer 
anderer Völker mögen hier und da in betracht kommen, wie 
sich die deutsche grammatik der berücksichtigung anderer 
sprachen nicht entziehen kann, so bedarf in diesem hefte 
der abdruck des seltenen aufsatzes über die götter der Sa- 
mogiten keiner entschuldigung ; er fordert vielfach zur ver- 
gleichung mit der deutschen mythologie auf. 

Man pflegt von Zeitschriften gewöhnlich auch recensio- 
nen zu erwarten; hier sind sie aus mehreren gründen aus- 
geschlofsen und was in recensionen das bleibendere ist soll 



hier lieber in der form von nachtrügea und berichtigungen 
mitgetlieilt werden, ich habe, wie billig, mit der verbefse- 
rung von mir selbst begangener versehen angcFangen. 

Dies Vorwort enlliiill verlieifsungcn, ober ich fiirchU 
nicht dafs man darin ein selbstgefälliges verkünden eigener J 
waaren sehen werde, iyfi darf nur Versprechungen erlang 
ben weil ich auf die fortdaucr ner ehrenden tbeiloahm&j 
bauen darf die dies erste heft ausgestattet bat. ich selbst^ 
verspreche keine mühe zn sparen dnruh die ich dieser zeit^VJ 
Schrift die Icser zu sichern bolTen kann die ich ibr wunscbej*" 
solche die zum mitlernen bereit sind. 

Leipzig 14 merz 1841. 

MOmZ HAUPT. 




ALTFRIESISCHE KOSMOGONIE. 

In einer liandschrift ües Emsigerrechts findel sich t'ül- 
i;ende merkwürdige stelle eingeschallet (Ricbthofcn s. 211) 

Goä »cäp thew freita menexka, tket was Adam, Jon 
achta viendem s ihet bfnele/on tka stfne, tket ßäsk Jon therv 
t;rüte, thct bläd /on iha welere, tha herla foit tba wind», 
thene togta (\. ikochtn) fon (ha wölken, tkr-Xite) tu6t fon rt« 1 
dawe, tha lokkar fon iha gerse. tha ägenefon there lunna, 
and tha hlürem on thene Helga 6m, and tha sctijfo (d. i. sc6p 
he, acäp hl) £i'aJon sine ribbe, yldnmca liana. 

Hier sind lieidnisclie kosniogoaische vorslellungen ^o- 
mcDgl unter die chrißUiche lehre von erschalTung der ersten 
menschen, christlich ist dafs gott dem ersclialTncn den leben- 
digen ödem eingeblascn, was Jedoch nülier in den heiligen 
geist bestimmt wird, dann dafs Eva aus Adams rippe geschaf- 
fen wurde, den ausdruck liana oder lieber weiblich tiane er- 
kllire icb ^mni. 1, 418 und versiehe darunter genorain, ge- 
malilin. aber alles was vorausgeht sehcint baar heidnisoh, 
und schwerlich hat die phantasie irgend eines kirchenvatera 
Adams leib niif die Iiit-r vorgctra^^no weise sich aus acht Sa- 
chen (wendem) zusammengcsclzt. das gcbein soll aus stein, 
das Ucisch aus erde, das blut aus wafser, das berz ans wind, 
der gcdauke (das liira) aus wölken, der Schweifs aus thau, 
das haar aus gras, die augcn aus der sonne geworden sein, 
diese annähme kehrt den altnordischen mythui gerade um, zu- 
folf[e dessen die bestandtheÜc der weit und erde aus eines uB-, 
gebeuern ricscn leih geschaffen wurden , wie Sa^tnundareddl 
33^ Ai^ and Snurracilda 8 — 10 bericlilct steht, des Vin 
Deisch bildet die erde, sein gebein die berge, sein Bclüldcltf 
Z. F. D. A. 1. I 




SINTARFIZILO. 7^ 

beträchtlicher theil der namen und des inhalts unnordisch 
erscheinen. 

So ist gleich Sigi, der unmittelbare abkömmling des got- 
ies 4 eine im Norden selbst ungebräachliche benennung, wäh- 
rend das ahd. Sigeo oder Sicco , woraus sich die lesart Siggi 
erklärt y oft genug vorkommen, jenes z. b. trad. fuid. 1, 129, 
dieses bei Ried n^* 72 (a. 890). neben Sigi treten Skadi 
und dessen knecht BreSi auf, welche beide namen ich wieder 
nicht für nordisch halte ; desto bekannter ist das ahd. scado, 
alts. scatko, ags. scadä, welches latro, nequam bedeutet und 
auch als mannsname gefunden wird. Ltindscade war noch 
im mittelalter im geschlecht der rheinischen ritter von 
Steinach hergebracht, wenn in der edda ein Helgi Haddinga 
#Aa4)t heifst (Smn. 140. 169), so läfst sich das allerdings auf 
skadi damnum, pemicies besiehen, doch fiiUt auch Helgi in 
den hier nntiersnehten kreifs. J9r0<fe kommt noch jetzt, z. b. 
in Hessen , als gangbarer eigenname vor, ich vermag ein ahd. 
Preto nicht nachzuweisen, nur zu mutmafsen. merkwürdig 
ist dafs nach dem ermordeten in schnee versteckten Bredi 
ein jeder grofse schneehaufe {skafl oder fonn) geheifsen 
wurde; vielleicht läfst sich dazu noch irgend ein ausdruck 
aus unsem volksdialecten halten. 

Den söhn des Sigi wage ich nicht anzurühren , weil die 
lesarten zwischen Rerir, Berir, Beirir und F'erir schwan- 
ken, von ihm aber stammt VöUängr ab, welche benennung 
nichts mit dem altn. vols splendor gemein zu haben scheint, 
iondem als ein patronymicum auf yals oder VeUv* liinfiihrt, 
dem wir in dem goth. adj. valis yvijaioc begegnen, die ags. 
dichtung bewahrt uns die formen F'äise Beov. 1787 und 
yälsing 1747, welches letztere gleichbedeutend mit Halses 
eqfera (Valsi filius) steht und den Sigemund bezeichnet, 
woraus erheUt dafs Reris söhne der name f^älse, und erst 
dessen söhne oder Reris enkel der name VäUing gebührt, 
welchen letztern die nordische erzählung bereits Reris söhne 
beilegt, ahd. lautet Fälsing aber fFelistmc (goth. Falisiggs)^ 
was noch bei Meichelbeck n^' 240 zu treffen ist, und rahd. zur 
benennung von Dietleibs Schwerte Wel$UHC verdreht wird. 

Der aus seiner sterbenden mutter leib geschnittene 
VölsAngr, d. h. der eigontliche Välse, vermählt sich mit einer 

r 



4 SINTARFIZILO. 

wfinscheljungfrau, deren name entweder LtW oder J9o^ war, 
und zeugt mit ihr eilf kinder, zehn söhne und eine tochter, 
deren ältester Sigemund, wie wir sahen, erst Välsing heifsen 
sollte, und nun des berühmtesten helden, Sigufrids, vater 
wird. Sigmundr und Sigurär sind freilich auch sonst noch 
übliche altnordische eigennamen , die sich aber nur nach un- 
srer sage einführten und bei den übrigen deutschen stammen 
weit verbreiteter scheinen. Sigurdr ist gebildet aus Sigverdr, 
wie dögvrär prandium aus dagverär, setzt also eine altnie- 
derdeutsche ibim Sigeferd für Sigefred voraus ; wäre der 
name im Norden alteinheimisch gewesen, warum gälte nicht 
Sigfiiir? ein deutliches zeichen dafs beim Übergang der 
sage kein volles Verständnis dieser namensform waltete. 

Bevor jedoch Siegfried dem Siegmund geboren wird, 
hatte dieser mit seiner eignen Schwester Sign^ = ahd. Sigi- 
nhiy Stginiwi (eine häufige ahd. namenbildung), ab sie ihm 
unerkannt genaht war, einen älteren söhn gezeugt, auf wel- 
chen es mir bei der folgenden Untersuchung abgesehn ist. 

Diesen söhn nennt die altn. sage Sinßötli und berichtet 
dafs er und sein vater Sigmundr in wolfsgestalt eine Zeitlang 
umgelaufen seien, das Beovulfslied gibt ihm den einfacheren 
namen Fitela, spielt auf ihre gemeinschaftliche fahrt an, läfst 
aber zwischen Sigemund und Fitela die Verwandtschaft eines 
oheims und neffen, nicht eines vaters und sohns bestehn , wel- 
che abweichung mit der andern zusammen hängen mag dafs 
nach der ags. Überlieferung schon Sigemund als drachentödter 
und erwerber des horts dargestellt wird, während es nach der 
deutschen und nordischen richtiger erst Siegfried isU doch 
dies lafsen wir bei seite. 

Dafs das ags. Fiteia völlig mit dem altn. Fiotlt überein 
komme braucht kaum gesagt zu werden. Fiötlt ist aber wie 
Sinfiötli der nordischen mundart fremd, die letztere namens- 
form deutet Biöm Vir nodosis nervis robostissimus, also ans 
tf'n nervus, sehne, und ßöUa nodare, vgl. fiötiur tncat^JiaÜ 
actus levis, ßtia attreclare. das alles scheint gefehlt. 

Ich kann nemlich die ahd. form des namens Sinfidtli dar- 
thun; sie lantet S0il«2^79. 

Bairisefae Urkunden des nennten und zehnten jh. liefern 
friederholt diesen merkwürdigen ansdnck als eigennamen. 



SINTARFIZILO. 5 

obgleich ihn die herausgeber unkenntlich machen, bei Meichel- 
beck steht blofs b9 440 Sintarvihzilo utigetrennt, hingegen 
458. 495. 510. 517 ist fälschlich Sininr, Fizilo, 467. 
510. 534 Sintar, Fizilo, 532 Sintar visszilo gedruckt, als 
wären jedesmal zwei namen gemeint*, zwar entspräche 
Ftstlo ganz jenem ags. Fitela und auch Sintar liefse sich als 
einzelner name hören, wie es wirklich n^ 318 vorkommt 
(wenn hier nicht durch versehn ßzilo ausfiel) ; allein es wäre 
seltsam dafs zwei überhaupt so ungewöhnliche Wörter bestän- 
dig in derselben folge hintereinander als nanen aufgeführt 
werden sollten , da sie eben in ihrer Verbindung Sintarßzilo 
sichtbar dem altn. Smßötli gleichstehn. auch Ried im cod. 
dipl. ratisb. n<* 79 (a. 909) bietet die etwas veränderte form 
Smtarfezxil (wie für Sintar, /eszilzvL lesen ist) dar; die aus 
Meichelbeck angezognen Urkunden Tillen sämtlich unter die 
freisingischen bischöfe Hitio (*|* 036) und Erchanberht (f 853). 
wie im 13n 14n jh. einzelne eigennamen der romanischen rit- 
tersage unter das volk drangen, so durfte sich im 9n und lOn 
oder früher mancher aus den einheimischen mythen behaupten 
die damals noch gangbar waren und bald untergiengen. hier 
lernen wir nun wie der alte held würklich hiefs ; aus Sinfiötli 
kann kein ahd. Sintarßzilo werden, wohl aber aus einem alts. 
Sindarfitilo, Sindfitilo ein altn. Sinfiötli. die volle ags. ge- 
stalt würde Sindurfitela lauten. 

Ohne zweifei hieng der sinn einer so auffallenden benen- 
nung mit dem inbalt der vollständigen sage selbst zusammen ; 
ich will versuchen so gut es noch gelingen kann ihn zu er- 
schliefsen. 

Das ahd. adj. fizil scheint genau das lat. petilus und ich 
habe gramm. 2, 559 das compositum fizzilv4h^ welches eine 
nähere bestimmung des begriffs der buntheit liefert , aus ver- 
schiednen glossen aufgewiesen. Graff 3, 426 erklärt es nicht, 
über petilus gewährt Festus 205, 22 Müll, folgendes, petilam 
naram siccam et substrictam vulgo interpretatur. Scaevola 
mt ungtdam albam equi ita dici. jene Zusammensetzung lebt 

* Meicbelbeck zt\%i leioe uokeDotnia der alten spräche öfter; d<* 111 
kommt die vosionise stelle zam Vorschein mque ad magnum rubum 
fui vulgo dieitur Darpidem^ Laehin^ Zoder^ Miehiinif Eiehi; man 
lese dar p( deru läckU^ »6 dsru miehiluH eiehi. 



6 SINTABFIZILO. 

noch idi mhd. , denn Flore 27M , wo ein bunter zelt^r be- 
schrieben wird, ist die verderbte stelle zu befsern 

er haste stark geheme, 

höhen ßxxelv^hen ßiojs. 
ein ags. ßtelfäh begegnet nicht, doch Fitela kann für sich 
weifsfäfsig bezeichnen, gleich dem lat. wort, was soll jedoch 
die beifiigang von siniar? ahd. siniar, mhd. sinder, ags. sin» 
dar ist sonst schlacke, scoria, spoma metalli, worin so lange 
die masse nicht ausgeglüht hat noch fiBu4>en zu spielen pflegen ; 
es scheint also der begriff von fixü nur dadurch erhöht und 
Sintarfixilo drückt ungefähr aus was Fitela. da indessen altn. 
iimdri silex und sindra scintillare bedeuten, könnte auch ge- 
dacht werden an flecken wie kieselsteine, oder funkelnde, am 
schwersten fallen wird es zu rathen ans welchem gründe 
Siegfineds Stiefbruder den seltsamen namen führte, ich habe 
anderwärts gezeigt dafs das Verhältnis der stiefverwandtschafi 
durch bunte fBurbe ausgedrückt wurde und Sinfiötli war sogar 
ein von bmder und Schwester gezeugtes kind. steht er im ge*- 
gensatz zu den echterzengten (yvijoiote) Welisungen? oder 
liegt darin eine andeutung seiner Verwandlung in einen 
grauen wolf mit weifsfleckigem fufs? 

So viel bleibt ausgemacht , Sintarfizilo und Sinfiötli sind 
dasselbe und jenes rührt ans der nemlichen mythe in welcher 
noch dieses erhalten ist. da aber Sinfiötli aufser der Völsunga 
saga bereits in eddaliedem auftritt (S«m. 153. 164. 163), 
wo gleichfiüls auf sein Umschweifen als wolf angespielt wird, 
so mufs die Übernahme des «toffs der sage fineilich in sehr firü- 
her zeit erfolgt sein, in Deutschland scheint selbst der unter- 
suchte eigenname nach den zehnten jh. auszusterben. 

JACOB GRIMM. 



^^ 



TYROL UND FRIDEBRANT, 

In der geschiehie untrer poesie ist kaum etwas dunkler 
als das Verhältnis der sage von könig T]to1 von Schotten und 
seinem söhne Fridebrant. wir besitzen ein schönes lehrge- 
dicht, in strophischer form, von einem unbekannten verMser, 
aber aus der besten zeit des dreizehnten jh., worin der alte 
könig seinem söhne erst zwei räthsel vorlegt, und, nachdem 
er dessen befriedigende auslegung vernommen hat, eine reihe 
eindringlicher lehren ertheilt. etwas anderes und wahrschein- 
lich gröfseren umfcngs war aber des küniges Tyrols buoch 
auf welches Boppo MS. 2, 236 dreimal sich beruft, wegen 
eines räthsels von sieben krönen oder frauen, deren in jenem 
gedichte nicht erwähnt wird, alle drei fragen beziehen sich 
auf Daniel den weifsagen, in dessen biblischem texte nicht 
danach zu suchen ist. man sollte dem vollständigeren werk 
auch nur geistlich allegorischen Inhalt zutrauen, das gegen- 
(heil folgt aber schon aus dem Wartburger krieg, wo MS. 2, 
14^ eines zauberringes gedacht wird der dem königc Tyrol 
zum sieg im Schachspiel half, es mufs also eine gröfsere dich- 
tung auch erzählender art gegeben haben. 

Dies erhellt nun weiter aus der weise in welcher 
Wolfram einen Fridebrant von Schotten in Gahmurcts ge- 
schichte Dicht, Parz. 16, 16. 25, 2. 25, 20. 58, 7. keine mei- 
dung geschieht des valers Tyrol, wohl aber erscheinen um Fri- 
debrant andere gar nicht romanisch klingende namcn,/r{>//«^^ 
von Schotten, Isenhart, Hernant, Herlint; zumal merkwür- 
dig ist dafs Fridebrant eine tochter Schiltungs zur ehe hat 48, 
19, welcher Schiltuuc doch zu den Schiltuugen, Skiöldüngum, 
der uralten deutschen sage gehören mufs. noch in Albrechts 
Titurel tritt Fridebrant verschiedentlich, immer als ncben- 
Dgur, auf, namentlich 12, 26 — 30 und 21, 41 — 44, wo erzählt 
wird dafs er den Hernant schlug und dessen schwert erbeu- 
tete; auch hier 15, 122 heifst Schulung sein Schwiegervater. 
Tyrol wird eben so wenig genannt. Christians französischer 
Perceval mag auf diese namen und abenteuer nicht anspielen 
(wiewohl man immer noch nicht nachsehen kann) ; allein Kyot 
kannte sie vielleicht? denn in HiuteffAr befremdet der erste theil 



8 - TYROL UND FRIDEBRANT. 

und scheint entstellt ; selbst FMebrant ist unter ahd. namen 
kamn an&aweisen, sonnen n\a Friduperaht ^ wiewohl beide 
formen wechseln dürfen wie Hüt^ant und Hiltipraht. 
wSren aber aQe jene namen schon bei Ryot gewesen, so 
mnst^n frühe schon deutsche Überlieferungen unter romani- 
sche gedrungen sein, wobei man auch Sig^ne, Frimutet, 
Titurison und manches andere in dem läthselvoUen grund der 
Gralssage zu erwägen hätte. 

Noch mehr fällt auf dafs im Gudrunliede von einem 
Frideschotten lande die rede ist. den Sigebant von Irlant, als 
er seine braut Uote von Norwsege abholt, geleiten frideschot- 
tische recken, 9, 3 ; sie sind aber nicht aus seinem reiche, 
sondern norwegische lehnsleute, denn Uote sagt 30, 1 selbst 
do ich magetUchen in Frideschotten saz^, und Hilde, ihre en- 
kelin, wendet wider Hartmuots Werbung um Gudrun ein, sein 
vater Ludwig sei ihres vaters Hagen mann in Karadin , aber 
auch in Frideschotten angesefsen 611, 1. 

Ich zweifle nicht am Zusammenhang dieses Frideschotten- 
landes mit könig Fridebrant von Schotten, schwerlich gerie« 
then jene steilen erst aus Wolframs Parzival in die Gudrun, 
sondern waren schon im zwölften jh. darin, eher scheint mir 
der mannsname Fridebrant aus dem örtlichen entsprungen. 

Karadin, Karadie, das ich eben anführte (denn der 
übrige Spielraum des Gudrunliedes bleibt hier bei seite), könnte 
eine britannische landscbaft sein, auf welche man des Ptole* 
maeus KoQiTavoi anwendet, womit der eigenname Caradoc^ 
Coroticus zu vergleichen ist (Diefenbachs Celticall**, 147), 
Gruonlant Parz. 48, 29 ist das Grasntands fyllä der land* 
Schaft Vik in Norwegen, was wäre Frideschotten? sollte 
man an das engl, ßnth z=:ßrth sinus maris denken dürfen ? 
in Norwegen liegt eine gegend Firäir oder Firdajylki ge-' 
nannt } was gerade so aus fi'ördr sinus maris zu deuten ist \ 
wegen des beisatzes Schotten mufs aber eiue britannische 
oder schottische landschaft gemeint sein die ähnlichen namen 
führte, es gibt dort mehrere ßrths Qierjriths^ namentlich die 
von Forth und Clyde (Diefenbach 271. 315) und die meer- 
enge zwischen Schottland und den Orcaden hiefs Petlands 
ßrth^ Pentlands frith (Diefenbach 209. 240) altn. Petlands- 
^fiSrdr (zwischen Ratanes und den Orkneyjar) forum, sog. 



TVROL UND PRIDEBRANT. 9 

1, 200. 5, 33. 10, 125, also gerade aaf der scheide des sehot» 
tischen und nordischen gebiets, so dafs die sage mit gutem 
fbg Frideschotten in verband mit Nonregen bringen durfte, 
läTst sich die Vermutung ertragen, so wäre auch annehmlieh 
dafs ein könig Brand, von welchem ich doch wie von seinem 
vaterTyrol keine spur aufweisen kann, Firthbrand oder Frith« 
brand geheifsen, auf den Orcaden gewohnt und sich rühm er- 
worben hätte, den heiligen Brandan aus Schottland oder Ir- 
land (welche beide länder sich oft vermischen) bringe ich 
schon deshalb nicht in anschlag weil ihn unsre dichter des 
13n jh. von Fridebrant unterscheiden ; auch war er kein k5- 
nigssohn. ob die bekannte sage der meistersänger, Wolfram 
von Eschenbach habe von seinem meister Friedebrand zu 
Siegbrunnen (?) in Schottland biicher empfangen, wie man 
vermutet , auf die stellen des Wartburger kriegs von einem 
buche Brandans (MS. 2, 9*^) zu beziehen sei, lafse ich dahin- 
gestellt. 

Ausgemacht ist die berübrung der geschichten Gahmurets 
mit denen von Tyrol und Fridebrant, wie auch schon jenes 
lehrgedicht des im Parz. auftretenden Amphortas und des 
Flegetänis (Parz. 453 — 455) gedenkt, vielmehr aufschlnfse 
würde uns die dichtung von Tyrol und Fridebrant gewähren, 
hätte sie sich vollständig erhalten. 

Ein kleines seit vielen jähren in meinen bänden befind- 
liches bruchstück derselben wäre längst herausgegeben, sähe 
es nicht gar zu übel und verderbt aus. ich hoffte immer eine 
ganze und befsere handscbrift würde noch an den tag kom- 
men, dafs ich endlich damit hervortrete bedarf freilich keiner 
entschuldigung , da es an sich schon zu wifsen nützt eine 
solche dichtung sei bestimmt vorhanden gewesen und zwar 
gerade in der Strophe abgefafst die auch dem ohne zweifei 
älteren lehrgedicht eigen ist. 

Die hs. ist auf pergament, wahrscheinlich noch aus dem 
schlufse des 13n jh., das format war wohl quart, mit zwei 
spalten , von welchen die zweite oder äufsere jedesmal über 
die hälfte der länge naeh weggeschnitten, aufserdem hat die 
schere aber auch jedes blatt oben ungefähr um ein drittel ver- 
kürzt, unten fehlt nichts, die vollständige spalte wird etwa 
vier Strophen I deren zeilen nicht abgesetzt sind, die seite 



10 TYIIQL HMD FMMBIIANT. 

aehtf das bkli sechxeha entkrilten kaben, will man jeder spalte 
Kaf stropheB , dem blatt also swaazig beimeCseii , so wäre 
Ueiafolio ansaaelinieB. die folge der blätter, wie ich sie gebe, 
scheint richtig, auch läfst der inhalt keine grofse lücke ver- 
muten, alle blätter haben dazu durch wurmfraTs viel gelitten, 
was noch zu lesen ist wird hier getreu mitgetheilt, zugefügt 
sind bloTs die groEsen anfiEungsbachstaben jeder Strophe. 

In dem beginn des bruchstiicks scheint Tyrol den Fride- 
brant anzureden und wegen gefangennähme der riesen zu 
preisen, dann wird erzählt dafs die königin (kaum Tyrols ge- 
mahlin , sondern eine andere , vielleicht die deren land durch 
besiegung der riesen befreit worden war?) fürsten und ritter- 
schall zu einem hofspiel (ohne hämisch) entboten habe, es 
folgt eine Schilderung des glanzes dieser Versammlung und 
der Schönheit der frauen. auch Megram, von dem man nichts 
weiter erfährt, wird besendet, zwölf herrn und grafen tragen 
fahnen vor, die königin führt den Baldewin (etwa ihren eignen 
söhn) an der band vor die beiden könige und bittet für ihn um 
ertheilung der fahnenlehn, welche auch Tyrol und Fridebrant 
bewilligen. Fridebrant wird als mit belehnend dargestellt. 

Anf der verschnittnen vorderspalte der seite D stand ver^ 
mutlich der name Gahmuret^ dessen Zusammenhang mit un- 
srer fabel schon vorhin angemerkt wurde, nur läfst sich nicht 
abnehmen , anf welche weise er etwa hier eingreift, gleich 
dunkel bleibt uns der name Velsiane auf seite A. 

Die ankunft eines fürsten macht dem fest ein ende, der 
vor könig Tyrol klagt dafs ihm achzig seiner leute erschlagen 
seien und wahraoheinlich znr hilfe auffordert. Tyrol zieht nä- 
here nachrichten ein und diese werden nun im verfolg gege- 
ben, zwei halbleute und ein meerwonder verübten diese un- 
liwi. diese halbleute sind die sogenannten elstermaischen, 
n^^rfpies, mit dgelsiermdl, zu weichen auch Feirefiz im Parz. 
gdiori» halb weifs und halb schwarz über den ganzen leib ge- 
tJieiU, altn. hdf/IitÜMmM, von ha/ßär halbfärbig. ihre knap- 
pen ftthrlen kostbare mit steinen verzierte watsäcke und ritten 
auf dromedaren. der kämpf mit diesen halbleuten und dem 
Aoerwundcr wird umständlich erzählt, wobei die namen eines 



TYROL ONO FIUI»:BII4MT. it 

grafen von Masndam und des biir|^graf(ui Sigeram ersoheiDen« 
nicht reehfc verständlich ist warum anf seile F Tyrol ans sei* 
Dem lande vertridien vorgestellt wird- 

Die letzte, Seite beginnt aber wieder ein anderes aben-r 
teuer vorzutragen, dessen anknüpfung an das vorherige uns 
entgeht, denn kaum ist der hier besprochne teufel, den ein 
kapellan mit buch und Weihrauch verjagen soll, noch jenes 
meerwunder. den kapellan befällt furcht, er* springt in eiii 
gadem , wirft dessen thüre zu und ruft der teufel führe seinen 
herrn von dannen. ein knappe mit der kerzen scheint aber 
diesen nicht im stich zu lafsen. hier hört das firagment 
schon auf. 

Der ganzen kaltung nach mufs das vollständige gedieht 
von ziemlichem umfang gewesen sein. 

Es gebricht auch nicht an merkwürdigen ausdrücken und 
sprachformen, welche letztere sich einem niederdeutschen 
dialect zuneigen, der aber mehr auf rechnung des s(^jureibers 
als des verfafsers kommen könnte, dahin gehört de für die, 
dese, rese, er für ir, ujte für ofte, gift für gibt, git. 
zachzick für aksic kenne ich aus keinem mhd. werk, es ist 
das nl. tadhtig und gemahnt an das alts. antaktoda, worüber 
ich anderswo umständlicher sein werde. auch vangen 

A, 7 für gevangen ist nicht mhd. adelam A, 7 statt 

des mhd. adelar steht im reim: gevam, umgekehrt vam für 
var A, 13: dar. bremzelich B, 11 wird noch im nhd. 

brenslich gehört, man mohte viur hdn drüs geslagen nach 
Parz. 257, 20. köchgeverttc und gebus C, 12 statt des 

mhd. höchverticy buos. sind ttnnekleider C, 3 Schleier? 

die von der stime bis zum fufs herab hängen. C, 9 daz 

serpant an den fahnen scheint weniger ein darauf gemahltes 
oder gesticktes bild, als besonders daran befestigt, vgl. Bit» 
1 1 157 den schilt unz üf die slangen versniden. wasecke 

E, 10 für wdtsecke. F, 3 bi desen vlecken scheint nichts 

als ze disem male. G, 10 fällt <mch mit der bedeutung 

von nur auf. in Sren stdn G, 17 reverenter, wie dem 

ahd. ira der begrifT von reverentia, observantia beiwohnt. 



12 TYROL UND FRIDEBRANT. 

Auch die schriflzüge bieten einiges ungewöhnliche, be- 
sonders in dem buchstaben z, der fast wie z gebildet wird ; 
m und ein übergesetztes kleines t drucken mit aus B, 18. D, 
2. S für et ist bekannt, auf seite H war der Schreiber sehr 
nachläfsig und muste vier doppelt geschriebne Wörter durch« 
streichen, wofür ihm einige andere ausgefallen sind, bei abthei- 
lung der Wörter erlaubt er sich einen einzigen consonanten 
ins ende der zeile zu bringen. 

JACOB GRIMM. 



TYROL UND FRIDBBftANT. 

A 

Svn dines hoen prises goft 
yf erden- Tnde in maniger 
loft so wnnichlich kan gevam dv 
bist der tugent ein adeiam ein ber- 
uh ZV marroch mir ein wint da- 
kegen zv nemene were vur daz 
de resen vangen sie 



13 



IWT V helle de konigin kont 



D 



getan den unrslen die ir ri 
cheit han • vnlfangen non des kv 
iiinges hanl beide nber wac yn 
uber ianl sie snln ane härnasch y- 
är durch kurze wile zirme spil 
aus quamen sie al gemeine dar 

ie bodescaft wart so uumom 
daz islich herre solde kume 
mit alle sinen urowen wert 
des habe de kuninge ge gert des sa- 
ch man uberz geuilde yam 
so Uli der werden ritlerscaft yn 
wol geziler urowen schäm 

3. /. woniclicheo 
7. /• vangen lint 
Jll, /. ipezirter 



cht 

ynde • • • ^ • • . 
lin sie , » • cht . • . 
baz ir hoch • • • 
gruzeten sie gar 

Sys zoch de 
zwe elpha 
at yon nuwen • . 
da mit heiz sie in 
solden zwene rise 
ynde yelsianen • 
hortich sagen • . 
e kunigin 
meit yiir 
ir reit d • • spra • » 

ten siten 

hochgelobten u • • 
ritet zy • irinde 
bracht zw . n tirol 



D 



u 



TYRM^ UND I^BIDBBftANT, 



. . . gelac 
.. .ucht aor 
. f . . 80l 
...daz der 
daz ftint ir 
daz mia urowe 
ZV dem (J wil 
prach ich wene mär / 
ich e^tet der kimi 
. daz vmbereifc ist 
n ist noch aoUen- 
a sach.yber den snite 
er riche wat 

bat er bliben hie 

wende nie begie de 

nicht gezeme daz 

..«•...•• eme ich 

• . ort ans ^ 

. . wi . i de risen h- 

amen an daz zil daz 



B 



hnrte quam de kunigin siez geh£[zf 
hant ein uurste der heiz galferat 
der quam mit scalle so man sait daz 
beide gast ynde ouch der wert vn4^' 
daz huz von done wait 

Da was von uremden landen 
niet . 

icheit ouch de landesherren .... 

•ach 

wip man da manigen klaren lip 
an urowen de ouch mvnde tragen 
bremzelich vnde rosenuar man m- 
ochte viur hau druz geslagen 

Nv sint de hoesten kumen gar 
ZV höbe man wart uil schlre 
war daz man de kumende schone 
vntphec manich vrowe dort gezi 
• •t ginc giftgot den engelen sulche 
kleit in sime himmelriehe so hat er 
. . • • chlichen uf geleit 

V wart ouch megram besät 



N 



2. /. bat 
16. 17. geziret 
19. ? woniclicben 



TYKOL UND PBIDBBIUUNT. 



16 



nv stunt daz Jioohgeii«rtige wip 
wem w wart alles kuabera gebus 
de tiime kleider tiore geat ir su- 
chen m£ den vnz 

^1|WTt sint de knningine M zwatf 
JL^ heren ynde greuen bvri die 
heiz sie zwelf vanen dar tragen 
ob ioh iz V rechte kan gesagen de 
waren aiiber wiz gevar daz ser- 
pant dran uon golde de tmeh mä 
nv d* vrowea gar 

De kvniginne baldewine ai 
bider hant als wol sich hocb- 
vart gezaa sie vurtin vnr de kvBi 
gin sau sie sprach den ich hie bi ban- 
den han de wil v diensles wesen bi 
vnde lihet im kuniage riebe mit 
vanenen daz last zw gl • • • ri 

De* konio tirol vnde firLdebrant 
de vanea namn an de haut 



.u 



gesohemen 
Jiea da sie 

il pre 

ir • . 
rosse T^de seh 
ge baldewin 
lem komen • . 
wm . . da be h 

Hort we . 
pellel • 
daz soMen r 
de ... res V . 
hitzen • . • 
den gap * ^ . 

NT het 
leit a 
den elphen 
de häü , ... 
• • • e roil * 



13. 14. /. hoher art 

14. /. vur de knnfge 
18. /. yanen 



16 



TYROL UND FRIDEBRANT. 



Q . • . ie 

h vor wnd^ 

nde ooch siiis 

nen vnde w*ie 

omber da • • 

en gtr ane 

mbe den yur* 
amuret der 
1 dort uor kä 
ure weiz swe 
ore man in 
n in des wMe 

• • ort da • • 
. . . ab saz 
. . yfl da zw 

• gen im sin 
a • • e deii • • 
haben • . . 



D 

quam vnde we man clage 
von im uor nam daz maniger if 
im muste klagen er sprach vor- 
howen vnde irslagen sint mir 
wol zachzich miner man daz kla- 
ge icht von Unten wen iz hat der 
tiubel mir getan 

Der kunio tirol urogete in me 
er sprach herre iz qnamen vB 
den se zwene man de sint halp liiH 
ten gelich ir wapen sin vmmaze 
rieh mit in ein merwnder vert 
sie engerten niens geleites da vö 
wart laster mir beschert 
Ja ros de sint vmmazen stark swe 
sere * • eh ein • . • or mich barch ein 
halp der nasen ist er blank vn 
anderhalp daz har so lanc rechte 

als den beren bequam 

er i n Unten des mach ich ueh 

({ nicht wol gewem 

13. oient umdeuiHekt vieiieieki meni 
JUr minsT oder nieBentT 

16. tich einer vor mir? 

18. ftiderhalp twars, dai har 

19« elaeB wilden 

IM), iener, iender den Unten T 



'"n 



TYROL UND PUDBBRANT. 

E 

Da er daz swert ouch inne hat 
de hant er ofte scowen lat de 
ist im groz lanc wiz nnde wiz dar 

• • • • 

an lit wol des wnsches vliz sie ist 
gestalt nach Unten site vii öfter 
mir zeigete ichen weiz nicht w- 
az er meinte mite 



17 



TpV le sie zv knapen wollen 



han de sint dem tubele ge 
lieh getan sie naren zwene wa 
secke rieh von steinen sint sie 
kostelich han ichz geprubs rech-' 
te dort so sint de steine tiure in 
eineme siclatun Wort 

e dese secke vurent hi^ zwe 
dromendare . . . iten sie als 
ich in vnd* de engen sach min til- 
ze scrichkes mir ^iach de zene 
in vz dem munde gan al sam 
swen ebere wilde de wezzende 
vor hunden stan 



D 



S 



gelouben daz . « 
starken in den . . 

de tut vns grote . . 
brüst ist iz ein ; . 
Vf gerichte . . s ho 
im gestriten kan 

in ysenkra . . 

swelch ende 
gedranc da sl . . 
lieh . . er swertes 
d . . schilt d . . . 
damit . * • « . 
scirmens .... 
or dem . . 
vom w . 
veste wert vnr . 
listen swen iz . 
mane zv hant . . 
schilt vnde h . . 
zv dechein . . . a 



v: 



Z. F.D. A. I. 



>. 



IS 



TVaOL DND FSIDEBRANT. 



lie Dich gewinnt 

hcrter den ein 

in tttbel im den xi- 

vnde ouoh uon liu 

e des ftoame der 

. . dem . . och uil 

n uf der strasen 
hctle ouch vor uni 
as der greue fon 
eiion alao nahe . • ft 
. . SV gesprach wer 
.... Bell im sei« 

haben sie sich gewit 

a namens in de 

sini non roro ^Uro 

der Uosi sich brach 

gewori von goldo 

bar searf ir snidi 

. . vi ir ort 



kvnig icht bekant den man da ti 
rol hat genant nv hat in elielende 
bracht daz wir bi desen vlecken 
des edelen ufie han gedacht 

De rede enhalf nicht vmbe m 
bar sie gachl6 alle vor mir 
dar do maymete wart genant vn 
ouch er got her teruigant vil sper 
uf sie gestochen ward das gulde 
sie hie wid* al so daz da nicht scbil*» 
de wart gespart 

De erste zoist de da gescach 
als mir min marscalk sit ver- 
iach de tete d* grene von massidam 
vn der bnrogreue sigeram mit bor 
ie sie nf ein and* triben ich dag mm 
hoben mage do sint beide tot blib4 

So ritteriichez ane kvmö wm | 
nie loste me vnr nomoa 
SV rookler nase ir gslofeis v# 



17. i, k^hft wAft 



.«. 



TYROL ONO FRIDnEIRAirr. if 

4 



V 



karn .... 

rch iorste iz nicht lan • die wile de wir . . • 

heren uor im sint nv ob iz das . i wt . . . 

tier ich man ist s ges, . . 

om dem getwerge wart ge trage uo n . . 

scrit ZV hant daz tier mit f^-^ • • 

sprangen wit vor mitte her i L/ den . . 

vnse scar wir drangen ouch des sint ir 

mit im dar sin swert ist swere mit s 

vÜL also scarf durch alle wapi nv ko . . 

man der siege ouch eines zv lazel 

dem tode darf de bi der . 

Daz merwnd* liez ich sin X 7 f der 
da karte ich ande herrß bi V min 

. • . sehs vnde dritzich miner le der mit 

man ob ich de warheit spreche kegen mi . 

kan de hant de zwene mir gesla heiz micli 

ge vnde dese zwene ircrazet den schilt 

waz ist daz ich von dem tnbele s& merwndf 

a waren beren vn (J gen ll/r>^ ^ 



• • 



Da waren beren vn Q gen ll/T 
die diet die note von ein IVX 



hielt 



^, 3 undeutlich, 

20. voD eioftoder lehiet 



V 



30 



TYROL UND PMDEBRANT. 





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« . daz tor 


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ent er andaz. 


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... da vor 


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; • wirt nam 1 




. . Tnäialbie 



H 



läge der kappelian getmwet nicht 
daz got im nicht gehelfen mnge 

Der Wirt gelobete snnd* wan 
daz lucifer w'e sund* wan 
vz gelan vil manich crace er nicht 
verbreit zo hant do rief der sdbe 
wirt hin vmbe nach den kappellä 
nv bring; wiroch vn buch der tv 

Der wirt d* (J tubel wolle lan 
mnste in sorge stan von da 
nen stoup d' cappellan in eim ga- 
dem daz er veste'vant die warf 
er da zy- hant kege sine arowen 
er do iach mine here vnrt der tu- 
bel hinne mit minen ougen ich. 
daz sach 

Der knape in grozen eren stat 
der noch de kerze vor im hat 
dnen tiren wolder rates wem 
ir seht wol wes de geste ges gern 

% i, im noch s^li^lf^B 

4. sand' wao durehgettrichen 

6. /. verbirt 

8. tv durchgestriehen. l. ob vos der 
tabel 

11. /. ein gadem 

i% L die tnr 

20, ges durchgestrichen 



31 



ÜOTA ANO ATO. 

Warum beifst in uosern epen Kriemhildens und dar bur« 
gandischen Nibelunge rauller Uote, Hildebrands fraa eben- 
falls üote, in Gudrun nicht blofs Sigebants mutter sondern 
auch seine gemahlin wiederum Uote? es scheint stehender 
name für stammmütter und ahnfrauen der heldengeschlechter ; 
auch Yilkinasaga cap. 151 nennt Hagens mutter Oda. das 
wort ist sicher nur seiner bedeutung wegen zum eigennamen 
geworden, und diese kann keine andre sein als thenproavia 
oder abavia, atavia^ des ganzen Stammes urahnfrau. kein 
dialect bat sie aber aufbehalten als der altnordische, in wel- 
chem, wie Biöm lehrt, 6da (ich schreibe absichtlich nicht 6äa) 
den begriff von avia magna ausdrückt, in der kerlingischen 
sage hiefs die stammfrau Berhta, wie das mythische wesen 
der ahnmutter welche noch jetzt in einzelnen geschlecbtern 
erscheinen soll entweder auch Berhta oder geradezu die wei- 
fie fraUf was dieses namens sinn ist, genannt wird. 

Unsere heutige spräche iet arm an Wörtern die abstu- 
fung der vorfuhren zu bezeichnen, aus einzelnen älteren spra* 
eben und den volksmundarten ISfst sich noch der ehmalige 
gröfsere rcichthum abnehmen. 

Snorraedda gibt s. 199. 202 für die he%nSe pater, avus 
jukiproavus die altn« ausdrücke yoiKr, aß nnd 4ii für mater^ , 
atfia, proavta hingegen mödiry amma und edda. in Rigsmil 
werden dieselben sechs benennungeu merkwürdig an die 
spitze der drei geschlechter, also nicht unter sondern neben 
einander gestellt , so dafs die unfreien von Ai und Edda^ die 
freien von Aß und Amtnüy die edeln von Fadir und M6dir 
abstammen sollen, diese dichterische anwendung jener ter- 
minologie scheint unbegrfindet, da die edeln gerade von den 
untersten vorfahren, nicht von den obersten hergeleitet wer- 
den ; vermutlich war dabei die mcinung, dem adel eine unwi* 
dersfreohUche abkunft zu sichern, dem stände der freien nnd 



n ÜOTA ANO ATO. 

nnfreien eine danklere von angewissen voreitern einznräa* 
men. unter den namen ziehen besonders dt und edda an. 

Edda, das die berühmte benennung des bnches gewor- 
den ist worin wie im gedächtnis der erfahrnen urgrofsmutter 
die sagen der vorzeit bewahrt sind, müste nach den conso- 
nantverhältnissen unserer verschiednen dialecte goth. isdS, 
ahd. erld lauten; doch keine dieser formen iäfst sich aufwei- 
sen 9 um so weniger wage ich ihre würzet aufzuklären, auch 
4i scheint zu mangeln ; genauer zugesehn ist es aber deut- 
lich vorhanden, nemlich nichts als das ahd. ano*^ dem ein 
goth. ana entspräche*^, di steht für ani, wie die präp. d 
für ana, gds für gans, porr für ponar u. s. w. das ahd. 
ano, welches auch den Angelsachsen abgeht, aber (ma gelau- 
tet haben könnte , drückt zwar avus aus, würde sich jedoch 
ebenso wohl für die höheren stufen der ascendenz eignen, man 
ist bisher verlegen gewesen es zu deuten, ich führe es unbe- 
denklich zurück auf das goth. anan spirare, prät. 6n; ana 
bezeichnet den der ausgeathmet hat , wie hana den der ge» 
kräht, buda den der geboten, nuta den der gefangen, gibm 
den der gegeben hat; eine menge solcher schwachen subsU 
des begriffs vergangner handlang bilden sich mit dem vocal 
des part. prät. starker verba. ano ist also ein verstorbner oder 
auch ein dem tode naher greis, was die Griechen ixntnvtvxmg 
nennen, und nun wird uns zugleich das ahd. urano abavus 
aufgeschlofsen I welches goth« uzana wäre, und sich aus 
usön exspiravit, ilinvcvae Marc. 15, 37. 39, bestätigt; es ist 
gebildet wie uslipa qui excessit, der seiner glieder nicht mehr 
mächtig, gelähmt ist, von usleipan exire, denn iipusy das wo« 
mit man geht und sich bewegt, gehört zu leipan^ wie mem^ 
brum zu meare. derselben partikel us oder ahd. ur mit der 
bedentung super^ ultra begegnen wir in der Zusammensetzung 
uralt vetustus, wofür ags. ofereald, engl, overold, gerade wie 
anderwärts overano, averancho als glosse zu abavus oder 

' fehlerhaft bei Graff 1, 2S!Z dno^ was schon durch die mhd. reiae 
Pan. 710, t9. 763, 5. 764, 9. Wh. t57, 26 widerlegt wird, noch 
mehr durch die etymologie, welche Graif nicht anrührt. 

" 2 Tim., 1, 5 ist eben, an einer verletzten stelle, av6 für /Jiafi^ff 
gefunden worden; ieh wurde an6 vorziehen, da sieh goth. v kaum 
Aam laC. v In auälf oder dtm altn. / In qfi vcrgleiehen l&Tst 



.\ 



DOTA AMO ATO. 2a 

atacus gesetzt wird, gl. Juu. 265. Hoffm. xxix. 2, 2} im- 
serm nhd. urg'rq/svater entspricht das nnl. overoudgrootva- 
der, es ist das griech. vnigyt^Qoe. nicht wenig wird aber 
meine herleitung von ano bestärkt durch das altn. verbum ä 
respirare , pausare, welches ebenso jenem dt (qui respirat, 
pausat) zur seite steht. 

Unserer oberdeutschen insgemein an krafk und fülle die 
niederdeutsche überbietenden Volkssprache sind einige aus- 
drüoke, gewiss von sehr hohem alter, eigen, an deren ausle- 
gung ich mich hier versuchen will, avus ist ihnen allen ähni 
oder ehm^ proavus urähni; die beiden höheren grade abavus 
and atavus werden aber gegeben pfuchähni und guckähnL 
diese abstufung scheint nach Stalder 1, 92 am genausten in 
Graubündten beobachtet; Schmeller hat bloFs 2, 27 gugkene 
grofsvater des grofsvaters ; Schmid 247 guggähni urgroFsva- 
ter; Höfer 1, 335 guckcnl ururgrofsvater ; Oberlin bringt 
guckanfrau aus einer Strafsburger ehgerichtsordnung bei; 
dies wort gilt folglich imElsafs, in Schwaben, in der Schweiz, 
in Baiern und Oestreich. eine stelle in Hermanns von Sach- 
senheim mohrin , die Schmid anfuhrt, mag ein wenig aufklä- 
ren: man ßndt noch guckengegel (? guckelgegcn) jdü, sie 
hon lang seit gar wol verblät, vnd nemen gern biem aufs 
der glüt. schon Frauenlob sagt MS. 2, 218* g^g^^ g^^g^^ 
tinnes arm ; giegen sind narren , güggel giegen abgelebte, 
alte narren ; ich weifs über dieses güggel und das mit ähni 
verbundnc guck nichts befriedigenderes zu sagen, pfuchähni 
hingegen , welches auch noch in pfuipfuchähni verstärkt 
wird, hängt offenbar mit der interjection j^/i/t und miipfuch 
foetor, altn. fuki^ zusammen und erklärt sich vollends aus 
der in Luzern in ganz gleichem sinn hergebrachten benennung 
stinkähni. vielleicht dafs sich auch guck auf ähnliche weise 
deuten läfst. man darf darin weniger roheit als alterthümlicbe 
einfalt und natürlichkeit des volks sehen , welches sich seine 
vorfahren im schofse der erde faulend und modernd vorstellt, 
wurde aber ein uralter greis noch als lebendig betrachtet, so 
kommen ihm solche namen zu, wie bei den Römern decrepi- 
ius, dessen unsichere ausleguug bei Festus (71, 11 Müll.) 
ich herschreibe um den Vorwurf abzustumpfen der den brau* 
eben und anschauungen unseres volks gemacht werden könnte, 



U ÜOTA ANO ATO. 

vor denen doch am wenigsten die Sprachforschung erschrecken 
darf: decrepitus est desperatiis crepera iam vita^ ut cre- 
puscuium extremum diei tempus. sive decrepitus dictus, quia 
propter senectutem nee movere se nee ulltim facere potest 
crepitum, der slill da sitzt, ohne sich zu rühren und zu regen, 
beide bedeutungen von crepare, krachen und bersten, wären 
dabei in anspruch zu nehmen; Schmeller 2, 379 zeigt dafs 
auch unser kracken und krächzen von gebrechlichen, alten 
leuten gelten, eine ahd. glosse überträgt decrepitus eben 
durch crachendir; vgl. Schmid 324. Stalder 2, 125. zur 
erläuterung dienen die auf greise angewandten griech. Wörter 
i^&oQ (gekocht, abgemattet), rayy&dvaTog (gewissermafsen 
unser Jeige)j T£%vjtfß(o/udvos (begraben) und das schon an- 
geführte ixnsnv€VX(os das an unser einfaches ano gemahnt, 
man möchte bei pfuchähni selbst an pfuchzen niesen, bei 
stinkähni an die ursprüngliche bedeutung von stinken olere 
denken und den sinn von abolitus erreichen, weitere auf* 
schlüfse gibt vielleicht die vergleichung andrer sprachen, alle 
Slaven nennen den grofsvater djed, poln. dsiad^ die grofs- 
mutter haba^ und pflegen proavus durch pradjed, p7*adziad, 
urgrofsMutter durch prababa, höhere grade durch Wiederho- 
lung des pra , prapradjed , praprababa amszuArucken '^ im 
Serbischen aber treffe ich ein, wie es scheint, zweimal zu- 
sammengesetztes tschukundjed atavus, tschukumbaba atavia, 
auf deren deutung sich Vuk nicht einläfst*. die Dänen (ich 
weifs nicht ob Schweden) steigern durch beifügung und re- 
duplication des Wortes ^/jp=:nhd. zipfy zipfel, welches extre- 
mitas bedeutet, so dafs oldefader^ oldemoder proavus, proa- 
via , tipoldefader^ tipoldemoder abavus , abavia tiptipolde- 
fader , tiptipoldemoder atavus , atavia ausdrücken , welche 
bezeichnung auch unter den Nordfriesen gilt, welche nach 
Heinrichs chronik 1, 56 für avus alvar d. i. allväter, für 
proavus ehealvar, gleichsam uraltvater, für abavus tippaivar, 
und ebenso almem, ekalmem, tippalmem gebrauchen, dies 
tipp könnte noch in andern niederdentschen volksmundarlen 
vorkommen, insofern tipp nicht blofs gipfel, sondern auch den 
letzten punct bedeutet und Henisch s. 1773 gticklin == tipflin, 

* in der lingaa igoota Hildegardis heirst pater peveris, avut phazur, 
^tavDs kulzphazur. 



ÜOTA ANO^TO. 25 

punctam setzt, wäre yielleicht in guckähni derselbe begriff za 
suchen, obschon wir hochdeutsch zip/, sipfel von Upf^ tipjel 
unterscheiden. 

Der altfriesischen spräche war atha pater, aldafeder 
avus, ethla proavus, wiewohl es einmal auch für avus genom- 
men wird, ethla ist nichts als diminutivform von atha^ genau 
wie in oberdeutschen dialecten herrle vinijräule, herrlein, 
fräulein, oder herrche, ßräche avus und avia bezeichnen 
und alte glossen anicho avus, anicha avia gewähren* das 
einfache wort scheint aber aller lautverschiebung zu spotten 
oder sie nur unregelmäfsig kundzugeben, denn die griech. 
form aTTa, lat. atta^ haftet sowohl im goth. atta^ als.im ahd. 
ato^ atto (Graffl, 145) und ich habe lusl jenes ahd. Vota, 
wovon ich ausgieng, damit als ablaut zu verbinden, so dafs 
ato avus , uota avia , proavia , abavia oder atavia, beide zu* 
gleich aber pater und mater ausdrücken mögen. Altila mag 
in goth. wie in einer finnischen spräche einen dieser begriffe 
enthalten haben (vgl. ungr. atya pater) ; auch ahd. erscheint 
die form azo^ eszo (Graff 1, 524) und Etzele^ Etzel ist 
gleich dem altn. Atli ein sageberühmter stammkönig. das 
fries. ethla hält den richtig verschobnen laut, schwankt jedoch 
in edela^ wie das einfache atha in atta, in den slavischen 
sprachen begegnet ot und otaz (böhm. otec , poln. ociec), 
aber neben atha und etha erscheint noch eine fries. form aita 
und aspiriert haita^ welche, wie ich anderwärts dargethan 
habe, noch jetzt in dem hessischen hette^ häte^ für vater, 
fortlebt, nunmehr dürfen wir auch das goth. aipei mater, 
ahd. eidi^ mhd. eide heranziehen, dessen consonanz von eite 
wie goth. äipei von atta abweicht, zuletzt sei des griech. 
TttT«, T£TTa, lat. tata^ slav. tata erwähnt, weil ihm wie- 
derum in niederdeutschen dialecten die form teite entspricht, 
ohne dafs uns die Fehlende lautversohicbung dabei stört, so- 
gar das ahd. totOy mhd. tote patrimus oder compater könnte 
sich damit berühren. 

Im Griechischen werden nännog and fid/u/u^a durch die 
Partikeln tiqo und dno zu den begriffen nQonannog ^ ngo' 
fxdixiLiri^ dnonannog und dnofadf^if^ifj erhöht, ganz wie im 
lateinischen avus, avia zu proavus^ proavia, ahavus, abavia» 
das weitere dignannog ist klar, weniger atavus^ nach Festus 



W ÜOTA ANO ATO. 

13, 18 qtdm atta est avi, id e$t paier, ui pueri usurpare 
solent; wogegen aber Pott (etym. forsch. 2, 315) mit recht 
bemerkt ds^s es dann attae avus heifsen müste, and der 
pater am schon proavus genannt wird, was zwei stufen 
unter atavus bleibt. Pott deutet at in atavus durch uüra^ 
was unserm ur und qfer gleichkäme, die gewöhnliche ahd. 
Steigerung des begrifles a$io ist allano oder alterano proa- 
vus ^ urano abtvus. ags. finde ich ealdfäder avus, eald- 
ealdßider proavus, ealdmodor avia, ealdealdmödor proavia; 
flir ahavus oder atavus kSnnte oferealdfdder angenommen 
werden, Wi^ mnl. overaidervader glosse von atavus ist 
(Diut. 2, 202). das schleppende grqfsvater hat seit dem 
16q jh. unser schöneres, einfacheres ane zurückgedrängt, 
und ist wie das engl, greatfather dem franz. grandpere 
nachgeahmt; dann steigern wir durch ur und urur» selt- 
sam nehmen die Engländer beide sprachen zu hilfe, great- 
grandfather und greatgreatgrandjaiher. 

Einladender als alle diese etymologien ist die Wahrneh- 
mung, mit welcher ich mich anderwärts* beschädigt habe, 
dafs im alterthum mehrere berge grq/svater benannt wurden, 
in Hessen liegt ein Ällerhätenberg (von ällerhäle =: alder- 
keite)^ in der Schweiz ein Etsel, zwischen Schlesien und 
Mähren ein Alttater^ am Taunus der Alikönig, in Wesl- 
phalen der Teiteberg. eine spitze der Karpathen heifst poln. 
babie gory, böhm. babj horj, was man übersetzen darf 
grq/smäiterberg statt altweiberberg ; schon bei Constant. 
porphyrog. ffaj^tßaptia, wie Banduri meint für ßaßuaoQtia, 
bei Anna Comn. p. 122 Par. ßaßayoQa. es verdienen noch 
andere gesammelt zu werden, ich kann aus Murawiews reise 
durch Turkomannien nach Chiwa (übersetzt von SlrabK Berlin 
1828, s. Lx) den namen eines hohen bergs Sare baba hinzufü- 
gen , welches gelber grofsraier bedeutet ; nach s. 70. 7 1 
des angeführten buchs soll Sare haha daselbst begrabeo 
liegen. 

JACOB GRDDL 

* irit^WiA ^s liest. \ttt\%% far fescliichtc 2, 139—142. 



n 



•• 



BRUCHSTÜCKE. 



Zwei pergamefit$ireifen mit denen ein buch gefalzt 
war; wie die von einander laufenden Spaltenlinien zeigen, 
nicht einmal eines und desselben blaties. jeder streif ge- 
währt vier abgerifsene stellen, für deren folge sicher ist 
dafs a dem b^ c dem d vorausgeht; auch lehren die am 
rande des ersten Streifens zur rechten hand eingestochnen 
linienpuncte dafs hier a und b zur vordem, c undA zur 
hintern seite gehören, schriß wohl der ersten bäljle des 
lAn, das gedieht der zweiten des iZn jh. 

Der verlöre gar sin recht 
So sprichit ein knecht 
Eya lach wcres da veile 
Daz ich din zu mime teile 
Koufen muste ein pheninc wert 
AI sollich min nuwe awert 

Dar vmbe versczzen 

« 

Daz ich mich leides muste ir(gezzen) 

» 

Vn keret rechte gege d* . . . 
Dar men daz hier verkoufet 
Dqr, wirt vz loufet 
Jegen den iungen gesten 
Her wirt vullil ybs des besten 
Dawider gebich v zehant 
Pheninge oder phant 
3pricbit die tanzes meisterin 

Des begent se vnder (/. wunder),. 
Die vrowe hat dar vnder 






28 BRUCHSTÜCKE. , 

Ir gewerp gesezzet 

Alse men den bunt hezzet 

Zn der läge an daz tier 

Daz verguldcn wirt daz bier 

Des sint die knappen ir gereit 

Sie sagint von manig* bouis(cbe]t) 

Achten sie zu deiner wis 
Sie wenent beiagen den pris 
An der becherweide 
Des gewinnen sie beide 
Laster vnde schände 
Sus hat inme lande 
Vcrrc vn wite 
Min vrowe riiicwite 
Ir gesinde geleret 

Sie nu tetich iz gerne 

Wen daz ich alsus bin vzaget 

Wie . waz ist daz ir saget 

Ir sult die rede gar vert>eren 

Daz si . ich wil is vch geweren 

Vn saget ime daz her sich wol gehabe 

Vü uemet vnücemotes abe 

Ich iQwil in nicht langer 

IV 

so 

Diz ist vn)wcQ tribi^n lebin 
Men MUS ir beidenthalken gebin 
Schiifr« sie ab^ ^wiogel 
Dia leare siel rmkt singel 






^* 



• -^ *■ 









r* 



,;\ Btilr is beworren in einer no(te) 
X V ' Der qiiif ailiz dorilote 
Ey wes willekome lieb' b . . 
Herre got vergeiliz v. 

. . stet 

Do . . ach . . in mitten an dem brete 

Tat ir daz . ia ich tete 

JTu intruwen ist iz war 

So muz ich immer daz iar 

Behalden armiz wip 

(Be)ide seie vnde lip 

(Kum)e . mir ist ioch rechte zorn 

(Da)z ir mich sas falschaft loint . . orn 

Nu w 

Wie . t^ . . . • niezen 
Nu inlat is vch nicht verdriezen 
Vi nemet dise zwene Schillinge 
Herre ich loufe vn springe 
Vn wil mich is also vlizen 
Daz ir mirz nimb' sult vwizen 
CSttte wi na sint irs noch komö 
Weiz got ich han wol vnom§ 

jius den eigennamen Iq/it sich noch wenig entnehmen, 
ßrau Bincwite ist wohl des tanzes meisterin^ welche den 
Jungen leuten im wirtshaus hier schenken heifstj und viel- 
leicht einerlei mit der später genanten frau Tribe? vgl, 
Hmbetribe MS. 2, 72*. ein paar redensarten und aus- 

drücke sind bemerkenswerth ; so der wünsch da/s der tag 
feil und stückweise um pfennige zu kuMi^fen sei. becher- 

weide ßir zechgelag gemahnt an snabelweide MS. 2, 179* 



aO BRUGHSTDGRE. 

und sperweide Er. 9092, besonders aber an die hübschen 
stellen im Trist, 6590. 6704. beworren in einer note, 

mit einem lied beschäftigt, dorilote! das romanische 

dorenlot! bei Ravalliere roi de Navarre 2, 183. zu 

deiner wis achten = g^^i^g schätzen habe ich nicht mehr 
gelesen; man darf nicht debeiner befsem^ deiner ist deut- 
lich, falscbaft betriegerisch steht auch bei Herbort 17694; 
die folgenden worte sind vermutlich hänt geborn, so dafs 
hier tochter zur matter redet, II** weifs ich keinen 

reim auf u vobis, wenn er genau sein soll, denn was 
wäre lieber bu oder bru, bin, briu? hol für böte und her- 
nach die Umsetzung herre iu vergeltiz got könnte etwa 
helfen, 

JACOB GRIMM. 



FREIDANKS GRABMAL. 

Anf der königl. bibliothek zu München wird ein hand- 
schriftliches werk des bekannten Hartmann Schedel aus 
Nürnberg (cod. lat. 716) unter dem titel opus de antiquita- 
tibus aufbewahrt, worin er von seinem aufenthalt in Italien* 
spricht. bL 204 befindet sich folgende stelle, welche schon 
vor längerer zeit prof. Schmeller mir mitzutbeilen die gute 
gehabt hat. 

De Tarvisio, 

Inter opuscula mea bonarum literarum optss Fridanci 
Rithmorum autoris extabat: quem mercatores ob sua lepida 
dicta ad urbem Venetorum vocarunt, in urbe Patavina mor^ 
tem obiisse r^erebant. qtia re moti das sepulchrum in ea 
perquisüsimus. tandem in muro primariae ecclesiae ab extra 
eius imaginem depictam reperimus, et eius epigramma teUs 
qranearum per Georium Pfintzing pratfatum, (er war Sehe* 
dels begleiter), miU omni benevolentia coniunctissimum, plen« 
mundatum talem seripiuram Uteris ae sermone iheotmäco 

* er Mba ia >• i4di des doetorhot in Pavi«. 



FREIDANKS GRABMAL. Sl 

emaraUtm pe^speximus, sui quoqne rithmi latma ac theo^ 
tonica Utera (lingua?*) perscripti sunt. 

Epitaphiwn Fndanci sepulti in Tarvmo. 

Hye ieit Freydanck 

gar on all sein danck 

der alweg sprach und nie sanck : — 

Etwas ganz neues. Freidank war von den kaufleuten seiner 
witzigen und scharfsinnigen Sprüche wegen nach Treviso 
(denn das ist die urbs Vcnetorum, urbs Patavina, da das 
gebiet von Padua schon seit 1402 zu der republik Venedig 
gehörte) berufen, starb dort und ward in der hauptkirche 
begraben, zum andenken ward sein bildnis an die mauer 
der hauptkirche gemalt und eine deutsche inschrift dabei 
gesetzt. 

Diese inschrift ist von dürftigem Inhalt und hat nichts 
von der art und weise des 13n jahrh., sie zeigt auch nicht 
die sprachformen jener zeit sondern des 15n jh. man müste 
also annehmen dafs Schedel indem er sie abschrieb sie zu- 
gleich auch geändert habe, aber noch mehr, der gegensatz 
in den Worten der alweg sprach und nie st^c war im iSn 
jahrh. unmöglich, sagen und singen, sprechen und singen 
war bekanntlich der technische ausdruck für den Vortrag der 
gedichte im allgemeinen, und keineswegs wird dadurch ein 
gegensatz, etwa zwischen prosaischer und dichterischer, von 
gesang begleiteter erzählung ausgedrückt, ich will hier nur 
eine stelle und zwar eines dichters der noch im anfang des 
14n jh, lebte anführen; Frauenlob sagt (Hagen MS. 2, 344*) 
swas ie gesanc Reimar und der von Eschenbach, swaz ie 
gesprach der von der F'ogelweide, und gerade von Walther 
kennt man nur lyrische dichtungen. Johann vonKostenz (nach 
der lafsbergischen bandschrift der verfafser von der minne 
lehre, die Bodmer got Amur nä&nte), der (nach Lafsberg) 
im 13n jh. lebte, führt einen spruch Freidanks mit einer be- 
merkung an, die der inschrift geradezu entgegen ist (2013 — 14) 
ez strichet her Fridanc, der ie seite unde sanc statecliche 

* Sehedel meiDi wohl die bearheitooyeD FreidaDkt in UteiaiMheo vid 
denlieheo vereeo.* 



n FKESDASKS GRAsaua.. 

mirAeit^ kicrra kgoutl nmA folgendes. Freldank konBte erst 
lUirh dem kreaz2iig nm 1329 nach Treyiso berufen sein; 
will nun Uun aach ein hohes alter beilegen, so waren doch 
bis zu Schedels anwesenheit mindestens zwei jahrfaanderte 
rertloisen. ich will die mögUchkeit zageben dafs ein Wand- 
gemälde und eine 7 wie es doch scheint, nicht in stein ge- 
hauene inschrift so lange der zeit getrotzt habe, wiewohl ich 
etwas sehr unwahrscheinliches zngebe : wie hat sich aber 
bei den deatschen in Treviso ansäfsigen kanflenten, die man 
doch Toranssetzen mofs, eine so alte nachricht ron seiner 
berufung and krankheit erhalten? 

Ich bezweifle nicht Schedels and Pfinzings Wahrhaftig- 
keit, und was sie beschreiben haben sie gewiss an der kir- 
che zu Treviso gesehen, aber ich ^abe nicht dafs Freidank 
in Treviso war und dort ist begraben worden, oder mit an- 
dern Worten, ich glaube nicht an die Wahrhaftigkeit des denk- 
mals selbst, es kann sein dafs im anfang des I5n jahrh. ein 
lustiger und scherzhafter mann, dessen witz and Scharfsinn 
bekannt war, von den deatschen kaofleuten im Yenetianisches 
nach Italien eingeladen ward, and den namen Freidank er- 
hielt oder »ch selbst beilegte , entweder weil er an sicfr 
bezeichnend war oder weil man ihn damit dem waridiches 
Freidank, dessen spräche in damaliger zeit noch bekannt ge^ 
nug waren, vei^gjifiichen wollte, ward doch im 16n jahrh. dem 
koiiH^r Jlaximilian in einem Verzeichnis seiner werke auch 
Freidnnks gedieht beigelegt, s. Haltaas Theaerdank s. 19. 
dann konnten die zu Schedels zeit lebenden kanfleate sich 
s«dncr sehr wohl ennnem, und dann passen aach die worte 
der inschrift der a/wpg- sprach und nie sanff; sie sollen an- 
deuten dafs er ein erzähler kein sanger gewesen sei. oder 
das grabmal hat vielleicht nur einer blofsen volkssage seine 
entstehung zu verdanken oder dem wohlgemeinten einfall eines 
(ieu(2»chen maiers der ans dem ge£cht woste dals Freidank 
in Italien gewesen war. ich erinnere an den bekannten grab* 
stein Eulenspiegels, von dem es sehr zweifelhaft ist ob er 
wtirklich gelebt hat. man hat bilder von ihm, man zeigt zn 
Müllen , wo er soll gelebt haben , einen panzer von eisen- 
draht^ ja amdi in ftum ist er angeblich gewesen und hat doi 
pnfast (pMwhen (vgl. Flöget geschichte der hofiiarrmi 46(L fL)^ 



W« «ihI liiii xtJR^Mwiww^ wiil *^^ ^äÄ'WI'MI >^^ \V »Mi^v^- 
ersltMi 4iiiftiij|r^> «Ur^^r ^1^ «^x Ul vMl^^'tW-l^ ^'i^ tJ^m ^ 

in df n lioidolkoi^t^r jührbiVlioi^ ISÄÄ» ttlW •;) ww4 w^iv (iw J^h 

gründe noch ("rw^rlcn» «»IWitD 'i«nUobii»Hl«)Hd«^ii d<iriii' t^tK^v lU 
gTjiC^n wini «irb vii'Uc^irkl «lu (bini^r btttibüt lilMiig t|t>i ii)M4« h 
rigf nlbünilirhlrili'n Wdllht^r« und Fi^iilitnkji rinti^bciM ; lUhi» 
habe ich üt bc'mi^rkunK ku KuUnd 3, 9S m<it'bt)n konnten 

Ihr» d<»r ^Ulmi^biaicbi' Si«i(^ird llt^lblin^, lic^ii uh <|U üb 
ihn in der nnlnlun{{ am «infiibHi« nitbl nübov kttniila, ualDV 
Bembard Fmdank unnc^rn dit^blt^r Hii»inlt), düvua bübc \^h 
mirb jrUt auK t*inif(c*n «Ic^lli^n iii»inc*r ||t»dit'biiif| ^o t»** ö|iiuib«) 

aus((abf wird vic*llc«ic'bl Mocb Ht^Ürrc aiifkläiuHi^ ^ a^iU wi^| 
finif^r ncxb nicbt krkaniitt' utirücbc^ Frcittaiik^ i^^^abic^M üb 
der vuniauic* i)c*riibard rirbli^ i»( (tnaii d(<rf', da difc^dt'i* iiu^i; 
frübi^r nicbt xuiu voratibeiu koinuili ti^agfu wubfr ibji ||i>lbHii|j 
ft« ende d«*a f3ii jabrbuud^a wilat*) UtHin ivh dubiu gi^ulll 
»riu ; wabri;tbt*inlii'b dütikt e* muh uuhi ; uhvn'ü^^hcnd ui 
aber d«*r j^cbluf» d^u bt^rr |^r<>f. v.d.lt«|(«'a diko^m^ ^.ubi (jabii 
4ler Hfrliti. üpra«*b^t*»rll»4-biif( J, V7;, itriil |*Vt*i4«>*4 «^M^b di^u 
voruaui«*u K«*ftibard iübrt*. könuf ev üübl Wulllivr \a^u dc^ 
VoÄ;elwfidt* iit*iu. 

ti|^ »urli ttu» »lUtu |iiipi«ii'<»ii düU di»ri &<iii Uut' ^.ui- \ uf^ulv^iriUi- licjanti 

£. r. D. 4. 1. a 



34 






vnsfr vrowen clage. 

Hi bi WTC in wislich wat leil were. (134*) 

nu bin ich uir ladit mit sere. 

Di iuden hant binumin der werlide ir lith. 

vndi mir alli mine zu virsith. 

Minis herzen suzicheit. 5 

Vnde so was ich lives hedde dat zcgeit. 

Dal is mir allis kumin zu pinen vnde zu ruwen. 

wi solde ich arme des gitruwin. 

dat di undir di schechere solde wMin gizalt. 

di des himilis unde der erden hat giwalt. 10 

Liuiste allir kinde. 

vn math du liden dat man dich sus binde. 

Sich din arme mudir ane. 

Dat su sus weinit alli tage. 

Dv were ir trost alleine. 15 

want maddu si tun weinin. 

Ei wi hart sint dine bende. 

Waz hant wirwort dine väzse nndi din hende. 

Dat man si mit nagilen solde durch borin. 

suszir lib wi hau ich dich su» wHorin. 20 

Ei weme mach ich nu clagin. 

di grozsin pine di ich dragin. 

di pine di ich liden. 

wi mochtich di virmiden. 

Di vunnden vlizint. 25 

Dat Mut si ane gis | sent. (135) 

Ei wi varioz ich dich sihin. 

wi mochti dat imm' sin. 

dir mir herze leit gi schin. 

99. 9» ist hier eine tücke. 



»• .. 



^*. 



UNSER FRAUEN KLAGE. %-• » * 

wath duch mir me dat leuin. 30 

Sint du mich muz so sere virgeuin. 
Ich sin dich nachit unde an umbecleit. 
Ei dat is dinir mudir leit. ^ 

Ei wi . owe ie si dir lonint. 

dat si dir so luzil sconint. 35 

we wolde nu al iemirliche irsteruen. 
wat mochti he euch damidi ir wVen. ^ 

Ei wi swinde was di hant. 
di dir aue zugin diu gewant. 

Wi sere si sich bidrugen. 40 

Di dich an en cruce slugen. 
Gebenedigit si dine g^^ult. 
dit in hastu nit virschilt. 
Dv inphehes is allis zu^ude^^ 

mit vll semfligen müde. 45 

Ei wi uvale han ich Uuunden. 
an dinen heiigen . wnden. 
dat mir sagite symeon. 
alliz dat mir gisehen solde. 

dat mich ein swert solde durchslan. 50 

dat sin ich nu vor mirstan. 
Dat swert dat da snidit dat is di bithircheit. 
Di min herze leit. 
r Dem ich inflin nit in mach nit intwichin. 

he in muzse min herzen leit ani sin. 55 

Mochtiz nu gischin Idil ich wolde. 

dat ich mit ime st^uin solde. 

Wat wurre mir dan armin wiue. 

ob min sun | Miue zu Übe. (135^) 

AUi pine woldich unimir undir stan. 60 

34. 90. 41. diese zeih ist am rande »ugcseUt, 43. so. 
49. /. sUeheben 54. /. noch iotwicbia 



UNSER FRAURN KLAGR. 

dal ha dodU mothi ingan. 

Ki wat hfth he vbilis gidan. 

Dttt man in mit rüden aolde alan. 

wat hadde he gi vromit. 

linde mit w^^hen unde mit reden gidonit. 65 

An die amerzin von den wundin. 

NU hant ai in ao uaate gibundin. 

vndi hant in mit dornin gi cronit. 

do hant ai ime vil unreohti gilonit. 

Si hant in biapuen . vndi an dat cruce gislagin. 70 

Unt hat he allis gidultliche uir dragin. 

80 dat he nit solt inguan. 

Aleine hant ai in voreinin si en vor einin undedigen man. 

Nit in Moonit mime Übe. 

iipe dat min sun leuiiidich bliue. 75 

hl m«K ich nit irw^ben, 

dal ich vor in muise Sternen. 

So wil ich dal ir mich ueil. 

uiitli mit ime an ein crucc sleil. 

I>al ich siiiis «kniis si gineiBe. 80 

wanilc ke sliniil vnile «leuae. 

(%4Miil mir <loch dea <Me« Uk. 

^'oii idi si« «mtf r kia «»ii e» %il anais rwik. 

I>al idi niicli gis^dk »uais mm. 

viMle mia ieil dbclc imn^B« 515 

«IskIi Ml W« I fülm iiwh au sia. 1136) 

^^^^a^» «aiKlili Mir aimur h«cr fpM^wa« 

Ml miOic 4al Mcli dkr 4M wifiaMiie. 

Ma4c «il 4^ ul scWr^ tm fci w i ttr 

Ml $iiMc eittMi At!» 



*». lA ••wMa ii^ fw*^^ai • r^ ■W» Äv 



UNSER FRAUEN KLAGE. 37 

Liuir were mir dat ich allin dac virdurwe. 

dan ich snellis dodis ir sturue. 

Dat di steine spaldent. 

in din graf . di do den us schaldint. 95 

dat di dodin üb steint. 

undi herus in di stede geint. 

Dat si giclagin irin trost. 

di si von missiqueme diche hat irlost. 

Dat i ist allis wundir nit. 100 

von der grozsir mendat di is gischit. 

wi mochti di suuni schinin. 

so si gisit irin herrin in den pinin. 

Wi mochti dat den sichin zugude kumin. 

dat in der arcet is binumin. 105 

di secDere barrabas. 

di ein mansletigir was. 

Den haldint si zu live. 

vnde willint dat ih*c aldus iemirliche bliue. 

Hi mide wenint si vride han. 110 

Dat si slent einin unsuldigin man. 

Dirre rad sal in schaden unde nit vrumin. 

wände kurtlichi sal di zit kumin. 

Dat si nit in mugin vir | miden. (136 *") 

si ne muzsen starke Trachi liden. 115 

Von hungere von durst . vnde von 8w*de. 

dat si fluen ob si mochlin undir di erde. 

Dan alli ers sulin si wesin guis. 

dat ihesus zu irme scaden dot ist. 

vnde dat di schedere sal üb stan. 120 

di di sal alsi ein vihe slan. 

Den si seluin haddin irkoni« 



95. /. uBdi di graf di ddden dz schaldint 115. vracbi ßreeke^ 

kwr UdHmgnU notk. 118. /. allir^rti 



tt UNSER FRAUEN KLAGE. 

in $i i« wale mochtin han inborn. 

Blini volo vnde vil arme lüde. 

gedenkit vvuirs heilis doch hude. 125 

llauint ruwen unde gidenkit ure missedai. 

vwir mach noch werden gut rad, 

Di milde ih*o is gireit. 

dal he ucb zu gnadin intfeit. 

üochtere von syon. wol ir na schrien. 130 

mit mir vvil armin marien. 

Sit an di grozsin barmh^zicheit. 

di min sun dir werlde deit, 

Di pinin lidet he mit zuzlichen gibere. 

alsi si in bidalle nit biswere. 135 

wen also Sizzit in sime gimache. 

idoch MO scafTet he vwir schachen. 

Ile vir diliget vwir schude. 

mit uil giH)zser gedulde. 

Di sine gnade, infeit dcnkliche. 140 

nndi louit in me. zv himile gimeuliche. 

alda ir in sit ademe cruce slan. 

da sult ir in Uflichi in | umbe van. (137) 

kussit sine vuzse unde sine hende. 

sit wi iemirliche he henge. 145 

Idoch intluchet he sia arme. 

vnde willint sich aide w*Mde irbarmin. 

vnde wUlit si brengen zu deme ewigen line. 

ix in si dat is an in bliue. 

Uelpit mir liuin kiiit min ieii clagio. 150 

so mach ich deste bai «arinigui. 

alse ich v dun dut mir als«. 

van einin sackia wU kk wesui vro. 

IS:)« Sil = mIaI wi0 A^TMcA 143. 145. 137. /. sacke 

ffrmiw. 147. I. wilUl sM «I 4tr 



UNSER FRAUEN KhAQH, 39 

ifier endigt s^war das gedieht^ allein es sckeinf^ doch 
der schlufs xu fehlen, die handschrift aus welcher 0s ge- 
nommeii ist habe ich in der vort^ede su fVemher vom Nie* 
derrhcin bcschnebcn, ich glaube dqfs es von dem verfcjser 
des in der handschrift voranstehenden niedctThcinischen Ma- 
rienliedes herrührt^ da ich art und weise dieses dichters, 
dem man eine gewisse irmigkeit nicht absprechen kann, 
wieder finde. 

WILHELM GRIMM. 



•• 



ÜBER EIN MITTELHOCHDEUTSCHES 

WÖRTERBUCH. 



Niemand tvird unserm Jahrhunderte das verdienst ab" 
sprechen fdr die gründliche kenntnis unserer ß^üheim sprä- 
che mehr geleistet zu haben als Je vorher geschehen war: 
immer noch aber — so hurt man von allen selten klagen — 
fehlt uns ein mittelhochdeutsches Wörterbuch, die klage ist, 
genauer besehen, ganz und gar ungerecht: die kurze ant- 
wort darauf ist *es fehlt uns was früher zu leisten nicht 
möglich war.' 

Nachgerade aber ist ein werk der art möglich gewor- 
den, und somit ist es auch pflicht ernstlich an die ausfUh- 
rung der arbeit zu denken, ob durch einen mit sorgfälti- 
ger umsieht gebildeten verein mehrerer mitarbeiter oder 
durch einen einzelnen der sich durch seine gelehrsajnkeit, 
seinen eifer, seine mifse dazu berifen findet, mag die seit 
lehren i fürs et*ste geniige es die suche in anregung zu 
bringen. 

Vor allen dingen kommt es darauf an dem werke eine 
solche einrichtung zu geben dafs der anfdnger mit leioh'- 
tigkeit finde was frühere forschungen bereits gelehrt hal- 
ben, Wid dann dafs für das was fernere forschungen leh- 
ren leicht überschauliche fächer vorhanden seien, in welche- 
nachtrage, seien es befsemde seien es ergimsende, ohne 
grofsen Zeitverlust niedergelegt werden können: denn Voll- 
ständigkeit wird von einem erste» versuclie der art nie- 
9umd erwarten. 



• 1 

t 



40 ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 

Beide zwecke lafsen sich nun, meiner lange und fest 
begründe tefi erfahrung zufolge , einzig und allein durch 
eine alphabetische anordnung erreichen. 

Was aber soll alphabetisch geordnet werden? 

L Eine folge der einzelnen Wörter in strenge al- 
phabetischer ordnungy vermöge der arl in dem ersten buch- 
Stäben, ich unarle in einem der letzten zu suchen ist, er- 
scheint durchaus vertverflich, sie hemmt die eigene thätig- 
keit der U7itersuchung und ist eine schmach unserer klaren 
durchsichtigen spräche, die uns stets locket auf den grund 
zu si^hauen : sie pafst nur fdr ein glossar zu einem ein- 
zelnen toerke; und ein alphabetisches icortrcgister, das 
schon anderer gründe halben beigefügt werden mvfs, lei- 
stet mehr als eine solche mechanische anordnung des buches, 

IL JVurzeln werden sich nie und in keiner spräche 
— wäre sie auch noch so alt — alphabetisch ordnen la- 
fsen. sie liegen zu tief; zu ihnen reicht weder Schrift noch 
geschichte, erst der aus ihnen an das licht tretende stamm 
nimmt eine bestimmte gestalt an; versuche diese gestalt 
weiteP hinab zu verfolgen können höchstens auf den namen 
scharfsinniger Vermutungen anspruch machen , niemals aber 
ßtf den namen zuverläfsiger entdeckungen. — wie und 
warum eine kraft, die allerdings vorhanden sein mufs, die 
eiche die palme den grashalm hervorbringt, das wird uns 
ewig verborgen bleiben. 

• ///. Bestimmt gestaltete stamme allein lafsen sich in 
einem mittelhochdeutschen wörterbuche alphabetisch ordnen, 
und so ordnen dafs für unterrichtende beantwortung der 
an/ragen die an das buch gethan werden so wie für auf- 
nähme von befscrungen und nachtragen auf gleich bequeme 
weise gesorgt werden kann und nur selten die nothwendig^ 
keit einer Verweisung eintritt, — In den meisten fallen 
werden die stamme starke vollwörter sein, ist kein star^ 
kes Vollwort vorhanden, so mufs, wenn nicht etwa eine 
frühere periode ein solches darbietet, die einfachste form, 
sei sie vollwort (^ij/tia vcrbam) oder nicht, als stamm an- 
gesetzt werden, — Jedem stamme müfsen die ableitungen 
so wie Zusammensetzungen u, s, w, untergeordnet werden^ 



\ ' •• - « 



ÜflfeiK BIN MHD. WÖRTERBUCH. 41 



# 



ly. Bekanntlich sind von friüier seit her aus ver- \*^ ^, 
schiedenen gründen fremde wöriet, besonders romanische, 
in das mittelhochdeutsche aufgenommm worden; diese sind- 
nach strenger alphabetischer Ordnung einstireihen : ich 
condwiere ßndet seinen platz im C, diu mandÄte im M, 
diu venie im Y. 

y. Das selbe gilt von den eigennamen, die, sie mö- 
gen nun deutsch oder fremd sein, nicht übet^gangen wer^ 
den dürfen, da sie nicht nur für Urkunden, historische 
Schriften i/. s, «j., sondern auch für gedichte von grqfser 

Wichtigkeit sind. 

■■ i 

VI. Die hauptaufgabt, eines auf die vorgeschlagene 
weise eingerichteten Wörterbuches für leser mittelhochdeut- 
scher Schriften mtfs, wie sich von selbst versteht, sein, klar 
und deutlich misugeben was jedes wort bedeutet, die ver- 
schiedenen bedeutungen gehörig su sondern und die ergeb- ^ 
nisse genauer und scharfsichtiger Untersuchung durch bei- 
spiele aus mittelhochdeutschen Schriften %u belegen. — Un- 
terstützt, wo es noth thut , mag die gegebene ^erklärung 
werden durch die ältere deutsche spräche, durch ^ahe ver- ^ 
wandte sprachen, so wie durch sonst bekannte gUkhärtigt * • 
Übergänge aus der eigentlichen bedeutung dl ^He prtpi- 
sehe, — Eingedenk des alten vielfach bewährten. spruekes., 
laboriosior est negligentia quam diligentia m^fs in der an- 
fuhrung von beispielen eher zu freigebig 0ls zu sparsam^ 
verfahren werden. — Da sehr häußg der fall eintritt 
dtfs ein wort bei gleicher ätfsercr gestalt in seiner heuti- 
gen bedeutung von der abweicht welche es nach dem frü- 
hem sprachgebrauche hatte, so mufs immer auf diesen un- 
terschied besonders aufmerksam gemacht werden. 

Zur erläuterung dieser hier nur im allgemeinen gege- 
benen andeutfingen erlaube ich mir zwei Wörter, ein deu$^ 
sches und ein romanisches, beizufügen und bitte zugleich 
den kundigen leser diese keinesweges als muster vaUstän- 
diger darstellung, sondern viel mehr als beispiel d^isen j" 
anzusehen was noch mangelhaß ist und berichtigung od^ 
ergänzwig erwartet — Die Verweisungen atff Jacob 



42 ÜBER EIN ÄIHD. WÖRTERBUCH. 

• 

Grimms grammatik^ die bei keinem worte fehlen därfni^ 
beziehen sich hier noch auf die siveite ausgäbe vom 
jähre 1822. 

ich lise, las Usen, gelesen, lesen 
gr. 1, 938. 
Der plural des prät, lautet in der früheren spräche 
bistveilen lären und der conjunctiv mithin laere. kchron. 2^. 
54^. Roths deutsche pred, 42. 43. 44. Maria 61. — weite- 
res s, unten. 

Eine erinnerung an das was x^on Jac, Gtnmm in 
dem Jahrg. 1836 der Gütting, gel. ans. *. 915 angedeu- 
tet ist^ und in der neuen ausgäbe seiner grammatik weiter 
ausgeführt werden wird^ ist vielleicht bei dieser gelegen- 
heit dem einen oder dem andern leser nicht unwillkommen. 
I. das einfache volltvort. 

ich lise sammle mit sondernder auswahl 

A. irgend etivas 

a. mit beigesctstem oder aus dem zusammenhange 
I sich ergebenden accusative 

ich lise birn Pars. 80, 1. schone ein wise getouwet 
was, da mir min geselle zeinem kränze las MS. 2, 75". 

b. mit anfugung vermittelst einer präposition 
an 

sine Sicherheit er an sich las. doch laese ich samfler süeze 
birn der könig nahm von dem besiegten gegner sicherheil 
(fianze) an. Pars. 79, 30 {die zwei folgenden zcilen sind 
ein in Wolframs weise beigegebenes späf sehen). Josaph^t an 
sich d6 las swaz im dd (? dÄ) vor gesaget was erinnerte 
sich an^ Bari. 96,. 23. Tröilus geschuof daz maneger an 
$ich las sin herze und sin gemüele wider, daz in gcvallen 
was demider von zegelicher vorhie tt^oj, 140 ''. die stolzen 
helt er an sich las Suochenw, 3, 88. 

in 
da ich mit ougen selbe sach die lugende der man von im 
jach und allez in min herze las in erwägung zog swaz 
lobeliches an im was Trist. 1033. in sinen muot er dicke 
las oft envog er daz niht iji dirre weite was wan daz ge* 



.1 



ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 4S 

fichephde was genant von eines sehephaeres hant Bari. 54, 35 
(in der besten hs, — der des freik, von Lafsberg — steht 
zwar in sinem muot, es scheint aber dafs der Schreiber 
durch das unmittelbar folgende m verfuhrt wurde). 

mit 
er las zesamene mit der hant mies Iw. 5569. 

üz 
Tristan hiez üz dem hove lesen auswählen des ktineges 
fieimlichaere Trist. 8588. 

ze 
s. das nächstfolgende d. 

c. mit adverbialer präposition 
üf 

er geb6t sinen jüngeren daz sie die Äleibe üf laeren das 
über gebliebene auflesen sollten , Roths deutsche pred. 42. 

d. mit adver bium 
hin heim 

DU daz der hcrre Riwalin wol und nach gr6zen 6ren sin 
wol driu jär ritter was gewesen und hete wol hin heim ge- 
lesen sich ertvorben gänzliche kunst ze ritterschaft, ze ur-v. 
liuge voUiche kraft Trist. 336. 

hinz ir 
diu müede sunne het ir lichten blic hinz ir gelesen zu sich 
zurück gezogen^ Parz. 32, 25. 

zesamene 
d6 lären sine jüngere zesamene der (? die) äleibe Roths 
deutsche pred. 43. daz sie die illeibe zesamne laeren 

das. 44. er las zesamne mit der hant mies und swaz er 
lindes vant Iw. 5569. daz nseme ich vür den cranz den 
ir zesamene hänt gelesen von maneger hande bluot MS. 
2, 208 ^ 

B. In genauer beschränktem sinne bezeichnet ich Hse 

a. in einer noch Jetzt gewöhnlichen bedeutung die 
dem weben vorangehende arbeit vermöge welcher die 
gamfaden geordnet werden, vgl. Frisch 1, 608. 

die läsen, dise wunden Iw. 6202. 

b. ich lege kleidungsstücke in falten 
s. ieh gelise. 



44 ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 

C. Endlich ist wahrscheinlich aus der ursprüngli" 
chen allgemeinen bedeuiung des wories auch die besondere 
zu entwickeln nach welcher lesen heifst buchsiaben xu wör* 
tem, Worte zu klarer rede an einander reihen und verbin-' 
den, diese Vermutung wird um so weniger befremdeny 
wenn man sich erinnert da/s ifi der früheren gestalt der 
Schrift die einseinen Wörter weit we?iiger getrennt wurden 
und mithin lesen keine so leichte suche war. — ff^ie wenig 
verbreitet unter männern höheres Standes die kunst des le- 
sens war ergibt sich, unter anderm, aus dem was uns Uol- 
rieh von Liehtenstein in seinem frauendicnst s, 60, 1 sagt, 
min schriber bi mir nibt enwas, der mir min beinlich brieve 
las und ouch min beimlicb ofle schreip. Ak von daz büeche- 
lin beleip ungelesen zeben tage — ein büchlein in welchem 
er etwas von der hand seiner gebieterin zu finden hoffte 
und toelches er unterdessen tag und nacht in seinem busen 
trug. — Bei den fraucn war lesen so ivie schreiben eine 
weit weniger seltene kunst. 

* Dafs auch in dieser bedeutung des wertes lesen der 
plural im präteritum früher lArcn lautete zeigt kckron, 
2\ 54 \ 

D. Betrachten wir genauer den Sprachgebrauch der 
im fnittelhochdeutschen bei dem so eben {unter C) bespro- 
chenen toorte statt findet, so bietet sich mehreres dar das 
einzeln hervor gehoben zu werden verdient. 

1. icb Ilse ist nicht selten vollkommen gleichbedeutend 
mit unserm heutigen ich sage, erzähle und ähnlichen Wör- 
tern und darf daher durchaus nicht durch lesen übersetzt 
werden. 

2. nicht nur der lehr er, der erzähler, der dichter, 
der plauderer auf der strafse u. s. w, liset , sondern auch 
das buch. 

3. verbunden wird das in diesem sinne gebrauchte 
wort 

a. mit dem accusative oder einer in indirecter 
rede stehenden ergänzttng 
ein meister las sprach, troum unde Spiegelglas daz si zem 
winde bi der staete sin gezalt IFalth. 122, 22 {solUefVolfram, 



IJBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 45 

der im anfange des Parstvals ähnliches sagt^ der meister 
sein? — Wallher ßlr den verfafser des liedes anzunehmen 
hat, meinem geßlhle nach, alles gegen sich). s6 wirt 
des maeres vil gelesen so heifst es allenthalben Vsere Tristan 
hie gewesen, uns enwsere niht ze dirre fnst s6 misselungen 
als ez ist' Trist. 12125. diu ^, als Moyses si las die 
zehen geböte, wie Moses sie verkündete, Bari. 57, 21 
(descendit Moyses ad populum et oinnia enarravit eis exod. 
19, 25. vocavit Moyses omnem Israelem et dixit ad eum 
deuteron. 5, 1). ein durchashter der cristenheit swä man 
si las des christlichen glaubens , wo man diesen predigte, 
Bari. 77, 40. 

b. mit accusat. und dative 

d6 got mensche dnrch uns was und uns des vater l^re las 
(so nach der hs. des freih. von Lafsberg) als er uns des 
vaters lehre vorttmg , kund that, Bari. 85, 10. 127, 2. 
d6 begund er im lesen sagen und tet im von 6rste bekant, 
wie gol Bari. (Lq/sb.) 179, 40. ez ist war als ich lise 
sage, m, Helmbr. 714. . 

c. diu Site von der ich iu nA da las die ich euch 
so eben beschrieben habe, Erec 7304. ich ^eiz wol, ir 
ist vil gewesen die vonTristande hänt gelesen; und ist ir io^ 
niht vil gewesen die von im rehte haben gelesen berichtet, 
si sprächen wol . . . aber als ich gesprochen hän daz si 
niht rehte haben gelesen daz ist, als ich iu sage, gewesen : 
si sprächen in der rihte niht als Thomas von Britanje gibt 
Trist. 131 — 150. lesen sprechen jehen sind hier voll- 
kommen synonym. 

d. mit der adverbialen präposition vor 
d6 din zunge mir vor las, wie Bari. 227, 2. 

daz buoch liset einem 
nA beeret wie uns daz buoch las erzählte^ Dietr, ahnen 30 V 

daz buoch liset von einem 
wie daz buoch von im las das, 22**. aus demselben ge- 
dichte lafsen sich noch z. 6307. 6626 als beispiele der re- 
densart daz buoch liset anfuhren; zu bemerken ist jedoch 
dq/s in der befseren, Riedegger, hs, z. 3607 und an den 
buocben lesen, z, 6626 man an dem buoche las latitet. 



ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 

4. ich lise wird im mhd. ungeßüvr in dem selben sinne 
gebraucht wie noch jetzt. 

Verbunden wird das so gebrauchte wort 

a. mit dem accusative oder einer in indirecter rede 
beigeßigten ergänzung 

die buochstabea sie lären laseuy kehr, 2**. er las dbc 
selbe maere, wie ein herre waere a. Heinr, 29. ein rede 
sagen beeren oder lesen das. 23. swä man beeret oder 
list Trist. 177. swd man nocb beeret lesen Trist. 230. 
ez dAhte si gnot swaz si las, wände si ir beider tobter 
was Iw. 6457. des lis icb bie den w4ren brief {sprich-- 
wörtlich^ wie öfter wenn mit brief verbunden, und nicht im 
eigentlichen sinne zu nehmen) davon sehe ich hier den kla- 
ren beweis, Parz. 85, 22. als icb ez las Trist. 2AA. 
wir lesen ir leben Trist. 235. schriben nnde lesen 

Trist. 8627. icb las die lieben botescbaft Amur 1601. 
der kldsen regel lesen Suochenw. 22, 54. 

b. mit accus, und dative 

ein niuwen brief si ir d6 las, waz aber ir rede solte sin 
sie gab ihr neue Vorschriften Trist. 14158. in weiz waz 
brieves er ir las MS. 2, 208^ (beides sprichwörtlich; zu 
vergleichen das von Schmeller im bat/er. wb. 2j 499 ange- 
führte das ist ein anders lesen das ist was anders). der 
mir min beinlicb brieve l^s frauend. 61, 2. 

c. mit anfUgung vermittelst einer präposition 
vgl. gr. 4, 733. 852. 

an 
als her an dem baoche las En. 13262. an den buochen 
Lampr. AI. 2651.3205. Iw. 22. brievebuoch en franzoys 
icb weiz wol: solch kunst ist mir niht diu blibene: dälaese 
ich an swaz d4 geschriben waere fFolfr. Tit. 164, 3. der 
an britunschen buochen las aller der lantbcrren leben Trist. 
327. si lesent an Tristande dem buche. Trist. 8605. 
alsd man an der geste list Trist. 8946. d6 dirre brief 
ze ho VC kam, diu vil liebe las dar an swaz dar an geschri* 
ben was Amwr 1222. 1525. 

in 
schiere sie dar ione im Abacuc lären kehr, 54^. in den 



• • 



ÜBER EIN MED. WORTERBDCH. 47 

baocheii bin ich gelesen Lampr. AL 86M. las inme 

gestirne Pars. 454, 22. 

von 

dar nach las er von legibus er las die über die rechte ge- 
schriebenen buchet^ unt daz kint wart alsus in dem selben 
liste ein edel legiste : diu kunst sprichet von der ft Greg. 
1021. über das Verhältnis der erdfläche sur mondfläche 
will Berthold nicht urtheilen: daz läze wir hin zno den 
meistern die da von lesen die der astronomie kundig sind, 
Berth. 300. bei einer totalen Sonnenfinsternis wänden die 
ungclÄrtcn Hute , diu werlt wolde zergftn : des habent die 
meister wol experimente, die von den Sternen [d6] lesent, 
daz des nÄ niemen vorhten darf das. 

d. mit adverbialer präposition 

da stuont Aventiur gescbriben an der strängen: sol ich die 
niht zcnde uz lesen, mir ist unmser min laut ze Katelangen 
fTolfr. Tit. 165, 2. 

* 
gelesen, das participium, kann eben so wohl dem einfachen 
ich lise als dem zusammengesetzten ich gelise angehören: 
man vgl, daher das letztere» 
ez ist in s^re guot gelesen wenn sie es lesen. Trist. 172. 

angelesen 
daz büechelin beleip ixa^A^sen frauend. 60, 5. 

daz lesen 

ir lesen was et da vil wert Iw. 6470. wtz aber min 

lesen dö waere was ich aber alsdann las, H. Trist. 2644. 

lese in seinen verschiedenen bedeutungen einem andern Sub- 
stantive vorgesetzt 

lescbanc. leseholz. lesemeister, in österr. mundart 
(nach Frisch) lösemeister. lesestoc. lesevel. s. bei dem 
zweiten worte. 

der leser 

leser dises buoches, vernim H. Trist. 2644. 



48 ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 

//. susammensetsung mit dem vollworte 
ich lise. 

1. mU vorgesetztem Substantive 

ich vederlisc lese angeflogene flaumfedem ab (vgl. 
federklube); schmeichle durch niedrige künste 
der ahte vederliset wol MS. 2, 240*. 

daz vederiesen 
56 wirt dm vederiesen swach amg. cccxx (24*). 

2. mit untrennbarer partikel 
ich belise 

daz er des h. criuces altäre belesen sul an dem selben messe 
lesen soll die wile er lebe Joh, P. Ludewig ?*eliquiae mss, 
1, 421. den alt^r niht belesen enkunde das. 422. 

ich erlise etjhrsche 
dar zuo hat iuwer meisterschaft der gote namen und ir 
kraft rebte erlesen unde erkant Bari, 225, 31. 
mit adv. präposition 

UZ 

sin herze in sunder üz erlas auserwählte wände er von si- 
nem bluote was Trist. 3241. 

ich gelise lege ein kleidungsstäck in falten, vgl. Gru^ffi 
sprachsch. 2, 250. 
daz röckelin daz was gelesen mit manegem kleinen vaMij^ 
MS. 2, 75^. ich sach si frA gebären, dö ich bi ir'wimrY' 
und ir gehabt hielt daz hemde unz siz gelas gefältelt hatte, 
MS. 2, 82*. so ist wahrscheinlich auch geleseniu wftt 
zu verstehen^ wol gelesen wät beslozzen hat min schrin 
MS. 2, 75 \ 

ich gelise verstärktes lise 

a. in der bedeutung I. A. 
ich gelise üz 

wen mag ich nu m^r noch femer üz gelesen auserwählen. 
Trist. 4721. 

ich gelise zesamene 
unz er zesamene gelas zusammen brachte gülte und guotes 
die kraft Trist. 352. 

b. in der bedeutung I. C. 

als er den brief gelas gelesen hatte, Lampr. AI. 1138. 
in gelas s6 herzeliebes nie niht m^re ick las nie (wenn 



ÜBER EIN HHD. WÖRTBRBUGB. 41» 

• 

nicht statt gelas %u lesen ist gesach) MS. 1, 160\ anz 
ich an einem buoche alle sine jehe gelas, viit dirre ftren- 
tiure was Trist. 165. als im der herre vü^ gelas gesagt 
hatte, Bari. 191, 23. dA Josaphät den brief gelas gele^ 
sen hatte, Bari. 346, 23. 

ich überlise (oder ist lise über anzusetzen?) lese ganz 
durch 
d6 si überlas daz brievelin durchgelesen hatte, Amur 1561« 

diu äventiure plur. die äventiure 

Wolfram reimt Aventiur: fiur Parz. 130, 10. 378, 22. 

537, 22. 
Aus dem mittellat. advenire sich zutragen hatte sich ein 
subst. adventura, aventnre gebildet das im dreizehnten jakr^ 
hundert mit übertriebener verliebe in unsere muttersprache 
eingeßikrt wurde, das deutscher natur inwohnende bestre* 
ben jedes wort durchsichtig zu machen, dem z, b. das eng-' 
tische crawfish (ecrevisse) sparrowgrass (asparagns)^-> ^^ 
mhd. apsite (dtl^is) tmd so manches andere sein dasein ver^ 
dankt, wandelte später äventiure in abentetter, ebenteuer. 

Die bedeutung des Wortes war schon im romanischen 
schwankend und wurde es, wie gewohnlich, noch mehr im 
deutschen, genaue erforschung der mit äventiure vcrbun* 
denen begriffe ist also unerlqfsUcke pflicht, wenn auch 
diese begriffe sich nur aufzählen nicht entwickeln Iq/sen^ 

Vor allem ist nöthig die zwei hauptbedeutungen er^ 
eignis und bericht zu unterscheiden. 

I. äventiure =: mhd. geschiht ereignis, begebenheit, 
Vorfall, umstand, läge in der man sich bandet 

1. überhaupt 
ein ftventiur hie vor geschach : diese ist, ein blinder geht 
nachts mit einer brennenden f aekel auf der strqfse umher^ 
amg. cccxviii (11^). unbescheideniiche ich fiiere, wolt ich 
d'ftventiur fiirbaz län, wie Feirefiz zu Artus kam und von 
diesem empfangen wurde, Parz. 761, 1. dirre äventiure 
maere die erzählung der entscheidenden Schlacht, W* Wilh^ 
402, 29. diu triirge äventiure und daz vil leide scheiden, 
als Isot mit TMstm in die wildnis zieht. Trist. 16668. 
er gedähte aller der äventiurü alles dessen was vorgefallen 
Z. F. D. A. I« 4 



50 UBBB EIN MHD. WÖRTERBUCH. 

tpur, fragm. 23^. nü heizet triste triure und von der* 
äventiure von diesem umstände ^ deshalb s6 wart daz kint 
Tristan genant Trist, 1998. er was gebunden mit brahte 
und mit triure umbe sine äventiure Trist, 15796. daz 

er siner äventiure an sorge und ane triure ledic onde äae 
gesaz Trist, 15S55. 
2. besonders 
a. ein unerhörtes unbegreifliches ereignis, ein wunder, 
ein zauberwerk; ein geheimnis 
si sprach Mä stuont äventiur geschriben an der strängen: 
sol ich die niht z'ende uz lesen, mir ist unmser min laut ze 
Katelangen Wolfr, Tit. 165, 1. Jeschute, des Wunsches 
äventiur Pars, 130, 10. Larie des Wunsches äventiure 
Wigal, 8885. dem (gote) wil ich der äventiure jehen 

diu in disem huse ist geschehen: Dacian nennt sie wunder 
und sagt Jesus sei ein hübischer zoubersere, Georg 23 ^. dd 
im diu äv. geschach Pars, 553, 12. ein äv. ist mir geschehen 
fFtgal. 360. ein kv, ist hie gesch. fFig, 1522. mit fremder 
äventiure muoz er vor iu werden bräht von der wibe list 
215*. disiu msere sint mir ein äventiure was ihr da 
sagt ist mir unbegreiflich. Trist, 11637. diz duht in 

äventiure Trist, 15878. hie merket äventiure: Tristan 

vl6ch arbeit unde leit, und suochte leit und arbeit Trist. 
1222. gar äventiure ist al daz laut ihr seid im lande 
des grofsen Zauberers Clinschor, Parz, 548, 10. dö der 
stolze Iwän sinen guz niht wolte län üf der äventiure stein 
Pars, 584, 1 . 'ich hän in disen stunden schoene äventiure 
fanden, 'sag an, waz äventiure?' eine minnen fossiure 
Trist* 17432. nü seht welch äventiure durch zauberet 

belvürkte noth durch sinen muot er muose doln Wigal , 
8981. äventiure liden Parz, 557, 26. swenne diu 

äventiur wurde txXxl^xa überstanden^ Parz, 617, 19. 620, 17; 
vgl, Reinfi, f, s, 282. hat er ervarn waz disiu äventiure 
si Parz. 559, 22. diu äventiure ist entrant der zauber 
ist gelöset, fVigal, 7035. 8676. der äventiure des zau- 
berlandes hüeten, mit fiure pflegen fFigal, 6595. 7032. 
der schoene man den ich ze der äventiure auf jenem wun- 
dervollen anger sach Wigal. 5825. umbe sehen nach der 
äventiure nach dem zauberlande, Wigal, 6911. ein ne- 



''■^. 



:^ ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 51 

9 

%el mnbeyie die ftventiure. hie was diu ftventiore mite be- 
slozzen fVigal. 6733. 6925. kein heidensch list möht 
uns l^iefrumen ze künden umbes gräies art natur, wie man 
sfhei^tougen innen wart« Fleget^nis schreip vons gräles 
äventiul^ gekemnüse^ Pars. 453, 20 — 30. dö ant mich 
ftventiure Suochenw, 24, 41. 

b. ereigmisse deren ausgang ungewiss ist; ein spiel bei 
dem man gewunten^ bei dem man verlieren kann 
der estrich was gar s6 sieif daz G4wÄn küme aldA begreif 
mit den fuozen stiure. el* gienc nach äventiure atif gut 
glück, Parz, 566, 30. ich sant üz, dur äventiare, wilde 
gedanke in diu laut MS, 1, 87**. Marke gereit jagen 

mSr durch sine triure dan durch kein äventiure als in der 
hoffntmg diese traurigkeit xu verscheuchen, sich aiififuhei" 
tem. Trist. 17290. ich wil min leben an äventiure ge- 

ben wagen. Trist. 6161. der könig von Irland hatt% zu 
einem turniere ein pferd gesandt loelches dem fräulein wer* 
den sollte das man ßir das schönste erklären würde, d. A. 
er hatte es gesandt durch Äventiure zu einem glücksspiele, 
fTigal. 2515. 

Aventiure hei/sen daher, gemq/s der antwort auf^ie 
frage die sich Iw. 2^ findet, Aventiure? waz ist daz? vor- 
zugsweise die ritterlichen Zweikämpfe: mit dem selben na- 
men wurde aber auch jedes gefahrvolle untei*nehmen eines 
ritters bezeichnet, und da bei dergleichen kämpfen oft auch 
Zauberei obwaltete, so fliefsen alsdann die unter a und b 
angegebenen bedeuturigen zusammen, — fVie oft Aventiure 
gesucht tourden von christlichen so wie von mahofnedani^^ 
sehen rittem durch minnen solt, bedarf keiner belege; "^nich^ 
galt bei den frauen für eine gröfsere cmpfehlung aU:0u$t 
und tapferkeit, 

äventiur s6 werdeclich, diu Aventiure waere geüch j^ar;». 
648, 21. ein aventiure ist hie bi Parz. 285, ^i %%' 
iu äventiur bekant? Parz. 557, 11. Aventiur snochen 

Iw. 23. MS, 1, 190*. durch äventiur si ritent manege 
reise Parz. 468, 26. durch äventiur 'tomen, den lip wä- 
gen Parz. 563, 28. fFolfr. fVilh. 336, 2. äl|^, 24. 
nach aventiure riten, g6n Iw. 18. Parz. 564, 9. nach, 
ze der aventiure riten f^t^l^ 472^« 6144. m der även- 



^ 









52 ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 

tiure senden fVigaL 7910. stiure geben ze der äventiure 
WigaU 6157. der s6 manec äventiur mit speren h4i ver- 
SQOchet W. Wh, 337, 4. mit äventiur erwerben Parz. 
540, 12. die Aventiare em'erben, crstriten, holn WigaL 
2457. 6177. 7936. daz ich die ävenüure hol WigaL 
1797. diu äventiur ist geholt WigaL 7904. Ruoel 
ergatzt in der äventiure machte dqfs alles was er durch 
die äventiure gewonnen hatte dahin war^ WigaL 6407. 

Auch eine ort von personißcation der äventiure, in 

diesem sinne des wortes, erscheint hin und wieder 
nehein riter vor im az des tages swenn äventiure vergaz 
daz si sinen hof vermeit Pars. 309, 7. hat iuch äventiure 
dz gesanI durch minnen solt Parz. 456, 16. 

c. geschieh, su/alliges ereignis , zu/all, mhd. gc- 

schiht. 
si heten sich mit alle ergeben an die vil armen stiure diu 
da heizet äventiure: si liezen ez an die geschiht weder si 
genossen oder niht Trist. 2420. nu kwam ez von äventiare 
alsd Trist 735. 2148. von äventiure vinden Trist. 16690. 
17437. — besonders ein günstiger, glücklicher zufalL bi 
mir ich selten schouwe daz mir äbents oder fruo solch 
äventiure sliche zuo Parz. 554, 6. daz siz in zeinem 
gruoze unde ze äventiure nämen Trist. 7525. äventiure 
oder list ein glücklicher zufall oder eine klvge mafsregely 
Trist. 8658 — 60. ein äventiure mir geschach MS. 2, 

60\ 61 ^. diz ist rehte ein äventiare fragm. 21 ^. 

3. glückseligkeit 
dureh 4er s61e äventiur und durch ir sselden urhap ein pfoffe 
in eine messe gap Parz. 378, 22. ir megts im jehen für 
äventiur, swen got den sie dan laeaet tragen Parz. 537, 
22. trüren unde minne, sol diz äventiure sin? si möh- 
ten bftde heizen pin Parz. 296, 12. got gebe süeze 

äventiure so süezer cr^atiure, so übersetzt Gotfr. die fran- 
zösischen Zeilen Trist. 3269. er dancte in vil tiure daz 
er ^re und äventiare von ir genäden haete Trist 189S8. 
dirre hafl treit in ze guUiner linge und ze lieber äventiure 
Trist. 17061. diu fossiure wertlicher äventiure TrisU-: 
17074. min arbeit und min ungemadi was äne äventiure 
hatten kmnen glücklichen erfolg, Triti. 17113. diu 



* - 1 .-• 



ÜBER EIN MRO. WÖRTERBUCH. 53 

dventiure spottet min. waz wolte si mir s6 geiiuret dft von 
ich muoz geswachet sin? das glück gab mir eine geliebte 
wie ich sie nur toiinschen konnte, aber nur um meiner zu 
spotten; denn wie kann ich je hoffen dafs meine wünsche 
erßillt werden? MS. 1, 15*. üz höher ftventiure ein 
süeze werdekeil hAt minue mir ze liehte bräht {im drucke, 
betaht) MS. 1, 2\ 

4. ehre die einem zu theil wird {nach Pictarüis 
ebenteuer) 
al Aventiure ist ein wint wan die man Aä bezalen mac Parz. 
318, 20. diu äventiure würde iaz der ich in sänge 6 
mich vermaz MS. 1,2**. ich wil im geben stiure voft al 
der Äventiure die diu weit haben sol ß*agm, 17^. s6 mit 
gewaude s6 mit vorgange zuo dem opfer, mit ebentiure 
u, s. w, Berth, 121. 

IL äventiure bericht über etwas das geschehen ist 
1. im eigentlichen sinne. Jeder zuveftHfsige bericht 
auf welchen sich die erzählung eines dritten, daz msere, 
gfiindet. • "■ 

Das ma;re mujs beglaubigt ^ein; ein epos aus miifsi^ 
gen fabeln hervor gegangen kenkf, keine alte poesie; be- 
glaubigt aber^ nach der ansieht unserer deutschen dichter^ 
kann es werden nur auf dreierlei weise, entweder der er- 
sähler kündigt sich als augenzeugen an, wenn er, wie so 
manig mal geschieht, uns sagt ich sach^ ich hörte; oder 
er folgt in seiner erzählung einem zuverlq/sigen berichte 
(derz an den 4ventiuren las Trist. 327) ; oder eük höheres 
wesen gibt ihm künde von dem hergange der suche. 

Aventiure und maere sind mithin zwei ganz verschie- 
dene dinge ; in so fern aber das maere treulich der ävenliure 
folgt, fällt seine aussage natürlich mit der aventiure zu- 
sammen und msere und Aventiure sind synonym. 
ich spreche iu d'äventiure vort. dijsiu Aventiure vert Ane 
derJmoche stiure Parz. 115, 24. 29. .. ^ ich wil grifen 
an den einen den diu äventiur . wil meiUcii ff^. fVh. 7, 
14. als uns diu wArheit an- Mner Aventiure seit Trist. 
'946. derz as den Aventiuren las Trist. 327; dA von 
ick Blich niht 9Ü$Mtt wU an dirre Aventiure H^igad.JS^W' — 



54 ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 

Einzelne abschnitte eines fortlaufenden maercs werden 
swar von alten Schreibern , nie aber von dem ersähler selbst 
äventiure genannt, i^gl. Lachmann in der vorrede zu 
JVolfram s,x. — Solche abschnitte, auch bisweilen, une 
a. b. in Her bort, distinctiones genannt, iverden, wie in ei- 
nigen handschriften des maercs von den Nibelungen, gesohlt $ 
anderswo heifst es ohne beigesetzte zahl, wie z, b. frauend. 
32, Avenliur wie der Uolrich mit siner vrowen wart 6rst 
redehaft, oder, ohne Avent. , Wie Sifrit ze Wormz ge- 
sant wart. 

a. bisweilen heifst ein wärkliches ding das zum beweise 
einer sache dient äventiure 

ein garzün kom geloufen, der bräht äventiure, ein bluoteo 
swert zebrochen fFtgal. 9812. 

b. gewöhnlich aber ist äventiure ein schriftlich atifge- 
zeichne tej^ bericht, die urkundliche quelle, — Dieser be» 
rieht wurde jedoch keinesweges immer von dem verfafser 
des maercs, dem der daz nia»re tihte, gelesen, schon aus 
dem einfachen gründe, weil nicht jeder tihtapre lesen konnte^ 
sondern die äventiure wurde mündlich mitgetheilt, wer 
ff^olframen^ der sogar einen verächtlichen Seitenblick auf 
diejenigen seiner zeitgenofsen wirft die bächer aus büchem 
machen (vgl. Parz. 115, 28 mit Iw, 21. 22), die äventiure 
vo/i Parzival vor erzählt hat wifsen wir nicht; das maere 
von Wilhelm dem heiligen tet im lanlgräve von Dürngen 
Herman bekannt; und Wimt empfieng die äventiure des 
IVigalois von eines knappen oder, nach einer andern hand- 
schriß, von eines phaffen munde, bei sagen die Jahrhun- 
derte hindurch von geschlecht zu geschlecht vererbt über 
ieden zweifcl erhaben sind konnte freilich von einer äventiure, 
einem schriftlichen berichte, ?iicht die rede sein, sondern 
nur von alten maeren; Nib. 1536 v. d, H. ist zusats des 
abschreibers, — Diese bedeutung des wertes äventiure be- 
legen folgende stellen. 

Kyöt ist ein Provenzäl, der dise äventiur von Parsivftl 
heidensch arabisch geschriben sach. swazer cn franzoys 
da von gesprach , bin ich niht der witzc laz , daz sage ich 
tiuschen fürbaz Parz. 416, 26. Ky6t der meister wol 

bekant ze Dolki verworfen ligen vant in heidenischer schrifte 



ÜBER EIN MHD. WÖRTERBUCH. 55 

dirre äventiure gestifte die erste aufseichnung dieses berich- 
test Pars, 453, 14. wände ich in dem munde trage daz 
slöz den schlufsstein dirre äventiure Pars. 734, 7. ruo- 
chet ir nu hoercn (wie Oriias der innen wart) äventiur von 
Artüses varl? Pars. 272, 30. swaz aber von der fos- 
siure von alter äventiure aus einem alten berichte vor hin 
ie was bewahret Trist. 17230. dirre Äventiure hörre der- 
jenige dessen dienste dieser bericht gewidmet ist. Pars. 
140, 13 {vgl. 434, 1). ich wil grifen an den einen den 
diu äventiur wil meinen ff^. fVh. 7, 14. swer werde- 
keit wil minnen der lat diso äventiure in sinem hiis ze 
fiure: diu vert hie mit den gesten. Franzoyser die besten 
hänt ir des die volge län daz süezer rede wart nie getan 
mit wirde und ouch mit wlürheit (also nicht von JVolß^ams 
bearbeitang y sondern von der alten äventiure, die freilich 
Wolfram deutsch ersählt, ist die rede) IF'. fFTi, 5, 5. 
ein sun des äventiure mir ze wilde waere fVigal. 11628. 
als sin Äventiur mich wiste fV. fVh. 4, 21. sin ^ventiure 
neme sich an ein man der Wigal. 11653. fremdiu ma;re 
und fremde namen hat diu äventiure Wigal. 11656. min 
sin wil ich wenden an ein ander (^ventiure) : und wizzet daz 
diuwirtvon mir erriten baz der werde ich im stände sein ge- 
nauer su folgen, so dcjs mir daz maire nicht tiure ist (vgl. 
11691), wie bei meinem Wigalois bisweilen der fall war, 
WigaL 11695. " 

2. in der so eben erörterten bedeutung erscheint diu 
Äveu tiure oftmals personißciert. 

Die belege fahre ich hier nur kurs an und überlafse 
es dem prüfenden leser die citierten stallen in ihrem susam- 
menhange su vergleichen. 

diu ävcutiure gibt, sagt, zalt, git urkünde Iw. 3026. 
Erec 742. 7834. Pars. 12, 3. 101, 30. Nib. 1356 v. d. H. 
klage 84 v. d. H. Flore 125. 1959. IFigaL 199.6941.9069. 
guoler Gerh. 488. uns enhabe diu Äventiure gelogen 

WigaL 10505. 11610. fragm. 17\ Eggenl. 79. 

3. diu Aventiure tritt aber auch als ein selbständiges, 
durch edles ansehen ausgeseichnetes, höheres wesen auf durch 
einen ring den sie ansteckt kann sie sich unsichtbar machen : 
so sieht sie durch alle lande und beobachtet den lauf der weit 



M Ober ein mhd. Wörterbuch, 

und die geheimen triebfedem der menschlichen handlungen, 
als solche wandernde späherin erscheint sie bisweilen auch 
dem erzählenden dichter und gibt ihm die zuverläfsigsten 
aufschlüfse über alles was er su w^/sen bedarf. 

Suochenwirt gibt in seiner 25/2 rede eine aus/Uhrliche 
beschreibung dieser Abenteuer y wobei es nicht seine absieht 
sein konnte seinen seitgenofsen etwas neues zu sagen, wäh-- 
rend uns diese beschreibung höchst willkommen ist, da durch 
sie so manches andere volles licht erhält. 

Die belege , auj* welche ich auch hier nur verweisen 
kann, sind Parz. 433 — 435, Ruodolfs von Ems Wilhelm 
von Orleans nach IV . Wackernagels d. leseb. ausg. 2 sp. 602. 
603} femer Titurelyi^A — 8. xxvii, 145^., so wie über-* 
haupt alle stellen in welchen der Aventiure etwas beigelegt 
wird das einem schri/llichen berichte ßiglich nicht beigelegt 
werden kann und das einem selbstäiidigcn wesen inehr ange» 
mefsen ist als einer personißcierten idee. — Dazu rechne ich 
nochy aufser jenen hauptstellen, Parz. 58, 16. 59, 4. 123, 
14. 311, 9. 349, 24. IF. IFh. 16, 21 361, 4. fFigal. 742. 
9798. Ernst 148. 

4. diu aebenteure das herkommen, UTiener handfeste 2* 
*. fundgr. 1 , 357. 

ich aventiure setze durch gefahrvolle Unternehmungen 
atff das spiel 
sine jugeni gehiuren die wil er ävcntinren H. Trist. 1452. 

ez ävenliurei sich es gestaltet sich su wunderbaren er- 
eignissen. 
alr^rst nu ftventiurt ez sich Parz. 249, 4. 

mit accus, der person und gcTutive der sacke 
mich hÄl geäventiuret sin getät der Ic^rc an im , daz ich von 
sinen witzen nim die löre die ich Ic^re hie dafs der kaiser an 
seiner person die lehre durch die ihat bewährte hat mir die 
willkommene gelegenheit verschafft von seiner verständigen 
ansieht die lehre zu nehmen die ich hier lehre, guoter 
Gerh. 52. 

der äventiursere der welcher auf ritterkämpfe umher zieht 
ein äventiuraßre der ouch oftch ftventiure reit Trist. 9238. 

6. F. BENECKB. 






CRANE. EPISCHES GEDICHT AUS DEM 

DREIZEHNTEN JAHRHUNDERTE VON 

BERTOLT VON HOLLE. 

Die unten folgenden vier bruchstücke fanden sich in 
der Göttinger ujnversitätsbibliothek auf zwei pergamenten 
die an die innem Seiten eines einbandes geklebt waren und 
gehören zu demselben gedickte von welchem fV* Grimm 
zwei stücke nach einem bächerdeckel im besitz des herm 
Mooyer in Minden unter dem titel Brachstücke aus einem 
gedichte von Assimdin, Lemgo 1829 herausgegeben hat** 
die neu aufgefundenen fragmente enthalten zum theil daS' 
selbe 9 liefern aber ein bedeutendes mehr, darunter den an- 
fang des gedichtes und eine stellm (iv, 222) wo sieh der 
verfafser. Bertoll von Holle, selbst nennt, xn 

Jedes der beiden pergamente besteht aus zwei blättern, 
von denen das erste bis at^f ein drittel weggeschnitten, das 
zweite aber vollständig erhalten ist. sie bildeten vier blät' 
ter einer läge, und wahrscheinlich die ätfsersten derselben, 
blatt A und B schließen sich nämlich an einander, und 
eben so C und D, in der mitte dazwischen ist eine lacke. 
Die Seite war in dieser handschrift mit drei columnen 
von 46 oder auch 45 versen beschrieben, davon ist at(f 
bL A, Seite a die erste spalte ganz, von der zweiten der 
anfang der verse erhalten ; auf seile b also die dritte spalte 
und die cndworte der zweiten, eben so verhält es sich mit 
blatt B. 

Danach ergaben sich vier bruchstücke. das erste (i) 
enthält auf bl. A, s. a, sp. 1 und 2 die 46 verse der ersten 
spalte vollständig und die anfangsworte der zweiten; das 
zweite (ii) auf bl. A, s. b, sp. 2 und 3 und auf bL B, s. a, 

• aus dem arehiv für geschickte und allerihumskunde H^estpha- 
lens, herausgegeben von dr Paul ß^igand , band 4, h^ %y besonders 
abgedruckt. 



58 BERTOLTS CRANE. 

sp. 1 und 2 nur 92 verse vollständige weil, wie vorhin be^ 
merkte von bLA^s.by sp.2 nur der anfang und von IL J5, 
^. ß, sp,% nur das ende der verse erhalten ist; das dritte 
(ui) auf bL B, s. b, sp. 2 und 3 abermals die 46 verse der 
3n sp, vollständig, und die endworte der 2n spalte, zählt 
man diese versträmmer nicht mitj so fehlen zwischen i und n 
184 verse y und eben so viel zwischen ii und in. nach einer 
lacke, die nicht berechnet werden kann*, folgt auf blatt C 
und D das vierte bruchstäck (iv) von 552 versen von denen 
nur der unterste vers des blattes C ganz oder zum theil weg^ 
geschnitten ist. 

yon diesem vierten gröfseren bruchstUcke ejiihält der 
mooy ersehe bücherdeckel (M) zwei theile^ und zwar, da 
die beiden blätter desselben nicht zusammenhängen, sondern 
zwei dazwischen fehlen , einen theil von dem anfange und 
einen theil von dem ende unsers fragmentes. das von Grimm 
mit 2 bezeichnete blatt war^ wie sich jetzt zeigt, das erste^ 
und ergänzt den anfang unsers bruchstückes v. 1 — 47 ; das 
mit 1 bezeichnete gibt am ende noch 1 5 verse mehr. 

U?isere handschri/l kann mit Sicherheit in das vierzehnte 
Jahrhundert und wahrscheinlich in die erste hälfte desselben 
gesetzt werden, die anfangsbuchstabcn eines jeden reim-' 
paares sind grofs geschrieben und roth durchstrichen , Wt- 
weileti, namentlich bei abschnitten in der ei'zählung, ganz 
roth. das i ist durch einen darüber gesetzten strich be- 
zeichnet, doch nicht regelmäfsig. am ende der verse stehen 
oft puncte , doch ohne rücksicht auf den sinn ; wegen die- 
ser Willkür sind sie im druck ausgelafsen. hier und da fin-- 
det sich übergeschriebenes , meist von späterer band, das 
buch in dem sich diese blätter befanden 7var im jähre 1803 
auf einer Versteigerung in Colin erstanden ; der noch auf 
der bibliothek vorhandene auctionscatalog gab jedoch keine 
auskunfl woher die damals vei*kauften bücher stammten. 

Das noch jetzt bestehende geschlecht der von Holle 
war in Niedersachsen , namentlich im Lüneburgischen, sehr 
ausgebreitet und kommt seit dem zwölften Jahrhundert öfter 

sie lie/se sich berechnen , wenn avf A und B die pagina erhai' 
ten wäre; C und D sind mit p. cxvii — cjlk bezeichnet. 



BERTOLTS CRANE. 80 

in Urkunden vor*, jedoch ist es mir bis jetzt noch nicht 
gelungen den namen des dichters^ aufzufinden, der herzog 
von braunschweig Johann , der dem dichter den stoff zu 
seiner erzählung gab, kann nicht gut ein anderer sein als 
der söhn von Otto puer, Johann von Lüneburg, der 1252 
bis 1277 regierte, da er jung genannt wird, so möchte 
Bertolt zwischen 1252 und 1260 gedichtet haben, wahr- 
scheinlich hat er aujser diesem epischen gedichte früher 
noch ein anderes verfq/st, wie sich aus iVj 216 schliefsen 
läfst. 

Den titel Crane {kranich) fuhrt das gedieht, wie ge- 
wöhnlich, von dem haupthelden, Gayol, einem könige von 
Ungarn, der mit seinen brtidem Agorlin und Agorlöt an 
den hof eines deutschen kaisers kommt , wo sie, wir erfahr 
ren nicht weshalb, die namen crane, valke und stare erhal- 
ten (vgl, m, 10). unser erstes bruchstäck enthält die ein- 
leitung des gedichtes und den anfang der erzählung , die 
aber nach erwähnung eines fürsten im Un gerlande, unter 
dem der held selbst oder sein vater zu verstehn ist, ab- 
bricht, im zweiten bruchstücke finden wir Gayol mit sei- 
nen brüdem an dem hofe des kaisers, wo sie es durch einen 
mit ihrem geschlechte bekannten angesehenen mann erlangen 
dafs sie als kinde dem kaiser dienen dürfen, am ende dieses 
bimchstückes wird die schöne Acheloyde , des kaisers toch- 
ter, in die erzählung eingeführt, dieselbe finden wir in lu 
von liebe zu dem helden ergriffen, die sie ihrer freundin 
Achüle gesteht, sie wünscht eine ztisammenkunft mit ihm. 
es scheint als ob Gayol dem kaiser darat{f wesentliche dien- 
ste in einem kämpfe geleistet habe, wofür er (nach iv) zur 
belohnung mit der schönen Acheloyde vermählt wird und 
gleichen ihcil an den landen des kaisers erhält, mitten in 
den ausfuhrlich beschriebenen festlichkeiten der Vermählung 
erscheinen zwei furstenkinder , ein junger knappe und eine 

* später erwarb das geschleeht guter im $t\fte Minden; nament- 
lich lebte dort Dietrich von Hollen der Stammvater der noch jetzt be- 
stehenden famiiie, sein sahn Thomas war dompropst daselbst, so 
erklärt es sich wie in Minden bruchstücke unsers gedichtes sich Jin- 
den konnten, vgl, Ersch und Gruber eneyelop, ii, 10^ s, 53 und das 
dort eitierte. 



60 BERTOLTS CRANE. 

Jungfrau , die den kaiser um einen kämpfen gegen den 
mann ihrer Schwester bitten der sie mit gewalt ihres landen , 
berauben will, ihre bitte soll nach beendigung des festes 
erfüllt werden, da sie niemand finden auf den sie gröfse^ 
res vertrauen setzen dürften ^ wenden sie sich aii Gayol^ 
der ihnen auch verspricht als kämpfe für sie aufzutreten, 
obgleich der kaiser zürnt und die neuvermählte ihn instän- 
dig zu bleiben bittet y nimmt der held abschied, Acheloyde 
wird von Gayols marschall Assundin nach ' Ungarn g^ 
leitet. 

Nach dem Inhalte dieser bruchstücke dürfen wir ver- 
muten dafs das gedieht eine bedeutende länge hatte; denn 
es ist erst jetzt der knoten zu folgenden abenteuern des 
helden geschlungen, dem Acheloyde zu seiner reise ein hal- 
bes Jahr zeit gegeben hat, abgesehen von dem sprachlichen 
Interesse welches die dichtung gewährt, ist der verlust der- 
selben um so mehr zu bedauern, da sie uns wahrscheinlich 
mit einer in mehrfacher beziehung merkwürdigen einheimi- 
schen sage bekannt gemacht haben wüj^de, zu der wir jetzt 
nur eine einleitung besitzen, die noch nicht einmal anknü- 
pfung an historische personen und begebenheiten möglich 
macht; denn den namen des deutschen kaisers enthalten die 
bruchstücke nicht. 

Da das niederdeutsche fast ifi Jeder zeile des gedick- 
tes hervortritt, halten wir es für angemefsen eine einfache 
Zusammenstellung des sprachlich merkwürdigsten in demsel- 
ben zu geben, zumal da diese mit de?i beigegebenen anmer- 
kungen einigermafsen die stelle einer bcarbeitung vertreten 
kann, die, tm geachtet an einigen stellen zwei handschrif- 
ten vorliegen, wegen des geringen umfangs der bruch- 
stücke flicht zuläfsig ist. 

Der mangel des umlauts, den wir im einzelnen nicht 
darzulegen brauchen , characterisiert auf den ersten blick 
den Niederdeutschen, sonst bemerken wir über die vocale: 

statt a hat die handschrift e in gewelde iv, 87, gcwcl- 
dich IV, 156. 332. 559 {wo 3/ gewaltig), wcldich iv, 164, 
weldichliche IV, 438 ; in menii, 12. iv, 101. 200. 203 u, sonst, 
doch steht man 345 und nemau ii, 34. 44. iv, 410. 507. für 



BERTOLTS GRANE. 6f 

das aus k umgelautete ae findet sich e, das auch auf 6 reimte 
vgl. IV, 145. 146. 413. 414. 

Besonders merklich ist der Wechsel des i und e. das i 
hält sich in der untrennbaren adverbialpräposition ir-*, ir 
wervet i, 24, ir kande ii, 52, ir kom in, 16 u, s.^ obgleich 
dann und wann auch er- eintritt, x, h, er worvcn iv, 217; 
femer meist in dem neutrum des geschlechtigen pronomens^ 
wovon nachher, dagegen tritt die im nd. gewöhnliche ver^ 
Wandlung des i in e ein, in bevfele ii, 58. iv, 425; selvcrs 
(ai^enli) iv, 533 ; helphet i, 4 ; werdet ( fit ) iv, 528 ; wert 
(hospes) II, 6 ; ^'rgen ii, 23 ; nergen n, 56 ; ke'rken ii, 50 ; 
nfem ich iv, 526; nßder : weder iv, 89. 90; weder iv, 5. 225. 
550 (nider iv, 106; wider 176. 461); mete : sele n, 73. 74. 
83. 84. IV, 339. 340 (mite iv, 17; site : mite i, 23. 24). 
s^'ten IV, 136; sfe'ten : gerfe'ten 583. 584, vgL 595. 596; gere- 
ten : bfe'ten ii, 27. 28, vgl, 54. iv, 537 neben bidden 465 ; 
gerelen iv, 104. 135. 278; se reden (reten if ) iv, 149; ich 
lege III, 30 ; desse kint ii, 50, vgl. iv, 393. 463. 

Im einzelnen bemerken wir solven iv, 33 neben dem ge- 
wöhnlichen seiven; vrumeden, richtiger vromeden iv, 349 
(vgl. IV, 506 M) neben vremeden^ und das niederdeutsche 
vor — und unt ßir ver — und ent — ,• doch hat M iv, 593 
entreit. 

e (6) findet sich 1) ßir ei in en i, 37. n, 69. iv, 342 
neben dem gewöhnlichen ein. 2) Jtir die brechung ie in dem 
häufigen we (woßir i, 26 wu und ii, 78. iv, 356 wo) ; dann in 
behelt ii, 86 beiden in, 13 ; geziemeret nr, 52. 362. 520. 570. 
vgl. IV, 134 ; hoveren iv, 356 ; neman u, 34. 44. iv, 410. 507. 
ncne iv, 22 (in M auch dener iv, 602 ; denest 548 ; deneste 
61 1) ; gengen u, 39 ; hetz in, 44 ; le^hten schin in, 63. iv, 128 
(lichten M) und ähnlichem nfiben hielt iv, 206 ; hoviren iv, 
210; hovieren 231 ; hurlieren 275 ; gefomieret 309 ; dienet 
142; dieneten ii, 74; lief ih, 14; rief iv, 584; gingen 255. 

Statt o zeigt sich a in sal neben sol in, 2. iv, 520; halen 
IV, 13. 411 ; van iv, 128 (M) ; sonst ist o sehr vorhersehend. 

* die, wie die übrigen , in der handschr(ft oft von ihrem verbum 
getrennt wird, gi -/«r ge - ir, 32 (Äf); tonst steht ge in diesem 
gedieh te naeh niederdeutscher weise hät^g nicht, wo es sich im mhd. 
finden würde. 



eZ BERTOLTS CRANE. 

Abgesehen von den warten wo es die stelle der umge^ 
lauteten oe und ö vertritt findet es sich 1) statt u in dorch 
{häufig)^ dor II, 54. iv,254; zomede iv, 401 ; gefomieret ir, 
309 ; robin iv, 64 ; doch steht b5rge iv, 439 und bürge 603. 
2) statt ü in vorste i, 28. 40 u. s, koninc, koninginne , ybr- 
men die wohl durchgehende anzunehmen sindy obgleich daßir 
auch küninc geschrieben wird, aufserdem lesen wir in der 
handsckrift o (d) 1) statt uo: zo (zu ii, 37, ze fehlt ganz)^ 
stol II, 43 (st61e ii, 35) ; gestolet iv, 339 ; vor iv, 506 ; vorea 
II, 73. IV, 54.511; troch iv, 15. 30; soeben : rochen iv,417. 
418, vgl. 370. 404 ; moter ii, 38 ; groze iii, 39 (gruz iv, 316) ; 
doch steht auch uo ; z, b. betrucb iv, 302 ; mut, gut, wus, 
stunt. über die verba tuon und müezen unten. 2) = dem 
mhd. üe: grone in, 25; voren 437. 518; vore 523; gevoret 
II, 83; overrv, 157. 544. 586; sotzen 562 (sütze 129. 197 5 
suze 129 M). 3) statt on : somere 525; orlof 477. 511. 515. 
540. 543 u. s,j wo öfter bof darauf reimt; bovet iv, 64 (bou- 
bei IV, 320) ; doch hei/st es stets ougen iv, 202. 493. statt ouw 
findet sich ow in vrowe, scbowe, schowen ; statt öu in vrowde. 

u statt des umgelauteten ü und üe (stunde iv, 414) und 
statt ivL fällt nicht auf wohl aber der Wechsel zwischen u und 
uo ; theils wo uo mhd. richtig ist, theils wo es ganz falsch 
ist, vgl. sult II, 28 ; kunnen iv, 445 ; unrehtes iv, 390 ; uns 
S90; unse 391; selbst trüwelicbe* 151 ; vründe 241 ; doch 
vgl. ons 594. 595 M. 

Bertolt bedient sich so reiner reime wie es sich von 
einem dichter des dreisehnten Jahrhunderts erwarten Iqfst. 
doch reimt er a und ä in gelärt : vart 397. 398 ; jacb : nach 
in, 44. 45; einmal WRert : gilart iv, 30. 31. Aar reimt häufig 
auf Ä, z. b. dar : cUr iv, 17. 18. 49. 50. 237. 238. 251. 252, 
atif a in gewar : dar 11, 44. 45 ; gute war : dar iv, 205. 206. 
reime wie gberet : veret i, 15. 16; stete : bete 439. 440; 
öre : bere 11, 25. 26; eben so gebort : wort i, 21. 22 (obgleich 
bort gaza: wort 561. 562), sind der niederdeutschen aus- 
spräche ganz angemefsen. indessen ist eine gewisse einfor- 
migkeit in den reimen nicht zu verkennen. 

* IV, 64. 611. tteht trowen/ür trawea; denn aw hat unsere hand- 
schrf/t, ausgenommen die pronomiaa ia und iawer» Jür das gewöhnli- 
che iunr oder iw. 



BERTOLTS GRANE. (» 

Consonanten» abgesehen von wartformen wie gelen iv, 
314 ; vetne iv, 443 ; gefornieret iv, 309 ; imber i, 43. iv, 123. 
213. 328. 548 (immer 552); zo samende iv, 117. 243; sa- 
menden 236 (samene 115); ansent282; datz ellent 416, die 
das niederdeutsche idiom deutlich zeig-en, läfst auch das ver^ 
hältnis der labialen dentalen und gutturalen laute den dia- 
lect ungeachtet des Schwankens der handschrijl deutlich her^ 
vortreten, es steht: 

V 1= mhd, b im inlaute; fast durchgängig aver geven 
u, s. w, 

f=p im auslaute; gaf ii, 67. 70. iv,.117. 128; lof ii, 
86 ; orlof iv, 476 u. s. ; ir warf iv, 597 ; anderwerf 595 ; auch 
im inlaute knafen iVj 104. knafelin 145 (Af). 151 {M). 

p = f , nur einmal im auslaute , balp -iv, 1 . sonst 
sehwankt die handschrijl zwischen ph und f : ophen : hophen 
I, 43. 44; helphet i, 4 neben helfe iv, 182; hülfe 353; üph i, 
30. II, 2. IV, 225 neben dem hüußgern üf. p = pf oder 
ph : pant iv, 138. perde 199; plach ii, 65; plagen iv^, 580; 
doch vgl. phant ii, 18. 

t=:d, dät IV, 590 {vgl. unten tuon); halte ii, 22; de 
bilte IV, 296. mit selten 485; unscultich iv, 29. 

d=: t, rede iv, 149 mede 103 neben dem häufigem retes, 
mete; bidden 465 neben beten; alden i, 14 (alte ii, 21. 38); 
milde iv, 320, vgl. i, 4. ii, 84. iv, ^^2 neben milte ii, 17.^* 
IV, 59. 81. 553. 587; gelde ii, 72. iv, 561, vgl. 195; halden 
196; beiden III, 13; weldich iv, 164,2;^/. 156.332.559.438; 
gurdel 312; ir Lande ii, 52. 

z = t, zioste IV, 169; mitz 137. 301. 409. 

t =: z, to 489 Jf ; zwintich 531 ; vgl. satte 203. 

t = 5, gr6ten535; besloteni, 8; vorgat : hatiii, 12.13. 
hat : vor bat iv, 227. 228 (batz 520) ; allet iv, 69; gr6t 158 ; 
dat, wat (184) ; it neben iz, daz oder itz u. s. w. 

ki=:g, kegen ii, 19. 24. iv, 70. 85. 170 u. s.; prediket 
i, 117. 

ch = k oder c, in den bildungen icheit i, 3.38. 41. ii, 91. 
IV, 1 und - ich : manich iv, 56. 129; viftich iv, 567; wel- 
dich IV, 164, vgl. 156. 332 u, s.; unscultich iv, 29; mach iv, 
402. plach II, 65; tach ii, J9. 66; iv, 452 u. s.; troch iv, 15. 
30. 112; ir wach ii, 22; doch marc li, 19. iv, 527. 



64 BERTOLTS CRANE. 

k = ch, scharlaken 309 ; sprac iv, 45 (neben sprach, 
sprächen); spreke : breke i, 31. 32; kerken ii, 39; rike: 
werlike i, 17. 18. 

ch steht sonst auch in der handschrift gewöhnlich wo 
mhd. h geschrieben wird; aufserdem tritt für h und ch g 
ein in hdgeste ii, 86; h6gecit iv, 47; högzit iv, 191 (höchzit 
377. 509) ; gesägen 579. 

Bei der flexion der substantiva zeigt sich das alte i Jür 
c nur in geverlin iv, 475. (geverten M) 368. das m des da» 
tivs bei dem adjectivnm und pronomen ist sehr häufig mit n 
venoechselt i z. b. i, 39, 40. iii, 33. iv, 25. 54. 159. 199. 
von iu ist in der flexion keine spur. 

Zu dem ungeschlechtigen pronomen bemerken wir dqfs 
in unserer handichrift ich gewöhnlich ist (ic i, 12. 18) ; da- 
gegen zeigt M ic iv, 3. 4. 6. 29. 42. dat. mi iv, 431. 563 ; 
sonst sind in der handschrift grobe Verwechselungen zwischen 
mir und mich; vgl, in, 40. 44. iv, 331. 549; eben so zwi- 
schen ia und iuch. bemerkenswerth für die possessiva ist die 
form unse, die sich durchgehends findet^ vgl, iv, 160. 162. 
174. 181. 391 ; iuwc wechselt mit iuwer: es heifst freilich 
iuwe siele iv, 433, iuwes rechtes iv, 422, iuwes hertzen 424, 
von iuweme spere iv, 396, dorch iuwen pris 462, vgl, 515, 
iuwe gebot 196, an iuwe lant 437, iuwe ritter 441 ; dagegen 
^/eA^ iuwer iii, 22. iv, 9. 192. 195. 562. 589. in dem unor* 
ganischen possessiven pronomen ir wechselt i und e: ires 
hertzen iv, 218, irs hertzen 251, zo iren jären 165; dagegen 
er ansent 282, mit eren hären iv, 57, ütz eren lande (irenJII) 
54, erer andern namen in, 12. das ungeschlechtige prono- 
men lautet her (he ir, 117 üf), se, iz neben itz und it (i, 6) ; 
vgl. ich saget i, 18; ich machet ii, 24, dagegen ich rediz iv, 
460. dat, ime iv, 176 neben dem gewöhnlichen im; ein eme 
oder tm fehlt; er iv, 147. 526 {M) neben ir. acc. in ni, 5. 
enni, 3.35. ene in, 7. 18. plur. nomin. und acc. se durch^ä^i- 
gig. gen, er iv, 90; dat, beständig im, gleich dem dat. sing. 

Der artikel hat die formen de {neben der) de, dat, daz 
und datz; dativ deme ii, 73. 77. iir, 8. 9. iv, 358 ndfen 
dem. dqfs der Schreiber mit diesen formen nicht recht be- 
kannt w«r zeigen stellen wie min muoter der hat mir gesa* 
get HI, 38 und der h6gzit iv, 191. 



BERTOLTS CRANB. " U 

Bei den verbü steigt sieh die niederdeulsche endung - ei 
dl der ersten und dritten fersen des plwrals : na wir des k&- 
ninges nicht ne hat ( : rftt) i v, 555 ^ , da irwervei se de helle 
mite I, 24-, u?id die endung - en m der aweiten fersen flur. 
des conjunctivs, datz ir — willen ii, 55, datz ir — komen 
(: genomen) iv, 115, vgl. 173. 389. 496. 

lieber einzelne verba bemerken wir noch : ßir stän und 
gän ist k durch die reime gesichert^ vgl. ii, 2. 35. 36« 39. 40. 
IV, 48« 88. 335 ; ßlr sUt ßndet sich auch die breitere firm 
steitiv, 286. 331. 450. 455 neben stJbt 172. vorkArt : ge- 
Urt I, 19. 20. 

tuen zeigt verschiedene formen : inf. ton i, 25, tun iv, 
438. ich tän iv, 330. 334, ich to ni, 1 ; her tut ii, 32. iv, 76. 
242; dnot 226; datz ir tan iv, 173; praet. dete iv, 19, tete 
IV, 26. 

müezen conjugiert ich motz i, 12. iv, 223. 375; her motz 
215; motze wir 175; conj. motze i, 33. iv, 433; moste 
IV, 507. 

Bei suin wechselt im praes, sing, o und a : sol : wol ii, 
53, vgl. IV, 257. 337; sal iii, 2. iv, 498. 520; du soit 547; 
im plur. u und o : ir sfilt ii, 28 ; sult ii, 56. iv, 40 ; se suln 
IV, 527; se solen ii, 57. iv, 447. soie wir iv, 174. 454. im 
praet. steht solte ii, 9 neben solden ii, 63. iv, 133 (selten M) 
soldich IV, 290. 

Derselbe Wechsel zwischen ii wnd t ßndet sich bei dem 
fraeteritum von wellen, das implur. das i beibehält^ vgl. iv, 
604. 435. II, 55. 

Ir moget nr, 442 ; mogent 444; Oflfier dem o hat dieses 
verbum nichts besonderes. . • 

Zu den Wortbildungen bemerken wir das durchgehende 
- ine, - incliche Jtlr - ic, - icliche. 

Dem kundigen leser wird es nifiht entgangen sein dqfs 
ähnliche von dem gewöhnlichen mhd. abweichende und aus 
dem niederdeutschen herrührende erscheinungen sich mehr 
oder weniger auch in andern denkmälem, namentlich des 
zwölften Jahrhunderts, vorfinden ; ihre vergleichung würde 
jedoch hier su weit geßthrt haben, nach der versuchten zu- 

' wenn nicht se statt wir zu lesen ist. 
Z. F. D. A. I. 5 



66 BERTOLTS CRANB. 

sammenstellung des "eigenthümUehen in dem gedickte können 
sich nun die dem diplomatisch getf*eu abgedeckten texte b^t- 
gegebenen anmerkungen auf die verbofserung einzelner feh- 
lerhaft scheinenden stellen beschränken; wo das richtige 
immittelbar aus den hinzugeßigten Varianten von M entnom^ 
men werden konnte y wie z. b. iv, 102. 140. 484, sind anmer^ 
hingen gespart, was aus dieser handschrift aufgenommen 
worden ist, machen klammem kenntlich, das cursiv gedruckte 
bezeichnet das^ was in den handschinften nicht sicher gelesen 
werden konnte; in den stücken, wo beide handsckriften vor- 
lagen (iv, 47 — 151 u?id 464 — 599), hebt das mit kleineren 
lettem gedruckte diejenigen buchstaben oder werte welche in 
M ganz fehlen hervor. 

GÜTTINGEN. WILHELM MÜLLER, 



1 

hir besrinnet crane. 



'O 



hl. A 5,a sp, \ Vuar trawc sich behuset hat 

hat de tzucht dan bi der tat 
Dytmut vnde bannicheyt 
helphet den milden t^gen ir cleit 
Ich meyne an meschen liue 5 

it si an mannen oder an wiue 
Datz ist ein minninclicher wat 
dar mite se ere besloten hat 
Ir ist aver vi! cleyne 

de de lügenden reyne 10 

AI gemeyne an sich tragen 

ic motz al geliche clagen 

Dat tzucht ist hin gedrangen 

von den alden vn von den iungen 

Vnlzucht ist der man nu gherct 15 

vntruwe vaste mit ir vcret 

z, 4 verstehe ich nicht; was soll das hBifsen, dem mitden das 
kleid tragen helfenf die stelle scheint verdorben, 5. /. menschen 

7. /. mianincliche 



1 



Sekaaisid 



«eirlcrek lg) 3i 

Ir hataOe^ ; 

Ik»b Ikk lad kicfe 



Dalz ist m en aMT^ae silr 
4a inrerrrt se 4e hdk nil« 
Mb wilidb ia Um Idbunl t$ 

w« fn gdnnre Innre nMt 
So nr it warikcyt kd ^ m^ 
ejm Tonte hoK TsJe giert 
Von Imuiswich hertzof^e Sofadi 
nph den ich wol g;ezehea kan %0 

Want sin mnnt ril note spreke 
datz her itz mit willen breke 
Des motze der b'p wol se raren 
vnde sele dort got be waren 
Her iach mir der waren wre 35 

we gesetzen were 
En vorste an der mger lant 
an dem was werdicheyt bekant 
Her lebete an sinen riebe 
eynen vorsten so geliche 40 

Datz von siner werdicheyt 
an vremeden landen wart geseyt 
Sin hof stunt imber ophen 
dar mochte wol zo hophen 
De atz vremeden landen ^uam 45 

wen her gesach vnde vorkam 
^/ fl 2 Also 
also d 
Wer s 
sin ha 
Datz 

22. /. höolich 28. geyt z= semeit 34. unde »äIc = un de 

t^le 37. an der Unger lant. zu diesem gebrauche der präporilion 
•a vgl. 42. IV, 437. 462. 499. 512. 518. 549. 

5* 



68 BERTOLTS CRANE. 

sin w 
Watz 
dar w 
Sin h 
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aWTOLTSt CKANBi 



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iflh ein lof 




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wol bekat 




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eren 



70 BBRTOLTS CRANB. 

ven 
n 

nen 

zo haiil 
bekant 
. were 
re 

rill* wis 
gris 

im kome 
genome 
A b ^ Vor al den vorsten an den rat 
datz al ir raten uph im stat 
GodefKt ist her genant 

de 

de dri draten (draten durchstr,) alzo hanl 

Dar man im den ritter wisete 5 

den der wert so hoe prisete 

Cvayol znchtichliche trat 

vor den ritter vnde bat 

Datz im nicht vor smahen solte 

daz her im geven wolte 10 

Ein grotz yorspan riebe 

vnde gestejue s&nderliche 

Vngetzalte yingerlin 

de gotac her ande bände sin 

Soldich prisen eyne ] 5 

de richeyt von dem steyne 

De von im gaf sin milte hant 

datj wero wol gelich ein phant 

Kegen tusent marc von golde 

wer se bereyten solde 20 

Des vrowete sich der alte 

her sprach nü saget halte 

Stet uch ergen vwer müt 

Legen den keyser ich machet gut 

Wol gesehen mach vwer ere 25 

her sprach wir sin komen here 

14. L an de. vgl, iv, 6. 9(^. 






V 



LTä GRANE. 7t 

Utz vreoM^ landei^ gareten 
ir s&lt vor uni dea key ser betea 
Datz wir an sine kameren kome. 
datzwir(wir£fi«rcib£r.)ichbaBataiavoriiome 30 
Datz schaf ich so ich wil 
her tut dorch mich uch eren viji 
Komet wan itz vespere sy 
so en is dem keyser neman bi 
Alieyne her an deme stSIe stat 35 

ai vwer wille an im ir gat 
Der iongen warte was zu hat 
80 im de alte tede b^nt 
De gengen an de kerken stau 
went de keyser qua ge gan 40 

Mit grotzeme gedrange 
itz newas nicht lange 
Her gewan den stol alleyae 
vnd mit im neman gemeyne 
Do der alte des wart gewar 45 

den kinden wencte her zo im dar 
B a 1 Her brachte se zuohtelicbe 
vor den keyser riche 
Her sprach fie hat ir datz vor nome 
desse kint sint nach mir bere komen 50 

Utz vremeden lande 
sint datz ich ir kande 

Ir mage vnd ir siechte wol 
dor recht ich vor se beten sol 

willen 

Datz ir se zo rechte vntfan 55 

ir sult se nergen von iu lan 

Se solen wesen kemerere 

ich be vele se iuwer lere 

Datz ir im dorch mich wese gut 

des han ich willichlichen mut 00 

Sprach de keyser altzo hant 

weren hundert dir gesant 

Se solden alle bi mir sin 

he be YdX de; scbonen kiQd^lia 






« 



72 ' BEVrOLTS CRAKE. 

Dene de iintr keme|iQp pUch 65 

datz dachte im ein virolich lach 
Ciayol de gif altzo haut 
davie de im zo hole was bek«it 
Kn vorspan vnd ein \ingerlfn 
datn seine gaf im agorlin 70 

leb weitz wol datz im agorlot 
mit gelde sine hant gebot 
Nu voren se denie riebe mete 
se dieneten so nach kindes sete 
Wcnt man von ir drier wMicheit 75 

vil an dem boue wart geseyt 
Se waren bi deme kevser dar 
inne weyz nicbt wo manicb iar 
Went so grolz wiis ir Hph 
datz ir anker werder wip 80 

So balde an ir bertze quam 
als ich de warbeyt sint vor nä 
Dat Gagyol bette geuoret mete 
datz wart nach mildeiicben sete 
Also geteylet an den hof 85 

datz her bebeit dat bogeste lof 
IVn bette der keyser riebe 
eine tocbtcr minnincliche 
Acheloyde was genant 

watz ie schone was an maget gewant 90 

oder werdicbeyt gewiset 
(ein vers weggeschnitten) 
Bai Nu 
bi 
Se 
vn 
Wa 
se n 
Ir s 
se n 



75. /. went von 30. /. daz ir aoker werden wip «6 balde an 

ir hene qvaB. vgl. iv, 351. 89. de Acheloyde was genant? 



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74 BERTOLTS GRANEL 



III 

B b 2 ys bat 

ostc gaii 
en han 
n 
gewi 



aui 
hat 
e 



en 

n 

han 

hocgeboru 



hant 

n beyer lant 

wesen 

en 



kore han 
Staren 
enpe vare 
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crte 
n mete 
nin sete 
n wol 

he wolle 



;* . 



BERTOLTS ORiUiE« n 

stall 
li 

Crane sin 
min 



he 
'«rkomen 

nomen 

al tzo hant 
B b 3 iuncvrowe ich to ia bekant 
Dat sal de iene wesen 
dar tzo hau ich en utz er lesen 
Sin Htze ist ane dorperiieyt 
dorch in snlt ir sin gemeyt 5 

Achute dat wirt al getan 
ich wil ene zo eyner schowe han 
Wirt an deme hertzen min 
achute nach deme rate din 
De dre wurden altzo hant 10 

valke Stare vn Crane genant 
Erer ande'n namen men vor gat 
dat beiden se al ane hat 
Nu gewan se lief an iren m&t 
so noch getruwe hertze tat 15 

Den se zo vrunde hette ir kom 
datz al ir schowen wart vor lorn 
'Wan se ene nicht ne sach 
datz duchte ir eyn mvrolich tach 
Her lievete ir Yon tage zo tagen 20 

na begunde se ir minne iagen 
Datz sich ir hertze des ir wach 
datz se achuten des ror iach 
Dar se mit ir eynes was 

8 und 9 geben keinen vollständigen sinn ; vielleicht steckt in wirt 
ein adverhium, dock stören 10 — 13 den zusammenkmig; denn di{ft 
die drei hrUder die immei» kranieh falke und siar bekamen musU 
wohl früher erwähnt eein : Her fshlt auch der grund woehatb eie SQ 
genannt wurden, daher sind diese vier verse hier wohl nicht an ihrer 
rechten stelle und das noch hierher gehSrigo iet amsg^lm* 



^ 



76 BERTOLTS CRANB. 

ge setzen an ein grone gras 25 

Se sprach ach ute vrundin 

mir wil hertze vnde sin 

Von rechter not zu brechen 

ich motz Cranen sprechen 

Oder ich lege des liues tot 30 

ach Ute rat mir zo der not 

Want din mut mit truwen rate kan 

we ich den truwen werden man 

Mit züchten dätz gekunde 

Datz ich en han zo vrunde 35 

6e koren also du selven rietes mir 

de schone achute sprach zo ir 

Min moter der hat mir gesaget 

datz mir von mänes groze iaget 

Do se mir wolde mit ir han 40 

se bot mir datz ich solde lan 

Mit ritteren reden alleyne 

inne weyz we se itz meyne 

Dat hetz se mir latzen vn iach 

dar mochte komen eyn schale nach 45 

Den neman mochte ir wenden 



IV 

[ 2 *] [Des halp mir al min milticheit 

Wer uz yremeden lande na mir reit 

Den untfenc ic vroliche 

Ic han manigen ritter riebe 

Weder ghesant tf vrowcn richesin 5 

Ic mane uch biden truwe min 

Lazet uch ritter dringhen 

Dar an mag iv gelinghen 

26. 31. /. AehAla 32« /. dia nnot; vgl. iv, 86 d6 riet im 

Aisoidioet WMmt: dm* vers U(fti sieh alUt^fälli ertragen; sonst kannte 
mim waat sireieken. 36. ist selven aus%U¥terfenf 

nr, 6. /. im vrowea sSa 



BERTOLTS CRANB. 77 

Fint man dorkel iawer bant 

en • . . •. . phant 10 

. . nder vursten . . . me eync sin 
Des sult tr h . . . de tntwe min 
iSine kemeren her halen bot 
De cronen riche von golde rot 
De der coning troch von vngerlät 1 5 

De was von kost riche irkant 
Dar mite wart gecronet dar 
De scone acheloyde clar 
Das dete assundines hant 
Dar • ou . tr inte vn lant 20 

Der keyser vroliche sprach 
Grozer Truwe ich nene sach 
D . . tt hir ist an mir gesehen 
Se begunde im alles lobes ien 
Den vnuersageten assundin 25 

De wol tete anden heren sin 
D* milte hoghelobte sprach 
Do man mir des prises iach 
Dar was ic gar onscultich an 
Des koninges wafen troch d^ man 30 

Dem se so recht« geemet waert 
Vn manigen stmohen hat gilart 
Soluen troch ic de crane vor war 
Ich brachte se ettes wenne dar 
Dar man daz prisen ... 35 

abgeschnitten 
[2^] Se ir warf hir pris 40 

9 — 11 iind vtiUeichi so zu lesen und %u verstehen 

Viat maa dnrkel iuwer hant, 

S6 noget ir Ibsen iuwer pbaat 

Uä der vorstea gerne eine sia, 
habt ihr alles ausgegeben ^ so will ich dq/Ur sorgen d^pt ihr euer 
f^fand lösen könnt und euch nicht um die JUrsten {im gegensatz zu 
dem kaiser^ denn der scheint zu sprechen) zu bekümmern braucht» 
\2* /• haveo 13. /. kemerere %0 we\ft ich mit beibehaltung des 
om nicht zu ergänzen; etwa dar wart ir lato nö laot? J^. dan 

d^t 24. /. bec^Ddeo 25* L nnverzageten. M hat qfter z für z. 
das folgende ist unverständlich. 35. es fehlen vier verse. 



p 



78 BERTOLTS CRANB. 



• 



De keyser sprac ir . . . . 
Ic sach werliche dar .... 

Den vianden gheae ' ^ 

Das se eniu i . . . 

Nu sprac der keyser 45 

Ic . . . nn ir vor ste . . . 

De hogecit #al aü ] 

C a 1 min leyt ist alletz nach lieve irgan 
Eyn tanz wart ^macher dar 
von manieber inncvrowen dar 50 

Vn mani^r vrowen riehe 

geziemeret costeliche 

De dorch acheloyden bete 

utz eren lande voren mete 

Woi gestalt vn mininclich 55 

dar was manich edele vrowe rieh 

Zo hone mit eren heren komen 

dorch schowen als ich hau vor nom«** 

Nu brachte der milte assundin 

Cranen den beren sin 60 

Bi acheloyden zo der stunt 

vor war dar gaf ir zwier munt 

Von rote also lecbten sckia 

als ein bovet groz robin 

An siner varwe were volieakoiie 65 

ich ne han von sagene ne vor oone 

Zwey so minniclicbe lip 

se were maget oder wip 

Ir schone was allet hio gelebt 

kegen der kunigen gemeyt 70 

Nu brachte dei; keyser aitzo hat 

als im zo vrowden was gewät 

Jbweiektnde leuwtem im H, 48. min lere, 49. £y/t sanc 
50. 51. roM mmniger vroo- e# feMU also ein vers, 52. gezimereC 
kostelicbe 53. acheleyde 54. Vz ireo lande ven- 55. ghestalt 
eaile 57. bH ir« ^^^ - 58. scoawe 60. Eregernder her« 
61. adieloyde 63. also lichte* 65. Aa einer vame wen- 66. le 
han- 68. Se were mage aewer- 69. Ir scone was alles 7U. ko- 
niogiaoe 71. brachte se 72. Als iz ml so vroydeo 



De TOraten al geliehe 

bi de edelen vroweB riebe 

Vn de heren alle zo der stant 75 

mir tut de avefttaro knat 

De tanz wart fo vor scäeyden 

von dea riehen beyden 

12*^] Ich meyne den keyser vnd assondin 

datz se gepriset mostea sin 80 

Rat der mute keyser nam 

mit assundin als ItZ gezam 
We her gesetzen SOlde 

de vorsten wen her wolde 

Ezzen kegen de auenstunt 85 

^ do riet im assundines munt 

Her sprach mocht ir de gewelde han 
also se hi den Trowen gan 
Datz se also wolden sitzen nedflf 
er is cleyne de dar sprechen weder 90 

De rat deme keysere hagete 
der mute vnvorzagete 
. . assundin [mit im tratj 
C a % se alle randerliche bat 

Datz se siteen wolden « 95 

wenne se ezztm, aolden ^ 

Bi eyn ander nider yf den plan 

de volge wart im dar getan *" V 

Von im allen zo der stunt 

do im wart de mere kunt 1 00 



74. Biden 75. herre «1 77« ToraeheideB angeordnet; vergi. 
Pari, 762, 6 daz sitzen wart bescbttden an Ga»4nes ringe mit höfsch- 
liebem dinge, und 762, 14 der fronwen sitzen man beschiet über gein 
G4w4o. 76—78 abgeschnitten. 80. -ser mosten 82. is getzam 
83. sehe 84. wolte 85. de anentstnnt 86. mit 87. -hte 
ir de weite han 88. vronwen 89. -osten siezen nider 90. de 
daer spreke Ol. kaysare behaget« 92. vanerza^o 93 iet in 
der handeehrfft fast ganz weggesoAnUten ; nur du spitzen van den 
huchstaben des wortes assondin eind erkennbar» aueh mit dem aus 
M aujgenotnmenen mit im trat ßigt sieh der nert nicht genau an den 
folgenden, 94. -derlike 95. woltea 96. etita aoUea 98. wartin 
tar 99. zoder 






\ 



« -,- 



BEBTOLTS CRANE. 

An late vni an lande ghar 

nemet vnses rechtes war 160 

Datz wil ich iw tan bekant 

her sprichet emen an vnse lant 

Sin TFowe de is awesi* min 

se wil dorch datz w dich sin 

Dat se is zo iren iaren komen 165 

se hat ein man genomen 

De sper dorch minne swenden kan 

her ist so YoUenkomen ein man 

Dat her mit zioste reret 

de iene de kegen im keret 170 

Dem genet her aaentore wer 

werder voget nu stet min gher 

Datz ir vns helfe ton bekant 

sole wir behalten vnse lant 

So motze wir eynen ritter ban 175 

der ime strites wille wider stan 

Vnde im si gelich geboren 

her ist eyn sovfir ntz ir kom 

Min vat^ hat in gescheyden 

mit eme von vns beiden 180 

Na wil her vnse riebe ban 

vns ne werde helfe von in getan 

Der keyser zachteliche sprach 

wat ich iw gehelfen mach 



C b \ so snlt ir vns kiesen lan 
Eynen sinen geliehen 
der deme vorsten rieben 
Dorch vns strites wille ir stan 



185 



159. /. iB loUn 162. vergL tFigam. 3527 er sprichet nf die 
erbsUtt (/. erbeschaft: togeothaft', 3523 der gibt erbe uf daz laat. 
163. U de swester minT 164. tooM weldich. das pergament ist Mr 
durehluekert. 166* se hat ein man zao ir geDomen? 178. V99^L 
Sttpbir Bruus 3, 73. 179. vergL Li, 2, 619 da von sin vater im 

nz sckiet einen teil siner habe* 185. toeggesehnitien ; etwa dai wirt 
zohant ron mir getan. 189. irstan ist mir m dieser hedeutumg nickt 
bekamnt; wum erwaritU besten. 



BERTOLT^ ^kANE. 



.-••. 






Vfi iiehenkeD als ich han vornome 

man sach se ziemeret komen 

Vf rossen groz her gereten 135 

de se nach erlichen seien ^ 

Von im swi^ngen mitz der hant 

dar mochten toien wol ir pant 

[De knafen de da gi/tes gerte] 
C aZ de stokeo se ir werten 140 

Data ir wart vil manich riche 
dar dienet werliche 
De dar weren komen 
Vifhundert ids ich han vornome 
IVu höret vremede mere 145 

von eyner maget here 
Vn er gelich ^n knapelin 
de von zwelf iaren mochte sin 
Se reden zuditeliche 

vor den keyser riche 150 

Der knape trftweliche ifpraeii 
do her den keyser anj^ach 
Von rome edel voget gemeyt 
ich clageiw clageliche leyt 
Vnde dar zo de swesler min 155 

eyn vorste wil geweMich sin 
Over unser zwier eruc teyl 
her tut vns so grot vnheyl 



133. scenken als ie han r'nome 134. Men sach zimeret comen 
135. 136. De se nach iren seien Vf grozen rossen -- g*"-ih 
137. Von in swungen mit 138. fant 139 ahgetchnitten und nach 
M ergänzt, 140. stolzen 141. daz 142. daer diente 143. 

144. Vif hundert als ie han v^nome Ich bin wol vf de mere come 
143. 144. die so sehr abweichende letarl von M ist at^allend^ aber 
doch wohl der unteren vorzuziehn; vifhandert seheint »u 143 »u ge* 
hören, folgen wir dann der letart untrer handschr\ftt so liefse sieh 

sehreiben vifhnnderl, de dar weren komen als ich -^ hin vomomen. 

ein eingeßigles mit wÄrheit oder ähnliches würde aber matt sein, mu 
M vergl. Parz. 678, 30 an den rehten stam ditz rasre ist komen. 

145. vremde 147. ir«*kii<7/(Blin 148. mochte 149. rete 
150. dem 151. knafe troweliche mit diesem verse bricht M ab. 

Z. F. D. A. I. 6 



8!^ ^ BEHTOLTS CRANE. 



Ab late vnd an lande ghar 

nemet vnses rechtes war 160 

Datz wil ich iw tun bekant 

her sprichet eruen an vnse lant 

Sin vrowe de is swest* min 

se wil dorch datz w dich sin 

Dat se is zo iren iaren komen 165 

se hat ein man genomen 

De sper dorch minne swenden kan 

her ist so vnllenkomen ein man 

Dat her mit zioste reret 

de iene de kegen im keret 170 

Dem genet her anenture wer 

werder voget nu stet min gher 

Datz ir vns helfe ton bekant 

sole wir behalten vnse lant 

So motze wir eynen ritter han 175 

der ime strites wille wider stan 

Vnde im si gelich geboren 

her ist eyn sovfir utz ir kom 

Min vat^ hat in gescheyden 

mit eme von vns beiden J80 

Na wil her ynse riebe han 

vns ne werde helfe von in getan 

Der keyser znchteliche sprach 

wat ich iw gehelfen mach 



C b i so sult ir vns kiesen lan 
Eynen sinen geliehen 
der deme vorsten riehen 
Dorch vns strites wille ir stan 



185 



159. /. an loten 16^. vergl. tFigam. 3527 er sprichet df die 
erbstatt (/. erbeschaft: tos^Bthaft), 3523 der ^iht erbe uf daz lant. 
163. is de swester minT. 164. wohl weldich. du» pergament ist hier 
dureh&ehert. 166* se hat ein man ano ir g^enomen? 178. vergL 
aophir Bruns 3, 73. 179. vergL Lt. 2, 619 da von sin vater im 

£iz sckiei einen teil siner habe. 1S5. weggeschnitten; etwa daz wirt 
zohant von mir getan. 189. irstin ist mir in dieser bedeutung nicht 
bekannt i man erwartete hetikn. 



f »•. 



BBaXOLTS (;|IANB. . SS 

der keyser sprach dats wirt getan 190 

Wen der hogzit ende hat 

so kieset war ivwer wille stat 

Se sprachen vroliche <>v} 

werde voget riche 

Ivwer tugent vor gelde vch got 195 

wir halden gerne ivwe gebot 

Do nä de s&tze assvndin 

dat schone iancYTowelin 

Von den perde altzo hant 

so grotze schone men an ir vant 200 

Datz se ir tagende iahen 

de se mit ovgen sahen *^ 

Men satte dat schone »egeün '^ 

bi ein ander inncvrowelin 

Men nä des knapen gute war 205 

vnde hielt se erlichen dar 

AI wen de hochzit ende nam 

mit vrowen als itz gezam 

Sol ich iz han geredet al 

datz Aoviren vn de schal 210 

Den manigen yorsten sach 

de valschen spottere sprechen ach 

We mochte imb* al datz gesehen 

dorch datz de mine rede vehen 

So motz min kunst geteylet sin 215 

do ich sprach we der man yn gin 

Mit swerten pris er worven hat 

se twano ires hertzen valsehen rat 

Datz se der tzucht vor gazen 

yn mine rede mazen 220 

Durch datz ne werdich i nimb* holt 

von helle beyz ich bertolt 

Ich motz auer de vabchen clagen 

de mänes tugende weder sagen 

De vph ir liph vn vph ir gut 225 

JI08. /. vrowdan !110. /. den schal 211. den man ta maaigen 
Yorttea sach! 216. in man vn gin sUekt gewiss der name den der 
held eines frühem gediehtes von BertaU /tihrie ; aber welcher 9 

6* 



84 BEIITCH.TS CRANE. 

CTÜche werr firkr 4k% 

De spoltaT Mtea a>trs kaC 



DD ml ich iT^en T«r Wt 
Des sal BCii wir de tdLst bm 
dar maii so erticke setaa 



Cht dar was koTierea wider strit 
Von maaiseB Torstea licke 
datz rrdick werlirke 

Datz etzea dar evn eade bik 335 

der tanz zo saaeade wider %*m 
Her ne was aker aickl Luise dar 
de schone ackekrrde dar 
An ir paaiwi wart se g ekrac k t 
dar ir der rn>wde« ricke sackt ?-M 

Vnslänt von werden irtede 
vns tat de aTentnre knnde 
W> se zo saniende qnaaea 
do se de rrowen 



Vn legten se an den ara sin 245 

dar wart BÜt an ■■ndebn 

Mit licTe ekar ^edracket 

dar Tvder de sene war seracket 

AckeloTde an savols ara 

datz was ettdickes Torsten karv ?5# 

De ketten irs kertzen ancker dar 

geschozen an de maset dar 

De ritter Tnde de rrowen 

de dar weren koaen dor sck^wen 

De cinzen von danne zeneTiie 

de zwev de bLeven dar evne 

An den panlnn Tor borsren 

▼il deyne was ir sor^n 

Se waren tb vor drotzen 



2» mag^atkmUiem: €imm 4ar wUk kMf 4c Meint, 
14^ U%sm4 war dmmU 
^trgL m,X ww, 17t. «ar=:«M. 



BERTOLTS CRANB. 85 

An acheloyden arm gayol 

min munt sol vor swigea wol 

Ob ich des bette knnde 

we dar vrnnt mit yrnnde 

Vil liefiicher vrowde pladi 265 

de langen nacbt wen an den tach 

Do q'men de vorsten altzo hant 

mit eynen behorte dar gerät 

Vil manich here riebe 

geziemeret costelicbe 270 

r 

De dar doch mine wäre gesät 

manich rote rieh ir Juint 

De q*men mit speren an den behort 

men sach hir vnde dort 

Hurtieren manigen wMen man 275 

de erlicben sin began 



C b Z acheloyde gereten quam 

Mit alle den vrowen nf den plan 

se mochten wol ir schowen lan 280 

De mit troyen ovgen waren dar 

er an sent was so rechte dar 

Dat2 se sie keren mosten dian 

ielich als eyn wol sende man 

Der svnnen nicht ir kiesen mach 285 

wenne se steyt kegen den mitten tach 

Sol ich iw sagen de richeyt 

We geziemeret waren ir cleyt 

Der iungen keyserinne 

war soldicb nemen de sinne 290 



4«t 



We mir de (durcksir.) gesteyne were bekant 
datz von maniger wisen hant 
Kegen eyn ander lach gedrungen dar 



276. Site begtnT J^77 weggeiehniiten ; ehoa als ii ien keldeii 
w«l g^ezam, oder ähnlich, 7!^ /. vergL Pan. 71* 15 tin glast die 
blkke Biht vermeit: ein boBses eng sieli draa yerineit, 987. Sold- 
leht W%. wizenT vm^L 801. 



i BEKiOLlS CRANB. 

¥oa ■airigrr nanrnnrea dir 

De ir ksost so koe wisetea 395 

4o se de bOte pviseteB 

De man dar Tsder seherdea Taot 

manigen lewen ricke ir kaat 

De Tf eraen saadl krert 

costelicke waren kcrert 300 

Mitz maaiger witzen keade 

keträch yf des gekende 

De cronen der Toa Tngerlaat 

an der was ricbeyt ^-ü kekil 

Ctayol dar gereten quam 305 

mit rittem tU ak im gezam 

Zo den vrowen altzo kani 

evn zo kowen sckarlaken wät 

Gefomierct mit kermelin 

waren dar de cleyder sin 310 

Dar Tor ein vorspan ricke 

sin gordel was tore werlicfce 

Ricbeyt men mockte sckowen dar 

yf sinen gelen cmsen kar 

Sin crone stnnt Ton golde rot 315 

sinen grnz ker im alle kot 

Den riltcren mde den yrowen 

an in men mockte sckowen 

Eynen den aller sckoneste mä 

des korket cronen ie gewan 320 

Do sprack der milde assundin 

ich bin marschalc des heren mi 

be/Mt 

D a 1 ker genet cronen vik laut 

Der de in vf sckaden ir kos 325 

dar an se do clevne vor los 
Se vor kos sckone rn rickevt 
des sol se imber sin gemeyt 

3(KB. lek moekU nach beade initrpumgiarem umi dtnm Se tnioeb 
h$en. se würd» sieh dmm m^f JeUia^de hnMen. oitr i$i äito 
tMlf wukr v er äar b tH T 31t. iH was mmnmwtrfm f 3t3 J^t 

gan% wegg^gekmitUm; Umm ich tvea ic yhni9m al kekaat* vgL 330. 



« ^ 



BBirFOLT& CRA!(B. , 87 

Do sprach de keyser al||Ko hat 

ich ioD iw Yoxyleii dbekabt ^ 330 

Her steyt vor mich de swig* ain 

her sol mit mir gewddieb Ain 

Miner late vjude miner laut 

tun ich imüchea teyl bekani 

s 

Nu was its im nach heyle ir gan 335 

se salzen neder vf den plan 

De Torsten algelicbe 

vf manich samit riebe 

Dar im was gestolet mete 

vil ghar nach vorstelioben sete 340 

An miniclicber schowe 

en ritter ynd eyn vrowe 

Satz ymb* bi eyn ander dar 

▼nde manich iuncvrowe elar 

Do qum se alle prisete 345 

vnd yf de schonesten wisete 

De dtf ijancvrowen were genat 

do tete men ir den pris bekät 

Der vrumeden yn der deynen 

yh der mimclicboft ff^ynen 350 

Achaten als ich bore 4M||i^. ^ 

den pris se beyde mosten t'gen 

Watz hülfe datz ich sagete vil 

der meyst* kunst vn ir spil 

De vor den vorsten dar geschaeh 355 

vn wo man boveren sach 

De tloltzen vn manige Inte 

de deme keyser vnder der brule, 

Dienestes plagen zo der zit 

BMI lach dar boven wider strit 360 

ttanigei^.dorch der minn^ gelt 

de gezlemeret vf datz velt 

Quamen utz manigen riehen 

de dar mildicblicben 



■f .i 



-*♦ 



»31. l. Uir 338. (Cfade der brdU 360. A bovieren 

... j 



.. V 



BERTOLTS CRANE. 

Gaven ros td gewant 365 

dar wart Banich riebe von im gesanl 
ITon osleiTiche agorlin 
de gaf dorch de gevertin sin 
Wer gane zo im gerochte 
D m 2 dorch datz in manich sochte 370 

Ich weyz wol datz dar agorlot 
mit genende willichlichen bot 
Den gfaereisten sine hande 
de im der knning sande 

Xa motz ich von der rede lan 37S 

dar wart so erliche getan 
De hochzit als ich han vor nome 
na was aner zo hone komen 
Datz Tremede inncrrowelin 
itz bat nach der dage sin 380 

Vmme des ritter altzo hant 
des wart volge im bekant 
Itz gienc znchtelicben 
vor den küning riehen 

Dar de werde Gavol stnnt ZS5 

itz tete im znchtelicben köt 
Datz cleyne vremede megetin 
itz sprach here mochte datz sin 
Datz ir mit mir zo lande raren 
ir mögen unrechtes vns beware 390 

Wolt ir vnse ritter sin 
ir hat soliche manbert schin 
^'f desme velte hir be gan 
vnsege moz her voo uch \iitfan 
Woh ir im geaen strites were 395 

ich bore sagen von ivweme spere 
We manigen itz stmcben hat gelart 
ich wil mit vch vffe de varl 
Sprach de innge gayol 

ich kan mit im striten wol 400 

Der key ser zomete vn sprach 

3t4. L ntcvm. wgL 804. 






BERTOLTS GRANE. 

mit Ych her nicht kerai mach 
Ir snlt eyaen anderen han . 
wen ir sochet yf den plan 
Der ist zo iawer vart be rejt 405 

ich sage iw iange maget gemeyt 
Sprach Gayol de riebe 
ich wil endeliche 
Striten mitz den w*den man 
des mich ir wenden neman kan 410 

Her bot im haleü de wafen sin 
do qua gereten assvndin 
De bat im sagen mere 
war Stande sin hinnen kere 
Mitz de wafen cleyderen sin 415 

J9 a 3 her sprach ich wille datz ellent min f 

Dorch de kint yor soeben 
ob mir got wil bewies rechte 
Ir^llult des wider wenden nicht 
Werder vmnt watz mir geschieht 420 

An den auentoren ghar 
so nemet irwes rechtes war 
Ich meyne an»der kunigin 

yf iawes trawen bertzen sin * «^ • |b 

Ich be yele nch Intfli yn lant ^ ^5 

nem ich den tot yon rittVs hat v '. 

So solt ir truwe assvndin . ^ ' / 

der kaningingen truwe sin «. 

So ir iw an mich hat gewiset 
des vcb yil manich hoe priset 430 

De ir hat an mi getan 

ywe siele motze des Ion yntEgm . • • « 

Datz redich werliche 

na sprach assvndin de riebe ^ 

Ir ne willet nicht gewendet sin 435 

ich wille de werden yrowen min 
Mit mir voren an ivwe lant 
vn weldichlicbe tun bekant 
BSrge lant ynde stete 
werde kftmg dorch mine bete 440 






90 BERTOLTS GRANE. 

Ir sult i¥we ritter sehen 
vor war ir moget in pses iehen 
Se ligent hir bi nicht verne 
ir mogent se schowen gherne 
Se kunnen not mit swerten geuen 445 

nicht lenger wirt von mir gebleaen 
Se solen gote be volen sin 
dar zo de werde vrowe min 
Heyzet mir min wafen brigen her 
ich wil varen so steyt min gher 450 

^cheloyde mit züchten sprach 
nu nahet mir de klagende tach 
Nach den werden vroweden min 
sole wir al dns vro gescheyden sin 
We steyt datz iawer werdicheyt 455 

bliuet werde man gemeyt 
Vn genet im eynen anderen man 
de vor uch wol striten kan 
Vrowe des ne mach nicht sin 
ich rediz bi der warheyt min 460 

Ich kome wider altzo hant 
D b 1 dorch ivwen pris an vremede lät 
Wil ich mit dessen kinden hin 

[1 *] der vart im icii willieli bin 

\Ve wU de vrowe biddea be^an 465 

datz vor sagete de werde man 

Hamasch wart an im geleyt 

de innge kumginne gemeyt 

Im al de wafen riemen hant 

mit ir witzen edelen hant 470 

Dem werden wart sin ros gebracht 

her bot mit willen guten nacht 

Der kuninginnen riebe 

vnde deme keyser sunderliche 



464. scheint ungefüge, der vart ich im vil willich bin? 465. /. 
we vil Abweichende lesarten in M 466. daz vorsagete 467. Har 
nach 468. coningiiae ^emeit 469. aide wafea ramen 473. coniBginne 
474. den keyter •nndeeUche 



BERTOLTS CRANB. 

Dar zo allen den geverlin sin 475 

her be val se aUez asavndin 

Her nam oriof allzo hant 

zo agoriin yon osteriant 

Vn zo den werden langen Staren 

her spraoh ieh wii an holden vare 480 

Von den vranden de ich han 

dar wart eyn erlich spr&no getan 

Sonder stegereif an itn satel sin 

do be lachen assmdin 

Her sprach mit selten motze ir gevam 485 

ich wü in eriiohe be warn * 

Lote lant vnde k&ningin 

got geoe iw prises gewin 

Acheloyde sprach zo hant 

so itz ir zo sorgen was gewät 490 

Ich geoe iw tach eyn halnez jar 

en komet ir nicht weder dar 

Dar och min ovgen angesen 

so motz ich iw des todes ien 

So motz ich Trowde mir begeven 495 

werde vorste ob ir lenen 

So snlt ir mich doreh tmwe sehen 

her sprach vrowe dat sal gesehen 

Ich kome zo iw an nngeiiant 

en wert mir Dicht der tot bekit 500 

Der kftnio^ ivne tob danne reyt 
mit den kiadea swen ffemeft 
[1^] Der rerte bette her sich bewegen 
de vrowe tete im nanisen aefen 

475. «o alden s^oerten 476. benal te aliet 477. also 

478. Zas^lin 479. zoden w'ten innse aeare 480. ie — bnlten 

vergl, ßruns 8 • 60^ an 14t one an ninen hvlden varen und «b«»- 
äm 610. 481. den ieh 4811. erlichen apruno 483. andeo sa» 
del 484. do besande laohen 485. sprae — mirz ir vam 486. lo 
wil erlichen ych bewarn 487. coningia 488. veh 480. to hant 
400. ia 401. neb — halp 402. conet — wider 403. ongben 
hat geaen 404. moz ich in dea totea 405. mos ich vroyde 
407. aea 408. apraevronwü da» aol 500—504 abgeseimiitmi. 



92 BERTOLTS GRANE. 

Mit ir Witzen edelen hant 505 

nu vor her hin an vremede Ut 
Itz ne moste neman mit im dan 
D b 2 ^i^^ vrowe maget noch man 
De hochzit dar eyn ende nam 
vil vorstcn vor den keyscr qua 510 

Se namen orlof altzo hant 
vn voren wider an ir lant 
Assvndin zuchteliche trat 
vor den kevser vnde bat 

De küningin wii iw oriof han 515 

datz ne wirt noch nicht getan 
Sprach der keyser altzo hant 
ich wil voren an min lant 
Vch dar zo de tochter min 
se sal batz geziemeret sin 520 

Datz redich werüche 
We stünde datz deme riebe 
Vore se so arm an ir lant 
mit ir snln werden gesant 
Vil somere vü manich kemelin 525 

ich gene ir xtz der kame^n min 
Hundert tnsent marc snln mit ir gan 
des ne werdet nicJi ge tan 
Datz se bliue dorch i^-^er g«t 
hat se milter ^Towen mut 530 

Se seinen wol vor gencn nach 

zwintich horde vf eynen Uch 

Seiners weme se itz genen n-il 

ich wevtz iz lichte also vil 

An groten zomen ^ngezalt 535 

505. Mit irra wiicn edcler- 506. rr^ 507. la 506. Eitoi 
510. vil mus^hftett. xmntem 511. «rlop 513. sarhtelike 

515. De k^naingea wil niwe- 516. das ne wart 517. de keyatr 

all- 520. sal has gezimere- Sil, das htt, stände das 

5S3. Vare 511. salea 5)5. SMer 5W. er ai 517. Haa- 
dcf< mmsfti^flem, mark s«lca 5t8. nicht 5t9. das 530. S» 
hat (31. aelM wal Ter- 533. we ae 534. weys it 

iM cTMfir« TWtMM»^. mmgk, tO^ ükm 



BERTOLTS ORANBi » 

des mach se aUe2 bauen istwält 
Wc vil der kuning beten began 

datz vor sagete im al de Vde man 
Ich meyne den mitten assnndin 

na nam orloP de'vrowe sin 540 

[1 ^] Also ir assnndin gebot 

ir minicliche mnnt so rot 
Begnnde nemen orlof 
zo den keyser ynd on* al den bof , 
De keyser znchteliche sprach . 545 

nn ich iw nicht ir- wenden aiaeii 
Da solt getruwe assvndin 
imber dorch den dienest min 
Nach mich riten an min iant 
ir werdet also weder gesant 550 

Datz ich des motz bauen ere 
vnde yromet ach imqi' mere 
Do sprach der mute assvndin 
n b 3 ich moiz bi der koniginnen sin 

Nn wir des kuniges nicht ne hat 555 

sines stolzen hertzen rat 

Dat bat in yon binnen iaget 

here vch si von mir gesaget 

Ich wil vor im geweldicb sin 

ich han seinen von den eraes(8i/i/reA^/!r.) min 560 

Zo gelde des iares eynen bort 

got lone ivwer sotzen wort 

De ir bat an mi getan 

wir mosen alle inwen oriof han 

Der keyser mit ir sande 565 

der scbonesten vtz deme lande 

die Frantzoyse vil tornoyse groz von silbere. vgl. Frisch 2» 377^. 

Oberlin 1649. 1679. 536. alles 537. We wil der koning^ 

538 — 54!2 abgetchnitten. 543. -en 1<^ 544. aide 546 aus- 

geUffken, 548. denest 549. in min laot 550. wider 

551. m&s 55!^. imber 553. r U em assnndin 554. kooin^inne 

555. enhat 556. -eben rat 557. hinne 558. van tnu Uget 

559. g^ewaltigf 560. -ne von den erge - ti - in 561. eyne 

£62. sozen 563. mir 564. orlop 565. sante 566. vz deme 

laote 



H M BERTOLTS CRANB. 


^1 


^H Vifticb iBDcvrowen dar 


^^H 


^M de Bit ir komcD wercn dar 


^^1 


^^^^^ Vü lUo manige vrowea gemeyt 


^^1 


^^^^^^b geziemeret mit ncheyl 


t^^H 


^^^^^B S« be reyle ZO 


j^^l 


^^^^^" Ir kerc was kegea vngerlanl 


^^^1 


^^^r ^ Ten oiierriche agürLin 


^^H 


^^M ^ •■ vade nun de geverl« sin 


'^^^1 


^^^^^- - Orlof von im Eenomen 


a^^l 


^^^^^^B nn wreo de zwene vrosten vromr. 


«^^1 


^^^^P »cbeloydeM l>nt 


^^H 


^^^^^B SD ilz im ZO vn>wedeD was gcwal 


'i^^l 


^V [ 1 '' ] ^'' ""<='' ''"^ seaagcn 


«i^l^^H 


^^^ de dar der bole plageu 


^Sf^^^k 


^^^^^_ Vil schire waren se bcre;t 


3*^^^^H 


^^^^^^^H nach uianlicher wonbeyt 


^^^1 


^^^^^H Do se ZO samende q'men gereleu 


^^1 


^^^^^^^1 eyn knccbt rief nach sincn sctcn 


^^1 


^^^^^H Dnlz de lute 


5^^| 


^^^^^H her bot dar swigen ouer 


^^^1 


^^^^^^^B Do sprach der milte assundiu 


^^H 


^^^^^H bir bringe ich iw de vroweo 


'^^1 


^^^^H De bere »oruen faii 


^^1 


^^^^^V Dienlich 


s^^l 


^^^^^^g . Icii meyue deii iungen gayol 


^^1 


^^^^^^H ir witzent ai gcmeyne wol 


l^^l 


^^^^^B Wc her rf vnsen schaden reyt 


^^H 


^^^^^^H nu was vns komen der hell gemeyt 


^^1 


^^^^^P Der vns anderwerf vn relen 


s^^l 


^^^^^H dorch strit nach iunges vorsU sete 


^^1 


^^^M He ir warf de 


,^^1 


^^HVp als ZO nch komen bin 


'■ 


V 568. waren 56S. vrawe 570. mit ir reit S!l 


alao bl^^l 


H S73. ■gerlio 576. de cwe vorste 57T — 580 aeggetchnilten. ^^^^ 


■ SB2. ntDiger wonbeit 583. d» «e »mene 584. a« 


5S5. ii^^^ 


^1 Bin itinme 58fi. U' i-on de/i 588. -rre iDondiD 


58S. Hw 


■ bringt ich d- 590. manlicber 592. Ir weiieüt 


5S3. Bcadeo 


^M vnd- äOi. ans oomö 5Sa. ods »Dder warf ontreien 


595. Darob 


^H »Irit mieh mups vunl--- eiv 598. Wo vch eoiae 


J 



BERTOLTS CRANE. 05 

So sah ir s^ zo vrowen han 

jVn wesen ip äle vndcrtoi ßOO 

Also bot Tch 4er berre min 

Wir wülen alle ir dener sm 

Ir werde . . bärge vn lant 

Mit willen Avon miner • ant 

Do sprechen se allen assmuflSfl/^. 605 

Der gsid se gar g. • .d*\ n sin^ 

Vwer bot, ^ wifft ftUtk 

Nt wir eyne kerne fcaft 

Der vns so rechte si gaboi^n 

Werde vater uz irkoren 610 

Wir willen im mit trowe deneste plege 

Wir bette vns alle des ir wege 

... nie ritter wart geboren 

• . . Qcb bir ] 

^ abgeschnitten 

599. vrowe 604. /. hant 606. etwa g^ar geweldich (>08. einen 
fahren T 



G E F J O N. 

Jacob Grimm stellt in der deatscben mythologie s. 198 die 
frage auf 'gehört die altnordische Geßon zu der alts. oder 
ags. benennung des meeres gebhan, geojbn?* 

Für diese Vermutung läfst sich bestaügung aus dem my- 
thus von der Ge^on gewinnen welchen die jüngere edda 
(Sn. 1) und die Ynglingasaga c. 5 erhalten hat. 

GeQon, Odhinns tochter, bekam von Gylfi, könig von 
Schweden, so viel land geschenkt als vier stiere in einem tage 
und In einer nacht umpflügen würden, um dies auszuführen 
rief sie aus lötunnheim ihre vier söhne, die sie von einem 
riesen geboren hatte, herbei und spannte sie in gestalt von 
stieren vor den pflüg, diese zogen so gewaltig dafs sie das 
ganze umpflügte stück land von Schweden losrifsen. das ist 
das jetzige Seeland ; an der stelle aber wo es früher lag ist 
das wafser welches jetzt lögur heifst*. 

vgl. Fino Magnoisen lex. myth. i. 112. 



96 GEFiOS. 

Die bedeutung dieses mythus ist klar so bald wir GcQon 
nach dem vermoteten sinne des worles für eine meeresgöttin 
nehmen, unter den vier in gestalt von stieren vor den pflog 
gespannten riesen, den söhnen der göttin, kann man , da die 
riesen überhaupt die dämonen der wilden ungebändigten na- 
turkräfte sind und auch in andern mvthen stiere auf stürme 
deuten*, die vier hauptwinde verstehen, dami würde der 
mythus einfach aussagen dafs die meeresgöttin durch die stür- 
me Seeland zu ihrem eigenthum gemacht habe oder dals es 
durch die stürme von Schweden losgerilsen und zu einer insd 
geworden sei. 

Nach dieser einfachen durch die bedeutung des wortey 
gejjon gewonnenen erklärung des mythus erscheint als tref- 
fend was Grimm hinzufügt 'solche schlüfse aus ersteibenden 
Wörtern auf erstorbene gottheiten zu versuchen ist nicht un- 
nütz, weil sie den blick für künftige forschungen schärfen, zu 
beweisen erheben kann sie, wenn aus der sage oder^onsther 
Übereinstimmung der mythen aufgedeckt wird.' 

Wenn nun Sn. 36 über Gefjon bemerkt wird, sie ist 
mädchen und ihr dienen die als mädchen sterben, so läfst rieh 
daraus schliefsen dafs sie, wie sich die altnordische Run mit 
der Hei berührt (myth. 197), als meeresgöttin zugleich eine 
gottheit der unterweit war, aber wohl nicht überall in einer 
solchen beschrankung wie die edda will, denn sollte diese 
auch für einen theil des nordens gegolten haben, so nahm die 
göttin doch, weil sie sich nach der Ynglingasaga mit Skiöldr 
dem Skänunga god (fornm. sog. 5, 239, vgl. myth. 218) ver- 
mählt, bei Dänen und Deutschen gewiss eine andere und viel- 
leicht eine wichtigere Stellung ein. die jüngere edda gibt also 
hier, wie auch wohl anderwärts, wenig was zu einer ge- 
nauem erkenntnis der nordischen gottheiten dienen kann. 

GÖTTINGEN. W. MÜLLER. 

* y%\, Uhlaodi lag^enfortehaDgeii 1, 101. das brallen dea stierM 
nod dei itarmei mochte aoUri zu dem mythiachen bilde gebea. so 
mag aach der iötaDo Btli d. i. der brüUeode (vf^l. Raak lex. ial. mt 
beiia boare , brallen wie eine kah ; belia vacca), der von Freyr, dem 
gotte der zam gedeiheo der erdfrächte die mildere laft herbeiführt, ge- 
tödtet wird (Sn. 41), den wilden stnra bedenten der in anfaos des 
frülgahra herfcht. 






KARL. 

BRUCHSTÜCK EINES NIEDERLÄNDISCHEN GEDICHTES. 

Die geschickte der mittelniederländischen poesie kennt 
meines wifsens bis jetzt kein gedickt welches die aben- 
teuer Karls des grojsen in Spanien nach seiner rückkunjt 
aus dem Morgenlande und vor dem kämpf im thale Ron" 
ceval beschreibt, das hier mitgetheilte bruchstäck eines 
solchen gedichtes, das^ wie die Überschriften der einzelnen 
theile vermuten lafsen, vielleicht den ganzen umfang der 
Karlssage behandelte y wird daher unsere kenntnis in die^ 
ser richtung hin erweitem , scheint aber auch sonst in 
mancher hinsieht lehrreich. 

Es füllt die beiden innersten jetzt getrennten blätter 
einer zierlichen pergamenthandschrift aus der zweiten 
hfilfte des \An Jahrhunderts, sie theilte mit so vielen an- 
dem das Schicksal zerschnitten zum einbände jüngerer 
bücher verwandt zu werden, in solchem zustande löste die 
blätter der bibliothecar Budick zu Klagenfurt in Kärnten 
von einem bände der bibliothek des dortigen capuzinerklo^ 
sters. ob noch mehr blätter vorhanden, welchem buche die 
unseren dienten, vermag ich nicht anzugeben. 

lieber den niederdeutschen bearbeitungen von sagen 
Karls des grqfsen waltet ein eigenes Schicksal; vom baUi' 
sehen meere bis zum mittelländischen tauchen von zeit zu 
zeit bruchstücke auf, nirgends eine vollständige hand- 
schri/t. eine solche würde bei unserem gedichte das ver^ 
Z. F. D. A. I. 7 



98 KARL. 

hältnis desselben zu den bekannt gewordenen lateinischen 
(rffl. z. b. Kollar analecta l, 468), vielleicht auch zu den 
wälschen bearbeitungen kerlingischer sagen deutlicher er- 
kennen Iqfsen, sei es nun zu Girardin d'^JmienSy Adenes 
le Roi, zur chanson de Roland odei* sonst, denn dafs der 
dichter nicht blofs aus dem Pseudo-Turpin, den er z. 230 
ausdrücklich nennt, sondern, ?vie seine nord/ranzösiscken 
rorbilder, aus verschiedejien quellen (rgl. z. l — 115, ä. 264 
— 295) geschöpjl habe lehrt schon ßüchtige betrachtungy 
und seine spräche , selbst in unserem kleinen bruclistiickey 
ist voll von einßüfsen romanischer quellen, so z. 29 castele, 
188 geronde, 43, 104, 230 geeste, 44 lasersche, 281 noemt, 
131 peinsde, 59, 179, 217 pelgrimage (vergl. J. Grimm in 
den Gott. ans. 1831. s. 806), 81, 82, 200 prince, 26 scerpe, 
14 sudarie, 212 tribuut. was dem dichter von der spräche ei- 
genthämlich angehört scheint zeit wid ort der eiitstehwig 
Ufiseres gedichtes an den beginn des 14« Jahrhunderts und 
in den umkreifs des alten Brabants setzen zu lafsen. vergib 
z. 290 — 295. 

Die abschfiitte des gedichtes, von 96 bis 114 Zeilen 
und darüber wechselnd, zusammengehalten mit den zahlen 
der Überschriften (xxvj, xxvij, xliiij, lies xxviij , denn es 
fehlt nichts dazwischen) gestatten den schlujs dafs uns von 
vom herein etwa dritthalbtausend Zeilen fehlen; betrachtet 
man ferner die breite der behandlung, so dürften, wenn 
das gedieht auch die ferneren Schicksale in Spanien bis 
zu den folgen von Ganelons verrath in gleichem mafse 
behandelte, bis »um ende leicht dreimal so viel zeiten 
fehlen, in unserem bruchstücke von 297 zeilen wäre also 
etwa der dt^eifsigste theil des ganzen erhalten. 

Es lag nahe in unserem fragmente auch allenfalls 
einen theil einer ausführlichen, oft aus den verschiedensten 
quellen und Sammlungen geschöpften reimchronik, zunächst 
von Maerlants Spiegel historiael zu vermuten; doch steht 
dem mehreres entgegen, einmal die behandlungsweise des 
Stoffes überhaupt, welche in den theilen von Maerlants 
chronik die mir zugänglich sind, nämlich in den von 
Kästner {Jahresbericht über das gymnas. zu hingen 1833 



KARL. W 

s. 15 ff.) und H. Hoffinan?i (mewe werken van de fnaP- 
schappij der nederl. letterk. te Leyden 1, 2, 2&%ff.) ker^ 
ausgegebenen y eine verschiedene ist, abgesehen von der 
spräche, die in unserem Jragmente entstellt sein könnte; 
dann die Wahrnehmung dafs Maerlants quelle Vinccnz von 
Beauvais, dem er getreu Jblgt, nirgends den gegenständ 
unseres gedichtes darbietet; endlich die betrachtung dafs 
die bisher bekannt gewordenen niederländischen reimchro- 
niken, vergleicht man den :^eiti^avm den sie umfafsen mit 
der zahl ihrer verse, nirgends rawn liefsen ßir so auS' 
ßihrliche behandlnng der frühesten, gewöhnlich ganz kurz 
gefqfsten zeiten. 

Der Inhalt unseres bruchstilckes ist folgender. 

Der verwundete kaiser ruht um mittag auf seinem 
bette, da erscheint ihm im träume ein grauer schmid, der 
mit einer zange aus seiner linken hand und dem linken 
fufse einen ff eil, aus seiner linken seite einen speer nimmt, 
alsbald war er genesen» auch erhielt der grofse kaiser 
einen theil vom kreuze unseres herren, sein schweifstuch, 
das hemde Marias, die wickelkleider des Christkindes und 
s. Simeons arm, des alten der den herren so freudig em-^ 
pfangen hatte. Karl legte diese theuem heilthümer in ei- 
nen sack von büffelshaut, hieng ihn um wie eine scharpe^ 
und ritt zum land aus. ein todtcs kind auf einer bürg 
ersteht bei seinem nahen, fünfzig sieche heilt er von sohwe^ 
rem übel, er zog sechs monate umher, und eines tages 
danach fuhr er gen Achen, wo er vor allem gerne war, 
denn die Stadt hat er sich erwählt (vergl. deutsche sagen 
2i 452). zahllose blinde heilte er daselbst, stumme fanden 
ihre rede wiedef; die gesten erzählen von zwölfen, ge^ 
naue nachfrage nennt acht, von ftlnfzehen geb ich künde, 
vierzehn bresthafle am leibe, an hand und fufs heilte er. 
dreifsig buckelichte waren da, zwei und fünfzig mit jgro* 
fsem übel, fünf und sechzig die an der kehle litten, und 
andere bauleute ringsum genasen durch ihn, mehr als bc' 
kannt. zuletzt gab man zu Achen ein gebot durch die 
ganze chinstcTÜielt dqfs man am vierzehnten tage des ju- 
nius dahin wallfahrten, besehen und vernehmen solle das 

7* 



• • • !• •••• 



100 KARL. 

heiUgthum das Karl mit sich gebracht aus Jerusalem und 
Constantinopel. doch vor der beschauung mag jeder seine 
beichte sprechen wie sichs ziemt, dazu auf dem coneil 
hatte gerathen pabst Leo von Rom , der deutsche bisckqf 
Turpin , der patriarch von Alexandrien Achilles^ von Anr 
tiochien Theophilus, der patriarch von der porte", und 
mancher abt mit krummem stabe, ich glaube, der ablqfi 
den man jährlich hält zu Achcfi rührt daher, nach dem* 
selben berichte ward mancher todte damals zum leben er- 
weckt, diesen fUrsten mufs man loben als einen der alles 
vermag^ der so fromm war und so hehr und dem gott so 
hold war. er brachte zu seiner zeit nickt nur im kamgfe 
seinem lande ehre, sondern wollte es auch schmücken mit 
theurem und berühmtem heiligthume, das noch zu schauen 
ist in mancher Stadt Frankreichs und Allemanniens. 

Als nun Karls tüchtigkeit manch königreich gewon^ 
nen hatte, manches land bekehrt, die Christenheit dadurch 
eru^eitert, die kirchen wohl bestellt, seine nachbam alle 
bezwungen so dq/s sie seiner freundschaft froh waren, dm 
nahm er sich vor in Achen zu ruhen in seinem alter, du 
kriege fahren zu lafsen und sich zu schonen in seinen «/• 
ten tagen, denn er hatte von seiner kindheit her, wie uns 
die gesten sagen und wir für wahr wifsen, manch schwe^ 
ren krieg gefuhrt, manch bittre quäl erlitten zur ausbrei' 
tung des christenthums. doch wollte es gott noch nicht ge^ 
statten dafs er ohne kämpf fortan leben sollte; er sandte 
krieg und streit über ihn. den bestand er wie ich euch 
erzählen werde. 

Als er in einer nacht ruhte, da erblickte er am him^ 
melszelte eine strqfse von stemen, die zog von der nord- 
see (dem friesischen meere) gen Spanien und über das 
land 9on yatarra ganz deutlich gen GaUizien , wo s. Jm* 

• Portus Naomis r ohne zwetfei ist der patriarek von JqsO^m 
g€Wä€iRt, timd W4ihrseheiniich der tk eiHer urkumdm Karts, datoM xn. 
UL laBoarii •• xi, d. i. 811, actam Ai|Bisgruii in paUtio regii, er- 
wäkmta venerabilis Maieotias patriarcka» »oii dem es he(fii tJiggesnt, 
ۥ qnod ictei qoae io Aqaileia dWUte priscis tnaporibvs coaitrada 
iWrat . . . repmre 9i pristiam Immtoi ezpetebat. RmMs momum. 
dfmü. s. 402. 



KARL. 101 

eob der apostel lag, allen imbekannt bis zu jenen tagen* 
denn niemand muste wo sein leichnam begraben wäre, die 
erinnevimg daran war verloren, denn zu lange war es dqfs 
sein haupt fiel in jenem lande. — Karl bedachte alsbald 
was wohl diese strafse bedeuten mochte die er von nun an 
jede nacht erblickte, in einer nacht entschlief er endlich 
und sah vor seinem bette stehen einen mann von schöner 
gestalt der also zu ihm sprach *was thust du, mein 
söhn?' Karl antwortete 'wer magst du sein der mich nun 
anspricht?' jener aber sprach *ich bin Jacob der apostel 
unseres herren Jesus, der söhn des Zebedaeus, Johannes 
bruder des evangelisten , der ai{f dem see von Galilaea 
Jischte und den der herr berief dafs er das tiefe wafser 
verlicfse und pi*edigte seinem volke, der den Herodes der 
dritte enthaupten liq/s in seinem grimme, in Gallizien 
liegt mein leichnam, vertreten in grofser schmach durch 
die Sarazenen, wie solches volk zu thun pflegt das da 
nicht ahnt wer hier ruhe, darum wundert mich sehr dafs 
du mir zu ehren nicht säuberst jenes land, der du in dei- 
ner macht manch anderes den feinden abgenommen, des» 
halb komme ich zu dir. wie dir gott die macht verliehen 
über alle könige die leben und herren sind auf dem erd' 
reiche, so hat er dick fürwahr auch erwählt das land zu 
reinigen von den unreinen Moabiten die es verderben und 
dadurch zu lohn die ewige kröne zu gewinnen > deinen 
weg erblickst du vorgezeichnet an den stemen; folge ih- 
nen aus der ferne und komm in mein land, vertreib unsere 
feinde, so dq/s die Christen ziehen mögen zu meinem grabe 
in Gallizien. so lange die weit steht mag man der wall» 
fahrt pflegen Md mein segen soll kein ende nehmen* 

Dreimal iäk' Karl von s. Jacob dieses gesicht, da er- 
hob er hoch des heeres fahne und begann mit grq/ser macht 
die fahrt gen Spanien, ringsum liefs man ihn ungehindert 
und ohne streit vor Pampelona kommen, da lag er aber 
drei volle monate und konnte die Stadt nicht zur Übergabe 
zwingen, der tüchtigen vertheidigung günstigen läge und 
festen mauern wegen, endlich wandte Karl sich bittend 
an s. Jacob, auf dafs die Stadt in seine hand käme, da 
stürzten die mauern und man gewann wie die Stadt so alle 



1Q2 KAHL. 

Sarazenen, wer sich des heidenthums begeben wollte ward 
getauft 9 die andern l^fs man erschlagen, hierauf erga- 
ben sich schwache und feste Städte, waren des kämpfen 
müde und gaben Schätzung und tribut. nun fahr Karl 
und besah s. Jacobs grab, that sein gebet an der heiligen 
Stätte und sog nach Petrone an die see , eine schöne Stadt, 
siegend stach er seinen schqß in die wellen und dankte 
des herren und s. Jacobs macht dafs er die stadt gewann, 
noch weiter zog er durch ganz Spanien, von einem meer 
zmn anderen, nach Compostella, das damals noch gar 
klein war, nahm er noch dreizehn städte in Gallizien, 
Turpin, der diese gcsten schrieb, berichtet dafs man zu jener 
zeit sechsundzwanzig wohl befestigte städte in Spanien fand* 
alle gelangten sie nach und nach in Karls hand. eine hiefs 
Osca, wie wir hören, da war s. Vincenz geboren, da 
standen einst neunzig thürme, stark und auserlesen, gan» 
Spanien katn so in Karls gewalt. die namen dieser lande 
will ich euch sagen. 

Das eine hiefs Alandalyf, das .... land, das land 
von Castilien, der Mohren land, das land Navarra utid 
Portugal, der Sarazenen land. alle fielen sie in seine 
gewalt, so wie der Alaneti land die einst mit grofser 
macht mit den Vandalen Spanien erobert hatten, ganz 
Allemannien und Gallien durchritten, viel wunder trieben 
und endlich in Gallien sefshaft wurden, auch gcioann er 
der Boscanen und der Basken land und das von Palergen* 
da blieb keine stadt ungenommen, krieg und bedrängnu 
zwangen sie. Lucem, die feste stadt in dem grünen 
thale, schien uneinnehmbar; Karl zog selbst vor sie und 
lag vier monate vergeblich da. der kaiser zürnte sehrj, 
doch nur sein gebet zu gott und s. Jacob stürzte die 
mcuem. nimmer seit jener zeit kann man in die stadt ge^ 
lan^-en. He liegt verwüstet bis zu diesem tage; denn als 
man d^vor lag, drang plötzlich entspri?igend in die Stadt 
ein schwarzes wq/ser das thor und mauern untergrub^ 
und noch heute hat man schwarze fisc/ie da. vier städte 
waren es, grofs und stark, die Karl nur mit gewalt und 
mit Verluste der seinen gewinnen konnte, Luceme fli^ata 
Ventesien und Adanna; doch alle liegen bis zur stunde 



KAHL. m 

wüste und menschenle$t, 9ö r^M» dft^ k^m* sMst Karls 
som, seines edelen au99rk&rmen riH9fNt% es iaar kein ßlrst 
in diesem leben den man übet- Kart pH^igSB, wie mich dünkt, 
die Brabanter smd stob auf dm rukm v&n dievstn Herren 
zu stammen. 

Zum schlufse und zum vet^l'üick^ steke hier die den 
verlauf der erzähhmg berührende stelle äu$ Alberich von 
Trois -Jbntaines y bei Leibnrtz actessuMes 2, 14f. Karolas 
in Hispania divisit terram NavaiTMlBim et Basctorum Bri- 
tauiiis, terram CastelladOrum Francis, tenum Nagerrae Cae~ 
saris Augastae Graecis et Apnlis , tet¥iiii Arragonum Picta- 
vis, Alandalus maritimam Tbeutoniels , deinde tenuit in 
Compostella conciiiom et institait profection^m ad sanctum 

lacobum tanc in eodem consilio ego Turpinus com 

IX episcopis basilicam et altere sancti lacobi kal. lanii de- 
dicavi 

TH. VON KARAJAN. 



I a 13 ^Iter ontrent noae lach 
Ij opsim bedde th oec sacb 

I n ontmaoht aU hem dochte 

E ne grauWen amat die broohte 

E en tange die yat sire lucht* hit 5 

E n vut sinen Inchtre voete prant 

E ne nagel dies waest bUde 

E n enen spere vut siere aide * 

E n tehant waest genesen 

V anfallen euele na desen 10 
(1 H ier toe gasmen d* ter stede 

D en groten keiser karle mede 

V an ons hcre cruce ecn dDel 7 "* 

E n sine sudarie al geheel ^; 

E n onser viTonwe hemde te bant 15 

E n daer toe ons heren bant 

D* mene mede in sire kintshede 



11. /. gafmeo 



104 KARL. 

B ant eä ontbant sine lede 

E h symeons arm des ouden 

D ie onsen here ontfinc m5 vroude 20 

Q K arle dede al dese grote saken 

I n enen sac die hi dede maken 

y an cre buffels buut tien tide 

D ien biac hi an sire siden 

I n die gelike in die gebare 25 

A Ise ocht een scerpe wäre 

E n reet vaste te lande w\ 

D* quam bi ter selu^ vaert 

T enen castele tere stede 

D bi . i • doot kint op stae dede SO 

M etten beilicbdoeme datt^ was 

E n oec mede bi genas 

L. sieke van euele swaer 

Vi. maende rüste bi daer 

E n ene dach d^ na tware 36 

E s bi tote aken geuaren 

D* bi g'nc* was voer al te uore 

W ant die stede batti u*core 

t* TT^ aer genasen so uele blende 

■ I ß dat ment getal niet en kende 40 

£ n so menich vanden rede 

M en conste oec getellcn niede 

5 i • xij . vande quaden geeste 

E n . yiij . lasersche alsic u^beeste 

V ander icht . x . en viue 46 

E n . xüij . crepcle anden liue 

M anc an bände en an voete 

H add* . xxjL . daer die boete 

B ultenaren . 1 • en twee 

D ie vande grote euel badde wee 50 

6 enasser . Ixv . dat es vele 

E n die wee badde in die kele 

E h and* gebure omtrent 

G enasser mer . da es bekent 

T en leste gaf me take vut mede 56 

E ü geboot al dore kersiehede 



•^.f* 

fc. 



KAM.. 

D at men opten . xiiisig fach 

D ie doen in iHiiios gelach -^ ' 

T ot akgn i pelgrimage quam 

E Q besagen eö "Onanien 60 

T heilichdoem dat karle 05 he 

B rächte yän iherosalem 

E n van canslantinoble die stat 

E n eer ieme oec sage dat 

D atti sine biechte sprake 65 

V an alder sonderliker sake 

Q I n die consilie so iras mede 

P aus leo vä rome d* stede 

E n der dsche bisscop tnlpim 

E ntie patriarke alexandryn 70 

D ie gebeten* was aehilieas 

y an anthiochen theophulas 

D ie patriarke yand* port 

£ n menich bisscop wed* en yort 

E h menich abt m5 cröme staue 75 

I t wane dafiaet qua hier ane 
atmen taken haelt alle iare 
So doet yan deser seiner mare 

T er sein* consiKen dak ic seriue 

S was ^wecl van dode te üa6 * 80 

J) esen prince salmen Ionen 

y oer enen prince alles te boue 

D ie so vrome was en so stont 

E n dien.god mede was so hont 

H ine dede met ere in sinen tide 85 

S inen lande allene met stride 

M* hi woude sim laut oec vchiere 

M et groten heilich doeme en m5 diere 

D at noch stunt in menege stede 

I n vrancrike in aknaenge mede 90 

D at visioen dat k\ sach van 

S . inte lacoppe xxvj 

Alse karle hadde vromelike 
verwonnen menich conieffike 

E n menieb last hädde btkeert^ 



' D 






106 KAHL. 

D^ kcrstenlieit bi was gemeert 

E nlie kerken in goeden staten 95 

H adde geset en sim omsaten 

A lle bcdwonge hadde also 

D at si siere vricnscap wäre vro 

H adde achtinge datti woude 

T aken rüsten in sire oude 100 

E h dorlogcn latcn varen 

E h hem in sire ouden sparen 

W ant bi van kintschen dagen 

A Ise ons die ieeste gcwage 

D at wel wel vocr waer 105 

rloge badde gehoude swaer 

D* bi menege pine oui leet 

E n bi kerstenbeit maecte so breet 

M* god en wouds nocb niet gedoge 

D atti sonder orlogen 110 

L euen soude als en als 

W ant bem nv ouer bals 

iueste orloge ende stryt 

datti bielt in siere tyt 

A Iso ic V sal openbaren 115 

D aer karle lacb twaren 

N' acbts beeft bem gedocbt 

D atti sacb in die locbt 

E ne strate van sterre un no mee 

D ie quam vand^ vriesch* zee 120 

£ n gbinc benen tote spaengen 

E n ouer dlant van auare 

T ote in galissien openbare 

D aer sente iacob dapostel lacb 

mbekent op dien dacb 126 

W ant nieme en was so wys das 

W aer syn licbame begraue was 

W ant die gedinkenisse was ulore 

S o lanc waest daer te uoren 

W ant bi ontboost was i dat lant 130 

K arle peinsde alte haut 

W at die wecb bedieden mach 



B 



KARL. yu! 

D ies hi alle nacht sach 

N acbts eens qaä bem an 

E en ömmacht en enen man 135 

5 ach hi staen van scoend* gedane 

V oer sim bedde eü spc he ane 
E n seide wat doestu sone myn 
K arle antwMe wie machtu syn 

D ie mi nv ons spreket an 140 

H i sprac ic ben die selue man 

I acob dapostel ons he^n iffs 

D ie sone was sebedeus 

I ans broeder des ewangelisten 

D ie op der zee daer vischten 145 

V an galilee ouse bere riep 
D at ic liete dat water diep 
E n vVoes nu datti woude 

D at ic den volke pMecken soude 

E n dien de derdc berodet* dede 150 

Onthoef den om sine felhede 
In galissien leget mf lichame 

D ie vertreden mit groter scame 

D ie sarrasine aU selc uolc pleget 

E n ombekent eest w* hi leget 155 

H ier ome wondert mi sere 

T wi du mi niet en daeds die ere 

D attu hads gesuuert my lant 

W anl du heues melter hant 

D en vianden menich lant genom 160 

H ier ome benic tot di comen 

6 elyc dien god heeft gegeucn 
M acht boue alle conige die leue 
D ie heren sim in erterike 

H eefl lii di u^core sekerlike 165 

D en wech te makene ms diere bat 

E ii te suueren my lant 

V anden onreinen moabiten 
D ie dat lant al versliten 

D attu dV gewins te lone 170 

V an gode die ewelike crone 



T 



108 KARL. 

D en wech dien du sages vä stiren 

B ediet dallu souds van verre 

M et eren comen tonsen lande 

K ü Ycrdrluen onse viande 175 

S o dat die kerstine come mog€ 

T ot minen graue gelogen 

D at in galissien es gelegen 

S o machmc d^ pelgrimage plege 

A Iso lange als die werelt staei 180 

D at myn soeken nict te gaet 

H oe . k\ spengen w^n en sinte 

I acoppe vant te cöpostelle xxvij 

e drien malen eest gesciet 

dat die keiser karle siet 

y an sinte iaeoppe dit getoech 

K arle die b^e van macbte boech 185 

S ette vaste sine vaert 

et groten he*e te spaengie w*t 

En es die geronde leden 

ngeweert en ongestreden 

y oer pampelune es bi geuallen 190 

D aer lacb bi • iij . maent mj allen 

N ocb tan en condi niet gewinne 

D ie slat . om die were van bine 

E n om die vastheit yand^ stede 

E h omden vasten muer mede 195 

M ettien karle sine bede 

A en sinte iaeoppe dede 

D at daer van sinen name 

D ie stat in syn geweit quame 

M ettier beden ter seiner vren 200 

y ielen ter neder die muren 

S o dat men wan die vaste stede 

A lle die sarrasine mede 

D ie tbeidenscap wilden begeuen 

D ie doepte men eü lietse leuen 205 

E n diere iet spraken legen 

D ie beest me alle "^siegen 

A ise die mare dos vnt spranc 



M 



v^ 



KARL. 109 

A He die «teden vaste eh cranc 

6 auen he op al d^ lant 210 

E h vielen alle in karlcs hant 

E n gnnen tribuut en scat 

E n waren des orlogens mal 

D US voer karle en besach 

T graf d^ sinte iacop in lach * 215 

E n dede al daer ter stede 

S ine pelgrimagie en sine bede 

E n voer van d' te petrone 

p die zee en siede scone 

E n stac in die zee sine scacht 220 

D^ danote hys ons Hen macht 

E nte grole s* iacoppe mede 

D alti was come d^ ter stede 

D^ na doer voer bi spaege mee 

v^ T3 ander ere zee toter and* zee 2t5 

fj Ende wan in galissien lant 

xiij . steden in sine hant 

D aer cöpostelle af was dene 

D ie tien iiden was clene 

(I T ulpim die dese ieeste screef 230 

B i wien dware niet acht* bleef 

S ege dat ten seinen stonden 
xxvj steden stonden 

W el gevest in spaengen lant 

D ie algader gingen in hant 235 

E en hieter . osca alse wyr bore 

D anen sinte vincent was gebore 

D aer wilen in stonde . xC . toerne 

G root sterc en vut vcoerne 

D US ginc altemale spaege lant 240 

D en keiser karle in de hant 

E n hoe diere lande name wäre 

W illic V Seggen sond* sparen 

(I E en lant biet alandalyf 

D at bleef al in karles bedryf 24 j 

D er palant . dlant vä casteel 

246. da^ xwn'te wori undeuflieh. 



o> 



110 KARL. 

D er moren lant viel hem te deel 

D lant vä naoare vä portegale 

D er sarrasine lant altemale 

D er alane lant oec mede 250 

D ie wilen met gvoiev mogenthede 

M etten wandele woiien spaenge 

E h doer reden al almaengen 

E n galten en wonder dreuen 

E n in galten sittende bleuen 255 

ec wan hi der boscanie lät 
E n der basken lant i sim hat 
E n dlant van palei^e mede 

1 nden lande so en bleef stede 

5 ine wert karlen op gegeue 260 
cht sine w^t so bedreaen 

M et orloge en met grot^ pine 

2*^ T~A at si viel in den wille sine 

l_V lucerne die vaste stat 

D ie in dien groene dale sat 265 

E n condi niet gewinnen wel 

E er hire seine voer vel 

E n lager . iiij . maende noren 

A 1 ongewonnen dies haddi tore 

D aer om dedi sine gebede 270 

A n gode en an sinte iacop mede 

E n die muren vielen ned* 

N ie sider quam man in wed" 

N och es si woest op desen dach 

W ant docn me rfuoren lach 275 

Q uä midden springende i die stat 

E en sw^l water en al dat 

V* darf die porte noch eest w* 

D at men vint sw*te vissche d* 

iiij. Stade heeft karle \iMoemt 280 

6 root en sterc die me d^ noct 
D ats luceme en capata 

V cntesien en adama 

W ant hise wan m5 grot' pine 

E ü daer ömc uloes die sine 285 



■ j' 



* ' . KABL, '«- ^. fll 

D uB syn ai taten Aige baden 

m beseten van allen lüden 

D US wrac god karles toren 

S ims edels ridders vut n*core 

£ n was noit prinee in dit leue 290 

D ie men prys mochte genen . 

B ouen karten duncke mi 

M ercl in dit boec oebt w* si 

B rabanlers bebbens noch ere 

D at si sim van desen here 295 

H oe . karle dafgode brac 

E fi vanden kerken die 

h i maecte xliiij. 

Alle dafgode die hi vant 
keiser karle i spaege lant 297 

BRUCHSTÜCKE AUS DEN NIBELUNGEN. 

Ei?i dankenstverthes geschetik des herrn August ffll- 
heim von Schlegel seist mich in den stand mein Verzeich- 
nis der handschriflen der Nihelunge »u berichtigen, diß 
u?iter e U7id f aufgeführten bruchstücke sollten mit dem 
huchstahen L bezeichnet sein, beide gehören^ obgleich die 
hlätter unter e mit etwas anderen spracbforma^ und nach 
}V. Grimms angäbe (altd, wälder 3, 252) von andrer hand 
geschrieben sind, zu einer handscknft des vierzehnten 
Jahrhunderts , die a^f jeder seitc 27 langzeiien hatte, vier- 
zehn von Schlegel mir verehrte pergamenistreifen sind 
ebenfalls von Görres gefundene reste derselben handsekri/l. 
ich lafse diese hier folgen, und fUge die sechs von Grimm 
bekannt gemachten streifen viit cursivschrift ein* 

geschrieben im nommber 1840. 

LACHMANN. 

/, 1 {des ersten doppelblattes erstes blatt) vorwärts 

So — e mcynrate . so da von yme ergie 
Do — n syne tri/we . die schone Cricmhilt vlie 
Des andern morgts fru . mit dusint syner man 850 

Reit d^ Hre Sifrit . vil frolicbin dan 



112 BRUCHSTÜCKE AliS DEN NIBELUNGEN. 

Er wände er sotdc recbin . d syuer frundc leit 
Hagene ym reit so nahen . daz er geschaaw die cleit 
Als er gesanli daz bilde do schiel er togea dan f 

Do sageÜQ ander mere , zwen syner man 
Hit friede solde vlibia . daz Günthers lont 
Vn sie hatte LuiÜg zu dem künige gesant 
Wie mg ne Sifrit . do Iiyne wicd' reit f 

Er ihette etwaz errochin . sincr fründe leit 

/, 1 rückwärts 
H^anne ir iagin ridet . die wil ich g ne m — 
So soll ir mir Uken . eynen suchman 
Vn etHchin brackin . so wil ich riden i den dan 
Wolt ir nyt neoien eyne . speh d' künic zu hant i 
Jch lihc vch weit ir viere . den vil wol ist bekant 
Der walt vü auch die stige . wn die tier hyn ganl 
Die vch nyt Tlire wise . zu den bergin ridcn lant 
Do reit 26 syne wibe . d' recke vil gemeit 81 

Schiere batte Hagene . dem kunigc gcseit 
Wie er gewinen wolde . den lilichFii degin 
Sus grozzer vnlruwe . soltle nümer man geplegi 
(»ib) Avcntfire wie Sifrit crslagin wart. 

/, 2 vorwärts 
Oaz was eyn bere wilder . do spranc d degi htnd' sich 
Job wil vns iage gesellt . güder kurzcwile werin 88 

Jr soU den brackin ich sihe eyne bern 
D sal inil vns hynnen . zu herbergin fam 
Er ifliehe dan ivil scre er in kan — üni' bewarn 
Der bracke wart vlaiszin . d' her — von dan 
D — e yn er riden . der Criemhilde man 
E— n in eyn gevelle . do inkonde ('s 7it/t geicesin 
Daz Starke dier do wände . vor der iagcr genesin 
Do spnc vö syme rosse . d stolze ritter gut 
Er begonde nach laulfcn . daz di — 
Je ieonde yme nyt entrinnen . — 

I, 2 rückwärts 
Den man mit antwerkin muste zichin dan 
Der vn spannen solde er inhette iz selbe gedan 



Ä-. 



• « 



BRUGHSTUGKB ADS DEN NIBBLDNGBMJPe il& 

Von eyner ludmes hudc was alliz syn gewant 895 

Von heabte biz an daz ende, gestranwet man drnffe 

Vz d^ lieth — yil manic goldis zein ||yant. 

Zft beidi — iden de kunen iager meist* schein 

Da fürte er Balmungin eyn zier waiffin — 896 

Daz was als scharp . dag iz ni vermeü 

Wa man iz sluc vf helme . syne eckin warin gnt 

Der herliche iagere . der was hohe gemut 

. . • . ie mere . gar bescheidin sol 897 

. . . . el kocher . guder stralen yol 

//, 1 vorwärts 

Yn singen schechere . da er füre durch den dan 

Do sprach von Troy Hagene ich bringi yn i daz lant 942 



Jz achtit mich ringe . waz sie . . . . .<. 
(rotii) Aaent\ wie Crymhilt yre man . . . ^ 

943 



Eyn dier daz sie da slugin . dax»weynti ^^ Jdftt 

Ja muszi syn iageltin-» y& glide wigand^ Imt ' 

. - ■*■%• 

i/, irääkStts :* . 

Do spch dT kemerere ia 9o\Sk ir mISii stan 

Jz lit vor diesem gadene eyn ritter dol erslagen 



'• *■ 



• ••■.•••• *! ■"• 



949 



fgb • denkin sie k^;an 
ten . do wart ir mte leil 



V 
^ ■ 



950 



Die schonen frendelosin . ligM man da sach 
Crymhilde iamer . wart ynmasin groz ||erdoz 



///, 1 vorwärts 

gen 955 



. iii, 1 vorwärts 

Do spra — die iamerhafte . ir kamerere ir solt hyn 
Vh weck — t harte balde . die Sifrides man 

Z. F. D. A. I. 8 

• -V »Ä 
■■■■ ■• ■»? 



^ 



114 BRUCHSTÜCKE AUS DEN NIBELUNGEN. 



Do lief cyn bode balde . do er sie ligin vant 956 

Die Sifrides beide von Nybelonge lant 



Der bode quam auch schiere . da der kunic lac 957 

Sygemüt der Bre • d* slaiffes nyt inplac 

Jch wene sin h*ze yme sagete . daz yme was geschehi 

Er imochte synen lieben son . nümerme lebidic gesehi 

///, 1 riickwlirts 

Vil sere erschrac do Sygemüt . des det yi — w liehe not 

Mit hundert synen mannen . er von de b — te spranc 962 



Do quamen dusent reckin . des kunen sifrides man 

Do sie so iemerliche . die franwe horte clagin 963 



Yn wart michil swere . i ir herze gegrabin 

Do quam d^ kunic Sygemüt • do er Crymhilde &nt 964 

Er sprach auwe d* reise . her in diese lant 

Wer hat mich mynes kindes . vn vch des uwem man 

ly^ 1 vorwärts 

Er ist in dirre bürge . d* iz hat gedan 
Do ylten nach den WQ\ffen . alle Sifri — 



Sygemunt d* herre synes suns dot 

Den wolde er gerne rechin . des det yme w^liche not 

ly, 1 rückwärts 

A des strides radin nyt inwil 

iedej' eynen ye wol drissig man 



9 



Als iz dagin begine . ir beide vil gemeit 
So heifit mir besarkin . den mynen liebi man 



969 



vn 



•• 






BRUCHS^^I^ AUS DEN TOBttEOIfign. t|t 

;- Jf^j 2 vorwärU *, 

Er spch vil liebe swester . auwe d* leide dtfn 982 

dass wir nyt kondin . ane des groszm schaden s^ 



Werc vch dar v 983 

Jr hettint my . 

If^, 2 rückwärts 

Jn truwen sie yn clagetin • mit. den and^n sint 

Sie weinetin ynnencliche . den Crimhilden num 989 



ynti Sifride sint 

n swest* myii 990 

///, 2 vorwärts 

Baz dan hundert messen . mmi des dages da sanc 
F'on Sifrides frtmdin . wart da grozzer gedranc 
996 

Hynacht mich bewachin • den yszerwelti degin 

Jz ist an syme Übe . alle myne fireude gelegin 

.-.••. 997 . 

Waz ob daz got gebadet . daz mich auch nymet d* dot 

So w^e wol verendit . myn armer Crici^jiilde not 

Z^ d — herbergin giengin • die lüde ton d*stai ..^ . ^ttl 

Paff — vn manche • sie bUebin bat '*.%.* 

\'. 

m > 

III, 2 rückwärts 

fVa man die closter . od^ gude lüde vant 
Silber vn wede . gap man den armen genüc 

1002 

So was bi dem munst' . d^ kirhof als wit 

Vö den lantludui . weinens als vol |sol 

1003 

8* 



116 ntccmrCcKE Ars den mbelcxgen. 

Zo driftzic duniol markfo . oder daonoch baz 

Wart durch nvnt %t\t . den armen da gegebin 

/>0 x/;49Mr ffelegin ringe . $ine grosze schone v — nch sin lebi 

Ißa got da wart gedienet . daz man vol — sanc 10Ö4 

//, 2 vorwärts 

U lOOft 

Da 



Da krachte man die frauwe • da sie yn ligin vant 1009 

Sie hup syn schone heubt . mit ir vil wiszi hant 



Kyn iemer — chis scheidin . wart da gedan 1010 

Do dnic m — sie von dannen . si in künde nyt gegan 

Ily 2 rückwärts 
n 

1015 

Daz lant vfi auch die crone • daz si vch vnd^tan 

Vch sollin g nc dyncn . alle Syfrides lant man 

• • t • 

1016 

Bi ym starkin ßenden was yn das leb — n Icit 
Prauwen vH megden . hiess man such — die kleit 



r 



'■, 'KiX Hm W 



DIE ZEICHEN DES JÜNGSTEN TAGES. 

u^us der Münchener hs. cod. germ. 717, /?«/?., gttarty 
vom j. 1347, von herm Franz Pfeiffer ndtgetheilty der 
wich darauf aufmerksam macht dqfs ein anderes gedieht 
des 12n jh,, Orendely ebenso beginnt. 

HAUPT. 



hl. 12* Von den fünfzehenn zaichen vor dem 

ivngsten tag. 

Vil gut wil was 

daz fnscr herr IKc xps geborn wart, 

daz f ns sin hailigen lichnam gegeben wart 

z^ f nsern digen 

vnd z^ allen dingen. 5 

Ir herren, ob iwer müt also wir 

daz ir so starkiv mAr 

wöltent verneinen vnd bSren sagen 

von den f&nfzehen tagen, 

Swelich vrtail daz sol haben, 10 

wie dise w&lt doch ze ivngst ain end haben mäss, 

leronimus hat geschriben vnd spricht alsas. 

an den funfzehen tagen 

hebt sich ain iämercliches clagen, 

wie iedl(i)cher tag bringt sin clag. 15 

Das hebt an an ainem snnntag, 

mäng iamerclich clage. 

so verwandeint sich div waz^er 

div bi ainander sint : 



4. le onierm gediogen? 17. 18. naoee klage jAmarclteb. la 

Tarwaodeiot diu waziar sieh? 



118 DIE ZEICHEN DES JÜNGSTEN TAGES. 

div vervliesent, daz mer verswindet. 20 

Bi ainer clainen wil 
h5rt man es vber hvndert mil 
baydiv schal vnd wf 
vnd mängen grulichen ruf: 
12^ So erschriket es in siner ilut. 25 

An dem andern tag 
so hebt es sich vber sin stat ; 
es lat niement f ber lant ; 
es laint sich vf als ain stainwant 
mit griiwelichen kreften 30 

obnan in den lüften : 
dez widerseczet sich der stran : 
so müssen t äUiv wazer gestan. 
in den lüften swebet : 

so furhl im alles daz denn lebt. 35 

die armen sunder 
den ist ir mut schw&r, 
ob es her wider 
vallet oder kert, 

daz si da von ligen tot : 40 

da mit werdent si gewizigot. 

an dem dritten tag 
so kumpt es wider z^ sinem gestat, 
es ist kain vederlin 

daz so ringe muge sin, 45 

der leite vf den vak 
vil schier es an den grünt g&t, 
bi ainer wenigen stund 
vil tief vf den grvnt: 

so hat es verlorn sin kraft 50 

varb vnd sin kraft, 
daz ist iamer vnd not. 
des tages sint älliv wasser tod. 

an dem vierden tag 
inrhalb des merres gestat 55 

34. ez swebet {das meer) 36. die auM den gebeert. 

39. kM (t widert) 46. der es leite 50. es sM^k*ti. eigeBidiaftT 
Mht iU«r oder 51? 



im.wacmn des JüNGSüiiif zugbki im 

so muz alles das zerg&a 
daz von dem wazer ist geUuir 
baidcu Aus vnd leben; 
es muss allesant enweg« 

So sterbnt vil gewiz ^^ . 

div mertier vnd die visch« 
des tages alles daz zergat 
daz Aus oder grat hat. 
An dem fünften lag 
so nement div wasser SUiv ab : 65 ^^ 

so gesiht man nimmerme 
weder rifen noch den schnee« 
weder tuft noch nebel, 
weder law noch regen, 

noch der wazer kain tail 70 

div sann ie f berschain : 
gebrestent si also werd 
vierzig klafter vnder die erd. 
Swas disiv w&lt dennoch habet 
daz wirt von wazer nimme gelabt. 75 

13" An dem sahnten tag 

so nement älliv tier. ab : ,i ,. 

so läffent si vil bald 

vs dem wilden wald 

ab den hohen bergen . 80 ' 

vnd vs den tiefen "virSldea • 

Zf den liiten in daz gevild, 

reht sam si nie worden wi)d* 

Zämlich si bi den l&l^Q g^nU. 

wan si sich des wol verstand ^^ 

daz si diser w&lt ehren 

mit iamer müssen l&n* 

Das mag man denn wol $cbawen 

an dem wUdQ 9wm 

das Ydrias vnd dn^: j^aptb^ . ^ ^^ 

ain tier haizet v^des vn de h 

63. fl6»e 71. dtz dia 72. li ^ebresleot als6 vcrrc? 
86. krÄm? 91. sq, dat übrige j wie unlen noch einiges ^ *>* ««•* 
Ann rande alig9fifsfj$, jh» , fpro^ bautnwoUenpapierderAt^hff 



120 DIE ZEICHEN DES JÜNGSTEN TAGES. 

an dem stat ain horn als ain sag ; 
die hohen bäm schleht es a(b) 
als es in dem wald gät ; 

die hohen bhn es nider schleht ; 95 

swenn es sich darzv naiget, 
den wald es nider saiget, 
vnd es baidenthalben sin 
all bam gemain 

si sien groz oder klain 100 

der es so vil gevellet hat 
daz es denn nit gekomen mag. 
Das tier zaichen vns den man 
der nit wol erwinden k&n, 

der von kindes bain )05 

sundet gar vnrain, 
vnz er wirt zv ainem man 
daz er nit erwinden kan : 
so gewint er liht so herten müt 
das er enrucht was er tut: MO 

So sund^ der selb woleist 
wider den hailigen goz gayst i 
der muss den sin verlorn 
vnd dulden gotes zorn. 

Ain ander tier da vor gat 115 

daz tugent vnd bescheidenhait h(at) 
Das ist ain edels Pantier. 
es treit an sinem gewer 
die liebten siben varb 

die der bricster an h^t, 120 

so er ob dem alter sUit. 
daz bezaichent in siner gut 
die briester vnd die propheten, 
mit den wir alle sölten genesen, 
ob wir in gehorsam w51ten wesen. 125 

13^ daz bezaichnt in siner wird 
die elichen wirt. 

durch vielen gebrauch und dufch feuchtigkeit sehr gelitten, 98. oni? 
101. der es %u streichen f 111. T 113. den sin hAn verlor* T 
118. gewer, vesiimentumf fehU nach 118 eine %eiUf 



* 

MB fiEEIGBBDf DES JCNCSH» T^€«8. m 

Sin tugent div ist rain, "f^ ' ' ' 

Es lebt nv guter wrz vnd edier gest^in. 

daz tier waiz den wol 130 

wie disiv w&lt zergan sol» 

andern tiem es denn saget 

wie disiv wält ain end hab, 

wie got der groz 

dise w&lle in iamer lazen. 135 

so ist der tier denn kain 

weder groz noch klain, 

Es pisse sich vnd grimm 

mit ainer vraislichen stimm. 

des tagcs alles daz zergat ' 140 

daz tiers namen hat. 

An dem sibenden tag 
so nimt alles gef&gel ab. j 

ain vogel haizct fenicus : 

vf ainem berg hat er hns^ 145 

der ist zwelf clafter 

hoher denn kain ander berg, i 

%>%t^ der ist wit vnd lank. 

vnd ist ain lostiges lant. ^ 

der berg haizet gelboe« 150 

dar vf so komet nimme 

kain vogel ander, 

der sitih noch galander, ..«r 

weder wild noch zam, 

noch wib noch man, 155 

noch der vogel kain 

den div svnn ie fberschain, 

wan der vogel altersain. 

Der bezeichent fns 

den gewaltigen krist. 160 

der vogel waiz denn wol 

wie disiv w&lt zergan soI. 

andern vögeln er es denn sagt 

wie disiv w&lt ain end hab. 

1!^9, iiii¥aii 135. diie werlt welle 



%^ ^,^ 



122 DIB ZEICHEN DES JÜNGSTEN TAGES. 

So ist der vogel kain 165 

weder groz noh klain, 

er hawe sich vndc grimm 

mit ainer iämerlichen stimm. 

des tages alles das zergat 

daz yeder vnd da h&t. 170 

An dem ahtunden tag 
so nimpi wät vnd w&ffen ab, 
so beginnent sich wider lazen 
die paläst groz 

vnd die schönen kemnaten 175 

14' die da stunden wol beraiten. 
die vmhäng herlich, 
mäng pfheller schon vnd rieh, 
wat vnd wäffen 

beginnent sich zerlazen, 180 

veh vnd Scharlach 
kain vrist me geweren mag, 
glogspis zinrrich 
nimme weren wil, 

gloggen vnd giezfas 185 

weret nimme ffirbas. 
des tages stat es l&r wates 
vnd vil schönes gerätes. 

An dem nivnden tag 
so nimpt der gewalt aller ab. 190 

bi ainer wenigen stund 
so hebent sich vier vind 
mit grulichen kreften 
obnan in den lüften. 

so ist vf der vert 195 

kain bäum so groz noch so hert 
daz er iht si so vest, 
er breche mit wrtz vnd auch mit este. 
der tag der ist sorgsam, 

den furhtent wib vnd man, 200 

dem sin gewizet daz sagt 

176. beraten \9%, wind« 



OmiZBCaill^ DBS JDE96STIN >I^^ I» 

daz er nit gotes bald hab. 

flubent si denn die bell, 

daz tat in grulicben wol, 

daz si sich verbürgen 205 

vnd bestatet wrden, 

daz si gnädiclicben st&rben. 

daz gestat in nit got : 

da mit werdent si gewizgot. 

An dem zebenden tag, 210 

als wir div b&ch boren sagen, 
so beginnent triben 
diy wilden eberlin. 
bi ainer wenigen stund 

bebent sieb zwen vnd sibenzig wind. 215 

so ist vf der vert 
kain stain so groz nocb so bert, 
wa er in der w&lt si gelegen, 
er muss erstieben als ain mel. 
die boben berg fberal 220 

mussent nider in div tal. 
so vervallent die bürg 
die da darcb fberm&t geworbt^Wrden 
bi ainer wenigen stund 

nider in den gründe 225 

der tag ist gebaizen, nim war, 
der starken ebenar. 
An dem ainlften tag 
14^ so nimt daz liebt gestini ab, 

so kumpt daz firmameiUua. 230 

beati quornm. 

so muz verwandelt werden . 

baydiv bimel vnd erden, 

div svnn vnd der man, 

vnd gestrinn gemain. 235 

das ist kainer scbbcfat rat, 

aller diser w&lt wnn des tages mit iamer zexgat. 

;204. grdsUehenT 213. die wilden albenT 227. der starke 

236. «nd dhi getUroe g. 236. dei 



124 DIB ZEICHEN DES JÜNGSTEN TAGES. 

An dem zwelflen tag 
so nimpt div wäll älliv ab. 

bi ainer wenigen stund 240 

so geligent all wind, 
von den winden wir aten haben : 
so mag weder wib noch man 
ffirbas nit mc leben 

er muss alisant zergan. 245 

so lebt kain irdischer mensch, 
wan daz der haylig gaist gewalt h&t, 
daz div sei alterain des leben hit. 
des tages alles daz zergat 
daz menschen namen hat. 250 

An dem drizenden tag 
so erstand si all von dem grab, 
div greber tünt sich vf, 
die toten rihtnt sich darvs. 

div buch sagent ^s mär, 255 

des tages stand all hellwiz l&r 
vnd daz paradys, 
daz schaffet krist der rieh, 
so kamt denn mit vollaist 
iedlichen sin gayst. 260 

An dem vierzehenden tag 
so werdent si gefurt ze grab, 
den ist kain sei 
in dem dritten hymel. 

daz gesiht mSng frawe ir lieb 265 

vnd mSng wib iren man 
den si ze lieb s61t han. 
swelhiv daz nit hki getan, 
daz wirt ir des tages sorgsam, 
so kumpt denn dort her adam, 270 

vnd gant her der ivng vnd der erst man 
der in dise wält ie gekam, 
vnd mit SUiv div kint 
div zwischan in zwaien sint, 

fehU nach 245 eine zeiler ^AS, daz WS. dei7 171. jaogest 



DIE ZBIGHEN DES JCNCSTEN TA6B8« 139 

vnd all die ie geborn wrden, 275 

15*^ swas todes si erstarben, 
swa si sint gebom 
oder an dem mut verlorn t 
die mussent ze reht st&n, 
des werdent si nit erl&n. 280 

An dem funfzehenden tag 
so wartont si des gotes schlag, 
bi ainer wenigen stund 
ain fifr sich enzf ndet 

mit grulichen kreften 285 

obnan in den lüften, 
daz fivr von obnan nider g&t 
mäng tusent kllifter brait. 
es schivzet als ain dornstral : 
da mag nihtes vor'best&n. 290 

daz fivr erwindet nit, 
e es ersuch sin zil. 
es schivzet also werd 
Vierzig cläfter in die erd. 

div erd wird erfivret wol, 295 .- 

vnd mfiss gel&ttert werden -'^ 

baydiv hirael vnd erd. 

Hie haut div f&nfeehen zaichen ain end. 
got sinen segen fnssend« 

daz sol wir wizen wol 300 

daz daz vor dem ivngsten tag ergSn sol. 
so kumpt vnser herr got 
vnd wil vollenden sin gebot 
vnd wU geriht hin. 

dem mag niemen widerst&n. 305 

swa in der mut ie hin getrug, 
da wirt denn iamers genug, 
die sAndigen sei sint verdampnot: 
die mAssent liden groz not. 

ain iedlich sei vor ir h&t 310 

dar n&ch inid si ge^k h&t. 

299. alfld yerreT fehtt naeh 296 mM seiUf 311. geworbt 



126 DIB ZEICHEN DES JÜNGSTEN TA6BS. 

hat si gotes willen getan, 

so sol si Mwde immer h&n : 

hM si zerbrochen sin gebot, 

so sol si sin verdampnot. 315 

hilf vns, herr, hivt 

durch din väterlich gut 

daz wir in disem eilend 

erwerben ain gut end, 

daz wir also erst&n 320 

daz wir dia hulde hin. 



BRUCHSTUCK AUS BARLAAM UND 

JOSAFAT. 

Das nachfolgende bruchstücky ein unten beschnittenes 
pergamentdoppelblatt in quarty van einer Hand des 13;i 
Jahrhunderts sehr schon geschrieben , beßndet sich in einem 
fragjnentenbändchen , gezeichnet c. 79. c, attf der wafser^ 
kirchbibliothek su Zürich, es gehört nicht dem rudolßschen 
Barlaamy sondern ohne xweifel einem andern, vielleicht 
gleichzeitig entstandenen gedichte des selben inhaltes an 
das sich in einer handschrift auf pergament und papier 
vom j\ 1392 in der gräflichen bibliothek zu Solms-Laubach 
erhalten hat von welcher der dortige bibliothecar dr Lor. 
Dieffenbach in einem einen bogen starken schri/lchen. Mit-- 
theilungen über eine noch ungedruckte mittelhd. bearbei- 
tung d. Bari, u, Jos. u. s. w. Gipsen 1836. 8., zuerst 
nachricht mit auszügen gab. einer sckrifilichen mittheilung 
Mafsmanns zufolge soll diese bearbeitnng von einem bi- 
schof Otto herrühren , einige tausend »eilen mehr als Ru- 
dolfs gedieht enthalten und genauer nach dem lateinischen 
gedichtet sein, worüber, so viel ich mich erinnere, Dieffen" 
bach nichts angibt und auch ich keine bestimmtere aus- 
kunft geben kann, unser bruchstück, das früher als buch'- 
decket diente, hat beim ablösen stark gelitten^ so dafs eini- 
ge stellen unleserlich geworden sind. 

Heidelberg A october 1840. 

FRANZ PFEIFFER. 



BMiiäHälTJCK ADS BARLAAtt ÜNO JOSAFAT« Itr 

1 " Die ritler alle sin bereit 
Mit den im do engegen reit 
Zehant der fvrste riche. 
vi! hart innekliche. 
Er sinen lieben svn enpfie 
Er kvsten zv sich er in gevie 
Vil vseterlichen vn sprach 
Wol mich daz ich dich ie gesaoh 
Vil Heber svn losafat 
Vil michel frevd er in der stat 
Bat ZV siner kvnfte han 
Beide wip vn man 
Vn het voUekliche 
Dri tag hochzit riche. 
Miange rede ich nv gedage 
Damach an dem vierden tage 
Gesazzen srnderliche 
Die zwene fvrsten riche 
losafat vn Avennir 
Zesamne . nv siut leider mir 
die sinne niht so riche 
daz ich voUekliehe 
Die wisbeit kvnne machen kvnt 
Die des getriwen svnes mvnt 
Dem vater von got oflentet 
Daz er doch vil dicke het 
mit flizze getan da vor 
d dannoch sins herzen tor 

verslozzen also stre . 
daz decheiniv rehte lAre 
komen mohte dar in 
Als sinen mvt vn sin 
der wäre schin erlvbtet hete 
dvrch sines reinen svns gebete 
do wart div selbe porte 
dem svzen gotes worte 
z wite vf getan 

d da niht chrefte han 

V chein des tievels rftt 



128 BRUCHSTUCK AUS BARLAAM UND JOSAFAT. 

d goi niht gemeine hat 

JU kvnic Josafat 

im stat 



^ vii wie do von dem wart geborn. 
Eva div den gotes zom 
Holt vn vnser aller tot. 
do si tet daz ir got verbot« 
vn wie si von des apfels kvre 
Yür des paradises tvre. 
Got do warf vn stiez. 
vn eilende werden liez 
Hie also wir alle. 
Sin von ir beider valle 
Er seit im ovch wi vur die stvnt« 
In sich der leide helle hvnt. 
die werld iemermer verslant. 
Biz an den tac daz des ermant. 
Wart von sin selbes bermde got* 
daz er sines vater bot. 
Von himel zv der erden wart. 
Vii in der meide wart verspart. 
Vn von ir wart dvrch vns gebom. 
Vn zwischen vns vn im den zorn. 
Versvnde mit dem tode sin. 
Vn in die helle brlht den schin 
den kinden sin tröste, 
die er von dannen loste. 
Svs sagt der kvnic h6re. 
Dem vater sin die l^re. 
Die im sines meisters mvnt. 
Von got h^t gemachet kvnt. 
So verre vnz .er Ivte rief. 
Min herze in den svnden slief. 
Nv wecket ez an dirre stvnt. 
Got des zeherren gibt min mvnt. 
^Is er daz wort gesprochen het. 
Daz here chrvce er fvr sich tet. 
zaller Ivte gesihte. 



die goter er venuhte. * ' 
An die er da gelobet 6. 
Vn iach daz decheiner mt. 
Waere wan der eine, 
den Josafat der reine. 
Sin svn im het kmt getan. 
svzzer got wie Ivtzel kan 



1 "" Do Avennir der kvnic rieh. 
Gots veriach als olenlich 
Do rieffen sazeatvnd^» ' 
Alsam Yt einem mvnde 
Sine man vn aldnr stat. ... 
Groz ist der got den Josa&t. 

der kvnic vns da kyndet. *! 

do het si all enzfndeU 
Des hiligen geistes schin, 
Als 6 die zwelf boten sin 
Got von himel hftt getan. 
Si sprachen ez mae noch enkan. 
Sin dechein. ander got^ 
Vor den den» Josafot sin. bot. 
Den vater sin gehvldet hAt. 
do hiez vber dia stat 
Vn vber allez sin lanl* 
der kvnic avennir zebant. 
die göter brechen ri^ ir sal. 
Daz gbot leistena. vifer al. 
NieiAan ez versitzen wolde. 
Die goter die von. golde . 
Od vz Silber geslagen 
dem kvnige bi sinen tagen 
Wären . die hicz er kleine 
Verteilen als im der reine 
Josafat sin svn geriet ■:': 

Dvrob got der notbaften diet. v> 

Do daz allez -geschach. 
Do qwam von dem ich 6 spraoh. 
Der hiw^hof dar von siner itat« . 
Z. F. D. A. I, i| 



IM BMieHSTUGK AEIS BARLAAfif UN» JOSAPAT. 

Der der kvnic Josafot. 

Bat sinen valer tovfen . do. 

Des wart in got von hersen fro. 

Der vil heilige man. 

Sazehant er jm began. 

Den gelvben legen vfir. 

vn fraget ob er von vrier Hr 

Wold gelvben ane got. 

vfi nach sinem gebot. 

Vürbaz leben iemerm^r 

Ja sprach der kunic h^r 



In ir herzen frevde bar. 
Sus wart daz lani erlvhtet gar 
von got daz ^. vinster was. 
vn wart alsam der adamas. 
Der gl^be vest vbcr al. 
vn manic tempel vn sal. 
Gestift in gotes 6re. 
Sus was immerm^re 
Der Inden lant got vnderian« 
vn wellent halt genüge hau. 
Daz noch bezzer kristcn da. 
Sin. dann iender anderswa. 
Do daz geschehen allez was 
Daz avennir als ich nv las 
Die tovff in got enpiangen hat 
als in des heiligen geistes rAl 
Gestvnget vn gewiset bei 
Do bevalch er da ze stet, 
beide Ivte vn lant 
Vil gar in sines svnes hant. 
Vn was er selbe naht vn tac, 
der mit ganzer bvzze lac. 
Bewollen in dem aschen. 
Sin missetat er waschen. 
Mit heizen tnehen began. 
vn swaz er vbles h^t getan, 
vnwizzent allez sin leben. 









■*r 



Des bat er im antla2 gdMH^: - 
Got den vil gehiwen. 
Mit herzenbcheD riwea/ . 
Der in sia kpce hat^jesaHl^ , 
Ein fiwer daz ia lAneft hran^ 
vil vDflibteklieheB« 
vn in so riwerichen. 
Tet aller siner schvide. 
Daz er got vmb sin hvide. 
Halt iezv niht mit winde baL 
da von daz er ein missetat. 

in 

daz vorhte sin ok er nante. * 
vnz in sin svn d^^ chvm ermante. 
Daz er solhen zwivel lie 
Alsns er begeliiSben gie. 

• •••••• %jc • 

2" von langem eilende komen. 

Div vinster naht h6t im benomotf 

des lieben weges rihtc. *' 

do qwam er von geschihte 

da er ein kleinez hvset vani 

dar inne sacK-^ einen brant. 

vil kvme brelien vft glosen. <v 

do stvnd er vn begvnde hwen. 

Ob er ieman hoH^^ inne 

der dvreh die gotea mhine. 

In behielt vnz an Astf tac. 

dar nach tet er einril^ilae. 

Mit einem steinlin Wdie t^r* " 

vn sprach . her wirl get her vir*. 

vn herberget mich dvrch got. 

do wÄnl der wirt Ä' waer sin spot. 

wan er was ein armer man. 

vn hiez in sin strazze gan. 

Daz ta;t ich sprach Joanfti 

Noch geiaer wan daz mir hat. 

div vinsCer nktt den wec versagQ^. 

La fliich dar in wan mz ez tage^. 

9* 






139 BRUCHSTÜCR AUS BARLAAM VND JOSAPAT. 

Jan ger ich sin \mhaz niht 
der wirt tvt vf vn besiht. 
wer da si . er lät in in. 
vn sprach 6 we ja ich bin. 
Ich leider ein armer man 
Swi gern ichz tote ich enhan. 
Hint niht daz ich iv gebe 
der kint sprach mit sselden lebe 
Wirt ia ist er rieh genvc 
Swer ist als in sin mvter trvc. 
Hat ot er ein die minne. 
La mich wan hier inne. 
Beliben mit gemache. 
Ynder dinem dache. 
So han ich allez des ich ger 
Nvn welle got daz ich entwere. 
Ivch dirre bet sprach der wirt. 
wan mir vngemaches birt. 
Lvtzel von iv disiv naht. 



b 



Als im geriet sin reiner mvt. 

Ez ist billich vn gvt. 

daz ich dem lieben wirte min. 

der svzzen hereberge sin. 

Niht vngedanket lazze. 

vn zettelicher mazze. 

Mit im teile min gvt. 

miltez herze . richer mvt. 

dir ist der wille bereit. 

Vn da bi div stat verseit. 

Dvn weist waz du geben solt. 

Wan dv silber noch daz golt. 

Dir selben hast behalten. 

do begvnd er manicvalten. 

Vf gäbe sine sinne. 

Da vaht mit der minne. 

Der leide gebreste . dem iedoch zelestc. 

Div minne an behabt den strit. 

So si vindel daz si git. 



'. 



V 



BMJGHSTuoR Aii»%ASLAjm mihJ9mwmi isi 

ATv trnc in goi 4er riehoi: > 

Dannoch tovgeirfiche - 

zc nahste an' in int die herten wat. 

die er mit grozzer girde h4t. 

Enpfangen von Barlames Imnt. 

Vn dar obe sin gewant. 

Da mit er diz verborgen het. 

Daz zoch er abe dazestet: ' 

Vfi leit ez den armen an. 

Alsus bet er getan. 

daz ivngest almvsen da. 

Von danne hvp er sich sa. 

Gegen des waldes dicke. 

ze got bvb er dicke. 

Uend vü ovch die ovgcn sin. 

Vn sprach herre trehtin. 

Wis bivtc min gevertc. 

Hilf mir daz ich beherte. 

Den wec den ih svche. x-- i; ^ 

herre nv gervche. 

des . daz ih in rinde. 

K^re von dinem kinde. 

Niht daz antlvtze din^^ 

Diz was div kvrzewile sin. 

da er da gieng vnderwegeo. 



¥'■ 



Div nivlich genanten kieit. 
Div in Barlam het an geieit. 
Svs gienc er dvrch den tiefen walt. 
vil mangen heizen traben valt. 
Er hinze got vn sprach. 
Herre nv wis mir ein dach, 
wider dirre werlde schin. 
Gib mir daz div ovgen min. 
Barlam schiere mvzzen sehen. 
Der mich lerte din vergehen^ 
ze herren vn zeinem got. 
Vn mir alUv din gebot. 
Mit diner helfe hat getan 



>%' 



1S4 BRUCHSTÜCK AUS BABLAJOH UND JOSAFAT. 

Kvnt als ich si bivte hao. 
Offen herre mir den wec. 
vn wise mich an den stec. 
Der mich ze dinen hvlden trage. 
Hilf mir daz ich iht widersage 
Fvrbaz mit der werlde dir 
Vn daz si niemerm^re mir 
Werde liep noch sfzze. 
So daz dir einem mf zze 
Gelieben alliv min getat. 
Wan herre din minne hat 
Geslagen dem herzen min 
Ein wunden dir sol sUete sin. 
Diz gebet in sinem mvnde lac. 
Beide naht vn tac 
Swa er gie oder saz 
Wan des sin herze niht vergaz. 
Ern fl^gte got alle stvnt. 
Gvt gemach was im vnkvnt. 
Wan er leit vil grozze not. 
Er hett wazzer noch daz brot. 
Noch ander spise decheine. 
Sin Wirtschaft div was kleine. 
Wes lebte do der gotes Irvt 
Da spist in daz wilde krvt. 
Als ez div dvrre wüste bar. 
der walt was ane wazzer gar. 
dar ZV der himel .... goz 



2 *^ TÜY began vaste nidcn daz. 
Der tievel der ie was gehaz. 
Den werchen sin von sprvnge. 
div ane wandelvnge. 
Reine waren vn gvt. 
Er versvhte sinen mvt. 
Tivben vh krenken. 
Vn tet in gedenken. 
An die chrone vn an daz lanL 
Wie daz nv in ainer hant. 



♦# 



BRUCHSTUdt AM B^ffiLAAM UND ^OSAFAt. it6 

Stande . der ^ was sin man. 
Do im wären vndertan. 
die fvrsten algellche. 
Vn wie sin an dem riche. 
Mit getriwem dienste pfldgeu. 
Frivnd vn ovch die mAgen. 
Vä wie er do got diente baz. 
Do er im moht erzeigen daz 
3Iit leib vQ ovch mit g^te. 
Vn uiht eine mit dem mvle. 
Darnach do leit er im ivre. 
Wie liht geschaehe daz er verirre. 
Sin leben in der ode. 
Vn daz ovch gar ze brode. 
Sin iip dar zv waere. 
daz er so grozze swaere» 
Mit soihen arebeiten Ute. 
da er niht wser gezogen mite. 
Vn daz er dannoch manic iar. 
Mohte leben . div er gar. 
Mvs in solhem kvmber sin. 
Vn liden manic herten pin. 
Von dvrst vn ovch von hvnger. 
da ZV sin iip so ivnger. 
Endeklichen wser zechranc. 
Disen manigen gedanc. 
Schepfet der vngvte 
dem kind in sinem mvte. 
A\so der tievel do gesach. 
Daz sin wille niht gesohach. 
an den gotes rekken. 



136 r/ •- -: -y. • .'. ■•- : . -S*. 



• * ■ I 



HAUPT UND HAUBE. 

Mir fiel als ich grarnm. f , 567 schrieb kein Beispiel 
ein für den Übergang der fünften reihe in die zweite, wel- 
chen doch die theorie begehrt, denn wie sich die laute et, 
di\ ty zu 2, a, 4 verhallen, müfsen sich auch n/, äu^ u zu 
2/, ff, 6. einen deutlichen beleg liefert uns aber das wort 
haupt; es folgt im goth. häubtpy ahd. houpit der fünften, 
im altn. höfud, gothländ. hq/iip der zweiten reihe und 
schliefst sich dem lat. caput an. die nothwendigkeit häubip 
nnd höfud zu sondern habe ich s. 442 erkannt, ganz zwei- 
deutig bleibt die ags. fonn so lange nicht andre gründe 
beatimmea ' dafs entweder heafod oder heafod geschrieben 
werden müfse. zwischen dieses eo und ea erkennen wir 
doch eine berührung gerade wie zwischen goth. äu und 
altn. ö, welcher umlaut allerdings auf au^ wie der umlaut 
e auf ai zurückführbar ist (s.- 555). 

Was im Verhältnis der consonanten von caput und 
häubip von capere nnd hajjan widerspricht wollen wir hier 
unerwogen laTsen, dafür aber das unmittelbar verwandte 
wort kaube betrachten, haube scheint das was den köpf 
einschliefst, umgibt, haupt das was das hirn enthält und 
umgibt, haube ahd. hubsiy altn. hüfa, goth. wol nur huba 
oder hubö gehört zu der formel hiuba, häub, folglich za 
häubip ganz wie das romaidsche cffpa, das nach dem lat. 
capital, capitulum schon alt gewesen sein mufs , zu caput. 

Bekannt ist nun das ags. hafela oder heafela (welche 
beide mehr für heafod als heafod sprechen), worunter man 
die stirnhaut, die glückshaut versteht, wie ich zu Andreas 
1143 erläutert habe, die mhd. dichter gebranchen dafür 
hüetelin, aber auch batwdt: daz er im den heim durch- 
brach ob den ringen durch die batwdt (Lanz. 40*) j er sluoc 
durch batwdt und durch hersnier (Dietr. 70 *) ; dtirch heim y. 
und durch batwdt (Dietr. 93 ^) ; dag sie (die helme) sieh 



"..j 



EKJOn miyBAÜBKiC tS7 



muosten kHeben unx if dU batwdt (Rab. 700) ; . 
weil man« diese haut anoh im bade nkht aUegl. iSr .den- 
selben begriff verwenden die romaniseben dichter niemals 
eape, chape, sondern provenz. cafa, altfrans, coifey coiphe, 
quoife^ welches unserm haube und dem ags. heafola näher 
tritt, span. ist cofia^ ital. cuffia, mlat. ctqfhia weiberhaube. 
auch gelten beide bedeutungen, sowohl die der glückshanbe 
als der ritterlichen binde, man sagt noch heute in Frank- 
reich cet komme est ne coiffe (coeffe), er ist. mit einem 
heim geboren^ ein glückskind. dann aber ist cotfe auch le 
bonnet que les cheualiers portaient soua le casque et le 
ehaperon, obgleich die mhdv didUer käbe hatten, ^nfnah- 
men sie doch den rom. ausdruck ihj^e Trist. 7056. 7089. 
9407; und mnl. gilt coffie Ferg. 2701, nnl. kuif neben 
kmf. mehr an capa gemahnt f dagegen das* böhm. exepek 
haube, poln. esep^ csepiec; w csepku urodzüs mit der haube 
geboren, glückskind. man erkennt die weite Verbreitung 
des Worts und des aberglaubens. 

JACOB GRIMM. 



•• 



SAMOGITISCHE GOTTER: 



• ■ 'I 



'Es schien der mühe wirth aus d^n seltnen 'küchlein 
des Johann Lasics de diis Samagitamm ceterorumque Sar- 
matarum et falsorum Christianorum , das 1580 in gratiam 
Alexandri dncis Sclucensis abgefafst und 1615 v^n Jacob 
Grasser zu Basel hinter Michalonis Liluani'de moribus 
Tartarorum Lituanoruni (E$t Moschorum fragmina 'X'm quart 
herausgegeben wurde^ die Jär die kenntnis der iitthauischen 
tnythologie sehr schätzbaren naohrichten wieder abdrucken 
SU Irtfsen, die Seitenzahlen def* ersten ausgäbe sind beige- 
fügt ^Und am schlu/s ist ein darauf sich beziehendes regi- 
ster gffg^ben tbätden. die einschaltung s. 51 -«^53 rührt 
entweder van Ltisicz seibsi^oder wahrscheinlich wm Gras- 
ser her, i^erdiente jedoch stehn zu bleiben, anmerkungen 
maclie ich nicht ditzu; so nah» tiei^'gelegim hätten»^ > am 
erwünschtesten wäre dltfs jemand aus dem^preufsischen 
Litthäuen dig^dbri noch Mkannten iibmrwie wtd' mamen 



fSS SAMOGrnSGHE GÖTTER. 

sammelte und mittheilte; aus Ruhigs oder Mielckes war- 
terbuch ist Ttur weniges , doch schon genug ßir die ein- 
sieht zu entnehmen dafs sich in diesen gegenden vielfache 
und wichtige abweichungen von dem polnischlitthamschen 
glauben darbieten müfsen. 

JACOB GRIMM. 



46 Jacobus Lascovius, Polonas nobilis, in hisce bominibus 
(Samagitis) pie erudiendis et in ceria loca cogendis, Si- 
gismundi Augusti jussu , plurimum operae impendit. cai 
deum ununl praedicanti respondebant idololatrae *quid 
tu nobis unicum deum , quasi omnibus nostris potentio- 
rem inculcas? plus uno multi possunt^ plura plure« 
agunt.' Jussi autem a Lascovio arbores excindere^ in- 
vitissimi id , nee prius quam ipsemet inchoaret fecerunt. 
deos enim nemora incolere persuasum habent. sequitur 
persuasionem effectus. nam in silvis eorum horrenda 
quaedam Visa ac spectra tarn auribus quam oculis spe- 
ctantium sese oflerunL Tum unus inter alios percontari, 
num etiam decorticare arbores liceret? anuuente prae- 
fecto, aliquot magno nisu baec repetens decorticavit 
Vos me meis anseribus gallisque gallinaceis spoliastis, 
proinde et ego uudas vos faciam.* credebat enim demens 
deos rei auae familiari perniciosos intra arbores et cor- 
tices latere. 

Quorum tantus pene est numerus, quantus aliorum 
apud Hesiodum. Nam praeter eum, qui illis est deus 
j4uxtheias yissagistis deus omnipolens atquc summus, 

47 permultos Zemopacios id est terrestres ii venerantur, 
qui nondum verum deum Chrlstianorum cognoverunt« 
Percunos deus tonitrus illis est, quem coelo tonante agrl- 
cola capitc detecto et succidiam humeris per fandnm 
portans hisce verbis alloquitur 'Percune deuaite nie- 
muski vnd mana, diewu melsu tawi palti miessu.' co- 
hibe te, inquit, Percune, neve in meum agrum calami- 
tatem immiitas. ego Tero tibi hane succidiam dabo. Ve- 
rum postqaam nymbot praeterit, cames ipse iksoniC. < 
Berama tete mater est fokunis atqoe tonitnf , fue &•- 






• /'. 



SAMOcrnscHfi cöttbr. im 

lern fessum ac pal verölen tum balneo exoipit, deinde lo- 
tum et niüdum postera die emittiU Audros deo naris 
ceteraramque aquarum cura incnmbit. Algis angelas 
est summorum deorum. Ausca dea est radionim solis 
vel occumbentis vel supra horizontem ascendentis. Be- 
zlea dea vespertina, Breksta tenebramm , Ligicsus is 
deus esse putatur qui concordiae ioter homines et aactor 
est et conservator. Datamis donator est bonorum seo 
larg^tor. Kimis caerasos arcis alicnjus secundum lacnm 
sitae curat, in quos, placandi ejus causa, galios macta- 
tos injiciunt, caereosque accensos in eis figunt. Kremata 
porcorum ac suum est deus, coi similiter focos excitant, 
et cere\isiam super eos fundnnt. Pisio Juventus spon- 
sam adduclurus sponso sacrum facit. puellae quoque 
quendam Gondu adorant et invocant. Modeina et Ra- 
gaina sylvestres sunt dii, uti K?erpic9us bujusque adju- 
tor Silinicsus musci in sylvis nascenlis; cujus in aedi- 
ficiis magnus apud illos est usus, buic ctiam muscum 
lecturi sacHGcant. Tawals deus auctor facultatnm. Or- 
thus lacus est piscosus quem colunt, quemadmodum et 
Ezernim lacuum deum. 

Sunt etiam quaedam veteres nobilium familiae, quae 
peculiares colunt deos. ut Mikutiana Simonaitem^ Mi- 
oheloviciana Sidzium^' Schemietiana et Kiesgaliana Yen- 
tis Rekicuovumy aliae alios. Kurwaiczin Eraicsin 
agnellorum est deus; est et Gardtmithis custos eorun- 
48 dem recens editorum. Prigirstitis hie est qui murmuran- 
tes exaudire putatur, jubent igitur ut quis summisso 
murmure hoc vel illud loquatur, ne clamantem PHgirsti- 
tis audiat. Derßntos pacem conciliat ut et Bentis is 
creditur, qui effieit ut duo Tel plures simul iter aliquo 
instituant. Lawkpatimo ituri aratum vel satum suppli- 
canl. Priparscis est qui augere nefrendes existimatur. 
Batainicjfa equorum habetur deus, ut tf^algina aliorum 
pecorum. Kriksthos cruces in tumulis sepultorum cu- 
stodit. 

Sunt et omnium augiirionini 4hrittat]onamque obser- 
iMMtes, habentque Afidome mgtjK'^ortiirilii deum. nato 
«iDI«svit genetii« ^ vel <)oeco "nH debiü poUo Actotoai se- 



140 SAMOCrnSCHB GOTTBR. 

des mutantur. quin ipse quoque rex fVladisluus gente 
Lituanus bas a matre superstitiones didicerat/ ut'eum 
ydiem infaustum sibi futupum crederet , quo primum * cal- 
ceum .finislrttm fortuiio accepisset. ad hoc oiovebat se 

. interdum in gyrum stans pede uno, foras e cubili prodi- 
turus. quorum similia mulla observantur a Samagitis. 
quidam infeliciter se veoaturos sibi persuadent, si domo 
egressts mutier occurrat, seu quis certum numerum ca- 

• piendorum leporum, vulpium, luporum nominet. Krukis 
suum est deus, qui religiöse colilnr ab budraicis h. c. 
fabris forrariis» Lasdona aYcllanarum , Babilos apam dii 
sunt, hunc Hussi Zosim cognominant. Sunt etiam deae, 
Zemina teirestris, Austheia apum. utraeque incrementa 
&cere: creduntur, ac cum examinantur apes, quo plures 
in alveos aliunde adducant et fucos ab eis arceant, ro- 
ganlur. Nusquam autem vel candidius mei est, vel mi- 
nus cerae habet. Praelerea sunt certis agris, quemad- 
modum nobilioribus familiis, singulares dei. videlicet 
Deuoitis agri pojurskii , Vetustis retowskii , Guboi ac 
Twerticos sarakowskii, Kimis plotelscii. f^felona dcus 
animarum, cui tum oblatio offertur, cum mortui pascun- 
tur. dari autem Uli solent frixae placentulae, quatuor 
locis sibi oppositis, paullulum discissae. eae stkies f^re- 
lonia pemixlos nominantur. Warpulis is esse putatur 
49 qui sonitum ante et post tonitru in aere facit. Ceterum 
quid agant SalauSy Szlotrazis ^ Tiklis^ Birxuiis, &< 
ricsußy Dwargonth, Khmalsy u4tlaibos, aliique ejus ge»=- 
ueris, non libenler id Christianis apcriunt. opitulatores 
ilios hominum esse ideoque invocandos persuasum ha- 
bent. Numetas vocant domesticos. ut est yblanicza 
deus, cuitcurae est omnis supcUex. Dugnai dea prae- 
est farinae subactae. Pesseias inter pullos omnis gene- 
ris recens natos post focum latet. Tratitas Kirbixtu 
dcaster est qui scintillas iagurii restinguit. Alubathis 
quem üpum pexuri in auxiHam vocant. *Polengabia diva 
est, cui foci lucentis adminislratio creditur. Aspelenie 
angularis« Bu^mHia -hottinem dqrmienlem excitfll. Jfa- 
iergabiae de«e offertora femina'ea placenta, qiiae prima 
9 ' mactra anmta id%it0fU€> motatu in fumo «fBitfftfr4anc 



SüEKOOlEISailE fifirnSR. Ul 

post ttonaliios quam pateFifeniiliaft vel"«fOB conjox ceme« 
'dit.^ Simi]i\ ^moA^ Rauguaemapati oSertnt posteaque 
'ebibant 'primum vel eervisiae- vel aqua«) mulsae >e 'dolio 
haustufli.- quem nulaidimM'9 ilkiin avtem primum e massa 
exemtum panem taswirzig toguonmaaiL eidem - eervisla- 
rio deo offeri id' est praebibit palerfam. eervisiae post 
fßces acceptas inlumescenlis spumantem pateram. tum 
demum et alii« bauriuAt. si is absit, mater id isimilias 
hdl. LuHegeldas divas venerantes ita compellant 
* Luibegeldae per niare porire - sekles gillie skaute.* ' ' vos 
deae traosmisistis ad nos omnia semina siliginea in pu- 
tamine glandis^ •■■ > . 

EadeMi'turi>a agrestis*, ut est auctor Akwander 
Gtoagninus, in Sarmatia,« sob' fiiiem mensis oclobris, 
frugibus plane coUectis ^ solenne qnoddam sacrificium eo 
modo celebrat.^ nam omnes ad sacras epulas^ coacti taen- 
sae foenum, postea panem^ ae ex utraque parte duo 
vasa cervisiae plena imponunt. ^deinde adduota utriusque 
searfis domeistica animaliay sue^ gallo, ansere, vitulo, et 
si quae sunt alia , hoc ritu mactant. primus augur, certa 
verba prolo^cutns, animalis eaput ceteraque membra^ fuste 
verberat; quem turba idem agens, ac< haec dicens se- 
qui tur 'haec tibi o Zendennih Aen»^ gratiais agentes of- 
ferimus, quod nos hoo anno incoinmes conservaris et 
omnia nobis abunde dederis« idem ut in posterum fa- 
cias, te oramus/ antequam vero ipsi comedant, unius- 
cujusque ferculi portiunculam abscisam in omnes domus 
50 angulos ista dicentes abjkiunt *aocipe o Zemiennik grato 
animo saerifioium, aCque laetus comede/ tum demum 
ipsi quoque praelaute epulantur. Qui ritns etiam in non- 
nullis Lituaniae atque Hussiae loois observatur, ae ilgi 
didtur^ iieri id saornm Lascorius ait postridie festi 
omnium sanctorum, qui dies est secundus novembris, 
qik6 die Samagitae Prussis quibns erant oppignerali, qui- 
que in tenra ipsorum fttere , excisis, Yitoldo duci Litua- 
'niacf (qui diem obirt 1430, 27 octobr. Wladisiai Jagiel- 
lofiis patpuetifi frater) nitro sese snbjeeerunt. terlio post 
ilga9 die deum fVaisgantkos oolunl virgines, ut illius 
l|0t^<9o lam Uni quam cannabis habeant copiam. ubi 






142 SAMOCmSCHB GÖTTER. 

altissima illarnm , impleto placehlulis, qoas sUties vocant, 
sinu, et stana pede uno in sedili, manuque smistra sur- 
sum data, librum prolixnm vel tiliae vel almo detractom 
(ex quo etiam caleeos cootexant) dextera vero craterem 
cervisiae haec loquens tenet 'Waisganlhos deuaite an- 
ging mani linus teip ilgies, ik mani, nie duokmunns no- 
gus eithi/ i. e. W. produc nobis tarn altum linum, 
quam ego tarne alta sunt , neve nos nudos incedere per- 
mittas. post baec craterem exhaurit (nam et feminae 
bibaces sunt) impletumqne rursom deo in terram effundit 
et placentas e sinn ejicit, a deastris , si qui sint Wais- 
ganthOf comedendas. Si haec peragens ßrma perstet, 
bonnm lini proventum anno sequenli futnrnm, in animum 
inducit. si lapsa pede altera nitatur^ dubitat de fntura 
copia, fidemque effectus sequilur. lisdemque feriis mor- 
tuos e tumulh ad balnewn et epulum tnmtantj totidemque 
sedilia, mantilia, indusia, quot invitati fuerint, in tu- 
gurio eam ad rem praeparato ponunt, mensam cibo, potu 
onerant. dehino in sua mapalia reversi triduum com- 
potant. quo exacto illa omnia in sepulcris potu perfusis 
relinquunt, tandem etiam manibus valedicunt. Interea 
haec ii auferunt, qui in sylvis arbores cineris causa, quo 
Tullones b^ansmarini carere nequeunt, combunint et asse- 
res fiiciunt, navium materiam in oceanum mittendam. 
Consimili huic errore Chrisüanl seculo beati Angnstini in 
coemeteriis apud memoriaa defunctorum, ut idem ep. 64 
ait, comessabantur. 

Vere (? um) quoque Livones hoc tempore, qui dura 
Germanorum Servitute premuntur, monumcntis mortuomin 
cibum, potum, sccurim et nonnihil pecuniae hac cum nae- 
51 nia imponnnt 'transi' inquit *o miser ab hoc rerum statu 
in mundum meliorem, ubi non tibi Germani amplius, 
sed tu illis imperabis. habes arma, cibum, viaticum* 

Cum aulcm nimia aestatis brevitas fruges demessas 
plane siccari non sinat, Gt hoc sub tectis ad ignem. tum 
vero precandus est illis hisce verbis Gabie deus *Ca- 
bie deuaite pokieiki, garunuleiski kirbixstu', flammam 
eleva, ac ne demiltas scintillas. 

Smik Smik Perltuenu. hunc deum Lituani vere ara- 



tori yenerantur. prima agri' lyra voinsre hßtx hojus 
ipsius est. quam buic qni illam doxit toto amw trans- 
grvdi haud licet, alioqain divnm fibi- infensum baberet. 

Skierstuwes f^stum est farcirnkmn. ad quod deum 
Esagulis ita vooant *VieIona ve los atteik muamap und 
stala', y«ni cum mortuis, farcimioa nobiseum mandnca- 
turus. 

AUwaros est incubus, qui post sepes babitat. id enim 
rerbum ipsum signiBcat. 

Kaukie sunt lemores, quos Hussi i)bo^ appellant, 
barbatnli , altitudine unins palmi extensi ; iis qui illos 
esse oredunt conspicui , aliis minime. bis cibi omnis 
edulii apponuntur. quod nisi fiat, ea sunt opinione, ul 
i'deo suas fortunas (id quod accidit) amittant. nutriunt 
etiam quasi dcos peoates , nigri coloris , obesos et qua- 
drupedes quosdam serpentes, Gfuoi^s voeatos. bos timore 
perculsi, dum ex autris aedium ad pastum appositnm pro- 
pepnnt, seque pasti in ea recipiunt, aspieiunt et coliint. 
Si quid inFortunii accidat cultori, serpentem male fuisse 
tlraotatum censent. 

Srutis et Miechntele colorum dii sunt: quos in syl- 
Tis ad lanam tingendam quaerentes venerantur. 

Isti sunt pluresque alii vulgi Samagitarum dii% [et 
tahnen permulti sunt Cbristiani, qui unico omnipotenti 
numinv minime content! , et tarn Samagitas quam veteres 
idololatras imitati alios sibi ipsis adjutores finxeruni. 
»^ Johannes enim et Paulus superstitiosa opinione illorum 
quaeque noxia a segetibus avertit. ignis Agathae ceu 
Vestae datus est curandus. Fhrianus miles incendia re- 
stinguit, ut quidem haec libro de origine erroris recen- 
set Bullingerus. Nicolaus quasi alter Neptunus maris 
curam gerit. idem a periciitantibus iis vocibus excitatur 
*o sancte Nicolae nos ad portum maris trabe.* eidem 
sacella in litoribus consecrantnr. bujus coUega est gi- 
gas Christoph, caniiur et b, Virgini exortis proccllis 
istud Carmen 'ave maris Stella , dei mater alma.' Vino 
praeost Urbanus. rubiginem irumenti purgat Jodocus. 
bmcos depcHlt Magnus, anseres curae sunt Sancto 
Gatte, oves f^endet/no, eqni EvfogiOy boves Pelagio, 



1*1 SAMOGEnSfiBB GOTTER. 

fovdiruintonio.. alianotnioa in aliis regionibn^t hamm 
similiumque reram fieii coratores habent. GerirueUs 
mares a colis mulierum abigil. Literanim studiosi Ca* 
tkarmam virginem alexandriDam velut alteram Minervam, 
alii vero Gregorium qaasi Me^cariam coluot ao hnjns 
fUe fesM> primum suos Batos in scbolam miltunt. pictores 
Lucamy medici Cosmam et Damianum^ fabri Eulogium, 
ealeearii Crispinum, sarctores Gutmannian^ figoli qnen- 
dam Goarum, venatores Eustachium civem romanom, 
;aMrta Aphram.ti Magdalenam^ inyoGSJiL snpplicant alii 
aliis 9 el in periculis vitae constituti vota illis fiancnpant, 
in bos tatelam .sui rejiciunt. Imploratur in pesiilentia, 
at olim Apollo^ Sebastianus, in morbo galüco RocktUf in 
febri Petronella, in dolore capitis Ita, dentium Apol" 
lonia, in fSLVin Margartta , quemadmodom quondam Jone 
et Lucina* Joh. Evang* a veneno conservat, fValfgang 
contractoruni' medicus est. Romanus daemoniatos soMt, 
Marcus mortem repentinam avertit. Marimus miseriam, 
quem ego puer hisce verbis inclamabam 'Martine sanele 
pontifex, sis miserorum opifex, fer opem tuis famnlis/ 
Le^nhardus vinctorum compedes rumpit, f^mcenims 
amissa restituit, f^alentinus comitiali morbo laborantes 
sanat , quapropter nos epilepsiam yalentini mörbum 
oamuSfcr' Susanna ignominiam arcet, Otilia oguUs- 
toram medetur, collo praesidet Blasius^ scapolis-iLaa^ 
renthis. Erasmi venter- est totus. • Nioolao apad> nos 
gregis est custodia injuncta. Andreas vigilia feati soi 
invocatus a jejunis puellis futuros illarum vires praemon- 
53 strat. Barbara a caedibus bellicis conservat. qnocirea 
tum a nostrae gentis hominibus in auxilinm magnis cla- 
moribus elicitur. invocatur et virgo Maria ^ o«jns car> 
men deipara vocatum ab iis, qui in bellum proficiacuntar, 
decantatur, legibus additum nostris. 

Haec Joh. Meletius archipresbyter ecclesiae Lieeen* 
sis .in Prussia a. 1553 ad Georgium Sabiniun^ poetam 
literis prodidit, qnae etiamnum multis In locis observan- 
tur.] Die Georgii sacrificinm faciunt PergrubriO'^ qoi 
florum, plantamm omninmqne germinnm deus creditnr. 
Sacrificalns enim quem" fFurschaiien . appellanty fenet 



SAMOGinSCHB GSTTBR. 14ft 

dextra obbam cervisiae plenam, iavoctioque daemonii 
nomine decanUi illins laudes 'tu abigis hiemem, tu re- 
ducis amoenitatem veris. per te agri et horti vigent, 
per te nemora et sylvae firondent** hac cantileiia finita, 
deniibus apprehendens obbam ^ ebibit cervisiam nulla ad- 
kibita manu 9 ipsamque obbam, ita mordioos epotam, 
retro supra caput jacit, quae cum e terra snblata ite~ 
mm impleta est, omnes quotquot adsunt ex ea bibunt 
54 ordine atque in iaudem Pergrubrü hymnum canuntr |l6stea 
epulantur tota die efreboreas ducunt. ^v. - 

Similiter quando jam segetes sunt matsn« rustici in 
agris ad sacrificium congregantur, quod lingna ruthenica 
xazinek vocatur, id est initium messis. hoc sacro per- 
acto unus e multitudine electus messem auspicatur, ma- 
nipulo demesso, quem domum adfert. postridie omnes, 
primo iilius domestici, deinde ceteri quicunque volunt 
messem faciant. facta autem messe solenne sacrificium 
pro gratiarum actione cönficiunt, quod ruthenica lingua 
oxineky id est consummatio messis dicitur. in hoc sacri- 
ficio Sudini Borussiae populi, apud quos succinum colli- 
gitur, capro Utant, congregato namque populi coetu in 
horreo adducitur caper. quem fVutschaites mactaturus 
imponil victimae utramque manum, invocatque ordine dae- 
mones, quos ipsi deos esse credunt. . videlicet Occopir- 
num deum coeii et terrae, Antrimpum maris, Gardoe- 
ten nautarum, Potrympum fluviorum ac fbntium, Pilui- 
tum divitiarum, Pergrubrium veris, Parguum (? Par- 
gunum) tonitruum ac tempestatum, Pocclum infemi ac 
tenebrarum, PoeoUum aereorum spirituum, Puiseetufn 
sacrorum lucorum tutorem, AuscuUim incolumitatis et 
aegritudinis , Marcoppolum (sie) magnatum et nobilium, 
Barstuccas, quos Germani erdmenUn^ hoc est subterra- 
neos vocant. His invocatis quotquot adsunt in horreo 
omnes simul extoUunt caprum sublmemque tenentixuntt 
canlatur hymnus, quo finito rursus enm sistunt in terra. 
Tum sacrificulus admonel populum ut solenne hoc sacri- 
ficium a majoribus pie institutum summa cum veneratione 
faciant ejusque memoriam religiöse ad posteros conser- 
vent. posthaec mactat yictimam, sangninemque patina 
Z. F. D. A. I. 10 



IM SAUOCmSCHE GÖTTHR. 

«Koeptom diapergii , carnem rero tradit miilieribns eodem 
iD borreo coqueadan. qiiae interea dum caro coqninr 
parani e farina siligiDea plaoentas. quas non imponani 
ia fiurnani « sed viri focam circomstantes Arne illine per 
foeum jüchmt aksgue cetsatione qnoad indurescant et 
coqoaniur. bis peractis epulanliir tota die ac nooie os- 
que ad vomilnm. deinde summo mane extra villam pro- 
55 grediantar. ubi reliqoias epularam eerto in loco terra 
operiiint, ne vel a volatilibos vel a feris diripiantur. 
postea suam quisque domam repetit. 

Ceterttm ex oranibus Sarmatiae gendbus Borassis, 
Livonibtts, Samagitis» Russis multi adhoc singuiari ve- 
neratione colunt Putscetum, qui sacris arboribus ei In- 
eis praeesL is sub 9ambuc9 domiciliam habere creditur. 
ctti passim bomines litaot pane cervisia aüisque cibis sub 
hac arbore posilis, precantes eum ut placatum efiBciat 
Marcoppoluvt deum magoatum et nobiliom , ne gravi Ser- 
vitute ab illis premantur, ntque sibi mittantur Barstuc- 
eae, quibos in domibos ipsonim viventibus GieduDl se 
fteri forlunatiores. bis ipsi coUocant ve^ri in herreo 
anper nettsam mappa stratavi panes , easeos , bntyrum 
et oervisiam. nee duhitant de fortnnarom aecessione, 
si mane hoa eibos abaomptos reperiant. quod si alifaando 
eibus intaotns in mensa remanet, magna anguntur oura 
nihil nonadversi intoentes (?metaentes). Eaedemgentea co- 
lunt apaitua quosdam vlsibilea, qui lingua ruthenica eaäkij 
graeca c^Hi, germanica coboMi vocantar. hos habitare 
ortduot in occultis etiam aedio» locis vel in eongerie ligno- 
rum. nutriuntque ooa laute omni ciborum genere, eo 
quod afferre soleant altoribus suis frumentum ex alienis 
horreis furto ablaUun. Cum vero hi spiritus alicobi bar 
bitare atque ali eupiunt, hoo modo suam erga patrea &- 
miüaa voluatatem dedarant: in domo congerunt nocte 
aegmenta ligaorum et mulctrts iaote plenis imponwit var 
ria animabum stercora. quod ubi paterf. animadverterit 
nee aegmenta dissipaverit nee stereora e mnlctris ejeee- 
rit, sed de inquinato lacte onm omni sua &milia eome- 
derit, tOBo Uli apparere permanereqne dkantur. 

Prteterea Lituani et SamagiUe in domitaa aob for- 



SAMOCmSCHB GfirnUL fCf 

nace, vel in angolo vi^Kirarii iibi mtM9L stal, serpemte^ 
favent. qaos nnminis instar colentes eerto anni tempore 
precibus sacrificuli evocant ad mengam. in vero exenn- 
tes permandum Unteolnm consoendont et super mensam 
morantor. ubi delibatis singalis fercnlis mrsns disce- 
dnnt seque abdant in cavemis. serpentibus digressis 
homines laeti fercula praegastata eomediint ac sperant 
56 illo anno omnia prospere sibi eventura« qaodsi ad pr^ 
ees sacrificuli non ezierint aerpentes aut fercula a^posita 
non delibaverint, tum credunt se anno illo subitaroa ma- 
gnam calamitatem. 

Adbaec eaedem gentea habent inter se sorlilegos, qui 
llngua ruthenica burti vocanlur. ii Potrimpum invocantes 
ceram in aquam fundunt atque ex imaginibna inter fun- 
dendum expressis proQuntiant et vaticinantur de quibus- 
eunque rebus interrogati fuerint. Novi ipse mulieronlam 
quae cum diu reditum filii absentis exspectaaset ex Bo- 
russia in Daniam profecti, consuluit super eo sortil^um. 
a quo edocta est naufragio illum perüsse. oera enim in 
aquam ßtaa expressit foruiam flractae navis , effigiem re- 
aapini hoaunia juxta navim fiuitanUs. Apud Samagitas 
est mons ad fiuyima Newassa» situs in cujus vertice 
olim perpetuus ignis a sacerdote eonservabator in hono- 
rem Pargni, qui tonitruiun et tempestatum potens esse 
a superslitiosa gente adhue creditur. 

Hactenus de sai^rificiis. nunc de ritibus nuptiarutt ac 
funerum non minus ridicula quam superstitiosa . narrabo. 

Apud Sttdiaos , Curenens^ , Samagitas et Lituanos 
nubiles pveUae mulii» in lociH' gestaut tmtinnabnljBm, 
quod funiculo alligatum e cingulo dependet usqne ad ge- 
nua. aec ducuntur sad rapiuntur in matirimoniaBi, non 
ab ipso sponso sed a duobus cyus cognatisu ac postquam 
raptae sunt tunc primum requisito parenUua consensu 
matrimonium contrahitur» Cum nuptiae oelebrantur sponsa 
ier ducitur drcafocum, deinde ibidem in sella coUoca- 
tur. super quam sedenti pedes lavantur aqua, qua lectus 
nuptialis, tota sipellex domestica et invitati ad nuptias 
bospites consperguntur. postea sponsae es obBnitur melle 
et oeali teguntur velamine. quibus sie velatis ducta ad 

10* 



••* 



148 SAMOGITISGHE GOTT£R. 

omnes aedinm fores jubetor eas atUngere dextroque pul- 
sare pede. ad singulas fores circumspergitur tritico, sili- 
gine , avena , hordeo , pisis , fabis , papavere , seqnente 
uiio sponsam com sacco pleno omnis generis frugum. 
Cumque etiam hie circamspergit , inquit, oibil defoturum 
spoDsae si religionem colueril reroque domesticam ea qua 
debet diligentia curaverit. bis actis aufertur sponsae 
57 velamen ab oculis et conviviam celebratur. Vespert spon* 
sae ad lectum deducendae abscinduntur inter saltandum 
crines. tum ei a mulieribus imponitur sertum albo lin- 
teolo obvoluluro, quod uxoribus gestare licet doneo filinm 
pepererint. tamdin enim se pro virginibus gerunt. ad 
extremum introdncitur in cubiculum , pulsataque et ver- 
berata aliarum pugnis non iratarum sed nimia quadam 
laetitia gestientium in lectum injicitur sponsoque traditur. 
tum pro bellariis afferuntur testiculi caprini vcl urstntf 
quibus illo nuptiali tempore manducatis creduntur conju- 
ges fieri foecundi. eandem ob causam nullnm animal 
castratum ad nuptias mactatur. Contra in fiineribus hie 
senratur ritus a rusticanis: defunctorum enim cadavera 
vestibus et calceis induuntur et erecta super sellam lo- 
cantur. quibus assidentes propinqui perpotant ac helluan- 
tur. epota vero cervisia fit hisce verbis lingua ruthe- 
nica fiinebris lamentatio 'ha lele i procz ti menevmarl? 
i zati nie mielszto iesti, abo piti? i procz ti vmarl? ha 
lele, i zati nie miel krasnoie mlodzice? i procz ti vmarl?' 
id est: heihei quare tu mihi mortuus es? annon quod 
comederes et biberes habuisti? quare mortem obiisti? 
heihei mihi, num formosa conjnge caruisti? cur diem 
obiisti? hoc modo lamentantes enumerant ordine omnia 
externa mortui bona, liberos, oves, boves, gallinas. ad 
qnae singula respondentes occinunt haue naeniam *cum 
haee habneris quam ob rem mortuus es?' Lamentatione 
absoluta dantur cadaveri munuscula , mulieri fila cum acn, 
viro linteolum collo ejus implicatum. Cum ad sepulturam 
effertur cadaver plerique equis funut protequuntur et ad 
currum obequitant quo cadaver vehitur. strictisque gla- 
diis verberant auras vociferantes *geigeite begaite pe- 
kelle!' eia fugite daemones in orcam. qni fbniis mor- 



too faciant nuouis projimiint in Bepnlolirniii, flUurum »br- 
tui viaticum, paaem qnoqne et lagenam cervisiae pleiam 
ad Caput cadaveris in sepaichram illati ne aniBMi vd si- 
tiat vel esuriat eolloeint. oxor vero tarn. Oriente qnam 
occidente sole super ezlincti conjugis sepulchrom sedens 
vei jacens lamentatnr diebus triginta. Ceternm eegnati 
celebrant convitria die a funere tertio, sexto, nono et 
quadragesimo. ad qnae animam defnncti iavitant preean- 
tes ante januam. ubi tacite assident menaae tanquun 
58 muti, nee utuntur cultriB, ministrantibus duabns nnUeri- 
bus sed absque ealtrii cSinmqne hospitibns apponentibus. 
Singuli vero de unoquoqne ferculo aliquid infra mensam 
abjiciunt, quo aniraam pasci credunt, eique poUun effnn- 
dnnt. Si quid forte deddat in teiram de mensa, id hon 
tollunt, sed desertis, nt ipsi loquuntur, animis, quae Bul- 
lös habent vel cognatos rel amicos vivos a quibus exci- 
piantur convivio, relinqnunt manducandum. peraeto pran- 
dio surgit a mensa sacrifioulus, et scopis domum verr^ns 
animas mortuorum enm pulvere^ tanquam pulices, haec 
dicens ejicit *ieli pile daszice, nu ven, nu ven/ edistis 
bibistis animae, ite foraa^ ite foras. Post haec incipinnt 
convivae inter se öoUoqoi et certare poculis; mnlieiibns 
yiris praebibentibua, elTiris vidssim iUis, leque iavieem 
osculanlibus. 

Haec de parentalibnapaganorum, quorum et aanetus 
Augustinus sermone 16 de sancüs meminit. mirop^, In- 
quit, cur apud qnosdam infideles bodie tarn pemieidins 
error increverit» ui foper Uimulos defunetoniB oiboa et 
vina conferant ete. ^ '^ 

REGISTER. ♦% 



«4 



Aitwaros 51. Androa 47. 

Alabathis 49. Ansca 47. > 

Algis 47. Auscutai 64^; - 

Antrimpus 54. Austheia 48. 

Apidome 48. Aoxtheias 46. 

Aspelenie 49. Babilos 48. 

Atlaibos 49. Barituocae 55. 



ii-i 



150 



SAMOCmSCHB GÖTTER. 



Bentis 48. 
Beziea 47. 
Birzulis 49. 
Breksta 47. 
Badin taia 49. 
Burti 56. 
Datanas 47. 
Derßntos 48. 
Deaoitis 48. 
Dognai 49. 
Dwargonlh 49* 
Eraiczin 47. 
Ezagolis 51. 
Ezemis 47. 
Gabie 51. 
Gardoetes 54. 
Gardanithis 47. 
Ginoitos 51. 
Gonda 47. 
Gaboi 48. 
Ilgi 50. 
Kaakie 51. 
Kirbixta 49. 
Kirnis 47. 
Klamals 4d. 
Koltki 55. 
Kremata 47. 
Kriksthos 48. 
Krokis 48. 
Karwaiczin 47. 
Lasdona 48. 
Lawkpatimm 48. 
Ligiczas 47. 
Loibegeldas 49. 
Marcoppolas 54. 55. 
Matergabia 49. 
Miechatele 51. 
Modeina 47. 
Nnlaidimas 49. 



Nnmeias 49. 
Occopimas 54. 
Orthns 47. 
Ozinek 54. 
Pargni 56. 
Parganas 54. 
Percanos 47. 
Pergnibrjus 53. 54. 
Perlevenu 51. 
Pesseias 49. 
Pilvitas 54. 
Pizio 47. 
PocoUas 56. 
Polengabia 49. 
PotTjonpas 54. 56. 
Prigirsütis 47. 48. 
Priparscis 48. 
Putscetas 54. 55. 
Ragaina 47. 
Ratainicza 48. 
Raaguzemapaiis 49. 
Rekioziovus 47. 
Salaas 47. 
Sidzius 47. 
Sikies 48. 50. 
Siliniczus 47. 
Simonaiüs 47. 
Siriezas 49. 
Skierslawes 51. 
Smik 51. 
Sratis 51. 
Szlolrazis 49. 
Taswirzis 49. 
Tawals 47. 
TikUs 49. 
TratiUs 49. 
Twerticos 48. 
Vblanicza 49. 
Vboze 51. 



Vetustis 48. WovMfaiitet 53r . 

Vielona 48. Ztziaek M« 

Vissagistis A6. Zemienlii^ 49» Mn 

Waizganthos 50. jLtmma 46. 

Walgina 48« . Kemoj^aMui 47» 

Warpulis 48. Zom 48. 



DIE MARtEA DER HEILIGEN AIAltGARETA. 



•* 



Abschrift dieses gedicktes verdanke ick Höffinänfi; dt$ 
kandsckrift die es enikäll und die ick später selbst in ditf/ü 
künden gehabt kabe ist im jähre 1820 aus ff^iefk St ätt 
königliche bibliotkek xu Berlin gekommen, wo sie fnit ftii3. 
genii. quart 267 bezeicknet ist sie ist ^ IM jk. auf 
papier in kleinem quart geschrieben, die ersten A^ blät- 
ter fehlen, bl. xlvj* {nach der alten Signatur) stehen fol- 
gende scklt(fszeilen eines gedicktes 

Gar ainoaltige .ding 

Dy weit richtet ftach streDgikeit 

Ynd got nach gottlicher gerechtikait 

Aler an dem jüngsten taj^ 

Nyemant parmung ^babett ttli|^ 

Wer hye parmang begtSft 

Der wirt vort %tA g^wert 

Der sol sein sand pelehteft rftd iMigen 

Der da parmung iril habto 

Wann vert er an reW vnd viigep^ieht 
so mag er nymer 

Erwerben ynd gewynnen 

Göttlich genad vnd't<arnihfeHziktfi x *t^ y- 

Vnd müefs ewichlich leiden atiäit ^W^- 

Marter vnd pein jnn der Itelte yibcff ' 

Da layden hat chaiü etid irfnitff 

bl. idvi'' folgt 

Von dem bunt von fjMkrriob « 

Aynsten das geschnch w .: 
Pas man jn hochen erenWirii #« >f . tP» 



IM DIE MARTER DER H. MARGARETA. 

gchli{ft bl. Ixj*. darunter der tpruch 

WüeciLs lawb \ni fgns 

AU neyd vnd bas 

VjH äss oflt ein ros dester paü 
bl. Ixj ^ big Ixxviij •' folgt Margareten m arter, bl. Ixxdl* 
Mtt'ht von Mjßäterer band ein gebet; die rückseite des biattes 
ist leer. 

In der marter der heiligen Margareta lag trotz der 
argen entstellung ein gedieht des 12n jh. vor äugen das 
den versuch verdiente es zu seiner ursprünglichen gestati 
zurilvk 9U ßüiren, obwohl ich ßirchten muste die echten 
Worte oft nicht zu treffen, zuweilen mögen meine Vermu- 
tungen nicht kühn genug sein, ößer zu kühn; aber dqfs 
es verwegen war das versmq/s zu ordnen glaube ich nicht, 
da die spuren geregeltes Versbaues mir deutlich scheinen. 

HAUPT. 

01 ** Sand margreten püechlein 

CSOt vatcr vnd der sun 

Vnd der lieyli|( gcyst dar zw 

Ilelir das jcli volpringe 

Jn der warn niynne 

Dy wunder also manig&lt 5 

Dy da hye sind gezalt 

Got du pist aller ein herr gar vesl 

Du saychenst alier pest 

Nwn nach der alten schuld 

Zw vnser erlosung buld 10 

Ctol vater und der sun 
und 4er heilige geisi dar suo 
helfe das ich volhringe 
in der wären minne 

diu wunder alsA manecvall 5 

diu ik hie sint gexait. 
Got dd bist alveste« 
dd zeichf ntesi beste 
nAch der alten schoUe 
ae unser erlteuagu 10 



DB MARin OBB ■. ■AlOAnBML «01 



Vnd aach d) grori gab 
An dem süessen nagedeiii • . il: 

An der chönicUiohen firtwen sand laareia 
Das sy nw ein chind geplir' *i 15 

Vnd dannoch rayne nagt war ' 
Vnd des selben beyligeh cbind. 
Des nwn dy raycb alle sind '■■'"*■ 

Hat vns menschen erlöst alle 

Von dem ewigen Tafle 20 

Vnd das was ein grosse wnllichail 
Von der heyligen gothait • «» 

An der selbigen vil magl gnet : ^ 

j62* Dy aucb das vil beylig plaet 

Vns pracht zw grossem bail 25 

Von dem starcken vrCatt . . » 

Wye müg wir da der gab dein r '^ 

Gar gedancken der gothait fein - / 

Ja sällen wir doch nit lassen -^ 



die grözen gäbe dine 

an dem saozen ma^edlne,' 

an der knmclichen -fronwen 

sante Manen, 

daz si ein kint geb&re <^ ; :. ^^ 

nnd dannoch maget wäre. 

daz selbe heilige kint, 

des diu riebe allin sint, 

bat nDS erlöset alle 

von dem Ewigen valle. ,^ 20 

daz was ein grAziu roUeist ^*''^ ' 

von der heiligen gotheit "'* 

an der selben maget goot 

din daz vil heilige blaot 

nns brfthte ze grözeitt heile 25 

vor dem starken urteile. 

wie mnge wir Ar der gäbe din 

gar gedanken, trehttn? 

jk sule wir doeh mht MzM'' 



164 DDE HARTER DER H. JHARGABETA. 

Vnd Süllen vns der Sünden massen 30 

Mit dein gnaden iianichiialt 
Vnd mit gottes ehraflk gewalt 
Der sullen wir woi gettawen 
Mit allen geistlichen frawen 

Wir haben gebort aller mayst 35 

Das nw der heylig geyst 
Jn eyner tauben pilde 
Cham her jn dise weide 
Das wasser der Jordan hyes 

Do sich der gottes son jn lyes 40 

Tauffen von sand Johan 
Den hymel sach er offen stan 
Vnd dj vätlerlich stymme 
Dy sprach zw dem cbinde 

Hye ist mein aller lyebster sun 45 

62 ^ Dy weit nymbt sein alle frum 
Das cbind das gab gelanben dar 
Dy tauben pracht den chresm dar 

und sulen uns sunde mftzen 30 

mit dinen gnaden manecvalt 
unde mit der gotes kraft: 
der sule wir wol getrouwen 
mit geistlichen triuwen. 

Wir haben gehöret aller meist 35 

daz der heilige geist 
in einer tüben bilde 
kam her in dise wilde, 
daz wazzer der Jordan hiez 

da der gotes sun sich inne liez 40 

toufen von sant Johan. 
den himel sach er offen stÄn : 
diu väterliche stimme 
diu sprach zuo dem kinde 

'hie ist min aller liebster sun : 45 

diu werlt nimt sin alliu frum/ 
daz kint daz gap gelooben, 
diu tAbe brfthte den krisamea. 



flg MAMm DBR ». mMmkmauL 

Mair list auch ron der taubem johicr 

Dy hat sibenadtige nalwr . . 50 

Sy ist gar an alle galle 

Jr gesangk ist gar as schaHe . 

Sy rastet aach jn dem atais 

Ynd zeachl aus alle mased gesiin 

Ynd frydsamer myrnnen 55 

Sol sy cbind gewynnen 

Darumb so I4A1 wir mariam reim 

Dj gescbrifil sol yns lernen seyn 

Das got mit seynem finti viU rayn 

Ist vnser gleystliefa narong aller gemaMi 60 

Ynd auch sein heylige 1er 

Pring yns von hin jn sölher er 

VU sälig ist auch dj sei 

• i- 

Man liset nach vom der tAben, 
diu hat siben nature: . 50 

si ist gar äne galle^ ^ 

ir sanc ist äne schallen, 
si rastet in- dem steine 
Az von aller manne gemewet ■•. 
von fridesamer minne 55 

sol si kint gewinnen«r 

des lobe wir die h£r0O* «t 

Diu geschrift sol uns l&ren 
daz got mit sinem bluote 

ist unser geistlich vuoter. 60 

sin beiligiu 16re 
bringe uns hin in dre. 
vil sselic ist diu sHe 



49 — 57. hier wird mehr mttsi^iU Jtäm ah iäh lau 4^erH ver- 
stand, sieben eigentehqften detr iottb^ («üa A<^«WM^ Ok^f^i aiie ge- 
nannt werden) ßnde ieh weder hei JS^fipäßniUM /t^iOii/r^^P^i' f noch 
bei Jtidorus arig. 12, 7, 60. 61» noch in dem iateinifehen physioiogus 
in Beaugendree ausgäbe des Hildebert s. llYS. Ü/, füdorus tar- 
tar — avis podiet et iemper in mbaCl^m ivitfr ef 1b d^eHli soUtadiai« 
Um oommorans. teeU eoim boaiüaii «T ttkartiliMliMMmi fti^U et com- 
Mratar In ailvla. 



/ 

i 



166 DIE HARTER DER H. MAR6ARETA. 

Dy dj warn gottes ler 

Enphächt nuer mit rayDem gemtiet 05 

Vnd erweit auch mit güet 
Auch vil sälig ist dj ebristenfaait 
Dy do behalt dj magt ailain 
63* Yntzt zw der gottes chunfft rayn 
Wan wyer so guet Dit sein 

Sam das gottes magdein 70 

Dy nw mit jerm cbewschen plaet 
Vnd mit dem stäten muet 
Chaufft bat dj gottes gaet 
Da mit sy vns nw all pehuet 

Nw muefs sy vnser pot sein * 75 

Ymb genad zw jerem chindlein 
Das vns dj alhye vinde 
An all tödleich sünde 
Des pit wir sand margreten reich 
Jnu dem hohen hvmelreich 80 

Das wyer chömen all dahin 



diu die wären gotes 16re 

enpfäht mit reinem muote 65 

unde erweit mit guote : 

vil saelic ist diu kristenheil 

die ik behaltet din meit, 

wände wir s6 gnot niht sin 

sam daz gotes magedin 70 

diu mit ir kiuschem bluote 

und mit dem stäten muote 

koufte die gotes guote 

da mite si uns behuotet. 

nA mnoz si unser böte sin 75 

nmb genäde an ir kindelin, 

daz uns diu hie vinde 

äne t6tliche sunde. 

des bite wir die riehen 

in dem höhen himelriche M 

daz wir knmen al dft hin. . 



1 



IMB MABflBl Oim Biu lUBSOBIki 

Jr mueterstari» jrfime. ..^i 

Do gyeng nv aot der loobtir süm. > i^ii- 120 

Jr vater hyts Ib^odosiiia 

Er verbot jr auch aeia ha«» ' 4 i 

Er was aiii baydnyaoher m%n . ! jM 

Der tochter was er «dt aora gram - 7 

Dy amb zoch dj tochler hescbeid . 1. 1 |25 

Müeterlichen gar an allen neyd . :.:i 

Hyn darnach also drat 

Sy fucrt sy jn jre haynad 

Jrew schäfflein sy jr byelt aitt huel 

Das teücht dj frawea gnet 1 30 

Alles das dj fraw jr gepol 

Sy led mit armnet grosae aal 

Der vbel wüetreicb otibriaa 

Der gehayssen was alsas 

Der faer mit grosser yngoel 1 35 

64 ^ Ynd mit grossem vbermuet 

ir mnoler starp ir frno : 

d6 gienc n6t der tohter zno. 120 

ir vater hiez Tfatodöaitta 7 

er verbdt ir sin hüa : 

er was ein heidenischer mun i 

der tohter was er irü grtia. 

diu amme z6ch 125 

muoterliche kn allen nit, 

si fuortes also drAte 

in ir heimnote : 

ir schAfe si ir hnote : 

d6 tet diu firowe gnote 130 

allez daz si ir geb6t : 

si leit gr6ze armuot. 

Der ubele Olibrius» 
der geheizen waa alsoa» 

der fuor mit unguote, 1 35 

mit grAzem ubermnote, 

ITl^t, Theodotius hi^ der vater der h, Margareta nach einigen^ 
naeh andern Aedeaine, t. die aeta taneiarum Jui, 6» ae**« 



IM MB IIARTBR DER H. MAR6ARBTA. 

Dy an gottes san veriaheft 100 

Dy martrat man so vngehewBr 
Mit Wasser vnd auch mit fewer 
Man scblueg sy auch mit gelten 
Mit gaysein vnd mit schwerten 
Vnd sy warn danrmb veriom 105 

Zw dem hymelreich sind sy geporn 
Pey dem englischen gesinde 
Do müefs wyer sy vinden 
In antyochiam jnn das lant 

Got sein prieff sand 110 

Jn der gerechten warhait 
Dy tauff was jn auch alle berayt 
Ein fraw dy was edle 
64* Genant was sy eugenne 

Vnd jr vil liebste toehter 115 

Taufft sy mit grossen vörchten 
Vor dem haydnisehen diett 
Sy nant sich auch mai^ret 

die an gotes san verjfthen, 100 

die marterdt man schiere 

mit wazzer und mit fiare, 

man sluoc si mit gerten, 

mit geisein und mit swerten. 

und wären si dar umbe vertoni, 105 

ze dem himele sint si geborn : 

bi dem englischen gesinde 

da muoze wir si vinden« 

In Antiochie 
got sante sine brieve 1 10 

in der gerehten w4rheit ; 
diu toufe was in albereil« 
ein frowe din was edek, 
genant was si Eugftne : 

ir vil liebe tobter 115 

tonfte si mit vorhten 
vor der heidenischen diete. 
si hiez Margarete. 



Ott MAinB& OBR B. MMQäaEMA. m 

Jr maeter starb jr fime» 

Do gyeng nw not der locbter swe ^Hb 120 

Jr vater hyts Ib^odosiiia 

Er verbot jr auch sm ha«9 

Er was aia baydnyscber mM 

Der tochter was er jwt Bora jpram 

Dy amb zoch dj tochter bescbeid 125 

Müeterlichen gar an allen neyi 

Hyn darnach also drai 

Sy fuert sy jn jre haynad 

Jrew schäfflein sy jr byelt nit huel 

Das teücht dj firawea gnet 1 30 

Alles das dj fraw jr gepal 

Sy led mit armnet grosse a«i 

Der vbel wüetreich olibrii» 

Der gehayssen was alssft 

Der fuer mit grosser vngoet 1 35 

64 ^ Vnd mit grossem vbermnet 

ir muoter starp ir fruo : 

d6 gienc n6t der tofater zno. 120 

ir vater hiez Thtodösiua» 

er verbot ir sin büs : 

er was ein heidenischer mun z 

der tohter was er iril grtoi. 

diu amme z6ch 125 

muoterliche kn allen nit, 

si fuortes als6 dräte 

in ir heimuote : 

ir scbäfe si ir huote : 

d6 tet diu frowe guote 130 

allez daz si ir geb6t : 

si leit gr6ze armuot. 

Der ubele Olibrius, 
der geheizen waa alsoa» 

der fuor mit unguote, 135 

mit grAzem nbermnote, 

\22. Theodotiut hi^s der vater der h. Margareta nach einigen^ 
narh andern Aedeeiua , i, die acta tanctorum Jui, 5» 34**. 



IM DIB HARTER DER H. MAR6ARBTA. 

Do dy janckfraw also gaet 

Der ammen jrew scbäffleia huet 

Do sy an sach der grimmig büetreich 

Dy magt schön vnd herleich 140 

Er byes zw jr rennen vnd sprengen 

Vnd dj magt gar pald jm pringen 

Er schwaer pey seynem leib 

Er wolt sy nemen zw aynem weib 

Sy war aygen oder frey 145 

Dy poten chamen dar gerant 

Vnd sahen dj magt ze hant 

Sy sprachen zw der gueten 

Magt sand margreten 150 

Schöne magt edle vnd junckh 

Mein her hyes dir tuen chund 

Dw seyst aygen oder frey 

Dw muest jm nwr wesen pey 



ik din frowe guote 
der schäfeline huote. 
d6 si an sach der wuoterich 

die maget sch6ne und hirlich, 140 

er hiez nach ir rennen, 
die maget balde im bringen, 
er swaor bi sinem libe 
er wolte si ze wibe:' 

si wäre eigen oder fri, 145 

si muoste ime wesen bi. 
Die boten dar kämen, 
die maget si sähen, 
si sprächen zuo der gnoten 

sante Margareten 150 

*sch6nia maget nnde juno, 
min herre hiez dir tuon kunt, 
dA sist eigen oder fri, 
dA muost ime wesen bi. 

146 eingetrhalM aus 154. 



e. < 



DIE MARTER DER H. MAR6ARBTA. 161 

Er Schwert auch pey seynem leib 155 

Er wolt dich nemen zw eynem weih 
Des antwurt jm die guet gerecht 
Dy edel magt sand margret 
Ja er mag mir nicht schad gesein 
65'' Wann mir hiUft mein trechtein 160 

Got ist chrefftig vnd auch guet 
Der mich hat jn seyner huet 
Ja hat er chrefft noch vil mer 
Den du vnd dein herr 

Er mag mich wol halten 1 65 

Vor jm vnd sein gewalten 
Do ruefiTt sy an Jesum christ 
Das er sy vor jm frist 
Sy sprach herr got der vil reich 
Nw hilff mir väterleich 170 

Jn disem magtleichem leben 
Das jch dir nw hab geben 

er swert bi sinem libe 155 

er welle dich ze wibc/ 

Des antwurt im diu gaote 
sante Margarete 

jane mag er mir niht schade gesin, 
wan mir hilfet min trehtin. 160 

got ist kreftic unde guot 
der mich hAl in siner huot. 
jÄ hat er krefte meixe 
dan du und din herre. 

er mac mich wol halten 165 

vor im und sime gewalte/ 
dö ruofle si ze Kriste 
daz er si vor im friste, 
*herre got der riebe, 

nü hilf mir vaterliche : 170 

wan ditzc magetliche leben 
daz hän ich dir gegeben.' 

160. buot, s. ff^h, Grimm %u Freid, A2, 2. 
Z. F. D. A. I. 11 



•wP> 






i0f DIB HARTER DER H. MAR6ARBTA. 

Dy poten das nw wol harten 
Sy sich darnach nit sparten ' 

Sj sprachen zw jerem herren 175 

Du darfft dich an sy nit cheren 
An dj magt tagen thafft vnd junckh 
Cristus ist jn jerer zung 
Got ist jr vorschilt 

Dem hat sy sich gantz verpSicht 180 

Vnd hat sich zw jm gemähelt 
65 ** Vnd jn zw lieb erweit 

Durch seynen willen leyden tod 

Vnd chomen jn grosse not 

Ee das sy von jm entweicht 185 

Nw sag wes dich teücht 

Zw seynem gesind er sprach 

Hyn wider last euch wesen gach 

Vnd pringet mir das magedein 

Oder jch muefs verloren sein 190 

Die boten daz wol h6rten, 
si sich da nach niht sparten, 

si sprächen zuo ir herren 175 

*dune darft dich niht k^ren 
an die maget junge t 
Krist ist in ir zunge, 
got ist ir vrideschilt, 

deme hAt si sich verphliht 180 

und hat sich ze ime gemaheldt 
und in ze liebe erwell6t 
durch sinen vil leiden tdt, 
und wil komen in grftze nAt 

£ si von ime entwenke. 185 

nA sage wes dich danke/ 

Ze sinem gesinde er sprach 
'hin wider Iftt iu wesen gftch 
und bringet mir daz magedin 
ode ich muoz verloren sin. 100 

179. vrideschilt, t. Jae. Grimm ReiaA. Fuek* t. 373. 



DIB MARTER DER H. MARGASBTA. les 

Ja prina jch jn yerer mjrnne 
Vod muest auch verlyesen mein synne 
Do fürten sy von dan 
Vnd prachten jm dj ma^ lobesam 
Vnd fuerten sy mit gewalt 195 

Für jrs herretai angestalt. 
Do er dj magt anesach 
Vil tugenllich er zw jr sprach 
Du solt junckfraw volgen mir 
So magstu wol gewynnen schyer 200 

Piirig vnd auch aygen prait 
Jch gib dir auch manige schönhait 
Vnd han dich zw ayner frawen 
So magstu dan wol erschawen 
66* Alier weit freyd vnd wnnnen 205 

Vber all menschlicher chunden 
Des anwurt jm di guet vnd gerecht 
Dy edel juncfraw sand margret 

ja brinne ich in ir minne, 
ich verliuse mine sinne.' 

D6 fuoren si dannftn 
und brähten im die maget sftn 

und fuorten si mit gewalt 195 

für ir herren angestalt. 

D6 er die maget ane sach, 
vil tugentliche er zuo ir sprach 
'du solt mich, frowe, minnen, 
s6 mahtA wol gewinnen 200 

bürge unde ouch eigen breit, 
ich gibe dir manege scb6nheit 
und hän dich zeiner frouwen : 
s6 mahtA wol erschouwen 

al der werlt wunne 205 

über al menschlich knnne.* 

Des antwurt im diu guote 
sante Margarete 



195/. mit Witzen : antlitze? 



11* 



164 DIE HARTER DER H. MAR6ARETA. 

Was hilfft dich dy red dein 

Ja mag es alles nicht gesein 210 

Darumb versucch mich nit lenger 

Wenn mich hat nw ein ander 

Zw jm gemähclt an der stat 

Durch den so leyd jch den tod 

Ee wen ich von jm entweich 215 

Jch bedarir auch nicht deyncr reych 

Do entgegen sprach der vnrayn 

Der wüetreich vor aller gemain 

Nw sag an mir magedein 

Wer dein traut sol sein 220 

Wem ganslu deyner mynnen 

Den hays jch dir gewynnen 

Do sprach aber dy guet vnd gerecht 

Dj junckfraw sand margreth 

Du magst sein nit gewyssen 225 

'waz hilfet dich diu rede dm ? 

Jane mag es alles niht gesin. 210 

des versuoche mich niht langer, 

w^an mich bAt ein ander 

zuo im gemahel6t : 

durch den s6 lide ich den t6t 

6 ich von im entwiche : 215 

ichn darf niht diner riebe.' 

Da engegen sprach der wuotericb 
vor aller manne gelicb 
'nu sage an, magedin, 

wer din trüt sule sin : 220 

wem ganstA diner minne? 
den heize ich dir gewinnen.' 

Dd sprach aber diu guote 
sante Margarete 
*dune mäht niht gewinnen 225 

218. aUer manne gelich dativut wie Diut, 3, 33 liebet aller man- 
niklich dai ir ime scult. 225^. oder done mäht sin niht gewiizen» 
du wäre daMe ein kristen : der ewiclichen minne mahtd niht gewinnen : 
wan lieiest tr. s, w. 



DIB MARTBR DER H. MAR6ARBTA. 165 

Dw wärst dan ain Christen 
Der ewychlichen mynnen 
66 ** Wan du dich lyest raynigen 

Vnd von deynem gelauben pringeu 

So wüerslu dan wol jnnen 

Darumb jch chrislum mynne 230 

Jch hab lassen alle meyne ding 

An das wäre golles chind 

Der leib vnd auch dj sele mein 

Dj slend jn den genaden sein 

Jch hab mich auch zw jm verpflicht 235 

Darvmb so fiircht jch den tod nicht 

Ee wen jch von jm entweich 

Wenn es ist nymant sein geleich 

Sein reichtumb ist auch manichualt 

Er hat auch der engel'gewalt 24P 

Vnd auch der heyligen alle 

Nw tue was dir geualle 

Do er das alles nw gehart 



der ^wiclichen minne : 
wan liezestÄ dich toufen 
von dinem gelonben, 
s6 wurdestü wol inne 

dar umbe ich Kristen minne. 230 

ich habe läzen al min dinc 
an daz wäre gotes kint : 
der lip und ouch diu s61e min 
diu stänt in den genäden sin : 

ich habe mich ze im verpfliht, ^ 235 

des furhle ich den t6t niht 
t ich von im entwiche, 
wan im ist uieman geliche. 
sin richtuom ist manecvalt, 

er hdt der engel gewalt 240 

und der heiligen alle. 
nA tuo swaz dir gevalle.' 
Dö er daz allez h6rte 




166 DIB KARTER DER H. MAR6ARETA. 

Wo sich dj red nw hinchart 

Do tobt er vnd auch wüeth 245 

Vnd entzümet jn seynem gemüet 
Er hyes sy fliern vbel 
Das wert yem christ von hymel 
Do der vil vbel man 
67 * Seynen willen gar frayssamb 2^0 

Derfiillen nit enmacht 
Von des warn gottes chrafft 
Er hyes auch dy magt wol getan 
Vor jm nakot stan 

Das er sy nw möcht beschawen 255 

Mit sein fleyschlichen äugen 
Das tet er vmb das 
Das jm war dester pas 
So er sy ye lenger an sach 

Seynes hertzen vngemach 260 

Da von ye grösser vnd schwärer layd 

war sich diu rede k^rte, 

d6 tobete er und wuote 245 

und zürnte in sinem muote. 

er hiez si fuoren ubele, 

daz werete im Krist von himele. 

D6 der vil ubele man 
sinen willen freissam 250 

erfüllen niht enmahte 
von des wAren gotes krefle, 
er hiez die maget wol getan 
vor ime nackot stän 

daz er si mohte beschouwen 255 

mit fleischlichen ougen. 
daz tet er umbe daz 
daz im wäre deste bas, 
so er si ie langer ane sach, 

sines herzen ungemach 260 

da von er gr6ze swftre ieit. 

256. 478. mit fl. oagen , aus kirehÜchem bUmn, im \tn jh. for- 
m$lhqft, wi9 RoL 2, %i. 139, 29. 



OIB MAAT«R DfiR 0. UARQAtmA. IV 

Da cham das chiad jn arbait 
Dy magt dj was so wol get^a 
Des wundrat sich welb und man 
Dj das alles veriahen 265 

Das sy nye gesahen 
Vber alle dise reich 
Ein magl so gar werleich 
Dy herleich vnd auch schön 

Das gab jr got zw Ion 270 

Das sy schain als di sun 
Jnn der junfrawiicher wunn 
67 ^ Wo sach nw nye chain man 
Ain magt so wol getan 

Jr leib so wunnichleich 275 

Dem nichts was geleicb 
Vnd des gleychen nymant chund gesehen 
Per schönen sand margajreten 



dö kam daz kint in arebeit. 

Diu maget diu was s6 wol getan, 
des wunderöt sich wip unt man, 
die des alle verjähen 265 

daz si nie gesähen 
über alliu disiu riebe 
ein maget so wätlicbe. 
diu h^rliche und diu schöne, 

daz gap ir got ze 16ne 270 

daz si schein als diu sunne 
in juncfroulicher wunne. 
wd sach ie dehein man 
eine maget s6 wol getan T 

ir lip was so wunneclich 275 

daz im niht was gelich 
daz ieman gesehen mohte, 
sante Margareten, 

276. wenn meine änderung dieter »eilen sieh dem echten nähert^ 
würde daz ir Dibt was gelich noch b^ter eein. aber vieUeieht sind 
277. 278 gan» %u itreiehmi. 



168 Dm MARTER DER H. MAR6ARETA. 

Vnd vil grosser schön 

Gab jr got zw Ion 280 

So macht auch chain man 
Seynen willen an jr pegan 
Das was ein michel zaychen 
Sy macht nyemant an geraychcn 
Mit vnchewschlichen dingen 285 

Wenn sy het an got gedingen 
Wann aus der engel huet 
Cham nye dj juncfraw guet 
Der wüetreich vil grymikleich 
Was toben eben geleich 290 

Als ain wilder leb nw thuet 
Jn grymmygen muet 
Er hyes dj magt herleich 
An schlahen mit eysen 
Sy pat auch got den weysen 
68* Das er sey nuer behüet 295 

Vor allem chrankem gcmüet 



vil gröze sch5ne 

gap ir got ze löne : 280 

sone mähte ouch dehein man 

sinen willen an ir begän : 

daz was ein michel zeichen : 

sine mäht nieman gereichen 

mit unkinsqhen dingen, 285 

wan si häte an got gedingen, 

wan üz der engel huote 

kam nie diu frouwe guote. 

Der wuoterich vil grimmeclich 
was toben ebengelich 290 

als ein wilder lewe luote " 
in grimmigen muote. 
er hiez si slahen mit isen. 
si bat got den wiseii 

daz er si behuote 1^95 

vor allem kranken muote. 



DIB MARTER DER H. MAR6ARETA. m 

Do hyes der vbl man 

Dy magt slahen an 

Mit schlegen schluegen sy so bert 

Das sich das fleysch hin dan zert 300 

Ynd das pluet nider flos 

Vnd das ertrcich begos 

Dy magt het stäten muet 

Enpfyeng das alles für gaet 

Sy lobt gar hoch gottes sun 305 

Den vil heyligen Jesam 

Do sach der grymig wuetreich 

Dy magt ynerschrocUeicb 

In seynem vbl er do tobt 

Vnd dj magt nw lobt 310 

Den vil heyligen got 

Durch den sy led grosse not 

Er schueff jr vil grosser hnet 

Vnd versuecht sy vil mit senftem maet 

Er sprach nw yolg mir magedein 315 

dö hiez der nbele man 

die maget slahen an 

mit siegen s6 harte 

daz sich daz fleisch zarte 300 

und daz daz bluot nider flöz 

und daz ertriche beg6z. 

diu maget bäte stAten muot, 

enpGenc daz allez für gnot. 

si lobete h6he gotes sun, 305 

den heiligen J^sum. 

D6 sach der grimme wuoterich 
die maget unerschrockenlich. 
ubele er dö tobete. 

diu maget nü lobete 310 

den vil heiligen got 
durch den si leit gröze n6t. 
mit vil senftem muote 
er si dö versuochte. 
*nü volge mir, magedin ; 315 



k 



170 DIB HARTER DER H. MARGARBTA. 

Ja ich wil dir guet sein 
Ertznen jch dich sol 
68 ^ Wen da mir geuellest wol 
Vnd tuesta meynen willen 

So magstu wol genaden vioden 320 

Do antwurt sy jm da 
Dy schön sand margaretha 
Jch mag nicht becheren mein syn 
Zw deiner fleyschlicher mynn 
Dein will ist grawssamleich 325 

Vnd dein leben säntleich 
Wolstu mir aber volgen 
Vnd liest mein got holden 
So magstu darnach werlioh 

Haben freyd jnn dem hymelreich 330 

Doch sag jch dir auch sicherlich 
Dy weyl ich bin vleyschleich 
In disen grossen nöten 
Las jch mich ee tötten 

j4 wil ich dir guot sin. 

arzenen ich dich sol, 

wan du mir gevellest wol, 

und tuostu minen willen, 

s6 mahtu gnäde vinden/ 320 

D6 antwurte ime sft 
sante Margar6tä 
'ich enmac niht sinnen 
ze fleischlicher minne. 

din Wille ist gruslich 325 

und din leben suntlich. 
woldestA mir aber volgen 
und hiezest got holden, 
s6 mahtä wärliche 

h4n froude in himelriche. 330 

doch sage ich dir sicherlicb, 
die wile ich bin vleischlich» 
in disen gr6zen ndten 
läze ich mich 6 tAten 



ODE MARm DER H. MASGAMEIA; m 

Ee jch vereber meynen miiei ^ 335 

Da von tue was dich dunckt guel 
Do pot der grymmjrg wüetreieh 
Dy junckfraw also togenddeh 
Hencken an ain seyl hohe 

Dar zw was jtn so gahe 340 

69 * Ynd hyefs mit haken dar 

Das vleysch ab jr reyssen gar 

Er sprach da muest sterben i«, 

Du last dich dan erwerben 

Do sprach dj gerecht 345 

Dy edel jungkfraw sand margret 

Dy marter mag mich nötten nicht 

Wann mich das heylig liechl 

Weyset jn das hjrmelreich 

Da wun jch dan ewyehleioh 350 

So wider wirstu dan veriom 

Wan des starcken gottes zom 

Vber dich gar strengiklich gat 

6 ich verk^re minen muot. 335 

vondiu tuo swaz dich danket goot.' 

Do geb6t der grimme wootench 
die juncfrowen tagentlich 
henken an ein sAl hdeh, 

dar zuo was im so gach, 340 

unde hiez mit hacken ^'"^'^ 

daz vleisch ab ir zwacken. '^ 

er sprach *dA muost sterben» 
dd last dich danne erwerben/ 

DA sprach diu gaote 345 

sante Margarete 

'diu marter mac mich ndten nicht, 
wan mich daz heilige lieht 
wiset in daz himelricbe : 

dft wone ich ewicliche : 350 

s6 wirdestü danne verlorn^ 
wan des Stadien gotes zom 
ober didi gar stränge ergit 



172 DIB MARTER DER H. MARGARETA. 

Durch deyner grossen misse tat 
Dy lewt telen durch not 355 

Was jn jr herr gepot 
Sy hyengen sy hoch an ain seylen 
Vnd do mit eysnen chreylen 
Das vleysch sy ab jr zerten 

Mit scharffen vnd mit herten 360 

Vntzt gar aufr jere pain 
Das jr gar vil raia 
69 ^ Es was getan gar vnparmhertzklich 
Ze sehen was es auch grausieich 
!Do sprach der vbl olibrius 365 

Wye tuestu magt alsns 
Wolstu mir noch volgen 
Dastu mich hyest halden 
Wildu aber nit haben mich 

So hays jch gar verprennen dich 370 

Do antwurt sy jm alda 

durch dine gr6zen misset^t/ 

Diu linte täten durch n6t 355 

swaz in ir herre gebdt. 
si hicngens an ein sülen, 
mit iseninen krulen 
daz vleisch si ab ir zarten, 

mit scharfen und mit herten, 360 

unze gar äf ir bein 
daz ez ir gar verswein. 
cz was getan unbarmeclich, 
ze sehenne was ez grüslich. 

D(i sprach der übel Olibrius 365 

'wie tuostü, maget, alsus ? 
woldestu mir noch volgen 
daz du mich hiezest holden, — 
wil aber du niht haben mich, 
sd heize ich gar verbrennen dich.' 370 

Dö antwnrte ime si 

357. sdleo. ich kann kein altes beitpiel^der sehwaehen form an- 
ßihren. 



r- 



HB lliinnt'4lRl El I IfiUReAlBlUiJ fJIS 

Dy schön j[||acfiraw margaretha : v* '- 
Ja jch alfieg widersitz 
Deyner fewrein hitz 

Ja hat dj gottes mynn 375 

Yil stark entzändt mein synn 
Ein grofs fewer hje» er machen 
Des ward er lachen 
Do warff er nw dj magt ein 

Das erparmt vnserm trächtein :f*. ifh 380 

Pald daraus erledigt er sy * ' 

Des loben wir dj namen drey 
Dy lewt das alles nit veriyessen 
Das jr herr sy tuen hyefls 
70* Sy machten ein fcwer grofs 385 

Darynn man dj magt sehos 
Das fewer pran gar vil grymme 
Do sas dj magt jnne 
Als wenn sy gar chtiel padet 
Das jr das nichts schadet 390 

din frowe Margarete 

'ich enmac niht widersitzen 

din fiurine hitze : 

jft hat din gotes minne 375 

enzundet mine sinne/ 

Ein fiur hiez er machen 
(des wart er lachen), 
da warf er die maget in. 

daz erbarmete unsem trehtin. ^ 380 

balde erledegete er si : 
des loben wir die namen drt. 
die liute des niht liezen 
daz ir herre si hieze : 

si machten ein fiur gr6z/ ' 385 

dar in man die maget 8ch6z. 
daz fiur bran vil grimme : 
da saz diu magel inne ^ 

als si kuole badete, 
daz ir daz niht enscbadelH ' - ' 390 



t" 



174 DIB HARTER DER H. MARGARBTA. 

Wyc ser er do tobt 
Vnscm hcrren sy do lobt 
Mit eynem gesanck schon 
Das dj selben chindlein vron 

Dy weyl sungen jnn dem ofen 395 

Do mit sy got begunden loben 
Der selb got sy do erlost 
Er cham auch den chinden zw trost 
Des freyt sich dy gerecht 

Dy edel magt sand margareth 400 

Sy sprach alsus 
Lob sey dir herr got Jesus 
Nw zw allen stunden 
Durch dein heylig funff wunden 
Vnd hiUF mir von den sargen mein 405 

70^ Herr durch der genaden dein 
Doch sach nw der grymich man 
Dy magt vil vbelleichen an 
Er hyes jr auch pinden schyer 

wie s6re er d6 tobete ! 

unsern herren si d6 lebete 

mit einem sänge sch6ne 

daz diu kindelin yr6ne 

wilen sungen in dem oven, 395 

iä mite si got begunden loben. 

der selbe got si löste, 

er kam in ze tröste. 

des fronte sich diu gnote 

sante Margarete. 400 

si sprach alsus 

'lop si dir, herre J6sus, 

nu und ze allen stunden. 

durch diu beilege fiinf wunden. 

hilf mir von den sorgen min, 405 

herre, durch die gnftde dtn/ 

Dö sach der grimmige man 
die maget vil ubellichen an. 
er hiez ir binden 



4 

DB MAKRa OBR H. MAlGiaHBIil« |H 

Jrew gelider aik Tjtr ^^ 41a 

Ynd hyes sy werfen S6 stand 

Jn des vynstern charcher grunl 

VniEt er sich nw pedächl 

Wye er sy von dem glawben präciit 

Do muest dj magt gar wolgetan 415 

Jn den vinstem charcher gan 

Mit allem vleyfs zw diser firist 

Ruefft sy an Jesom christ 

Das er sy wol Miuet 

An warl Vnd pofs gemuet 420 

Dem vil laydigen helhant 

Dem was es alles warden chond 

Der pegund sy beiriegen dar 

Zw eynem tracken madbt er sieh zwar 

Gar yyl aysleich was er getan 425 

Er want sy seit vor jm ergan 

Es fuer ans seynem rächen 

ir lide alle viere 410 

nnd hiez si werfen ze stnnt 

in des vinstem karkAres gnint, 

nnz er sich bedAhte 

wier si von dem gionben brihle. 

d6 mnos diu maget wal getAn 415 

in den vinstem karkftr gAn. 

en allen vliz ze dirre fltist 

mofte si an J^snm Krist» 

daz er si wol behn^le 

an Worte nnd an genoote. 420 

Dem leiden helhnnde 
dem was ez worden knnde : 
der begunde trabten, 
zeinem trachen er sich BMchle : 
vil eislich was er getAn : 425 

er wAnte es von im soUe ttrgAn : 
ez fnor Az sinem radieii 

410. lide sftMf . , s. H^hn »u RonrmU Oii9 7%S. 



176 DK MARTER DBR H. MAR6ARBTA. 

71 * Das starck fewer mit chnchca 
Vnd aufs seynen angen 

Dt gänster mgelaogen 430 

Aus seynem maul gyeng mördlicher rauch 
Aus sevoen naslöchem schwebel auch 
Er verschlant sy gar graussamchlichen 
Vod tet ir gar mördlichen 

Als sy jn jm was darjnnen 435 

Vnd wider cham zw jeren syuDen 
Sy betzaycheot sich sicherieich 
Mit dem heyligen chrewtz vleyssikleich 
Der tra'^kh zeqirast gebisleich 
Do ward sy den glauben vesten 
Des mnest er durch not presten 440 

Er prast auch jn vyer stucke 
Von dem pauch vntzt an den rucke 
Das chrewtz das dj guet vnd gerecht 
Das dj magt sand margareth 
Fuer sich het getan 445 



daz starke fiur mit krache 

unde uz sinen ougen 

die gänster ungetougen : 430 

üz sinem müle gie rouch, 

uz siner nasen swcbellouch. 

er verstaut si gruslichen 

und tet ir mortlichen. 

Als si in im was innen 435 

und wider kam zir sinnen, 
si bezeichcnt sich ze vlize 
mit dem heiligen kriuze. 
dö wart si den glouben vesten : 
des muoste er bresten. 440 

er brast in vier stucke 
von dem buche unz an den rucke. 

Daz kriuze daz diu guote 
sante Margarete 
für sich hftte get4n 445 



1^ ' 

DOS KARTBR DER B. MARGARBTA. ffhr 

Das pegund hintz got gan '^^ 

Jr halff auch aller malst ' 

Von hymel der heylig geist 
71 ^ Des tröst dy guet vnd gerecht 

Dy edel magt sand margareth 450 

Sy haeb aaff jr hende 

Vnd sprach waynunde 

Jch lob dich gottes siin 

Den heyligen Jesnm 

Du hiUFts mir nach genaden 455 

Des pistu gelobt amen 

Das hymlisch liecht ohlar 

Erschain jr jnn dem charcher zwar 

Do sprach dy gottes stymme 

Zw dem heyligen chinde 460 

Wol dir magt gaet vnd gerecht 

Mein vil heylige sand margreth 

Wye wol dir geschehen ist 

Dir hat auch der heylig Christ 

daz begunde hin ze gote gän : 

ir half onch aller meist 

von himele der heilic geist : 

des tröste sich din gnote 

sante Margarete. 450 

si huop üf ir hende 

und sprach weinunde 

*ich lobe dich, gotes sun, 

den heiligen J£sum. 

dA hilfest mir nach gnaden : 455 

des wis gelobet, amen.' 

Daz himelische lieht klär 
erschein ir in dem karkar. 
d6 sprach diu gotes stimme 

ze dem heiligen kinde 460 

Vol dir, maget gnote, 
sante Margur^te ! 
wie wol dir geschehen ist I 
dir hat der heilige Krist 
Z. P. D.^ *^. ^ 12 



H- 



178 DIE MARTER DER H. MAR6ARETA. 

Perayt ain chostpeiiiche chron 465 

Dy gibt er dir zw Ion 
Mit ewychliclier getzir 
Vnd mit frölicbcr gir 
Zw seynem vater schon 

Vnd seyner mueter marein vron 470 

Morgen an dem tag ze none 
Soltu faren schone 
72 ' Zw vnserm herrn Jesum christ 
Vnd auch zw der ewigen Frist 

Jnn das fron hymelreich 475 

Do wonest dann ewychleich 
Nw soltu doch ee pesohawen 
Mit deynen fleysoblichen äugen 
Den tyefcl also schwarlzcn 

Der das alles hat geraten 480 

Das dir dj hayden taten 
Do sach sy nw zehant 
Den vbln geyst vnd vaylant 



bereitet eine kr(^ne ; 465 

die gibet er dir ze löue 

mit 6wiclicher zierde, 

und mit frölicher girde. 

ze sinem vater schöne 

und ze sincr muoter vröne 470 

morgen ze nönc 

soltu varen schdne, 

ze unserm bcrren Kriste 

und zer Ewigen wisle 

in daz fröne himelriche : 475 

Aä wonest du ewicliche. 

nu soltu ö bcschouwett 

mit fleischlichen ougen 

der daz allez hikl gerieten 

daz dir die beiden tAten/ 430 

Do sach si Sc\ zehanl 
den ubelen viUant. 






^J 



OD MAMia DER H* MA&6Aimb 1» 

Der was gar schwartz md raach ^'^ 

Vil grofs was jm sein pauch ^ 
Er het chlo als eiQ per ^^ 485 

Sy hört ajücll mer ^ \, 

Er schray^l^idi wuader laut 
Nw hilff magt vnd gdtes [nraut 

Ja pin jch hye punden *^ 

Zw disen stunden 490 

Mit fewrein panden 
Von engellischen banden 
Ja prin jch so taugen 
Hye vor deynen angen 
72'' Magt durch dein selbs eren 495 

Nw erzürn nit so sere 
Dy junckfraw des gemaid ward 
Vil wenig ward er von jr geapart 
Sy zucht jn auch pey dem part 
Vnd schluegjn vil hart 500 

Mit ayner gaysei grofs 

der was swarz unde ruch : 
vil gr6z was im sin buch{ 

er häte klä als ein her : 485 

si h6rte ouch m^r ; 
er schrei wunderlute 

'nü hilf, maget guote ! * 

ja bin ich gebunden 

hie ze disen stunden ^«y^* 490 

mit fiunnen bänden «p^ 
von engelischen.lmnden : 
ja brinne ich s6 tongen 
hie vor dinen ougen. 

maget, durch din selber 6re, 495 

r nune znrne niht s6 s6re.'. 

Diu frowe des gemeit wart» 
vil wftnic wart er geapart, 
si zuhte in bi dem harte 

und sluog in vil harliS^ 500 

mit einer g^sei gr6z, 

12* 




180 DIE MARTER DER H. MAR6ARBTA. 

Vil lülzel sy des vcrdros 

Sy raufft jn allso hart 

Das Iiar aufs seyner schwärt 

Sy trat jm aufF den hals sein 505 

Vnd strafft jn vmb dj poshait sein 

Sj sprach yee hin laydiger Sathanas 

Du pist ein vil vnrayns as 
Vnd ain tewfflisch vas 
Dw betreugst all dy lewt 

Darumb Ion jch dir heut 510 

Nw sag mir pey Jesum christ 
All dein schünttung vnd list 
Er sprach fürwar jch sag dir 
AU meyn list gar schyer 

Jch verrat man vnd weih 515 

Vnd pring offt ain vmb sein leib 
73* JCh rat auch geren zw firas 
Gar vil vngern jch das lass 
Pösew begir vnd trakhait 



vil lutzel si des verdröz, 

si roufte im als6 harte 

daz här uz siner swarte, 

si trat im uf den hals sin 505 

unde sprach 'genc hin, 

leidiger Satanäs. 

da bist ein unreinez As, 

du betriugest al die linte : 

des 16ne ich dir hiute. 510 

nä sage mir bi Kriste 

al diu schuntunge und liste.' 

'Ich sage dir ze wäre 
al mine liste schiere. 

ich verrate man unde wip 515 

und bringes ofle umbe ir lip : 
ich r4te ouch gerne ze firftze, 
vil ungeme ich daz läze : 
bAsiu gir und trAkheit, 



DIE MARTU DER H. MMfiAMEIA. 181 

Des danck jch mich gemait 520 

Jch irümb mord vnd prant 

Jch süli auch schätz vnd gewanl 

Spill vnd ynchewschait 

Yod gib auch valscheo rat . 

Lüg vnd auch mauaid 

Zw dem vbel pin jch altzeyt berait 

Fluchen vnd auch schelten 525 

Mit neyd vnd mit hafs 

Füll jch gar vil manigs vafs 

Das sind nw dy list mein 

Das sag jch dirmagedein 5S0 

Darumb gib jch jn ze Ion 

Jnn der helle ein fewreln chron 

Des antwurt jm di gerecht 

Dy edel junckfraw sand margreth 

Dycr sol nw got verpyeten 535 

Das du dich icht möchst genyetten 

Deynes willen an der christenhait 



des dunke ich mich gemeit : 520 

ich frume mort nnde brant 
(ich Stil ouch schatas nnde gewant), 
spil und unkinscheit, 
nnde gibe ouch valschen eit : 

fluochen unde schelten , ' 525 

daz läze ich selten : 
mit nide und mit hazze 
fülle ich vil manec herze, 
daz sint nu die liste min, 

daz sage ich dir, magedin. 530 

des gibe ich in ze 16ne 
in der helle ein fiarin kr6ue.' 
Des antwurt im dia gnote 
sante Margarete 

*dir sol nA got verbieten 535 

daz dd dich iht megest genic^n 
dines willen an der kristeahßit : 



182 DIB MARTER DBR H. MAR6ARETA. 

73 ** Das war mir mit irewen laid 
So aber nw sol sterben 

So wii jch hye erwerben 540 

Vnd schaden dir mit ^osser pein 
Nw far zu den gesellen dein 
Do vyel dj junckl'raw aulF dj choye 
Jr gepet tet sy schon hye 

Mit allen jrn witzen 545 

Enphalich sy sich christo 
Do Voigt es alles dester pas 
Der tyefel für jn gottcs has 
Des anderns morgens nw gar frue 
Nähent jr dy marter zw 550 

Do hyes der wiietreich mit grymmen 
Dy magt für ju pringen 
Er begund mit jr losen 
Vnd auch mvldichlich chosen 

m 

Er pat sy mit allen seynen synnen 555 

Das sy jn noch solt ncmen 

daz wajre mir eutriwen leit. 

sol aber ich nu sterben, 

s6 wil ich hie erwerben 540 

schaden dir unt gr6zen pin. 

nü var zuo den gesellen din.' 

D6 viel diu frowe M diu knie, 
ir gebet tet sie : 

mit allen ir witzen 545 

enphalch si sich Kriste. 
d6 volgete es alles deste baz 
der tiufel fuor in gotes haz. 

Des anderen morgens fruo 
nähent ir diu marter zno. 550 

dö hiez der grimme wnoterich 
die maget bringen far sich : 
er begunde mit ir lösen 
und minnecliche k6sen : 

er bat si mit sinnen 555 

daz si in solle 



DIE MASTtt DBR H. HARfiAIBfA. MS 

Des antwurt jm dj f arecht 
Dy edel juDckfraw sand margareth 
Mich nympt michel wunder dein 
Das du nuer den schepffer mein ^ 560 

74 ' Noch nicht ercheanen wild. 

Du pist des layding ttwfels pild 

Ja wirt mein vil guet rat 

Jch var dahin da mir got gepoten hat 

Dw verst aber an zweyfel gebyfs 565 

Jn dj ewig vinsternüfss 

Vnd jnn dj ewig helle 

Der tyefel ist dein geselle 

Vnd enphächt dich gar vleySiSikUch 

Mit ewiger hitz jn seynem reich * 570 

Do erzürnt der grässam vbel man 

Vnd sach sy gtymlichen an 

Er hyes pald jähen 

Vnd dj junckfraw vahen 

Ein prun liefs er jrwellen 575 

des antwurt im diu gnote 

sante Margarete 

'mich nimt michel wander din 

daz dd den schep^re min 560 

noch niht erkennen wii : 

du bist des tiufels gespii. 

ja wirt min vil guot rät, 

ich var dar got geboten b4t : 

du verst aber gewisse 565 

in die vinsternisse, 

in die Ewigen helle : 

der tiufel ist din geselle 

und enpfäht dich vlizecliche 

mit hilze in sinem riebe.' -^70 

D6 erzürnte der obel man 
und sach si grimmelicbeii an, 
er hiez balde gUten^ 
die junofrowe v&ben» 
ein brunnen hiez er erweiktt^ ^^^ Y 



IM DIB MARTER DER H. MARGAKETA. 

Nach allem sevnen willen 
l)y cbnrcht telcn auff der vart 
Was jr her geschafft hat 
Sy puntten do die süessen 

An hendeii vnd an füessen 580 

Sy wnrffcu sy jn den bayssen wag 
Do grosses fcwer vnderlag 
Do stainden man vnd auch weib 
74*' Dy alle cblagten jrn leib • 

Jnn der selbigen stunde 585 

Do gyeng sy ze gründe 

Sy rücfft an Jesuin christ 

Das er sy erlöst zw diser frist 

Do beschach ein michel wunder 

Da sach man wol bcsunder 590 

Das dar cbam dy gottes chrafll 

Vnd erlescht das fewer mit macht 

Do vergyeng dj grofs bitz alda 

Dy junckfraw pegund nu sitzen da 

nftch allem sincn willen. 

die kneble tAtcn drAtc 

swaz ir berre geschaOet hAte : 

si bunden d«^ die suozcn 

an benden unde an fuozen : 580 

si würfen si in den heizen wdc 

A& gn^zez liur under lac. 

dA stuonden man unde wjp 

die alle klagetrn ir lip. 

in der selben stunde 585 

di^ giene si ze gründe. 

si ruone ze Kriste 

daz er si erlöste. 

Do geschach ein michel wunder : 
dA nach mau wol besunder 590 

das dar kam diu gotes kraft 
und laschte daz finr mit mäht 
do veiyienc diu gr6ze hitse : 
diu firowf begunde siUen : 



MB MAinSR DBR H. mkBßAMOaUlL «5 

Das vil schön magedein 595 

Erlöst got mit dem gewalt sein 
Dy menschen dj dj wunder sahen 
Dy begunden alle jähen 
Das sy wurden Christen 

Vnd taufflen sich zw den firisten 600 

Sy pegunden alle cheren 
Zw Christenleichen eren 
Es wurden vil weyten gesagt dj mär 
Was nw Wunders geschehen war 
Der grymich vnd graussam wiietreich 605 

75 " Der sach wol dy zaychen grösleich 
Do pot er seynen mannen 
Das sy schluegen vnd pranten 
Dy menschen dy sich beten bechert 
Das dj christenhait nit würd gemert 610 

Dy da christum warben 
Dy auch der christenhait veriahen 
Dy schlueg man mit den schwerten 



daz vil schöne magedin 


595 


erlöste uüser trehtin. 




Die diu wunder sähen 




die begunden alle gäben 




daz si wurden Kristen 




und touften sich ze friste : 


600 


si begunden alle kören 




ze kristenlichen ören. 


• 


ez wurden wttin märe 


>i 


waz geschehen wäre. 


der grimmige wuoterich 


605 


der sach diu zeichen grözlich. 




do gebot er sinen mannen 




daz si slnogen unde brauten 


* 


die sich bekörten, 




daz si sich niht mörten. 


610 


die da kristen wären, 




der kristenheit verjähen, 




die sluoc man mit den sw^rlen : 





186 DIE MARTER DER H. MAR6ARETA. 

Des tods sy auch begerten 

Do ward dy marter also grofs 615 

Das das pluet nyder flos 
Dy selben fuern all gar leyfs 
Jd das hymellisch paradeis 
Da mucfs wir sy vlnden 

Mit ewiklicher mynnen 620 

Do ward ain vrlail nw getan 
Das man sy solt^enthauppen lan 
Das selb sy auch gereu wold 
Jn vnscrs hcrren huld 

Vnd wolt es auch nit vermeiden 625 

Sj wolt es jn gottes namen leiden. 
Do man di guet vnd gerecht 
75 ^ Dy edel junckfraw sand margareth 
Aufs der stat vil vnuerre 

Zw cyner schönen erde 630 

Sy vyel auff jrew chnye an der stat 
j\Iit andacht sy hintz got pat 

des t6des si ouch gerten. 

d6 wart diu marter also grdz 615 

daz daz bluot nider fl6z. 

die fuoren al gar lise 

in daz paradise : 

da muoze wir si vinden 

mit (^wiclicher minne. * 620 

Dö wart ein urteil getün 
daz man si solte enthoupton. 
daz selbe si ouch wolde 
in unsers herren huldc 

und wolle es niht vermiden, 625 

in gotcs namen cz liden. 

Dd fuorte man die gaote 
sante Margarete 
üz der stat unverre 

ze einer schönen erde. 630 

si viel uf ir knie ze stat, 
mit andäht si got hat. 



BW MARtBR fiBR E. MAfteAtUcVilillü m 

Sy sprach herr ehrisl ron 'lymel 
Heut hilff mir her nieden 

Vnd enpfach dj sei mein 635 

Durch meyner grossen pein 
Vnd pit dich auch herr mer 
Wer mich jn deynem namen er 
Mit welicher lay güete 

Dem hilff aus seynen nöten d40 

Jch pit dich herr mer 
Des gewer mich durch dein er 
Ob ain weyb jn jerer not 
Mich nenn sand margareth 

Vnd ob es vmb sey also stet 645 

Das sy zw dem chindlein get 
Oder ob sy mich nenn schyer 
So erfül jr her jr pcgir 
Oder ob sy mein marter pey jr hab 
76 '^ Das sy dester senfter chöm des chindleyus ab 650 
Puefs jr aller grosser not 

'herre Krist von himele, 

hiute hilf mir hie nidene 

unde enphäch die s^lemin 635 

durch minen gr6zen pfn. 

und bite dich, herre» m^re, 

swer in dinem namen mich tte 

mit swelher leie guolc, 

dem hilf üz siner nöte. 640 

ich bite dich, herre, m^re, 

des wer mich durch diu Are,' 

ob ein wip in ir nöte 

mich nenne sant Margr^te, 

und ob ez umbe si s6 stdt 645 

daz si mit kindeline gftt, 

und ob si mich nenne dir, 

s6 erfülle ir, herre, ir ger, 

od ob si min marter bi ir habe, 

daz si des sanfte kume abe. 650 

baoze ir al ir grdze n6l • 



188 DIB MARTER DER H. MAR6ARBTA. 

Vnd tue das her durch dein tod ' 

Das sy jr purd sen£Fl an werd 

Des pit jch dich hewt aufF erd 

Geber mich durch dj marter dein 655 

Vnd auch durch dj gros peiu 

Do mit du vns hast erlöst 

Mit deynem heyligen trost 

Vnd wer in charehern lig gefangen 

Oder jn andern schwärn panden 660 

Den erledig von seyncr schwer 

Vnd durch meyner marter er 

Vnd vor von seynem enden 

Sein tödlich sund wolt wenden 

Ob er mich an dich sendet sünderleich 665 

So erhör jn her gcnädichleich 

Der wider dich nw hab getan 

Es sey weih oder man 

Den vergib alle jre schulde 

Vnd las haben dein hulde 670 

und tuo daz durch dinen t6t 

daz si ir bürde 

sanfte äne werde. 

gewer mich durch die marter din 655 

unde durch den gr6zen pin 

dd mite uns hki erlöst 

din vil heiliger trdst. 

und swer in karkAre 

lige odc in ander swäre, 660 

den erledege siner swAre 

durch miner marter 6re, 

und vor sinem ende 

sin tötlich sunde wende, 

ob er mich sendet an dich, 665 

so erhöre in, herre, genädecUch. 

der wider dich iht habe getftn, 

ez si wip oder man, 

den vergip al ir schulde 

und lä si haben din hulde, 670 



DIE HARTER DER H. MARGARBHAt 1« 

Das sy nemen raynes ende 
Vnd sein ding zvm pesten wende 
76 ^ jrCH will dich pitten mer 

Des geber mich auch lieber herr 

Welich man oder auch weib 675 

Mit cheüschait halt jren leib 

Ob sy an chinder pär sein 

Mit jn tue auch dy genad dein 

Ob du des wild geruchen 

Das sy das an dich suchen 680 

Vnd mich zw poten sendent 

Das es jn jn guet werd geendet 

So las mich das herr erwerben 

Das du jn gehst ein erben 

Säligen gueten vnd auch reychen 685 

Vnd pey dir wanund ewikleicben 

Do cham dj gottes stym dar 

Zw der magt ein engelschar 

Nw frey dich magt guet Vnd gerecht 

daz si nemen reinez ende 

und ir dinc zem besten wenden. 

ich wil dich biten mftre 

des wer mich, lieber heite: 

swelch man oder wip 675 

mit kiuscheit halte ir lip, 

ob si äne harn sin, 

mit in tuo die genäde din 

ob dd des wil geruochen, 

daz si daz an dich suochen 680 

und mich ze boten sendent 

daz ez in werde geendet, 

s6 läz mich daz erwerben 

daz du in gebest ein erben 

sAligen unde gnoten 685 

unde wol gemuoten/ 

D6 kam din gotes stimme 
ze dem magetiichen kinde 
'nA firowe dich, maget gaote, 



190 DIB BiARTER DER H. MAR6ARBTA. 

Yil edle juncfraw mai^areth 690 

Alles das du gepeten hast 
Das sol werden volpracht 
Vnd allen de]rnen willen 
Wil jch nw erfüllen 
77" Darin du gepeten hast 695 

Wen du dein leib durch mich last 
Das du hast gepeten pey namen 
Dy dy red nw vernamen 
Sy sprach auch alle allain 
Do nw dj magt vil rain 

Jr gepet tet allain 700 

Jr hent sy auff zw got rackt 
Den hals sy auch dar strackt 
Vnd hycs jn den abschlahen 
Er pegiind auch nit ze gahen 

Er sprach jch tar nicht 705 

Wan jch syech das göttleich liechl 
Das dich schon erleSchtet hat 



vil edeliu Margarete : 690 

al daz du gebeten hast 
daz sol werden volbrftht, 
allen diucn willen 
wil ich nu erfüllen 

dar umbe du gebeten hslst, 695 

wan du den lip durch mich Ust.' 
die die rede verndmen 
si sprüichen alle üinien. 
Dö diu maget guote 
ir gebet getüLn häte, 700 

ir hende si üfrahte, 
den hals si dar slrahte 
und hiez sich slahen den h&her. 
er begunde uiht ze gäben, 

er sprach 'ich engetar nieht, 705 

wan ich sihe daz goteliohe liehl 
daz dich sch6ne eriiubtel hftU 



Wyc soit mein ymer werden tat • OS 

Das jch dich jonckfraw erschlaach ' . 

Sy sehent fiirwar leyt genaeg ' ^ 710 

beut 

• • • 

Das dich got hat jn seiner pflege 
Vnd wil dir auch seyne wcgc * 
Verchünden da hin jn sein reych 
Dem tuet er gar geleich 

Des antwurt jm dj guet vnd gerecht 715 

77** Vil edle junckiraw sand margareth 
Du solt des nw gewyfss sein 
Vnd schlüegst du ab das haupp mein 
Das dir durch* mein gepet 

Dir wirt durch got hy« sö statt 720 

Das hymelreich chnnd getan 
Mit vörchten töd do der man 
Das jn dj junckflraiw nw p%i 
Sy auch also ^Mprt»rt « -c 
Dy do warn an fcr stat**!^ ' 725 



wie soite mm werden rät" 

daz ich dich, frowe, sinoge? 

si sehent für war genaoge * , . ^ ^ 710 *^ 

daz dich got hat in siner pflege ^^ 

unde wil dir sme wege 

verkünden in sin riche : 

dem tuet er geliche.* 

Des antwurt im diu guote 715 

sante Margarete 
'du solt des gewis sin, 
sluoge dil abe daz houbet min, 
daz dir durch min gebete 

von gote wurde hie ze stete 720 

daz himelnche kunt gelAn/ 
mit vorhten tete dö der man 
des in diu juncfrowe bat s 
si wart als6 gemarter6t. 
die da wären an der stat 725 



19» DIB MARTER DER H. MAR6ARETA. 

■ 

Das sy vnsern herren pat 

Ynd hörten auch so lautlerleich 

Von oben aus dem hymelreich 

Sy hörten auch vnd sahen 

Dy sei so pald hin gaben 730 

Mit grossem cblange 

Do ward sy schon enphangen 

Vnserm herren jerem traut 

Als gar ein austerweite praut 

Jr gemähel nw enphahen sol 735 

Das hct sy auch verdyent wol 
Jn das fron hymelreich 
78* Da wonet sy ymer vnd ewikleich 
Nw pit wir got all gemain 

Wann er ist genädig vnd rayn 740 

Das er vns erhörn muefs 
Durch seyner lieben mueter suefs 
Vnd der vil gueten vnd gerechten 
Der edeln junckfraw sand margareten 

Ak si unsern herren bat, 

die h6rlen lute leiche 

oben üz dem himclriche, 

si hörten unde sähen 

die s61e hin gäben 730 

mit gr6zem klänge. 

d6 wart si schöne enphangen 

von unscrme herren trut, 

als ein uz cm^eltc brut 

ir gemahel enphahen sol 735 

(daz bäte si vcrdienel wol), 

in daz fröne himelrichc : 

da wonet si ewicliche. 

Nu bite wir gemeine got, 
wan er ist gcnaedic unde guot, 740 

daz er uns erlösen maoze 
durch sine muoter suoze 
und durch die vil guoten 
sante Margareten, 



DK MARTER DER H. HAR6ARBTA. 



*7v 



Das wir alle Kben muessen 715 

Vnd all vnser sünd hye püessea 
Als wir seyner genaden dürffUg sein 
Des helfF vns got der herr mein 
Vnd alle englische schar • 

DJ vns auch sei vnd leib pebar 750 

DJ weil wir das ellent pawen 
Das wir an der warn rcwe 
Erfunden werden alle 
Das wir got wol geuallen 

Christ der vns beschaffen hat 755 

Der vertilig all unser missetat 
Vnd vns gein hymel weys 
Jnn das war paradeis 
Vnd das werd an vns war 
78 ^ Das vns enphach dy engelschar 760 

Nw sprecht all geleich 
Amen das ist pilleich 
Hye hat das püechel ein endt 
Got all vnsern prechen wendt 

daz wir alle leben mnozen 745 

und unser sunde buozen 
als wir siner gnaden durfÜc sin s 
des helfe uns unser trehtin 
und alliu engelischiu schar, 

diu uns stMe und lip bewar 750 

unz wir daz ellent buwen, 
daz wir an der w4ren rüwe 
erfunden werden alle, 
daz wir gote wol gevallen. 

Krist der uns geschaffen hÄl 755 

vertilge al unser missetat 
und uns gein himele wise 
in daz wäre paradise 
da daz werde an uns war 

daz uns enphdhe diu engelschar. 760 

nü sprechet alle gelich 
Ameuy daz ist billich. 
Z. F. D. A. I. IS 



IM 



DAS SCHWERT KONRADS VON 
WINTERSTETEN. 




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111 



In dem histoiischen muiseam zu Dresden befindet sich 
ein ritterschwert das der aofinerksamkeit wfirdiger ist als 



DAS SCHWERT KONRAOS VON WINTER^TBISN*. iM .' 

viele altertbümer dieser art. der director dieses masenms, 
herr doctor Kraukling, hat mir jede erbetene anskunft mit 
bereitwilliger gute ertheilt;- seiner gefälligen vermittelidft 
verdanke icb auch die genauen Zeichnungen nach denen der 
holzschnitt den ich hier mittheile gearbeitet ist« 

Das Schwert wiegt 9 pfund 5 loth sächsisches gewichs- 
tes, seine ganze länge beträgt zwei und eine halbe eile; 
knöpf und griff mefsen 13% zoll, die klinge 1 eile 22 ^^ 
zoll, das kreuz des griffes ist 12% zoll breit, die klinge 
am kreuze 3% zoll, die längsten zeilen der in die atfl- 
geschliffenen rinnen der klinge mit einer gelben composition 
eingelegten inschrift sind 12 zoll lang, ihre buchstaben, 
nicht alle von gleicher höhe, sind beinahe einen halben zoll 
hoch. 

Die Andeutungen für beschaner des historischen mn- 
seums von Quandt (Dresden 1834) gedenken s. 98 f. dieses 
Schwertes, und es ist lustig ihre worte zu vernehmen. *cs 
wurde im Wclfisholze in der erde aufgefunden und von däm 
grafen Johann Georg zu Mansfeld dem kurfiirst August I 
zum geschenk gemacht, also schon im 16 Jahrhundert wurde 
dieses schwert als ein merkwürdiges alterthum betrachtet, 
auf der klinge steht: 

F'ar Vinters tet er Hokgemvt 

Lagars deheinc u» er rvi. •-• a 

(Vor winters thut er hochgemutb - 

Lagernd daheime ans er ruht.) 
erinnern diese worte nicht an die welche Croethe dem hei* 
dengeist in den mund legt : 

Mein halbes leben stürmt' ich fort, 

Verdehnt' die hälft' in ruh? 
auf der andern seite der klinge steht folgender vers: 

Chtmrat vil verder Shenkc 

Hie bi dv mir gedenke, 

(Conrad vil werlher schenke! 

Hierbei du mein gedenke.)* 

Wenigstens seit der Schlacht am Weifesholze kann dieses 

schwert nicht dort in der erde gelegen haben; denn im 

jähre 1115 war der schmicd der es schmiedete noch nicht 

geboren, wer aber das lesen leidlich gelernt hat der wird 

13* 



196 DA& SCHWERT RONRADS VON WINTERSTETEN. 

durch des Schwertes Inschrift leider nicht gleich dem erfin- 
itdf dieser auslegung an Goethe erinnert werden ; auch wird 
er darauf verzichten müfsen durch so erstaunliche sprach- 
lormen wie das participium lagarx die beschauer in Verwun- 
derung zu versetzen, die buchstaben sind so deutlich und 
die folge der zeilen ist durch den Zusammenhang der werte 
so sicher bestimmt, wenn auch die zeilen die der reim bin- 
det auf einer seite stehen, dafs ich ein übriges thue wenn 
ich diese Inschrift in der Schreibweise die wir jetzt bei dem 
mittelhochdeutschen befolgen hierher setze. 

Kuonrdt^ vil werder schenke 

von ff^mtersfeten hdchgemuoty 

hie bi du mm gedenke : 

Id ganz deheinen ise7ihuot. 
in dehaine hat der schmied bei den verbundenen endbuch- 
Stäben auch noch die abkürzung des n anzubringen sich er- 
spart. 

Konrad der schenke vonWintersteten ist kein unbekann- 
ter mann, wie es scheint ein bmder Ulrichs, des lieder- 
dicbters. er kommt in Urkunden von 1218 bis 1241 vor die 
herr von der Hagen MS. 4, 132 f. angibt; zu vergleichen 
sind Zeugenunterschriften bei Pertz^ legcs 2, 230. 281.282. 
auf seine veranlafsung dichtete Ulrich von Türheim seine 
fortsetzung von Gottfrieds Tristan {des hat mit ßizc mich 
gebeten Kuorwut den^ schenk von ff^intersteten, daz ichz im 
ze liebe tuo z. 25 ff.); als der Ttirheimer, gegen 1250, die 
fortsetzung von Wolframs heiligem Wilhelm abfafste war 
Konrad verstorben und der dichter beklagt seinen tod ;^ so 
vlös ich an zwein Kuonrddn daz ich niht wol verwinden 
kan. was niht wol ein geprister man von Winter steten der 
schenke? dax got an im niht wenke ern hcer die enget sin- 
gen (Wackcrnagel, die verd. der Schweizer um die d. lit. 
29, Hagen MS. 4, 207). 

Für denselbon Konrad von Wintersteten dichtete Rudolf 
von Ems seinen Wilhelm von Orleans, gegen den schlufs 
des gedichtes sagt Rudolf (Adelungs nachr. 1, 83, Hagens 
grundrifs 196): 

mich bat ein tugent richer hell, 
dei' däßtr ist uz erweit 



DAS SCHWERT KONRADS VON WINTrafiTBTBN^ W 

er st an hohem muote^ 

an wirdekeit mit guote 

wahsende aller tägelteh, 

daa ich dar an arbeite mich 

ze dienste siner frouioen^ 

daz si geruochte schouwen 

sines herzen willen dran, 

daz er ir stceter dienestman 

immer stcete wesen wil 

getriwelich al siniu zil 

als er ir her gedienet hat. 

daz ist der schenke Kuonrdt 

von fVintersteien : dar den hau 

ich mine arbeit dran getan, 

als ich hdn hie vor verjehen. 
vorher nämlich, in seinem gespräche mit der Abenteaer, 
hatte Rudolf gesagt (Wackern. altd. leseb. 606 f.) 

vrou udventiure so wil ich 

mit tu gerne arbeiten mich, 

daz ir mit gäetlichen siten 

geruochet sine vrouwen biten 

daz si durch wibes giiete, 

im hcehe sin gemüete, 

der er mit stcetem muote 

mit libe und auch mit guote 

wil iemer dienen siniu zil, 

durch den ich iuch tihten wil ; 

und manet si der werdekeit 

die got an si hat geleit 

also lobeliche, 

daz si in vröuden riche 

und daz si siner stcete 

durch ir lugende riete 

ze guote an im gedenke: 

daz ist der werde schenke , 

der höchgemuote Kuonrdt 

von IVinter steten, der mich hat , 

gebeten durch den willen sin 

daz ich dur in die sinne min 



198 DAS SCHWERT KONRADS VON WINTERSTETEN. 

arbeite und deich iuch tikte 
in rehtcr rime slihte. 
Die inschrift des Schwertes stimmt wörtlich mit den aus- 
drücken das ist der werde schenke^ der hdchgeniuote Knon- 
rät von ff^in ferste ten, die auch in der andern stelle Rudolf 
in gedanken hat wenn er Konrads höhen muot und wirde- 
keit preist, ich glaube nicht nur dafs das schwert als gäbe 
für diesen Konrad von Wintersteten bestimmt war und nicht 
für den spätem von dem herr von der Hagen MS. 4, 133 f. 
handelt, sondern ich wage die Vermutung dafs schwert und 
inschrift von Rudolf von Ems herrühren und dafs die aus- 
drücke der inschrift absichtlich von ihm im Wilhelm wieder- 
holt wurden, mich bestärkt darin dafs höchgemuot zwar 
überhaupt im 13n Jahrhunderte kein seltenes wort ist, aber 
ein lieblingsausdruck Rudolfs, wenigstens im guten Gerhard, 
er braucht ihn, wenn ich nichts übersehen habe, dort drei- 
undzwanzig mal (1962 (der werden höchgemuoten), 3295, 
3489, 3506, 3580, 3596, 3665, 3936, 4517, 5176, 5220, 
5484, 5660, 5728, 5825, 5832, 5896, 5909, 5924, 5946, 
5973, 6026, 6052). auch höher muot und höchgemüete 
sind Im Gerhard nicht selten. Wolfram von Eschenbach 
sagt in einem licde (7, 40) und im Wilh. 412, 7 gros ge- 
muot; in den 24810 Zeilen des Parzivals hat er mehrmals 
höher muot (409, 18. 437, 27. 533, 7. 736, 7. 737, 15. 
742, 5. 769, 14. 822, 14) und höchgemüete (96, 17. 503, 3. 
541, 4. 622, 27. 743, 7), aber höchgemuot nur viermal 
(261, 8. 596, 13. 618, 11. 686, 27). etwas öfter sit\\i höch- 
gemuot in seinem Wilhelm (18, 8. 23, 28. 24, 11. 30, 3. 
33, 3. 98, 9. 313, 23). Hartmaun von Aue kennt weder 
höchgemuot noch höher muot noch höchgemüete y sondern 
nur das tadelnde unrehter höchnuot^ Erec 1229. 

HAUPT. 



IW 



ZUM GUTEN GERHARD. 

Ich stelle hier zusammen was sich mir zur berichtigung 
meiner ausgäbe des guten Gerhard von Rudolf von Ems 
ergeben hat; das wichtigste davon sind mittheilungen Lach-- 
manns und fVackemageh , 

Vorrede s, ix. Rudolf von Steinach wird in Urkunden 
von 1209 und 1221 als zeuge genannt, 1227 bei Ildefons 
von Arx ist ein drticlffehler, den herr von der Hagen MS, 
4, 257** berichtigt. s. xi. meine Vermutung dq/s Rudolf 
von Ems den Alexander später als den fVilhelm gedichtet 
habe ist falsch, im Alexander wird des Strickers als ei- 
nes lebenden gedacht {Hag, MS. 4, 867^ swenner wil, der 
Slrickscre, so machet er guotiu maere), im fVilhelm {Hag, 
MS. 4, 868") ist der Stricket* todt und von allen im Alexan- 
der ej*wähnten dichtem lebt nur noch der Türheimer, 

Gerhard 4. in guot wie Trist, 5. 383/*. mit der daz 
lebelicbe leben lebelicbem ist gegeben, Lachmann, 7SSf 
gezieret, der mantel gefurrieret Lachmann, 1039^. danne 
menschlich güete. mit blüendes bluomen blüete blaote got- 
lich güete Lachmann. 1111. es 1199. ze Dämaso 
1388. hie niht werren mit B. 1591. kein comma. 
1595. daz 1613. manege 1672. kränz, wid \67S und 
1674 getilgt. Benecke, 1753. ik si diu funfzehende saz 
{ebenso vermuten Lachmann und fVackemagel. im Erec 
2565 ist nichts zu ändern.) 1865. tuost ab duz Lach" 
mann, 1941. ganzer (ganzem ist kein druckf ekler ^ son- 
dern ein übersehener fehler der hss.) 1995. vernünstic 

2276. lebendic mit B. 2381. sender Lachmann. 
2560y. nach vrö comma, nach Mercuriixs punct. 2594. ouch 
gedinge 2595. verg^. 2598. nötdiirften 2601. die 

{nicht diu) 2ßA7f. dia disen beiden sträzen ir und. mk- , 
zen Lachmann. 260^» gesant Lachmann. 2674. wset- 
liche Lachmann. 2711. 'nein, vil Lachmann, 

2722. ich wil bürgen unde pf. fVackemagel. 2736. doch] 
iuch ff^ackemagel. 2763. hiez Lachmann. 2798. dö 



MM) ZUM GUTEN GERHARD. 

Iwelten {ebenso Benecke Lachmann WackemageL) 
2804. den-Rin Lachmann. 2835^. hant. dö niemen \k 
niht anders vant wan m. 1. fr. lip, 'lieber IVackemageL 

2843. jä sich, ich lie Lachmann. 2852. sich uiemen 
Unbilden sol (ebenso Lachmann.) 2S90f. s6 ritterlicher 
wsBte die si mit Lachmann. 2894 J^. ir willen hAte ich 
huole, war m. fr. s. j. sd gar m. k. t. in süezer k. trüege 
ir sp. Lachmann, 2909. mit liebe kraft 3096. jft, 

herre vater min: 3105. und ez mü .A. 3338. unt 

wegzulafsen mit B. 3367. hoehen 3400. dise Lach- 
mann. 3804. beschehen.' 3808. swen 3863. mir 
wie nach AB, 4021. kr6n unde lip 4071. niemer 

4209. von im mit AB. 4314. diemüetlicher {der- 

selbe Umlaut ist herzustellen 4322. 4324. 5450. 6902.) 
4370. swie] s6 Lachmann. 4385.? mit gliche bernder 

genuht 4439. nu wegzulafsen mit B. 4448. libe 
4552. alle 4582. spottest (tt auch 4584. 6862. 6864.) 
4595. dir. 4624. herzenliebes süezer lip Lachmann, 
4658. si s6 vrö Lachmann, 4739. beide 4763. vil 
manegen lip 4817. als ungemüetliche g. Lachmann. 
4860. hövesche 4869. nimmer möre klagen fFackema- 
gel. 4903. iu 4909. <^licher 4941. Uge 5072. sanc 
5107. in] sin Lachmann, 5143. sich] sit Lach- 
mann. 5164. werre Lachmann und ff^ackemagel. 
5246. weinden mit A. vielleicht sus weinden si nach ir g. 
5249. hinne 5251. gewaTde (wie bewa»rde) PFacker- 
nagel. 5300. waz 5470. ze lihte gemuot (per gl. 

Walther 96, 13.) 5691. dA was 5979. herbergcn 

mit A. 5987. vor den herbergen r. 6134. lip (vergl. 
6711) IVackemageL 6286. bürgen IVackeniagel, 
6355. ^r unde 6372/. angeleit, und hAst enb. uns v. 
n6t: IVackemageL 6417. hinheim (ohne wider, vergl. 
6609.) 6690. wigt: 6718. stete (nach B) Wacker- 
nageL 6750. urdrützen 6783.? hän wir 6797. iu 
liebe kraft 

Eine anzahl unrudolßscher warAiinmngen können leicht 
verbefsert werden, lies 536. dine. 1799. umb einen 
1825. d6kom ein engel, wahte mich nach B. 2091. nseh- 
ne uns 2421. 2447. burcgrftv^n 2740. wesen iu Lach- 



ZUM GUTEN GERHARD. 901 

mann. 3507. gestüele in Lachmann. 3523,/. wir 

vlizzen uns in richer kraft m. z. gr6zer Wirtschaft: 
3539. ze korzewile, ez w. g. Lachmann. 3543. ? k^rte 
sinen gerinc 3649. krie in 3843. mine 4958. daz 
d6r lac hiute 5282. beherberget 5293. in sine hcr- 
berge zehant. 5320. dem wurdens gerne 5633. s6 mir 
Rrist 5706. ir kurzewile in 5772. dem herren guot 
g. oder dem herren ein geliropf 6271. lant krdne h6r- 
schaft oder daz lant, die kröne der harsch. 6616. vil 

groBzer, lobelicher 

Doppelter auftact ist durch folgende änderungen zu 
tilgen. 30. sin tat 41. g^n 892.? an burt 1352. sagt 
an 2061. wolt 2103. , gelihter {ohne und) 2209. ich 
halte 2569. mit süezem 2734. nach solher 

2788. prüeve] tuo Lachmann. 2794. 6031. zem 

2856. und alle 3658. von liebten b. 4091. des sä- 

hent 4116. diu minner 4135. ich bin arm, er riebe 
Lachmann. 5214. beilegen 5306. hänt 5541. viel- 
leicht blofs arme unde riebe 5568. der ruoche 
5790. nach des rehtes l^re oder nach rehtes rehter 16re 
5802. sines zu streichen? 6017. in der herberge g. 

6071.? was jämer ir geb. 6077. er verseite ie dar 

unt dar 6086. mit gewisser s. 6221.? saeld, 6re 

6255. 6673. ditz 6478. durch die gotes minne 6501.? 

d. d. künec, die k, 6555. ob ich bi iu möhte b. 

6588. nie schieden 6829. mit schrift 5924 hat durch 

den namen entschuldigung ; Willalm tväre mir bedenklich. 

aber wie dieser seile beide hss. ein überladendes künec 

voranstellen so scheint künec auch 4190. 5611. 5863 nicht 

von Rudolf hersurührefi, 

HAUPT. 



202 



EIN MÄRCHEN AUS DER OBERLAUSITZ. 

Es war einmal ein müUer, der war reich an geld und 
gut und führte mit seiner frau ein vergnügtes leben, aber 
Unglück kommt über nacht ; der müller wurde arm und konnte 
zuletzt kaum noch die mühle in der er safs sein eigen nen- 
nen, da gieng er am tage voll kummer umher, und wenn 
er abends sich niederlegte fand er keine ruhe, sondern ver- 
wachte die ganze nacht in traurigen gedanken. eines mor- 
gens stand er früh vor tage auf und gieng ins freie ; da dachte 
er sollte ihm leichter ums herz werden, als er nun auf dem 
dämme an seinem mühlteiche soi^envoU auf und nieder gieng, 
hörte er es auf einmal in dem weiher rauschen und als er 
hin sah da stieg eine weifse frau daraus empor, da erkannte 
er dafs es die nixe des weihers sein müfse und vor grofser 
furcht wüste er nicht ob er davon gehen oder stehen blei- 
ben sollte, indem er so zauderte erhob die nixe ihre stim- 
me, nannte ihn bei namen und fragte ihn warum er so trau- 
rig wäre, als der müller die freundlichen worte hörte, fafste 
er sich ein herz und erzählte ihr wie er sonst so reich und 
glücklich gewesen wäre und jetzt sei er so arm dafs er sich 
vor noth und sorgen nicht zu rathen wiTse. da redete ihm 
die nixe mit tröstlichen w^orten zu und versprach ihm sie 
wolle ihn noch reicher und glücklicher machen als er je ge- 
wesen sei, wenn er ihr dagegen das gebe was eben in sei- 
nem hause jung geworden sei. der müller dachte sie wolle 
ein junges von seinem hunde oder seiner katze haben, sagte 
ihr also zu was sie verlangte und eilte gutes mutes nach 
seiner mühle. aus der hausthür trat ihm seine magd mit 
freudiger gebärde entgegen und rief ihm zu seine frau habe 
einen knaben geboren, da stand nun der müller und konnte 
sich über die gcburt seines kindes, die er noch nicht so bald 
erwartet hatte, nicht freuen, traurig gieng er ins haus und 
erzählte seiner frau und seinen verwandten die herbei kamen 
was er der nixe gelobt hätte, 'mag doch alles glück das sie 
mir versprochen hat verfliegen' sprach er, Venn ich nar 



EIN MARGHBl^, 208 

mein kind retten kann.* aber niemand wüste andern rath 
als dafs man das kind sorgfältig in acht nehmen miilse damit 
es ni^juds dem weiher zu nahe käme. 

iMr knabe wuchs fröhlich auf und unterdessen kam der 
müller nach und nach zu geld und gut und es dauerte nicht 
lange so war, er reicher als er je gewesen war. aber er 
konnte sieh doch seines glückes nicht recht freuen, da er 
immer seines gelübdes gedachte und fürchtete die nixe werde 
über kurz oder lang auf die erfüllung dringen, aber jähr 
auf jähr vergieng, der knabe wurde grofs und lernte die Jä- 
gerei, und weil er ein schmucker jäger war, nahm ihn der 
herr des dorfes in seinen dienst, und der jäger ireite sich 
ein junges weih und lebte mit ihr friedlich und in freuden. 

Einsmals verfolgte er auf der jagd einen hasen, der 
endlieh auf das freie feld ausbog. der jäger setzte ihm eif- 
rig nach und streckte ihn zuletzt mit seinem schufse nieder, 
sogleich machte er sich ans ausweiden und achtete nicht dar- 
auf dafs er sich in der nähe des weihers befand vor dem 
er sich von kind auf gehütet hatte, mit dem ausweiden war 
er bald fertig und gieng nun an das wafser um seine bluti- 
gen bände zu waschen, kaum hatte er sie in den weiher 
getaucht, als die nixe emporstieg, ihn mit nafsen armen um- 
fieng und ihn mit sich hinabzog dafs die wellen über ihm 
zusammenschlugen. 

Als der jäger nicht heimkehrte, gericth seine frau in 
grofse angst, und als man nach ihm suchte und am mühl- 
teich seine Jagdtasche liegen fand, da zweifelte sie nicht mehr 
daran wie es ihm ergangen sei. ohne rast und ruhe irrte 
sie an dem weiher umher und rief wehklagend tag und nacht 
ihren mann, endlich fiel sie vor müdigkeit in einen schlaf, 
darinnen es ihr träumte wie sie durch eine blühende flur 
zu einer hütte wanderte worin eine zauberin wohnte die ihr 
ihren mann wieder zu schaffen versprach, als sie am mor- 
gen erwachte, beschlofs sie der eingebung zu folgen und die 
Zauberin aufzusuchen, so wanderte sie aus und kam bald 
zu der blühenden flur und dann zu der hütte worin die zau- 
berin wohnte, sie erzählte ihr ihren kummer und dafs ein 
träum ihr rath und hilfe von ihr versprochen habe, die Zau- 
berin gab ihr zum bescheid sie solle beim vollmond an den 



204 ESN MÄRCHEN. 

weiher gehen und dort mit einem goldenen kämme ihre 
schwarzen haare strählen und dann den kämm ans ufer le- 
gen, die junge jägersfrau beschenkte die Zauberin rpichlich 
und begab sich auf den heimweg. 

Die zeit bis zum Vollmonde vei^ieng ihr langsam; als 
es aber endlich voUmond war gieng sie zum weiher und 
strählte sich mit einem goldenen kämme ihre schwarzen 
haare und als sie fertig war legte sie den goldenen kämm 
am ufer nieder und sah dann ungeduldig in das wafser. da 
rauschte es und brauste es aus der tiefe und eine welle spülte 
den goldenen kämm vom ufer und es dauerte nicht lange so 
erhob ihr mann den köpf aus dem wafser und sah sie trau- 
rig an. aber bald kam wiederum eine welle gerauscht und 
der köpf versank ohne ein wort gesprochen zu haben, der 
weiher lag wieder ruhig wie zuvor und glänzte im mond- 
scheine und die jägersfrau war um nichts befser daran als 
vorher. 

Trostlos durchwachte sie tage und nachte bis sie wie- 
der ermüdet in schlaf sank und derselbe tramn der sie an die 
Zauberin gewiesen hatte wieder über sie kam. abermals ging 
sie am morgen nach der blühenden flur und nach der hütte 
und klagte der zauberin ihren kummer. die alle gab ihr zum 
bescheid sie solle beim vollmond an den weiher gehen, auf 
einer goldenen flöte blasen und dann die flöte an das ufer 
legen. 

Als es Vollmond geworden war gieng die jägersfrau zum 
weiher, blies auf einer goldenen flöte und legte sie dann ans 
ufer. da rauschte es und brauste es aus der tiefe und eine 
welle spülte die goldene flöte vom ufer und bald erhob der 
Jäger den köpf über das wafser und tauchte immer höher 
empor, bis- über die brüst, und breitete seine arme nach seiner 
fran aus. da kam wieder eine rauschende welle und zog ihn 
in die tiefe zurück, die jägersfrau hatte voller freude und 
ho8*nung am ufer gestanden und versank in tiefen gram als 
sie ihren mann in dem wafser verschwinden sah. 

Aber zum tröste erschien ihr wiederum der träum der 
sie zu der blühenden flur und zu der hütte der zauberin 
verwies, die alte gab diesmal den bescheid sie solle sobald 
es vdlmond sein werde an den weiher gehen, dort anf einem 



EIN MÄRCHEN. 205 

goldenen rädchen spinnen und dann das rädchen ans ufer 
stellen, als der volImond kam befolgte die jägersfrau das 
geheifs, gieng an den weiher, setzte sich nieder und spann 
auf einem goldenen rädchen und stellte dann das rädchen ans 
ufer. da rauschte es und brauste es aus der tiefe und eine 
welle spülte das goldene rad vom ufer und bald erhob der Jäger 
den köpf über das wafser und tauchte immer höher empor, 
bis er endlich an das ufer stieg und seiner frau um den hals 
fiel, da fieng das wafser an zu rauschen und zu brausen und 
überschwemmte das ufer weit und breit und rifs beide, wie 
sie sich umfafst hielten, mit sich hinab, in ihrer herzeusangst 
rief die jägerin den beistand der alten an und auf einmal war 
die jägerin in eine kröte und der Jäger in einen frosch ver- 
wandelt, aber sie konnten nicht beisammen bleiben, das 
wafser ril's sie nach verschiedenen Seiten hin, und als die 
Überschwemmung vergangen war, da waren zwar beide wie- 
der zu menschen geworden, aber der Jäger und die jägerin 
waren jedes in einer fremden gegend und sie wüsten nichts 
von einander. 

Der jnger entschlofs sich als schäfer zu leben und auch 
die jägerin ward eine Schäferin, so hüteten sie lange jähre 
ihre herden, eins vom andern entfernt. 

Einsmals aber trug es sich zu dafs der schäfer dahin 
kam wo die Schäferin lebte, die gegend gefiel ihm und er 
sah dafs sie recht fruchtbar und gelegen sei zur weide sei- 
ner herde. er brachte also seine schafe dorthin und hütete 
sie wie zuvor, schäfer und Schäferin wurden gute freunde, 
aber sie erkannten einander nicht wieder. 

An einem abende aber safsen sie im voUmond bei ein- 
ander , liefsen ihre herden grasen und der schäfer blies auf 
seiner flöte, da gedachte die Schäferin jenes abends wo sie 
am weiher bei voUmond auf der goldenen flöte geblasen; sie 
konnte sich nicht länger halten und brach in lautes weinen 
aus. der schäfer fragte sie warum sie so weine und klage, 
bis sie ihm erzählte was ihr alles widerfahren sei. da fiel 
es wie schuppen von den äugen des schäfers, er erkannte 
seine jägerin nnd gab sich ihr zu erkennen, nun kehrten sie 
fröhlich in ihre heimat zurück und lebten zusammen unge- 
stört und in frieden. 



206 



KLEINE BEMERKUNGEN VON JAC. GRIMM. 

MALBOTE. 

Moser osnabr. gesch. 2, 303 läfsl in einer Urkunde von 
1170 die zeugenanfiihrung mit folgenden namen schliersen 
Fredericiis, Thietmarus, Malbodo, das ist falsch; man tilge 
das comma hinter Thieimarus und lese Thictmiim^ mdlbodo, 
denn das letzte wort enthält nichts als das amt und geschäft 
des Thietmär, der gerichtsbote, frohne war. fndtbodo, ahd. 
mahalpoto ist praeco, der das mahal oder mallum ankün- 
digt, daraus kann nun freilich auch ein eigenname entsprin- 
gen, wie z. b. Bode ein ganz häufiger ist und in alts. Ur- 
kunden selbst Fadar, Mödar, Brolhar^ Si/star (Moser 2, 
240. 241. 281; T^aderkm 2, 321) als solche erscheinen; 
die traditiones iaureshamenses gewähren den eigennamen 
Mdlbodoy Mdlboto aus Karls des grofsen zeit (n° 865. 1283. 
1613). dafür aber dafs in jener urk. mäibodo würklich das 
amt ausdrücke entscheidet die Wahrnehmung dafs in vielen 
andern der böte als der geringste unter den zeugen an der 
letzten stelle aufgezählt wird, so a. 1254 (Kindlinger münst. 
beitr. n^ 76 s. 195) Hermannus preco$ a. 1339 (daselbst 
n^ 144 8. 387) Thiderich de vrone vnd ander giidcr lüde 
genuch; a. 1320 (das. n® 126 s. S36) presenü'hus ceteris li- 
beris ibidem ac vniversis preconibus ; a. 1263 (Böhmers cod. 
moenofrancof. s. 130) Rudegenis preco; a. 1299 (Höfers 
deutsche urk. n^ 26) Heinrich botil; a. 1299 ebendaselbst 
n" 27) Bertolt Urleybin, der in n° 23 als butel bezeichnet 
wird, es versteht sich dafs weder überall der gerichtsbote 
als zeuge vorkommt, noch immer an dem letzten platz; er 
ist zuweilen der vorletzte , z. b. bei Böhmer s. 23 hat der 
Sigefridus preco noch einen Heinricus arator hinter sich 
(a. 1215) und auf jenen Rudegerus preco folgen s. 121 zw«i 
andere zeugen, wie bei Höfer n^ 23 auf Bertold Urleyben 
zwei andere , n^ 24 auf Heinrich bütil zwei andere, nicht 
selten ist auch der villicus zuletzt aufgeführt. 



KLECVE DEMERKINGEN VON JAC. GRIMM. 



ACC. BEI ADJECTIVEN. 



^^V ■ Wir sagen beides, ich bin ifcs loben« milde und das le- 
^^E ben müde, des hntidefs Überdrüssig und den hftndel über- 
^V dräasig, wie auch lateinisch vitae pertacsus und vitam per- 
taestts gilt, wo aber don parlicip mcbr A-crhalkraft zoge- 
scfarieben werden darf als iiDsern adji^ctireD. daher das lat. 
part. für sich stehend beide construclionen verlriigt, i 
adj. nur im geleit von xei/i und teerden. oder hätte Bi 
setzen mögen der kniser vnd die kiinigin dm langen ha- 
der müde statt des langen hadere? ich zweifle, müde sein 

Poder werden nimmt uns die bedeutiing eines einlachen vcr- 
bums an das sich dem sinne von hq/sen, rerachlen und dergl. 
iiithert. inhd. bcispiele habe ich mir nicht angemerkt; ahd. 
finde icli blofs den gen. swpr dirre werttarbeite maode ist 
W. 26, 25! urdrmiu dissfs Hbes, vitae hiiiiis exosa N. 
Bth. 69 (Graff 67). 

Nicht anders beurtheile man die redensarlen los xria 
und werden, gewahr werden, ansichtig werden, welche bei- 
den letzteren schon gramm. 4, 758. 757 besprochen sind, 
steht der acc. dabei, so ist völlig die acüve bedcutung ver- 
lieren, gewahren, ansehen vorhanden, durch den gen. hin- 
gegen wird der adjectivische begrtf geschützt, beichtig seix. 
ti'ir oonflteri ist aulser gebrauch , doch das gleichbedeutigo 
geständig sein leidet wiederum beide casus , ich bi» ihm 
der schuld oder die schuld geständig, das mbd. gihlii- wer- 
dc/i, ahd. pigiklic werdan zeigen den gen., ih_ wii-du gote' 
bigihtic aliero miitero statlöno. 

Vom casus ahgesehn ist es zugleich armot nnil reich- ■*' 
thum schon unsrer ältesten spräche dafs sie viele einfache 
verba durch adj. mit. sein und werden umschreiben mufs und 
kann, im goth. haben sokhe adj. gern schwache Tomi, z. b. 
»sfilma, vshiiisla, usrfina, mgrudja (gramm. ^, 5711. 590). 
doch sagt tlf. auch sudiii vairpand =. salnrantiti'. mhd, 
beispiele verdienen Sammlung: sundic werden iticrndi, "«- 
Fstic werden prodi, leihnic werden, künßic werden, imnder- 
htifi werden mirari, li/ilös werden iierire. uhd. säumig. Ja- 
yi'f. ßUchlig, Irächtig, mannbar, rei/" werden n. s. W. 



1 



41 



208 KLEINE BEMERKUISGEN VON JAG. GRIMM. 

ZU STATT DES ZWEITEN ACC. 

Bei den Wörtern thurty machen^ gebeny nehmen, haben 
u. a. m. setzen wir die präp. au mit dem dat., da wo im 
griech. oder lat. ein doppelter acc. steht, schon goth. hiefs 
es täujan du gupa, du piudana (gramm. 4, 622); indessen 
bleibt auch zuweilen die griech. construction : hva gibip 
manria inmäidein sdwalos? %i Swoei äv&QtaTios avTciXkay/uct 
TfJQ 'tpvyJJQ Marc. 8, 37; gihands vadi ahrnan II Cor. 1, 22 
gibt den geist zum pfand (hier weicht die gr. structur ab); 
ik veitvöp gvp anaheita^ iyd f^ccQTvga %6v S-eov inixaXov^ 
fiMLi n Cor. 1, 23. dagegen ei uns silbans du frisahtdi g6- 
beima, Xva iaviovs %vnov dfofiev 11 Thess. 3, 9. belege für 
die präp. aus den späteren dialecten sind gramm. 4,823 — 825 
gesammelt, merkwürdig haben schon die leges Liutprandi 
6, 53 tollere ad uxoreniy wie man mittellat. sagte ungere 
ad regem, in regem, ps. 123, 6 bei N. der unsih iro za- 
nen se weido ni gab, dedit in venationem. Matth. 22, 28 
geban sin ferah zi losungu, Ulf. Marc. 10, 45 giban sdivala 
seina saun, es Anden sich aber noch hin und wieder mhd. 
beispiele des doppelten acc, wie Doc. misc. 2, 206 ich 
Mache dich ein wip (zu einem weihe), für den doppelten 
acc. kann es freilich zweifelhaft bleiben welcher das eigent- 
liche prädicat sein solle, z. b. consulcm elcgerunt legatum 
allenfalls auch heifsen: wählten den Icgaten zum consul. sol- 
chen zweifei löst aber, wenn nicht die nachsetzung des prä- 
dicierenden acc, der zusammenhäng der rede. 




I 



Auf geneigte venoendtag des knniglick preujnsc 
gesandten am kSnfglich niederländischen hoje, kernt gnt^^ 

Jen rnn Lottum, excellens, erlangte ich die vergiinstigwig 
mehrere handsckrißeti der königlichen bibUolhek und des 
reichsarclms im Haag m meiner behausung su benutsen, 
wodurch ich in den stand gesetzt wurde darüber genauer 
als bis jetist möglich war s» berrckten. dabei kann ich nicht 
ttmhin sowohl herm biblhlkecar Holtrop als herrn reichs- 
archivar de Jonge iiffentUck meinen aufrichtigen dank aus- 
zusprechen für die liberalitiit mit welcher sie mir die ie- 
nutzang der ihnen anvertrauten Institute erleichterten und 

ß'irderten. der von der hiesigen behörde ausgesprochenen 
Hoffnung atf gleiche freundlichkeil preufsischer behörden 
in ähnlichem falle wünsche ich su nuts und frommen der 
wifsensckafl eine recht freisinnige erfüllung. fühlbare män- 
gel des folgenden certuchs, namentlich in den literarischen 
nachweisungen, möge der umstand entschuldigen dafs ich 
hicrt und sj/mal in mnnen gegenwärtigen Verhältnissen, 
von quellen und hilfsmitteln ßlr das Studium vaterländischer 
(iteratur und spräche fast gänslich abgeschnitten bin. 

1. RUDOLFS VON EMS WILHELM VON ORLENZ. 

Die königliche bibliothek besitzt daium zwei bis j'etst 
unbekannte handsehrißen. beide waren noch unbenutzt und 
unpaginiert. 

A. n°. 730. pergamenthandschrfft in qaart, wahr- 
scheinlich aas dem ende des 13w j'ahrh., enthält 93 hlät- 
ler, die seile su zwei spalten, von Je 43 seilen, die scht-iß 
ist deutlich und wohl erhalten, von abkiirsungen finden 
sich nur die geteöknlichsten. die absätze beginnen abwech- 
selnd mit rothen und blauen unciiüens die anfangshuchsla- 
ben der mrte sind sHmmttieh atagesetst und rnth durcb- 
Z. F. D. A. I> 14 



210 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

st?^'chen. zwei gröfsere vncialen finden sichy die eine zu 
anfange des gedichts, die andere v. 2137, zu anfange des 
von IFackernagel aufgenommenen abschnitts. auf bl, 93 
stehen nur 8 verse, die handschrift ist aus der gräflich 
nafsauischen bibliothek gekommen^ wie diese notiz in schrift- 
Zügen des 15« jahrh. auf der räckseiie des übrigens lee- 
ren ersten Mattes beweist Dil boech höret zu dem Edeln 
vnd wailgeborne Jonk^n Johann, graue zu Nassouw, zu 
vyanden vnd zu dietz, Ilren zu Breda &c. vnd niaiyen van 
loen, grauynne vnd frauwen daselbst, siner huszfriuwc. — 
in ganz ähnlichen zügen liest man auf bL 93* Dil boech 
huert zu Joncher Johan, greue zo nassou, zo vyanden, vnd 
marien vä loen, synre huys>Touwe. 

B. n"*. 718. papierhandschrift in folio^ aus demi5n 
jahrh, , enthält 383 blätter, die seile zu einep* columne 
im durchschnitt von 30 versen, bl. 2 bis 8 enthält ein in- 
haltsverzeichnis von 122 capiteln des gedicktes, welches 
meist wörtlich in den überschnften einzelner abschnitte wie- 
derkehrt, der text beginnt bL 11* mit eb^em anfangsbuch- 
Stäben dessen ziemlich rohe versierungen die ganze seile 
bedecken und nur räum für die ersten vier verse lafsen; 
39 roh gezeichnete und noch roher colerierte bilder, die 
meist eine ganze seile einnehmen^ folgen in unregelmäfsi- 
gen Zwischenräumen, die schrift ist fett und grq/s, ohne 
abkürzungen und von einer und derselben hand. — auch 
diese handschri/t ist aus der gräflich nqfsauischen bibliothek 
genommen, auf bl. V befinden sich zwei roh gezeichnete 
Wappen mit der Überschrift Baden. Oslerich, und darunter, 
in Schriftzügen die denen der handschri/i ähnlich sind, 
Dyfs buch gebort miner frawen marggrefin der alten, dage- 
gen trägt bl. 2* die Überschrift Difs hoch gebort zu zinboecb 
van baden greifen zv nassow. — Die pergamenthandschri/l 
ist auf dem rücken bezeichnet Ouden Rcfireynen, die pa- 
pierhandschr\ft Poesie HoUandoise, und diese letztere ist 
ohne zweifei gemeint bei Mone, Übersicht der niederländi- 
schen volkslit. s. 54. herr prof Hoff mann hatte übrigens 
bereits im Konst-en Lettcrbode 1821. th. 2. f. 313 den von 
Mono gerügten irrthutn wenigstens so weit berichtigt da/s 
er in der handschrf/t einen theil des deutschen Wilhelm 



HANDSCHRIFTEN Qf HAÄt^ Sil 

von Oranse vermutete, von diesem aber konnte ick hier 
keine handschrift auffinden. 

Der jüngere text scheint übrigens einer anderen recen-^ 
sion anzugehören als der ältere; er bietet mehrfache lücken 
und theilweise ergänsungen dar^ trägt durchgängig eine 
spätere Jarbung, scheint aber ojt richtiger als jener, ich 
habe von der handschrift A abschrift genommen und diese 
mit B verglichen, zu vorläufiger beurtheilung des relati* 
ven werthes beider ha?idschrijten will ich anfang und rnide 
und die abweichungen von dem in fVackemagels leseb, 
s, 601^. gedruckten brtdchstücke mittheilen. 

A bL 2* Reyn tugiade wiser rat 
Vo edcls herzen lere gat 
Vf alUs lobis wMekait 
Den pris dw zieht alleine traii 
Och muz ain maa swar er getut 
Lob fn lobeliches gut 
Florieren vn statin 
In getriwes herzen ratin 
Ob er an im d* weite pris 
Hohin wil vn werdia wis 
Alle die getriwe sint 
Nennet man d* eren kint 
Nihtest niht getugin kan 

B bL 11* Reyner tagende wiser rat 

Von cdcles hcrtzen lere gat 

Ob alles lobes werdikeit 

Die pris die zucht allein dreit 

ll*" Ouch wurs ein man was er dut 

Lop vnd lobelichcn mut 

Florieren vnd steten 

In gedruwes hertzen teten 

Obe er an ime der weite p|is 

Höhen wil vnd werden wis 

Alle die getruwe sint 

Nennet man der eren kint 

Nichtes nicht gedugenden kan 

14* 






212 nANDSCmUPTEN IM HAAG. 

A Einin erin gerndin man 

So wol 80 recht bescaidenbail 
I)v alliu t&ginde kröne trait. 

• 

li Einen ercngerenden man 

So wol so recht bescheidenbeit 
Die aller lugende kröne treit. 

fVackemagcl 8.M\. (A bL 14*— J?. W.ÖS") 26. das!/. 
27.1eMiine^. sollicher J?. 28.Lob*cr^— -diz-^. Lobe — desicb 
priwe /?. 20. Er/?. 30. Ilabcr^i. gcdruwcn i?. 31. Anvals 
A. One val»ch sol er mir B. 32. dat A (und so gewöhn- 
lich), frwnlich A. Loben das ist frintliche gir B. fVackern. 
i, 602. (B bL 63**) 25. swzer — stwre A. (so gewöhnlich w 
statt in). 26. Oich — ofcnture B (so immer). 27. flechle- 
lichen siltcn A. Die des flchciichen bitten B. 28. Swic die 
orgorndcn A. ercngerenden i?. 29. miti?. 31. bitze i?« 
(A. bL 14*) 32. One B. 84. Wenn B (so gewöhnlich). 
35. vivrsprcchA, fVackem. s. 603. 2. gat euch dulte B. 
3. Iludolir nu fursprcch sprich nu dich B. 4. mare A (so 
immer), mer fehlt B. 5. An din — geuolghet A. 6. Nah 
der gowarin A. Noch der geworen worhcit B. 7. wals A. 
das welsch B. 8. Yro AB. 9. mochtent J9. 12. (B. bL 64*) veldich 
A. veldichon der /?. 13. uch i?. Kunde ^i9. 14«Lobeliche^ 
(so stets abgeschwächte endung). 15. owere AB. 16. ereckes 
dw^chstiHchen, dahinter crekcckes B. 17. den lovn A. dem 
leide gedichtet B. 18. eschen bach A. eschebach B. \9. mai- 
st^schalle A. von meisterscheffl B. 20. partsifalis A. parci- 
fales 7^ 21. hohin — stait A. noch B (wie oß o statt a). 
22. willames A. Sant wilhelmes B. 23. baten A. battent 
uch gegeben B. 25. hatin A. straTsborg hettent B. 26. Iri- 
slraui vä A^ So wol das tristan vnd B. 27* lieb der triwe 
vu A. liep der druwe vnd B. 28. Er B. wahin A. 29. spe- 
hiu A. 30« halle \ A. 31« hettint loch v*lan A. hettent 
ttok vertan B. 33« blickeren B. 33. gedinge B. (B. bL 64*). 
30« dvn dan A. Ihun denn B. 37« Von zetichoven vlrich B. 
38. lausolclcu A. lantzelelen B. 39. hat AB. fvrineten A. 
verdrelleu B. trackerm. s. 604. (.7. bl. 14*). 1. firunl von 
grofeubei{ B. 2. wanichw A. manliche werg B, 3. itmeA. 



HANDSGHRIFTBN IM HAAG. 213 

rote hei B. 4. wigeloisis ji. wigaleyses B. i. wirdiot A. 
wurdentj?. 6. frigcdanc >i, wolt — frigedangA. 7. waret-<rf. 
weren ß. 8. denn ß. 9. absolone AB. 10. batte ji* 
hat ß. 11, alse du marc A. also die B. 12. stovfare A. 
edele stoaffere B. 13. keyser ß. frederich A. 15. Hat- 
tent ir künde ß. Hatlent er kvnde gewümin A. 16. vns 
sprvnmin A. vns prunnen ß. 17. (ß. bl. 65*) w* vch A. 
were uch — beschehen B. 18. Dan A. denn ^. 

(Abschnitt in A). 19. warlt baz uolkomin (onch/ehlt) A. 
Rworent euch des wilkomen ß. 20. Hatte AB. iewer A. 
nwerB. 21. ileg B. 22. Do ^j9. 23. blanseflars A. blantze- 
flures B, 24. Och war iewer A. wer uwer B. 25. bazir 
ecowe A. 26. linowe ^. dem von iindouwe B* 27. eikiofs 
A. ereckes i7. 29. wallare ^. wallere i7. 30.bat — sti- 
cbare A, strickere B. (inchjhklt ß). 31. denn ich ge- 
richtetj?. 33. blSrntal^^. Also danyelen von blagentalJS. 36. si- 
nen A. (B. bl. 65^) 39. hohin loh A. gotfrid B. IFackem. 
s. 605. 1. kvnde A. inchjhhlt B. 3. ieman A. yeman ß. 
4. hat V A. hat uch /?. (A. bL 15") 5. iTre aelbrecht A. 
6. keminat A. kemnate B. 7. Die A. meisterlich B. 
8. soldent A. soltent B. 11. Die v5 ze A. 13. et ich A. 
thi fehlt B. 14. vnz A. 15. disen A. selbe J9. 17. lie- 
zet w A, ir Jehlt A. Wenn liessent B. 18. twr hamare A. 
(B. bl. 66*)- 19. Die^. 20. Zem ^. Zu B^ 21. h&t 
fehlt B, 22. nuweliche ^. 23. sin B. 24. guter Spruche w^. 
spriche B. 26. Von A. 27. dies ^. eins B. 28. Noch 
glichen sich wil noch sol B, 30. ime ist gesehin A. 31. Dies 
sol men — sehin A. sehen B. 32. do kan ß. 33« er fehlt A. 
34. mich w^J9. 38. Obe in guün A. Obe ime in gutem B. 
39. besl^i. fFackem. s. 606. (/?. W. 66^). 1. täte A. ich 
obe ich B. 2. Of ^. Obe B. 3. strorsburg j9. scribare A. 
4. Wolle dise B. 5. warin -^. 8. Wo B. (A. bl. 15*»). 
10. kumit sint vb^horin A. 11. Wenne er ist besserunge B. 
12. vrunt va solt A. frint her fasolt B. 15. kunnent B. 
16. kunst an uch B. 17. ich fehlt A. er haitin y^. erbei- 
ten B. 18. Vn wiair mare beraitin. (B. bl. 67*) 21. ware^. 
22. Woldestu A. 24. erbeitcn gerne B. 25. Dat er^^. 26. Geru- 
chentJ9. sine'^. 27.dvrwibesgvle^. gutei?. 28.hohesinge^ 



214 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

mvte A. Ime helffeni sin gemute B, 29. Dat — statin^. 
80. liebe vfi oicb A. (29 und 30 in A umgestellt) 31. sin JB. 
82. uch nu dichten B. 33. Vn manent A. 34. hat an su B, 
fVackem. s. 607. 1. kvnrait A. hochgeborne ciinrat B. 
(ÄW. 67*'). 2. wint*s tetin — hait^. winterstete i9. 3. wiüe^. 
fVackem. s. 608. 2. vn dur vch A, Erbeite vnd vch dichte. 
3. In rechte rime richte A. Vnd rechte rime mich richte JJ. 

Schlufs : 

A ÖL 92*^ Swelch min frünt mer fründis rat 

Ir zeygit ane missetat 
93* Ob mer du rat ze statin stat 

Vß mich nicht tumphelich irrin lat 

Der tut mir wol zwie is irgat 

Vn lit an mich d* triwin wat 

Daz ist eyn fruntlich getat 

Dissv mare al hie ende hat 

Got gebe vnz allin zo ze inden 

Daz wi zine gcnadin vindin. 
die beiden letzten verse durchstrichen. 

B bl. 382^ Wellich min frunt mir frundes rat 
383* Er zeiget one misscdat 

Ob ir der rat zu statten stat 
Vnd mich nit vndcrwcgen lat 
Der Iclt un mich der druwen wat 
Vnd diit mir wol wie er ergat. 



2. WILHELM VON ÖSTERREICH DURCH 
JOHANN VON WÜRZBURG. 

iV* 720. papierhandschriß des \6n Jahrhunderts in ßf* 
lio; enthält 150 blä'fter, die seit9 xu awei spalten voH 
durchschnittlich 29 — 36 seilen, das erste und letzte blatt 
der ersten läge {wäre bl. i tmd bt. il) fehlen, von bl. 150 
sind spalte a tmd b und Mur kälfte spalte c beschrieben, 
die tvq/sennärke ist bl. 1 — 79 ein ochsenkopf, bl. 80 — 133 
ein jagdharm^ hL 134 — 150 ein krauses halb unregelmäßi- 
ges «aMen« bl. 126 — 160 sind sehr wurmstichig um unr 



.1: 



HANDSCHRIFTCM IM KAA«. tl5 

teren rande, so dq/s j^Mksmal der iet^stsn ifder den beiden 
letzten zeilen txm spalte a und d einige buekstaben feh- 
len, sonst ist die Handschrift gut erhaäen. der band trägt 
das nafsauische teappcn wid aUf dem rUckefi den titel Vers 
holiandois. dieselbe deutliche kand geht von (t^fitng bis 
ende, bald sorgfältiger^ bald flüchtiger, von ftbAüraungen 
finden sich nur die geivühnlichen, es fehlen, ohnedt^fs eine 
lacke im text bemerkt ist, qfi einzelne verse, vielleicht 
auch grijfsere parä'en^ zuweilen ist ein vers »weitnal hM^ 
ter einander geschrieben, die nr^fiinge der absetze haben 
rothe unciülen, die affangsbuchstabcfi der einzelnen »eilen 
sind nicht ausgesetzt aber roth durchstrichen. 

Diese handschrift, die ich auch noch Ttnpagintert vor- 
fand, ist, freilich rmr beiiätifigj erwähnt von herm prof. 
Hoffmann, Konsi^en Letterbode 1821. th. 2. )p. SIS. 

Da die von Docen bereits in Aretins beitragen 9, 
1206 ausges])rochene hoffnung auf eine baldige ausgäbe 
des i/itcressa/ite/i gedichtes bis heute unerfdllt geblieben ist, 
so dürße elfte knrze Inhaltsangabe desselben bei gegenwär- 
tiger gelegenheii wohl ihre rech(fertigung in sich settil 
tragen. 

Docen gibt s. 12Ö2 den anfang nach d^ Göthüer hds. 

Wol dir menschlich figur 

Swa du bist der natur 

Daz (laz edel herlzc din 

Viid diniv oren Dement in 

Swaz man gutes von dik* sagt t/. s, w. 

Unsere luindschrift beginnt [Aretin 9» J205 

Ahi kunst vndc witE% 
Nu grifct zu ich sitze] 

bL r In gedihlcz sinne 

Jugent ahentaer n\^^ü 

Daz tini dies« dru 

Wer sie ttynel off »kl tfuwe 

Batcheidenlich da< tot ettt ait 

Dem alles eilende {D. aelUv sttide) volget mitt 

Wem (Wen) «fe leU M grw genubi 



216 HANDSCHRIFTEN UI HAAG. 

An mine an abentaer an zahl 

Daz wn (Daz da von) niht zu sagen hat 

Einer der sich nit verstat 

Waz hoher eren lit an in u. s. w. 

Hersog Lupolt von Ostreich fahrt gen effesam Do sant 
Jobannes inne lit, tan gott ssu bitten, dafs er ihm äureh 
diesen einen erben gebe, ein nordsturm treibt das mßrH- 
tische schiff nach dem königreich Zisia, dessen kdnigAgrant 
den herzog als berühmten ßtrsten begrüfsL obschon heide 
schliefst er sich der wallfahrt an, denn er ist auch kin* 
derlos. die fUrsten vollenden ihre reise glUckUch und lAh 
polt kehrt heim von Zixia aus, vorüber der küste von Pa- 
mionil dem windischen lant, durch die Stadt Roniysalat, 
die wüüsten Romanie, durch Balgarie, durch riiszen tauf 
durch niffen lant. bald zeigen sich die wilrkungen der be^ 
tefahrt. Lupolt nennt seinen söhn fFtlhelm, Agrants tack-' 
ter erhält im bethause vor AppUus {Apollo?) den namem 
Aglie. 

Der junge hersog wächst auf in allen ritterlieken iur 
genden, aber die minne quält ihn und zeigt ihm allnäckt- 
lieh im träume Agliens bild. im ganzen lande ist keine 
solche Schönheit zu finden, keiner der benfenen maier katm 
sie erreichen* da rilstet der knabe heimlich ein schaff und 
Jährt die Donau hinab, die unbekannte zu suchen, sie komr 
men in mare ponticum und sehen eine kleine insel; das war 
aber ein fisch, cetus, auf dessen rücken vor alter em wald 
gewachsen. fVilhelm steigt hinauf, die silfsen pflanzen zu 
kosten; da regt der fisch seine flffsen und schwimmt davon, 
die Schiffsleute trieb ein nordsturm wieder gegen tnrmenia, 
der fisch aber strich gegen Zizia. der erschrockene knabe 
steigt a^f des baumes äi{fsersten gipfcL 

Am folgenden morgen hat der fisch das land erreidU, 
sich aber so tief gesenkt dqfs nur der bäum über dem 
wafser zu sehen ist. der marschalk fFigerick war an 
die küste geritten Mim zu beizen, er rettet den knaben und 
bringt ihn nach Tumgen^ länig AgranU bester bürg. 
Agrant nimmt ihn als von Apoll gesendet an kmdes 
statt an. Rial, so nennt sich fFÜkelm fortan tm$ varsickit 



HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 217 

erkennt in semer gespieUn Aglie sein traumbäd. Lupolts 
klage über den vertust seines kindes, 

(lacke, esjehlt das letzte blatt der ersten läge.) 
Die kinder plaudern über die minne ähnlich wie fFtl- 
heim und Amelie im JVilhebn von Orlenst. ssufälUg be- 
lauscht der vater eine zu naseweise Unterhaltung und be- 
schliefst die kinder zu trennen um gefährliche folgen zu 
verhüten, die minne aber lehrt sie briefe in einen ball ge- 
näht beim spiele sich zuzuwerfen^ und so geloben sie sich 
ewige liebe, 
bl. 15^ Owe zart* meinst* Uar 

Gnedig* straTsbarg* 

Gotfride ein gut* dicht* 

Heile ich die sinne din 

Bitz daz ich der firanwen min 

Geseit danck an dirre stont u. s. w. 
Konig Taiwan in Frigia Iqfst um Aglien werben und 
kommt bald darauf selbst mit grqfsem gefolge an. neuer 
briefwechsel altes Inhalts durch den ball, vcrgleichung det* 
minne mit einem spiegel. — plötzlich erschallt das gerächt 
dafs der könig von Marroch in Frigia eingefallen sei. 
die hochzeit wird unterbrochen. JValwan zieht eilends heim 
und nimmt seinen nebenbuhler mit. nochmaliger briefwech- 
sei durch den ball. Rial wird von fFalwan gen Marroch 
geschickt, dem konige zu widersagen, nachdem er zuvor 
geschworen diesen auftrag vollständig zu erfüllen. 

Drei tage nach seiner abreise von Smyrna begegnet 
ihm in einem walde das weitläufig beschriebene haupt der 
Abenttier, welches ihm, einen brücken gibt der aller oben- 
teuer fährte in allen landen kennt, der hund fährt ihn 
durch ein ehernes thor im gebirge, das sich alsbald hinter 
ihm schliefst, durch donner und finstemis gelangt er an 
ein herrliches thal von einem feurigen gebirge begränzt. 
er sieht allegorische gestalten und besiegt einen ritter Ja* 
raphim^ der ihn darauf durch das feuer mit nach seiner 
bürg ninmt. dort schenkt ihm dieser einen silberweifsen 
heim, den könig Sadoch getragen und einen schiU aus 
ebenholz mit salamanderhäuten überzogen, beide wunder- 
sam verziert und heilbringend dem reinen, darauf erklärt 



218 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

er dit bedeutung alles dessen was Riai gesehn^ schenkt Am 
ein pferd und entUifst ihn wieder durch dasselbe thor durek 
welches er eingetreten war. 

In einem walde errettet Rial sodann eine jungfirau die 
Darius aus Media geschickt hatte dem könig von Marroek 
SU widersagen^ in der Voraussetzung dafs sie um wibes 
namen verschont bleiben werde^ aus den bänden von seehe 
männern die sie auf befehl des kbnigs hängen wollen. 
sie ersählt darauf die sitte des königs von Marroch (daji er 
jeden boten tödte der gesandt sei ihm su widersagen), er aber 
setzt mutig seinen weg fort und kommt noch bei nacht 
vor Arimont an^ wo vor alten Zeiten Virgüius ein zauber- 
werk gebaut halte, unter einer riesigen linde befindet sich 
ei?i kühler brunnen und ein gestähle aus erz künstlich ge- 
gofsen, mitten drin an die linde gefügt steht ein stfsel 
aus eitel gold vom Kaukasus, oben drüber geht ein ge- 
wölbe geschmückt mit goldenen lilien und mit gestein und 
in ihm hängt ein hom. in den sefsel wirft sich Rialy er- 
matlet von der reise, um zu rasten bis an den morgen^ ehe 
er sein todbringendes versprechen erfüllt, da plötzlich wird 
er emporgehoben, mitten unter die gestirne des gewölbes, 
verwundert glaubt er sich im himmel. über der klage um 
Aglien bricht der morgen an und die wächter ste/ien iM 
ihre hörncr. Rial meint es gehe zum jüngsten tage und 
hilft 7iach kriißen blasen auf dem home das er neben sich 
findet, so dafs der könig Melchinor von dem tone in seinem 
bette erschrickt und alle weisen Agrimonts zur berethung 
wecken läfst, denn nur einen nigromanien oder einen überaus 
würdigen kann der stuhl aufgesogen haben, mänmer und 
firauen strömen hinaus um zu sehen. Rial klagt oben gegen 
sie dafs man ihn also g^angen halte und steigt naek 
Mclchinors gehe\fs a^f einer leiter herab, mit blitsesichneUe 
schiefst auch der s^sel herunter an seinen alten ort* MeU 
c/iinor erklärt, nachdem Rial sich seines aqflrages enil^ 
digt, er müfse ihn trotz seiner Würdigkeit hängen Iq/ken^ 
doch zieht er atff den rath eines fürsten zuvor mach Ar/- 
dak, Kaliff, den habest darüber zu fragen, der aber ent* 
scheidet, der g^angene sei von goit JUaehumet zu ihrem 
heile gesendet, sofern er ihnen mämUioh ^tgrM die feinde 



HANDSCHRIFTBN DI 1IAAG% tn 

beistehen werde. Rial eraählt sein schMtsal und erbitM 
sich Melchinars hilfe gegen den hinterlistigen fValwan. 
Melchinor verspricht sie gern und rüstet mit aller kraß, 
aus der ganzen heidenschaß kommen ßttsten und volker 
zu haufy auch könig Koradinus von Jerusalem und fVelf 
von Judea, und stehen vor Smyma. 

Unterwelten war könig Agrant mit Jrau und kind und 
grojsem geleite nach Frigia gefahren, mutter und tockter 
rettet er eilends noch in die bürg Frien oberhalb Smyrna, 
sich selbst aber wirft er mit dem beere in die stadt, um 
dem könige fValwan eu helfen. Aglie klagt um Rialy 
den sie von der mauer aus sieht ohne ihn zu erkennen, er 
aber hat nicht sobald das vorgefallene erfahren als er ei- 
nen brief an sie schreibt und durch ein weidemenlin in 
die feste besorgt, sein falke mufs von Agliens finster eine 
turteltaubc holen welche die antwort unier demflilgel trägt. — 
auch dem könig fValwan kommt nun hilfe von allen sel- 
ten auf Agrants Verwendung, beide beere ordnen sich zur 
Schlacht. IVilhelm, schon seit lang der beständige beglei-r 
ter von fVildchelmus^ dem söhne MelchinorSy wird zum rit- 
ter geschlagen, nach hartem kampfh tödtet er den fVal- 
wan und fängt den könig Agrant. eine lange Schilderung 
zählt die thate?i der einzelnen JUhrer von beiden selten auf. 
das heer von Zizia und Frigia flieht, Smyma wird genom- 
men, ffllhelm wird zum hauptmann der stadt gesetzt 
und hoch geehrt, zur Vermeidung weiteres kampfes wird 
auf des königs von Tratzia rath beschlofsen Aglie mit 
fVildonis, Melchinors söhne, zu vermählen (demselben der 
oben fFildehelmus hiefs). — der dichter schilt die minne, 
sie verteidigt sich : 

bl. 75 Die myne sprach wez zihcstu mich 
Lieber dieprecht wie sol ich 
Hie die grofse clage herwern u. s. w. 

sie sei an dem letzt beschwomen vertrage unschuldig, wer* 
de aber ^ßir die sukunjt wohl noch rath finden. — zurü" 
stufigen zur hochzeit. fViUtelms und Agliens klagen, letz* 
terer, der nun seinen alten namen wieder angenommen hat^ 
holt si9 im at(/lrage Agrants^. welcher ihn noch nicht er- 



220 HANDSCHRIFfEN IM HAAG. 

kennt, aus der bwrg in die stadt, wo ne mit Jubel emfffii 
gen wird, neue briefliche liebesversicherungen. in der 
anstalteten tiost tödtet JVilhebn verkleidet den 
wird dem zu folge gtfangen, von Agrant und Melchmor 
erkannt und seines undanks wegen sum tode verurtkeiii. 
*er verteidigt sich und zeigt sich gefq/st zu sterben* der 
dichter fleht die dreieinigkeit und C/iristum insbesondere 
durch Marien und Johannes um rettung Jtir die beiden Ue- 
benden an, indem er zugleich AgUens ta^fe in aussicAi 
stellt, 

Wirstu (gott) der sele (Agliens) beraubet 

Wie zimet daz din* grofsen mäht? 
fVilhehns und Agliens klage. — Der dichter unterbricki 
hier die erzählung durch eine Verteidigung seiner selbst, 
worin er sich an die werden leute wendet und die dogent- 
losen verachtet, 
bl. 89 dar vmbe wil ich 

Dorch die bösen ez niht lan 

Wie lutzel ich der dugende kan 

Gesage nach irre wirdikeit 

Doch ist min dOmer sin bereit 

Dar zu mit siner mugende 

Dorch willen ower dugende. 
Ein alter weiser meister, Dedelus, hatte eine schone 
tochter, Parklise, die mit einem greifen durch die lUfh 
fithr und nun der königin Crispine von Belgalgan diente, 
sie hatte durch den teufel erfahren dqfs in Frigia ein 
grofser kämpf statt flnde und kam deshalb dorthin um 
den ritter welchen sie als den tapfersten erkennen würde 
zu gewinnen für die erlösung ihrer frau aus der gewait 
des teufeis. in dieser absieht hatte sie bereits vorher dem 
teufel befohlen genau aufzumerken was alles der kSnig 
von Marroch in der nacht vor seiner abreise von hause mü 
seiner frau beginnen würde, wie nun eben JVilhelm bereue 
gebunden wird um sum tode geführt zu werden, kommt 
plötzlich ParkUse mit dem greifen aus der lufi herunter 
und bietet Melchinom einen britf vom gotte Maehumet, dem 
sie aber eben zuvor selbst geschrieben* der kimig erschrak 
als er darin genau angegeben fand was niemand wusUi 



HAM)^flRIFTEm IM HAAlSv SM 

ak seine frau vn^ er. Mackumei aber bUM sich in dem 
briefe JVilhelmen aU9j damit ihn moriin, des tetifels söhn, 
tödte; so bleibe zugleich auch Melchinors ehre ungeschän- 
det. dem zufolge erhält fVilhebn seine JMheit und rOstung 
wieder und zieht mit Parkfisen doMm. sie berichtet ihm 
Unterweges die Wahrheit und findet ihn zu ihrem dienst be- 
reit. — j4gliens klage, heimkehr der k&nige.'^ 

fFilhelm gelangt endlich in das gebirge womit Merlin 
Crispinens reich umschlojscfi hat, kiannft unter gräulichem 
gewitter mit mehreren ungethümen und zuletzt mit einem 
riesen, dem zauberer selbst ^ den er zwar tödtet, aber selbst 
bewufsilos niedersinkend, von seiner keule getroffen, könig 
Gaigelet von Spangen, den der zauberer mit Jut\f köni- 
ginnen auf einer nahen bürg gefangen hielt, kommt ihm 
sogleich zu hiffe. Crispine eilt at(f die frohe nachricht 
auch nach der bürg Thimorat, und alle überhäufen JVil" 
leimen mit ehren, darauf wird Merlins saal zerstört und 
ritter und frauen ziehen nach Nobelterre, der Stadt der 
konigin. diese sagt fVtlhelmen dqfs sie ihn Hebe, er aber 
hält treu an Aglien und die konigin verspricht ihm, sich 
selbst verläugnend, zu ihrem besitz mit zu würken. 

fViederum wendet der dickter sich an werthe herzen, 
denen er die fortsetzung des mores kund tkun will, und 
nennt sich, 
hU 106 Jobannes d* dugende schiibere 

Heiz ich geborn vö franken 

Ir reine wip belffent danken 

Den die mich wMe halten 

Mit snnd* dinsl walten 

Han ich die aller wirde werg 

Minten ie von hobenberg 

Die grafen sini genenet 

In manigem rieb bekennet 

Hat sie ir wirdig* pris 

Daz schuir daz sele in padis 

Bi gote rogS musle 

Sin nam zu nennen susie 

Ist allen wMen hie doreh recht 

Ach wMer grafe albreht 






2» HANOSCHRIFTKN IM HAAG. 

Von beyerioch dorch frömde lant 

Waz din wMer nam genant 

Für hohenb^g ist beyerloch 

Kome für man nenet noch 

Auch sust myae bVen 

In allen landen vren. 

IVer dugent vnd ere mynet 

Billich d^ gewinet 

Seide dugent vnd ere 

Da vö min kranke lere 

Ich mit den wMen teile 

Dez biUfet dir mit heile 

Der von ingent ist herzogen 

Den schänden nie der eren bogen 

Vor gespanne künde 

Er bat in hetzen gronde 

le abentuer getratet 

Da vö man im billioh drutet 

Im wol dorch sine wirde 

Sin ynnerlieh begirde 

Stunt ie nach dugende Sachen 

Da vö man in sibt machen 

Hie manige buch vnd sobriben 

Allen reine wiben 

Sol er gefallen dest* bt& 

Wanne er mufzig nie gedas 

Er scbreip mit sin' selbez b^nt 

Waz im abentuer waz bekant 

Der hat diz buch mir auch geschrieben 

Dez han ich diz lop getrieben 

Zu dinste wäne erz vö schulde bat 

Zu ezelungen in der stat 

Sitzet derselbe bürgere 

Der diz vnd manig gnt mere 

Hat gehuset er ist genant 

Dieprecht d* werde wol berkant 

Die dugent vnd ere dmtan 

Sol er sin guten Inten. 



HANDSCHRIPTBN IM HAAG. etS^ 

Crispine will tim AgKen ßtr Wilhelm wirken, s&kemh 
bar aber ßir Batuk, den söhn ihres bruders Solndin , dem 
nls einem vogte über alle heiden Agrant seine techter nieht 
versagen werde. fVilhelm wird zu einem tumier nach 
Candia geladen und von Crispinen ausgeriistet. besehret^ 
bung des prachtvollen tumiers. dabei gedenkt der dichter 
IFolframs von Eschenbach (bl, 115)» in der bereits van 
Docen (Aretins beitr. 9, 1205) ange/uhrten stelle. IVit^ 
heim geunnnt die reiche zum preis ausgesetzte rästung und 
einen kuss von der königin. Aglien geschieht dadurch kein 
unrecht. 

Doch weiz ich wol waz iamers pin 

Liep kan nach liebe dulden 

Diz spricht mit huldeo 

Von wirtzburg iohannes 

W* min arme mannes 

Zu gut hie nibt gedenket 

Daz den solte krenken 

Truwe war er kerc 

Gelucke selde vnd ere 

Dar zu vmm* lobez bort 

Gebe im got hie vnd dort. 

ynfo kunst wo mut wo hetzen sin 

Fliegent vz vnd holt gewin 

Der wisen meinst' kunst 

Het ich kunst nach der gunst 

Dez mir etlicher gunde 

Ich weit hie zu stonde 

Riebe rede streuwen 

Tichlen mut kan freuwen 

Doch iehenl etlich 

Daz dibten nit so rieh 

Si als ez gewesen sy 

Dez wonet lutzel kunst by u. s, w. 
fFilhelm und Gaigalet wenden sich wieder nach Belgalgan, 
wo sie von der königin herrlich en^fangen werden, die sich 
bereits zur fahrt rüstet nach der Stadt Solia am Nilus, 
wohin auch Agrant kommen will, die bereits verhandelte 
hochzeit zu feiern, amku^ft vor SaHa, tumier daselbst. 



224 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 



i' dem prächtigen emzuge Crispinens erscheint fVilhebn 
in der unkenntlich machenden tracht eines sultans. nun 
folgt eine lebendige, gewandte, fast üppige Schilderung van 
dem widerstreben Agliens gegen den vermeinten sultan, 
van ihrem Jreudentaumel und ihrer hihgebung an den wie» 
dererkannten fVilhelm. sie verspricht ekristin zu werden, 
am folgenden morgen erfahrt Agrant mit schrecken den 
betrug, aber sein gefolge ist das schwächere und auch die 
biirger halten zu Crispinen. so scheidet er m unmAmCf 
AgUe aber fährt mit JVilhelm nach Belgalgan* 

König Agrant bietet die ganze heidenschcft auf in 
Asia und Afrika und zieht mit ihr gegen Crispinens reich; 
JVilhelm und Gaigalet hüten des landes feste bürg be* 
setzt. — zur selben zeit lagen Christen vor Chomit (Cogny 
1190?). ein fahrender mann bringt ihnen die künde und 
erzählt sie namentlich selbst dem herzog Lupolt von Öster- 
reich, der zieht alsbald mit den andern fUrsten über den 
Jordan gegen die heiden* atffzählung des heidnischen hee- 
res nach seinen ßihrem. unter den christlichen Juhrem 
erscheinen viele bekannte namen, unter andern 

Von swabc b'tzug friderich 

Kelser firideriches barn 

D* auch aldar waz gevarn 

Nach gottez reht stant sin gedank 

In einem wafzer er herdrank 

Off d selben verte 

Got den gewalt bescherte 

Sim son h^tzug friderich 

Dem do die Fürsten do alle gclich 

Zu keisers wirdcn weiten. 
die lange Schlachtbeschreibung enthält einige lebendige 
stellen und gelungene gleichnisse. namentlich werden die 
(baten der Schwaben hervorgehoben, die heiden werden ge- 
schlagen, könig Agrant Iq/st sich taufen und giebt all 
sein besitzthum an fFilhelm. die königin von Belgalgan 
heiratet den länig vom Spanien. 

fVHkebn zieht mä seinem vater nach Österreich, ver- 
spriekt aber Aglien auf den ersten ruf zurückzukommen, 
mutter und freunde empfangen ihn herzlich, seine ankunft 



HANDSCmUFTEN IM HAAG. ZU 

wird durch tumiere geeiert, dabm geht der dichter 'l^ißr 
auf das lob zweier österreichischer ßinten. 

Ich mein dich hochgeborn mani 

H'tzug fnderich von ost'rich * 

Vnd lupoiden d* ie sich 

Gewirdet hat vor die na leben ' " : \ 

Den ich ie diz gediht geÜen "! */. - 

Wil zn ercn daz ich han '' 

In diesem buch hie getan 

In irme dinst doch ist geschehen 

Wiszent niemät darff daz iehen 

Daz ich sie mme durch gäbe 

Mir sagente dicke die swabe 

Sie sint kark vnd geben nihl 

Dorch manige riehen man siht 

Von vam dane zu in 

Daz ich in holt in h*tzen bin 

Swie mir nie gut von in geschach 

Von in w* mir ein gut swach 

Dar vmbe ich prise einen man 

Der kp noch ere nie gewan 

&lv^iM^ leben 

Hackel kut ich geben 

Dia buA n im eren han 

Dorch kein gäbe ist daz getan 

Doch nieman sich sol gutez wem 

Wolle er sich mit eren nera. 

ein böte Agliens meldet die geburt eines sohnes der in der 
taufe den namen Friderich erhalten^ fVtlhelm kehrt auf 
einen brief von ihr zurikk* ein halbes jähr spater geht er 
trotz den bitten Agliens ein einhom zu jagen und wird 
im walde von den heiden überfallen und getödtet Aglie 
stirbt vor schmerz über seiner leiche. die dienstmamen 
bringen den jungen herzog nach Österreich, Lupolt und 
die herzogin sterben vor Jammer, die herren aber welche 
zu Österreich hörig waren sclucuirm,^ dem kinde. 

W* nu den fursten dam 

Vorbaz wolle pcfniit 
Z. F. D. A. I. 15 



jj 



ft •* 



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220 HANDSGBRIFTBN DM HAAG. 

. Und mit gpediht bewisen 
Daz er üi hoher wirdikeit 
Herwarb dem w^ min dinst bereit 
Vmm' dorch die dugende 
Ich han niht mer d* mugende 
Daz ich in voibaz leite 
Waz an dank arbeite 
Dribet daz wit v*droszeu 
In mir ist noch besloszen 
Vil wilder abentuer 
Die hVen mir zu stuer 
Geben einen ^amarzi 
Han ich aber niht da by 
So laszent sie mich mangeln 
Waz ich mit mynem angel 
Gefische in irme wage 
Swie vil ich ir hilff läge 
Von im gevahe ich nümer grat u. s. w. 

Ich ioh^es der schriber 
Diese abentuer ahtbere 
In latin geschrieben vaot 
Von zizia kunic agrunt 
Hiez sie also beschriben 
Mannen vnd wiben 
Die eren walten ichs ban 
Getutschet durch daz sie y*stan 
Waz truwe vnd w*dez leben sy 
Ich dun uch kunt auch da by 
Wie lang ez si daz ez gemäht 
Wart dorch die Fürsten geslabt 
Von ostVich beide 
Die aal ich uoh beseheide 
Do man von goiz g<»burt Meh 
Druzehen buiiderl iar dar nach 
Im dem rirsehenden iare 
Dis tat die zai rorware 
In der crulze wochen 
Wart diz buch wol gesprochen 



HANDSGBRIFTBN W RAAO^ 

HAd man vor id>6rg lig 
Manigen dag. 
darunitet m rotker schriß 

Hie hat diz buch eia ende 

6ot vns Anh heiligt segen sende^ 

Grqf Virich von Asperg verkmtft» seine grqfkckqfi M 
grqf Eberhard von JVOrtemberg i308. Üeset aber wurde 
oiff dem reichstage su Speier van Heinrich dem 7n in die 
acht gethan, verlor seine besitxungen und hielt sieh bei dem 
markgrqfen ßudoff von Baden aiif bis an Heinrichs tod 
\ZiZ. bereits im folgenden Jahre aber erscheint Eberhard 
schon wieder in »iemUchem ansehen und erobert wahrsehein^ 
Uch in detnselben Jahre auch Asperg wieder. EfsUngen 
hielt bis gegen den Juli 1315 xu Friedrich von Österreichs 

Ist unter der cratze wochen mit Du Fresne (hist. de 
st Louj/s par Jornville s. 44 der observ.) la semaine des 
rogations d. u die woche vor Christi himmef/ahrt $fu ver- 
stehen oder einfach die charwoche? 

3. J^JEDERSAMMLUNG. 

^ 72^* P^^§tm¥tir^^dsehr(ft in kleäf/blio^ wahr- 
scheinlich aus dm ay&ardr* Un JahrhunderU i enthält 67 
blätter, die seite )su jfe&jfc/fwi^ von durehscknittUoh etwa 
40 versen, von bL 28 Hickw. bis ende scheint eine Mweäe 
von der ersten wenig verschiedene hand geschrieben mu ha* 
bcHy auch einzelne stäche stechen gegen die andei*en ein 
wenig ab , einen ganz eigenthUmüch spitzen Charakter aber 
tragen die beiden franzSsischen stäche bL 21 rUckw. und 
bl. 42. manche buchstaben sind leicht zu verwechseln, nsh 
mentlich u und n, b und t, c und t, von abkürzungen 
kommen aber nur die gewöhnlichsten vor. die schr{ft istf 
bis auf eine anzahl vergelbter blätter, leicht lesbar, die 
Orthographie aber sehr sehlecht, und die spraehformen sind 
qfi so verdorben und unter emander geworfen dofi es schwer 
wird mit geunssheit zu entscheiden ob ein gedieht ursprüng- 
lich holländisch oder deutsch gewesen ist. 

Auch diese handschrf/i ist aus der Mf/sauischen samm^ 
lung, nach der notiz. bL 67^, Dil J^ech huerl so Joneb^ 

15* 



4 



HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

Maa greae zo nossoa zo Tvide Tnd Barien vmi locs sym 
bsTsmawen {dieser Joh. von Na/sau sUo'b 1475). 

Trots des schleckten ieartes und ungeaehtei dafi «cA- 
rert gedickte, offenbar aus der erimurung niedergesckrit' 
hen (bl. 52% n^ 90)^ nur als bruckstäcke ersckeinem, ver- 
dient die kandsckrijl dock eine ausjukrlicke anseige wegen 
ihrer Wichtigkeit ßtr beide litteraturen. aufser Noydekijny 
dessen einzige fragmenie prof. Hoffmann hier entdeckte, 
nennt sie Erentryck {pseudonym?). Augustin, Walther 
{von der Vogelweide), Vorbas , und ßtgt eine ziemliche an- 
%akl zu den aus andern quellen bereits von Mone verzeieh- 
neten äknlicken Überresten Jirukerer niederländiscker poesie. 
es sind im ganzen 115 grofsere stucke, zwiscken welcken 
kleinere sprucke, Sentenzen, rätksel u. dgl. eingesekoben 
sind". 

Die erste nachrickt von dieser kandsckrijt gab Hoff- 
mann, Konst-en letter-bode 1821 tk, 2 s. Z7\, und tkeilte 
3 noydekijnsche fragmente daraus in hockst correcter ab- 
sckrt/t an Büderdijk mit, der sie, von sckätzbaren ver- 
befserungen und bemerkungen begleitet, im Zn tkeile seiner 
taal ' en dicktkundige versckeidenheden bekannt machte 
{n^ 15. 97. 109 der folgenden anzeige), ich konnte die ks. 
lange genug benutzen um vollständige absekri/i davon zu 
nehmen, und fond n^* 15 noch einmal {n^ 55), aber ohne 
Noydekijns namen, aufserdem zwei neue fragmente {n^ 8« 
n^ 46), und it® 19 dürfte umhrsduintich Noydekijn zuge- 
kören. 

Zwei gedickte {n^ 46 ttnd 101) gab aus der *zeer lees- 
baar gesckrevenen kandsckrift sehr unlesbar und mindestens 
Qufserst nackläfsig und oberßäcktick keraus Le Jeune in 
seiner letterkundig overzigt en proeven van de neder- 
landscke volkszangen, sedert de XV^ eeuw. Haag 1828, 
s. 85 — 87. daraus giengen dieselben stSeke mit geringer 
Veränderung der orAographh über in Vissckers bijdragen 
tot de aude letterkunde der Nederlanden. Utrecht 1835.. 

* oh sieh darunter eveh etwas von HUdegaershereh befindet kann 
Uh nicht angeben, da die auf der hiesigen königl. bibh'othek b^dH- 
ehe hs. desseiben (Mone, s, 288. n* 431), gegenwärtige strm behttf 
einer htmbsiehtigien herausgäbe^ verliehen ist* 



HANOSGHRIPrBN Df HAAS. 

s. 219. Visscher K^ sich durch einem etume ungemmiek 
ausdruck in Le Jeunes verrede sogar verMien sie ohne 
weiteres dem Noydekgn ssuxuschreiben. — - vergL Mones 
übers, d. niederL volkslit. s. 297, n^ 458. 459. vergL s. 322t 
n<> 503. 



1 . Dialog »wischen einem ritter und semer dorne» bL i*- 
es sind 41 achtseilige Strophen, deutsch. ^ 

anfang ITRouwe reyne keyserinne 

Troestel mich vil sende mä 
auf bL 44*" beginnt ein dialog mit der ilberschrf/l Hoe 
eyn ritter zun tsertze vrouwen toe sprach vnde wie si 
hem weder antworde gaf van zire clagcn, ebetffalls in acht' 
sciligen Strophen und bricht bL 47' mitten in der 7\n Stro- 
phe ab. 
afffang Vrou ich moys in iame* zarwen 

tso in ende miner doyt 

Vnde durch rechte tr&wen Sternen 

Zint Yur minne das geboyt 

Zo moyst leyter also sün. 
beide gedichte ergänzen einander in folgender Ordnung: 
(1—12) von I»« 1. [a] ßillt ganz weg)^ 1—52, 53—6» 
(= 15— 24a), 63. 64 (= 13- 14a), 65—71 (s 25— 31a), 
32— 41a. 
schbffs Ich wil voriias blider zin 

Dogentliche zu der stont 

Das ir ouer mich onfitet 

Vnd mich ein gmezen säet 

Uwer rose lichter mont. 
Ezplicit. 

2. Bitte um erhörung. bL 3*. holländisch. 7 achtzeUige 
Strophen {die dritte nur ßltfx.)^ mit dem r^rmn Vrou 
doch dinen wilte met my. 

at{fang Kser tmwe zu tide in din ral 

Laet öme gaen met groese werd6 
schltffs Laet ons rerenen sicher wi 

Dorch yrinde zä doin of m6 ons hade 

Vrou doch dinfi wiUe sei mj. 
Explidt. 



t» HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

dahinter Owee is ein wort ran smertoS 

Dat zelden comt vs biid^ hertKin. 
vergL JVillems, belgisch mus. th. 1. s. 109. 

3. Liebeswonne, bl, 3^*^. holländisch, 3 achtseilige Strophen. 

sehr verdorben, 
anfang ^IV^it brinnen gliiiimg wangS sin 

Dorch wines hertzin bloede 
schlt{/s aller zcliger bloyend* rijs 
Ich niet von dir en sonder. 
Explicit. 

4. Preis einer vollkommenen Jrau, bL 3*^. holländisch. 
Erentrych 46 verse, 

anfang Eyn wijf zu wensche walgezat 

Die onbeviect is sonder dat 

Wal is lieu* dan ir iyf 
schlufs Sprach h^ erentrych die cone 

Die elke troest wol te doene. 
Explicit* 
vers 27^^46 kommt wieder mit vielfachen aiweiehungem, 
als besonderes stück («^ 43^) aiff bl, 26^. 

5. Van den yoghelen. bl. 3^. holländisch. 1 vierzeilige und 

14 zweizeilige Strophen ßir je einen vogel. vgl, Mone^ 
volkslitt, s. 351. 
anfang Q Die wint^ koninc zeyt 

Ich bids vch Ueue beren 

Das ir mich raet min eren 
schltfs Die pauwe zeyt 

He deys da na der baeser raet 

So Werts du mette boesS quaet. 
dahinter fl Diene wal vnd wcs gclruwc 

Vrou ere dats die vrouwe 

Sie zai di lone na din recht 

Bistu here ofte knecht. 
dieser spruch kommt wieder bL 8* {hinter «o 17). 

6. Sicherheit oft vnsiehter als smoeyel. U. 4^. hollän- 
disch. 5 achtzeilige Strophen. 



#* 



f 






BAMJMIQiaimtf V BAA« 

wf^fang Swi kb keffiiir jnii Iwtorib ^v' 

So was 8wi«el mii^ kerefl 
schlyfs Hadde hi gegaen met zwiuel an 

Des pngelyx w* bi ontvlogen. 
ExpUcii. 

7. Preis der reden {vemunft)^ niMei vromlgMd, btidiii« 

denheid utid troawe« bL 4^« hdlUmdü^ 8S verse. 
anfang Eein edel yoghedine die beyl veit' 
schlufs Bute truwe sone U niet 

Croeds waUne te kamid Ifoi. 
Explicii. 

» 

8. Vom dienst. hL 4*^ ^. holländisch. 40 vor^e. Noydekin. 

die herren sollen dienst belohnen, wie gott seinen freun' 
den lohnt die ihm treu dienen. 

af\fang Nv die wile hordic lesen 

Ein deel van deser werelt weae 
weiterhin Nv mogedi vrage noydekin 

Wat mach dat edel punte zin 

Dar god en die werelt bejrde i rast 
sclät{/s Wät god die loet zine vrieat 

Die met goede truwe dient 

Die dienst sende zin voitogen 

So mocbt elo mensche na diSst pog$. 

9. Preis einer ßrau. M. 4^. 8^. kolUbMseh. 36 verse. 

anfang ÜVErlich mir !s ein wyf 

Lieu dan mlns seines lyf 
schli{fs Twer wotider woi^elii H^et Ml 

Wan icb gedenche d* reybr^ zari 

Die ir zns wyflicb bait b6W&fl. 
Explicit« 

10. Liehesnoth. hl. 5^^. Mländülifk^ M m^se. 

anfang ITsnas warom äofs^iA AO- ^ /«^ 

Dat ghi hem syt alnr ^iTreet ■ 
schlufs Niemet en sd le iesr-amliM» 

Dat niet na gini wä tvi||M#' 
Explicii. • // 






HANDSCBRIFTEN IM HAAG. 

dahinter Q Her goet eompaen sprac tis min zede 
Wat men wil dat wil ich mede. 

11. yorsats der geliebten treu zu bleiben, bl. ö'**. hol- 
ländisch, 7 neunseilige Strophen, von denen die erste 
und letzte unvollständig, das ganze gedieht sehr unklar. 

a^fang Dat ich yä beghinne 

In mine sinne hebbe gedaen 
schlufs Siet dat eomi mi enen 

Har diene sond* suenen 

Ende sond* ioes baraet 

Daer twee hertzi hem venen. 
Explicit 
{die letzte zeile springt schon wieder in den anfang von 
«• 43* über), 
dahinter Blint te wese ziende ciaer 

Scoen te wese sprekende snel (so ßir Stom) 

Desc prise ic openbar 

Is hi doef vnd hoert wel 
C Ydoch. 

12. Den mann der seine Stellung ausfällt soll man ehren, 
bl. 5^. holländisch. 20 verse. bedeutend durch seine 
historischen beziehungen. 

anfang Die ene stede bezeten heeft 

Daer reden en recht leeft 

Die salme ere om die stede 

£n oec om sin rychlichede 

AI war hi wt beyerlant gebor6 
schlufs Dat dede men plach d* (zu Rom) woel te doen 

Nv woet die paus tot Auenyoen.j 
Bezint, 

13. Lob einer tugendhaßen Jrau. bl. 6*. 6'. holländisch. 
40 verse. 

anfang Wziüch selioh is een wyf 

Die also beboet bär lyf 
$chlufs AllMf spado vnd vre 

Cajr een wyf gemnede geoi 

Die men weet in eren Ionen. 
Wer Wcyl. 



HANDSCHKUriXN ni|^BAA& 



-'S 




■'■■•» 



dahinter Mit herizin vnd mit zinnen W^^^' 
Saltu ynimer minnen 

14. Der traurige pfeifer. bL 6'**. deutsch, 40 verse. der 
Pfeifer klagt dafs er es niemandem recht machen kann. 

anfang Ich quam gegaen in ein gras 

Dar ein trorich piffer asas 
schlufs Wer god ein pifer zoide he pite 

Hern solde yil der lüde begrifln 

Aldus kan mens net geramen 

Daer omen machs du dir net scane. 

15. Sprüche. bL 6^^ holländisch. A unmittelbar ai{f ein- 
ander folgende spräche, zusammen 22 verse. 

a. Dit seyt noydekin. — abgedruckt bei Bilderdifk, taal- 
en dichtkundige versch. th. 3. s. 168« — derselbe 
Spruch kommt wieder bL ZV (n^ 55). 

anfang Et is vroa eren wol geaallm. 

b. Q Her erentrych die sprac ein wort 

£n seget sine gezelle vort 
Die meest ere is gedaen 
Die sal met vlite dar na staen 
Dat hi den goede ee* doe 
So comt he des gelike toe. 

c. Q Hoeffen trnre hertzii|;leyt 

Hait mich bracht ein onascheit 
Vander liea^ vrouwen min 
Daer om moes ich trorich sin. 

d. Cato. 

Q Wyslich dat ghi doet 
£n beziet of tende is goet. 

16. Lob einer getreuen frau. bL 6* — 7*. hoUändisoh. 
8 achtseilige Strophen {darunter 3 sieben9eilige), mit 
dem refrain Lieuer wyf ich nye gezach. 

anfang fl Vrys. 

Moet hertz vnd al min begeren 

Haet zft mal ein wyflich wyf v 
schlufs Wat baet m^ clage of hat geslach ^' 

Wie dat dar om draget nyl 

Lieuer wyf ich nye gesteh. ^ 






tu HANOSCHIUFTRN IM HAAC. 

dahinter ein spruch von 8 zeilem 

Sonder daU 
Q Mich wondert daz ich mich v^mete 
Ein rcync wyf ze priscn 
9chlufs Want nie! bessers ist geboren 
Dan ein rcyne wyf alleine. 
Vrouwe lof. 
dieser spruch kehrt wieder bL 55*, unmittelbar hinter »• 95. 

17. Vradenbach. bL 7*— 8^. holländisch. 105 verse. un- 
vollendet, ein aus F^rudenbach nach Trurendal ver- 
triebener sendet den Amor zur Wiedereroberung aus. 

anfang Owe groeser zwind* smerze 

Die flieh meeret in min hertze 
schl^fs Vari he* min nach rechte zite 

Her iaes ich uch bewerde myte» 
Sonder eynde. 
dahinter folgt derselbe spruch wie bL 4* hinter n» 5, und 
darunter 

Q Wie kant al doen« 

18. Verlorner dietist. bL 8^^ holländisch. 8 achtzeilige 
Strophen, mit djem refrain Min dienst blyft zu mal 
v*loren. Mone s. 198 n^ 272. 

anfang Conde ich geleuen minen tzyt 

Ir zu iieue der ich bliue 

Eygen vry u* s. w. 
schlufs Ghcsciet m* van ir lief of tzom 

Wil zir dar iege haue kyf 

Ein dienst die is zu mal Valoren. 
Ö Verbeyt. 
dahinter Q Ten es lewe lybart noch andT dier 

So ouermodich noch so fier 

So die kerel als hy ryct 

En hi ziet dat me hem wyct. 

19. Allegorie van ehre, minne, sucht und treue, bl. 8'^ 
9V holländisch. 48 verse. Nogdekin (7). 

arfang Die conic ere wouda op geoen 
Sin wapen b» «uieii leuea 



HANOSCHRIFTBN IM BAAOi. 

Mchbf/i Wie god gan dal hi enget ee* 
Danket gode dats noydd W. 
Waerheit. 

20. Dialog, ähnlich dem in n^l. bl. 9* — 11^. holländisch. 
51 siebenzeilige Strophen. 

anfang Wildir hören eyne mee* 

Wie eyne ridder eins geschach 
schlufs God die moes vch geleydin 
Vnd vch alle zyt bewaren 
AIsus wt* daer ein scheiden. 
(I Omne ^ipiü pmü difficile. 

Verbeyt. 

21. Preis edler geburt* W. 11**^ holländisch. 52 verse, 
dunkel, aber merkwürdig durch verschiedene beziehun' 
gen und das auflehnen gegen den waehsenden einfliffs 
der bürger. 

anfang Ecn gheslachte criget ere 

Om ander dact d^ bi zere 

Ell ondanc wt^ te lande 
weiterhin En meist* baraet van lozane 

Die draget bonte deider ane 

Om dat hi ridder scinS sende 

En dat hi scot rry wesS wofnde. 
und Dit was dat arxtotilis wed* riet 

Den groete alexand^ hie niet 

En liete come te zine eren 

Die ai in Schalheit sin geboren. 
schlufs Die arme scalc mach net v*lies§. 

Och wanneer. 

22. Allegorie von einem Jäger und seinen hunden. bLM*". 
12^. holländisch. HO verse. Erentryc. 

anfang Her erentryc die haet geleden 

Den feilen wech en cot gereden 

Op een reit seoen en breet 
Schilfs Die gerne wal zeit vnd wter 

Die maect zin doget openkar. 
Oft wesen notkl^ 



t» HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

23. Ehre entspringt aus reckt handeln, bl, \2^^^. hol" 
ländisch. 5 swölfseilige Strophen. 

anfang In ene materie ic verstoet 
So wie begert ere en goet 
schlufs Waeldaet doet den hemel winen. 

Int lest. 

24. Verschmähte liebe, bl. 12*^. deutsch. S achtzeiUge 
Strophen^ jede mit der Überschrift Orlof. sehr schän 
und zart 9 auch der text verhältnismq/sig rein. 

anfang Ich clage dir znre winter calt 

Das mir ein wyf doyt grois gewalt, 

Ich werde in cortzin zide alt 

Helpes mer nicht wenden. 

Ich bidde vch wilde vogelin 

Das ir laest uwer singen zin, 

So wer vro das hertze min 

Mucht ich ir vrude penden. 
schlufs Des moist ir wint^ yre tzom 

Tze mire vrouwen keren, 
unmittelbar dahinter ein holländischer spruch van 10 vor- 

sen, misgunst stört gute gesellschqft. 
anfang Der milder ynd der claffer 
schlufs Och neent dat wensche b Vlore 

Das besser god. 

25. Treu dem fernen geliebten, bl. 13*. holländisch. 3 acht- 
zeiUge Strophen. 

anfang Das clagede ein reyne zeuch wyf 

Elendelichen iren noet 
schlufs Des begert min hertz zere. 

Amors. 

26. Preis der geliebten, bl. 13^. holländisch. 5 achtzdUge 
Strophen. 

offang Mir ist ghemeert hertz vnd moyt 

Van znese wordS met goed* gonst 
Schliffs Was ir wilt wil ieh beitaen 

Suese reyne zelicb wyf. 



HANosemim» m tuum 

27. Stete imtme soll mmmes mühe lohnen* U. ly^. M- 
ländisch. 68 verse^ 

anfang Anc lat 

DAer lief mel leyde w*t dordrögS 

Dat deyt aide menge jonge 

Vnd eer tzide werde gra 
schb{fs Die wre wil ein wyflich leuS 

Diene sal ir niet in zwiuel genS. 

las. 

28. Liebeshoßiung. bl. IS**— 14\ holländisch. 7 achtzeilige 
Strophen. 

anfang Icht of nicht. 

Hoephe deyt mir diche singe 

Ond brengt m' op d* vmde ort 
schli(fs Nochtan wert al min ghere. 

Ane has 
dahinter Ich wil jagen op de voet 

Daer ict von beghin toe liet , . , 

n A • * • kx » naiden 

trod geue mi te jaegb^ spoet 

In gher des wisseis niet. 

29. Hern Walters zaneh. bl. 14^ \ deutsch. S4 verse, ans 
verschiedenen Hedem M U sam mengeunitJeU und in 4 Stro- 
phen abgetheilt. 

1. Van das ich minecliche doene. Lachm. fFalth. s. ix. 

2. Des wissen al die lade nicht. Lachm. s. ix. 

3. Saget mir yemä waz ist mine. Lachm. s. 69. 

4. Wer saget das mine znnde zi. Lachm. s. 166. 

30. Hern walters zanch. ein vollständiges lied, bei Lach- 
mann s. 43, auch in richtiger sirephefifblge, aber viel- 
fach verdorben. 

anfang Ich hoer vch so wil tug6 gheen 

Das vch min dienst ymer ist bereyt. 
En had ich nw* nicht gesiea 
Hetz scade mir an mire werdieheit. 

sehlu/s Wellich wyp vftrzagetym einS vad€ 
Goet mä is wol rf ches lones wert. 

dahinter Man moes dorch niden 
Bi wiien niden liden« 



SS8 HANDSCBRIFTBN DI HAAG. 

Sl* YaiidC 2omer vnd vande winter« ÖL 14'^'— 15*. hoUän* 
(lisch, 14 neunzeilige Strophen^ worunter mehrere un* 
vollständige, 
arifang Der zomer spricht ich moez clagen 

MäncQ vrande md magen 

Das mir verdreue vnd v^iag^n 

Wil ein beer van groesser macht 
schlufs Der zomer grue is scoen gestait 

Er gheet ons vrude menichfalt 

Er sol sin die liefste min 

Ein ander doe sin gonst anschin. 

32. Klage über einen unhoßschen ritter. bl. 15'*. hofläft' 

disch. Augustin. 3 neunzeilige Strophen^ vor welchen 
eine nicht dazu gehörige vierzeiKge. 

anfang Q Het sin lüde die mich vrage 
Om des lyuen meyen bloet 
Dar ich niet van in kan gezagen 
Sint mer die mey ghee vrude deyt. 
Q Mich heefl een ridder die waeldoen haet 
Tot geenre tyt hi es gemit 
sehlif/i Hin dan niet he mit dö trnwd 
In alre goedS here hof. 
Augustin. 

33. Liebesklage eines ritters. bl. 15*. 16''. deutsch. 28 verse. 

anfang Hsts jämer das die zarte reyne 

Mine kömer nicht v^staei 
schlif/s Is ist beschert so wirtz mir; 

34. Eyne scone ritterliche Spruch vä Eren vnd van waphen. 

bl. 16*— 20^. deutsch. 672 verse. Jrau Maunheit kla- 
get den tod ihrer sc/uvestern und erzählt wie sie sonst 
mit ihnen zusammen einen ritter oi/sgeräsiet. 
anfang Ich vant ein wyf in dageder noit 
Si scree nv bin min lieu doit 
Van hertzin leide mich ontbint. 
schlufs Sus verboer die reyne 
Vnd lies mich alleiAe« 
Explicit. 



HANDSGHRIFTBIIIlil HAAfll 

35. Frauenpreis. bL20\ hoUandiseh. Snemufei^e Strophen, 
anfang Was gheit vor werde wiae groys 

Mit liefiich ogebliche« 
schlufs Och god of ich ▼ VeraS mächt 
Das du mich woldes leyt v^ diiuö 
So wer mich vradd vii bescert. 

36. Spruch vom guten und bösen mut. bL 20^ deutsch, 
in 2 sechsseiligen Strophen^ aber ohne absetswig der 
verse. 

anjang c yn goyter moyt ist gerne wiscr 

werde rych. Ein goyter moyt 
Ist yelsches vry rycheiych. Ein «. s. iü. 
Schliffs . . • • Ein bueser moyt doyt 

siel vnd lyp verdemen. 

37. Drei spräche, bl. 20**. 

A, Jranzösisch. De walsche carte. 12 verse. 
anfang Carito couse aimable 

Sar toutez vertus asmirable 
Oa troueray de toy solas 
schlufs De toy ist la perte drop plorable. 

B. deutsch. 8 verse. 

arfang Q Mir ist vil lieu* das ich ir empere 

Vnd zi doch mich genedich zi 
schlufs Scade vnd vrome der zi min. 
C holländisch, 

Q Uets groet anxt den conyn 
Dat biden vos gebuyst moet zin. 

38. Liebeshoffnung, bl. 20'. 21*. deutsch. 4 achtseilige 
Strophen. 

anfang ([ Mich verlcngct weriich scre 
Nar ir wonnentliuhe gebere 
schlufs Wers uichl das wer mir leyde. 

39. Fünf puncte van ehren, bl. 2r — *. hoUäftdisch. At^ 
gustijn, \\^ verse. 

anfang Q Lyd den tyt. 

Hl sprac ein wyf van hoger art 
Dal elc go^ mä moet zin bewH 



240 HANDSCHRIFTEN IM HAAG« 

Met vyf poinle sal hi leere 
Hoe hi ieae mach in eeren. 
schlufs Heren vroawcn maegden knapen 
Die na gods beeide syt ghescapen, 
Aagustyu bid v dat ghi hoal 
Dese . V • panten vä gherechter scont 
Want sy in heeren syn ghenote 
In god ter werelt zun zi goel 
Ende wie dat ienen wille in eeren 
Hy heefter zeker qaaet tonberen 
Mer zoet nv in die werelt gaet 
Ic duchter menich sonder staet 
Doch hets wel daet daer na te poghen 
Elken mensche na siin vermogheii. 

40. Von mirrnen. bl. 21^. 22\ deutseh. drei unmittelbar an 
einander geschriebene stücke, zusammen 43 verse. 

A, Spruch von 13 versen. 
anfang G Zelighe vroawe zelich ip^ 

Zelich hertz zelich lyp 
schüffs Dou bist vroQ in der hertz myn 

Ane stryt gaer weld ich keyseryn. 

B. sehn seilige Strophe. 

f^fo^g Q Werde knechte wol ghedenket 

Güter wibe daz ist myn raet 
schlufs Ziet die wyp met trouwen an 

Das zys k&nne wol yo^staen. 
C« zwei Mehnzeilige Strophen, 
anfang Q Die myr yst lieb vur alle wiben 

Zürnet zi das yster myr leyt 
schlt{fs Zo byn ich aen vreuden crank 

Nach der lieber zonder wank. * 

41. Fragmente aus fValther. bL2T^. deutsch, bunt zu- 
sammengeworfen, überschriß Ich dyn byn. 

Q Zwen ich zi alle scouwe (7 versCy Lachmann s. 50). 
Q VroQwe sol das zin din h&te (7 verse, Lachm. s. 50). 
Q Vrouwe dich des versinne (8 verse, Lachm. s. 51). 

* Üt stntpkm Werde kaehte, w»l svleakel umd Dim mir Ut [Uep] 

Tür aüea wibta sind in vem Saeksend^tf, MS. I, SOQ^ Bmg. Hpi. 



'• *" 



'SN-lMHAAa tit 

Q Des troeste sich ein zeuch man (4 verse^ Lachm, s. 93). 
(I Was mich vrouwc an vrude yiret (^ verse, Lßchm. s. 52). 

Sart liebe vrouwe min 

Swar ich spriche ich bin dir holt 

Ich neme din glezim vingerlin 

Vor eyner keyserinnen golt (Lachm. s. 50). 
unmittelboj* dahinter 
Q Woitu lachin nicht der beide 

Yogelin zanges der zomer zyt 

So lache aber der ougeweyde 

Die an reyne vronwe leyt 

Denke an minencliphe wyp 

Kan der lachen 

Doch nicht machen 

Vro versaget ist din. lyp. 

Q In tniwen lachen ich. 

42. Ein jämerliche clage. bL 22^ — 26^ holländisch. 658 
verse. die fraiten auf der bürg der Ehre beklagen den 
tod eines ritters, unter welchem ohne zwej/el Guillaume2 
von Hennegau 'Holland (starb 27 sept. 1345) zu ver- 
stehen ist. 

anfang Eyns nachts in eyne meye tzyt 

Waende ich alre zorgö qnyt 

Sin die mich ye in hertzd dwangb 

Dar ich vs mine slaephe ontspranc i^j 

Van eynen vysione zwar. 
^/rau Mannheit erzählt von dem ritter 

Ein orloge hat er als wol schein 

Jege den cö. van vrankerike 

Tzü abenton was aen blike 

Daer he die stad want mett* häU 
sie erwähnt Jemer petyt, orsys, zent amant, syolines» mar- 
chiues. 

Q Daer na voer he oner mer 

Onde dede z& prisö [pmissenT] zine keer 

In lettouwen was er der beer 

Da er he hem merde op gads viäde 

Ridd^lich in heidd lande 
Z. F. D. A. I. . 16 



24S HANDSGHRirrfiN IM RAAO. 

Voil daüS keerde he aü die van 
Weder äu «ine lande wacrt. 

weiter unten 

d Daer na inde selue jaer 

Met viel lüde he bezat 

Vtrecht die goede stad 

Dar hi dede scade vn scade nam. 
Q Dar na hem inde sinne quam 

Das he zu yriese wolde vare, 

Mit luttel lüde eü synre scare 

Das men hem net ontrade mochte. 
er wird von den Friesen erschlagen 

Vor Staueren in Oest Vriesiant. 
zuletzt erzählt sie 

Van golde was sin wape cleyt 

Der hem sus rittUich hait genert 

Mit vier lewen gequartelert 

TVö van zabel vnd twe van kele 

Die her in ernste xni in speie 

Allöes ridderliche droech. 
Schluß Recht oft ich onlzennct wc* 

Rumede ich dar vrou cre bof 

Onde reet wech sonder orlof 

Alle mine rechte pas 

Tzü danng das ich coai6 was. 

43. Femünjiige liebe, hLZ^""^. holländisch. 2 gegenstilcke. 
A 24 verse, 

atifang Elende 

DAcr twee hertzin sich ^eene 
In wal denchen in Wal meea^ 
Daer is mine gewortell vasle. 
B 2% tt^se. Erenityöh. 
anfang Owe Owee 

DAcr twee lienen sich vene«^ 
sehlufs Sprach \k <0refflrych die mnt 
Die elke Qpoetet wol %e Htoeae. 
<I Eh tttoh. 
B = n^ 4. vers 27 — 46^ H. S». 



HAN(N$ciiaipntN m bm& «• 

44. Gespräch zwisckem wtem ritter und «M^ J^au. bl. 26 ^ 
— 28''. deutsch. 184 verse. in ähHiick$m Charakter wie 
das zwischen fVilhelm und AneUe Ün fVükelm von Or^ 
lenz, 

anfang Wah ich is gerne «age wil 

So kan ich woaderliche yil 

Want ich des lants haia me emare 

Dan ye ein criste baren 

Ghettete dorch die vronwen. 
schlt{fs Machta dan an mich niet aia 

Nein ich vrou min trout 

Som mir god en helf dir nonl. 

45. Onghenate. bl. 28*. holländisch. 16 verse, 
anfang wee das ich so wael weys 

Der lieuer zin vnd haer beheys. 
schb^fs Doe ich har clagede minS noet 
Yragede zi mi is Bmg^e groet. 
vers 5 — 16 kehren wieder aufbl. 55** (»o 97*). 

46. Min vroa heyt wendelmoet. 6/. 28^. holländisch. \% verse. 
ich will es ganz hersetzen und dazu die abweichungen 
einer papierhandschrift des kiesigen reichsarchivs {A), 
über welche unten das nähere, und die lesarfen Le Jeunes 
(J) in seinen volkszangen s. 85 mittheilen, vgl. Mono, 
volksl. s. 297. über Noydekm siehe oben. 

In sorge hebbic gesin altoes 

Sini min hertte yerst ^ooes 

Te pole eng wyngaert. 

Die mi dieke zue* waerl. 

Hi staet op ene berg so hoege, 5 

Eü die gront is so droege, 

Dat hi gewasse niet in kan. 

Sint dat icken ierst gewan 

Sone is hi gemeret niet. 

ZM^ übersokrifl /Mt AJ. 1. aoi^ </. h#b ic flieweai A. 
2, Sioe — bferte seent /. hert eertt A» Z, eeiMa /. 4. im 
dioke te sayr A» Dkr mi dockte znlc« /. 5^ JbMfhe /. heeeh A, 

6. droeghe /. Dair diu greU -of it so« dfoeeh A. 7. Dair 

A. 8. Siae d«t k ifi «rtt /. 9. da ae h by /. 

16* 



244 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

Des doget min hertze grot ^driel. 10 

Sus so leue ich sonder heil, 

Want die berg is so steil 

Dat mi te climme is so zwar, 

En hem vracht te brenge dar. 

Des leue ich in wanhope zere, 15 

Hoe noetdorftig dat ich we^ 

Dat ick^ wyn af drinke sal, 

En Jieb geluc oft goet geual. 
Jo moes Ich. 
dahinter kommty durch den leeren ratim einer zeile geschie- 
den^ wie immer verschiedene gedichte in dieser hs, aus ein- 
ander gehalten werden^ 

Q Hoep troest wil mine vnd moet 

Make menige lichte voet. 
Q Liet ic die mane int wat^ seine 

Ende elc mä begae mettc sine 

Ende prysde loeuer vnd gras 

So bleue ic noydekin als ic was. 

47. Ein lyedekin. W. 28^". deutsch. 2^verse. sehr unklar 
und verwirrt, 

anfang Minne ich clage dir mine cömer 

schlufs Soe moys ich aen troest bederuen 

Steruen des ghelouyt mir. 

Wiste ich waerom. 

48. Eyn lydeken. bl. 28'*^. holländisch. Averse, die als 
refrain wiederkehren^ und 3 achtzeilige Strophen. 

anfang Q Mich hayt erblut eyn vrouwelyn 
Want yr minne gheet mir moet 
Dorch ze lide ich dich wile pyn 
Was ze myr doet ich nemt yoergoet. 
fl Edelwyf vyr lieflich oghyn u. s. w. 

10. deyt «/. 8 — 10. Siot dat icken eerst began Te poten dair 

soe een is hie niet Gbemeert dez soe doeghe ic verdriet A, fl. Des 

— ick /. Des verdorret hi A. 13. soe »wair A. 14. dair A. 
15. leef ic — waDhopeo seer A. 16. noetdorstig /. noterflyc 

— wair A, 17. ick /. ic dair wyn of A. 18. of gut geval /. 

Een bewe meer dat giiel gbeoal A, Jo moea leb fBkIt AJ. 



HANfiSGHRIFFBN üf HiUU). il| 

sehlnf$ God zo danct ieh dich van dien- 

Dat ic zer werelt ye wert gheboren. 

49. Eyn liedeken. &/. 28"*. 29*. kotländiseh.4wiederkehref§de 
verse und 3 achtzeiUge atrophen. 

anfang Hophe en troest halt m* das lyf 

Oph eynre dyr ich wael befrouwe 

Die scone halt myr ghenangS styf 

Se deyt mir diche Ilden rouwe. 
fl Zayt mir my vrou voer alle wiaen 

WUdir mich aldus verslaen 
schhifs Om vch Sterne ich gerne eyn doyt. 

50. Preis der geliebten. bL 29*^. hoUändisoh. 38 verse^ 

anfang Yrient tsemoyt. 

In rycher eeren wete 

Mit wonnenclicher stete 

Can zieh myn yrouwe cleyden 
schlt(fs Wie mach mer vmden dan ghelychen 

Onde oech der tsarte minentliohen. 
dahinter Onghezien mach ghescien. 

Q Wie yroem wye seoen wie goel wie vroet 

Wie edel van consten wie hoech geboren 

Men acht el niet dän op tgoet 

Des blyft mennieh edel moet verloren. 
Lays dich ontbermen. 

51. Van den plucten spoerwaer. bl. 29^ ^ holländisch. 
52 verse. 

anfang Eene jonghe maget hadde gheset 

Mit behendicheyt een net 
Schliffs Ende sy sai lichte vangen moghen 

Eene kreye die sy honden moet 

Die nemmer goeden vloghe doet. 

52. Frauenpreis, bl. 29^. holländisch'. 16 verse. 

(ttifiing In stedea dienste wii ich blinen 

Onderdaniek goeden willen 
Schliffs Want alle loghet wt hA fpraat. 

hophen. 



tM 



RANDSCRRIPTBN IM HAAG. 



53. Guter rath an eine fräu. bL 29*-— 80*. holländüeh. 
126 verse* 

Umfang Ich ghinc corts wilen mine tsyl 

In eynen grashof die was scoen 
schlvfs Hier mit lays ich die reden staen 

Onde scaffe voert den oirbaer myn. 
dahinter zwei holländische Sprüche 

Truwe wedertruwe. 

Trouwe deyt nach mistruwen 

Waer om mach mich truwe ruwe 

Had ich ontrouwe in mine zin 

Mich ruwede on truwe veel te min. 
und we o wach ich armer man. 

Was sal ich nv ane ghan 

Ich plach tse riden ic moys nv ghan 

Das heyt cyn wyf tsemael ghedan 

Ze maect mich alre vruden van 

Die ich ter werelt ye ghewan 

Nochtan dat ich ir eeren ghan 

God loent ten lesten alle man 

Ghenade god daer bliue ich an. 

54. Fünf puncte von frauenehre. bl.SO^ — 3r. holländisch. 
120 verse. mitunter läppisch. 

anfang Her na hema das ich der konst 

Niht en haue van rechter gonst 
aU probt Q Das vierde poyni heyt scemde 

Onde yst der eeren hemde 

Eyn hall peert efi das verleemt 

Ond eyn wyf die zieh niet en sccemt 

Dey zetz ich beyde ghelych. 
schlufs Wat wiue dese punten in sich wil slusyn 

Mach mans hert in troyst gheneren 

Onde van scanden zieh erweren. 

55. lAJoei spräche. U, 31*. hoUändück. 

a. Überschrift Vroawen lof in »lieft liof. -^ fi^fang Het is 
vrou eeren wael geuallen. «^ Neij/dekin ist hier mckt 
genannt, derselbe spruok (n^ 15') bl. 6**. 



SAI^OSCiHUnUN IN BAAi. «IT 

b. Q Vrou eer« «eftimt di|« m 

Lof of bpf daep io|i nlet en si 

Daer moet vraa «OflmntQ bäte staen 
Her erentrych iiprect na my yerstaen 
Vrou eere, vroa fceamde moete hou^n 
Salmen den hof mit eeren Ionen, 
derselbe sprach kehrt wieikr bl* 6ß^ {n^ 1 %%)> 

56. Traum von erhörter liebe, bl. iV — 8f^. holländisch. 
72 verse. 

anfang In eynen droem das mieh doohte 

Da ich laeh oph myn bedde alleyn 
sckli{fs Zint ich mich eyghen haen ghegea€ 

Ir tso dienste al myn Jaer. — 
Bi auenturen diet wel beznren. 

57. Van iiden. bL S2*^*. hollandisch. 3 verschiedene ge- 
dichte. 

a. Nutzen des leidens. 34 verse. 

anfang Men noemt eyn woert daz heyl lidep 

b. Geduld in leiden, 3 sechsseilige Strophen, 
anfang Een reyne Iiden mit verdult 

c. Klage und biite an eme frau um erttsung* 26 v^sß^ 
anfang Och mir i^t leider w^ ^sciet. 

58. Räthsel. bl. i2\ MlSndiiek. 84 «arv». s^hr unklar, 
anfang Vi^ycb O0de lydL 

Gonst ter eeren ghepresenleart. 

59. Farbensymbolik, bl. 32'— SS*, holländisch. iS2 verwe. 
anfang Ayn eynen ieghe r ich erhoerde 

he quam ghereden in eyn walf 
Schills Ondd reet benen myere strays^n 
Dorch das walt^ das «cone yr^A 
Onde bayn die vrttde daer gelaysen. 

60. Die beichte der Vmg$9. bLiZ^^iSjT. hßUfindüch. 213 
verse. ' » 

offfimg Ny leghet mn vewa ^9 » «i^ 

Die meaMäl. Imcbt b^ int ¥ordiM|, ^ 

Oiuie Z0$& gerne hmr IMbiß i^pmfit 

Oy dajt $1 god# AM>cbt g^fk^on. 






248 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. ^ 

Schluß Die wise helet dat hi dreghet 

Die sötte mildet daer hi bi sneuet. 
ghenade god. 

61. Der klaffende pilger. bL So***', holländisch. 86 verse. 
vergl. Mone, volksltt. ^.185. 

anfang Eynen pelgiym muede en cranch 

Yant ich des enis niet lanch 

Der aen dem wuysten wolde zas 

Onde gode genedechlyche bas 

Das her zyn liden wolde erstoren. 
schlufs In dem leyde lies ich eme zitzen 

Ws dem sinne ws dem witzen 

Ducht he mich zo zuuer wesen 

Het weer gheluch mucht he genesen, 
sich voer dich 
pense doe ich. 

62. Clara. W. SÖ''^ holländisch. S achtzeilige Strophen. 

anfang Ich heb claren op ghegenen 

Myn lyf myn goyl wes ich vmach 
schlufs God moet haer lyf en erc bewaren. 
d4ihinter Ten baet niet 

(I Hophen velt mich zo godertyeren 

En dede hophe ich sulde faelgiren. 
(T Wych onde 1yd 
Verbeyt ondc\erblyd » 6<>el »« ««gg«°- 

(I Tis goet te maten ,,,.. , ^ 

^ ° , ,. Wie kant gesäten. 

Docn ende laten ^ 

63. Dialog aber das benehmen der frauen gegen die man-- 

ner. W. 35'^— 36\ holländisch. \OZverse. 

anfang Das ghescach in eenre kalde 

Wan die louer menichfalde 

Van den boeme zint veruarcn 
Schliffs Doen lies ich t nicht en bescreef 

Eyn . 22 . (?) van roeden golde 

Dien aen ich trouc (T iroalT) al ich zoldCr 
darunter Och wold si zo So weer ich vro« 



HANDSCHtÜFTEN IM HAAC: 249 ^ 

64. Liebesklage. bL 36^. holländisch. ^ verse in A tm-^ 
regelmäfsigen Strophen. 

anfang eyn reyne wyf hoerde ich das clagen 
schlufs Des lyt myn herz groyt gedolt. 
darunter Venus w'om deystu das 

Ich lide vnd byn bilde. 

65. Liebesklage, bl. Se*" — 37^. holländisch. 11 achtxeilige 
Strophen. 

anfang In cynen droem des is nicht lanch 

Hertz onde sin mich ontsanch 

y ander sorgen öme vanch 
schlufs Wildyr mich gülden e 

Mit gonsten hulpen geuen. 
leerer räum von ungefähr 7 seilen. 

66. yon dein alten und dem jungen ritter. bl. Zl^ — 38°. % 
holländisch. 202 verse. Mone, volksUt. s. 141. 

anfang Eyn hoghe gheboren maget rike 

Zach ich sitten wonnentlike 

Ghecyert in eere kemenaden ^ 

Mit duren costelich ghewaden ^ 

Flueelsche deeder had si an 
schlufs Hir mach me die mine by 

Best ghewinne en verengen 

Hets ghenoech en ich wil zwige 

Efi corten mine woert ' x 

Lichte ofte yemand node hoert 
pmo et ultimo. 
dahinter Q Der vrouwen recht is dat si seien 

Mit ridder onde knechte speien 

Onde vrülich [hem] cortsyn he de tsyt 

AI hebben dies die dorpers nyt 

Da vm en suUen siis nie laten, 

Goet spei is goet vnde dat te mate. 
Q Alle lueden vrindelych 

Lutel Indem heymlych. 

67. Allegorie vom könig Erentryc, bl. 38^ — 41^ hollän- 
disch, 411 verse. 



250 BANOSGHRIFTEN IM HAAG. 

Q^fang God die gbeeft sinen vrient 

Des hi ieghen hem verdient 

Dat scynt an heren erentryc wale 

Daer ic beghinne af dese tale 

Hoe hi van eeren ryc was 

Want also ict las 

So betaemt hem wal dese name 

Die hi droech al sonder blame. 
schlujs Want wie hem gerne in duegde vuecht 

Hi heeft ghenuechte in reynre duecht 

Ende wi eens anders waeldoen benyt 

Heeft ongenuechte te meneger tyt. 
Explicit. 

68. Fahrender lohn m^mer lohn. bL 41**. deutsch \ 

Ich hayn eyn hertz das mich zol 

Vyl scaden oder vromen machen. 

Eyn varendes loen erworue ich wol 

Da van ich eenen zomer muechte lachen. 

Wie dan of ich das erworue 

Das weer onstede zamder de 

Mitken blüeme its verdoruen 

So muest ich werue aver als e 

Tsu heile mües yt mich ergan 

In wil des armes lones nicht 

Mer duet noch bas eyn ryeher wan. 

69. Bitte %(m erhörung. hL 41^*. holländisch, eine ßhif- 
zehnteilige Strophe. 

anfang Wildery. 

Hoer lief was ich dyr sagbe 

Aen nem dich myre clage 
schlufs Zulde ich des nicht ghenyeten« 
dazu scheint noch su gehören 

Das ich dyr onderdanich byn 

Das were eyn müerdelicb vrouwe ziii. 

70. Liebeshojffhung. bl. AV. holländisch. 2 sechszeilige und 
ßinf zeilige Strophen. 

* fTalther von Metz MS, 1, 309'' Hag, ifyt. 



HANDSCHRIFTEN IM SAAOi «tt 

anfang K^dich mich wel gehalden 
schlt^fs Si scynt zo goderhande eyn wyp. 

71. Drei spräche. bL 41°^. zusammen 16 verse^ ohne alle 
Unterbrechung hintereinander geschrieben, 

1. holländisch. Averse, anf. lyst an yr duecht nach scone 

2. deutsch. 6 verse. anf. Seiich wyp hayt an yr t&ghSt 

3. deutsch. Averse, anf. Swelchewypdiebfidib'ziinbedbydvt. 

72. Quodlibet. bl,A\^ — 42'. deutsch. 49verse. verschiede-t^ 
ne unverständlich zusammengeflickte Strophen. 

anfang Ich wil nv eynre singhen 

De ich van süneden dinghen 
Ghecyret sach aen eenre want. 

73. Dal is walsch van eenre vrouwe die minde. bl. 42***. von 
einer eigenthämUch spitzen hand geschrieben^ mit vielen 
abkärsungen^ ohne die verse abzusetzen, das erste ge- 
dieht y aus 3 Strophen bestehend^ hat den refrain fors 
^e puis le cbaint en avant, die antwort, (fleieh/aüs 
3 Strophen, hat den re/rain a che dessous qua che dei^ 
seure. 

anfang Anis qne jaym et aymeray tont %\i 

antwort Dil is dantwerde vander minne . 

anfang De tant qne vom mabandonea ma 

douche däme tf« «• to. 
dahinter Vrydanch 

God hait de wisen sorge gebin 
Vnd dem doren senfte leben. * 
God gebe ym ymmer gut 
Der wol spricht vnd woil dut. 

74. Bruchstück, bl. 42^". deutsch. 3 siebenseäige Strophen, 
woraf{f 3 verse. btnnenreime. 

arfang Bilde milde bys teghen myr 

Dir bin ich Übll v&r alle wyb j^ 

Blib an mir arman stete ^ >' 

Sint tä bist al my toeveraiobt 
Vade näes zieh zun an ende 

• Freidank TS, 7. 



f. *"' 






252 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

schlufs So ervrouwel mir den sin 

Denke senke mine pyn 
Myns herten hoyste paradys 

Prys ye du gerne hedc. 

75. Desen hone dans zanch vorbas. £/. 42°"^. deutsch, ein 
tansleich von 40 versen. 

Wolmich vmm* wol d^ liebliche stunde 

Ich sach drie bloemen tugentriiche staen 
die Strophe 

ö Ich weys vyl wal eyn bluendes rys 

Gar zuuerlich gestellet 

Der ozenynch zwaer in keyner wys 

3Iir nicht so wal beuellet. 
wird unederholt am schlufs 

Myn blugnder walt die cne dreyt 

Der tugeden*werlich vmmer. 
fl Ich weys vyl wal u. s. w. 

76. Noch vorbas. bl. 42*^ — 43*. deutsch, tansleich von 44 
versen, ganz ähnliches Inhalts wie der vorhergehende. 

ojifang An yr yst wensches vlyt gheleyt 

Dey mir vuer alle vrouwe wal beuellet 
zweimal wiederholt wird die Strophe 

Q Myn moet zu yr ghehuldet hat 

Der minnentlycher tsarten 

Dey vry ist aller mistaet 

Miin hertz zwaer yr truwelich zu warten. 
schlufs Ze yst alre zucht myn bloynder wall 

Bi der ich zwaer al mine sinne laze. 
Myn moyt u. s. w, 

77. Noch vorbas. Eyne houedans. bL 43^. deutsch. 26 verse. 
gehört nach form und mhalt su den beiden vorigen. 

anfang Höret wie der vogel zanch 

Zieh erhoghet in dem luchten scone 

schhfs Miin bloynder walt ich warte 
Zu dyr myn heyles vil. 

78. Ritterruhm. bl.AZ^^. deutsch, b siebenseilige Strophen, 
anfang Zwer zieh wil lieben zu minnencliche vronwen 
schlufs Vnde dencl god halp ye werender hant. 



HANDSGHRIFTBN Dl HAAG^ 2Bt 

79. Erauenpreü. bl, 43*^. holländisch. Z siebenseilige Biro* 
phen: 

anfang God lyes ghewerden wibesnam 

Durch dem man zu gheben moyl 
schlufs Vnde laes dyr vrolich dienen voerU 

80. Frauenpreis, bl. 43*. deutsch, eine wiederkehrende vier- 
zeiUge und 3 achtseilige Strophen. 

anfang Ich vruwe mich daz ich ye ghesach 

Eyn wyp die myr deyt leben 

In groser vreucte nach vnde lach 

Mich hayn ich ir gegeben. 
Q God hat nach alle wensche gezat 

Ir wyplich ghebere 
schlufs Das ich erwerbe das ich ger 

Van miner meesterynnen. 

81. Liebeshoffhung. bL 44\. deutsch, drei zehnxeilige Stro- 
phen, hinter jeder ein vierzeüiger r^ain. 

anfang Der merker ist gar truweloes 
schlufs Deysta onrecbt zo sal d'van. 
unmittelbar dahinter die Strophe 

Was zol eyn man der nicht yn ghert 

Zfi werben vm eyn reyne wyp 
vergl. Lachmanns fValther s. 93. 

83. LebensregeL bl. 4A^. holländisch. 12 verse. 
anfang Aen sich dinen veriedenen tyt. 

84. Hoe eyn ritter zun tsertze vrouwen toe sprach vnde wie 
si hem weder antworde gaf van zire clagen. bl. 44^ — 47*. 
deutsch. 70 Strophen und 3 verse. 

offfang. Vrou ich moys in iamer zarwen 
vergl. n^ 1, bl. ijf. 

85. Liebesklage, bl. 48*^. deutsch? 62 verse. 
anfang we owe elende.^ 

Waer ich mich henen wende 
Hets gheyt mir al onghelych 
schüffs Sint ich. dir eyghen haen gegeuö 
Lyf bertz moyt vnde zin 
Wes is m* dan bleuen dWich-truerich byn. 



254 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

dahinter met ende kerf. 

ö So yr^t dat lymmert ap cen ys 

Das mach elc man wesen wys 

Hi moyt int leste daer an verlyesen 

Want en mach altoes niet yriesen. 
Q Ich wil mich heraden 

iDan mach niet scaden. 

86. Lehren der Venus. hLJA""^. hoUändiseh, 9 stebenj^hge 
Strophen. 

anfang Älich ervruyt cync reync vnicht 
schlufs Hine weet niet wes hem wal steyt. 
dahinter lof of hof. 

Och leyder was sal mir das leuen 

Waer ich come daer is gegenen. 
Q Dat vrouwe weten dat is besloten 

Als water in eenen tems gegoten. 

87. Dit is vander hinde. W,48* — 51*. holländisch. Vi!St>erse. 
die liehe dargestellt unter dem bilde einer jagd. 

anfang Oph eynen tzyt aLst wesen zolde 

Quam icli gereden bi eenen gmenen woMe 
schb{fs Ander daet leget al die macht. 

wych (w* ich?) vro. 

88. Klage über abnehmende zucht, bl. 51*'''. deutsch. 52 
verse. 

anfang Eyn wyf van onderseeyde 
schliiß Het steyt vaste in minen sin 

Dat ich langhe sonder ghewin 

Mach leghcn eenen honen gaffen. 

89. Liebeshoffnung, bl. hV^, holländisch. 5 achtMciUgc 
Strophen. 

anfang Mir lieft cen wyf van hoyr woyrde 
Schliffs Das hoo gheboren reyne wyf 

Wcnd wend. 

90. Der darre bäum. W. öl** — 52^ holländisch. 92 verse. 
frage warum ein dürrer bäum unter lauter grimm im 
garten steht; am anfange der antwort bricht das ge- 
dieht ab. 



'S 

HANDScammBN im RAAISw^ . tt» 

anfang Wie wonder hafi das wonder es 
schlufs Die stam is goel vaa hogea ^e. 

Diet tende wiste. 
dahinter Q Wats dat ruert eü niet en leeft 
Wat is milde ende niet en geeft 
Wat is vroem sonder daet 
Lieue gheselle nv riet 

Bezint eeip ghi vint. 

91. Liebespein. bl. W. holländisch. 28 txsrse. 
fi^fkng Ich haen in myns hertzen gronde 
schlufs Dorch elende so roephe ich waph& 

92. Hoe ene vrouwe der andere vragede. bL 52^. dB'', hol- 
ländisch* fast unverständliches bruchstück. 

anfang ich moys mel orloue vch gewage 
schlufs E mich onrerdiende weerde. 

Des lonich wal. 

93. Liebesgeständnis, bl. 53* — 54^ holländisch. 277 verse. 
der dichtet* nennt sich einen Friesen (Eynen vrisschen 
man), 

anfang Die tso drien heUinge is gehören 
AI hed des aUe die vfwAi gesworS 
Hene kä tso tween penninge nemmer ccMien. 

schltfß In deser reden scefden weyr. 

Verlengen. 

94. Van der moeder gods. bl. 54^~55\ holländisch. 5 zehn- 
zeilige Strophen (2 und 3 fiur neunzeilig). — vgl. Mone, 
volkslit. ^.159. — als melodie eines weltlichen liedes 
erscheint es in Speien van sinne. Anfwerpmt 1562. 4. 

* Het Liedeken 
Op 4en voys, Tis bedcn den dach van vroiydcheft. 
Het was een proper knechtken reyn 
En die sott gaen ten Bossche' u. s. w. 
affang Hets een 'dach ^mn vrolicbedeii 
Kersdach nideB conin:^ ho«e 
WaM 4aer heeft gfaewomieB iieden 
Ene magel van grot6 (ono 
Een kint I» «mel m WMdcriydi 



256 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

Schluß Die borsten oec wel salich waren 
Die god in sine jonge jaren 
Te sughene had vercoren. 
Gheuade here god. amen. 

95. Frauenpreis, bl. 55^. holländisch. 5 achtseilige Stro- 
phen» 

anfang God biet siin moeder wyf 

Daer om is wyf een bloeynde stam 
schlufs Dyn lyf noch mee vrouden doet. 
daran ist als sechste Strophe geschrieben der gar nicht Um^ 
her gehörende spruch 

Mi wondert dat ich mi vermete 
vergl. bl. 7% w« 16. 

96. Liebeshoffnung, bl. 55®^. holländisch. Aßverse. 
anfang Des is ghaer onimaysyn lanch 

Das ych nie van hertsen zanch 
Vrolich dorch eyn wyf 
schlufs Wildir mit gonsten hulphe genen. 

97. Noydeken zeyt dit bl. 55*. holländisch. 14 verse. 
anfang Gonst is alre gauen groet 

abgedruckt bei Bilderdijk, taal-en dichtk. versch. th. 3 
s. 168^. 
dahinter 12 verse welche den eersen 5 — 16 wi »® 45 (bL 28') 
entsprechen. 

anfang Had ich mi seinen en haer 
dahinter Die sinen liefsten vrient misdoet 

Aen hem seinen die en is niet vroet. 

98. Van den scepe. bl. ^G"" — 59"^. holländisch, ^ugustyn- 
kin. 593 verse. — vergl. MonCy volkslit. s. 285 und 
fVillems, belgisch museum^ deel 1 bl. 354 ff. 

anfang Hi dunct mi siin wael geleert 

Die siin genuechte in dnegden keert 
Want sonder ghenuechte in dese leuen 
Is lettel yemant vrolich bleuen 
Want reyne genuechte cn vrolicbcyt 
En is niement wederseyt 
Wils hem gheuen die^naluer 



BANOSGHRIPreN IM HAAG. ^ vn 

Mar elc mensedic creataer 
Die sal billic 5iin gennecht ^ 
Mit eeren voegen aen die dnftgd 
Want god sal loen van vraeden geuen 
Hern die hier in duegden leaen. 
schUffs Q Aagustynky heeft dit om dbest geseyl 
Ende den laden Toergeleyt 
Niement bi aonj^ maer gemeyn 
. Om dat me siet dat so cleyn 
Op eeren acht bi dat men dede 
Doet wel hi bouts sinen vrede 
Doch wie op derde zeyet syn saei 
Hern is lief dat wel op geet. 
Explicit. 

99. Dits van der vronwen horch, bl. 59' — 61*. hoUändiseh. 
Augustynkyn. 186 verse. — vergL Mone, volksUt. 
^.281. Willems y belg. mus. 1 s. 353. 

anfang Wael behagen is een gennecht 

In den mensce m* yst ondnecht 

Daer hem le behagen af gesciet 

So en prisic sün behagen niet 

Die hMH seinen können yeynseii - ^ % 

GhennecMt iragM in qnade pensen 

Daer sende af col^ of vriende scade 

Dats quaet doen (syt) met yoemde. 
schliifs Q Augustynkün leyt dit voer ogen 

Allen goeden reyne wiuen 

Dat sie hueden w* si megen 

Dese edele borch mit hS vinen. 

Explicit. 
dahinter Q Hope th aerbeyt hoert^ toe 

Wie so leeft als ic doe. 

100. Die einsame beleidigte, bl. 61^—62^. holländisch. 
190 verse. 

anfang In eenen meye qoam ichgegaen 
Aen eenen bosch d* io vant staen 
Ene Sonderlinge scone maget 
z. F. D. A. T. 17 



258 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

schlufs Hi weet cleene wat hi verwerft 
Die cen rcyn wyf verdecrfl. 
Q Her wanckel moet* 

101. fVenschenhorgh. bl. 62'*^ holländisch. 39 verse. (m 
der hs, ohne Überschrift.) abgedr. in Le Jeunes volkss. 
s, 86. vergL Mone, volksL s. 297. {über Not/- 
dekin siehe oben») — ein riUetßtrchtetßlr die Sicher- 
heit seiner bürg WenMeksmhwrA wSkrend seiner abwe- 
senheit, und beschliefti deshalb sie vor der abreise sei- 
nem lehnsherm in hut zu geben. 

ar\fang Ic ben beghaen al hier mede 

Efi hebbe langen tyt gedoecht 

Of ic van wenschenborch oec rede 

Wie ic den slotel laten inocht 
schh{fs Doch hopic dattet niet en sal. 

Q halt vast, 

102. JFenschenborgh. bl. 62**. holländisch. 64 tferse. — 
ist eine kürzere und vollständige bearbeitung des vorher- 
gehenden gedichtesy was Le Jeune wenigstens mit zwei 
Worten hätte angeben sollen^ ^- nachdem der ritter seine 
nothwendige reise und die einstweilige Übergabe dei* 
borg an den lehnsherm kurz erwähnt hat, erzählt er 
weiter dq/s dieser, sein vermeinter treuer freund , die 
barg ganz an sich genommen und ihm bei seinet* rück- 
kehr nicht wieder herausgegeben habe. 

anfang Wenseenborch dat ml gheue 

Moet ic clagen ouer al 

Dat mi d^ af heeft verdreuen 

Die here diet mi te leene beval. 
schb{fs Goede lüde hebt dit voer ogen 

Of v van desen comt te voren. 
Explicit 
dahinter ein holländischer sprach von 12 versen, 
^nfong Bi wilcn plach ic teenen tidc 

Een toepas heymelic te liden 
srhli{/s Dus ga io al vm al yst lane 

Enen gemeynen ommefanc. 
met ende kerf. 



HANDSSqWrEN Di lIAAfi. 2» 

103. Die geheimnisvolle kawsüer,. i/«'^3*^ holländisch. 24 
verse, 

anfang Ene camere hebic geraeot 
schlufs Des der camer is ghevoech. 

104. Trost, bL 63^. holländisck, 16 verse. 

anfang Sint ich mach gantz nach minem wil 

So yst mich allent gaer eyn spil 
schlufs Gheloeft A god ieh ben genesen. 

Adieu Adyea tnamye . 
dahinter Q Wederstoet is zull tyt goel 

Nv merct wz dogede dat hi doet 
Hi doet den mennegen salen 
Die leuen soude in ommaten. 
Q Die auontnren doet äffen risen 
Ende versmaet den vroeden wisen 
Die vroede wise moetse copen 
Den äffen comt si toegelopen. 
Cui maior intellectus minima fortuna. 

105. Minnesold um ritterdicnst, bL Bd^^ holländisch. 
3 achtseilige Strophen. 

anfang Sol eyn legender getelinch 

Den vrouwen alzo wal bel^g^eA^ ^ 
schb{ft Zulc moyt vil lobes erworiioa hayt. 

explicit. 

106. Dia heruntergekommene gesellscfufß, bL 63*^ — 64'. 
holländisch. 78 verse. 

anfang Ich quam d ic groet wonder sach 

Hoe eyn ghesinde te velde lach 

Ende al die gene die d^ waren 

Waren cranc en out van dagen 
schlufs Die vrolich leefl hi houde vast 

Sone w^ t hi niet ellendich gast, 
explicit. 

107. Die belebende fiseherin. bL 64*^°. holländisch. 
11 siebenzeilige Strophen^ mit fehlenden versen. 

anfang Tgheviel daz ic mi soude v'morgen 
Op ene riuiere vä suet^ leeht 

17' 



^;^ 






260 nANDSGHRIFTEN IM HAAG. 

schh{fs Ind^ werelt ysl droge yst nat 
El niemant dan hi sond' dat. 
explicit. 

108. LiebesquaL bL 64* — 65*. holländisch, \2 achtseiHge 
Strophen. 

anfang Lieft si mi en ic en mach 

Scaffen iet dat h* behaecht 

So bliuic van haer oobeclaecht 
schlufs AI doet si mi dicke lede. 

explicit. 

109. Noydeken seyt. bL 65*'*'. holländisch» 14 sechszetiige 
Strophen, die erste und letzte unvollständig, herausge- 
geben von Bilderdijk in seinen taal-en dichtk. versch. 
th. 3 s. 164—167. 

anfang Boue der naturen leere 

Can moet meyster syn en beere. 
V. 16. lese ich aus den ziemlich undeutlichen zligen der 
lis, som, wodurch Bilderdijks eonj. fijn überfli{fsig wird. 

110. Unterricht der minne. bL 65*. 66*. holländisch. 76 
verse, 

anfang Mlin vronwe venns die godinne 
schhfs Dus seiet ic truericb van dan. 

Explicit. 

111. Von dem fundamente. bl. ßß^. holländisch. GAverse. 
vergl. MonCy volkslit. s. 277. 

anfang Een selicb wyf van jongcn dagen 

Hoerde icb zus in eenre stat 

In eener goeder geselscap vragen 

Daer sy in boger vruden zat 
schlufs Alle guetc werden wiuen 

Gbeuic bier exempel aen. 
explicit. 

112. Ergebung in der herrin willen. bL 66**. holländisch. 
3 achtzeilige Strophen. 

anfang Myn vroawe sint ich di yrst ansach 
Onde dyn güetc mich ansprach 



HANDSCHRIFTEN Ul HAAG. 26fr 

Soen Ulf as ich nye nacht no dach 

Aen hophen tswiael ynde liden, 
schlufs In cans ontlopS noch ontriden 

Yst mir yet heils van dir besceert. 
explicii. « 
dahinter derselbe spruch 

Her erentrycb zeghet das mi 
wie auf bl. 31 • («<> 55.) 

113. Zufriedne liebe. bL 66\ 67*. holländisch, 36 verse. 

anfang Dinen minnentiychen lyf 

Gheciert in rechter wyflycheit 

Dat so halt in eeren styf 

So wert diin name in doechden breyt. 
schb^fs Want in mines hertzen gronde 

Wert düns ghelike nye gebore%: 
explicit. 

114. Symbolischer ß'auensohnuct. bl. 67* ^ "^ . holländisch . 
13 sechsseilige strophek, 

anfang Als feil aenzie den werden aert 

Daer alre yrst wt vonden w*t 

Minne die men so edel scryft 
schlufs Condic hem beters yet geraden ^^ 

Daer si ter werelt bat in daden 

Ich had gezeit in mynre. leeren. % 

Explicit. 

Niet voer een reyne wyf. 

115. Frauenekre. bL Vf^i holländisch. \% verse» 

anfang Een guet wyf die eerleo leeft 

Het valt dat si haer daer to geeft 

Dat si haer teere stat verghyet 

Als dicwile is ghesciet 

Croeden werden reyne wiuen 
schbfs So machmd heyHi^T waeldedich. 

explicit. 
dahinter Wat acht ich oph dem hont 

IMJI^er nicht en bytsyt 



262 nANOSCHRIFTEN IM HAAG. 

Syns ghuerrens acht ich nicht een haer 

Werd ichs ontwaer 

Das her gheyn cleder rytsyl. 

Damit wäre denn der hiesige handschriftliche vorrath für deut- 
sche Uteratur gcschlofsen und vielleicht schon zu weitlä't{/ig bespro- 
chen; doch kann ich die gelegenheit nicht vorüherlafsen noch 
einige notizen beizufügen die, wenn auch streng genommen nicht 
hierher gehörige doch von einigem interesse ßir die wifsenschajt sind. 

DIE PAPIERILVNDSCHRIFT DES REICHSARCHIVS IM HAAG. 

Sie wurde zuerst erwähnt und kurz charakterisiert von herrn 
prof. Hoffmann j konst-en letterbode. 1821 th. 2 *. 315 und horae 
helg, 1 s, 94, nach ihm von Mone^ volkslit. s. 143 7i° 144 a, und von 
Snellaert, verhandeling over de nederlandsche diohtkunst in Belgie, 
Brüssel 1838. 4. s, 198, der aber einen per gament codex der königli- 
chen bibliothek daraus macht, auch Bildei'dijk, taal-en dichik. versch. 
th. 3 s. 130/., glaubt sie in der königlichen bibliothek und setzt sie 
beiläi{fig ins 13e Jahrhundert. 

Jan JVijn fand sie unter rechnungen welche die abtei Egmond 
beirqfen und verordnete dafs sie nach seinem tode dem königliehen 
archive bleiben sollte, diese nachricht nebst einer kurzen Inhaltsan- 
gabe findet sich, von seiner hand gesehrieben, at{f den vorsetzblättcrnt 
datiert vom Juli 1821. er hat auch die handschr\ft paginiert, 
nach seilen, flicht nach blättern, es sind 134 selten in octav (67 
blätter), zu Je 19 zcilen. eine zweite der ersten ähnliche hand be- 
ginnt auf s, 53. die wafsermarke des papicrs ist aus den Jahren 
1430 — 1450, nach der vortrefflichen, reichhaltigen Sammlung des reichs- 
archivs welche unter leitung des herrn rciclisarchivars de Jonge der 
archivcustos, herr de Zwaan, aus leeren blättern datierter Urkunden 
angelegt hat. 

Der tejL't ist sehr ungleich, an manchen stellen, abgesehen von 
der Orthographie, ziemlich brauchbar ^ an anderen unmöglich zu ent- 
räthseln. ich habe ahschnft davon genommen und will hier eine kurze 
Inhalt saugahe folgen lafsen. 

1. Van der fecstcn, i. 1 — 36. 775 uer*c. das von Blommaert hinter 
dem Theophilus s. 67 — 93 herausgegebene gedieht • vgl. Mono, 
volkslit, s. 279. hier erscheint es ohne Überschrift und beginnt 
freilich mit vincm grofsen anfangsbuchstaben, aber in der mitte 
Piner strophe, mit vers 59 der Blommaertschen ausgäbe, dagegen 
giebt es am ende verse mehr als diese, 

ar\fang God ioDoe mi dat noch moet tien ^ 

In hemelrike die vrouwen «in 

1. God onne mi dat ic moete fn hemdryi* die joncfroawe sien Bl. 



« 



oandscbrif; ^ 

• 

Die du« vrienddiaken ▼ ^ 

Ende hair 8oe j dede tot 

Soen was si suyr nv wreot ^ 
lo ben hoir vrient wair dat si ay. 
sckiti/s God gheae hair lyf thtra iMiten 

Ende doese ewelyo w^ waren ^ 
Soe moetea si oec alle die hewe bekoert 
Dit dychte eo dese woirt 
Ende bidde guede doir fioe genadichede 
Dat hise bescorme rechte woirt 
Sun 8i oest cayt wett of noerd 
Van der helscher bitterfaede, amen, fit laiu. 

i. Die iehelmitehe Jirau^ $, 37— -40« 75 twr«e» in welchen man deutUeh 
achtzeüige etrophen erkennt, hat bedeutende llicken. — ein (faet- 
wirtf durch eeine frau zum/aUehen iteUdiehein geioekt, wird 
geprügelt und ist nachher »t^Driedner ßU zuvor. 
ai{fang Ic prys een wyf die hareo man 

Verdwasen can een sot 
AI daet si hem die blaen haegek^ an 
Hie waeot dat hl is hair afeod. 
schilt/s AI dat hi yerteren mach dat scryf 

Want gaeder i%Touwen een hewens seoiit. 

3. Sprüche, unter der Überschrift Der mlonen gaet finden sieh von 

s. 40 — 54 eiTte menge sprUehe ohne absat»^ selbst ohne scheiden- 
den punkl an einander gereiht^ nur zwischen den letzten ist zu- 
weilen eine zeile breit räum gel4{ften, neun davon sind gedruckt, 
ohne angäbe der quelle, in Fiesehere b^dr, tot de oude letterk, 
d. nederi, Utr. 1835. #. 313. 314. — < einer ist oben unter n* 40 
der Uederhandsohrift berUeksiehtigt. 

4. Fon tninnen, s. 54- 66. 2^7 verse. bricht am ende plUtzlieh ab. — 

eine gpsellsehqft junger ieute unterhält sieh in einer laube ntit 
räthseln und plaudereien von minna. (gedruckt aus dieser hs. in 
den alid. bl. 1, 66#.) 
af\fang Het ghesciede in eenen ioner lyt 

AU oueral die werelt wyt 

Die louer an dien boem blnyden 

Eü bloemen wter aerden groyden 

Die lacht vertmerde ghelyo criatal 

Nachtigalen cü calanderen 

Die leweriken mit den anderen 

1. In V. 56 Bl. war gmagi In ate elf nifl dan ai sl snede. 
2. Si cn es weder fei no wreet BL 3. w gewöhnl. etatt v in dieser 
handschrift. 4. haegck, eigentUck hnyake, aiJia ort mantel, vergl. 
Hangt die hnyoke na den wint, Le Jmm0, valkez. s. 98. 



264 HANDSCHRIFTEN IM HAAG. 

Die cleyne voglielkyns efi groet 
Songhcn daer wael menighe noot 
Van soe soeter melodye 
Dat jongher lade .i. partie 
In een prieel to samen ghingben 
Om dat si al daer sonderlinghen 
Drinen willen liaer jolyt 
Onbeducbt van niders nyt. 
schlifft Haer oghen slaen si staphans te dale 

En bliue voer bem siende daer 
Oec waerden si cortelyo daer naer . . . Amen dico. 



5. Eine tugendhafte frau übertrifft die vier elemente. #. 67 — 73. 

139 verse, 
anfang Vier elcmcnten syn op aerden 

Daer van god mit ryker waerden 

Die edel menscheit hayt ghescaeht 

Mit synre godliker cracbt. 
schlieft Nu louc voer na deser leer 

Dieb god weert bilde en de werelt eer. 

6. Zwei punkte zu halten für eine ftau, s. 74 — 77. 68 verse. 
anfang Lief troest myns bartzen salicbeit 

AI recbter doeebt al wel gbemeten 
Ic neem dat al op myn eeyt 
Da biste vroa wyflic tycb bezeten 
tchlvft Doer godo latet mit dyn bulde bebenden 

Recbt vricndelic bid ic di dat. 

7. Min vriendeln lieff. unier dieser Überschrift werden t, 77—89 in 

%^9 Versen die rohen sitten der bauern geschildert, ein echt nie- 
derländisches genrcbildf leider vielfach verdorben und sprachlich 
sehr schwierig j interessant auch durch den gewöhnlich zwölfmal 
wiederkehrenden reim, es waren nämlich ursprünglich 15 sechs^ 
zehnzeilige Strophen, von denen jedesmal die zwölf ersten verse 
einen und denselben reim haben , und einen anderen ebenso die 
vier letzten, 
arfang Der mey comt bier dez mach men scoawen 

So wie syn bloemcn scoen can stroawen 

Men siet op den dorren aerden 

Auonts smorgens lostelic douwen 

Ridderen knapen heren vronwen 

Plogbers die haer acker boawen 

Scepers die haer beeste scoawen 

Boschers die dat weit gaen hoawcn 

Pelsers die haer pdsen touwen 



* 



■♦* 



HANDSCHRIFTEN nifHAAÄ^* % . 2# 

Louwen die hier ladtf'loiiweii 

ES elker male vergheiE'gyii rotfwen 

Mer wie een voghel Inder «mwen ''^' 

So legio hier besloten haert 

Daer toe so swan^ nd in myn baerl 

Een knost en Iraer een will rennaert 

Dos toent een kaeii syn kaerUgke aert. 
aus 9tr, 13 Wat helpt dat ic ▼ blasenier 

Een recht gehobner en md mstier 

Die 8ol is honerdich en fier 

Dit is een alte wreden dier 

Ja al die meyster van momplier 

Van basel straetborch Torms en apier 

Dar toe van mens colen ynd trier 

Bn screne mit [niet?] half haer manier 

Ja [ol] waert oec alte mael papier 

Dat laken dat men maect te lier 

Hi en hilt van rasten noeh van vier 

Hi seyt hi seyt in calengier. 
schlaft 15 Als hi dan vol eomt vten hier 

Soe (statt Sees) hi dan alte vreemden tier 

Want soe grimmet hie daer en hier 

Recht wie een sdp doet inden rinier 

AI oner hoeck als die torrier 

Recht als een hont mit eenre hier (?) 

En Sit als een verdronken stier 

Lichtelic war$ hi vertorent seier -r— 

Soe plnnst hl dan wt syn eoUier 

Bn recht den hals als een eoppier 

Roelant die stonte noch olimier 

En hadden niet bi hem en spier 
Hi meot dat alle man voer hem pypt 
Hi knort altoes en grynst efi lypt 
Tis sonde dat yemet mit he kypt. 

8. Frauengunst gehurt nur dem würdigen, t, 80. 00. 36 uerse, 
anfang En goet man die tot snlker wonnen steyt 

Dat hem een goet wyf is bereyt 
schli{fi Mer wie ghien eer en heuet in 

Die en acht der eer meer noch min. amen. 

9. Die betrogene, s. 91 — 108. 355 verse. eine frau kaHe einen ar- 

men aber hqfisehen ritter versehmäia um einen reichen aber 
geizigen, der arme prellt nun diesen um die vertproehne hÖehste 
gunst und gewinnt die frau, 
anfang Sint dat wi vronwen garen 

Dat wy smeken elE smaren 



266 HANOSGHIUPTBN IM HAAG. 

ES licken omtrent deu bftert 
Dat yaert g^aerne hiaderwaert 
Op dat w\ ia die hurse ayn dol 
Ach dat dat vem atea mul 
Aldas seer miaaea vervnat 
schltifs Des JOD De hem die reyne magbet 

Eä ontkeren den vreckea baer aeasicht 
Amen hier ende ic mya gfaedicht. 

10. l'on wahrer minne. $, 108 — 111. 69 verxe. 

anfang Des meyen nacht doet verhoghen 

Die wilde voghelj'n iaden woade 
schlufs Wildi in eerea gyn g^henoeiat 

Doet wel eä niet ea roemt. 

11. Van der loser \Toa. #. 112 — 114. 58 ver»e. hruchstück. 

anfang W'aer nataer twe harten vuecht 

Te samen mit gherechter doecht 
tchlujk Dat ghi die >Tonwe hebt vercoreo 

Dat is seker pj-n verloren, amen dico vobls. 

\% Van der ghilde in der blanwer achuten. #. 115 — 129. 297 verte. 
alle luftigen briider werden mit sirenger austonderung der se/tlech" 
ten in die blaue schuite geladen^ durch Jacob von (hsfcoren, imj. 
1413. eine merkwürdige abbildung dieser blauen eehuite mit der 
Unterschrift 

Daer platbroeck speelman is, eo stierman in de bane, 
Daer sien hem de voghelen voer eenen bayben ane ; 
Eu altiert syn gbeselacap datse moghen sweeten, 
Het suUen de sanghers in de blau achuj-ie heeten. 

theilte mir herr bibliothecar Holtrop gefäVigsi mit in einem album 
der königlichen bibliothek, 

anfang 

£d alle ghesellen van \%ilde manieren 

Oiitbicdeu wi gruet eü saluat 

Te comen in die blauwe scunt 

Eü inder blauwer scuten gbildc. 

Syn si onedel, of [of] randen sdlde 

llem allen gaem men ontfaet 

Op dat si lenen als hier na staet. 
trJiluft Ghegeae in ous bero jaer 

MCCGC eü xüi Toerwaer 

Opten rechten vaatelanont 

Ala die van brabant wel Ia eoDt 

Doe si in oest-polre atakaD 

en die speren in die aar van vroawea braken 



Ah 



a 

HANDSCHRIFTEN U HAAft>' 2if 

Jeglieiis die van oadefauit kerke 

Hie bi so maclimen merken 

Doe dit gfailde in brabant qaam *^^ 

Bn men dit ghiit an nam 

Mer dit gbUt was langbe te Toren 

T anwei]pe verlieaen en vercoren 

Bert die van brabant op bienen 

Mer t anwerpen en syn gbien brienen 

Noch gheen hantvesten hoc si sonden leven 

Si en worden hem bier na gbegenen 

Wten hantvesten en wten- coren 

Die Jacop dichte van Oestvoren.' 

13. Net^'a/trsgedieht. «. 129—134. ohne wMiifi. 10% ßragmentari- ^ 

iche fast ganz unverständUehe verse, 
a/{fang Nu dicht jeghens dat nie jaer 

Dat vrowet menich bartsen gaer 

Die leveric mst nn openbaer 

Vnd acht daz winters nicht en baer 

Zieh vmwie zieh des somer twaer n. t. w. 

DIE GERARDSCHE SAMMLUNG. 

G, J. Gerard war kaüerlieh königlicher seeretär und auditeur der 
rechenkammer, attackiert bei dem departement der archive »u Brüseei, 
seeretär der akademie %u Brüssel u. s, w, und sammelte eine bedetUende 
anzahl originalhandschr\ßen, meist atffdie geschickte und literatur der 
Niederlande be%üglick^ welche er durch eigenhändige oder unter seinem 
äugen verfertigte copien anderer manuscripte und arckieaUscher doeU" 
mente noch vermekrte, diese reiche Sammlung wurde nach seinem tode 
von der niederländiscken regierung im Jahre 1818 angekat^ft und dem 
reichsarchive im Haag überwiesen, im Jahre \%Xt aber wurde eine 
sonderung vorgenommen , in folge deren nur die rein archivalischen 
stücke dem archive blieben, während die übrigen auf die königliche 
bibliothek gebracht wurden, diese erhielt dadurch 430 nummem, und 
141 nummem blieben zurück, ein origHialeatalog über die ganze 
Sammlung bandet sich auf der bibliothek^ eine genaue abschr\ft des- 
selben auf dem archive, letztere war mir zu flüchtiger durchsieht 
erlaubt, und aus ihr ist der folgende auszug wörtlich entnommen, 
alle hier angeführten mss, befinden sich dem cataloge zt{folge auf der 
königlichen bibliothek. 
Litt. A. n* %0, Chronicon sive historia RomanonuBy ab Octavo Angn- 

sto ad a. 11170. — MS. vor velln in 4. d'nne. belle ^eritore da 13 on 

14 siicle. 
Litt. A. n^ SO. Specnlnm Aituronun tempomm a FVatre Gibeno dietns 

Priore ia Enbach compilatum ; continens : 
1. Pentacbronon, tive VIsieMa etPrepbetiae S. Hildegardls. 



an 1IA>D§€HRIFTE% IM HAAG. 

7. Cfnlli PrpHbyvri visinsea et Pf»päetiai» eani i^iiwü ec üumaieac. 

i'i:i«*himi. sbbatii. famiAtiirüi moatl:! Floridi. 
3 Pr lohelia Sfr^rlini «tiai gl(»:ua Fratrii d« Rapeirüa. 

4. FritrU l>b«^')nij Priorü ia Eabatfh, Praedictioae« de aovn Pa^ 
•►t de aovi Ifflp<?rat)re jMwt tempora Frideriei !I, 

5. Pr'ph**tl;i«^ SibilUe Eritrea«* BaLiUoieaju «t Sibilla« Tribartanai* 
rt Et/^erpta •»x Librij St. Hllde^rdij et Pr*ipbetia Joaehimi. 

M.S. d'aae eirritnre da H lieele trea b«Ue et biea eooderre. de 

t^ paf^ei 10 r>l. 
O.S diif'^rentes propb^tlea , ^oi aoat tres earieosea, paraiaaeat 
av'iir ete raisembleea da tems de remperear Frederic 2. et 
pQhli<fei en ^a favear eoatre lea papes. 
f^U. A. n'* 37. Seer sebooae Sermoaea van Broeder Jan Taawelaere. 

MS. »nr pap., errit ea 147S in 13. /ekli nach dem cot. 
Litt. A. n^ 71. Refere^nen en andere Stacken in dickte ran renekeyte 

irlaemscbe Poeten, be^een ?er^deit door J. Miekieb Tan BrosaeL — 

MS. d'Qoe ecritare da 16 sieele, de 314 femiilets oa 63S pa^es in fol., 

far pap. 
Litt. A. o** 80. Cbronicon Praesalnm et Arcbiepiseopomm CoIoDien- 

fifim et de ßarnio sti Petri. — MS. in 4. for pap., d*aae ecritare da 

15* siede. 
Lit. A. n* 124. Hist. genealogiqae de U Maijon de Laxenboarg depais 

Ha^es Capet, Roi de France, et de qaelqaes familles, qai j senl alliees, 

par ClemeDt Sangnio. — BIS. petltin-foL aar pap., d^ane ecrit. da 

16 sieele, avec des armoiries eolaminees. 
Litt. A. n* 128. Aibam amicoram de Jean d^Aadelen de Broxeiles, avec 

des armoiries enlnminees et des chansons arec la Mosiqne. in 12. pap. 
Litt. B. 0*^ 220**. iS'otice des Uvres, qai traitent de Thist. de Namar, de 

Laxemboarg et de llainaat. MS. in ful. 
Litt. B. n*3l8. >otices et eztraits de qaelqaes MSS. des Bibl. de St. 

Maximin a Treves, de St. Martin a Toarnay et da Chapitre de la Ca- 

thedrale d^Ipres. — MS. de 311 pages in fol. 

Litt. B. n* 320. >'otices concernant lesPoetes, nes dans les Pars -Bas, 
qiii ont ecrit en Francais et en Flamand , et qai ont vecas depais le 
12 si(:('le jusqu^au commencement da regoe de Temp. Charles V, avec 
qnnlques extraits de leors oavrages. — MS. in ful. 252 pages. eigen- 
händii; von Gerard. 

La piaspart de ces poetes ont ^t^ inconnos k Taatear de la Biblio- 
theca Beigiro. 

Litt. B. n* 324. Notices bisloriqaes, concemants les Ghambres de Re- 
tboriques, si renomniees anlrefois dans lePays-Bas, contenant la Liste 
de res Chambres, les fetes qa^elles ont donn^es, les prix, qa^elles ont 
remport^es etc. — extraits d'an grand nombre d*anciens MSS. et de 
quelques Uvres imprim^s. 2 Vol. MSS. in fol. — eigenhändig von 
(Jvrard. 

Lill. B. u* 325. Description de sept fites des Cbambres de Retboriqaes 



HANDSCHRIFTEN IM HAA^ 

de Flandre, de Brabant et d'Hollaode, depais 15|t9 jiis^*eii 1620» avec 
Textrait des pieces, qui y ont remportees le prix. — MS. in fol. de 284 
pages. Hgtnhändig von Gerard, 
Litt. B. n* 326. Nolices historiqnes concernants les Musiciens Beiges, 
restauratenrs de la Musique en Europe, peadant les 15 et 16 si^cles, et 
coacemant quelques antres Mosieieos Beiges eelebres, aree la liste de 
leurs ouvrages. — MS. io fol. d'ont 11 n'y a anenne copie. eigenhändig 
von Gerard, 
Lilt. B. n® 330. Catal. raisono^ d'one partie des MSS. de la cel&bre 

Abbaye de Ckmbloars. — MS. de 164 pages in fol. 
Litt. B. n^ 334. Catalogae de tons les Livres MS. , qni se sont troav^s 
dans les Bibliotb^qoes des Jesnites des Pays-Bas lors de lear sap- 
pression, et qai ont ^te plae^ dans la bibL pabliqne de Braxelles. MS. 
de 304 pages in fol. 
C^est le MS« original. H en a ^t^ remis dans le temps ane copie au 
Crouvemement ; on ignore ce qu^elle est devenue ; ainsi ce MS. est 
le senl par lequel on pent connaitre qnels ^taient les MSS. qni 
^taient dans les Bibl. des Jesnites desPays-Bas: vu qn'il n'en existe 
anenne copie. 
Litt. B. jk^ 335. CaUl. de tons les MSS., qni ^taient dans la BiU. 
Pnbliqne, dite de Bonrgogne k Bmxelles, avant Fannee 1794, lorsqne 
la pluspart en farent enleves : scavoir des Manuscrils de Tancienne 
Bibl. des Dncs de Bonrgogne ; de cenx de la Bibl. de Margnerite d' 
Antriebe, Ducbesse Douairi^re de Savoye, Convemante des Pays-Bas ; 
de cenx provenant des Bibl. des Jesnites ; de cenx provenant de la Bibl. 
du Duo Cbarles de Lorraine et de cenx aehetes par l'Academie des 
Sciences et Beiles Lettres de Bmxelles. — 3 Vol. in fol. 
MS. orig., dont il n'y a anenne eopie, et par conseqnent le senl par 
leqnel on pent connaitre les MSS., qni ^laient dans la Bibl. de 
Bmxelles, on il n'y avoit point de Catal. des Mannscrits. 
Litt. B. n* 338. Acte dUnstitntion et erection de la Chef Cbambre de 
Rethoriqne par TEmperenr Maximilian et Philippe, Archednc d^Antriche, 
son fils, en 1492, confirm^ en 1512 par le m^me Emperenr et par TAr- 
chidnc Charles. — MS. in fol. — eigenhändig voji Gerard» 
Extra, n* 26. Notice on recberches snr les anciens Poetes Beiges e\ 
des Pays voisins» qni ont ^crit en Fran^ois, depnis 1260 jnsqn>n 1520. 
MS. in fol. de 240 pages. 

Haag, f ehr. 1841. JULIUS ZACHER 

aui Sehhiien, 



270 



DEtTTNG DER MESSGEBRÄUCHE. 

GEDICHT DES ZWÖLFTEL JAHRHTTiDERTS. 

132** STt mac der mut als ^rne eine zrware . 

Haren zo den ewigen genaden. 

sam daz er nolge dem geseUcn. 

der in nerlailet zo der helle. 

der ime nimmer geseit. 5 

die rehten warfaeit. 

wan daz er ime nor gelichsenot. 

er wil in leiten in den tÄt. 

als och der uogelaere tot. 

der machet oz deme rise sinen hot. 10 

nn recchet nil lise. 

den chloben nor deme rise. 

mit barinen snoren. 

er wimet och da michel ongeaore. 

die och gesizzent an den chloben. 15 

133* Die werdent nil diche betrogen. 

er ziohet si hin in da. 

an enthobetet si iesä. 

sinen gratten er si git. 

danffe lit ein nberlit. 20 

same nert ez nmbe die alle. 

die betrogen werdent zo der heUe. 

Do horte ich och w3en wo! sagen ! 

daz scol man uns niht uerdagen. 

Man scol dir mei^ezzer. 25 

aar div swin niht giezzen. 

si niezzent ir niht. daz ist w4r. 

si behorgent si aner ail gar. 

iht mer hilfei. 

daz man den brideget. 30 

19. gratten] kratte der korb, tO. iberlit der deekei, Sckmti- 

lert, 438/ 



•f 



bBOTONO DER MESSGBBRÄüOB. ^ 299 

der dammbe nin^ tSt. 
wan daz er bespottet gotes wort, 
der bezeichenot daz swin. 
sin Idn. mSz dester böser sin. 
swer da sprichet daz git! 35 

im div wercb nine t6t. 
dem sprichet unser herre. 
uil nreisliche sere« 4-*^ 

er reueilet harte. 

mit sin selbes Worten. 40 

swer auer reit daz g6t. 
un div werch daz5 t5t. 
unze an sine iungeste stunde, 
der bat alle sine ndt überwanden, 
der hat alle sin arbeite ! 45 

133^ wol geleitet. 

er ist 5ch ein uil salio man. t, 

daz er ie an dise werlt beqnam. 

Nune mac ich nor minen snnden. 

neheinc g5te rede ehnnden. 50 

der heil geist enware 

min scennare* 

un enwolte mich behSten« 

uon den meintaten. 

daz er mir dorch sine gSte. 55 

gab deumSte. 

warhafte minne 

in min herze. 

daz miniv wort waren 

getriv. un geware. 60 

so mohte ich urlob haben 

ze dem aller bersten man. 

umbe eine rede gSt. 

die man uil diche uor tSt. 

umbe die uil misUche yarwe. 65 

da die briesiere Stent girwe. 

vor dem altare. 

wie dvrft uns des wire. 

daz wir daz rehte behielten nmbe die uarwe. 



'-4 



272 DEUTUNG DER MESSGEBRAUCHE. 

waz sie bezeichent so garwe. 70 

des ist mir chunt ettewaz. 

dvrch die waren minne wil ich iv sagen daz. 

nn uerlihe iv Christ der riche. 

daz ir ez uememet wislichen. 
134' un nemet ez uaste in iwem ni5t. 75 

wan div rede wirt uil göt. 

ez triffet an die misse ettiwaz. 

ir scult ez ucrnemen deste baz. 

Ez ist umbe misse abo gewant, 

si machete unser herre selbe der heilant. 80 

mit simme heil sinne. 

nü machete öch darinne. 

sinen heren lichenamen onde sin uil heit plSt. 

non div ist div misse oil g5t. 

un sprichet 5ch durch sin selbes munt. 85 

swer z5 der misse chumet. 

mit andahtlichen mSte. 

si wirt ime wol ze gote. 

begriffet in des tages der tdt. 

div misse hilfet ime uzzer n6t. 90 

so wir nur unseren lieben herren gän. 

wider des hulden wir haben getan. 

er ist uil gewaltec un uil riche. 

sone sculn wir niht chomen hochuerteclichen. 

wan er ist an dem willen. 95 

er wil die hochuertigen alle uellen. 

Durc unser langezvhte. 

bestet uns manec gesuhte. 
\3A^ wellen wir durch sinen willen ! 

daz unreht an uns niht stillen. 100 

so wirt unser ettelicher dar geslagen. 

da er neheinen trost darf haben. 

daz er immer m6re. 

gesehe sinen lieben herren. 

wellen wir die Christenheit begän. 105 

so sculn wir gedultecheit un deumSte haben. 

daz hat uns uor gebildot. 

der alwaltende got.' 



OEUTUKe DIR MBSSGBBRÄDCBB. "" p^ 

wie scolten wir aber si began. 
wan die ez an den b5cben sehent sttn. iio 

un uil rehte sebent wie ez quat. 
an dem b5che daz nor in da lit. 
der neheiner keret daran sinen m5t. 
daz ime si nnzze oder g5t. 

Die uns zehirte sint gegeben. 115 

die sollen knslichen leben. 
5ch sollen wir in uolgen nacb. 
der selben chnnsle daz ist war. 
wan die birte. 

daz sint die ewarten. 120 

un beizzent die ewarten. 
dauon daz si div kint bewarten. 
daz der t5fe mit mangeme g5ten segene. 
135* die da z5 sint gegeben. 

mit den beüigen gotes Worten. ' ^ 125 

' si uerlribent uo^ uns den leiden widerwarteh. 
un löfent uns mit ulizze. 
unser uarwe was . ft. wizze. 
sie beizzent uns cbomen lutterlicb. 
nur den beren cbunec. 130 

wir waren uon unseren sunden gebom. 
unser uint. bat uns uerlom ! 
wir waren gote uil lieb, 
unser uint wesse unser nibt. 

^. daz icb uil arm äian. 135 

so maneger sunden began. 
an den selben stunden, 
beten si micb uunden. 
si uarten min genote. 

ur5 un spate. 140 

un rieten mir. ie m6r un mere. 
swaz so si mobten zubele. 
min hftrez oleuaz. 
mit eitlere uulten si daz. 
si guzzen darin, baz un nit. t45 

111. /. ez quit, et hefflfi^ dieiittr. vergL /. Grimm, gr. 4, 53. 
Z. F. D. A. I. 18 



274 DKIJTUNG DER MES8«BMlAUCH£. 

daz ist daz aller wirsi$te liehU 

ich ensprich ez umbe aiuech alle [niht]. 

ich bin uil dicche geuaUeo» 

un sint mir wol cbunde« 

mine uerchwnden« 1 50 

135^ iedoch moht ich geheilegot werden. 

in dem salze der erde. 

Die briestere heizzeat sal lerre. 

beginnen! si der rehtea ewe. 

so der briester wirt gewihet. 155 

so ist er gote uil lieb ! 

so wil er zware. 

in haben zeimme gewinnaxe. 

sinen uil bereu amman» 

wol ijQL der si geren chan. . 1 60 

Ein chorter wirt ime danne beuolheu. 

er sol sehen, daz im deheinez^ daruz werde ucrsloln. 

un tr^e zallen&tunden. 

daz honec in dem munde« 

un gebe in salz sSzae« 165 

so sSchent si siae aSzze. 

un obe sich einez dicche* 

uon den andexea ^Qscicche. 

so habe er des lewea mbl^ 

un mache ez uil wnderea g5t. 170 

un habe ez in siner h5te ! 

un uille ez mit siner röte. 

unze ime daz 5ge. 

einweder naz werde. 

uon den trahenen. oder uon dem blole. 175 

so ist er sin meister göteJC- 

damit sol er si alle. 

bringen z5 dem stalle^ 
1 36* Der stal . bezeicheojt. diD cbmleobeU. 

wol in der darinne bestet. 180 

Den er denne niht nia.0 hedwiugen. 

noch z5 den andeiren, bringen. 

lei. kortep^ die hevde, Sehmeiler 2, 333. 176. sin] ein? 



m 

daz mi er i uarn. 

daz chumet dr in abrakames barn. 

daz hat sich so i; "ot. 185 

daz nimet der 
Die mislicheft : j i 
seit iv niamin ^arwe« 
dauon wil ich ein teil sagen* 

ob ich es orlob habe. 190 

Ez sint zwo uarwe wol getan ! 
die der briester an im sol haben« 
im ist blatte gescaffen. 
da mit zeichent man in seinem phaffen. 
div blatte heizzet chrono* 195 

die sol er behSten scone. 
chrSne ist ime niht gebare, 
eme si rihtare. 
hat er briesterlichen mit. 

so ist er rihtare g5t« 200 

daz er die läppen treit 
daz sol iv werden geseit. 
Div läppe ist gescaffen. 
zemanne dem phaffen« 

div bezeichent die knscheii. 205 

div an im sol sin ^ 

136^ der zungen. in sinen mnnt. 

dannan im div gSte rede wart chonl. 

weiten wir die minnen. 

in dem herzen darinne. 210 

un braitten. weiten wir si tragen. 

so mohten wir die läppen tragen. 

an mohten ez allez an uns haben. 

In die chirchen sol er gän. 

zaller uorderst sol er stän. 215 

er stat zalleruorderost. j^^, 

er ist nnser leittmre. nn nnsiar trevk" 

wan er ans sol leiiten. ^^. 

az disen arbeiten. '7*~' 

10A. i. zc manesne den fk. IM. /. diu an in sol sin geleU. '^* 

18* 



270 DEUTUNG DER MESSGEBRAUCHE. 

So nimet er denne in sine hant 220 

zalrerst einen champ. 
er rihtet daz sin har. 
ez sol ime ligen. daz ist war. 
an daz har ist ez gezelt. 

da ist ein anderz uzerwelt. 225 

wir sculen hinder ime stan. 
uil wole berihtet er uns daz ist war. 
mit goter devmote. 
uor gote dem gSten. 

So heizzet er ime ein wazzer bringen. 230 

so garwet er sieb an daz singen, 
als er daz wazzer enphahet ! 
ufi er die hende getwahet. 
137'' so wisscet. er si sL 

un trucbent sich danach ! 235 

an daz wazzer ist ez gezelt. 

ein anderez ist daruz erweit. 

wir sculn hinder ime stän. 

uil wol gedwagen. daz ist war. 

uzzen un innen. 240 

unde obe an uns si decheiner slahte übel. 

bediv nit. un haz. 

abe uns wiss'cen wir daz. 

So nimet er denne in sine hant 

ein uil herlich gewant. 245 

daz heizzet ein humerale. 

min trohtin dähte. waz daz wäre. 

damite chumet ime der scate. des heiligen geistes. 

uil wol bedarf er des. 

den leit er almitten uf sinen höbet. 250 

niht uerrer ist ime erlobet. 

daz er div 6ren darinne beleit. 

daz sol iv werden geseit. 

daz bezeicheni daz siniv Aren. 

nehcin unrehl Scalen h6ren. 255 

noch siniv 5gen dar gesehen. 

da er decheines unrehtes biiehe. 

von div sol man den briester niht twingen. 



DBDTUN6 DER MESSGEBRAHGBK. 177 

ze unrefaten dingen. 
137^ an nemac er ez niht gemachen, git. 260 

so k6re dan sinen m5t. 

Daz homerale ist uil h^re. 

ez bezeichent noch m^re. 

da sint ane zwene gortele lange. 

da mit er sich hat umbeuangen. 265 

da mit chnupphet er zesamene. 

die cbüssce. un die tugent. 

also Scalen wir daz hamerale tragen. 

So sliufet er danne in ein gewant. 

daz heizzet albe. an ist lanc. 270 

nnde ist genenaet wi%. 

an ist geworeht in allen nliz. 

azzen ant innan ! 

ist dehein nbel daran getftn. 

daz nesol deheine wis da bestan. 275 

Oiv albe. bezeichent den heit gelSben. 

der gel5be ist aaer oil g5t. 

der div gSten werc t5t. 

der sich tages nnde nahtes. 

olizzet gotes rehtes. 280 

der ist wol gehelmel. 

aaste gehalsperget* 

der mac wol mit rehte. 

daz aolwic darch achten. 

nolwic gelaisten I 285 

wider den swarzen meister. 
138" ande. mac Ane wnden. 

wenden her nmbe, 

her widere k6ren. 

z5 simme lieben herren, 290 

z5 der himelisscen iernsallm. 

wie mohte aps immer baz gescehenr 

Der gartel ist also getftn. .^: 

der sol ans alle nmbe utü^ 

der gartel heizzet daz reht. 295 

so garwet sich der gotes kneht. 

minneten wir daz rehte. 



278 DEUTUNG DER MESS6EBRAUCHB. 

wir hiezzen alle gotes chnechte. 
Div stöle. ist lano unde breit, 
div umbe sinen hals get. 300 

div bezeichent noch, 
sante peters iocb. 
do er dar in geweten was. 
do er sanc nh las. 

der noch da inne geweten st^t. 305 

wie salecliche der unr sich get. 
almitten in deme wege. 
daz er uns da mite zeiche gebe. 
Nu sculn wir hotten alle ! 

daz wir deweder halp uallen. 310 

diu stöle r6t. 
div bezeicben6t. 
den aller heristen wtn. 
diu wizze daz pr6t. 

damit wir alle werden geuSrot. 315 

138^ Diu casula. div ime wole stet, 
un in allen beuähet. 
damite wirt bezeichenol. 
Fides. Spes. Caritas. 

div ie mit gote was. 320 

die dri tugende. 
haftent zesamene. 
an machent stäte. 
alle des mannes gSttäte. 

alse daz pflaster oii gSt. 325 

die steine ander mure t5t. 
So nimet er den hantuanen. 
so ist der berre wol gar. 
so sint eruoUot. 

diu heil gotes wori. 330 

Der hantuane bezeichent die gotes uart. 
da diu helle ber&bel wart, 
an er die sine alle, 
löste uon der helle. 

er hiez si uam z5 den ewigen genaden. 335 

an hiez ans nach ime komen. dare. 



4;* 



E$n bilde er uns neft tiAe. 
da nach wäre uns Eettlll*S^nttte gil. 
sin hSbet neicte er SWIut^i 

uor dem heit alläre^ 340 

da mite ohunt et tins df« gfiie. 
daz got die deumSle. 
an sich nfttn lifi gi^» 
da er daz bere c^ce iMIIt» 
139' Vor dem gotes tisk« tt dttlne eltilitet. 345 

siner sunden er begifaeti 
so zeit er sine dOOld^ 

< 

er sprichet herre la »Mk hdktt iSm kdde. 
unde uerlich miri 

daz ich mSzze dienen dir. 350 

daz tu an mir mSzt^est kikeil. 
einen armen dienesUittl« 
daz ich böte werde, 
uon dem himele zS def tti(t. 
un 5ch heifiure si« ^5 

aller dirre menegi. 
so hat er urlAbes gegerti 
so ist got der in gewisri« 
Ein kiriet. er daflM sfalgei. 
die alten «e. er uns bringet. < - « . 359 

als er ze dem anderen mUM dngM« "^ 

die niwen .6. er Ws bridgel. 
Die lezzen list er dnine sA. 
daz euuangelium damAeh« 

als er daz euuangelium ane nahet« 365 

der mit umwühlen da ^tkU 
dem wäre zeware also g9li 
daz er nacchent uiele hl efaui gUt« 
wan daz sint gotes wort. 

unde sint an uns erttoBdt« 370 

Credo in unum. er damw siogM. 
den gelSben €t «&• briagct« 
139^ den soikunnen« wib. undtfiHtai 
der ie zerehter t(fe kam« 
daz er in spreche swa er si. 375 



2m DEÜTCN& DER MESSfiBBRAÜCfflE 

daz er da mite bewart si. 

Ein bilde «;r iins denne löt. 

'iaz wäre uns ^^ewizzenne :pt. 

«iaz er mit <ien .innen jcechmcet Stil. 

^db «iie luden inseren iienrn titen» .1841 

So «ier aenr sprichet . i>rale. 

ione sGoin wir iiiiit t^ntweilen nur. 

wir s€ain bilcn starciie. 

iimbe «iea f;0tea «^warten* 

iimbe «iie miäsc «de er sioiset. 385 

(iaz <T si iiurr ;auzze bhngsn. 

«läse ez i^ite wui ;;rzenw. 

Uli iiuä ;;f*nadeciiuä«n weise. 

!5u «ier 'lerxT .liäus* 

^tiit;t*(. >iauctii2»» saufstotf. 39<) 

nu ^t*wiiiiiei> T 'uiiuuer iitere. 

^ 'Udiit*^eii .leilare. 

•iaz <'!* «104 ;ct*iurre Üb. 

or iit^ im»«£t? seibü liaz liture lob awin, 

"iu heilen i :iite «ieiUM. ^3 

•iic !u*ii ('M^t*iOt 

Uli ittib oll uur fctii bnuicoit. 
ItartiAcii iwinei or 

uur <i(Mi uter >Utt IhÜMU 400 

«ia uiilo .iiiuidei or uim» die km^I. 
I*4U* dfti; uii>cr iieiT«) watf- 4tt dem chnwe tut. 
Uli >4U iivit ^[«»ie4 jj:!M«K!iMtaU 
UIIUC ^oHihvi% 

UOii >4IU1U0 itvit 'UiMUaUMU Stiiei« ^^ 

^» dvv ;;Mic> ow:iK«« 
SHKlivi luie iu4 iftarlt^ 

Uli Ml» <k» tr tll» llirt•^^ saih. 
di> wrJ»ii » rtyilk> 
UMiW aU« 4i«^ w^rll. 

^ 4W wgrti ««W> 



• # ■ -1- 
:' OmmiNe DER MBSSGBBRADGHB. 1# 

\ 

vA biachen die umhehaiige. 

die steine zerbrftsten. 415 

dir greber. sich df taien. 
do eriasc dir liebte, 
dir sänne, nn der mftne. 
wrden ir sein ftne. 

ez wart allez nerwandelAt. 420 

durc nnsers berren cbristes tdt. 
Ein tSch ist scone« un breit, 
daz wirt uf den alter geleit, 
got gesach den man. 

der daz g^ren chan. 425 

daz ist ein corporale. 
nö Jbezeichenot zeware. 
daz uil bei! gewant. 
da man unsem berren in want. 
do er uon dem cbraoe wart erhaben I 430 

an wart geleit z5 dem grabe. 
Daz man dar uf sezcet. an leit. 
140^ daz ist ar5de aller der Christenheit. 
Der chelech. der dar äffe stät. 
der bezeichent daz gotea grab* 435 

Dir pat^ne. 
bezeichent . den stein! 
der do wart geleit Af daz grab, 
da anser herre inne lac. 

In den chelech giazzet er den win. 440 

der scol aller herest sin. 
daz er daz wazzer da z5 tSt. 
daz gearSt ans allen den mSt. 
daz got den willen haibete. 

daz er uns z5 ime ladete. 445 

dir zwei werdent da gesegenot! 
daz dritte, ist ein br6t. 
daz brichet er in drir. 
heilic sint si eUir. 

dir zwei behaltet er sä. 450 

vil wole daz ist war. 
Paz dritte scii^zzet er in den win. 



£..* • 



t&i DEUTUNG DER MESSGEBRAUCHE. 

daz scol der h^re mer6t sin. 
daz ist auer der merot. des anser berre gerete. 
do er mit sinen iungeren mftrte. 455 

Nu biten wir got den goaten. 
daz er uns wol bebote. 
un sinen geist uil beren. 
daz er uns mozze leren. 

die geistlicben bihte. wan div Ist uil gut. 460 

der si lutterlicben t5t. 
14r der sieb siner sunden bechlaget. 
un der nibt verdaget. 
sinen ewarten. 

so beilent si barte. 465 

übe er die bSzze geleistet 
die ime sin meister benilbet. 
so mac er uil wole gan 
den gotes licbenamen enpbaben. 
unde wil er des nibt t5n. 470 

so kere dannan sinen mSt. 
oder er mac in also enpbftn. 
alse iudas bat getan, 
daz er wirt gestozzen. 

z5 iudas genozzen. 475 

uor deme gotes tisce er danne stet, 
unze er daz sacrificinm flf beuet. 
so spricbet er iesft. 
per omnia secula. 

so sculen alle die spreeben Amen. 480 

die durc got dare cbamen. 
Der pater noster. ist ein gebete uil gSt ! 
so wol in der in eruollot. 
der geriebet niemmer nibt. 

des ime zeleide geseihet. 485 

alle sin sculde. 
uergit er durc gotes bulde. 
der mac saleclicben leben, 
dem werdent 5cb sine sculde aergeben, 
zeware der des nine t5t. 490 

der bat ime selben genlScbot. 



DBDT0N6 DER MESSGEBRÄÜCliB. 

An der misse geswiget er drfstaot. 
141^ da mite t5t er nns knnt. 

die dri tage. 

die QDser herre lac in dem grabe. 495 

nach dem dritten tage. 

erstSnt er. nn erscein sinen inngeren sft. 

in eimme gademe. 

da si uor den iuden waren bespart. 

do sprac der heit cbrist. .500 

Pax üobis. minir chint. 

Der briester sprichet noeh also. 

des sculn wir immer wesen uro. 

80 sol einer dare gjihen. 

den gotes uride enphfthen. 505 

unde sol under die anderen teilen die minne. 

swa er der niht nindet. 

der sceidet nil gewisse. 

dannan an die misse* 

80 ist nns nil wol gesceben. 510 

80 sin wir nersSnet nnder ein anderen. 

so scnln wir da nil gezogenlichen stAn. 

nnze urone segen werde getan. 

so mngetf (wir) wol urlop han. 

nn urolicben dane gftn. 515 

so uasten nn niren. 

als man uns gebivtet. 

nnsers zebenden un ansers almSsenes. 

iocb des gebetes. 

sculen wir nlizzeclieben pblegen. 520 

Da mite sculn wir «Ue chomen. 
142* z5 der bimelisscen iemsalem. 

z5 den himelissen genAden. 

dar belfe uns got. AmeN. 524 

Vorstehendes gedickt beßndet sich in der MOnchener 
hs. eod. germ. S9 mitten unter einer sammhmg deutscher 
predigten^ wo es, obwohl die hs. schon hie und da benutzt 
wurde, dennoch unbeachtet geblieben ist, wahrscheinlich 
weil es, mit fortla^fenden Zeilen geschrieben, sich fuf/ser' 



284 DEUTUNG DER HESSGEBRAUGHE. 

lieh nicht von den pred^ten unterscheideL die hs. stammt 
aus Bencdictbeuren (iste über attinet monasterio Benedicten- 
pewren steht auf den innenseiten der decket und melirmaU 
auf den rändern der blätter von einer hand des 15» jh.) 
und scheint nach schri/i und spräche »u urtheilen dem an- 
fange des letzten dritteis des 12/t jh. anzugehören, sie um- 
fqfst gegenwärtig noch 178 pergamentblätter ; zwischen dem 
16371 und dem \64n blatte fehlt eine läge und zwischen 
dem Sn und dem 4n fehlen 2 blätter, das innerste doppelt 
blatt der in läge, es Iqfsen sich 3 verschiedene hände un- 
terscheiden: die erste reicht von blatt i--rl4, 34r-41 und 
44 — 83, die zweite von bl. 15—33, 42 und 43. die blätter 
84 — 178 sind von einer dritten hand geschrieben, die aber 
ihre eigenthümlichkeit albnählUch verändernd gegen das 
ende zu fast riesiger gröjse anwächst, auf bl. 1 — ^3 sie- 
hen die beichtformeln u. s. w. die Mafsmann in seinen 
kleinem Sprachdenkmälern (vor ihm schon Docen in den 
miscellaneen) abdrucken liefs; gegen das ende folgen kurze 
anreden, ermahnungen u. s. w.; auf dem 154it — 159» blatte 
steht [eine, jedoch verkürzte Übersetzung des sermo de 
sexuagesima von Honorius solitarius, s. dessen specalam 
ecclesiae sive sermones aliquot evangelici u. s. w. Sein 1531« 
8. bl. 53^—59^. — die blätter 4—132 enthaltm Me mgeni- 
liehen predigten (sermones diversi in vulgari, wie die atff' 
schri/i auf der aufsenseite des vorderdeckeis angibt), 
auf die sich im allgemeinen das anwenden Iqftt, was Ley- 
ser in s. pred. s. xnr iiber die predigten dieses zeitraumee 
sagt, dessenungeachtet haben sie im einzelnen vor flen schäm 
bekannt gemachten manches voraus und bieten iß spräche 
und inhalt der eigenthämUchkeiten viele die eine heraus- 
gäbe wohl zu rechtfertigen vermochten^ zur bestätigung 
des gesagten theile ich einige ai^s geratfmpohl herausge^ 
griffene dieser predigten mit, deren erste snfäUig die $ie^ 
ben eigenschqften der taube atffsählt, die oben s. 155 niehf 
nachgewiesen werden konnten. 
Manegen, 8 mai 1841. FRANZ PFEIFFER. 



Stt 



PÜRIFICATIONIS. 

(*/. 29*) PosTQFAM impleti stmt dies purgai MARIl^ eic. 
Do eruvUet waren die tage daz vnser frSwe. S. BIARIE 
solte in kirchen gen. als dir e gebot des herren Moysi. 
do namen sie den bailant. vn brahten in in daz templnm. 
Min vil lieben ez waz gewonlieb in der alten e. swelb wib 
ein degenkint gebaere. daz si sieb darbete der kircben viei^ 
zech tage, vn danab kome in daz temphim. yn opherte fr 
svn mit dem opber. daz in der alten e geboten was. Daz 
was geboten in der alten e. daz man frr daz degen kint 
ein lamp solte ophem. Dir aner so riebe nibt wsere. daz 
sie daz lamp nibt mobte gelaisten. dir braebte zwo trrtel- 
trben. oder zwo ander trben. mser berre kom drrb daz 
in dise werlte. daz er die e erfvlte. rn wolt an dem abto- 
den tage, nacb der irden e besniten werden, rn lEb dem 
rierzegoften tage mit sinem opber' in dem templo dni erzai- 
get werden. (29^) rn gab ms bilde siner derm^. das er 
drrcb ms arm was worden, -drrb daz ' weite er daz man 
frr in opberte zwo trrteltrben oder zwo ander trben. Daz 
opber was der armen, die des lambes nibt haben mobten. 
Da mit erzaigete er ms wie rebte g^t dir arm^t ist. mit 
derm^te. daz er ron einer armen meigde ger^bte gebom 
werden in einer armen stete, mit bösen ti^cbelinen gewin- 
delt werden, in ainer armen krippe geleit werden, der in 
dirre werlte nibt bete* da er sin faSbet geneigete. ril m»- 
nige itewize er dvrb uns leit. rn ze aller imgest gab er 
sin selbes lip drrb rns ze der marter. Der lere srln wir 
rolgen alse rerre so er rns riebet zegebenne. Do der go- 
tes srn alse birte ist brabt wart in daz templnm dni. do 
was zeiemsalem ein alter man. der was reht rn gebeizen 
Symeon. Do was er genide daz er den gotes srn e m^se 
geseben. e in der tot bin nsbme. Dem was ron gote ge- 
beizen. daz er niemer erstrrbe e er krist ges«ebe. Der kom 



286 PREDIGTEN AUS DEiM XU JH. 

alse hirte in daz templom von des heiligen geistes ordenvnge» 
Des er ie da gerte c^en enphiencb er da. Do nam er das' 
kint (30*) an sinen arm vn sprach. Nvnc drmittis ei cetera* 
Herre nr la dinen schalk varn mit fride. Dvrh das enthft» 
betest dv herre mih. in disem lebenne daz ich dich gessehe. 
nv la mich ^''" in diseme fride. wan miniv 5gen haben t ge- 
sehen din hail. Daz ist dir hochgezit dises tages. die ir 
mit firSde tvlden svlt. iweriv herze tragen mit lobe vn mil 
devmf te. Mine vülieben daz lieht daz da bivhet vz der ker* 
2sen. daz bezaichent den heiligen krist gebomen von der 
meigde. Der heilige krist der ist erschinen in der vinster 
ein lieht den rehten. Daz wahs bezeichent vnserre firSw^n. 
S* MARIEN magetvm. Div pie div daz bonik zesaemene 
IreiL vü daz wa^' wurket. div ist iemer maget. vn wirt Seh 
ane hilichiv dink gebom. vz dem honige werdent die piea« 
von div bezaichent daz wahs den rainen magetvm. vn als 
ir bivte den heiligen krist in dem bilde iwers kerzenliehtes 
traget also svlt iv bivte in bailant. in iwerm herzen wii^ 
deklichen tragen, so svlt ir alrerst im ophem die tvrtdtr- 
ben* Div tvbe bezaichent die ainvalte. div (30^) tvrteltvbe 
die kvsge. So grozzer kvsge phliget div tvrteltvbe. so ai 
ir gemsßcbide verlivset. daz si ir niemcr mere vf der erde 
deheinez erkivset. noh gesitzet niemer mere vf dehein grü- 
nes zwi. niwan aine flivget ez.. vn ist iemer mere aine. 
von div ophert er die tvben. der sih behaltet vngemadigo- 
ten. vü niemen schadet, niemen hazzeU Der ophert aver 
die tvrteltvben. der kvsklichen lebet mit siner konen» vll 
sich behaltet an vberbvr. vn ob er sine konen verlivseU 
daz er darnach behallet ''^^ an allerslahte hvrgelvst« vn svU 
daz wizzen daz der svndaere alse wol die tvben ophert saat 
der gvte. leweder tvbe phliget wiiffennes. niht sangca. 
Daz bezaichent den svndaere« der hie in dirre werlte aol 
wüffen vmbe sine svnde. zwaierslahte riwe sint« vn xwaier- 
slahte bvze. Der offenliche svndet« vn mit vbeler lere ander 
Ivte verboset. der sol offenlichea bvzen. De aver tSgenü- 
eben svndeU vn der svnde tSgenlichen zebibte kvmet. der 
sol tfigenlidiea b^zen» Div tvrteltvbe phliget aine fliegende 
zewüffenne (31") div ander tvbe mit meaige. vn da vnder 
kvmende vn klagende, von div bezaichent div tvrteltvbe die. 



PREDIGTEN AUS DEM XU JH. 287 

die da tSgenlichen * ir svade bv^ent. Div ander ivbe bezai- 
cbent die« die da in ir offener bvze schinent, Mine villieben 
die zwene vögele, sint ein bilde iwers lebeimes. waa ir 
der bvche niht kvnnet. an den vogelen svlt ir sehen« waz 
iv zetvnne "'* Mines trehtines gesohephede, sint iv nihi 
gcboa aiugenote zedem ezzenne« svnder ze einem bilde* An 
disen zwain vogelen vindet der gvte waz er aevem sol« 
vindet der svndaere waz er tvn sol. Noch ist vns div tvbe 
zebilde gesetzet, daz si an ir hat siben groze tvgende« Si 
hat der gallen niht. si ennizet deheines botiches niht. noch 
enkaines wunnes. Si f^ret sich mit dem samen* div besten 
kom weit si. div hosten verwidert si. Ir sanges phleget si 
nivwan kvmende vü wuffende. Si zivhet fich vil emzige freme- 
div ivngide. Si lit gerne bi dem wazzer. daz &i den schate 
gesehen mege. swenne si der habech vahen wil. In den 
stainen oder (31^) in den holn machet si ir nest. An den 
siben tvgenden svlt ir ir nahvolgen. in iwerm herzen sol 
dehain galle des nides wesen. Dehain laster ist wirser denne 
dcrnit. Daz ander bizaichen ist daz si der wurme noh der 
kevere niht izzet. also sol der mennisk tvn. er sol niht 
der totlichen werche minnen. Die botiche sint vnser svnde. 
die wurme vnser bosez gewizzen» Dehain mennisk getorste 
komen vnder die Ivte wessen si an ime daz &in gewizzen 
an im waiz« Saelich ist der* der die svnde vermidet. wan 
er ist Schalk als mseniges herren. sam maeniger svnden« 
Div tvbe wirt 6ch gef^ret mit dem körne, vä weit ir div 
besten kom. Also sol der gvte gefvret werden mit den go* 
tes Worten. Also sprichet vnser herre. Non in solo pane 
muit homo sei in omni verbo dei. Er sprichet, Niht eine 
lebet der mennisk des brotes. svnder von dem gotes werte. 
Der mennisk ist sei vn Up. Der lip bedarf des liplichen ez- 
zens. div sele des gaistlichen. wir sin in disem eilende, vü 
be- (32") dvrfen gvter phrvnde. ze vnserre hinevertc der 
phrvnde biten wir alle tage, an dem fronen gebet* Panem 
nostrum eottidianum da nobis hodie. Herre gib vns vnser 
Uegelich brot. Also kvnte vnser herre in dem ewangelio. 
Si dimisero> eos ieümos deßdent in uia. Laze ih si vastende 

y 
in d9r hs, steht tacge " Liehe d. 



288 PREDIGTEN AUS DEM XU JH. 

so gebristet in an dem wege. Swenne dem svndaere gel«^ 
stet an dem gotes worte. so ist im gebrosten an dem wegt. 
Div tvbe zivhet 5cb firemediv ivngide. da ist vns mite be- 
zaichent daz wir barmherze svln sin. Als S. Gregorius spri- 
chet. Omni petenti te tribue. Allen den gip die dih Uten. 
vn krist sprichet. Estote misericordes. sicut et pater meus 
est. Weset barmherze, als iwer vater in dem himele* von 
div svit ir die fremedem minnen. dvrh got vns(ern) herren 
vn iwern nsehesten als ivch selben. Div vnnfte tvgent der 
tvben ist. daz si gerne vert bi dem wazzer. daz si sich 
von dem scbaten vor dem habeche kvnne bebten, so er z^ 
vare* Daz bilde svln wir gerne behalten. Wir haben laider 
ainen gaistlichen viant. fliegenden in den Ivften. der iendiv 
sfxhet wa er (32^) den vinde. den er verslinde, der enist 
niht alzoges vnder vns. vfi ist 5ch niht von vns. wsere er 
ientiv vf der erde, sone mohte lutzel iemen vor im gene- 
sen, er wonet in den Ivften. dannan sint die tievele genant. 
aeree potestates, laftekliche gewaltc. von div daz wir sin 
niht gesehen megen. deste vorhtiicher ist er. Sinen schalen 
svln ^' schouwen an dem wazzere. daz ist daz wir an der 
heiligen schrill lernen svln wie wir vns vor siner bekorvnge 
behalten. Swenne vns vbele gedanchc mvgen so svln wir 
ze den gvten keren. wir svln wüff*en och als div tvbe t^t. 
svln vnser frovde in die zachere keren. daz vns gegeben 
werde daz Ion. daz vnser herre hat vns gehaizzen. BeaU qm 
nunc fletis. quia ridebitis. Sselich sint die. sprichet vnser 
herre. div nv wainent. die werdent hernach in minem riche 
gefrSt. Alit den za;heren vertiligote. S. Marie magdalene 
alle ir svnde. S. Peter, garnete da mite antlaz der svnde 
daz er kristes (33') verl5gende. Nv bewainet ivch selben, 
vn ander svndsere. daz ivch vn vns vü alle svndaere got if- 
che zebekerenne. Div sibende tvgent der tvben ist« daz si 
in den holn stainen. oder in den löchern ir nest machet. 
Der stain der kristenheite ist der heilige krist an den i|ie- 
mcn niht gf tes get?n mak. Daz ander hol ist div oflrae 
Site des heiligen kristes. vz der ran blvt vn wazzer. Ifit 
dem blvte erloste er vns. mit dem wazzer wurden wir ge- 
töflot. Min vil lieben an den sibcn bizaicheuvngen nachvoi- 
gen wir den tvben. vn opheren also die tvben in dem templo 



PREDIGTEN AUS DEM XU JH^ 2W 

vnsers herren. daz si da in der alten e. vns zebilde taten, 
daz wir daz gaistlichen ervnllen m^zen. vn biten vil in- 
neklicben vnser trvt fr5wen. S. MARIEN div ein tor des 
himelriches ist. vn vnser armen trost ist. daz si vns hivte 
ir svnes hvlde erwenre. den si da hivte ze kirchen brahte 
vü vns sinen firide erwerve. des sich der alte symeon r^mte 
da er sprach. Nunc dimittis etc. Herre nv lastv mili vam 
mit fride. wan miniv 5gen bant (33^) gesehen daz hall aller 
diet. Daz bail vn den waren IHde rfxhe vns hivte geben 
Jbesus xpc. Qm viuit et regtwt. 

2 

ASSUMPTIONIS MARIE. 

(bl. 88^) lirir hegen hiute daz unser urowe sante MARIE. 
div heilige möter unsers herren. aon dirre werlde seiet, 
ze der elliv werlt trost un zSuersibt bat. wände si min 
trchtin erweite, under andern wiben. uon der er gebcuni 

wolde werden. Si ist ein grozzer trAst aller sundigen Ivte ! 
zeder gnade wir uliehen sculn. so wir mit unseren sunden 
gotes* ulieseu! Si ist uon der elliv gnade uns zerst bechom 
un elliv salechMt. Si ist div heilige miter. un div heilige 
maget. kune- (89') gin un urowe des himelriches. uon der 
uns daz euuige lieht erscinen ist. da von elliv disiv weril 
erluhtet ist! daz ist got selber! zö der sculn wir uliehen. 
der sculn wir unser n6t un unser angest clagen. «n sculn 
si zeboten senden zo ir heiligen tnit sune. der ir nith 
des verzihet. des si in inneclichen gebitet. Uon div scöchet 
ir genäde. beuclhet ire alle iwer sache. beuelhet ire ivch 
selben mit libe un mit s61e! un bitet si inneclichen daz ir 
des himelriches iht uerstozzen werdet. Ir scult uil dicche 
denken vmbe dise werlt wie churz si ist. wie ungewis si 

ist! un wie lancstaete daz ist. daz da nimmer zerg^t. dane 
uindet niemen neheine gnade, erne habe ez hie garnet in 
dirre werlt! uoü div manen wir ivch durc iwer selbes sae- 
lecheit! daz ir etwaz hin uure sendet, dannen ir getröstet 
werdet, an iwerm ende ! so ir allez daz (80^) lazzen mö/.- 

• fvhU buldp. %(, 

Z. F. D. A I 10 



im PREDIGTEN AUS OEM XD JH. 

zet. daz ir in dirre werlt ie zcsamene brähtet. so lai ir 
wib Uli kint. eigen ufi l^hen. hus un hof. desne uol^t 
iv niht. wan ob ir ihi götes da mite habet getan. Nu bitet 
hiute den almahtigen got durc siner trut möter willen 1 der 
er nitb uerzihen mac! daz er ivch wise un leitte. zesinen 
genaden. un daz er in iwer herze sende 1 daz ir sine hulde 
erweruen mozzet. un daz er iv chome zehelfe un zetroste. 
an s<^le un an Übe. Quod ipse p. Der heiligen miter des 
almahtigen gotes. der sit ir hiute beuolhen. daz si ivch 
bescirme un beware uon alleme ubele Amen. Nu beuelhet 
ivch uil dicche sande MARIEN! un söchet ire genade. 
chlagct ir iwer not! sendet si zeboten z5 unserme herren 
daz er iv gena;dic si. Gebet iwer almösen dicchQ durch ir 
<^re. un nämlichen hiute ein iegelich mennesce einez. (90*) 
in ir 6re ! daz im der almahtige gebe sine gen&de. . unde 
behalt iv Hb un sele. Amen. 

(SERMO IN NATALI MARUE.) 

iff)vando nata est tHrgo sanctissima fc iUuminatus 
esl m. s, bf, et s. et b. Jructus eius. Hiute ist uns chomen. min 
uil lieben I der uil heilige tac ! an dem gebom wart div aller 
hereste maget. div ic wart, oder inmer wirti div gotes m&- 
ter. unser frowe. S. MARIA, uon deme aller bersten chunne. 
S. dauidis. uon ir gehurt sprach der heilige spriritus sanctns. 
durc den munt des herren dauidis. Audi filia et u. et in. a, t. 
Er sprach uernim mich min tohterl un sich, neige din 6re 
her ze mir. wan der oberoste chunec gert din antluzze ze- 
scowenne. Von der gehurt wissagete sin sun der herre sa- 
lemon ! quam pulchra est c. g. cum claritate ! Owi sprach 
er. wie scone ist div chüsce gebnrti mit der berhtele! wax 
sini div wort, daz sint div wir. 6. sprachen. (90*") Quando 
fiata est uirgo s, etc. Div heilige scrift sprichet ! do gchorn 
wart div allerheiligste maget. S. MARIA ! do wart erlulerct 
disiv werlt I ein saligiv slaht ! ein heiligiv wrz ! ein gese- 

' diese jtrtidtgt fofgt ohne iibersrhrfff unmittelbar auf die vor- 
hergehende. 



PREDIGTEN AUS DBM Xn JH. m 

genotz wScher ir büches. Uon ire slahte I wellen wir iv 
churzlicben sagen I Sande MARIEN uater der was burüc 
uon nazareth. unde hiez ioachimi ir mSter uon betlehem. 
un hiez anna. die zwo stete het unser herre ime selben 
erweit I betlehem z6 siner geburt. Nazaretlr ze siner zuhte ! 
Ir gesl{e(b)te hob sich uon dem getriweii abrahime. dem 
got lange uor siner geburt gehiez. daz uon simme samen 
chome heil! un segen aller diete. un wart gebom uon sante 
dauidis geslsebte. den got grozze in dirre werlt erte! den 
er weite uon den sc4fen. zeeineme chunegel über allez sin 
ge- (9r) slaehte in ierusalem ! über div zwelf geslsehte des 
berren iacdbes. den erte wol unser herre. daz er uon sinen 
aflerchomen gebom ist. den lobete got selber! Inueni dauit 
secundum cor meum. Ich han sprach er ze den iuden I mir 
erweit einen man nach min selbes herzen! dannan was mi- 
chel reht! div den obersten chunec un aller sile biscof ge- 
bem solde ! daz div anegenge hete uon kunegen un uon bi- 
scouen! Unser herre der durc die suntsere in dise werlt 
rohte zechomenne ! der r5hte 5ch uon sundigen uorderen ge- 
bom werden! Alse div lilie. un div r6se uz den dornen 
blot! same wart div unser rose. S. MARIA, uon den iudign 
geborn. daz si reiniv un sconiv gebsere den. der von ime 
selben sprach. Ego sumjlos carnpi et lilivm conualliwn^ £r 
sprach, ich bin ein bl5me des ueldes. un ein lilie der teler. 
Daz uelt. ist div ungerSrte erde, div ungeuurhte erde, div 
ganze erde! (91^) div unber&rte erde ist unser urowe S. 
MARIA, div blöme div da uz gerunuen ist. daz ist der bei- 
lige Christ, ufi ein lilie der teler. daz sint die deum5te ire 
uorderen. Von der geburt unser uröwen wissagete der hei- 
lige s. Ysaias. EgredieUsr uirga de radice iesse etßos de. e. 
asc. Er sprach, ein gerte entspringet, uz der wrz iesse. un 
ein blome wahset uz der wrz iesse. als uns div b5ch sa- 
gent. der was uater s. dauidis. uon des geslo^bte div maget 
s. MARIA, wart geborn. als der scuzzelinc uur sich sciuz- 
zet. vn sich niht chmmbet. als w&hs. S. MARIA, nur sich 
mit göten werehen. niht eine genote wissagete Ysaias uon 
der gerte un uon ir blöde ! sunder erzeicte unser herre mit 
grozzeme wnder eine bizaichenunge in 4mI J|ito* ^ moysi. 
uon der herren gerte. ufi uon ir wöchero. ||iDpgii| die iuden. 



292 PREDIGTEN AUS DEM XII JH. 

uz cgepto loste, done helen si iiiht ewarlcn. do gebot gol 
mo- (92*) ysi ire ieiltoere. daz er iion iegelichem gesloehte 
der zweif sunc Jacobes. eine gerte na»me. ufi si leite in ire 
beihüs. der zwelf gerle was einiv des herren aaronis. un si- 
lies geslschtcs. dö des morgenes do man die gerte scöwete! do 
hete (div) dvrre gerte aarones. este lazzen ufi blote I unde 
hele uuzze gewnnen. Div gerte bezeichent. S.MARIAM. div 
j^ dürre was. wan si trut ur5we äue was alles sundeciichen 
safles. Uli An alle hiliclie gelust. div selbe gerte brahte wöcher. 
den heiligen chirst. zelroste dirre werlde ! si ist div urowe. 
der geslcYble man hiute zeit als wit so div Christenheit ist. div 
ein anegenge hele uon den heren patriarchen ! gebom wart 
uon den gewalligen chunegen. gechundet wart uon dem hcili- 
<^en engele. un als div edele gimme scinet azzer golde! same 
uberlriffcl si alle ire uorderen. Ifec predices (92^) quocumque 
festo beatc M^IRIE uelis l Si ist genamet ALUlLi. daz chul. 
viaris Stella, Daz wort MARIA, sprichet rchtc. ein merstcr- 
iie. die an dem mere uarent. die mfizzen sich rihten uach dem 
meresternen. die uon himele scinent. daz si nach ire marche 
zestade chomen mugcn. also m5zzen alle die tSn. die zedem 
hiinelriche. un zo dem Stade, der Ewigen urSde chomen wel- 
Jent. die sculn den stemen. unser nrowen« S. MARL\M. 
ancsehen. \m sculn sich rihten nach ir lebenne. so beleittet si 
thit urowe ir sSIe zö ir sunes zeswen. Si heizzct Ach Stella 
maluttna. daz chut morgensteme. Ir wizzet uil wol lieben ! 
als uerre so der tagesteme der wdder morgen df gi^t. luhiet nor 
anderen Sternen ! un berhteler ist uon(/. uor) in allen! same ist 
unser urowe. berhteler. un herer. danne alle heiligen ! un 
uon reble, si ist. daz nieman uor ire (93*) wart, noch nach 
Ire nimmer wirt ! maget nach siner gehurt eweclichen. zö ire 
sint och geladet die meide, die ire magctom behaltenti un alle 
die chuselichcn lehent. Div kiisce ist driualtec. Ein chAsce isr! 
die gehjle lute under ein ander habent. daz si sich behaltenl« 
daz ir dewerez daz ander über hnget. un doch ein ander nihi 
cnphlegent! wan geistlichen durch wSchcrs willen. Div ander 
chusce ist div magetliclin krtsce. div neheiner werlllichen ge- 
lust nith erchenitfii. die wcrdenl gelich den engelen. Idter ufi 
reine, nor gOlM iig«» I Div dritte chusce ist genamet. witcwen 
liisce. SworM'isl. die verwilewel wcrdenl. ez si man oder 



PREDIGTEN AUS DEM XU JH. 2M 

wib. oder die sus mit grozzeme bore lebent. un bechereat sich 
des. uü uerzihent sich da nach, aller hilicher dinge« un lebent 
after des geistlichen ! (93^) die werdeut äne zwiuel gote uil 
gename. wände er selbe sprach. Non ueni vocarci. set. p. 
Er sprach, ich bin her chomen. zaladenne niht die g5ten sun- 
der die suntaere. Wie groz div uröde 5ch daz himele si. daz 
sprach er selbe. Gaudium est angelü dm! stqter uno pecca- 
tore. p. a. quam super nonaginta ?iouem iustis qui non indi" 
gent penit . Er sprach zesinen lungeren ! ich sage iv daz 
meroriv ur5de ist. den gotes engelen ! da sich der suntaere be- 
cheret, denne über niun uü niuzeck rehter. die der riwe nilh 
bedürfen ! S. Anna div behielt sich chuslichen ! nach ir man- 
nes t6de. div ist mit gote. S. Maria magdalena. S. pelaia. S. 
Maria egiptiaca. nach uil mangeme höre, unde uil mangen 
grozzen sunden wrden si gote uil lieb, als wol sein ist wor- 
den, do si sich becherten, uii danach chüsclichen lebeten! von 
div (94*) alle die sich in elicheme hirate uon überhöre behal- 
tent. oder nach dem scanteclicheme höre küslichen lebent. 
oder uon chindes peinc ire magetöm behaltent. die chomenl 
alle zedergagcne unser triit urowen. Die auer weder chone- 
liche. noch witcwelichen ! noch magetlichen ire küsce behal- 
tent! noch deumöt. an in habent! als unser trut urowe bete! 
die werdent leider gebunden, als der wissage sprichet. un 
werdent gcuört. in die ewigen uancnusse. dannen si nimmer 
leider werdent erlost! Vmbe so getan angest uü n6t! scol sich 
ein iegclicli wib. uü man flizzen. daz er uunden werde, in 
der drier scare ctelichcr ! als wir iv (^ zalten. daz ivch denne 
bescirme. div obcröste magel. sancta MARIA. Div barmherze 
unser trut frowen. bescirmet die dri ordenunge ! dienlichen 
wol lebent ! vnde die (94*') vcrwitewet küslichen lebent ! uü 
die ir magetöm behaltent! Die denne belibent mit höre un da- 
ran uunden werdent! den hilfet si nihlcs! den git öch ir suu 
unser herre nimmer neheine genAde ! Die auer zeriwe cho-^ 
ment. den recchet si ire sözze haut ! so uon rehte ein möter 
aller gnaden ! als wir lesen uon einem vicetöme *. der durc 
iröbesal gotes uerl6genote ! un deme leidigen tieuele zeliantue- 
slc einen brief screib. Do in do sine sunde rüwM ! de sohl er 



hier hl T/ieophiltn gemeint. 



.j 



294 PREDIGTEN AUS DEM XII JII. 

gnäd mit grozzer bSzze ! ze der obersten chuneginne. S. MA- 
RIEN, do uernam si genadeclichen sin geb^t. un brdhte in 
zire sunes hulden. si nam dem tieuele den brief. vn erloste in 
uon der bitteren helle ! Same tat si trut urowe. S. Marien 
egiptiace. div mit uil unzallichen snnden bewollen was. do si 
ire gnäde söhte. do half si ire zire sunes hnlde ! daz si ! dir t 
ein (95*) suntsere was. wegen mac. So genaedic ist unser 
urowe. S. MARIA, div gotes mdter ! daz wir sicheiüchen z5 
ire uliehen mugen. uon unserme unrehte z5 dem waren Stade 
aller sselde. Von div mine uil lieben! emzeget iwer chirecb- 
genge ! iwer gebete. iwer almösen ! unde ander g5tiy werch ! 
wendet unde beuelhet ur5 un späte, iwem lib. unde iwer stiel 
unserer trüt urowen. S. MARIEN, daz si iv wegende st. an 
deme uorhtlichen urtaile ir trüt sunes ! un bitet si uil inneeli- 
chen. daz si uns helfe, daz wir an dem rehten werden nunden. 
un si gesehen mSzzen in dem ewigen riebe ! mit ire trdt sune. 
unserme herren ! der uon ire r&hte geborn werden ! dnrc daz 
heil der suntaere. Quod ipse. p. d. 

GOTTHICA MINORA. 

Mit dem jähre 1840 hat sich der schacht für gothische 
ausbeute, der sich seit 1569 und 1817 aufgethan hattet, 
wie es scheint, auf längere zeit geschlofsen. 

Desto gröfser wird die Sehnsucht, die idelen verschie- 
denen lucken der gothischen bibeliibersetzung auch nur des 
neuen bundes für die historische deutsche grammatik zu fül- 
len, um so gröfser, wenn sich herausstellt, dafs 1569 und 
um 1599 der silberne codex noch mehr enthalten haben 
müfse, als uns 1665 (durch Franz Junius) zu theil wird, 
jedes in solcher beziehung wiedergefundene kömlein ist gol- 
des werth. hat uns doch jungst allein schon die genauere 
künde über das leben Ulfilas (des ersten apostels und bibel- 
übersetzers der Deutschen) ans dem fünften Jahrhundert mit 
hoher fireude* erfüllt ^ ; wie viel mehr jeder neue wortklang 
der gothischen spräche selber. 

1. man veisL bairUche annalen 1834 n* Ul. i%A. U7. Mönchener 
gelehrte jfnzeismi 1836 nM73~176. 187—192. n7^U9. ebend. 
1840 nM45 — 147. 154 — 158. 

2. G. \Vaitz, über das leben und die lehre de« Uifila. HaanoTer, 



GOTTHICA MINORA. 2INS 

Die ari und weise aber, wie die gotbischeii Sprachdenk- 
mäler oder sprachüberresie aaf uns vererbt sind, ist mit so 
merkwürdigen fast wundersamen umständen verknüpft gewe- 
sen und gerade jene neuen lebensnachrichten über Ulfila ha- 
ben so erweiterte aussiebten auf des ehrwürdigen mannes 
schriftstellerische thätigkeit eröffnet ^, dafs die hoffnung fest- 
gehalten werden darf, noch neues, wenigstens ergänzendes 
für sein grofses bibelwerk, somit für unsem Sprachschatz 
aufzufinden; ja diese hoffnung wird um so zuversichtlicher, 
wenn man namentlich die ges^hichte des silbernen eodez, 
auf dessen wunderbarer Wanderung noch immer so manches 
dunkel ruht, genauer ins äuge fafst, eben so die uns von 
einer seite her gewordenen winke über die Übersetzung des 
alten testamentes. 

Ich glaube für diese betraehtungen oder Untersuchungen 
einige, wenigstens dnrch die art ihrer Zusammenstellung 
neue thatsachen beibringen zu können*) und schliefse daran 
alle die zerstreuten neueren oder älteren echten oder un*> 
echten spuren gothischer sprachklänge sowohl ans der Krimm 
und Konstantinopel als aus Südfrankreich u. s. w. an, von 

18i0. 4. vergL dazu die ausführliche besprechnng in den Müncheaer 
gelehrten anzeigen 1841 n* 125 — 30, worin ich den von Waiiz nicht 
naehgetviesenen verfafser Maximinus als den arianisehen bischof gieiches 
nameos in Hippo berauszusteUen suchte,' wogegen aber Waita brieflieft 
anstrebt, weil beide fast fünf und dreifsig jähre aiseioander «tüaden. 
ich füge hier jenen mittheilnngen hinzn, dafs die Müachener hs. des 9n 
jh. cod. Frising. 127. 8. viele abschnitte Auguttini de libro contra 
Maxitninum (bl. 2* — 8**) und contra Pascentium (bl. 8**) enlbiilt über 
die gleichheit des h. geistes mit vater und söhn ; endlich auch bl. 30^ 
Item in eo^fessione gotthorum epiteopormn, quieumque ßlium dei da» 
ininum nostrum ihesum chriitum negauerit « patema subtianiia sfne 
initio genitum et aequalem patri esse uel consubstantialcm. anathema 
Sit. quicunque spiritum sanctum non credit aut non crediderit a pa- 
tre et ßlio proeedere eumque dixerit coaetemum esse patri et ßlio 
et eoessentialem. anathema sit, 

1. ipsii tribui Unguis (graeca ei iafina ei gothiea) piuree tractm- 
tms 9t multas imterpretativHes voientibus ad utilitatem et aed*ßcaNo* 
netny sibi ad aetemam memoriam et mereedetn post se dereUquit 
sagt Auxcitim M Waks s. 18. 

t. 4m is tINeknitt 1 hier «usaABiettfaliigender ^npehgefdbfte uatcr- 
sucbuDg wmrd« jttngat bei gelegenheit 4et waitziichea werkes a. a. o. 
bereits, lo weit ei hinsebörte, angeregt. 



296 60TTHIGA MINORA. 

denen besonders jene busbekischen nachrichten, nicht minder 
die bemerkungen des Smaragdus volle beachUing verdienen. 
München, 8 mai 1841. H. F. MASSMANN. 

1 

ÜBERSETZTE ULFILA WORKLIGH DAS GANZE ALTE 

TESTAMENT ? 

1. Handschrift 3527 derkai$erL königl. bibliothekzu Wien, 
früher (wie ihre alte bezeichnung Salisb. lxxi schon andeu- 
tet) zu Salzburg, enthält nach Alcuini orihographia^ und 
griechischen alphabeten (mit schon neugriechischen klängen) 
auf bL 20* ein ruuenalphabet mit hinzufligung der namen für 
die einzelnen buchstaben desselben, zugleich aber in unab^- 
hängigcr folge daneben geschrieben ein gothisches aiphabet, 
auf der kehrsei te desselben blattes sogar drei, zum theil vier 
solcher golhischer alphabete nebeneinander, gleichfalls mit 
bedeutsamer benennung der einzelnen buchstaben, welche 
merkwürdig genug, im allgemeinen mit den bei den runen 
geläufigen und bekannten stinmien \ wie dieses alles Wilhelm 
Grimm in den Wiener Jahrbüchern der literatur (bd xliii) 
und unter dem besonderen titel 'zur lileratur der runen' 
(Wien. Gerold. 1828. 42 s. gr.8.) erörtert hat«. 

2. Die letztgenannten gothischen alphabete, deren ne- 
ben einander gestellte formen für die einzelnen buchstaben 
schon beweisen dürften, dafs sie aus vorgelegenen zusam- 
menhängenden texten ausgelesen wurden, führen über sich 
die gewiss ebendaselbst vorgefundenen und verbundenen laute 

mit der richtigen auslegung der letzten abkürzung durch das 
gleichbedeutende griechisch -lateinische xpi, während k^ (die 

1. gcenaoer bL 1^ EpTt quedm albinf, h\, 5* jenes worterbncb 
{Jeternas aetat aequftas \ aeywm aequHt tW est | itiHtu itto «. teä 
tarn I kaee omnia per ae dip \ tongon terihend^ mmt, \ eptmg #t oiit- 
mal sign\fi | cmt. per simpiieem e \ scriht dehei «• a. w.). von bL 172* 
an stehen briefe Karls des grofscn an .-//«tjtM, bwb tbeil (300*) von 
andrer band. 

9. die bandsebrift mit ibren rnnen hcspricbtancbPerIx im arcbiT 3,614. 

1. diese erklaranp der leile dürfle B-«ni(nt8u wabrsebeialicber sein, 
als die bei Grimm Fra^Ja thotame ^sUll ikiutmms, tkimdame) Ckrüimme, 
wobei in dem zweiten worte awci uncrboiie febler des alleB wspriiskv- 



1 

i 



60TTHICA BONORA. 297 

bekannte regelmälsig wiederkehrende abkürzung für ):|Cj|inQjl) 

leer ausgieng. stünde das bekannte r^' (rt))S, V^Jl) noch da- 
neben, so würde die absieht des alten Schreibers, jene drei 
gewöhnlichsten abkürzungen der gothischen bibelhandschrif- 
ten (in Upsala, Wolfenbüttel und Mailand -Rom) hier'za* 
sammenzustellen, unzweifelhaft, obschon dagegen das zwi* 
sehen geworfene ^Q schon anstrebt, doch wird jene absieht 
auch so schon wahrscheinlich, wenn man die rechts oben 
auf derselben seite, neben jene alphabetc, geschriebenen go- 
thischen Zeilen, mit im neunten Jahrhundert darunter gesetz- 
ter althochdeutscher Übersetzung, näher ins äuge ikTst. 

3. Diese vier zeilen bieten je in sich, aber nicht unteN 
einander zusammenhängende gothische sätzchen, die, wie sie 
da erscheinen, ohne allen zweifei verschiedenen stellen eines 
gothischen bibeltextes entnommen wurden, sie heifsen: 

1. f^aürthun uththan afar \Fiebant autem posi\ 

2. Aivagg4lj6 thairh Lokan [Evangelium per Lucam\ 

3. Vaürthun afar tho [Fiebant post cä(iw)] 

4. Jah qvöthun [Et dixerunt\, 

von diesen abgerifsenen sätze^ sind, während sich 1 und 3 
Wilh. Grimm entzogen, zweifelsohne 2 und 4 dem von ihm 
geltend gemachten evangelium Lucae entnommen : 2 ist des- 
sen Überschrift im silbernen codex Aivagg6lj6 thairh Lukan 
anastödeith ^ und die werte in 4 (die freilich öfter vorkom- 

lii;bea oder ab - Schreibers aDgenommen werden mästen, aach kann -f- 
iiacii der zur sclirift jeuer worte stimmenden buchstabenreihe kein T 

sein, das erste Xf\UB (mit zusammenziehung von ji und D) gehört 
dem einen (ausgeschriebeneren), das zweite dem fester geschrie- 
benen abe an; letzteres gewissermaftfen zur erklamng dem erste- 

ren beigesetzt und darum allein mit der erklärung xpi vergehen. — was 

will man sonst an die stelle des ersteren X^n6 setzen? etwa -|- j\l6 
(statt j\lNS)? oder j\l(RRA6)e? j\l ( niSK j^Umi ) S ? oder 

dl(j\BjVnAU)S? AI (JYKJVÜHU) S? oder gar tÖS? 

1. das schlurs H in AQRjllU ist in der handschrift ganz deutlich (bei 
Grimm s. 11 kaum halb angedeutet); so gut wie z. i bei otan, unrich- 
tig ist bei Grimm ebend&s. auch in der vorletzten zeile dccG7d gesto- 
chen statt dcccxl; nicht ninder in der 4n gothischen zeile Q^b statt 
Q^U (mit darunterstehendem querstriche einer erloschenen hellbraunen 
Schrift), auch s. % ist bei der rune ^ nicht aer sondern aet (statt ae$e) 
zu lesen, sehr wohl unterscheidbar von den folgenden ecr und yr. 



298 GOTTHIGA MLNORA. 

men) finden sich zu lockend nahe gleich in Lnk. 1, 61 ; eben 
so steht der gleich darnach angezogene name des erzengels 
Gabriel^ schon Luk. 1, 19, und nochmals 1, 26^. 

4. Nach jenen gothischen vier Zeilen folgen nämlich 
sechs Zeilen mit lateinischer auslegung gothischcr laute, be- 
sonders der geltung nnd des Unterschiedes von c; und r, ron 
fii nnd 6, so wie auch des h und des u (qu oder cku). 

Diese lautregeln hiersen in ihrer ersten häUte: 

1. übt dicii\ genmt. c; poniUer 

übt gabriel V ponunt et alia his sim ^ 

2. übt aspiratione. ut dicitur 
gah libeda C^U Aiüjlid^. 

in letztem beiden Zeilen wollte der alte grammaticns offen- 
bar zunächst die aspirierte oder vielmehr die leisere aus- 
spräche des h in jah kennzeichnen, die sich in der der vor- 
ausgegangenen vierten gothischen zeile {jah qv^thun) über- 
geschriebenen althochdeutschen erklärung ja chuedant und 
(verbefsert im tempus) ja ck^dtun geltend machte, wie nicht 
minder in der benennung des bnchstaben j: durch Je statt 
Jeh (Jaih), zugleich nimmt der alte beobachtcr in jener zeile 
ja Kbdida richtig die geltung des di wahr^ und fahrt dar- 
um fort: 

3. diptongon JA pro e longa. 

endlich aber sagt er mit rückblick auf jene mehr bespro- 
chene vierte zeile (jah qvithun) 

A. p ch^ n ponunt^ wobei nur zu zeigen bleibt, dafs 
der alte Schreiber nicht chu ansetzte, das er doch in jener 

i. der anten aaf derselben seile, an leerer stelle nochmals, abfe- 
k'ürzt, darehzoschimmem sckeint ( rpkB|Cl6 A ). 

%, die handschrift enlhält, safser qtiestione* heatitMimi AugusHni 
In euangelio MatheJ xlvii (bl. ^t*) anck desselben tedm Ivea (bl. 28^ 
— 58^); aarserdem S§nsus td agsi in Bpitt md Roma, so wie des 
Hieronymas anslegongoa der briefe (84* a. s. w.). 

3. d. i. timilim, die xeiehnoni^ dieser aosgaa^ivorte der xaile bei 
Grimm s. 11 ist aaklar und nnverttaiiden. 

4. er schreibt iibeda wie Ln aiphabet reda, 

5. bei Grimm s. 11 ist za sehr tk (th) gesliDeheB. 



GOrraiGA MINORA. 20B 

seiner althochdeatschen übersetzuDg, freilieh auch hier schwan- 
kend ^ ia chuedant ia ck^atun, richtig Terwendete. 

5. Wenn übrigens unser gewährsmann für C^h AiB}kl2Ljl 
ffak Itbeda (während doch althochd. ia chuedant ia chta- 
tun) schreibt, so dürfte dieses sich aus seiner Verwen- 
dung des angelsächsischen 5 (in Gabriel, 5^^ Ubeda) 
erklären, woraus sich gieichmäTsig die benennung des Q im 
alphabete durch gaar (d. i. jär, ags. ffSr) rechtfertigt, wie 
daraus nicht minder das von W. Grimm als fehlerhaft ver- 
lafsene und nicht erklärte gemät Q in z. 1 jener lautbemer- 
kungen seine ausdeutung gewinnen mufs. W. Grimm ver- 
mutet in diesem richtig s. 13 'urspi-tinglich ein mit J anhe- 
bendes wort, etwa Judavus^ wie dieses auch wirklich änfserst 
günstig an das oben gesagte (§• 3) anreihend, sich schon 
Lukas 1, 5 (und 2, 4) findet, aber weder Judmus noch an- 
dres liegt den schriftzügen nach zur Vermutung nahe genug, 
die handschrift hat deutlich genuit und die lösnng nufs auf 
anderem wege gesucht werden. 

6. Jenen bisher besprochenen abstractionen aus einem 
gothischen bibelcodex folgt drittens noch eine anzahl gothi- 
scher zahlmassen, die durch gelafsene Zwischenräume und 
nach griechischem vorgange gebräuchliche querstriche id>ge- 
sondert sind, mit darunter gesetzter lateinischer geltung, von 
denen W. Grimm a. a. 0. sehr überzeugend dargethan hat, 
dafs wenigstens die 5 zahlen der ersten reihe sämmtiieh in 
das fünfte hauptstück der genesis fallen, und zwar diese 
sämmtiieh nach dem griechischen texte der septuaginta wie- 
dergegeben erscheinen, während die darunter gesetzten la- 
teinischen zahlmassen , jenen nicht ' entsprechend, sämmtiieh 
zur hieronymischen vulgata stimmen, die in jenem vom ho- 
hen alter der erzväter handelnden hauptstücke an 3 orten in 
ihren zahlansätzen von der septuaginta abweicht, 

7. Der alte Schreiber, welcher aus dem vor ihm liegen- 
den gothischen codex jene oben besprochenen gothischen 
Sätze aushob und jene darauf folgenden laut- oder leseregeln 
sieh abzog, entnahm demselben am natürlichsten gleich von 
vorn herein d. b« ziemlieh im beginn des in buches Mosis 

1. wegeo der früh in den fraglichen wl>rtern quiman, quithan ein- 
trcteodeo anflusung in kam^ kom, koth n. s. w. 



900 GOTTHIGA MLNORA. 

auch jene zahlen und setzte ihnen die venneiuUichen glei- 
chungen aus der nebenliegenden vnlgala unter, nubekümmerl 
ob ihre geltnngen jenen entsprächen, nnd nicht ahnend dafs 
er uns gerade durch diesen seinen irrthum immer gröfsere 
vergewisserung für die von den kirchenschriftstellem uns 
überlieferte behauptung dafs Ulfila auch fast sämmtliche Schrif- 
ten des alten bundes übersetzt habe, zuführen würde. 

8. Jenes fragliche fünfte hauptstück im In b. Mosis ge- 
währt uns aber auch überraschend licht über die von Grimm 
bisher nicht weiter nachgewiesene zeile 1 jenes mehr oder 
minder zusammenhängenden gothischen textcs (§. 3), so wie 
über zeile 4 der lautbemerkungen (§. 4, 2). 

Letztere (Jah libuidd) findet sich nämlich a. a. o. 
(1 Mos. 5) neun mal in v. 4. 7. 10. 13. 16. 19. 22. 26. 30 
wiederholt, wogegen Lukas 2, 36 (libandei im gothischen) 
nicht in betracht kommen kann. 

Ohne Zweifel dürfen wir hiemach aber auch jene zu- 
sammenhängende zeile 1 vaürlhitn uthlhan (§. 3) im selben 
hauptstücke suchen, wo denn auch wfirklich wiederum nicht 
weniger als neun mal (v. 5. 8. 11. 14. 17. 20. 23. 27. 31.) 
factique sunt omnes dies vorkommt, welches jenem gothi- 
schen vaurthun uhthan genau entspricht^, wobei endlich 
auch das in dieselbe zeile (§. 3) gesetzte afar nicht mehr 
leer ausgeht, indem dasselbe in den bereits angeführten zwi« 
schenversen 4. 7. 10. 13. 16. 19. 22. 26. 30 unmittelbar nach 
jenem jah libdida auftritt ^. 

9. Endlich aber dürfte aus demselben hauptstüokc auch 
noch der schleier von jenem genuit (§. 5) weichen, fafsen 
wir jenes factique sunt omnes dies ('dafs sein alter ward' 
übersetzte Luther) ins äuge, so gewinnen wir ohne zwang 

I. man vergleiche facta^e tunt {lyiviTO di % Mos. 9, 10, 1 Mus. 
30, A2) et facti sunt (nai iyivovro 1 Mos. 1, 5. 2, 43. ndk tyirexo 
1 Mus. 1, 36. 37) facti tunt autem (1 Mos. 36, n). 

%, zeile 3 Vaurthun qfär tkö meiote Grimm in Lukas 9 zu finden, 
wo es aber v. 28 heifst Faurthun than cfar tho (vaürdä)^ i^omil je- 
doch nur ein codex bei Millias (than, 3^ stimmt, von dort her licrse 
sich vielleicht auch z. 4 Ja qvAhun erklSrea , wenn man annehmen 
wollte» dars Jah aus den anfangen von Lnk. 9, 29. 30. qvethun aus 31 
genommen worden sei. 






GOTTBICA MINORA. SM 

den senkrechten strich am t yon dicit als bekannte äbktii^ 
zung benutzend, übt dicit gSr tunc (oder gSra ibt) Q pih 
nitur. dieses ger oder jSr (j4ra) kommt im firaglieben 5n hanpt- 
sliickc der genesis sogar nicht weniger als 27 mal vor (in 
V. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 
23. 25. 26. 27. 28. 30. 31). 

10. Wir reihen hieran den für die folge nicht uner- 
heblichen schlufs, dafs die Salzburger handschrift des 9n 
Jahrhunderts jene bemerknngen über gothische laute (§• 4) 
sammt jenen Sätzen (§. 3) und alphabeten (§. 2) bereits im 
vorliegenden zusammenhange aus einer (wohl in angelsäch- 
sischer Schrift geschriebenen) älteren handschrift entnahm, 
nur hieraus lafsen sich sowohl jene Schreibfehler dicit^ (statt 
dicit^) und besonders genuit, als| auch die sogleich zu be- 
sprechenden weiteren fehler in den zahlen, endlich die wun- 
derlichen ausgänge in den benennungen der einzelnen buch- 
slaben jener alphabete (Grimm s. 5. 6 u. 10) erklären, in 
welchen letzteren olFenbar die 5 an daa^^ faa^f auch ey^ 
ein angelsächsisches, in fugil gebliebenes g^ also dag^ lag, 
pygy oder vielleicht dags, lags, egz (wie haal für hagl), 
mit dem s des nominatives wie noic^ (statt nothsy nauths) 
nra^ (statt vrs) gemahnen^, während jenes s in tys aus an- 
gelsächsischem p verdorben erscheint, wenn es nicht tius 
sein soll, (wir dürfen reinere gothische foriMn vermuten: 
dazu berechtigt manna, S^^^^O quertra^ das nach pertra 
folgt und verschrieben ist, soll, was seine züge halb auch 
erkennen lafsen in der handschrift ohne zweifei quema (ags. 
cweorfi^ golhisch qraimo) sein. 

11. Nach jener, wie ich glaube durch unsre nachwei- 
sung von jah libäida, ^f^^y j^a noch mehr gesicherten 
schlufsfolge, dafs Ulfila das erste buch, somit wahrscheinlich 
auch sämmtliche bücher Mosis übersetzt habe, reizt es um 
so mehr, auch die übrigen zahlen (der zweiten und der resp. 
dritten reihe) ins äuge zu fafsen, die sich, wie gesagt, W. 
Grimm 1828 entzogen hatten, diese Zahlenreihen beginnen 
scheinbar mit nach den Worten p ch M ponunt (§. 4, 4) 

1 auch ia cho^ma (kogi'na?), dessen ch auch statt hercna ein ur- 
sprüngliches hercha Verinuthen ISrst; a%a a ober vielleicht ein at^a {s) a 

oder asc[h)a v 



9M GorrmcA j^ünora. 

rechts binaasgeschriebenem tccc, welches erst vers 22 im 
genannten 5n hauptstiick der genesis, also nach den folgen^ 
den, bisher besprochenen zahlen, vorkommt, die ganz regel- 
mäfsig in beibehaltener folge den versen 5. 6. 7. 8. 13 ent- 
nommen wurden ; und W. Grimm zog aus jenem umstände, 
der sich aber sogleich als ein nur vermeintlicher herausstel- 
len wird, die folge dafs jene zahl t nicht dieser stelle Mo- 
sis oder des Ulfila entnommen sein könne. 

12* Es wurde aber dabei übersehen, dafs die 5 folgen- 
den zahlen mit einer gewissen lichten breite geschrieben er- 
scheinen und das pergament am rande rechts keinen räum 
mehr für die sechste zugehörige zahl (300) gewährte, daher 
diese, die nun erst hätte folgen sollen, nach bekannter silte 
in den leer gelafsenen räum der vorhergehenden zeile fiber- 
geschrieben wurde, dafs dem so sei, wird durch das neben« 
schreiben der lateinischen erklärungszahl neben das an sich 
schon kleiner gehaltene T bekräftigt, während alle übrigen 
zahlen die lateinische zahl untergeschriebeu zeigen, wobei 
übrigens keinesweges übersehen oder versehwiegen werden 
soll, dafs in i Mos. 5, 22 die septuaginta, mit der doch die 
übrigen gothischen zahlen stinmiten, hier nur 200 (die vul- 
gate 300) jähre zählt. 

13. Durch jenes überschreiben sollte gewiss, zugleich am 
geeignetsten, kund gegeben werden und wird es, dafs diese 
sechs zahlen mit den zahlen der folgenden reihe oder zeile 
nicht zusammengehörten, wie Grimm diesen wohl anmerkte, 
obschon er sie nicht nachweisen konnte: dieses jedoch nur, 
weil das äuge sie falschlich zusammen nahm, schon die 
Zeichnung bei Grimm nämlich, noch mehr die handschrift selbst 
zeigt, dafs, wie in der ersten zeile so auch in der zweiten, der 
oberstrich jeder zahl natürlich nur so weit geht, als die zahl 
zusammengefafst werden soll oder umgekehrt; obenein gilt 
in dieser reihe jeder buchstabe eine zahl für sich, wozu 
das T der ersten reihe einleitete, und jede zahl führt deshalb 
einen besonderen strich über sich, ja die erste und zweite 
zahl sind sogar durch einen punkt oben getrennt, wie von 
den lateinischen zahlgeltungen darunter 1 .2.5, eben so 3 
(und 5) der ersten reihe, durch punkte gesondert sind : alles 
zum beweise der absichtlichkeit. 



GOTTHIGA MIMORA. 

14. Schlagen wir nnnmehr im alten bmide naeh, so er- 
geben sich ans der groEsen menge von fällen, in welchen die 
zahlen 60. 30. 500. 90. 70. 800. 90 (die letzte hinzugehö- 
rige lafsen wir hier noch absichtlich bei seite) überhaupt «nd 
in einer erträglichen Ordnung aufeinander folgen, am geeig- 
netsten in nachstehender gruppe, und zwar für 

1. 60 — Ezechiel 40, 4. 
30 — .... 40, 17. 

500 — .. .. 42, 17. 20 (auch 15, 2) K 

^^\ — .. .. 41, 12. (hier freilich 75:90). 

2. 800 — iMakkb. 3, 24. (oder 9, 6). 

90 — 2Makkb. 8, 11. (oder 6, 24). 

15. Gewiss überrascht das natürliche naheliegen der zah- 
len und verse im Ezechiel ; nicht Bender die hereignung von 
den büchern der Makkabäer, die wir sonach mit jenem eben 
so gut wie das leb. Mosis als von Ulfila übersetzt annehmen 
müfsen, um so mehr, als in dieser reihe die gothischen zah- 
len mit den lateinischen übereinstimmen, weil eben die septua- 
giuta und vulgata hier sich gleich&lls decken, was 1 Mos* 5 
nicht der fall war. 

16. In der letzten zahl, wo jenes nun aber nicht statt 
findet (^ und dcccc), nimmt Grimm den fehler im gothischen 
buchstaben (^) an, zu dem nur das zweimal vorhergehende 
90 stimme, während zu 900 wieder ^ hätte gesetzt werden 
müfsen. aber man nehme das würklich auch etwas anders 
als das zweimal vorhergehende ^ gezeichnete zeichen als 
das so leicht, namentlich von einem abschreiber zweiter band 
(s. oben §. 10), verwechselbare y, und wir können von jener 
lateinischen zahl wenigstens cccc retten ^, wodurch wir zu 
der obigen Zahlenreihe fortschreitend 2 Makkb. 12, 33 (wohl 
befser als das rückgreifende 3, 11) erhalten. 

17. Der alte (erste) Schreiber oder verfafser jener got- 
thica mochte wohl die absieht haben, unter seine erste Zah- 
lenreihe, welche sogar dreifache ziffer* oder buchstabenver- 

1. nicht minder 1 Mkkb. 6^ 35. 15, 3t. 2 Mkkb. 12, 10. 14, 39. 

2. das dreimal voraosg^ehende 3 moekte den Schreiber zweiter po- 
tem 7u gedankenloser vierter Wiederholung verleiten, so gut wie bei 

finutf\ (iicif. ohne anscbaoang oder sinn kq schreibco. 






904 GOTTHIGA MINORA. 

bindangen unier hinein striche znsammenstellte , eine reihe 
nur einfacher zahlbuchstaben dagegen zu geben; denn zn 
gröfscren und sehr grofsen zahlen hätte ihm namentlich das 
zweite buch der Makkabäer genug Vorkommnisse an die band 
gegeben, was aber nnsem ansatz aus Ezechiel und den Mak- 
kabäern beslätigen dürfte, ist die schon aus Grimms abbil- 
dung, noch mehr aus der handschrift hervorleuchtende thal- 
sache, dafs in der zweiten reihe stets die zahlen durch einen 
gröfseren Zwischenraum getrennt erscheinen, welche einem 
andern kapitel, eben so einem andern buche angehören, denn 
klar sind nahe gerückt (jÄ^ als demselben hauptstück 40 des 
Ezechiel (v. 14. 17) angehörig, ferner dagegen gerückt j: aus 
42, 17 (oder 20); hiernach gröfser wenigstens geschrieben 
als neu anfongend i|ti, freilich zurückgehend znm vorigen 
hauptstücke und vielleicht auch deshalb näher an das Y S^ 
rückt, jedenfalls aber wieder weiter getrennt vom "q", womit 
i Makkab. (3, 24 oder 9, 6) beginnt, wie das folgende H 
(90) 2AIakkb« 6,24 (oder 8, 11) angehört; etwas ferner 
freilich wieder gerückt das schwankende ^I oder y (400?) 
aus 2Makkb. 12, 33 (oder 3, 11). 

18. Bestätigt sich nun auch diese ergänzung der schö* 
nen grimmischen ausätze, wie unsere obige bekräiligung von 
1 Mos. 5, so erhalten wir durch beide eine wesentliche ver<> 
gewisserung der bei den kirchenschriftstellem aus Philostor^- 
gius > durchgehenden angäbe, dafs Ulfila die ganze heilige 
Schrift altes wie neues bundes übersetzt habe, bekanntlich 
setzt Philostorgius hinzu ^, dafs Ulfila die bücber der könige 
ausgenommen habe, und zwar aus dem naiven gründe, damit 
sein an krieg gewöhntes volk nicht zu viel neue anreizung 
zu kriegen darin erlesen möchte, als wenn in den eben her- 
beigezogenen büchcni der Makkabäer des kampfes und Strei- 
tes weniger wäre, freilich ein heiliger krieg, ein (wie Luther 
übersetzte) ritterlicher kämpf mit herrlichen Worten des tro- 
sles und der Zuversicht auf gott, wie sie die Gothen unter 
Frithigeni u.s. w. wohl gebrauchen mochten ^ eben so durch-' 

1 . Sokmtes, Sozomenus, Tlieodoretns n. a. w. 

2. iii<*hc die sleUeD im anhange bei Wtitc. 

». 1 MkU. 2, 40. 3, 19. 43. 4, 35. 5, 61. 9. 10. 2 Mkkb. 5, 19. 
' '^U 10.38. 13, 15. 15. II. 



GOTTHICA MINORA. 



M 



webt von trefflich eindringlichen lehren für könige und volks- 
leiter (Judices wie duces) *. 

19. Die von mir herausgegebene Skeireins (man mag 
sie nun fortan noch für eine reine auslegung des evangelii 
Johannis oder nach Lobes Untersuchung etwa für eine art 
paraphrasierter harmonie der evangelien halten, in deren 
zu Rom und Mailand geretteten blättern gerade das evange- 
lium Johannis ausgelegt oder vorzugsweise angezogen wird) 
hat wenigstens das als gewiss ergeben, dafs in den aus dem 
evangelium Johannis erhaltenen versen des In, 3n, 5n, 7n haupt- 
stückes, da wo der vergleich mit dem silbernen codex mög- 
lich gemacht wurde, dort wie hier nur ein und dieselbe go- 
thische Übersetzung angewendet worden ist ^, wofür auch die 
doppelhandschriften der paulinischen briefe (in Mailand), zum 
theil auch des briefes an die Römer (in Mailand und Wol- 
fenbüttel) sprechen, dasselbe läfst sich demnach auch yon 
dem in der Skeireins angezogenen verse aus psalm53,7,f« 
{saei frathjdi äiththäu sökjäi guth. alldi usvandid^dun : sa- 
rnana unbrükjäi vaürthun) voraussetzen. 

Aus Esra und Nehemia aber haben wir bekanntlich wfirk- 
lich nicht unerhebliche bruchstücke in den Mailänder palim* 
psesten erhalten. 

20. Überblicken wir alle diese trümmer des alten bnn- 
des (aus 1 Mos. 5 — psalm 53 — Esra 2' — Nehemia 5. 
6. 7 — Ezechiel 40. 41. 42 — 1 Makkab. 3 (oder 9) — 
2Makkab. 8 (oder 5) 12 (oder 3), so dürfte fernerhin noch 
weniger zweifei als bisher obwalten, dafs das ganze alte 
testament ins gothische übersetzt wurde. 

1. 1 Makkb. 13, 5. ^ Makkb. 4, 17. 26. 30. 5, 10. 6, 7. 13. 

%, verschiedene recension des textes machea die Alteobarger heraus - 
geber th. 1 i. xxi anmerk. 65 geltend. 

3. ein blatt mit fortlaufenden namen, die übrigeni für die lautlehre 
nicht ohne werth gewesen wären, blieb uDgedmckt zurück. 



Z. F. D. A 1 20 



306 GOTTIUCA MINORA. 

2 

GAB ES Z\^E1 HAINDSCHRIFTEN DER GOTHISCHEN BIBEL- 
ÜBERSETZUNG, \M2MGSTENS DER EVANGELIEN, IM 

XVI JAHRHUNDERT? 

1. Aus den bis hieher besprochenen gotthicis des Wie- 
ner-Salzburger codex musten wir entnehmen, dafs im neun- 
ten Jahrhunderte wohl noch handschriften der gothischen bibel 
vorhanden, wie noch ziemlich verstanden waren, damit stimmt 
die bekannte stelle des benedictiners Walafrid Strabo« des 
Schülers von Rhabanus Maurus, der als abt von Reiehenan 
im jähre 849 starb, er sagt de rebtis ecclesiasticis cap. 8 
GotthU gtii €t Guttom, eo tanpore, quo ad ßdem Christi, li- 
cet non recto ttmere, perducH sunt, in Graecorum frovin- 
ciis commorantes nostrum h. e. tkeotiscum sermonem ha- 
buerunt, et ut historiae testantur, postmodam Studiosi ^ illius 
gentis divinos libros in suae locutionis proprietatem trans- 
talerunt, quorum adhuc monumenta apud nonnuUos exstant. 

2. UnwiUkiirlich fallt dabei unser blick auf den präch- 
tigen silbernen codex, nicht Blinder auf die mailändischen 
handschriften der paulinischen briefe, welche erst in jenen 
strabonischen Zeiten abgebimst und lateinisch überschrieben 
wurden 3. jener aber gehört mit seinem purpurpergamentc 
und seinen goldenen und silbernen buchstaben ' dem fünften, 
höchstens dem angehenden sechsten Jahrhunderte* und ohne 
zweifei Italien an ^. 

1. das würde zu Gabelents andLttbei ansieht tob verschiedeaen v«r< 
fassern oder rccensionen tanken, s. bibelübersetznn^ 1 s. xix xxi. 

2. flehe ülphiltie partium tneditamm speeimen (Mailand» 1819. 4.) 
seile V. auch Fraas Jnnios (ylMaar, widmang) fflaable schon, dafs Strabo 
den silbernen codex meine. 

3. Hieponymia Bf aat in der vorrede snm Uiob die ve^eriM iibros in 
membranis auro ßrgemio^y^ seriptos, 

•i. Gabelcntz und Lobe, Ulfilas I, xxxi. 

5. Casliglione htkt (specmen s.v) verschiedene gerfichte von gothischen 
evangelienbüchern in Turin, Bologna, Perugia (s. Ung einleit. ins N. T. 
3e aafl.) und Neapel mitgctheilt, von denen die in Jac.Jon. Biörnstahls rei- 
sen ^1, 390) über die letzteren am sonderbarsten klingen : das gothische 
evangelienbuch aus der billiothek des klosters Monte Oliveto xu IVeapel 
sei (freilich erst zwischen 1740 und 59, heifst es) nach England rntfnbri 



GOTTHICA MINORA. 307 

3« Die erste künde von demselben kam im jähre 1569 
dureh den gelehrten Goropius Becanus (von Hilvarenbeck im 
Brabantischen) zu, der erst arzt und zwar leibarzt der kö- 
nigin Eleonore von Frankreich und Maria von Ungarn (Karls 5 
Schwester) und lange auf reisen in Italien, Frankreich und 
Spanien, dazu in abend- und morgeniandischen sprachen höchst 
bewandert, später in Antwerpen zuerst als ausübender arzt, 
dann nur der Philosophie lebend, am 27n juni 1572 (53 jähre 
alt) zu Mastricht starb, dieser theilte im 7n buch seiner 
ortgines Antwerpianae (Antwerpen ^ Plantin. fol.) zuerst das 
gothische vaterunscr nebst einigen anderen kleineren stücken 
mit. nachdem er zuerst das sog. gothische d. i. das schwe- 
dische Vaterunser aufgestellt, fährt er s. 739 fort nunc 
igitur ad alteram linguaniy quae gotica docttssimi cujusque 
apud Colonienses * jxidicio habetur^ venimtts; während er sie 
selber nicht für *getisch*, sondern für die spräche eingedrun- 
gener fremdlinge und gräcisiert hält, da fxtad-os (nämlich 
mzzdö) für merces darin vorkomme (s. §. 55 unten) und der 
artikel thana, thatei^ thaim, thamma ans tA entstanden sei, 
eben so vimai (d. i. qvimäi) aus ventat, 

4. Wichtiger als diese windschiefe ansieht ist uns seine 
bestimmte angäbe^ woher das von ihm mitgetheilte vatemnser 
entnommen wurde , nämlich aus einem sehr alten codex der 
gcfürstetcn benedictincrabtei Werden: eandem oratwnem 
dominicam [lingua gotica] descriptam in antiquisshno co- 

worden, man kiinnle dalx'i unwillkürlich verleitet werden, vom fernen 
Standpunkte des ncapolilanischeo bibliolhekars aus nur nach der Angio- 
rum terra zu blicken, woher der schöne florentiaische codex des Tacitus 
gekommen und wo gerade kurz nach der mitte des 16a Jahrhunderts jener 
silberne codex auflauciit, der nach seltenen schicksalea jetzt zum zwei- 
ten male in Schweden bewahrt wird. 

1 . auch der anonymus autor des commentars de lingua gotica bei 
Bonaventura Vnleanius spricht, wie wir sehen werden, mit bestimmterer 
beziehung von Collen und beruft sich bei dem zweiten commentar de wh 
tit lombardicis (tifwtianit) auf Campanus {quod et Campanus monuit 
s. 30), womit schwerlich der spanische priester Hieronymus Campanus 
gemeint ist, den B. Vulcanius in Spanien könnte kennen gelernt haben, 
und der sehr gut latein und griechisch verstand und einen liber earminum 
binlcrliefs, vielmehr der bekanntere Johannes Campanus ans dem Jülich- 
schen. der in Köln studierte und 15?8 in Wittenberg lehrte. 

20' 



.»-Vi 



308 GOTTHICA MINORA. 

dtce monasterit IVerdeniy in regione Bergensiy quatüorpaulo 
plus minus a Colonia milliarihus distaniis. 

5. Fast eben so wichtig wird seiae fernere angäbe, dafs 
er jenes vaterunser der mittheilung des Maximilian Moril- 
Ion aus den papieren seines verstorbenen bruders Anton Mo- 
rillon verdanke, mit dem er täglich umgegangen sei, quam 
reverendus et eruditissimus vir Maximilianus Mofnllontu/, 
de Antonii fratins sui piae memoriae schedis mihi benigne 
communicavit ^ Anton Morillon^ war secretarius und bi- 
bliothecarius des kardinals Anton Perronet von GranveUa 
gewesen, in welchem amte ihm wohl Stephan Pighius folgte, 
der es darauf 14 jähre ausübte und den Goropius Becanas 
als zeugen aufruft 3. 

6. Das von ihm mitgetheilte vaterunser schreibt letz- 
terer nicht mit gothischen, sondern zum abstich von sei- 
nem lateinischen texte mit deutschen buchstaben. abgesehen 
von unverkennbaren fehlem der flüchtigkcit (wie hitnmina, 
senteinany fraestub arte, wihnai u. s. w.), so wie der be- 
kanntlich ziemlich lange später noch, gleichwie bei Bona- 
ventura Vulcanius und J. Gruter durchgehenden Verwechse- 
lung des j und g {gah, sigaima, vilga), nicht minder (durch 
die auflösung) des t und tk (arte statt airthai u. s. w.) blickt 
auch hier, wie im alten Salzburger codex (oben 1, § 4) we- 

t. ob eam, quam arctimimam et diutumam cum fratrt aäkuc 
tnvo habui consuetudinem, 

2. ob Guido Morilion, der 1509 zu Paris den Suetonius herau^b, 
verwandlwar? 

3. in einer snmmlung von briefen der königl. bibliothek zu Manehea 
(Cod. lut. 22. 736. fol.) stehen eine anzahl briefe des oben^aanntea 
Slephanns Pighius an Andr. Masins, den rath des herzogs von Cleve , mit 
dessen söhne, Karl Friedrich, Pighins später lange in Rom lebte, in denen 
er den Morillon mehrfach nennt, ao sagt er in einem briefe vom 2in febr. 
1564, worin er berichtet, data er den kardinal Granveila gern gesprochen 
hätte, statim r^ieior ad Morilitmfum, qui tne tongis amhagibv, in- 
rertisque promütis äueere et eireumvenire eonatur; und 1567 (vom 
7n Januar) inteHiges ex d. MoriHonü epistola^ quam hie meis atffungo, 
ut legat ae deinde remittas; eben so vom In april 15C8. in densdbea 
briefen sagt Pighius auch (5. kai. mai. 1567) atque tum Antverpiaa 
eoHveniam Beeanum, Plantinum alio$qu§ amieos und (3. kal. fept. 1571) 
salutant fe Beoanui et Piantinus. 



GOTTHICA MINORA. SM 

nigsteas eine ahnuag von der geilung des ai (s. §. 40} her- 
vor in wertke, brigges^ vnsarem^ laefy ßraestub, arte, die 
in der abschrift neben dem bewahrten wzhnai, sigaima, 
thaim, vimai erscheinen, wie die ursprüngliche schreibang 
auch in lausei, tkein, theins festgehalten wurde. 

7. Dafs das ganze dem 6. Becanus oder dem Morillon 
in gQthischen buchstaben vorlag, zeigt sich, wenn nicht schon 
aus formen wie thindangardi, oder aenins (das s. 750 gar 
zu aentus verdruckt wird), dem aber eine abschrift aeums 
(aus aivins) zu gründe lag ^, doch sicher aus lilaif, (statt 
hlaif) und gik, indem des G. Becanus deutsches k einem 
j: sehr nahe kommt ; nicht minder aus dem zusammenrücken 
von sculanssigatmüt was einen nicht trennenden uncialcodex 
yerrälh, endlich aus des Becanus bemerkung kimmma: sie 
scriptum inveni, ut dubium sit an hinnma an himmina le- 
gendum sit, was auf die handschriftliche ähnlichkeit des go- 
tbischen u und H deutet, die so oft in den ausgaben ver- 
wechselt wurden, so dafs wir noch heute nicht wifsen, ob 
wir das oWa{ Xeyo/tieyoVj worauf wir zurückkommen müfsen, 
HINZ oder HtHZ zu lesen haben, wichtiger aber noch wird 
uns am schlufse machs (so s. 750, während im Vaterunser 
blofs mach) werden, so wie die ganze fafsung seines vater- 
nnsers, die wir deshalb hier wiedergeben. 

Atta unsar thu in himmina, wihnai namo thein, vimai 
thiudinassus theins. werthe loiiga theins, sun in him- 
mina gah ana arte, lilaef vnsarana thana senteinan 
gik vnss himmadaga. Gah aflet vns thatei sculans- 
sigaima suasun gah vcis aßetam thaim shulam vnsarem, 
gah ni brigges vns in Jraestub: Ak lausei vns qf 
thatnma vblin, vnte thein ist thindangardi^ gah mach 
[s. 750 wachs] gah wulthus in aenins [s» 750 aenius], 
Amen. 

8. Übrigens mufs dem 6. Becanus noch mehr vorgele- 
gen sein, denn s. 750 giebt er zu gamelit(h) eine stelle aus 
Markus 1, 2, sue gamelit(h) ist in Esaiu (d. i. Esaiin) 
pratqfhetan (pratffetau) ; ebenso (ebendas.) aus Mark. 15, 34, 

1. die abschrift ist höclist ansicher: vnsarem^ vns — untar» and 
wieder v6t7tit^ vnte; tuasue; skulatn and ieulans. 



SlO GOTTflICA MINOUA. 

God mein God meins du que mis vilest (d. i. Gnth mems^ 
guth meins y du hvS mis biläist), ja er fährt liier fort ejc 
eodem evangelio unum proferam exemplum^ ex quo liquebit 
minif/ie hoc sermone Gotos eos usos esse, qui Italos latinam 
linguam dedocuemnt: Gah merga vithafis vinmitk sunithosa 
missa afar mis thizci ik ni im waerts ananeiwands andbin- 
dan scaudaraip scohn is (d. i. Mark. 1 , 7 jah merida qvi^ 
tkands qvimith svinthösa mis sa afar mis, thizei ik ni im 
vairths anahneivands andbindan skaudaräip sköhS is)* 

9. Das Vaterunser entnahm aus Becanus buche bald 
darauf mit allen fehlem (lilae/y arte, mach u. s. w.)» selbst 
neuen (senteinam, laujsei, wcifs, vnfs aus des Becanus vnss) 
Hieronymus Megiser, zuletzt professor in Linz^, in seinem 
1592 herausgegebenen specimen xl diversarum linguarwn 
(Frankf. Joh. Spiefs), welches buch 1603 ebendas. bei J. 
Brathering) als *Prob einer Verdolmetschung , In fünfTczig 
vnderschiedtlichen Sprachen, darinn das heylig VatterYn- 
ser u. s. w.' verdeutscht herauskam ^). doch hat Megiser 
hier sonderbar genug am schlufse, ohne Zweifel aus Bona- 
ventura Vulcanius inzwischen 1597 herausgekommenen bü- 
cheichen de literis et lingua Getarum, während er 
U laif nicht aufnahm und auch mahs beibehielt, am schlufse 
in aiwins gebefsert. dafs dieses von dort her und nicht 
etwa aus Gruters inzwischen (1602) erschienenen inscripiio'' 
nes entnommen wurde, dürfte dadurch gewissheit gewinnen, 
dafs er nun auch den gruFs der Elisabeth mit allen fehlem 
des B. Vulcanius (thiulhida — thiu tido l \ krön, Luk. 1, 42), 
so wie den lobgesang Simeons (Luk. 2, 29 — 32) gleichfalls 
mit allen B.Yulcanischen fehlem {fraleitai, teinana, liuhat^ 
andhuleinei, wulihou^ Israel (statt — a), theinnammaf Ga^ 
wairthiga, segun, manan IVides in an andw \ airthga aat» 
nimmt, welche abschnitte bei Gruter fehlen. 

1. TrUhcr in Leipzig, Gera u. s. w, er starb zu Linz 1616, aachdeii 
er aaPscr Enenkels furstenb'uche und Annales Carinthiae auch ein werk 
de lingua tauriea^ ein Her Orientale ^ so wie deliciat neapolitanas 
(mit iQachriftea) heranageseben hatte, geboren war er %u StnltgarL 

^. von hier aus hat Megiser einzelne golhische Wörter, z. b. pater-^ 
aUa in sein Wörterbuch (the$auru9 polyglottus, Frkf. 1603) üufge- 
nomnen. 



GOTTBICA MINORA. ^.- -. Sit 



f 



10. Nächst jener ersten becanischen naebri€hl9|iHi:«ia(mi 
iu gothischer schrift und spräche geschriebentii erangdieii- 
buche wurde uns weitere künde darüber im jähre i&97 durch 
den eben genannten gelehrten vielseitigen und übenuis thä- 
tigen Bonaventura Vuloanius, aufweichen besonders Erasmus, 
sein landsmann, sehr viel hielt. 1538 (am 30n Januar) ge» 
boren zu Brügge (daher er auch Brugensis benannt wird), 
war er, nachdem er seine Studien zu Löwen vollendet, 11 
jähre in Spanien als secretär und bibliotbecar des kardinals 
Franz Mendoza, wurde hierauf rector der Antwerpener schule, 
von 1578 aber professor der griechischen spräche zu Leyden, 
woselbst er 77 jähre alt im jähre 1614 (am 9n oclober) ver- 
schied, sein vorher schon genanntes bücheichen De Literis 
et Lingua GETARf^M, siue GOTHORFM u. s. w. {Lvgdvni 
Batavorvm, Ex officina Plantiniana^ Apud Franciscum Ra* 
phelengium cia . I3 . xcvii. 110 s« 8«) zeigt an seinen vielen 
zugaben (Specimtna variarum Linguarum : angelsächsisch, 
persisch, cantabrisch, friesisch, wälsch, isländisch, zigeune- 
risch), so wie an den schönen deutschen handschriften (des 
Tatian, des Willeram und des annoliedes), dafs er vom schön- 
sten eifer für freiere, allscitigere philologische Studien erfiiUt 
war, wie er denn auch in jenem halben jähre den Jemandes 
herausgegeben hatte, den er deshalb dort in der Widmung 
lomandes mens nennt und den später 1655 ex reeognitione 
Bon. yulcanü Brugensis Hugo Grotius in seine Historiü 
Gotthorum wieder aufnahm. 

11. Dieses bücheichen eignete Yuloanius aber nicht sich 
zu ; vielmehr nennt er sich auf dem titel nicht nur blofs 
edilory sondern bezeichnet s. 1 dasselbe auch als Commen^ 
tariolus viri cujusdam docii Anonymi, über den er in der 
Widmung an die stände (prdines) Frieslands weiter sagt de 
authore utriusqtic Commentarioli parum mihi constaL ja er 
gibt auch den zufall an, wie er zu dem manuscripte gekom- 
men. De hac Getarum lingua venerunt ad me velut lacerae 
guaedam tabulae e publice Belgicarum Bibliothecaruni nau- 
fragio Commentarioli docti cuiusdam viriAnonymi, quorum 
priore agitur De eius characteribus et pronuntiatione, altere 
vero De notis lombardicis [d. i. tironianis']^ guas so e vetus- 



312 GOTTHICA MINORA. 



(i$fim(t Mßmtit Codice ms., quem argetUeum nominat, de- 

" ' 12» IiMztere worte zeigen zugleich deutlich, wie unklar 
B. Tddülhui über die quelle seines commentares ist, die 
er nieht ahnte, obschon er unmittelbar nach jenem gestand« 
nisse von der unbekanntscbaft des verfafsers jenes Commen' 
tariolus die oben (§. 4) besprochene angäbe des Goropius Bei: 
canus von der abtei Werden wie den brüdem Morillon auf- 
nimmt, ja ohne auch nur zu vermuten, dafs dieses derselbe 
codex von Ulfilas bibelübersetznng sei, von dem er voraus 
sagt cuius exemplar ms. idque vetustüsimum gothicis literis 
maioribus scinptum in aliqua Gertnaniae Bibliotheca deUte- 
scere audio. 

13. Ja er bleibt über die herkunft des ihm zu banden 
gekommenen commentares, so wie über den zustand des frag- 
liehen codex so unklar, dafs er meint, gerade die im Com- 
mentariolus alter besprochenen tironischen noten .seien aus 
dem codex, quem argenteum nominat {Anonymus) entnom- 
men, während die s. 21 aus diesem tironischen codex mit- 
getheilten Wörter bccllcctrex, glccrea, hccbitus n. s.w. Aoeh 
eine handschrift des 8n oder 9n jahrh. verrathen und der 
verfafser des Commentariolus s. 10 deutlich nur bei den go- 
thischen buchstaben sagt hac litera utitur argentens codex. 

14. Aber B. Vulcanius ahnt auch nichts von irgend ei- 
ner beziehung des von Goropius Becanus als gewährsmann 
genannten Anton Morillon (§. 5) zu seinem Commentariolus 
oder Anonymus ; denn er sagt Is vero Antonius an kuius 
commentarioli De lingua Getica authorfuit, affirmare non 
possum, neque cnim alteruter mihi unquam nisi de solo nor 
mine notus fuit f. 

15. Dagegen spricht er unmittelbar darauf die vennur 
tung ans, dafs der verfafser des gothischen commentars, nach 
gewissen andeutungen in diesem, aus dem Lüttichschen oder 
Namürschen gewesen sein müfse, weil er sage (doch nicht 
im vorliegenden commentare) Noti sunt et Tongri nostri S 

1. daher er auch aus des G. ßecanns Worten die Verwirrung ent- 
wickelt, dars Maximilian Morillon Cardinalis Granueüani olim Consi: 
Uarius et BibUothecae Pratfectus gewesen sei. 

2, siehe später §• 49. «■ 



GOTTHICA MINORA. . / 813 

qtä cum ßarerent toti nosirae regioni dmn!t6llii00äi^i^^ 
Neque credendum est C. Caesarem arcem NeommgiMittMii^y» 
(wie nämlich lange Jahrhunderte die sage dui^h d|| $iiria|H3k^ 
lief), cum nulla ktstoria cum descendisse prodat i^n^ß^eo- 
diumy territum ut videtttr nostrorum et Geldrorum üc Mena- 
piorum viribus» 

16. Würklich war Anton Morillon aas dem Lüttichschen 
gehürlig. Vulcanius aber lenkt gleich unsre aofiarierksamkeit 
auf einen andern mann, auf den, wie er sagt, vor 40 jähren 
in alterthümem geschichte und sprachenkunde ausgezeichne- 
ten Antonius Schoonhoven, der den Eutropius bearbeitet habe 
und noch manches andre, was bei freunden herumliege und 
noch nicht gedruckt worden sei, wie denn er selber jenes ab*- 
handlung De origine Francorum ^ besitze. 

Doch setzt er auch hier wieder hinzu Quem quidem An- 
toniitm Sckoonhomum nescio an huius Commentarioli De lin^ 
gua Getica authorem faciam. übrigens fügt er weiter mit 
recht hinzu Meretur certe ille quisquis fait non exiguam 
laudem et gratiam , qui literarum Geticarum proprietatem^ 
earumque ad rectd pronuntiandum scribendumque dexterita- 
tem^ qua cum Hebraea^ Graeca et Latina, nedum cum aliis 
vulgaribus Unguis facile pedem conferre potest, eruditis suis 
animadversionibus illustrare voiuit. 

17. Dennoch müfsen wir nochmals auf Morillon zurück- 
blicken, indem im folgenden Jahrhunderte noch Colomies, der 
vertraute des Isaak Vossius (bekanntlich des schicksalsent- 
scheiders für den silbernen codex) in seiner Biblioth^que 
choisie ^ , wo er des Bonaventura Vulcanius bücheichen De 
Literis et Lingua Getarum schildert, jenen als wahrscheinli- 
chen verfafser des darin enthaltenen commentars ansetzt, wie 
aber Colomies den Vossius, so kannte er wohl den Franz Ju- 
nius, an welchen bischof Jakob Usser in einem briefe ^ gleich- 
falls durchaus für Morillon spricht; weshalb denn auchEccard 

1. später gedruckt in /inl. Mathaei Feterit Aevi Analeeta I. 
%. zweite aua. Pnris. 1731. 1!^. s.^lZ* 

3. siehe vor Janins gloMar s. 15. Usher verbindet schon des Val- 
ranios commentar oder codex sicher mit dem Werdener codex (s. 14). 



• 



314 GOTTHICA MINORA. 

in seiner historia studii etymologici (s. 75) dafl ganze als 
ausgemacht nacbschreibt, 

18. Diese annähme so vnt alle anderen hin- und herver- 
mutungen scheinen aber durch folgenden umstand in sich zo- 
sammen zu fallen, im vergangenen herbste 1840 fand ich in 
Leyden auf der dortigen bibliothek unter den dort wohlbe- 
wahrten papieren unsers Bonaventura Yuicanius in N« 92*", 
mit andern auch nicht von seiner band herrührenden französi- 
schen Sachen vermischt, das manuscript des bis hieher bespro« 
ebenen Commentariolus De Lüeris et Lingua Getarum^ 
jedoch in folgender etwas abweichender Ordnung. 1. Alphab^ 
tum Gothicum ganz gleich mit dem drucke s« 1; 2. den 
anfang des evangclii Markus ^iyjii'i*6AqQ ^'^^l^^ nji)LRTi 
jVHjVSTQaei^', der im drucke erst nach von B. Vulcanius zwi- 
schengeschobenen runenalphabcten s. 48 steht; 3. die Ora- 
tio dominica^ wie im druck s. 32 — 34 ; 4. die Salutatio an- 
gelicüy wie im druck s. 31 5 5) Canticum Virginis, wie im 
druck s. 36 — 39, doch nur bis syj^sye s. 39, während B. 
Vulcanius noch fortsetzt rödida du attam unsaraim abrakor 
ma jak Jrdiv i's und\aiv; 6. Canticum Simeanis, wie im 
druck s. 41 — 42. 

19. Ist nun diese anordnung eine vom drucke abwei- 
chende, und scheint namentlich der umstand, dafs das mana- 
script den lobgesang Mariae nicht ganz bis zu ende des verses 
55 enthält, der annähme zu widersprechen, dafs wir hier 
würklich das dem drucke von B. Vulcanius zu gründe gelegte 
original haben 1, so gewährt dasselbe dennoch im wesentli- 
chen denselben inhalt, ganz dieselbe falsche silben- und lant- 
trennung und dieselben fehler sowohl im alphabetc als weiter- 
hin, wovon noch ferner die rede sein wird, übrigens ist alles 
noch in befscrer gothischer schrifl geschrieben als des Vulca- 
nius sonst nicht üble holzschnittbuchstaben, und zwar kom- 
men jene züge denen des silbernen codex noch wesentlich 
näher. 

1. anch fehlt der ganze Commentariolus alter von den UronUoheo 
noten, den B. Valcanius sonderbar penng 8.16 — 90 in den gotfaisehen 
commenUr einkeilt, übrigens stammen beide siektbar von eis «nd dcm- 
selbea verfaPser. 



GOnrnCA MINORA. 31S 

20. Das ganze manuscript ist aber nicht von, 49» BoiiUf 
Ventura Vulcanius band geschrieben. viehnefar^DjSKUbri ots 
letzte blatt anweisungen für supplicantea auf |ir katfeHiche 
kammer vom 15n juli 69, 16n juli 68, 23n deeember 6S and 
die kehrseite vom 19n juli 68, zu welcher letzteren bemer- 
kung der name Strein d. i. des wohlbekannten Richard Strein 
geschrieben steht, irrt mein augengedächtnis nicht, so rühren 
diese sUtze auch von Slreins eigener band her, so wie damit 
die lateinischen schriftzüge des vorderen mahoscriptes zu 
stimmen scheinen. 

21. Aus jenen zeitansätzen aber geht hervor, dafs der 
vorausgehende Commentariolus de Lingua Gotthica somit 
vor das jähr 1568 fällt, wobei wir sogleich daran erinnert 
werden, dafs die erste oben (§• 3) besprochene künde vom 
gothischen oder silbernen codex (zu Werden) vom gleich dar- 
auf folgenden jähre 1569 stammte, dafs wir es aber, unge« 
achtet des B. Vulcanius zuvor (§• 12) geschilderter unanschau* 
lieber Verwirrung darüber, auch in dem von ihm veröffentlich* 
ten commentariolus mit demselben codex zu thun haben, geht 
aus der deutlichen bezeichnung seines verfafsers mit Codex 
argenteus (s. 10. 16. 20) hervor. 

22. Richard Strein, berr zu Scbwarzenau, Hertenstein, 
Tiernstein und Freydegg und thal Wachan, geboren am 
lln october 1538 auf schlofs Hertenstein, war bekanntlich 
rath kaiser Rudolfs 2, wie früher kaiser Maximilians 2, 
später geheimer rath des erzherzogs Mathias 5 und oberster 
hofmeister; 1564 war er beisitzer der unterösterreichischen 
landrech tc und rcichshofrath, 1567 aber hofkammerpräsident 
geworden, er war ein treuer, hochgeachteter, grundgelehrter 
mann, der mit den gebildetsten männern seiner zeit in Ver- 
bindung stand ^, und selbst werke von wifsenschafllichem 
werthe hinterliefs, wie sein zu Paris 1559, zu Basel 1562, 
zu Venedig 1571 gedrucktes buch De Gentib. et \ Familiis 



1. man vergleiche unler anderm Dur des David Chyträns EpUtohe 
(Hanau, 1614. 8.), wo es s. 160 heifst Richardo Strein Baroni in Suar- 
zennov Invictits, Imp. Maximiiiani Prc^sidenti Camerae aulicae (vod 
Graz am 19n april 1674), ebenso s.G53. 675 (von 1569). David Chylräus 
briefwechselto auch mit Franciscus Janius 1594, doch rein theologisch- 
kirchlich. Juoius (Jon) war arsprüngltcb iheologe. 



316 GOTTHICA HINORA. 

romanorum, \ Richardi. Siretnnii \ Baronis . Sckwttrzenm>ä\ 
Aldus I Junior \ Venetiis. mdlxxi. | Ex jiedib. Manutior 
ms, ^ 4. (1591. 8.), welches werk er von Stral^barg aus (xvi 
Kai. Sept. ciaDLiix, 1558?) dem erzherzog Karl von Öster- 
reich widmet ^. 

23. Nun sagt derselbe Richard Slrein in seiner zu Mün- 
chen und zu Wien aufbewahrten 'Apologia oder Schutzred 
über Des Durchlauchtigsten Hauses Osterreich von weiland 
Kaiser Friderich I Demselben Anno 1156 erthailten ansechli- 
chen Privilegio', nachdem er die stelle Otfrieds 2, 12, 23, 
ohne zweifei aus M. Flacius lUyricus ausgäbe (Basel 1571), 
angeführt hat^ und ihn darüber berufend, dafs er ein so gro- 
bes wort wie wampe (wamba) für mutterleib gebrauche, * Was 
kann gröbers gesagt werden Alfs da ist Inn der Mnetter 
Wamppen', fügt aber hernach zur milderung die merkwürdi- 
gen Worte hinzu *Dass auch aber jm Gottischen Euangeif 
Buech Dessen Jr Kay: Maytt Original haben ssuo beßnden\ 

1. mit vorrede des Aldus idib. feb. 1370 ans Venedig, das werk 
steht aach im 7n bände von Graevius thesanms. 

%. in dieser Widmung rühmt er den Longolins wegen seiner bered- 
samkeit, den Cuspinianus in den alterthümern, den Franc. Othoqianiia 
(d. i. Ilotomann inStrafsburg) für diese wie für das recht, ferner den Rhe- 
nanus und Glareanus. Cuspinian war einer seiner Vorgänger als kaiser- 
licher bibiiothekar. es folgten sich als solche Conrad Geltes (geboreB 
am In fcbr. zu Wupfeld), Joann. Cnspinianus (gestorben 15129), Wolfgan^ 
Lazius (gestorben 1565), Augerius Gislenius Bosbeckios (geboren ISJSJK, 
gestorben 1591), Hugo Blotius, Richard Strein (bis 1600). siehe Leop. 
Fischer Brevit noHHa urbü Findohonae (Wien, 1771) 1, 138. — bei 
Franz Hotomann (seit 1561 zu StraPsburg) hatte der *^Ojährige Strein in 
zweien jähren trefflich latein gelernt« 

3. Strein's text laatet in der Münchener abschrift verderbt 
Fuio Mag. eher Man quad khuren [Flac. thuruk] nott 
queman a fer (t{fur) neide rott \nuidorot'\ 
Alter entj \inti] fruate[r\ 

Den [/n] wambea \uuamha\ thei [thent] Muotter \muater\. 
bei Graff 

Uuio mag iher män^ quad, thuruk not, queman auur uuidarori. 
älter inti/^ater. in uuämba thera muater. 

4. wir verdanken die nachweisung dieser stelle Schmellera, der sie 
mir für die Altenbnrger ausgäbe (1 , xxx) mittheilte. 



GOrmCA MINORA. Sf7 

24. Schon die bezeichnnng 'evangelienbuch* schützt ge- 
gea die meinung, dafs wir es hier mil dem wälschen gebrau- 
che des Wortes gothisch (gotico, gothiqve) zu thun haben, 
die gothische bibel gewährt uns aber würklich an mehreren 
stellen jenes auch im altsäcbsischen, angelsächsischen, altnor- 
dischen lebende wort wamba^^ z. b. Titus i, 12, Lukas 1, 
44 und 1, 15 schon verwandt näuh in vambdi dithems seindi" 
zös ; aber es kann in jenen otfridischen zeilen fuglich von kei- 
ner anderen bibelstelle die rede sein als von Johannes 3, 4, 
wo Nikodemus dem herm seine Verwunderung über des men- 
schen Wiedergeburt als durch rückkehr in seiner mutter leib 
ausspricht. 

25. Hier aber tritt der überraschende umstand ein, dafs 
diese fragliche stelle des evangelii Johannis (3, 4 Hväiva 
mahts ist manna gahairan^ altheis vüands? ihdimag in 
7'amba äitheins seindisös aßra galeithan jag gabairäiddu?) 
sich im silbernen codex wenigstens nicht mehr fand, als ihn 
nach seinen seltsamen irrfahrten über Prag und Stockholm, 
bis er in Isaak Vossius hände gelangte, Franz Junius 1665 
herausgab, indem hier der text des evangelii Johannis ver- 
stümmelt erst mit Johannis 5, 45 begann , jene firagliche stelle 
aber erst 1833 aus den mailändischen und römischen bruch- 
stücken der Skeireins wieder gewonnen wurde. 

26» Durch die oben (§. 20) eingetretene beziehung un- 
sers gewäbrsmannes zu Bonaventura Yulcanius und durch 
den eben (§. 25) herausgestellten umstand erneut sich dem- 

3. es ist venter, Uterus bei thieren und bei menschen. Fra§^. 
(heotisca 4, 1, wie Tatian 57, 3, geben beim Jonas uuales unambu^ wie 
noch das rolandslied des \%Tk jh. Du erlöttett mit dinem gewaite Um 
des viskes wambe Jonam den wtssagen^ Dd er drier tage was inne 
begruben; dagegen Notker 18, 16 tizer sin4ro muoier uuambo cham 
er hara ze stn^ru briute und Talian 5, 4. 4, 3 gisegenot si thie 
uuahsmo thin^i'o uuamba^ ganz wie im angelsächsischen Cädmon 126, 
4 wastm wambe, und 21, 9 q/^ wamba tnöder minre (der text Joh. 
3, 4 bei Junius hat on his tnSdor innod); eben so in den altsächsischen 
psalmen fan uuambun ; und noch im mittelhochdeutschen Boppe (MS. 
2, 232) Der sich in einer reiner megde wammen künde winden und 
wie er sich in einer megde wambe vilh^ Konrad von Würzburg (MS. 2, 
200) Das si dich durch den selben sprueh %e kinde enphie dn allen 
bruch In ir vil kiuschen wammen. 



318 GorrmcA monora. 

nach die doppelt ansiebende frage , war das *gothisch evange- 
libuch', welches Richard Strein vor äugen oder im sinne ge~ 
habt haben mufs, der silberne codex oder eine vollständigere 
zweite handschrift? 

27. Von gut oder übel gemeinter erdichtnng, sowie von 
ungeeignetem gebrauche des beiwortes gothisch zur bezeich- 
nung des kaiserlichen evangelibuches kann unter den obwalten- 
den umständen wohl keine rede mehr sein; aber auch dem 
fleifsigsten nachforschen bei zweimaligem aufenthalte in Wien, 
unterstützt von unmittelbarer fürsorge des staaatskanzlers 
fürsten von Mettemich, wie des fürsten von Lobkowitz^ 
auch in der kaiserlichen hofburgkapelle, wie im schätze kaiser 
Rudolfs, gelang es nicht, irgend die geringste spur eines 
streinischen codex oder auch nur eigener streinischer papiere 
zu entdecken ; und leider enthält die oben genannte apologie 
desselben in den beiden abschriften, die sich zu München 
{Cod. germ. 1185, bL 206 und 1186, s. 145^) befinden, nichts 
weiter, was ferner licht werfen könnte; eben so wenig in 
Wien, woselbst auch die kleinere apologie sich darbot ^. noch 
minder war in Linz etwas von seinen papieren zu erfragen« 

28. Werden wir daher unwillkürlich gleich wieder auf 
den silbernen codex zurückgewiesen, den auch der B. Vnica« 
nisch-streinische commentar als solchen kennzeichnet, so wie 
die becanischen nachrichten als den werdischen, so drängt 
sich uns natürlich aus dem eben zuvor (§. 25) besprochenen 
umstände über die stelle Johannis 3, 4 der nicht minder über* 
raschende schlufs auf, dafs zur zeit, als Richard Strein den 
silbernen codex vor äugen hatte (ohne diese zeit nach dem im 
§. 21 gesagten schon auf das jähr 1568 heften zn wollen), 
derselbe jene stelle noch enthalten haben muste, welche 
Franz Junius bei seiner ausgäbe 1665 (1684) oder noch frü- 
her, als er die handschrift bei I. Yossius abschrieb, welcher 
sie nach den Niederlanden brachte, schon fehlte. 

29. Die in früheren Jahrhunderten gewöhnliche ordnnng 
der evangelien (Matthäus, Johannes, Lukas, Markus), in wel- 
cher auch der silberne codex bei seinem auftauchen im IBn 
Jahrhundert im wesentlichen sich noch befand und die seine 

1. Cod. Vindob. 7555 enthilt eine ebronik von Strein. 



GOTTmCA lONORA. 919 

quaternionen-cnstoden noch heate als die unprüDgliohe be- 
stätigen^, erklXren auch seine damaligen wie früheren Idk« 
ken. vom beginnenden Matthäus fehlt begreiflich der anfang ; 
vom hinten mehr geschützten Johannes und Lukas viel weni- 
ger; vom Johannes natürlicher weise der schlufs gar nicht, 
wie eben deshalb vom Lukas auch nicht der anfang ; eben so 
wenig vom Markus, während dessen schlufskapitel am ende 
des codex erklärlich wieder fehlen, wenn auch der eingang 
des Johannes, um den es sich hier zunächst handelt, mit dem 
schlufse des Matthäus fehlt, noch mehr wenn dasselbe mit 
dem schlufse des Lukas statt gehabt , ohne dafs der eingang 
des Lukas mit verletzt erscheint , so erklärt sich dieses aus 
dem lockeren zustande, in welchem die handschrift sich be- 
fand, ehe sie durch Fr. Junius, wie durch den späteren ein- 
band in gewichtig silbernen deckel (durch den kanzler grafen 
de la Gardie) nach der jetzt gebräuchlichen folge der evange« 
lien geordnet wurde \ auch dieser einband aber hat den kost* 
baren schätz, wenn auch vor der unbill der zeit, doch nicht 
vor räuberischen händen sattsam schützen können, durch dr Lie- 
bes reise nach Upsala drang zuerst zu uns die betrübende 
künde (welche die bibliothekare zu Upsala, obschon der sil- 
berne codex in eigenem eisernen kästen aufbewahrt' lag, leider 
schon früher entdeckt hatten), dafs diebische band im evange- 
lium Maroi 11 blätter, welche Ihre noch gelesen hatte, ge« 
waltsam ausgeschnitten habe \ 

30. Ein kleines bild von der unbill, welche dem silber- 
nen codex bei seiner langen umfahrt, vor allem aber noch- 
mals, als er in Prag bei Überrumpelung des Hradschins durch 
die Schweden im jähre 1648 mit andern böhmischen und mäh- 
rischen Seltenheiten wie alterthümern in kaiser Rudolfs 
schätze gefunden und entführt wurde* wer weifs, wer ihm 
damals die vielleicht kostbaren und kunstreichen deckel raubte 
(§.25), wodurch die handschrift ihres haltes und dadurch 
leicht auch der anfangs- und schlufsblätter [a. Matth. 1 — 5,7 

. 1. Altenbvrger atttgabe 1, xtxi. 

2. AUenborger aaig^abe 1, xxxi. 

3. AUenburgeriioigabc I, xxxi. (Mark. 1, 13 — 37, 2, 15 — 3, 7, 
5, 42 — 7, 33 und wahrseheinlieb Mattk. 27, 54—65). Ikres abichHfl 
besitzt jetzt Zeifsber«^ in Wernigerode. 



320 GOTTHICA MINORA. 

d. i. 1 quaternio and b. Markus 16, 12 — 20 d.i. gerade 
1 biatt nur] ^ veriiutig gegangen sein mag. der schöne mit 
gold und Silber auf purpnrpergament geschriebene, damals ge- 
wiss noch glänzender erhaltene codex reizte leicht habsüchtige 
äugen , namentlich aber die goldenen anfange der evangelien 
(Matthäus, wo gleich die leicht mit dem deckel gelöste ganze 
erste läge geraubt wurde, Johannes, wo von der treffenden 
läge 14 ^ noch 6, 45 — 7, 1 übrig blieb), gelehrte habgier 
mag später nachgeholfen haben , wenn wir auch nicht de la 
Gardies verhaltene äufserungen über die entwendung der 
ganzen handschrift aus Schweden fortan mehr auf den der kö- 
nigin Christina firüher vertrauten Isaak Yossius deuten wol« 
len : wenigstens wird so das fehlen nur einzelner blätter mitr 
ten heraus (z. b. Matth. 6, 24 — 7,11. 10,2—22. 27, 
20—41. Mark. 6, 31 — 52. 12,39—13,15. 13,30 — 
14, 3. 14, 17—40. Luk. 16, 25 — 17, 2. Johann. 11, 48— 
12, i« 12, 50 — 13, 10) am natürlichsten erklärt, und 
wirum sollte damals bescheidner nicht statt gefunden haben, 
was gröber, wie wir oben (§. 29) sahen, noch neuerdings 
ausgeübt worden ist ? 

31. Nach Ihres Schriften s. 194^ hatten die mönche des 
klosters Werden an der Aller den codex nebst anderen 
schätzen der abtei erst im dreifsigjäbrigen kriege nach Prag 
geflüchtet; nach dem greiiswaldischen kritischen museum 1, 
39. 40 hätten ihn die Schweden in Werden gefunden, wäh- 
rend ziemlich allgemein überliefert ist, dafs diese ihn, wie 
schon gesagt, in Prag 1648 unter general Königsmark erbeu- 
tet hätten. 

32. Solche späte Übersiedelung von Werden nach Prag 
stimmt aber nicht zu jener angäbe Richard Streins (§. 23), 

1. da bei Matth. 9, 27 der altbezeichnete qnaternio F (3) be^nnt 
oder begann, Matlh. 5, 8 — 0, 26 aber erhalten ist, so mag Matth. 1 — 5, 
7 (nicht ganz so weit) füglich einen quaternio gebildet haben. 

2. die 15e (16) beginnt mit Job. 7, 2. 

3. nnd ihm nach in der geschieh te der Upsaler bibliothek (s. 119), 
in Atehenbergs Niederrheinischen blättern (2, 620, wo obenein gesagt 
wird, dafs man um das ende des fünfzehnten jh. um das dasein des eodex 
gewust habe), in Schimmeiers geschichte der schwedischen blbelüber- 
setznng (4, 31 — 95), in Adelungs geschichte der deutschen spräche 
u. s. w. 



GOTTBIGA MINORA. »1 

der am Sn november des jahres 1600, im 63ii jähre seines 
lebens zu Wien (oder zu Freydeck?) an ier pest starb, dem- 
nach kann die fragliche apologie oder inabeaondere jene nich- 
richt von dem 'gothischen evangeli- buche' des kaisers Ru- 
dolf wenigstens nicht nach 1599 geschrieben und es müste 
der silberne codex (war et es anders, den Strein dort mein- 
te) wenigstens damals schon in kaiser Rudolfe bänden und 
auch wohl schon in Prag gewesen sein, wo Strein oft mit 
seinem kaiserlichen herrn verweilte und namentlich des kai- 
sers schätz, der sich würklich auf dem Hradschin befiind, 
pflegte und besorgte. 

33. Bekanntlich machte Dobrowsky im jahie 1792 in be- 
treff der von den Schweden aus Prag entfBhrten böhmischen 
alterthümer eine reise nach Stockholm, die er 1796 beschrieb K 
unter den von ihm daselbst aufgeführten böhmischen schätzen 
befanden sich gegenstände von den jähren 1604 s. 66, 1609 
s. 61, 1611 s. 78, 1619 s. 78, 1628 s. 80, 1630 8. 80 *f 
unter anderm ein römischer kirchenkalender der benedictiner 
aus dem kloster Podlazic in Böhmen, das im 12n jahrh. ge- 
stiftet, im hussitenkriege zerstört wurde, densielben hatte 
kaiser Ferdinand I 1527 an ort und stelle gesehen, und 1694 
wurde derselbe auf befehl des abtes Sebastian von Bnmnau 
nach Prag gesendet, 1597 aber von Pontanus für den sam- 
melnden kaiser abgeschrieben (s. 48). Dobrowsky, der nur 
den böhmischen dingen in Stockholm nachgieng, kam nicht 
nach Upsala, wo er sonst anläfs genug gefunden haben wür- 
de, den silbernen codex zu sehen und wohl auch mit bezug 
auf seinen früheren aufenthalt in Prag zu besprechen. 

34. Bereits pabst Nicolaus 5 hatte in Deutschland wie 
überall nach klassikem, namentlich nach Tacitus herumsuchen 
lafsenundPoggiiius hatte inerfahrung gebracht, dafs einmSaeh 
gesagt, ntiper quodam monasterio Germanico^ quod oUm a no- 
bis recepisset, se reperisse aliqua volumina de nostrisy näm- 
lich Vrontinum et aliqua opera Comelii Taciii, dieser (Hers- 

1. Dobrowsky, literarische nachrichten von einer anf veranlafirang 
der bölimischen geseliscliaft der wifsenschaften im jähre 1792 unternom- 
menen reise nach Schweden und Russland. Prag, Calve. 1796. 8. 

2. sonderbar (^nng selbst vom jähre 1684 und 1686 (s. 81), welches 
selbst ober das vermeintliehe jähr weit hinausgeht. 

Z.F. D. A. I. 21 



322 GOTTHICA MINORA. 

feider; möach kam endlich mit dem yerzeidiDissc jener eini- 
gen bücfacr, womnter jener Tacitus, nack Rom. so bliek die 
Sache, bis Leo 10 den codex (m saftibas Germmmme unem- 
tarn sagt Beroaldos), dnrch Angelas Arcimbold für 500 seudi 
anfkaofen liefs ^ anf ähniichem wege mag der gelehrte, ei^ 
rige und für die sammlangen seines kaiserlichen herm ans 
eigener wifsenschaftlicher neigung vielfach bemähte Richard 
Strein, aufmerksam gemacht dnrch die nachrichten des Goro- 
pins Becanus oder 3Iorillons, und, dürfen wir dies schon 
hier hinzusetzen, durch den anonvnus des comaentars bei 
Vulcanius, an dessen manuscript wir hinten seinen nanien 
fanden (§. 20), die schöne alte handschrifl der abtei Wer- 
den erworben haben, vielleicht hatte auch hier ein monachtu 
qiddam die band im spiele, obwohl das gerächt von flichtung 
der handschrift nach Prag oder wie 1691 Tenzel (in seinen 
monatlichen Unterhaltungen s. 631) sagt von ranbnng dersel- 
ben im 30jährigen kriege redet. 

35. Es stehen uns aber zur lösnng dieser wie der vor- 
aus angeregten fragen über die gescbichte und einheit des 
silbernen codex noch andere nnd mehr innere bezieh angen 
aus dem unserer bisherigen betrachtnng gar nicht fernen jähre 
1602 2« geböte, von denen wir jetzt zu sprechen haben. 

Janns Gniter (geboren zn Antwerpen 1560) nämlich bat 
bekanntlich, wo man es übrigens nicht suchen sollte, in seinen 
Inscriptiones antiquae totius orbis Romani {ex ojficmm Cmm- 
fueUniena, 1602. fol.)^ zwei ganze folioseiten in holzschnitt 
aus dem silbernen codex mitgetheilt und gibt dabei an, daTs 
er die Zeichnung seinem freunde Michael Mercator verdanke, 
dessen vater Arnold erklärt habe, dafs die fragliche hand- 
schrifl in der abtei Werden sich befinde, seine worte lau- 
ten (1, cxLvi) qttae communicarit nobis amicus noster Ali- 
rhael Mercator. Pater ergo Michaeiis Amoldus ait ejcstare 
in Bibi, Abbatiae IVerdinensis codicem antiquissimmm amte 
mille pbis minus annos in pergameno aureis et 4nrgenieis Ute- 

1. sieh Lipiias zn Tarit. Aonal. 2, 9. Pogfhhis in s. Epistwl. 70. 

2. th. 2 erschiea 1603. es ist eigen! lieh zmeite aufläge wm werke 
des Martia Saaetias (aus Weslwinkcl bei Brugge), welcher 6 jähre in Ita- 
lien inschriften gesammelt hatte nnd dessen sehatz Mich aagÜMhlichea irr- 
Tahrtea endlich 1588 als IttfcrtpitcuMm Rümemmnem o/ar« erschienen war. 



GOTTHICA MINmiA. 

ris perscriptum, continentem quatuor EwmgeKorum opus, sed 
quod dolendum est, lacerum^ dlrupium, tÜimUo crdüie ^fiNk 
rantia compactoris colligatum^ ; ex eo sequentia delmem>ü* 
Jlmoldus^ opera et admimculö Reverendi Domini Henrik 
Duden pro tempere Abhaüs, 

36. Grater theilt uns in 2 hdzschniltseiten mit Matth. 
6, 7 — 16 (worin das vaterunser), sodann Mark. 1, i-«-18 
(mit der Überschrift Avaggeljo thmrh Margum anastodith '), 
doch diese, ohne dafs es dorch die natiir des holzschniUea 
ir^nd wie herbeigeführt worden wäre , sonderbar genog so 
geordnet, dafs v. 1 — 5, 6 — 7 (mitte), 10 — 13, 7 (mitte) — 

1. diese beschreibung widerspricht der oben §. 30 ausgesprochenen 
Vermutung vom zustande der handschrift nicht ; denn wir sehen sie doch 
a compaetore coUigalamy so dars das laceruniy diruptum nur auf den 
eingang, schlufs und einzelne blätter gehen mag, die fehlen oder abge- 
rifsen sind (wie Ihre zwei solcher in seinen Schriften abbildet); nuiio 
ordine colligattim aber mag leicht ein irrthum Mercators sein, der 'die 
nite Ordnung (Matth. Johann. Mark. Luk.) nicht mehr gewohnt gewe- 
sen sein mag. doch dürfen wir des Junius Schilderung der handschrift 
in seiner Widmung an den grafen de la Gardie auch nicht übersehen, 
cum nobile elartsnmae famae monumenium nusquam toium apparerett 
atque ipse adeo Codex desideraretur in codice vetustate mult§g in lo- 
eis exesoy madore vitiatOy Jrustatim quondam diseerpte, ae soluta^ 
rum dissipatarumque philyrarum imperita eompaginatione indigesto, 

mutilOf Joedo donec reeoUeetis eomportati»qu0 lueiuoH nat^flra- 

gii tabuUs, in uno atque altero Evangelista quatuor tuhinde vet 
quinque, immo et novem quandoque vel deeem integra fere capita 
tnutuo tibi eohaerere deprehendi» 

2. durchzeichnuag kann man es nicht nennea, da die buehstaben 
viel enger, kleiner, ja verkrüppelt sind, aber auch selbst die an sich 
schönen, treuer nachgeahmten bei BoDaveainra Vulcanius können nicht 
durchgezeichnet sein, weil sonst fehler nicht hatten eindringen können 
in den holzschnitt, wie folgende , theim {37, 10), frauginond und ga- 
vairtkga (41, %, 5), gasotida (3S, 9), nithant (vgl. §. 8) md nimm 
(31, 0), tvei' I gneid (36, ?), Tor allem aber monan- \ viäes im ttaandv-\ 
airt/{fa (41, 8. 0), auch wairtha (33, 4), während s. 35 richtig ausge- 
schrieben steht wttirtJiai und umgekehrt s. 37, 5 sich ein mUfsiges I 
(mitimikilein) eingeschlichen hat, ähnlich s. 41 (fluglona), was an Skeir. 
10, 9 {anaxiunivisan) erinnert, s. 66 bei B. V. erscheint jener ver- 
schlag im anfang dreier folgender Zeilen IHIST— IRKS— irj|Vn|<.()>^l. 
wir mürsen auf die meisten dieser fehler zurückkomitieB. 

3. auch diese fehler im holsschnitt leigen, wie die bei B. Vvleanios, 
daTs es sich hier von keiner darehseichnuiig handelt. 



324 GOTTHICA MINORA. 

8, dann 14 — 18 folgen, von welcher Störung der Ordnung 
aber der nebenstehende neuhochdeutsche text nichts weifs, 
so dafs man schmale schcdas Arnoldi Mercatoris, deren vor- 
und rückseite (Mark. 1, 6 — 7 und 7 — 8; verwechselt wurden, 
oder bei Gruler etwa dreizeilige falsch aneinander geschobene 
gothische holzstöcke annehmen mufs. Bonaventura Vulcanius, 
d. h. sein streinischer anonymus theilte den englischen grufs 
(s. 31) aus Luk. 1, 28 und 42, das Vaterunser (s, 32 — 34) 
aus Matth. 6, 9 — 13, den lobgesang Mariae (s. 35—39) aus 
Luk. 1, 46 — 55, den gesang Simeonis (s. 40 — 42) aas Luk. 
2, 29—32 mit; aufserdem (s. 66) Mark. 6, 4. 

Woraus sich folgende gleich ung ergiebt 

Bonavent. Vulcan. Janus Gruter. Gorop. Becan. 

(§.36) (§.36) (§.7.8.) 

Matth. 6, 9— 13. — 6,7—16. . 6,9— 13. 16 (§.3. 5.5) 

Mark, a) Überschrift. — a) überschriFt. — — — 

— — — b) 1, 1—18- a) 1, 2 u. 7. 

b) 6, 4. _ — — — -, _ 

c)14,51 (§39) — — — — — _- 

_ _ _ b) 15, 34. (§. 8) 

Lukas a) 1,28. 42. _ — — — _ __ 

b) 1, 46—55. — — — _ _ _ 

c)2, 29— 32. — _ — — _ _ 

d)3, 24. 29. — — — — — _ 

(§. 59) 

37. Die bei Bonaventura Vulcanius angesetzte stelle 
Mark. 6, 4 giebt er erst s. 47 (nachdem er s.43, den com- 
mentar abschliefsend , gesagt hatte B. Vulcanius Lectori, 
Habes Beneuole Lector, Commentartum Anonymvm De literis 
linguäque Getarum et De Notis Lombardich y iia ut ad manus 
meas peruenit ßdeliter typis expressum und auf s. 43 — 47 
verschiedene runenalphabete mitgetheilt hatte, von denen er 
sehr genau seine quellen oder gewährsmänner anzugeben weifs) 
mit den Worten Reperio etiam haec in Sehedis Commentarioli 
De lingua Gothica annexis \ HiST n};.jin|:eTns luisyejcs 

1. annoxis steht. 

2. so steht im holzschnitt, in der aaflösnn; gahauiiai, wogegen hier 
präi{fete9f in holzschnitt richtig pra^fettfs. 



GOTTfilCA MiNORA. SU 

38. Dafs dieses Mark. 6, 4 sein möchte and nicht Matth. 
13, 57 (welches im silbernen codex fehlt), obschon hier auch 
uTi/u^os steht (während %al iv %oie avyyeWat des Markas 
fehlt), darf wohl aus der wenigstens bei B. Violcanius (vgl. 
§.18) stattfindenden unmittelbaren folge der Überschrift des 
evang. Marci gefolgert werden, obschon bezeichnend ist, dafs 
jener (oder sein anonymus) bei den übrigen mitgetheilten 
stücken genau die bibelstellen nach buch, kapitel und vers 
bezeichnend, dieses hier gewiss aus der gleichheit des textes 
bei Matth. und Mark, (so weit die gothischen worte mitge- 
theilt wurden) unterliefs. wären die folgeworte (für Matth. 
blos jah in garda setnamtnüy im Mark, jah in gamtkjam 
jah in garda seinamma) noch mitgetheilt worden, so wären 
wir auch darin sicher gewesen, ob wir hier, wie §.28 für 
Johannes 3, 4 unwiderleglich sich ergab, 1597 oder 1568 
(§. 20) gleichfalls eine stelle (Matth. 13, 57) im silbernen 
codex noch erhalten anzunehmen hätten, welche 1665 dem 
Franz Junius nicht mehr vorlag ^. ja diese Vermutung ge- 
winnt aus einer gleich näher zu besprechenden wenigstens 
möglichen entlehnung des namens Zorobabel aus Matth. 1, 
12. 13 noch mehr bestand^. 

1. die paraUelstelle Lukas 4, !I4 fallt anrser betracht, da hier der 
lext abweicht {thatet) ni äinshun {ovdei^) prät{fM andan^mM (üenctii) 
'ist 'in gabaürthai seinäi^ obgleich dieser kürzere schlurs. (ohae tv rp 
oiicitf, avTuv oder gar iv toiS avyysvia& »al iv ry olxit^ atrou) den ab- 
brueh der miltheiluDg bei B. V. mit niha 'in ga[ba)urthai seinai schein- 
bar erklären küiinte und s. 7 die anfuhrung des namens Levvi (d. i. 
Laivveis) aus dem nahen Lukas 3, 2i. 29 und die lobgesänge Mariae und 
Simeonis aus Lukas 1 u.!2 genommen sind, so dafs Lukas \,% 3. 4 proben 
hergegeben hallen ; aber dann würde jene ietzle stelle Lukas 4, %k ent- 
schiedener beweis sein, dafs des anonymus codex, obschon er ihn ur- 
gent eus codex nennt, nicht der Werdener gewesen wäre, sondern einer, 
dessen Übersetzung weit weniger gewifsenhaft (pvBel^ itQotpTiTrji dexro^ 
toTi — nist prat{fetais ! und gar unsvSrtl) erschiene, als wir bei Ulfila 
gewohnt sind ; was ganz unwahrscheinlich ist. 

%. Ihre theilt (schriften, ausg. v. Büfching s. 186) mit, dars ein 
freund aus Job. Tb. Bürens Adelruna rediviva, 1641 geschrieben (auf der 
Upsaler bibliothek handschriftlich aufbewahrt) gefolgert habe , der sil- 
berne codex müfse damals mehr enthalten haben, weil jener aus Bfattbäus 
3, 1 1 anführe svanlos a nässa ; indess ergibt sich ans der ganzen art 
der nbtheilung' dieser worte, dafs dieselben ans Goropius Becanus s. 750 
siu'nthoza missa (d. i. mis sa afar mis) entnommen wurden, wo aber 



326 GOTTHIGA MINORA. 

39. Gruter isrsrt B'äfldieh seinen holzschnitüichen mit- 
theilungen (so wie halb niederländischen Übersetzungen da* 
neben) bemerknngen aber die ausspräche gothischer laute Tor- 
ausgehen, welche überraschend wieder mit denen stimmen, 
die der anonymus (Richard StreinT) bei B. Yulcanius sei- 
nen mittheilungen gleichfalls zum theil vorausschickt, beide 
stellen zuvörderst das gothische abc auf, das — gewiss wie* 
der bezeichnend — der eine wie der andere nach dem h mit 
H (Yulcanius als eta^ Gruter als e longwn) schmückt und B. 
Yulcanius anonymus s. 10 sogar aus Mark. 14 mit den Wor- 
ten begründen wiU nam qua nos legtmus et eeperunt eum 
adolescentes (v. 51) codex habet grHpen, der fehler im e 
der zweiten silbe läfst überhaupt einen irrthum vermuten, 
so zwar, dafs vielleicht — -l— n (griptm) jene Verwechse- 
lung durch Umstellung (n — i) veranlafste oder etwa eine das 
äuge täuschende doppellinie zwischen in oder überhaupt die 
vielen geraden striche irmH falsche Verbindung (iimH) her- 
beiführten ; die Altenburger herausgeber sagen aber zu jener 
stelle durchaus nichts von irgend einer äufserlichen erschei- 
nung, welche dem äuge des alten Anonymus das bild jenes 
H hätte hervorrufen können. 

40. Uns beschäftigt hier zunächst auch nur der gleiche 
ansatz eines solchen H bei Gruter wie bei B. Yulcanius und 
es scheint derselbe auch nur hervorgerufen worden zu sein 
durch das vermifsen oder nichtklarerkcnnen des doch vom 
griechischen herüber vermuteten Unterschiedes von e und S; 
denn beide (G. und Y.) setzen das 6 als kurzes e an (daher 
auch bei Gruter, wie wir sogleich sehen werden 6Z);.jiS ge- 
schrieben ist), und tasteten darum nach einem H^ das sie be^ 
stimmt durch eta auslegen. }li haben alle, wie schon der 
alte bemerker im 9n jahrh. (1, §. 4), von Goropius Becanus 
oder Morillon an als e gesprochen erkannt (ohne jedoch den 
unterschied von di und ai zu ahnen) und sie wechseln da- 
her auch in ihren texten willkürlich, wie wir schon §. 6. 8. 

Markus 1, 7 gemeiat wird nad niu* s«mcint sein konnle, da Malth. 3, 11 
dem ^iechischen gem&ni, nod wie die Skeireins ergeben hat, i'M ta itfar 
mU gaggida svinikÖMm mü lui yerlangt nnd bietet, übrigens konnte 
auch schon deshalb von eigner einsieht des silbernen codex nicht die rede 
sein, weil 1041 derselbe nech nicht in Upsala nnd in Schweden war. 



GOTTBICA MIMOA^ 

sahen, ai und e ^, während sk im wui «^ W flmJcr s «rste* 
res ^, dasselbe in seiner geltong gegenüb^ ^em ft aichi er- 
kennend, unangetastet laTsen (§. 7. 8. 37). — wie aber B. 
Vulcanius (ananymus) und Gruter (HercatMr) iu dem an» 
satze jenes irrthtadiehen H stimmen, so auch in der aftal- 
lung ies B und zwar als f nach n, wonach beide u naeb t 
unterbringen, nur mit dem unterschiede, daft der anonfmus 
des B..y. dasselbe als v yor das n (u) setzt, dem y (^ y) 
folgt, während Mercator bei Gruter nach T ansetzt Hilf. ff : 

^9 t^ • Y' y * — ^^^^ ^^ setzen beide r als c, Q als ^ an* 
aus beiden aber geht nur um so »ehr die gemeinsame nnai- 
cherheit aller damaligen ersten beachter des gothisehen fibev 
jene zwei buchstaben e und u, und in deren folge auch über 
n und Y hervor, der anon]fmus bemüht sich s. 2 — 9 des 
breiten die vera pronundatio des Y (^s üun y ist) zu er» 
gründen ; und Goropius Becanus scheidet w oder u (Y) nnd 
t) (u) ; z. b. vimm tMud/nassus^ vühanä (statt qüWUatds)^ 
setzt aber auch vns, vnte und veü; dagegen gibt er &B 
durch quo. nicht mindc^r löst der anonymus auf vinon und 
vttkanSf er zeichnet sogar s. 31 im holzschnitt falsch niHflH, 
m4>^HS, während er s« 33 richtig uiHjkl (s. 35 Au%eldst vi- 
tnai) zeichnete» 

41. Drängt schon alles dieses sattsam nn dev vermnlong 
hin, dafs wir es für alle besprecbnngen und mittbellnngen 
von gothicis im I6n Jahrb. (und alle fiiUen ziemlich nm die- 
selbe zeit, 1568 R. Strein — 1569Croropios Becanüs, — 1597 
B. Vulcanius — 1602 J. Gruter) wie mit einer und ders^en 
Urquelle (codex argenteus), so auch mit einem und demsel- 
ben ursprünglichen berichterstatter zu thon haben, so* be- 
stärkt und bestätigt sich dieselbe immer mehr durch die wört- 
liche gleichheit der weiteren bemerkungen über die aussprä- 
che der einzeben gothisehen laute bei B« Vulcanius und J« 
Gruter. 

t. auch B. VaUaaSas kat dah«r •* 3S /^eUubugioL 

%. das ei sohreiM 6. Bi^flifi (f. 7) elastl *hr i (MbiaO» ▼MlciMli 
nar als dniekfeliler. 



328 



GorrmcA minora. 



42. Man rergleiche selber 
Bonav. Vulcan. 

X non habentf sed ejus loco 
RS vtuntur. Obserua differen- 
iiam in ^ ter • i . Ji, et A t . 
L K In jk, posterior tractus 
non aeqtuit priorem 

Caute etiam distantia inter 
XI et Xi obseruanda. H angu- 
stius est y n laxius. Est 
autem codex seriptus literis 
capitalibus. nam in numeris 
est q paruum, Sermo Gofhicus 
est Gallico temperatus, nam 
et genitiuis Latinis semper utir 
tur, et a pro ad. In genere 
tarnen germanissat, 

Obserua autem et differen-f 
tiam inter K et )i. illud k . 
est . hoc r. 



(8 13) Z debet pronuneiari quasi 
ts • vel sd ut nostri seribunt %o 
Collen-, est enim duplex con- 
sona, Jta Ebraei Ezras scri' 
bunt sed Esdras veriunt EtZo- 
robabel scribendum est^ sed 
Tsorobabel legendum^ ne in eo- 
nam s, degeneret. 

(8.48) Ubi notandum est apud 
Graecos more Graeoorum y ante 
y sonare ut v^ eodemque a Go» 
this quo aGraeois modo soribi. 



Jan. Grater. 

X non habentf sed eius loco 
RS . utuntur. Observanda est 
differentia inter Ji et A, quod 
in a prior pes longior sed deoT" 
sum missuSf in l vero pares 
sunt. 

Caute etiam — -^ 



observa differentiam inter K 
et )(., illud est A, istud r. 

r capitalis g est, Mne abbre^ 

viatum rt})S, id est GodtSy et 
r^, Godt. 

XS, IS Christus Jesus K 
Z pronuneiari debet vt ds 
vel sd vt Zorobabel, SX^fiS, 
Tsorobabel Esdras. haecLectofi 
svjfieiant. 



jVl Diphthong, pronuntiatur 
vt e\ ex more Graecorum V 
ante V pronunciatur ut n, item 
V ante R; 



1. nnd doch hat B. Valcanins i. 31 <)>in4>l^LfiA Rj^^N (s. 3!^ 
thiu thidol \ kran), was Megiser (§. 9) wiederholte. 
%, man erinnere sich an 1 §. ^ oben. 

3. siehe §. 3. 49. 

4. vergl. 1 §. 4 oben. 



60TTBICA MINORA. 3» 

43. Wir fragen zunächst, woher sind die beiden namen 
Zorobabel und Ezras genommen, von denen Gruter (Mei^ 
cator) den letzten sogar gothisch schreibt, obschon yielleicht 
j!kiz|c^s zu erwarten gewesen wäre, wie auch wohl jlkiZ|;.QH 
in Matth. 1, 3. während nun Zorobabel {Zaürdubab4l oder 
Zaüräubabäil) nur aus Matth. 1, 12. 13 (oder Luk. 3, 27) 
sich darbot i, konnte JkiZ);.jv(S'^, wenn nicht jenes ez)<JiM ge- 
meint sein sollte, doch nur aus dem alten bunde entnommen 
werden, dieser aber war schwerlich beim silbernen codex, 
der stets als quaiMor Evangeliorum (§. 35) bezeichnet wor- 
den ist. 

44. Gruter setzt unter seinen holzschnitttext nochmals 
ex Amoldi Mercatoris sckedis Gruterus; den eben mitge- 
theilten jenem texte vorangestellten bemerkungen über die 
ausspräche, die in gröfseren cursivlettern gedruckt sind, geht 
die in kleineren solchen gedruckte (§. 35 beigebrachte) an- 
gäbe über Mercator als den gewährsmann vorher : ist letztere 
sichtbar von Gruter, so sind jene lantbemerkungen schon 
ohne zweifei ex sckedis Amoldi M. geflofsen. 

45. In diesen hiefs es (oben §. 35) Pater ergo Michae- 
lis Amoldus ait exstare in BibL Abbatiae fVerdinensis u. s. w. 
das kann nicht gerade vom jähre 1602 gemeint sein, wo 
Gruters, wenn auch nicht allzulange vori>ereitetes inschrif- 
tenwerk^ erschien, denn wir müfsen den silbernen codex 
nach §. 32 wenigstens schon 1599 in Prag vermuten und 
Gruter sagt in jener Vorbemerkung (§. 35) quae communica" 
Vit ?iobis arnicus noster Michael Mercator inventa inter res 
patcrnas, wonach der vater Arnold bereits todt war. diefs 
wie die mittheilung dürfen wir aber wenigstens auch vor 
1600 setzen, ja den todfall wie die ihm vorausgegangene ab- 
zeichnung in Werden selbst (§. 35) wohl wesentlich früher, 
so dafs wir den oben §. 21 besprochenen jähren 1568. 1569 
auch hier wieder näher rücken, enthält doch Gruters werk 

1. und mit ihm viele andere namen, in denen Z erscheint. Matth. 1, 
8. 9, 9. 10 — 13. 14—15. 16; Lnk. 3, ?5. 27. 3-^. 33. 

2. Gmter arbeitete sehr rasch und druckte viel, so dafs Jos. Scali- 
gcr von ihm sagte Gruterus non curat ^ utrum charta sit caoata, 
modo libros multos exeuäat» er soll so viel bücher geschrieben and 
behandelt, als monate gelebt haben. 



SM GOTTHICA IILNORA. 

aufaer der einem zn Bordeaux ersehieneDen werkchen eut- 
nommenen Jahreszahl 1564 ^ einige mal bei zuaendungen von 
inaehriflen ans Köm selbsi das jähr 1563 beigemerkt ^. 

46. Wir bewegen uns bei allen hier obschwebenden fira* 
gen stets im kreise von niederländischen gelehrten: Beca- 
nus, YttleaniuSy Gruter, Busbeck, wozu wir auch Anton 
Morillon , den bis hierher vermutlich ersten ^ beachter des 
silbernen codex rechnen müfsen , welche männer alle nii 
Richard Slrein, wie unter einander'^ im lebendigsten ver- 
kehre standen, die handschrift der tironischen noien, aus 
welcher des Bonav. Yulcanius anonymus den CommentarialuM 
alter De noiis Lombardicis (§• 13) bildete, gab, wie der ge- 
naue vergleich ermittelt ', 1603 Gruter vollständig al» anhang 
von th. 2 seiner In^criptianea heraus, zu jenem kreifae ge- 
hörte aufser Gruters gelehrtem Verleger Comnielinus, der von 
Dovay gebürlig, in Heidelberg ansäfsig war ^, auch der mehr- 
genannte Stephanus Vinandus Pighius, der vom 21n juni 1572 
an den clevischen rath Masius (s. §. 5) aua Wien schrieb 
Augerius {BuMbequius) et Sambucus ex anuno salutmm remü" 
tunty eben so nennt er 1572 aus Prefsburg {Possonü, 18 
october) nochmals den Augerius, den wir bald mit Richard 
Strein im engsten und innigsten verkehre erblicken werden, 
alle aber und viele andere (wie Smetius, Metellus u« a« w.) 
steuerten Grutem mit regstem und reinstem eifer aua allen 
ländern zu seinem inschriflenwerke bei. so Pighios von sei- 

1. s. 713, 44. 873, 12- 1009, 7. 1012, 1. 1018, 6. 

2. 8. 286, 5 

3. siehe §. 5. 14 — 18. 

4« nur B. Vulcanius hatte die brüdcr Morillon nie gekannt (§. 14). 

5. vergl. Vulcanias s. 22 mit Grater anh. II, 1; V. 24. Gr. zxvi; 
V. 26. Gr. Lx; V. 27— 29. Gr. luv; V. 30. Gr. 136. tiehe Kopps 
paläographie 1, 57 n. s. w. 

6. er starb 1597. im gleiehen jähre, wo th. Jl von Gniterf tnteript. 
mit jenen tironischen noten exqff» Comm, erschienen, kam dort auch noch 
besonders nachSehoU, Maret n. s. w. einSeneea and d^zrutif/eetae et no- 
tae Romanorum veter, vulgo Seneeae ae Tironis nomine insignitme nun- 
quam antekae editae ma eiaer zwei teDbandochrift heraas. jeae erste, die 
B. Valcanios Aaoayiaiu «ad Gmter gaben^ hatte nach Kopp schon abt 
TritheiM in küadea gehabt. — Gommelins bnider Jacob war ao Geafc ge- 
boren and gab I5G3 gedichtc horaas. 



60TTBICA MDfOltA. Ut 

ner reise durch ItaUen^, auf weleher er Wühl mit AmUm 
Morillon zusammenwarf, der Grutem gleichfiiUs sehr Tiele 
inschriften von dort aas (Padua, Venedig, Rom, Neapel, 
Messina u. s. w.) selbst abgeschrieben' mitbrachte^; eben 
so Busbeck von seiner reise in Spanien ^, 6. Becanus ^ u. s.w. 

47. Dem genannten kreifse gehörte sweifelsohne anch 
Arnold Mercator an, zwischen welchem und Anton MoriUon 
fortan nur noch die wähl bleibt für den busbeckisch -grate- 
riscben, auch becanischen commentar iiher den silbernen eo^ 
dex. Ton beiden war nur Mercator selbst in Werden ge» 
wesen, um mit hilfe Dudens aus dem silbernen codex einige 
proben ab*zuzeichnen (§. 35); Goropius Becanus erhielt sein 
Vaterunser nur eof schedis Antonii MorillonU (§. 5), womit 
noch nicht gesagt ist, dafs dieser, der als Granvellas secre- 
tär U.S.W, genug und andres genug zu thun hatte (obfchon 
er in Italien zeit fand, für Gruters inschriftenwerk nicht we* 
nige inschriften zu sammeln), etwas anderes oder mehr da« 
bei gethan habe, als sich eben jene neue oder alte gothisebe 
mähre mittheilen zu lafsen. 

48. Aber wer war Arnold Mercator und sein söhn Mi- 
chael? von allen den Mercators, welche im zedlerisohen univ.- 
lexikon, Jöoher und bei Hotermund aufgeführt werden und 
würklich fast alle dem 16n Jahrhunderte angehören', fefselt 

1. Graters Imcr. fast auf Jeder seite. 

2. ebend. s. 135, I. 207. 439, 8. 

3. Antonius Morillonius vidit et exscripsii (za Venedig) s. 1127, 9. 

4. s. 21, 2. 53, 17. 66, 9. 68, 5. 69, 8. 79, 6. 82, 5. 83, 12. 
91, 4. 125, 1. 149, 3. 7. 150, 1. 167, 11. 168, 1. 172,3. 194,9. 307,6. 
326, 2. 484, 6. 535, 3. 539, 1. 556, 8. 561, 1. 684, 8. 708, 11. 720, 4. 
734, 4. 875, 3. 696, 4. 948, 8. 949, 10. 953, 8. 968, 3. 986, 8. 1050,8. 
auch ex Morillonii schedis 544, 6. 568, 1. wenn xn 675, 4 Ex Jpüino 
et Morillonii schedis sieht, die inschrift aber aas Neobarg an der Donai 
stammt, so heiPst das nur, auch er habe sie in seiner Sammlung gehabt, 
ohne sie gerade gesehen zu haben. 

5. s. 101, 3. 8. 105, 11. 12. 108, 8. 234, 2. 238, 1. 244, 1. 345,6. 
389, 6. 448, 7. 477, 5. 680, 5. 090, 7. 

6. s. 66, 5. 322, 5. 

7. am wenigsten durfte an den Jac. Cojacins , den Franzosen Toa 
Tonlonse gedacht werden, der (geb. 1520) im j. 1590 zu Boarges sUrb 
und in seinen Streitschriften gegen Johann Robert (Boarges, 1581. 4. Ley- 
drn, 1616. 8.) sich Anton Mercator nannte, hier widerstreitet vorname 



332 GOTTHIGA MLNORA. 

keiner den blick so sehr, wie der berühmte mathematiker, 
geograph, theologe und — kupfers techer, Gerhard Mercator, 
dessen zahlreiche landkarten, theologische und andre werke 
meist zu Köln herauskamen. 

49. Gerhard war zu Rupelmund ^ am einflufse der Rüpel 
in die Scheide, am 5n merz 1512 geboren, gebildet zu Her- 
zogenbusch und Löw^en, lebte später länger in Köln, darnach 
(von 1552 an) 42 jähre in Duysburg, woselbst er, nachdem 
ihn am 5n mai 1590 der schlag, gerührt hatte, am 2n de- 
cember (11 uhr vormittags) 1594 in einem alter von 82 j. 
37 w. 6 St. verschied und begraben ward, er war einer 
der ausgezeichnetsten menschen und männer seiner zeit, von 
umfarsendster geistesrichtung und unglaublicher thätigkeit. 
früh der mathematik aus eigenem triebe zugewendet lernte 
er bei Gemma Frisius die kupferstecherkunst, welcher ent- 
wickelung di& geschieh te der erdkunde eine überaus gi^ofse 
menge der schönsten karten, wie die alterthumskunde eine 
dadurch ausgezeichnete ausgäbe des Ptolemäus verdankt, diese 
seine thätigkeit war durch eine gründliche bildung in spra- 
chen und geschichte getragen. 

50. Er begann seine rastlose literarische thätigkeit 1537 
mit einer Descriptio terrae sanctaey und einer beschreibung 
von Flandern; 1541 liefs er dagegen zu Antwerpen De li- 
terarum latinarum (quos italas cursivasqtie vocant) seribenda- 
rum raiione ; im selben jähre aber schon zu Löwen das werk 
Globi terrestris sculptura drucken, das er dem kardinal Gran- 
vella widmete; 1551 folgte diesem der Globus coe/estis ; 1552 
ebendaselbst Deusuannali astronomiae; welchem ein Liber 
de creattme etfabrica mundi; 1578 zu Köln seine Tabulae 
geographicae CL Ptolemaei emendatae; 1585 seine karten 
von Gallien; 1589 von Italien folgten, so wie der aus allen 
diesem jähre lang mit unglaublichem fleifse und ehrwürdiger 
beharrlichkeit fortgesetzte Atlas sive Cosmographia, nach 
welcher lebens thätigkeit (er hatte daneben für kaiser Karl 5 
und anderweitig erd- und himmelskugeln aus holz, aus glas 
u. s. w. gefertigt) sein reiner, milder und frommer geist sich 

und lebensUmibahB. eben so wenig an den gelehrten andern Franxosen 
Clemens Mercator (Bf archant), der 1577 zn Paris starb. 
I. nicht Uurcmont. wir Zedier, JÖchcr n. s. w. sagen. 



GOTTHICA MINORA. »8 

dem Stadium der theologie zuwandte, dem auch schnell eine 
Harmonia evangeliorum (Duysburg, 1592), Commentarü in 
epütolam Pauli ad Romanos ^ in Apocalyps, eapita aliquot^ 
in Ezechiam etc. entwuchsen. 

51. Aber dieses Mercators vorname eignet nicht für uns, 
noch der seines von Jöcher (nach dem Leipziger universal- 
lexikon) aufgeführten vermeinten sohnes Bartholomäus, wir 
finden jedoch nicht gar fern abgelegen rath in dsr F'ita jenes 
Gerhard Mercator, welche seinem alias vorgesetzt steht 
und von Gualterus Ghymnius ^ in willkommener ausführlich- 
keil abgefafsl ist, der, wie er sich nennt pairicius und prae- 
tor zu Duysbupg, die 42 jähre, welche Gerhard Mercator 
ebendaselbst verlebte, tägliche Vertraulichkeit mit ihm pflog ^. 

52. Demnach hiefs Gerhards vater Hubert, seine nititter 
Emerentia, sein oheim Gisbert. Gerhard heiratete in sei- 
nem 24n jähre anfang Septembers 1536 Barbara Schelleken, 
mit der er in 50jähriger ehe lebte, die nach ihrem tode 1586 
(am 24n augusl) nochmals mit der wittwe des bürgermeisters 
Ambrosius Molt von Duysburg geschlofsene ehe währte nur 
noch acht jähre, mit der ersten frau zeugte er 3 söhne und 
3 töchter. von jenen nun wurde der älteste Arnold Merca- 
tor am 3 In august 1537 zu Löwen geboren und ebendaselbst 
gebildet. 

1. er ist wohl eins mit Walther Gymnictis, dem gelehrten druck- 
horrn zuKülii, hol dem noch 1616 eine sammlang Autorum juridicorum 
herauskam, er war der söhn des Johann Gvmnicus, bachdrackers znKöln 
(1587 u. s. w.). 

2. Ghymnius sagt vob Gerhard M. fuit homo sedatUsimi ingenfi, 
singulari animi candore ac sinceritaie praedituSy paeis tranquillita- 
tis publicae et privatae amantissimus adeo usque ut a quadraginta 
duobis annis , quibus hie Duysburgi cum Sita familia habt'taverit, 
cum nemine ex eivibus verbi/m commutaverit aut cuiquam controver' 
sfam moverttvel ab alit's in jus vocatus fuerit n,s.w, von seiner rast- 
losen arbeitsamkeit aber sagt er ab iUo tempore y quo noster Ger- 
hardus M, hie hahitatum venit, pro mutua Jamiliaritate atque vici- 
nitate frequenter iUum conveni, nunquam vero otio vel tantillum tem- 
poris indulgentem repperi, sed vel historiographum aliquem aut alium 
gravem auctorem {quortim instructissimam bibliotheeam domi habebat) 

*evolüentem aut seribentem vel seulpentem^ aut arduis meditationibus 
indulgentem y occvpatum et intentum offendi. 



334 60TTHICA MINORA. 

53« Dieser unser Gewährsmann trat in jeder beziehnng 
in des Täters fuTsstapfen. simulatque (sagt Ghymnias) ku- 
nutnitatis literts utcumque imbutus esset, statim in mathema* 
ticts disdplinis illum (pater) instituü atqtte exercuit. in eis* 
demque intra paucos annos adeo usque profedt, ut in JaM- 
candis exacte omateque instrumentis mathematicis ^ quae 
summis Germaniae aliquibus mathematicis apparavit, vix 
parem Jiabuerit. 

54. Leider übereilte ihn, während er seit 1586 das 
hessische land ausmafs, schon im jähre 1587 am 6n juli der 
tod durch einen nervenschiag, erst im 50sten jähre seines 
thätigen lebens. er hatte die tochter des reclors Johann 
Monheim zu Düsseldorf (Elisabeth) geheiratet, welche ihm 
dreizehn kinder (9 söhne und 4 töchter) gebar, von den 
töchtern werden in der Vita Mercatornm genannt Emeren* 
tia, Dorothea, Katharina; von den söhnen der älteste Jo« 
hannes, von welchem vor des grofsvaters atlas zwei latei- 
nische grabgedichte stehen ^ ; der zweite Bartholomäus, wel* 
eher noch in Löwen geboren, in Löwen und Heidelberg 
griechisch und hebräisch studierte und schon 156S za Köln 
bei Arnold Birkmanns erben Breies in \ Sphaeram me- \ di* 
tativncvlae, in- \ cludentes methodvm \ et Isagogtn in vniuer' 
sam I Cosmographiifm (6.), gewidmet dem kanzler des her^ 
zogs von Cleve (dessen kosmographen sich sein oheim Gerhard 
nannte), Heinrich Bars, herausgab^, aber schon 1568 in sei- 
nem 28n jähre durch eine krankheit starb. 

55. Ein dritter söhn Arnold Mercators hieTs Gerhard, 
ein vierter Michael, der jüngste Rumuld \ letzterer lebte 
länger bei den erben jenes genannten Arnold Birkmann^, 

1. auch Gerhards knpferstich vom jähre 1574 im 62n jähre seines 
alters. 

2. Jöcher (nach dem zedlerschen aniversallezikon) nennt ihn fliisch- 
lieh Gerhards söhn. 

3. vielleicht ist Franz Mercator (Cremer«) von Herzogenbusch (wo 
Gerhard M. der ältere gebildet wwrdo), pastor zu st. Michael in Löwen, 
woselbst er 1616 tt«f b, vorwaadt. er schrieb Rßbte$ et eiades franeo' 
ktUava» 

4. bei weieliefli auch die naehsehnitle von Holbeins Lyoner todten- 
tanze (1555 — 1574) heranskamea. 



GOTTHICA MINORA. 988 

bildete skh darnach eu London und Antwerlien in ii^rm* 
hendis Khris^ trieb aber daneben gleicbfrUs mit solcher Init 
geographie, dafs er heinigekehrt seinen yieibeflcfaiftigien vo» 
ter im kartenzeichnen half und nach dieses tode 1595 den 
zweiten theil von desselben aiias faeransgab. der vor ihm 
genannte Michael gab mit dem bnidef Crerfaard namentlich 
Afrika, Asien und Amerika herann. 

56. Dies ist nun würklich der amicus Michael MereU" 
toTy welchem Gruter die inter patemas res (§. 35 — 45) ge* 
fundenen gotthica verdankte, was aber Ghymnius vom grofs- 
vater Gerhard sagt {in conversatiane et colhquio Jbeilem ei 
iuamdum se prmesHtity et siquandoque in viros doctos incide* 
ret, nihil Uli accidere potuit gratius, quam amice et Jamilia" 
riter de communibus philosophicis, physüns vei mathematicis 
studiis, de conservanda bona valetudine tuendaque sanitate^ 
componendis in religione controversiis, de clarissimorum vi" 
ramm rebus gestis, regionum situ et coeK constitutione, 
item de peregrinarum gentium moribus, legibus et stuttMs 
conferre)^ das gilt recht eigentlich auch von seinem söhne 
Arnold , den Ghymnins auch als vir pro aetate acutissmi 
ingenii, bonigue in mathematicis artibus judicii , quaemirum 
in modum moderavit quotidiana verum e x per e ntia schildert. 

57. ERmmel- und erdknnde, geschichte und die sich bei 
der erforschung der landeskunde ergebenden alterthümer, In- 
schriften und handschriften waren seine liebste beschäftignng. 
in Geographia et Cosmographia (sagt Ghymnins insbesondere 
von ihm) si quis alius exercitatissimus fuit. archiepiscopa" 
tus enim Trevirensis ^ et CatOnwelibocensis comtatus dimen* 
sumes diverso tempore {petentAus id Revert$sdissi$nis ^ JK* 

1. von d#rt am hatte Abraham ärtd (Ortelins) van Antwerpen dem 
Gratcr zu seinen inscriptiones bcig^estenert (Gruter 718, 4. 741, % 
1061, 6) und Gerhard Mercator hatte, weil er hörte, daft Örtd tabulat 
geographicas herausgeben wollte (die auch 1594 alt Theatrmtn orbü 
terrarum erschienen), aus freundcsliebe mit den seinigea laagc zurück- 
gehalten, sie waren die besten Treunde. das Itinerarium per -nomnul- 
tat Gallia» Be/gicae partes ^ Abrahami Ortelii et Joannis Fwiani 
(Antwerpen, PlanCin. 1M4. 8.) ist ad Gerardum Meremtorem CöemO" 
graphum gewidmet. — Örtcl war wie Gerhard und Arnold MercaUr M 
seinen erdkundlichen Wanderungen auf geschichtliche alterthümer be- 
dacht, jenes werkchen ist voll von iaachrirten und abbildvagea. eben 



336 GOTTmCA MINORA. 

lustrissimis Principibus Electore et Gmlelmo Landtgramo 
illiusquc operam insigfu honarario remunerantibus) aggres* 
sus brevt tempore absolvit, accuratüsimeque non sine laude 
calamo exaravit ac descripsit. urbis quoque Coltmienns 
situm chorographicum per pedes dimensum tabulisque aeneis 
pulcherrüne inctsum, adiunctis quae in Ulis etiamman a Ra* 
manorum temporibus antiquitates conspiciuntur, in lucem 
edidit. 

58. Auf diese arbeit bezieht sich ohne zweifei Grater 
in seinem inschriftenwerkc, wenn er s. 102, 11 zu einer 
inschrift aus Köln hinzufügt ex Geographia Amoldi Mereü" 
torisj wie zu vielen anderen ex Amoldo Mercatore^ anch 
(wo es wohl nach seinem tode wie mit den gotthicis durch 
seinen söhn Michael geschehen war) ex schedis Am. M, 
(s. 9, 2. 537, 7. 560, 2. 890, 2). 

59. Es sind dies meist inschriften , die sich Colomae 
Agrippinae selber^, oder circa Coloniam^ oder ad (agfud) 
Rhenum prope Coloniarn ^ oder etwas weiter prope ßumen 
Rhcnum ^, ad Rhenum alicubi ^ befanden. Arnold Mercator 
blieb dafür bei Köln nicht stehen ; auch prope Juliacum liest 
der unermüdliche inschriften auf ^ ; auch die abteien durch* 
sucht er, z. b. Deuz ^, und in solchem eifer kam er anch 
nach der ablei Werden, wo, wenn nicht steine, ihn doch 
handschriflen fefseltcn. 

so gab er besonders Antiquitates gallobelgicas beravs, die bei Ronrad 
Peutingers Sermoncs convivales stehen, wie jenes itinerariam auch bei 
Biiibald Pirkheimers Deseriptio Germania» and bei Gotfr, Hegenitii 
Itinerarivm . anrser manchem anderen schrieb Örlel anch noch Germa- 
norum veterum vitacy mores et religio, daneben aber wieder ein 
Syntagma herbarum encom. er hatte erat im 30n leben^alire angefan- 
gen za stadieren. 

1. Grnter s. 36, 4. 44, 1. 68, 9. 10. 73, 6. 99, 4. 102, 11. 117, 1. 
571, 4. 599, 10. 866, 3. 

2- ebendas. s. 8, 6. 7. 

3. 8. 9, 2. 545, 4. 

4. 8. 14, 3. 

5. 8. 90, 10. 535, 7. 543,9. u68, 1. 890,2; oder alicttbi ciiva 
Rkenum 560, 2. 

6. 8. 91, 2. 3. 

7. in Abbatia DiintenH prope Fbios s. 90. 12. 



GOmnCA MINORA. 

• 60. Diese weiteren wiAderangen in der mnde and ümA 
Werden unternahm Arnold Mercalor sicher hei der geninuh 
ten vermelsiing von Köln ans, wo schon sein yaler Gerhard 
länger gelebt hatte und viele frenndschaft livt nnteriiidt K 
damit stiknmt vortrefflich die besMchnang der abtei Werden 
bei Goropins BecanuS) m rtgüme Berfensi, ^fitatwn* pwh 
plus mbrna a Cobmta miliaribus disUtns (§. 4), wie desselben 
äufserang, nunc igitur ad alteram {AA* die wahre) Img^/tam^ 
quae gotica doctisstmi ctffusgue apud Cotofnensei judkio km* 
ietur, vefiiunus (§• 3)» welches selbst allein schon aof die Mer- 
cator (vater, söhn, enkel) passt» wozu man aber auch Johann 
Metelliis, ans Borgund gebürtig) aber meist in Köln lebend S 
mid andere rechnen könnte, 

61. Anton Morillon mochte von Arnold Mercator, den ^ 
wir ja, gewiss durch jenen, dem kardinal Granvella schon 
1541 von Löwen ans seinen Globus terrettris widmen S4» 
hen, jene golthioa erhalten haben (tiifl. §• 47) und zwar 
bereits vor 1569 (wo des 6. Becanus Origmes ^nhoerpia^ 
nae erschienen) oder 1568 ^ an. welchem jähre wir Richard 
Streins abschrift des cammentarius anonymi haften, sahen, 
welche in Leyden gerade nnter B. Volcanios, des heranSge* 
bers, papieren sich beittdet (§• 2\). 

62. Diese abschrift wie jenen coumM9Uarm$ iiberhaapt 
aber auch hier erneut mit Ampld (oder Michad) MeiHHiUB 
mittheilnng an Gruter in Verbindung zoi bringen, vwanlalst 
uns die klare beziehung auf Kölq, welche wir gerade in den 
mit den gniterisch-mercatorischen lautregeln sonst gänzlich 
übereinstimmenden bei Vulcaniu^-Strein lasen (§k 42), u^ 

■ ^ •'■*^. ■ 

1. €olonia$ cum mtstÜB quagtte do^ virü ÜH moHtia atque/a*. 
miliaritat inimmssit (GkyimiiM). ^. 

2. aneli er. ttenerte viele iofthrifton an Grater. luui naeikSeinem 
tode erschienen zu Köln (1600 nnd l^Qt) Vier, bände jSJpeetflKii» üflds tef 

3. AeMB anstUe widerspricht nicht, dafs Arnold M. life gotthicA 
zu, Werden opera et aAnMwio J), Hmuiei /Hufta pro UmpOre.Akhor.^ 
tu abgezeichÄat kahe. Dndea wurde 1(7$ aht nnd itarb 1601 ; aber er 
braucht in w keit, alt Arnold M. bei ihn war» noch niebt abt swosea: 
zn sein, denn Gratert uotiz pro tempore Akbatit zeigt aar, dab er die 
gotlbica seit iVIt^ sicher nach Arnold M. tode 1587 (f. 35. 45)^ ans 
Köln oder Duysbnrg erhallen halte. 

Z. F. D. A. f. 22 ' 



SSS GOTTHICA UEiORA. 

MOitri ierihmt so C^llem, in wdkbe sta4t üese» %o so tot- 
trefliidi (Must, wie die onnidart der den gratemeken gDClbi- 
eis beigegebeneo erktänm^ im nendenlsek des IM jabrh. \ 
welehe obse zweifei des Arnold M ercator se g«t mgekirf, 
wie die genannten laotregefaii denn es ersctieinen in iknea, 
nkkshon sie Gniter, weil dies beqHener war, Mit lalcÜHScbeft 
lettern neben die gotbisrhen holzsebnitteoinninen draekea 
Uefs, einzelne S{nraehken>erknngen gleiebfalls (als nrsprraig- 
lieh ihm überliefert) in bolz geschnitten nnd mit denselben 
fost deutschen baUrfiractarbnebstaben ^ geschrieben ^ wie die 
dem voraosgestellten gotbisehen alphabete in brizscbniK (also 
als von JMerealor herstan»end) befgeiiigten lafeiniscbeii er- 
UärangsbuchstabeD (namentlich ti, p, y n. s. w.), womit wie- 
der der deitsche druck des yaternnsers bei 6. Becanos ei- 
nen rerwandten anlafs zu haben scheint, nur ans sokben 
öberall zu gründe liegenden handschriftzügen, nar ans sol* 
eher auch dem G. Beeanns rorgelegenen rorseluift begreift 
sieb sein aas Mark. 1, 2 beigebrachtes Esmiu (§. 8): man 
vergleiche Graters eben %o unsicheres es^aii slatt es^ilN. 
63. Wir reihen daran folgende fehler, welche noch mehr 
geeignet sind, die einerleiheit der wahrscheinlieh mereatori- 
schen schedae für alle bisher besprochenen besfrecher des 
silbernen codex darzitban. man rergleicbe des G. Beeanus 
suintho%a müsa (^, 8, vergl. §. 38 anmerit. 2) mit Grntera 
holzschnitt syiii^^ mss^ (d. i. sa afarnis) | oder des G. 
Beeanus sculanssigmima (im Tatemnser) mit Gmters eben 
so zusammengerücktem SKnA^iissif^iMji (das Mercafor da- 
neben durch skula unsijaima, unsere schuld, erklärt I), und 
eben so der aiionymus bei B. Vulcanius, der, während rr 
in seinem gotbisehen texte durch die zeilentrennung veran- 

f. MS» ▼«fgleifke %u hnrnnti deim reich, %n ttffagkh^; ^^/^i 
faur, vtimuräj V0fta{fk, tjlaijket, n/hii; amdiMie (attOMs); hvü, 
verkoirU vuoii*den^ hair; Itroeder, ro^ffimäf Imw (18m); km Hiek eii, 
seer; oniMmUn; MehUr^ Bkeraekürf vmrpmtä; 4m fmijf am renvens 
u. s. w. selbst fehler, wdcbs is dso gwtiiiebeB botziebaitttexl dnogeii, 
erknrei licb «m der oiederrbekiteb-bölBiMibeD nviNirrt des aiitthei- 
lers, I. b. l*jVSjlI*0, weil es intk ge$agk erkürt wir« ; was bei ^^\ 
olcbt nSgikb wsr. 

2. wie sie die erst« bilfl« die 16a jsbrb. Inner mebr eai der latel- 
niiicben can»iv des 15o jabrb. entwiclielte. 



GorrmcA hinora. 

Ufit SRliA^tiS I siqktn^ riehtig sondei^t, doch in d^ latd* 
niseben aaflösting §eula^lsigaima terbindet« 

64« So begegnen wir fost in allen bisber dnrehlanfenen 
mtUheUungen ans dem silbernen codex bei Becanosy Ynlca"* 
nins (Strein) und Gruter, aafser der §• 41« 42 geltend ge* 
machten gleichheit der lautbemerkungen n. s. w., fast den-» 
selben buchstabenverwechselnngen^ leso* und druckfeblem^ 
falschen abtrennungen u. s. w. S dafs auch daraus immer 
mehr und fast unumstöfslich eine und dieselbe gemeinsame 
quelle der mittheilung anzunehmen kommt, die nrsprünglich 
für jeden auch ziemlich gleich viel des in Werden abgezeieb* 
neten enthalten haben mag^ 

65. Wenigstens blickt uns bei Goropius Beeanns (§. 8) 
wohl durch, dafs er nicht nur mehr zur einsieht vorliegen 
hatte, als er s. 739 (vatemnser) mittheilt, sondern aus sei«- 
ner bemerkung daselbst über nä%d6 und fitad-oQ (§. 3)^ dafs 
er aufser Matth. 6, 9 — 13, was er (das vat^irunser) wit 
Bonav. Vulcanius s. 739 mittheilt, auch noch Matlh« 6, 16 
(andnäman misdon semad)y wie Gruter durch Mercator ror 
sich liegen hatte, wozu letzterer (Mercator nämlich, §• 52) 
über jenes wort eine ganz ähnliche bemerkung machte als 

1 . Grvter (Mercator), wie sam theil aveh die übriyea (rst. 1^ T-«-9. 
39 — 40), bat fast nar aoi lateinisch gescbriebeaer Vorschrift erklürliehi 
fehler in den golhischen holzschnilttext eingeschmnsgelt : so nicht nur 
(aus der durchgehenden Verwechslung von j and g) daupgand gah mer 
gand, vopgandins, hirgati (weil durch das kölnische hergaet erklärt), 
und umgekehrt jalekith, tajfam und ff^^f ^^^^ äiüal\fe(/an neben ai- 
vägge(fon und avaggeffo^ sondern aacb Vhaurby^ oder nmgekebrt 
falsch fravaur^e, ß'avaur^an; ferner vaurkeit (dagegen Mk. I, 2, 
wo Goropias Becanos gamelit bat, riehtig gameli^). HlAim (statt 
HlAl<)> wird nor erklärlich aus einem aufgelösten HlAlTh. sein H 
verbraucht er vielfach ; bald fdr u (ßiHy i'k daUpga, sm llfar Himina)y 
bald fnr f» {$intwnm\l\ bald selbst für t (in thWM9i vaiUua /sU kada). 
r wird im holzschnitt öfters zum T (Taleilaia, qfardatei). aus lateini- 
schem original erklärt sieh fast nur atgidam (fdr b)i war^m (sl. — > im), 
andere fehler (in holzschnitttexte) die menge^ merga (st. mtrida), 
ni^an atta iMur, gavuß\>s (it gavasiths^ in akmin veikaman a. s. w.— 
B. Vulcanius {Jnonymi) holzscbniUfehler ())6mQrjkH2L^H (s. 37, s. 40 
wiederholt thei- \ mogandam), VfkSQTl^fi (s. 38 wiederholt^ s. 40 ea- 

sotida\ y^^UVWkSklWfk und rjvyi^^l^^'^^ ('* ^^) ^^^^ ^^^^ °°'* ^"' 
lateinischer urabscbrift erklärlich. 

22* 



340 GOTTHICA MINORA. 

wir bei G. Becanus lesen >. Gruter besitzt Marie. 1, 1 — 18, 
woraus G. Becanns nar 1, 2 a. 7 beibringt (§.8); Grater 
bricht seine mittheilung mit einem k (in holzschnitt, alfo 
von Mercators band? §. 52) ab, B. Vulcanius bringt bei (esr 
schedü Anonymi) Mark. 6, 4^ so wie aus 14, 51 ein wort^ 
(§. 39), Goropius Becanns aber wieder Mark. 15, 34 (§. 8). 
wenn nun B. Vulcanns darnach noch ans Luk. 1. 2. 8 ein 
gnt theil beibringt, was weder Becanus noch Gmter gibt, 
so mögen sie dieses nicht gehabt haben (jenes gmteriseh- 
mercatorische k deutet darauf) und es dürfte daraus selbsi 
hervorgehen, dafs die mittheiinng des B. Vnlcanischen a tm men ^ 
tariolus von dem anonymus (Mercator an Richard StreinT) 
vielleicht früher, daher noch ansfuhriicher geschah, als an 
Gruter, der es nur vom söhne des Mercator ex patemü re- 
bus, daher vielleicht nicht mehr so vollständig, erhielt« 

66. Der eben wieder genannte Richard Strein, den wir 
1561 — 62 bei Hottomann in Strafsburg sahen und der vor 
1568 schon den commentariolus anonymus de lingua€l&* 
tarum besafs und leicht erfuhr wo der darin genannte eo- 
dex argenteus sich befand, mochte denselben nicht aof ixm 
äuge verloren haben 3, bis er ihn, nachdem er kaiserlicher 
rath geworden war, seinem kaiserlichen herm für dessen an 
Seltenheiten wie Seltsamkeiten aller art reichen schatx, viel- 
leicht durch den kölnischen verfafser des comm^mUtrme als 
Unterhändler erwarb (§. 34). 

67. Vielleicht dafs Mercator den commentar auf Streim 
anfrage an ihn, vielleicht aber auch noch an den, wie wir 
sahen, eifrig mitthätigen Henricns de Duden ^, an^^etst hai^ 

1. 6. Becanafl sagt s. t40 Credo Uaque hone Hnguamt pute mmtt 
haee scripta est, ex ejusmodi Graecis eolonis extitisst; freuerUm 
quod in ea fiia^ov pro mereedi inueniam n. i. w. ; Mereator aber sagt 
bei Grnrer Graeea diütio est luo^ov, mereeiem d^fii ist imeUk eier 
meidthlokn, ' 

Tt. Richard Streia erscheint aa allem theilaehBend. in elaer relekem 
österreichischen seschiechternotizeniammlnng von Sehiffsr (CmL üok. 
germ. 888) 1, 1127 heidt es 'AbschHft des Paeehs, Dah ia Hami 
Reicharten Streins Biblioteea vorhaaden, darein aUe die se la Sea^ell 
an der Schlacht gebliben, mit ihren Wappen abgemalet sind.* 

3. sollte (beilSttiig) dieser abt Daden der verlkher der sMa eiacM 
gewissen Derrer, der aber in den annalen der abtei Werdea aie bat aaf- 



GOTTHIGA MBWRA. Ml 

wenigstens wird ans ans einer ähnlichen annähme die änrse^ 
rung des anonymus erklärlich, womit er (s. 16 heiVulcanins) 
den Alter CommefUariolus in Alphabetvm Chtiktcpm, ei iVo- 
tas Lombardicas in Vetustissimo quodam codice repertas h^ 
ginnl^ Quemadmodum D\udeny] vestra [epistola?^ monet, ita 
est ^. Omnino enim praesens apusculum interpres est alterius 
operis, nempe Vocabularij^ quodp. 5 subßnem B. 8. Com- 
mentarium vocat. Quod Lombardico^ id est, vemaculo Italo- 
f*um sermone, sed litera barbarica scriptum esse certa docu- 
menta sunt ^. 

Zu jenem vestra stimmt femer (sei es nun, dafs Mer^ 
cator den Duden in Werden oder den Strein in Wien an- 
redet, wonach der silberne codex hier oder da gedacht wer« 
den müste) s. 3 cum autem vester codex ^ während hunc 
codicem (s. 7) oder Über hie (s. 8) fast einen vorliegenden 
codex andeutet, obschon die fernere äufserung Argenteus 
codex pictus magis est qtunn scriptus (s. 17) auch eine län- 
ger vorher gegangene anschauung (an ort und stelle) be- 
zeichnen könnte. 

68. Was aber endlich am entschiedensten die quellen- 
einhelt sowohl in betreff der mittheilungen d\B auch des sil- 
bernen codex herausstellt, ist der umstand , dafs erstens wo 
Becanns im vaterunser thaim sculam schreibt (§.7), Gruter 
aber (in seinem holzschnitte) eine sehr wahrscheinliche weil 
sehr gewöhnliche abkürzung des- dem Mercator vorgelege- 
nen codex nicht beachtend 3, blofs ^Jii wiedergibt, der ge- 
nauere holzschnitt bei Bonaventura Vulcanius würklich ^jä 
SRnAjvn darbietet; zweitens wo Becanus am schlnfse des vater- 

gefonden werden köonen, zogeschriebenen vollaUüidigea abschrift dei 
silbernen codex sein, welcbe vom grafen de la Gardie mit nach .Upsala 
genommen, 1702 mit des Olaus Radbeck bans and büchern verbranntet 
wenigstens liegt der Freiburger jaridische professor Sebastian Derrer 
(1540) in jeder beziebang fern ab* 

i. bischof Usher (in dem briefe, welcher dem glossar des Janias 
vom j. 1651 vorgesetzt ist) deutet jene worte als von Morillon an den 
kardinal Granvella gerichtet, quemadmodum Dominatio vestra monei, 
ita est. 

2. vergleiche über das alter dieser bandschrift das §. 13 gesagte. 

3. er hat auch blofa |:iHS und rt))3, neben V^S vnd IS. 



34f GOTTHICA MINORA. 

unsers (s. 739) mach oder (s. 750) maohs dnuskt, wie 
des B. Vulcanius anonymns im lateinisch gedraekten tOKte 
(s. 35) maks wiedergiebt, dieser und Grater im hoksduütlie 
HjitiS gewähren ^, eine abkürzung oder bachstabenverbiiidui|fy 
die in gotbischen texten nicht angewöhniich ist, wie ne 
Koioss. 4, 4 würklich von Castiglione angemerkt woflen iet 
(gabair^jaü), vielleicht aber auch 1 Thessalon. 5, 5 (itdb)% 
so wie Titns 1, 3 (atbairhida) und 2 Korinth. 2, 14 
(gabairhjandin) ^ vermutet sein dürfte. 

69. Für den silbernen codex (denUpsaler) aber, wenn 
es des beweises noch bedürfte, spricht besonders noek des 
B. Vulcanius mikileid (s. 36) aus Luk. 1, 46, wie sv^paeid^ 
nicht minder v. 54 thiumagu seinamma und v. 55 J¥ahl^ üf 
femer s. 40 fraleitaü (aus Luk. 2, 20}, endlich die bemer« 
kung s* 7, dafs autor Leui nome bis dvplici T signai LeTTig 
es steht würklich Lukas 3, 24 u. 29 A^iyyeis. 

70. Oben §. 26 hatten wir inmitten der hier gepflegie- 
nen Untersuchungen die freilich bald (§. 27- 28) wieder yer> 
lafsene frage nach einem zweiten silbernen, mehr all gol» 
deswerthen gotbischen codex aufgeworfen; durch den gnug 
der ganzen Untersuchung aber auf den einen werdiseh«apsn« 
lischen silbercodex zurückgewiesen, erinnern wir uns hier 
nochmids der während jener Untersuchung gezogenen soidflfiie, 
dafs um die jähre 1568, 1569—1597, 1599—1602, vielleieht 
auch 1648 und später noch jener codex mehr enthalten ha* 
ben müfse, als 1665 durch den Dordrechter druck an den 
tag kam, wenigstens im anfange des ev. Johannis (§• 28) nnl 
auch Matthaei (§. 38. 43). 

71. Nicht unerwähnt aber mögen wir hier, wenn auch 
nur als eines curiosi oder füv&inw, lafsen, dafs blschef 
Usher von Irland (Jacobus Armachanus) in dem schon ange- 

1. leider sagen die Altenbarser heransgfeber nichts zn der tteDe; 
auch Jnnius nicht, der aber richüg schon MjitlTS auflöst. 

2. anch in tklauhi (^Matth. 13, 18 n. s. w.)? 

3. wenif^r Roloss. 1, 14 {Jravaurh). 

4. nor hat Vnlcanius, wie wir in der anmerk. m §. 35 sahea, >M^ 
gneid im holzschnitt , was sieh beim zeilenabbrache ans dem F erklärt, 
ans dessen wahrscheinlieh eigenthnmlicher gestalt im cote stak amk 
jinrifiHj^ erUären dürfte (%. 35, anmerk.). 



GOTTHICA MINORA. MI 

zogenaa iiri«fiB au Franz Juiuua von lß51 eine« goiMschM 
codicis de4 ganzen neuen tesUunentes in den Worten ge- 
denkt, Codhem altum Gothieum aureU itrgentmque ckaror 
cteribui papyro (?) exarutum et $um Etmngelia Umtum^ sed 
Universum etiam Navum Testamentum eamplecteniem, in bi» 
bliütheca Hermauni Comüis Newenarii exatitiise Pkilipu$ 
Mamixius Dominus Sauet" j^ldegundius (apud Sibraudum 
huhbert de princip. Christiauarum dogmatum lib. 8 cap* 7)^ 
conßrmati in quo Orationis Dominicae idem quod in libro 
ff^erdi/^susi habebatur inüium t Atta unsar thu in himina ete. 

71t. Machte der papyrus diese naehricht nicht verdäch- 
tig, so wären die sehlufsworte ganz geeignet, daran zu glau- 
ben, um so mehr als Gualterus Ghymnius in der oben be- 
nutzten vita Gcrhardi Mercatoris uns mittheiit, dafs dieser 
sich einer vertrauten freundsehaft des gerade dort genannten 
grafen Hermann von Neuenar oder Nuenar {de nova Aqutld) 
erfreute, ^ecf ^///(f (sagt Ghymnius, nachdem er von G.Mer- 
cators Kölner und Duysburger freunden gesprochen) de exiguo 
civilium amicorum ntimero, quorum quotidiana familiaritate 
hie mecum fruebatur^ verba Jaeio, cum apud viros principes 
et potissimum Illustrissimum ac Generosissimum d^fimetum 
nostrum (Joelicissimae recordationis) prtncfyem Comitemlfer- 
mannum Nuenarium reputatione atque existimatione exstite- 
rit, ut cum illo familiaritatem coluerit atque conservaverit. 

73. Damit kann aber der ältere Hermann von Nuenar 
nicht gemeint sein , der, canonicns and dann präpositus am 
dome zu Köln, im erzstifle guter hatte nnd IIMO schon auf 
dem reichstage zu Regensbnrg starb, sondera sein söhn Her- 
mann, der 1532 zu Strafsburg des vaters verbefserten text 

1. Philipp y. Maniix^ ritter von st. Aldesoad, $eh, |538 zo nrüssel, 
f^eslorbea als bürgermeistcr zu Aatverpen , gat hebräisch verstehend, 
gab theologische Sachen heraus, doch 1578 zu Worms auch eine latei- 
nische rede Tür den erzberzog Matthias , so wie niederdeutsch des h. 
römischen reiches bienenkorb, den 158t Jesuwald Pickhard (d. i. Fischart) 
deutsch herausgab. Lipsius epistol. lelect. enthält briefe an Phil. Mar- 
niz (cenL 2, 89. e«Bt. miscell. 2, 85). — Sibrand Lnbbert, geboren in 
Friesland 1556, gebildet zu Wittenberg nnd Genf, 1582 prediger zu Em- 
(lem, 1584 hofprediger zu Friesland, 1585 professor zu Franecker, ge- 
storben daselbst 1625 am lOn jan. als rector magaiflcus. 



GOTTHICA MINORA. 

von OcL Horatiani De re medica libri iv (foL) 
der vater hatte sich vielfach mit arznei- nnd pflauenkaide 
beschäftigt und schrieb ans diesem 'triebe AnnoiaiiM$9g mÜ' 
quot herbarum ^, De sudatoria febri et curatiane tudoris 
angliciin Germania earperta^. aber er trieb anch theolngie' 
nnd vaterländische geschichte : er gab die erste ausgäbe von 
Eginhards Vita Caroli M. nebst alten annalen von 714 bia 
829 (Köln, 1521. 4.) nnd dazn eine Brems Narratio de 
arigine et sedibus priscorum Francorum^. anfserdem sind von 
ihm vorhanden Orationes, Epigrammata^ und Epistobte. — 
vom jüngeren H. Nuenarias aber sind unter anderm vor- 
handen De Gallia belgica commentariolus (an Pirkheimer« 
Antwerpen, Plantin. 1584. 8.). 

74* (Fsher fährt a. a. o. fort Cujusmodi Notntm Tefte- 
mentum ad suas etiam manus pervemsse MatuUus Metelhu 
Seguanus (apud Suffridum Petrufn, Praejat, in Scriptor. 
Frisiae Decad,) est testatus, das ist der oben §. 60 genannte 
Burgunder Aletellus, d^r die längste zeit seines lebens ia 
Köln verlebte, 

75. Um das mafs unserer Sehnsucht aber voll zu dUh 
eben und erinnernd an den ersten abschnitt dieser abband« 
lung zum folgenden dritten einzuleiten, sei hier zum SGhliilie 
auf die nachricht des Joseph Scaliger in derselben zeit 
noch hingedeutet, welche wir im folgenden abschnitt dieser^ 
abhandlung §. 18 beizubringen haben werden. 

1. abgedniekt ia 0. Brannsfels Herbariam 3. 

2. heranife^ebea von Gvil. Gratarolus. 

3. er ichiidb Passio Christi in 7 horas digeita^ psaUten na4 
Czecbias io verscn. 

4. in den meisten ausgaben d. Eginbard abgedruckt, so wie in Ar" 
vagii Script, de vita Caroli M., in Bilibald PirkbeimersZIefer^MCrfr- 
maniae, und in Ronrad Peutingers Convivalia 1684. 

5. in Frehers Script, rer, german* 



GOTTmCA MEVORA. Stt 



WB STBffT ES UM AUGERIUS 6ISLENIUS BUSBECKS 

GOTHExN IN DER KRIMM? 

1. Während wir bei der bis hieher geführten antersu- 
chang in der zweiten hälfte des sechzehnten Jahrhunderts 
(1569. 1597) die aufmerksamkeit vaterländisch -wifsenschaA- 
licher männer auf den sancrosanctus codex gothisches sprach- 
alterthumes (wie ihn Franz Junins in der widmung seiner 
ausgäbe an den denselben rettenden schwedischen kanzler 
von Upsala, grafen de la Gardie, nennt) gerichtet sahen, 
scheinen plötzlich um dieselbe zeit die ururenkel jener 6o- 
then mit zwar zeitgemäfs verjüngtem, aber doch noeh ziem- 
lich alterthümlichem klänge derselben Ursprache in räthsel- 
haften berichten des kaiserlichen rathes Busbeck leibhaftig 
aufzutauchen* 

2. Augerius Gislenius Busbeckius oder wie er sich un- 
ter briefen auch unterzeichnete, Augerius a B usbecke, Ogier 
de Bousbecque, dem Wohnorte seines vaters % geboren 1522, 
gebildet zu Löwen, Venedig, Bologna, Padua, durch den 
Niederländer Peter van der Aa, von kaiser Ferdinand und 
Maximilian 2 nach Wien gerufen, unter dem mehrgenannten 
Richard Strein längere zeit erzieher und lehrer der kaiser- 
lichen prinzen und kaiserlicher bibliothecar, von welchem 
amte er 1575 abtrat, vielfach auf reisen in allen ländern 
(England, Italien, Spanien u. s. w.)» halte solche in den jäh- 
ren 1554 — 1564 auch in kaiserlichen auflriigen wie nach 
Frankreich , so auch nach Konstantinopel ^ und Asien zu 
richten. 

.1. geboren war Augerias zn Comines. Augeriui Gisiemui Busbe» 
quius Cominn Flandriae oppido natu» est^ unds et Philippo Comir 
naeOf Hittoricorum nottratium principi, eognomen, pater Aegidiui 
GuleniuBj Busbequae ad Lytam fluvium sitae iopareha^ pervetusto et 
nobili apud Flandros genere (vita A, G. Busbeckiu vor den ansgaben 
seiaer reiseberichte, entnommen aus Elog, belg, Atiberti Miraei)» 

2. im schon genannten Cod, lat, Vt. 736 Fol. der Mönchener hof- 
und Staatsbibliothek befinden sich 5 briefe Basbecks an Andreas Masins, 
den rath des herzogs von Gleve, deren erster (vom t^ mai 1556) aus Ron- 



I 



I 



m GOrflHCA MUVORA. 

3. Seineu darüber nicdergesehriebeaen berichten ist Jene 
Tust räüiselhaflc eizlilihiug vom zusaniaienlretTen niil gesautl- 
lea aas der Kriouo eingefiigl , von denen er anf sein ab- 
sicbllicbes befragen eine menge Wörter milgelbcill erbalten 
liaben will, denen, so sellsnm sie zum llieii klingen, doch 
der dculscbe urspniug, sellisL iu formen einer älteren zeit 
iarchaiis nicht abgesproubcu werden kann, 

4. Nach der den ausgaben vorangeslcUteu f'ita halte 
er die berichte wahrend jener reise nach Konbtantinopel ua- 
mittelbar an den kaiser ßudolf gcrichlet, wie von der ge- 
sandtschall nach Paris 1583 '. L. Carrio aber sagt in sei- 
ner ausgäbe, die er dem kaiserlichen geheimen ralti« Nkoiao 
MicauUo Judai'eldä D, it. M. in Co/icifio secrfitiori Coim/ia- 
m* widmet, Est eaim Epistola ^ugerii Btubeqaii de itiuere 
guo tarn Byzantina quum Aiiatico ad tc oUin, nijallor, nixi- 
pta. euiita rei ex eo coniecturam fach, quod de ulroque 
vestrümsacpe maninerim audire, cum Busbequiiis notnine lilipp. 
Ferdina/idi et 3la.nm/ia/H apud Turcam oratorü ptirlvs 
ageret, tuque apud Lusüanos Reginariim legalus essvs, rut 
uUro cUraque res, ut quacque ülarum iis in hcis urant tue- 
morabilcst /lencripsisse et quasi libros commetttarios con- 
texisie. diese ansieht gewinnt aus der tcAtesahfalsung hei 
Basbeck wahrscUeinUchlieit, indem er in seinem berichte über 

itiDtiDopcl, der zn-ette (vom H meri ISSi) um Barcellaoa, der dritLe 
(vom 23 Juli 1570) ans Speier, der vierte (vnin 7 aupist 1S70) »u» Küln, 
diT fUnriB (vom 13 august ISCl) ans Wien unlcr/eichuel ist. — seine reise 
DBell Spauieo tmp, wie wir >, §. 48 ssheo, reiche früchle Tdr Grutera in- 
icbrirtenwei'k. in de» Lijuiul epistni. select. eeaL 1 beHndeu »icb 
3 briefe BD Busbeek aacb Parii (IS d. 63). 

1. »vlche e bibliotheca Ilouwaert J. C. PatriHi BraxvUeniii aa- 
GFhÜDp sind au diu aiu gäbe viin Butbeqvii amnia qiiat eirttant, Dres- 
dea, Giiather. I68D. S. darin nenut er dea kaUer aber nm/titat veslra. 

i. aarb von ibm batle Gruter maaebe iaiehrift aas Italiea; t. b. 
». cx.,v, 3 (iV/c/. Mifbaiilt BnixtUmiU), cci-vi, 10 (MW. Uichault 
Contiliariui Rrgiai). N. Miobaull batte mll BaabeL-k In Tlalicn «ludiirl. 
in Li|isius epialnl. select. kammea »ahrepe briefe an ihn vor. cenl. 3 
n'SS. 87 (nacb Rom} von J. 1598. 1B0O; tenl. '2 ad Belg. 6G (naufa 
Toornay) von 1600. — eben »u balLe Ludwig Carrio (fiiboren 1547 lu 
Brügge) dcmGruler zus< IMnaariii inttript. buigeataucrt. dieaer eiliert 
■eine 4ntiq. lett. (i. 404, 4- 471, 7). icine EmtndttkttM *l i/b4*riM- 
lionn gab IM« Puleanua i'a Parii (1.) heraui. 



die krimmischeD' Gothen Wim der z%bl sev^n^ aagt pr^$us 
ut nos FlandH *; nam vos Brabanti, gut vos Germamce Iß^ 
qui facitis^ hü: magnißce vos efferre et nos soletis habere de- 
risuZf ac si istam vocem pronunciemus rancidius quam vos 
seven effertts. 

5. Basbecks berichte kamen erst 3 jähre nach seinem 
tode heraus ^* es konnte nicht seine absieht 3ein, damit yor 
der gelehrten weit als mit einem curiosum auftreten zu wol» 
len, das sich an die curiositas oder cupiditas in betreff 
der gerade bekannt gewordenen gotthica hätte werden sol- 
len, ihn hatte eine andere edlere cupiditas bewegt» in der 
Krimm nach jenen Deutschen zn forschen, auch war Busbeck 
kein solcher ans vermeinter Vaterlandsliebe gewaltsam spra- 
chen durch einander werfender geist wie Goropins Beeanus, 
der aber in seinen Gallicis 1, 10 das Zeugnis des illustriß 
Ogerif Busbecani mit recht eine testißcatio grauissima 
nennte 

6. Das gieng aus Busbecks redlichem nnd wahrhaft 
wifsenschafUicbem wie wifsenschaftlichwahrem wesen hervor« 
seine reisebericbte sind voll des schönsten wifsenscbafUicbeQ 
eifers und ernstes und tragen die beweise seiner freien und 
allgemein regen theilnahme, denn er fragt nach den eigen-» 
heiten der thiere und sammelt seltene pflanzen so gut wie 
er nach menschlichen dingen forscht, wie ans Spanien aber 
(§. 48), bringt er auch aus Griechenland und Asien eine 
menge von inschriften (z. b. die von Ancyra an Andr. Schott) 
mit beim -^, und die Wiener kaiseri« königh hotbibliotbek 

1. verpl. §. 18 unten. 

%. er starb am %1 (28?) oetober 1593, auf einer erbolnngsreise aaob 
der Normandle, 1 1 tage nach einer rohen plünderang belgischer Soldaten, 
zn S. Germain, wo er auch begraben liegt. 

3. wie denn auch Gundling (2, 3025) sagte ' Busbequü Opuseuia 
iiud so beschaffen , daPs man anf jedem blatte insignem prud^ntiam 
wahrnimmL' 

4. bei Smelius und Gruterus. bei letzterem aus Ancyra 107» 3. 1136, 
3. 1146, 2. 3, 4. 1140, 3. 1161, 1. 2. 3, aas Amasia 1136, 10. 11. 1146, 
7, aus JVicaea 1078, 3. 1116, 6, aas Moutalub 1127, 4. 6. 1136, 4. 1137, 
3.4, ausMasthetoy 1091,2. 1127,9, aas Bucareler 1127, 3. 1128,2* 
1136, 2, aus Craler 1076, 12. 19. 1128, 2, aus Teche 1115, 5. 1127, 10, 
Tecbicr 1127, 11. 1136» 6, Togray, 1076, 11. 1127, 8; aus Ocaus 1073, 



348 GorrmcA aunora. 

besitzt an 250 handschriften, welche er in Konstantinopel ^ 
aufkaufte ^. 

7. Busbeck reiste aber gerade vor den jähren dahin, in 
welchen Goropius Becanus (1569) die erste probe ßothischer 
spräche bekannt machte; noch weniger konnte die kleine 
flchrifl des Bonaventura Yulcanius (von 1597) ihn angeregt 
haben, während umgekehrt dieser jene eben erst (1595) be- 
kannt gewordenen, ihn wie alle weit natürlich überraschen- 
den nachrichtcn aus der Krimm als höchst merkwürdigen 
anhang zu jenem commentare De Literis et Lingua Geta- 
rum (s. 49 — 53) fügte ^. 

Sf Busbeck war durch ganz andere, schon seit langem 
vorausgegangene nachrichlen oder hinweisungen aufmerksam 
geworden auf die bewohner der Krimm. von den zügen der 

1. li;^8, 1. 1136, 1. 7, aus Boriack 1137, 2, aus Chiooron 1147, 10. 
1151, 6. 1162, 12, aus Kerafedy 1146, 6, aus Achbiuck 1184, 12. — 
stets heirst es hier e Busbequianis, e Busbequii schedis , e BusbequH 
autographiM (1127, 11. 1136, 7. 11) oder autographo (1161, 2). — vgl. 
Lipsius Saturnal. vorrede und widmung, und Epislol. select. 1, 18. 63. 

1. auch Richard Slrein murs in Ronstantinopel gewesen sein ; we- 
nigstens sagt cod. Findohon. 8963 (H. prof. 295) bl. 624 Herr Rmekart 
Strein wierdet auf diese siund von fFienn nach Constantinojfoly ab* 
geraitet sein, fueret etliche Turggen mit sich hinein, so Jungstiieh 
von denVnnsern gefangen worden, die sollen ohneRantion at(fß*eyen 

fuft gesteh werden, 

2. reporto (schliefst seine 4e epistola) item magnam farraginem 
veterum nttmismatum, quorum praeeipuis donabo dominum meum. 
adhaec librorum graeeorum manuscriptorum tota plaustra, totas na- 
ves. sunt modo libri haud multo if^a 240, quos mari transmisi fV- 
netias, ut inde Viennam deportentur, nam Caesareae bibliothecae eos 
destinavi, sunt aliquot mm eontemnemdit eommunes multi, eonverri 
omnes angulos, ut quicquid restabat hm'usmodi mereis, tmtqu^nn nc 
viisimo spicilegio eogerem, 

3) wie er denn auch in die Tenckiedeaiten bücher übergieng. sieh 
Schotte], ausführliche arbeit von der tentschen hauptaprache (Braunschw. 
1663. 4.) s. 132 — 133; JKger de Ungua vetustissima Europae Seytho^ 
Celtica et Gothiea (Wittenberg. 1696. 4.) 8. 43 ; Ihre Diss. de reU- 
quüs linguae Getieae §. 10., daraus holländisch in Steenwinkel taelkun^ 
dige Mengelimgen s. 124—153, dentieh in Griiters Bragnr 4, 1, 124 
— 131. vergl. Jos» Scaliger Can, hag. 3, 138; Grolias Praqf. od PrO' 
cop. u, s. w. 



GOTTBICA mNORA; 

Gothen anter Gelimer nach dem Pontus und Trapezunt waste *' 
man aas Zosimas, Eatropias and Trebellias Pollio; nicht 
minder dafs die Gotthi Tetraxitae^ Christen geworden, sich 
lange am ausflafse des Kuban, an der Westseite des tanri- 
schen Bosporus in der Krimm gehalten hatten, bis sie aid^ 
um das jähr 548 mehr unter die Ukiguren verloren § Ht 
aber in der Krimm aaf den bergen blieben, widersiaBden 
den andrängen und stürmen der Alanen im zweiten, dec 
Hunnen im vierten, der Avaren im sechsten, der Bu^pureii 
und Chazaren ^ im siebenten , achten , der Petscheneger inl 
zehnten, der Kumanen, Tataren und Mongolen im zwölften 
Jahrhundert, welche das flache land der Krimm nach einan- 
der besetzten und denen jene von den Chazaren an zinsbar, 
wurden, 

9. Von diesen Verhältnissen des landes hatte Busbeck, 
der um die geschichte der Völker sich kümmerte, vielfach 
gehört* non possum hoc loco (leitet er seinen krimmischea 
bericht ein) praetcrire^ qtiae de gente accepi, quae etU 
ainmmc incolit Tauricam Chersonnesum , quam saepe audive^ 
ram sermoncy moribus^ ore denique ipso et corporis habitu 
originem Germanicam referre. 

10. Gerade im jähre 1555, wo aber Busbeck bereits auf 
reisen und in Konstantinopel war ^, hatte der gleich sehr wie 

1. im 8n jahrh. widersetzte sich diesen ihr bischof Johannes (vita 
Johann.)' vergi. ZeuFs, die Deutschen and ihre nachbarstamme s. 431« 

% Busbecks erster der 4 reiseberichte ist vom 1 septb. 1554 aus 
Wien, der zweite vom juli 1555 ans Ronslantinopel, der dritte vom j. 
1560 aus Konstantinopel, der vierte, der uns am meisten hier beschäftigt, 
vom 16 dec. 15612 ans Frankfurt amM., wo er seinen kaiser getroffen und 
am VI nov. diesem der türkische gesandte (ein gebomer Pole) eine sla- 
wische anrede hielt, die bei vielen ausgaben tob Busbecks Epistolae mit 
gedruckt ist. der erste reisebericht erschien für sich bereits im jabre 
1581 mit L. Carrios vorrede zu Antwerpen (Jtineraria \ ConstaniinopoU" 
tana \ et | Amatiana \ah\ A. G. Buthequii n. s. w. 8. und 158!^ mit 
dem zweiten wiederholt, so blieb es bis 1595, wo jene mit dem 3n und 
4n vermehrt zu Antwerpen, im selben jähre im nachdrucke bei Andr. We- 
chel zu Frankfurt (Avg. Gislenfi Busbeqvii D. LegationüTureieae epi- 
stolae qtiattior. 8.), wie 1596 daselbst in Übersetzung (Reysen | f^Nd 
Bott' I schafften^ welche avff ßMdig- \ sten Bleich, beyder Fnüber- 
wind' I lichsten Allermäehügsiem Beyser Ferdinandi vnd Maanmi- 
liani ii | Augeriu» Gisle- \ nivs Buebeekf j'hrer Maiest. Baih vnd be- 





'4^ vi^rnir^i. jn?t^uhi^ 

«^,..i.»/i 11 ./•;iiit«H ittiiii«iü4h«»i Gltfarj*:i. > runtniow« . ^u 
f /#«. t<».^,*<«iii« «/ii^(;iii<,(jtji« nülUiftUttiii! i:raiii<jitL. {>j|ri^yBAi' 
t^A^i'/A^w t iiA4hs/tt4*^t>vM' y^ßiä fßfim&Kt u*^»:ttpuUint^mt vatfmt am 

IIa / V* ///////'/*** </^'/////' W hiloi/UiUtryjit^ ^%ti «f 

l'ttnU fttuttitti ^uh^tii tfl vd IrU/utum 

ilMhttiiulhl /'/w/'// ^iM/ffr MufittinU ii*:H uuh irümtß 

fiHtf IntniUMUn tttiltim ^§i*rmanü:t*^ qua im/pM 

uhiuh' tttitmtiftt //♦/ ♦/////, ^ttpt*rj'un't*. ttt üd 

uu*h um Ihtn» ttuthnntfn hnhilMmi da JUanitgtf firf 

Mtith'Un *omffit ti 'Vtnltimrum vi dfJtfndtTitnt, donec Mmcluh 

mhl i'uf ftit tun itttfifttttiii' C/^ff'/ifn ^ r.i'puf^navii TartaroBfmB 

iM- fifft4ti*hht$M *ttii Miihjvtit uiiiit*rWt tum H coMlrum Mankyp 

»$f9htt thrthii rtn \»itvimttH ihn Tiirhi»vheti itaytrr n. i. w. von M. 
(^»ttui !• Kill liM>Mi#^'i Mint • »iiUlor IAO!>. l(Wt y.ii llonnii (8.) 1620 darch 
H frt.|i|i» «pm Mihi. Imh (I) ), lfi:t1, 1(1(10 hvi r.l/.i*\lr xn Loydcn {J. G. 
^.ri|.,,,.fti HtM'ffrt (f»mi' f.i*Mri/ t'i.), l<iOM fii llrradrn (8.)« 1740 bei 

IIiiIHiUhIIM« I *H MtlVi'l lA \i 

I \\,%t\A 1 1 liiitit.t»u IHM» 1Viti|,t»iii> «lio |)tiii|)Utadt il^T Krimin« trirh 

•I A \ r»«itit|(tH^o«. ^t\n tVi'oliip ^Or kiip Ulamcli). 4<t fette aa 
iit« \ti|i< t^^tU^ ltt>iMri Viin^iN^n Anf i'inoirrihr 9. t6l. 

Mi«i«l« ^ii>iMi* ^ i»- <\inI,\j* t»4rr t^Hi^p, ,x ^iH ««rl *i>rll ri« M«l»pir- 
l^^ M' ^ «i.-Kii« »n«l WM K^vaumhii Kt.V^, \ k*}^ »hfrrSr« fttil MMI dCA T»- 

b-^i « i.,.,%s *-.. . .',■•» ^•«••i THrf.» ^N^ iw«m4*«4<^)M(^ J^^-Äkfck ▼rrfrl. &iifw^ 
I« .-1 •... . )Wi»«-i s••^, .K «i|i« Kt-^üi *» ^ ^ - 1.)-^« P^Umi ■knan^AmHA 
1 .. .• .11. v*i^i ,.!.,.•, ^j%ifiM»lf«*»««i'^MkÄi«ii«>4»x w|i*Wi44»lM»ii rvirl»*. tSik 

1^ •» I.«. .i ^ ,- \-^v«iMt««t Kv*.*fc *'«»)««iiK •*>'* I V'^inr um d^iu» 



c^pft at duö9 frätre^ da MMcup gladio petHmsit, tn qußus 
ei tota Gotkorum illonm nobUtUu cessrtvit, Cfoth£ tero, qtä 
adhuc in montünis stipetnmi^ tineas cölmt et tnde vitam 
sustentant, 

tl. Busbeck war ferner ohne zweifei in iennlnis von 
den nacbricbten, welche sein brabanlischer landsmann, der 
minor! tenbruder Wilhelm Ruysbroeck oder Rubrnquis bereite 
von einer reise heimgebracht batle^ die er im jähre 1253 
im auftrage des königs Ludwig 9 von Frankreich znm mon- 
golischen kaiser Manguschan unternehmen muste^« dieser 
sagt baU im eingange seines dem könige nach seiner rüek^ 
kunfl überreiehlen berichlcs ^ sunt autem alta promontöria 
super mare ' a Kersona ^ usque ad orißcium Tanais et sunt 
quadragmtm casiella tnter Kcrsanqm et Soldaiatn ^, quorum 
guadlüetjere habebat proprium idioma et tnter quos erant 
multi Goti, querum ydioma est Teutonicum ^. 

12. Diese angaben erregten allgemeine durmerksamkeit^ 
wie sie denn in der that auch für uns noch überaus beacb- 
tenswerth sind. Ruysbroeck hielt sich lange genug in Sudak 
auf, wo er sich für seine weitere reise in die Wolgasteppe 

1. diese Foyage en Tatarte ertchien französisch ia Berg^ron» Fo- 
yageit en Aste (La Haye, 1735) %y 5. vergl. R. Förster^ geschiebte der 
entdcckuDgcn und schifiTahrt im norden (1784. 8.) %y 1/27 und Petrus van 
der Aa Sylioge, Leyden, 17^6. 1735. 4. — von der lateinischen nrschrift 
gab Richard Ilakluyt {The principal navigations). 1398. s, 71— 92 ein 
stück; das ganze erschien, nach handschriften im brittischen mosenm und 
Cambridge, erst 1839 im Recueil def'oijages et de Memoires der SociStS 
de Giographie^ th. 4 (Paris. 4.) s. 213—396. 

2. Recueil de Foyages 4, 219; Bergeron 2, 5. 

3. das schwarze meer. 

4. Berg^ron und auch Humboldt geben Kersova, Kertova^ der latei- 
nische text richtig Kersona^ jetzt Khorsvn, das alte Xi^awv. 

5. Soidaja d. i. Sudak, Sudagh : s. Forster gesch. der entdeckungen 
2, 128. Pallas 2, 222. 

6. Bergeron übersetzt qut reHetment eneore ta langue allemande^ 
eben so Robert Baco loquuntur Teutonicum; dagegen (nach Purchas 3, 
13) die englische Übersetzung zu Cambridge Gotket^ who fpake theDutch 
funguCf und Alexander ron HumboTdt (der fibrigen« von Bergeron in sei- 
nem französischen texte 2, 314 etww abweieht) ity aparrni ces peitples 
beaucoup de Gotfis^ qtti parlent hoilandate* 



352 GOTTHIGA BONORA. 

vorbereitete, und Alexander v. Homboldt ^ rahmt von ihm in 
beobacbtungen über die Baschkiren und Hunnen, über chinesi- 
sche, indotibetanische und tangulische schrift die gröste ge- 
nauigkeit. 

13. Ruysbroeck selber mochte wohl noch früher neilge- 
tragene künde ähnlicher art mit auf die reise genommen ha^ 
ben. sechzig jähre vor ihm (um 1190) wollte man nnter 
kaiser Friedrich dem ersten deutsche klänge in Asien ver- 
nonmien haben und schon im zehnten Jahrhundert sagte Froa- 
mund von Tegernsee oder wer der spätere verfofser des be- 
richtes De origine Noricorum * ist, Noricorum, ui dian, in 
ultimo Oriente circa Armeniam vel Indium usque hodie manet 
origo, quod pene omnibus notum a probatissimis eiiam nuper 
accepimusy qui peregrinati illuc bavarizantes audierani. aas 
solcher quelle oder Überlieferung fliefst oder flofs sicherlich 
nicht nur der ansatz von der herkunfl; der Baiem aus Ar- 
menien, wie ihn uns die sogen, kaiserchronik des zwölften 
Jahrhunderts darbietet^, sondern auch der zusatz, welchen 
das Annolied, dieselbe stelle etwas umreimend % hinzufügt 
Man sagit das dar in halvin noch sin 

1. A. V. Hamboidt {Examen critiqtte de rhistoire de ia Geogrm- 
phie (Paris, 1837) 2, 317 m^ Cetie diversttc de languei, ee rette de 
peuple de race germanique^ ohstrvi dan$ la CrimSe au ireizihite Hede, 
sont des phinomenee hien remarquablei, 

%, Pcz Thesaur, Anecdot, 3, 3, 493 und Flacius Catal fest, verft, 
(Strarsb. 1562, s. 1:27. 128); Arnpeck 1, 5, 25. jener oben ausgespro- 
chener zweifei gebort R. Zenfs, die berknnft der Baiem von den Blarko- 
mannen (München, Franz. 1839. gr. 8.) s. 36. 

3. die kaiierchronik sagt 

Diu geslehte der Baiere 

Komen her von Armcnje 

Da Aoe' Hz der arehe gie 

Und daz olezwi von der tüben enpkie, 

Ir zeichen noch diu areke hat 

Vf den bergen^ die da Aßixent Jrardi. 

4. Dere geslehte dort quam wilin ^ 
von Arm4n%e der kirin^ 

da M4 äs der arkin ging 
duor diz oUzui von der tävin in(fieng. 
iri ceiekin noch diu areha havU 
yf dem bergin Ararät. 



60TTHIGA MINORA. 

die dir diutischin sprechin 
ingegin Indid viU verro. 

14. Wir knüpfen hieran, am zu Busbecks zeit zurück- 
zukehren, die äufserungen des früheren portugiesischen Sol- 
daten in Indien, seit 1588 Jesuiten, Benedict Gösius an, 
welcher im jähre 1603 auf befehl des damaligen portugiesi- 
schen vicekönigs in Indien, mit hilfe des grofsmoguls von 
Lahore in Ober-Indostan über Kabul in Afghanistan und das 
gebirge Hindukusch nach Jarkand in der kleinen Bucharei 
und von da durch die grofse wüste Kobi nach China vor- 
drang und am gebirge Hindukusch (in KafPeristan) bewohner 
gefunden "haben wollte, die blondes haar gehabt hätten wie 
die Belgier: gens est kuius regionis capillitio barbaque flava * 
instar Belgarum^ qui hanc regionem variis in pagis inco- 
lunt^: ja vor wenigen jähren wollten Engländer in Ostindien 
sogar nachricht erhalten haben , dafs noch in Kafferistan 
deutsch (german) gesprochen werde. 

15. Ruysbroeks nachricht war nicht vereinzelt stehen 
geblieben, fast zweihundert jähre nach ihm berichtete der 
Vene lianer Josaphat Barbaro, den die republik Venedig 1436 
nach Tana (Asow) schickte, auf das entschiedenste wieder 
von deutschredenden Gothen in der Krimm, deren grö'sten 
theil damals schon die Osmanen besetzt hatten ^ Barbaros 
Worte sind diese, dietro delt isola di Capha (Kaffa) d* in- 

1. diers erinnert an die gesandten der insel Ceylon an kaiser Claa- 
dius (Piin. h. n. 6, 24). ultra montes Emodoi {*Hfiü}d6c bei Strabo 
15f 1, d. i. Hindukusch nnd Kaschemir) Serat quoque ah ipsis {Taproba- 
nensibus) aspici, notot eitam commercio: patrem Raehiae {prineipis 
in insula Taprobane) commeatse eo: advenis stbi Seras oeeurtare; 
ipsos vero (Serat) excedere hominum. magnitudinem^ rutilis eomit, 
caeruleis oeulis, oris sono truci, 

2. Relatio ilineris ad detegendum Catayum (im mannscr.). er 
war 3 jähre auf reisen und starb, man glaubt an gift, am 11 april 1607 
zu Socen. 

3. siehe J. Barbaro, Fiaggi fatti da Fenetia alla Tana^ in Per- 
tia, in India, ed in Constantinopoli, Venedig 1543. 8., wieder abge- 
druckt bei Ramutio, Seeondo Folum9 Delle Navigationi et Fiaggi, nel 
quäle si contengono thistaria delle cote de* Tatari. Venedig, 1550. 
(1574. 1583. 1606. 1613. 1834). fol. s. 07. vergl. Förster, geschieht« 
der entdeckungen 2, 208. 

Z. F. D. A. f. 23 



354 GOTTHICA MLNORA. 

tomo che e sul mar maggioTj st troea la Gotthica, e poi la 
Alania, la quäl ra per la /sola verso Aloncasiro *. Gotthi 
parlano in todesco : et so questOy per che — harendo un 
famcglio Todesco con mi, parlavano insieine^ ed intenderansi 
assai raglonevolmente y cosi come si hdenderia un Forlano 
run un Fioreniino-, 

I G. Damit mufs zusammeDgebaltea werden aus dem jähre 
1760, was BüscbiDg in der neuen erdkunde (7te aufl. 1, 2, 
1655; sagt , *unter denselben (Talaren und Türken) und zwar 
an den küsten des scbwarzen meeres, von der Donau an 
bis zum asowscben meere, ja aucb auf der asialiscben seile 
des schwarzen meeres wohnet ein heidnisches vulk- ohne be- 
sonderen namen, dessen spräche mil der deutschen verwandt 
ist (in dieser gegend haben die Gothen vor alters gewohnt, 
von welchen diese nation wahrscheinlich ein Überrest ist, 
bei welchem die christliche lehre wieder untergegangen ist ^). 
der erfahrne Jesuit ^londorf, von welchem ich diese merk- 
würdige nachricht 1760 aus Wien empfangen habe, hat einen 
mdersklaven von diesen männem, den er auf einer türki- 
schen galeere angetroffen, gekauft, und von demselben er- 
fahren, dafs ihr ganzer gottesdienst in der verehmng eines 
uralten baumes bestehet' 

17. Diese nacbrichten klingen nicht, wie etwa folgen- 
der fall, der 1665 auf einer gesandtschaftsreise Leopolds 1 
an 3Iohammed 4 in Constantinopel vorkam : da heifst es .^ 
'der grofsvezier hat etliche zwerge bei sich, als lose vögel ; 
auch einen grafen von Waldeck, dessen vater oherUrr ge- 
wesen, als er 9 jähr alt von den Türken genommen wor- 
den, er hat eine gefangene christin gefreit und redet noch 
ein wenig leutsch ;' auch kann hier nicht die rede sein von 
deutschen skhiven oder jeuer lothringischen frau, welche 

1. Maokiip? 

2. er rügt hiozv da queMta vieinia dg Gofiki eom gÜ j4immi^ vrtäm 
rhe tia denvato i7 nome de Goithiolani, jllani erano pn'mo im far#l 
luogo : sopravennero i Goiihi, 9 t^mquUtomo di quei paest\ ei feeero- 
no una mislura dcl nome 9M0 eon Ü nome degii AUtni, 

3. Bnfcbeck sa^ ubi qvidem inier haslee reiig'ionem üdhne rrtinent 
ehristianam. 

A. hieroach enRäbat er Jof. Barbaros nod Busbeckg. 
5. \'alpias corioiilaten TL^ 259. 



GOTTfflCA MINORA. aSS' 

Raysbroek am hofe des chan zn Karkom, oder von jenem 
meister Wilhelm aus Paris, der dem Mangachan einen gro* 
fsen silbernen bäum mit Springbrunnen u. s. w. fertigte ^, 
oder von späten einwanderern, wie z. b. gerade jetzt beson- 
ders Deutsche den Russen die Krimm bebauen. 

18. Gestärkt durch alle jene Vorgänger nehmen wir Bns- 
becks reisebericht genauer in augenschein. vorbereitet und 
begierig gemacht durch alle jene geschilderten vorausgänge 
kam er nach Konstantinopel : itaque me diu cupiditas tenuit 
videndi ab ea gente aliquem et, si fieri possety eruendi alU 
quidy quod ea lingua scriptum essety sed hoc conseqm non 
potui, man begreift nicht, woher Joseph Scaliger ziemlich 
gleichzeitig die nachricht her haben mochte. Gotthos ettam- 
nunc in iisdem regionibus (der Krimm) degere sub PraecO" 
pensi Tatarorum dynasta et utrumque Testamentum iisdem ii- 
ferisy quas excogiiavitWulfilay conscriptum et eadem lingua^ 
qua tempore Ovidii {Getae) utebantur, interpretatum legere^. 
Busbeck war in seinen hoffnungen noch bescheidener und 
war glücklich, als ihm der zufall wohl wollte: casus tarnen 
utcumque desiderio meo satisfecit; wonach er nur fortfährt : 
cum essent duo huc illinc delegatiy qui nescio quas querelas 
nomine ejus gentis ad pHncipem deferrent, meique interpre- 
tes in eos incidissent, memares quid eis mandassem, si id usu 
venirety adprandium illos ad me adduxerunt, alter erat pro- 
ceriory toto ore ingenuam quandam simpUcitatem prae se fe* 
rensy ut Flander videretur aut Batavus; alter erat brevior, 
compactiore corpore, colore JuscOy ortu et sermone Graecus, 
sed qui frequenti commercio non contemnendum ejus linguae 
tisum habere t; nam superior vicinitate et frequenti Graeco* 
rum consuetudine sie eorum sermonem imbiberaty ut popularis 
sui esset oblitus, 

19. Hiernach richtet Busbeck zunächst fragen an sie 
über die sitten jener Völker, interrogatus de natura et mori- 
bus Hierum populorum congruentia respondebat, ajebat gen^ 
tem esse bellicosamy quae complures pagos hodieque incolerety 
ex quibus Tartarorum regulusy cum expediret, octingentos 



1. Recueil de voyages Ay 334. Parcha« 3, 25. 
*2. Scaliger ^ Chronohgiae eanon. xMagog. 3, 138. 



23 



556 GOTTHICA MLNORA. 

pedites sclopetarios scribernt, praecipuum suarum copiarum 
firmamentum: pHmarias earum urhes alteram Mancup ro- 
carif alteram Scivarin ^ 

20. Sonderbar genug knüpft Busbeck hieran unmittelbar 
mehr bericht über die freilich eben genannten Tataren, ad 
haec multa de Tartaris eorumque bar borte : in quibus tarnen 
singulari sapientia non paucos reperiri memorabat, nam de 
rebus gravissimh interrogutos ^ breintej^ atqne apposite 
respondere. ea de caussa non fernere dictitare Tarcas^ reli- 
quas quidem natwnes scriptam in libris kabei^e sapientiam^ 
Tartaros libros suos devorasse, ideo in pectoribus eam habere 
reconditaniy quam promant, cum opus sit, et veiuti dlvina 
' fundant oracula. eosdem esse perquam immundis moribus : 
si jurulentum aliquid apponatur in mensa, nulla requirere 
coclearia, sed jus vola manus haurire. eneciorum equonun 
camem devorare, nullo Jbco admotam, offas tantum suh 
equestri sella explicare, quibus equino calore tepejactis tan-- 
quam opipare conditis vesci. gentis regulum e mensa argentea 
cibum capere : primum inferri ferculum caput equi, ui et 
postremum, quemadmodum apud nosprimo novissimoque loco 
konos habetur butyro, 

21. Aus dieser eingeflocktenen scbilderung des Tataren 
aus dem munde jenes krimmischen abgeordneten, der ihm 
ingenuam quandam simplicitatem praeferens erschien, leuchtet 
neben gerechter anerkennung gesunder lebensweisheit doch 
eine aus volksthümlichem gegensatze entsprungene Verach- 
tung jener gastfreien, aber doch rohsittigen Asiaten hervor, 
von denen noch Pallas sagt 'Tataren sind unwürdige und 
unnütze bewohner dieser paradiesischen thäler^/ deshalb 

2. über Manknp war §. 10 die rede ; Schiwario ist eia flecken, niehl 
vveil von der verödeten borg, man könnte versuclit gein, bei Basbeck 
Seiiarin {aiAtl Sc\farin^Seivarin) zv vermuten, dafs es Schisarn, Baktschi- 
Sarai, BachUchiserai wäre, wo der alte palait des chan war. man sehe 
Engelhardt und Parrot reise in die Krym n. s. w. (Berlin, 1815) 1, 51 ; 
Pallas th. 2, pialt. 2 abbildnng. Kleemann (reise von Wien über Belgrad 
u. s. w. Dcbsl einem anhange von der Krimm. Wien, 1771) sagt stets 
Bachtschierserey. in Castclnau essai a. s. w. 3, 137. 154 wird getrennt 
Batschi - terai ; wie daneben Suttansei*ai, 

2. Pallas 2, 349; dem Engelhardt nnd Parrot (I), so sehr sie die 
gastfreundlirhkeit, gefalligkeit n. s. w. dieser krimmischen Tataren an-. 



GOrraiCA UINORA. «V 

dürfte auch die bemericung des persischtürkisehen dcdmetschen 
J. Baptista Podesta, welchen Leibnitz einst wegen;' ierbw- 
beckiscben Gotben befiragte, nicht ganz stichhaltig sein, M 
Tataria Destkaptschak dicta^ ad Uttus septefUrionale maris 
Caspii occasum versus, Tatorts Magiaris regio contermina se 
orientem versus ad flumen Arabibus Gihum extendU. vide- 
tur aliquid de Germanümo eorum linguae messe : illa entm 
Lingua est semipersica et semitartarica orientalis : et lingua 
persica plurimis germanids vocibus mixta^ videtur eas a 
Destkaptschensibus Tataris habere, et iitales Tatarißterunty 
de quibus Busbeckius loquitur. 

22. Aber fefsen wir jetzt Basbecks Wörterverzeichnis 
selber näher ins äuge, unmittelbar nach dem §^ 20 mitge- 
theilten berichte über die sitten der Tataren fährt er also 
fort , nunc adscribam pauca vocabida de multis, guae Ger- 
manica reddebaty nnd bemerkt besonnen weiter nam haud 
minus multorum plane diversa a nostris erat/brmay sive quod 
efus linguae natura idjerat, sive quod eumjitgiebat memoria 
etperegrina cum vemaculis mutabat, nachdem er hierauf die 
allgemeine bemerkung vorausgeschickt omnibus vero dictioni- 
bus proponebat articulum tho aut ihe, theilt er sein Wörter- 
verzeichnis in solchoi die dem deutschen (vorzugsweise nie- 
derländischen) sehr nahe . kamen , und solche , welche nicht 
recht sich anlehnten. 

J^fZ. Nostratia aut parum d(ffereniia haec erant: 
Broe. Panis^ Alt. Senex, 

Plut. Sanguis. Wintch. Ventus, 

Stul. Sedes* Silvir. Argentum* 

Hus. Domus. Goltz. Aurum. 

Wingart. Vitis. Kor. Triticum. 

Reghen. Pluvia, Salt. SaL 

Bruder. Frater, Fisct. Piscis, 

Schwester. Soror. Hoef. Caput. 

erkennen, nicht widerspreehen. versl. Le Vtsfenrs beschreibuni; der 
Ukraine, der Rrimm n. 8. w. (Breslau, 1780. 8.) s. 53 if. 

1. B. Valeaniuf zo; {de i. ef /. Getarum) s. 87 — 88 persische 
Wörter zom vergleich der aliqua eius eum Teutoniea uffinitai herbei, 
die Franz Raphelens ihm dargeboten hatte, eben so spricht Lipsios 
epist. 44, centnr. 3 von dem Verhältnisse. 



358 



GOTTUIGA MLNORA. 



Thum. Porta. 
Stern. Stella, 
Sune. Sol, 
Mine« Luna. 
Tag. Dies. 
Oeghene. Oculi. 
Bars. Barba. 
Handa. Manus. 
Boga. Arcus. 
Miera. Formica. 

m 

Rinck sive Ringo. An- 

nulus. 
Brunna. Föns. 
Waghcn. Currus. 

24. Et pleraquc alia cum 
gruentia usurpahaty ut 

lel. Vita sive sanitas. 
leltsch. Vivus sive sa- 

nus. 
lel ubart. Sit sanum. 
Marzns. Ntqftiae. 
Schuos. Sponsa. 
Baar. Puer. 
Ael. Lapis. 
Menüs. Caro. 
Rintsch. Mens, 
Fers. Vir. 
Statz. Terra. 
Ada. Ovum. 
Ano. Gallina. 

Ich maltkata. 



Apel« Pomum. 
Schieten. Mittere sagit- 

tam. 
Schilpen. Dormire. 
Kommen. Venire. 
Singhen. Canere. 
Lachen. Ridere. 
Griten. Flere. 
Geen. Ire. 
Breen. Assare, 
Schvvalth. Mors. 
Knanen tag erat iUi Bo- 

fius dies: Knanen bo- 

num dicebat. 

nostra lingua non satis con- 

Telich. Stultus. 
Stap. Capra. 
Gadeliha. Pulckrum. 
Atochta. Malum» 
Wiohlgata. Album. 
Mycha. Ensis. 
Lista. Parum. 
Schedit. Lux. ^ 

Borrotsch. Vohmtas. 
Cadariou. Miles. 
Kilemschkop. Ebibe call- 

cem. 
Tzo Warthata. Tufedsti. 
lesVarthata. Illefecit. 
Ego dico. 



25. Jussus ita numerabat. Ita, tua, tria, fyder, fynf, 
seis, sevene S . . . prosequebatur detnde ahte, nyne ^, thiine, 



1. hier fol^t die §. 4 vorgesriffene btmerLBD^ über die Brabaaler 
und Flandrische ausspräche von ««om (7). 

2. es steht Ath^nyn: 



60TTHICA BONORA. SN 

thiin - ita, thiine - tua ^, thiine - tria eic. vigmti äicebai 
stega, triginta treithyen, quadraginta fardeithien^ «iMMp 
suda, hazer mille, -V 

26. Quin etiam cantilenam efus Hnguae redtahat, eufua 
initium erat huiusmodi: 

Wara wara ingdolou: 
Scu te gira Galizu. 
Hoemisclep dorbiza ea. 

27. Der erste eindruck, den das ganze macht, ist in 
mehr als einer beziehnng befremdlich, gar zu neue wort- 
klänge, wie Schwester, bruder, tkum, stul, schteten, tag, 
ich, kor u. s.w. drängen sich sogleich als solche auf; eben 
so neue flexionen und Wortbildungen, reghen, waghen, 
oeghene, apei, stem, die^ declinationen gune, mine, die 
Infinitive schieten^ schilpen, kommen, singen, lachen, 
criten, geen^ breen. anderes erscheint geradezu wenigstens 
als druckfehier, so broe (panis), stap (capra) falls es scdp 
sein sollte) : ein solcher steckt auch wohl in ßsct, möge 
man nun ßsch oder ßscs vermuten 5 eben so in wintch *. 

28. Seltsamer noch nehmen sich, während thurn (porta) 
einen unnatürlichen auswuchs beurkundet^ gleich dem unmit- 
telbar nachfolgenden ster/i (wonach man glauben sollte, auch 
das schon genannte ßsct sei dem ihn vorausgehenden salt 
pachgeendet) abstofsende formen aus wie kor (statt kaum) 
und baar (statt bam). eben so fallt die mischung hochdeut- 
scher lautung (plut^ tag, ich, lachen, criten u. s. w.) neben den 
oiTenbar niederdeutschen formen schielen, apel, schilpen, 
hoef, silüv*, seven, seis auf, zu welchen letzteren auch die 

1. CS sieht ihunetua, thunetria. die ausf^abe Amsterdam, t660. 
ihünetua, thiinetria, 

2. so haben alle ausgaben. — ich habe sowohl bei zweimalig^em 
aufenthaltc in Wien, als auch in den Niederlanden nach Busbeeks papie- 
ren gesucht, doch vergeblich, es wäre wichtig dieselben tu. erlaif^a, 
sowohl um zu sehen, ob das nltgetheilte wörterverzelehnis richtiger, als 
auch ob es nicht vielleicht reicher war, alt in der, naoh seinen tode 
erschieaencD ersten titigi^. — • andere dniekfehler wie eritmi statt cri- 
men (JUre) haben gleielifaUa schon die ausgaben von i59S und 1596. 
(FraakL Wccbel), darnacb 1605 und 1024 (Hanau) ; dagegen die Am- 
sterdamer von 169f «ad die Baseler voa 17iO criten, broe bauten all^. 



360 GorrniCA minora. 

Selbstlaute in hüs (Joh. 18, 20), wingart^^ oder die mitlaate 
in sah und h^a, tine (thnne) gerechnet werden könnten, 
wenn man in Ihnen nicht wie in trat - thiifiy tria u. s. w. ^. 
ältere laute suchen wollte, wie etwa auch in dem / von mine 
{luna)^ scklipen, crken, das lange gothische ä (mäna, slö» 
pany gr6tan)y das ja auch in den manuscripten von Upsala 
und Mailand öfter ei geschrieben erscheint. 

29. In trei, tria müfste das gothische th verborgen lie- 
gen, wie es in der Schreibung von golts {gulth Luk. 15, 22) 
eben so in tso (tu) wiirklich zu tage zu treten scheint, 
schwerlich wird man in golts eine männliche oder weibliche 
flexion auf — s suchen, welche aber würklich an einigen 
und gerade den seltsameren Wörtern bewahrt worden ist, 
#ie namentlich an Jers (vir, vairs)^ stats (terra , staihs^ 
locus) j vintsch (mons : ob runs, ßua^us?), ieltsch (vivus, 
sanusy hails), während es am sächlichen iel (vita, sanitas) 
richtig fehlt; weniger richtig an ael (lapis), stul (sedes), 
reghen (pluvia), waghen (currus), tag (dies), rinck («•- 
nulus), apel (pomum), oder telich (stultus: ein adject. auf 
— r eigs, igs?)- dagegen ist es vielleicht in wintch (goth, 
vinds) ßsct (goih, ßsks), bars (barbä) anzunehmen. 

30. Gleichmäfsig wie fers, stats, ieltsch u. s. w. erschein 
neu andere Wörter überraschend richtig nach schwacher de- 
clination, z. b. brunna (fonsi Mark. 5, 29) boga (arcus: 
was goth. buga wäre, ahd. poko, ags. bogo, altn. bogt) ; 
vielleicht auch ringo neben rinc (annulus) oder weiblich 
rni(e)ra (formica)^ ein in Niederdeutscbland noch wohlbe- 
kanntes wort, eben so ano (gallina), was kanjd (althd. 
hennd) von läina (gallus) wäre, wovon hön (kuon), 

31. Befremdend ist handa (manus) statt des gothischen 
handus: oder sollte diefs ein verjüngendes drängen' zudem 

1. Mark. 12, 1. (weifigarda). dieser darf hier nicht verHundern. 
das ganze land ist ein wintert ; aUein die gebenden von Sndack und Roos 
liefern jährlich 30,000 eimer. Gesner sagte oben §.10 gerade von den 
Berggothen vineas eolunt et inde vilam sustentant. 

2. Zeufs bemerkte schon das ausbleibcH der lautverschiebungen in 
einigen fällen. 

3. dem auch jener von Bnsbeck (§. 2%) beflierkle durchgreifende ge- 
braueh des artikels anheim fallen würde. 



GOTTEDCA MINORA. Mf 

übergange in andere declination sein, das alle Wörter auf 
— US früh angreift? dann verhielte sich vielleicht ancb eben 
so sune zn sunna (sunnö)^ mine zu minay wenn wir hier 
nicht ein nichtbeachten des busbeckischen obres anzunehmen 
haben, ähnlich wie der anonymus bei B. Vulcanins s. 3 als 
gothische proben werpen^ weihen^ werden anfuhrt, denn Bus- 
becks criten {flere) entspricht ganz gut dem gothischen gre^ 
tan (plorare). 

32. Marstis (nuptiae: ob für magathei?) ist schwer- 
lich beweis für die declination auf — tis^ eben so wenig als 
menus (caro)^ wovon sogleich die rede sein wird, eher könnte 
man bei kadariou (miles) an die deklination auf us mit ab- 
geworfenem — s denken, klar decliniert erscheint wieder 
borrotsck (voluntas)^ worin überraschend ga - baurjödus 
{voluptas: 2 Cor. 12, 15) zu liegen scheint, eigenthümlich, 
mit verstecktem fehler, sieht ada (ovum: statt avi?) aus; 
desto organischer das schon gedeutete (h)an(j)ö, die henne. 

33. Schuualth {mors) ^ scheint das s zn entbehren (oder 
swalts?)^ ist aber eins der merkwürdigeren Wörter: es ent- 
spricht deni gothischen svults (Luk. 7, 2), das vom oft vor- 
kommenden (ga-) svilian, svalt^ svultum sich bildet, aus 
den proben von Becanus, Yulcanius (auch Gruter könnte 
man hinzusetzen) konnte das wort Busbeck nicht bekannt 
sein, auch nicht aus dem niederländischen oder angelsächsi- 
schen, wie solches der spätere Fr. Jnnius im glossar s. 326 
benutzt und beibringt >, weshalb Yulcanius ganz richtig un- 
ter den erratis seines büchelchens die bemerkung macht 
Schuualth: Mors, haec vox iametsi apud Busbequium hoc 
loco posita eratf reponenda tarnen est tnter ea vocabula^ 
quae cum Teutonica lingua non conveniunt. 

34. Aber es drängen sich unter diesen non congruen- 
tibus noch merkwürdigere Wörter hervor, der silberne evan- 
geliencodex, wie er dem 16n jahrh. im wesentlichen vorlag, 
wies kein m6keis (gladius) auf, das erst Ephes. 6, 17 aus 
Mailand ergab: und sieht diesem das busbeckische mycha 



' •,■' 



1. einige ansgabe» (Htiiii, 1624. Amsterdam, 1660. Dresden, 1689) 
haben Schuuatch; Htalil iiO& mit den übrigen Schuualth. 

% in dem ron B^Volcanins s. 73 — 80 mitgetheilten briefe kÖnigs 
AeltVed kommt sveltan nicht vor. 



362 GOTTfflCA J^flNORA. 

(obenein mit jenem in mine und slipen geltend gemachten i 
für e) nicht allzu ähnlich? hallus (petra) ergab erst Rom. 
9, 33 und sollte sich ihm nicht Busbecks aet (lapis) so gut 
nahen dürfen, wie iel^ ieltsch den gotbischen hail^ hails ^ ? 
aber vor allem menus (caro): wer verkennt darin, (sei es, 
dafs memsy sei es, dafs menns zu lesen wäre) das nur ein- 
mal bisher und zwar nur 1 Cor. 8, 13 für x^£a ^ vorgekom- 
mene selber räthselhaftc mins oder mims, mims? alle diese 
Wörter fehlten dem silbernen codex, dessen text und Wör- 
terbuch durch Franz Junius überdiefs erst fast 100 jähre 
später (1665) zu Dortrecht erschien; sie kamen alle erst io 
den seit 1817 entdeckten mailändischen palimpsesten zum 
Vorschein. 

35. Mit so gewappneten oder gestärkten äugen gehen 
wir an die übrigen erscheinungen des busbeckischen räth* 
sels. er führt uns drei adjectiva im sächlichen geschlcchte 
auf, gadeltha {pulchrujn)^alochla {ma/um)y wich ff ata (album)» 
drängt sich uns in letzterem, in welchem eine aspiration hv 
gehört worden sein mag, unwillkürlich das gothische hveii* 
auf, so ergibt sich in der endung -ata überraschend die 
der gotbischen adjectiva neutra (Jiveit-atä) und es mufs die- 
selbe in atohta, gadelta angenommen werden, ohne diese 
wurzeln erklären zu wollen , man müste denn in gadeltha 
das gothische gatilata {aptum) sehen, nicht minder dürfte 
jenes -ata in lista (partim) hervortreten, wenn dieses die 
Wurzel zum gotbischen leit-il enthielte (leitista, leista?). 

36. Jedenfalls aber läfst sich — ta nicht zurückweiseo 
in der seltsamen form ita (für eins), man möge nun ain-ata 
oder das pronomen ita (id) darin sehen, zu welchem uns 
ies varthata {illefecit) das masculinum is (ts, w/c, tlle) bie- 
tet, so wie in dieser redensart, gleich den daneben stehen- 
den tso warthata {tu fecUti) und ich malthata {ego dico) sich 
wiederum ihata, znm obigen artikel thOf ihe fallend, aufdrängt, 

1. Eogelhardt und Parrot (1,9) rühren aela (felsrücken) Jaila (tlpe) 
als tatarisch auf. Babtga jaila ist ein bergrücken. 
% Rom. 14, 11 (x(>^a) fehlt im gothischen. 

3. Mark. 7, 3. Luk. 9, 29. — vergl. Ihr« {Stripta versianem Ui- 
philanam et ling, moesogoth. ülustraHtia^ darch Büichiig) s. 133. 

4. the =: »a, thö := «o, thata f 



GOTmCA MINORA. MS 

wonach jene sätze hiefsen thu vaurht(t) thata^ ü vaurkHa) 
tkatüy i'k mala, malida {mahalida) thata, in welchem letz- 
leren zugleich das jüngst von Grimm ausführlich besprochene 
malan^ mahalan, m4lan liegen würde, in iel ubttrt (Ht «a- 
num) liegt häil vaurthai, häils vairthais (sis sanus) — der 
uralte deutsche grufs, dem wir noch einmal in dieser ab- 
handlung begegnen werden, in kilemschkop (ebibe calieem) 
mufs gleichfalls ein zeitwort stecken, vielleicht kimm (ganim) 
skap {pocMlum)y welches wort mit jenem hdils verbunden 
uns noch einmal gemahnen wird. 

37. Wenigstens liegt in kilem eine vorsilbe ga-^ die 
als wortbildend auch in ga - daltha (pulcrum) und ga - da' 
riou (miles) entgegentritt, man mag in letzterem nun ga- 
daüra^ ga - dauka (socius: 1 Cor. 1, 16) oder ga - draükU 
(miles) sehen, die Wörter alt (senex) wint (ventus) fisc 
{piscis) sah (sal) u. s. w. geben nichts zu erinnern ; sck^* 
düt {lux) aber widersteht: man müste skemztka, skeima 
oder die wurzel skaidan darin suchen, auch schuos (sponsa) 
entzieht sich: ob sckoos, swos, sväsa? 

38. So haben wir keins der busbeckischen Wörter über- 
gangen, die zahlen bieten, aufser jenem räthselhaften und 
doch selbständig deutbaren ita (1), das zu seiner bestäügung 
in thün-ita (11) wiederkehrt, die guten tva (2), thria (3)) 
das anhaltliche ^(/er (ßdvör), darnach ^2^ (so verdruckt) , 
sets, sevenCy akte, nyne^ thiine (letztere scheinen declinier- 
bar); dann sehr schlicht fortgefahren thiin - ita {VV)^ thiine" 
tva (12), thiine - tria (13), wodurch es möglich wurde trei- 
thyen^ furd^i - thien u. s. w. für 30, 40 u. s. w. zu verwen- 
den, für 20 hätten sie stega gesetzt: ein bekanntes wort; 
eben weil sie nicht tigus, tigjus gebildet oder bewahrt zu 
haben scheinen, dafs sie für 100 das allgemeine asiatische 
sadüj sata und für 1000 das persisch armenisch kurdische 
hasar gebraucht haben sollen, gewiss aus ihrer mischung mit 
den Tataren, spricht gerade für die glaubwürdigkeit der bus- 
beckischen nachrichten, die überhaupt gerade in der bunten 
mischung des scheiiibar neuesten wie ältesten uns am mei- 
sten zu einer gewissen anerkenn ung drängen, während dem 
täusch ung beabsichtigenden Niederländer wahrscheinlich ent- 
schiedeneres gepräge seiner mundart entschlüpft oder dem 



* 



)•. 



364 GOTTHICA MINORA. 

heimkehrenden es leicht geworden wäre, sei es in Werden, 
sei CS in Prag seinem gebilde bestimmter das biid des hand- 
schriftlich gothischen an wurzellauten, beugungen u. s. w. 
aufzuprägen ^. 

39. Zwar haben uns alle späteren reisen, so wie die 
nachforschungen für das grofse Wörterbuch der Katharina 
keine weitere künde gebracht über solche krimmische Gothen. 
diefs aber spricht keineswegs gegen Busbeck, schon damals 
(man gedenke K. Gesners erzählung vom tode der beiden 
letzten edeln brüder, §. 10) war der Jahrhunderte lang ver- 
letzte stamm im erlöschen, aus der überaus fruchtbaren ebene 
mehr und mehr zu den bergen hinaufgetrieben (§. 10) gleich 
den Deutschen in den Sette und Tredici communi ^, konnten 
sie dem andränge der Jahrhunderte, am wenigsten zuletzt 
russischer cultur widerstehen, welche früher und nament- 
lich 1784, als die Krimm entschieden russisch wurde, unter 
Potemkin nicht allzu säuberlich verfuhr^. 

1 . wie bescheiden and besonnen klingt dagegen Bosbecks scblafsor- 
theil. hi Gothi an Saxones sint^ non possutn d(/udicare, $i SaxontM, 
arhitror eos deductos tempore Caroii Magni^ qui eam gentem per »a- 
rias orbis tei*rarum regiones dissipavit, cui rei testimonio sunt ur- 
bes Transsilvaniae hodieque Saxonibui incolis habitatae. atque ex iis 

feroeissimot fortasse longius etiam summoveri plaeuit in Taurieofn 
usque Chersonesum^ ubi quidem tnter hottet reb'gionem adhue re#tf- 
nent ehrist ianam. quod si Gothi sunt (wie schnell haben neuere die 
Gotscheer herbeicitiert! ), arbitror jam oUm eas tibi sedet iemuiue 
Getis proximas, nee erraturum fortaste ^ qui tentiat mtyorem 
partem ejus intervalliy quod est inter Gothiam insuiam et Prth- 
copianij quam hodie vocant, a Gothis aliquando insessam, hine di- 
versa Gothorum^ H^eslgothorum et Ostrogothorum nomina; hine 
peragratus orbis victoriis et seminarium ingens barbaiHcae multitudimis. 

2. Schmeliers abhandlang. 

3. sonderbares Schicksal, dafs gerade an Rassland neaerdings ein 
gothisches falsnm, das am ein Wiener adelsdiplom oder wappenbrief, von 
fast ergötzlichem gatachten in betreff möglieher echtheit begleitet, ge- 
schmiedet and schon 1806 öffentlich (n. liter. auzeiger u* 1, s. 8 — 10. 
2,17 — 31. 3,33 — 41. 4,49 — 52) besprochen war, Tiir angeh;iire 
summen angeboten worden ist, nachdem es an MUnchener instituten 
glücklich vorübergieng. etwas edler begründet war die abkunft der gra- 
Ten Tocco von Kephalonien vom gothenkönig Totila, wie nach Volaterra- 
nus bei Du Gange Uistoire de Constantinople (1657) bl. 283 eraihlt 
wird. 



GOTTHICA MINORA. 365 

40. Das Wörterbuch der Katharina ist nichts als tu- 
multuarische häufung; dafs aber die reisebescbreibungen ei- 
nes Pallas, Engelhard und Parrot, Strahlenberg, Gülden- 
städt, Reineggs u. s. w. ^ nichts von etwaigen resten deut- 
scher bergbewohner sagen, ist nicht zu verwundern: ihre 
aufmerksamkeit war zwar den sitten, selten den sprachen 
zugewendet; ja die meisten reisen sind in dieser beziehnng 
schwach zu nennen, fast komisch redet Pallas (2, 222) 
von 'zum theil golhisch verzierten gebänden in der festung 
Soldaya' und von Mankup weifs er (s. 125) nur noch zu 
sagen *aus dieser beschreibung ersieht man, dafs der Ur- 
sprung nicht eben in ein gar zu hohes alterthum zu setzen 
sei. um so viel mehr ist zu bewundern, dafs man nicht 
mehr von ihrer geschieh le und ihrem Schicksale weifs. noch 
kurz vor der besitznehmung der Krym durch Russland, sol- 
len daselbst sowohl Tataren als Juden' (niemand weiter?) 
'gewohnt haben, jetzt (1800) aber haben auch die Juden ih- 
sen wohnplatz verlafsen und der ort steht völlig leer.' nicht 
unerwähnt darf hier aber bleiben, dafs auf den alten karten 
der Krimm stets Castella Judaeorum erscheinen, die Bii- 
sching schon auf jene Gothen (Guthen?) deutete, der Fran- 
zose d^Anville aber machte daraus ohne anstand chdteau^ 
des Juifs, 

41. Aber wir haben es noch mit einem liedesanfiinge 
bei Busbeck zu thun (§. 26). von alliteration keine spur 
(man müste denn gtra und galisu dafür nehmen wollen); 
eher vom reime, oder gar vier hebungen. in galisu könnte 
auch wieder die vorsilbe ga liegen, ob im u des wertes 
ingdolou (wie vorher cadariou) declinationskennzeichen oder 
das fragende -i/? oder galigis thu, galeikis thu? dorbiza 
könnte als comparalivus zu tharbs (egenus: Mark. 10, 21. 
Joh. 12, 5) sich geltend machen, und vielleicht möchte je- 
mand in hwfnisciep einen haimisk (ana) hldip erblicken, 
oder ein anderer lieber in Ingdolou^ Grimms Ing. was 

1. vcrgl. Foytiget dang leg gouvememeng meridion, de Cempire 
de ta Rusgie 2y 396 — 397; aach Demidoff im joarn. des debals vom 23 
merz 1838. 

2. die ausgäbe MÜDchen, 1620 hat Ingdoloig, 






.sw GOirnrcA minora. 

ist aber «fara, warn'.' schwerlich die späteren impemtive 
-a; oder isl es hrar? 

42. Doch wir wollen nicht gmmmalisch herumlastenr 
wo andere schon kiibaeres gewagt haben; möge man nun 
dabei zur gotbiscben aaslegang Knitlels' oder zur schwedi- 
schen Joh, Pcringskiolds " oder mit Grüter im Bragur' haltpu. 
uns aber leitet dieses ^otbische gedieht unwillkürlich auTcin 
anderes Vot^mov über, das sich diesen namen seit längerer 
zeit envorbcn bat. 



I 



4 

TO rOTBIKOy. 



der vo^TT^^^ 



1. Kaiser Conslanlinus Porphyrogennetus, deir 
— 94-i regierte (959 starb er, 54 jähre altj, bat uns in sei- 
nem buche De Cereinonih aiilae by^antinae (fcucb 3, cap. 83J 
einen sonderbaren Weihnacht sgesang aafiievahrt, weleber da.s 
gotfaischc spiel Cio' roi&i*ov) genannt Worden sei. 

In den zwölf nachten von weilmachten bis Epiphanias 
{SmSt%ari^eqov) wurden am kaiserlichen hofe zu Byzanz 
feste und schmause gehalten, welche i% t&ovQ xXfjTUQia tijs 
ifmisMatjfiiQov Justinian (nach Cedrenus) nicht feierte, 
die Stadt verwüstet war. 

2. Wahrend der kaiser mit seinen grorsen an ni 
zehn tischen zur tafel safs, traten schaukämpfer in zwi 
schaaren ein, welche einen wafTentanz mit gesang in ihrer 
niultersprache auClührten. Bach Codtnus (oflic. s. 90 n. 12,i 
waren es liieBa'pa/'/oi (Waräger), welche TtaTti t^v y}-iöoaav 
«iVtÜi' ^yovv iyxXtorl (anglice) dem kaiser viele Jahre 
wünschten*, wie nach ihnen die Bordarioten naiä Tt)v mi- 

1. ciiil. Csrol. s. 132. ZlAn C^il- »■ 10- Adelung n. t. w. 

( TÜiVSonci DKch Ir>. Cochlsus, s. 3i7. vfil. 
, J. Strenui EngUih and Sutäisk Dictioa. NylLupins 1757. 21b «nll. 

3. Graten Br*r"' >' >M- 3- 3''- 

4. fatna t^oyrai (wiltr«nil der Infel) uiü no^oxpov^ove»' «i ot 
oi'TOi fiähooi- airüy ^ow lyvltotl 




4 



%ä 



p11" 

l 



COTTHICA MDiORA. 367 ^ 

%giov wxl avjüv if'iovi;v ijvot negtjiari '. jenes gaütmahl, 
ihgt CnnstaDtiniis der purpurgebome, tiabe traubenmahl, t^v- 
f^tixov, geheifsen. 
•' 3. SthwerütL hui aus dJesem worle i-qv - j'i^tixöv das 

ichauspicl den namen Voidixäv davon gelragen; \'ielmi>hr 
wir hier gewiss oincm älteren, wiirklkh von Aen 
Lhiscbeti garden vererbten jnlbraHche, einer trünmier der 
neben dem Hijipodromus aufgrlTihrren sebauslücke. obne dafs 
wir dem uns leider nur in einer liandschrlft aofbewahrten 
sehr verdcrfilen lexte - je melir etwfia werden abgewinnen 
ItHnnen, eis etwa einzelue ankliinge, zu deuen das beim an- 
schlag an die sehilde fmau erinnert sich an Tauitus Germa- 
nia und Plutareb im Marius ') issgeslorseoe 7V//, Till, das . 
vielleicht Jut, Jiit (HniA) allnied. Jof, angcls. Geola heirsen 
sollte; so wie das von den anliihrern der einen fenmprscbaar, 
weiche stots dl rör&ot hcilsen , diesen stets zugerufene 
äfinaaTw, Tieiicichl andlinlifiU, ambahtös oder TCrhal find- 
balhjos, andbahljata, anifhatbjüith lieiPsen U'nnte. 

4. Bcachtenswertb aber ist jedenfalls die folge der ge- 
saogesgeselze nach dem übe (freilicb dem griecblschen hier) 
das nach den alten runensprüchen schmeckt, dieses gedieht 
selbst, ein grufs und preis des kaiscrs, griechisch, mit wie- 
der zwischeiigeworfenen 8. g. gotbisclicii- klumpen, gibt nur 
^<6 buchstiibcn A . B .T .J, dann E . Z . H . 0, wo- 

' leh J . K . yt . M — N . Z . O . II — P . ^ . T .r 
itets vier) nur angedeutet werden, und endlich den schliira 
X . y . J2 zum besten. 

Voraus aber gehen die seltsamsten kliinge, td Tot^v- 
KU — ein sprnch (liyovatv to olxtlor ftikog), den sie mit 
Ären psnduren (einer apt tiiia nach dem Chronicon Alexan- 



I. 






■ fffhti-r, 






ToJllJpoi'lt^OwOl, tiiiXio'" 



amKer nbdruck, mit RFiskes «BmerkuBBPfi in Bonn bei Weber, 

SinUanlini Porphyrvgeniti imperalorit de etrimom'ii aiilae Bi/tan- 

llbri diio, gratet et (atina r receniivne Jo. Jac. RBitk'i. 

Tacitus Grrmama 11 fivmeiii convuNitnl. honorafiitiBittm oi- 
gtnui Bit armü laudor». Ptnlirrh Mirin« W. xeoioviK ("l"»^ 

■o) ^v»ii<f tA Örtin bbI oi'va>.i6u!roi fiärrK nii«. 



370 GOTTHICA HINORA. 

layf^v, Ol filv €00) toif xvnXoiv UTiomluofiavoi, ol ih ihi^&%y 

%ut, 'Aal yavarvat ilg tovq ifiovg vofiot/ff^ oi fthiß %mv Bevi- 
Twv eis Vfl2 uQtaT€Q<if oi i^h tiop Ilgaaivwr eie w ifcficj ^fi- 
Ta xa2 Twr ittQViV Si;/Lio%(ar, xal Xf/€Vüi¥ äfjtipia ^ %d JTov* 
^fxa» ä'fivd cht vavra^ StjXovoji, nal Tmp nariovQm¥ ro 
oinelov jiulos dnonX^jQovy^ay* 

Fav^ag' ßopag' ßtjxtjdiag' uyia' yavdiPT€Q' ihttj- 

ßopideg • ivxBQTvg ' ayea ' ßwa ' ©pa ' rovrov '. 

ßdvreg' ßova ccfWQs' iTitaxvavreg' i^saaXßdrovg' 

vavd' Siovg' Siovg' aeßaxißa' vavd' devfiovo- 

YvyyvßeXe' yvßiXovg' yvßtXuQeg' vavd' yvßiXovQ' 

yvßdXaQsg' vavd' tov yeydefia' öi rovXßeXe' 

vixdroi TOvXio * vava • 

'ECsHiag iv folg noXifioig Xtt&onXiau^BVog *Aaovgloig' 

dvavd ^ * T17V iXniia xal fxovr^v iymv Osov rov gaXavd'Qm- 

7I0V • vavd ' ndvra vnitaUv i&vTj xal d&itav Tiy v %vgaV' 

vtda' dyia' 6 giot^q, dya&ol deanorai' vavd' mrva 

iy&Qov aag dovXdaei n^ %(iv nodiv adg. 

i߀Q* i߀Qi€/i* rov iyyBQova* yegyeQi&g^* vavd' 
öixadiaae rceQirovQag* 
xal €l&* ovto}g XiyovGiv ol fiatartageg furd xal tSv d^/im- 
Twv 10 dXffaßfjTdqtov' 
^Avavd^ 
'^Jfjjfrjrip ©€QV naXd/Liy iaU(p&?;Te, JcotvqV«, ovga- 

vid'ev» 
Bgaßtlov vixTjg tStp&tirc, xotxfiono&^Oi cvcgyeiat. 
Fewatoi w(f)&7^£ rotg ivavTioig, 
Jwgov/iBvoi Toig *Po}fAaloig ^mtjtpoQovg evegyioiag- 
Kai eJ^' ovf»g ndXiv Xiyovaiv ol /aa^tafmgfg ' 
dyiag ra • dvare dviirave* 

EvtoXai oag vnig va onXa tajivovüi %a% i^^^nv 
dndv%(avj 

1. qui ejD ambabuM parübti* Goih0§- rfferunt 

2. ToifX TovX wieder? 

3. Hciychias tel U«r«4^a (nMajpj xo^'^^ gmiia mwitipUx) als 
fremdet wort. 



I 



i;OTTHICA AONORA. 369 

ftttioTW^ juera xal öklymv dij/toräv xai Tiäv nixv- 
mv^imäv fura %äv naväovQoty, xal äniudsv avtov oi 6'vo 
JTÖt&oi fOQOVVree yovvag ' t% dvviaiqöipov xal ngogana*' 

lovrägia, iv Si vg Seti^ ßiQyia ^. 

X)/ioim£ xat iv tw dsim fiigsi, iv w xal 6 ÖgovyyaQtoe 
%^e ßiyXtis * naglaruTat, iaTUTat o lov fitQovg tüp ffQttai- 
vtäV fttt'iiniag /JATR Kai öXi'yoiv Si}/40vtäv fnid xul räv nuv- 
SavQitnmv ftezd tmv nuvSovQtnv, nai onca&sv awov oi äi'u 
roT&ot fOQovvres yoi'vus iS dvtioTQÖipov xa\ nQoeaTtu.Sta- 
(pö^uiv eiSimv, j^aoTa'foi'TGg iv filv t^ dgia^BQ« x'iQi 
OKOvrägitt, iv 3i t^ ücliü ßepyla. 

Kai 3i^ /(BTK ttjv Tov (iipaiQoäQofti'ov ' i'So^ov, 10V ätonö- ' 
tov xeXtVovzos töv T^e TQaniSfiS lovtovs tiedyiadai, tvSv.:'^' 
Ö^ICet o tije TQaniSf;s tij> apj;ov«* v^s ßv/iiXr,s, ttai mköii 
Hegj/oftevos ngoT^iweiai -coviovs ciseX&tiv. oi ii xpf'^oy- 
wtB «ai TU oxovtägta vnö iiäv in uitüv ßaaza^oftivotv 
ftegyiav tvnvovves »ai mvnov uTioteXovvjtg, Xiyovaiv 
lovX 9ovX *. xal %ovro avvsx'"S Xeyovttg dvi^yovtai 
nXf]üiov T^e ßaatXtxfje tganiC^St ws «no öXiyou itaQtf'ifia- 
äxilQB fiiyvv/ievot üfKpÜTfQoi aoiiüai xvkXo^sq^ naga- 



I Drun^at-ii UDSlegnng des Esoias vor. — Seoiy/o!, eahtiri, ealerve, wat 
I •elbal ins lotiHn übergTeDf {pmnium gentium diitngot ufgue ad quin- 
I fuagenoi hotninei ante Iriumphum dumit sagt Vopiieui la Proliu» Ifi), 
1 llt aielier kein gricnbiicbrs wart (troU dem dars Casaulianiii ilch lieiuiiltl, 
n ^i'n^ar, rottrum abiulelteo), viel eher germaaUrh, irvnge (eatm-- 
, gedrXnKter btofe, pbalani), womit ab^r drai'iktt nichl lasammrn 
[ Ungt. — Cbrysnitomns ia einvm bricfe an eiae diakuaissu UfB^iai 
I (Hontraacoa 3, S36) gcbraocht das wort selbsl vno laüiicben , SfoSyyo, 
t futvayaycoiv, — vcrgl, übrigcas Du Cnnp^ glosiarium tceipt. med. el 
T Ai^DT. graeeilalii. 

. yoi'yae, yoirSa, yaivMr, vtitrit pelUeeai yoovA^tot, fowa 
friS.aXvT derselben, yovrä^ta Ihr veritaarsnrl. s. Liodeabrai; i 
Mni'e. (. 125 und Du Caagr. 
I 2. Tcönujro d. i. «rposortur«, lan>ae. persona- 
3. virgai. 
etgitiarum, 

wu Dian lu rm» don ball Mcb (daa ixTiiüi^he rioKaf>an}g»y), 
Cange. 

S. aUo das jalklapfnaT lieh SofanellPra bairiiekr! 
3lil.3fl2 ond 2, 12. 

z. F. D. A. I. a 



ipij« 



370 GOTTHICA HINORA. 

TayiiV, Ol fikv eata fov nvnXov u7iox)^9iOfuvoi, ol ik iim&€¥ 
7i€QiHVüXovv%€g. xal %ov%o ^QiaawQ noiov^free iiayjofll^or- 
tut, Kai lovavTat lig tovq tiiovg vonot/f, 6i fik¥ %mv Bevi- 
Twv eis va ugtoTiQ<if ol äi %üp UQaaivwy eie vd i^hd fkt" 
T(x xo2 Tcür i%iQViV 8t;fxozüv, %a\ Xf/€Vüi¥ äfjtipia ^ %d JTov- 
^fxa» äfwd clai lavra^ St^Xovoji, xal TmP nariovQmv rd 
otneiov jiUlos dnonXijQovy^ay^ 

FavSciQ' ßopag' ßtjxtjdiccg' äym' yavditrBQ' iXnfj- 

ßoPideg' ivxeQTvg* ayta' ßova* wga* rovrov^. 

ßdvreg* ßova d^oqe' imaKvavTeg' idaaaXßdrovg* 

vavu' Siovg' deovg' oeßaxißa' vavd' devfiovo- 

yvyyvßeXe' yvßiXovg' yvßtXaqeg' vavd' yvßiXovg' 

yvßeXuQsg' vavd' tov yaydefia' öi rovXßeXe' 

vixdroi TOvXio * vccpa • 

d 'EC^uias Iv folg noXifioig na&onXtodfuvog *Aaavgloiß' 

dvavd^' T71V iXniia xal juovrjv eyav Osov rov gfiXav&Qm- 

nov vavd' nuvra vnitaiev i&vfj xal d&^iav tijy tv^p^ 

vida* äyia* 6 a&^z^g, dya&ol deanorai' vavd* ndwra 

iyd-Qov aas dovXdae$ n^ %mv nodmv adg. 

//?«(>• i߀Qi€fi* rov iyyegova' yiQy€Qs{k(f^' vavd* 
Cixadiaoe 7t€Q€T0VQ€g' 
nai €7&* ovtotg Xiyovatv ol /nataT(OQeg futd nal tSp ^ijfim- 
TÖiv 10 dXtpaßfjrdQiov' 
*Avavd% 
'ArfX%ri%ip 0€OV naldfifj iaU(p&7jTe, dtanwei ovfa- 

Bgaßttov vinr^g iStp&rjre, xofffionoSijTOi evegyhai. 
revva7oi mtp&r^te roig ivavrioig. 
JwQov/iBvot Tols *P(afAaloig ^coTjtpoQovg evcQyioiag- 
Kai eJ^' ovf»g ndXiv Xiyovatv oi /laÄivoo^cf ' 
dyiccg ra • dvccre dvirave* 
*EvToXai aag vnlq to onXa tayvovai %a% i][&Qwp 
diidvTmvj 

1. qui ejD mnbabHM parühis Goih0§- rrferunt, 

2. Tovk TovX wieder? 

9. Htiyokias hA ^Amm^iM (nMttipi tuQt^^ gmiia wkmltipiMx) als 

fremdef wort. 



■^ • 



Zw'ij ^PmfAaimv ua\ nXovTos, dXXoqfVXmv naicinTmaig 

HvQi&^ve Telxos '^ijs noXiTeiag. 

Gsog fl^i Sd(a)i6V nXdäovg avpofiod'govag, evsQyß^a. 

xal fierd rama Xij^orteg ol fiaiariuQeg ngog totjg FoT&ovg 
afATcaaTm, dsd ve^üfM^og rdv axn£v fxa'iotwQmy nv- 
xXevovGip ol r6T&ü$9 9Cal valg ßegyaig rd oKOWagia w- 
movTeg nal XeyoPtiß TOi)X vovX, neginXelovatv irdo&ev 
Tovg TÜv ivo /ii9(fw$f /nai'GTODQcigy xal ndXiv dnoywQi^o/Ufevoi 
ioiavTai dg rovg oixeiovg lonovgy xal a^^^o^vae ndXiv Xi- 
yeiv ol fAatoTtüQeg • 

X • • • • J^ • • • • ^jL • • • • xKC • • • • 

xal ndXiv ^%Xü%ai^ nad-ig ngosigf^Tat, nal X'^Q^ofiivtav 
%Hv r6%d-(ov xal elg rovg tdiovg %6novg iarafiirmr Xiyov^ 
Giv ol /UratoTmQeg ' 

M ^ o n 

xal ndXiv teXeltaiy xa&oog fiQoelgfjTait xal /^(ogiCo/iiv(ov 
Tciüv roT&wv xal dg xovg Idiovg %6novg loTaftiviov Xiyovatv 
ol fm'toTiüQtg* 

xal ndXiv reXelratj xadrog ngoelQTjraif nal x^iQKofUrap 
%mv FoT&wv xal lara/nivmr dg %ovg Idiovg %6nQVg, Xiyov^ 
niv ol /Urai'GTtüQeg' 

^mg dvixeiXev tV t«5 xpaVei i^Xlov dixrjv al dgsTal oag- 
XgiGTog Gvveoiw ixdGtta neQtinwv rdg xoQV<jpdg oag, 
'^FfjtplaiAaTi avrmv xvQisvovrsg, 
IfZf xvQtoi xal d^onoTai tdü^ negdTwr vijg iiovGtag. 

Kai fievd rijv ovfinX^QWGtv tov dXtpaßfjTaQiov Xiyovoiv' 
noXviQoviov notijG€i d Oeog TiyV dyiap ßaGiXsiav oag. 

ol Sh FoT&ot TvnrovTeg /ubsfa tcJJv ßegyrnv vd axovxagia 
xal XeyovTsg owsyßg ToiX tovX, rgi^ovreg H^qx^^^^^» 
ol filv rmv BeveTwv dnd %oi dgiGTcgov fiigovgy ol dh rmv 
IlqaaivfüV dnd %ov di^iov, 

7. Hiernach folgen die beiden Wörterverzeichnisse, die 
wir zur befseren vergleichung gegenüberstellen. 

24* 



S72 



GOTTHICA MINORA. 



a. 



b. 



ado/LiivioV' 

ßovaQ, uaXaL 
ßinfidag, yenovtlat. 



«r.» 



yavdivree. %al^6a^s. 
iXvtrjßoviBe^. n^oSxaXovfitvoi, 

ivniQTvs. äyojvi^ofievot, 

ßova ctf^a. Mokif w^a. 

rav a, 

yvßiXovS, x^avyt] vtai it^axnjS. 

yvßikages. tt^avya^ovrss, 

yv ßiXaQtS. fpwvoßoXovvTei, 

vava. Bee See tj Oeov Oeov. 

Tov ysydcfia, *J avaroX^S ^ rov, tw. 'Jhafi, 



EffQa ig/tAfjvia %äv nQ0€i(i9j' 

ßovaQ. xal tutXos. 'Pw/i, 
ßifcif, TexyiTtjt. 'Eß^tu. 

ayia, ipiXaire, 'PvifA. 
yav^evT€9. t« ivTr^erri/. 'Pviit. 
iX, Sef, 'Eß^at, 
Sia, yvüi'&i. *EßQai, 
iv xlQitvs. Mal aaipaXiwf, 'Pw/u. 
w^a, (fios, 'Eß^üu, 
ßova. TO naXov, *Pwn . 
ßfjXov^, rov 8inß6Xov. 'Eß^ai. 
atXaqti. xiov TTverfiaTon'. 'Pojn. 



Si rovXßeXf, aya-d^os 6 Beoi, 
vmaro rovXSo. vtnarta 6 ßeoi. 



xovxoßavT t9. oaXirlZotTef. 

ßova afioQe, niaXTjv ayaatrjv. 
ayia intanv avrsi. tiriyvoiVTti, 



tS eaaXßarovQ. ow^ofifvot. 

SiovS ^ dfovs. ßeot , Bto^. 

vava, 

otßaMißa. iavroifi evaxoXovvTBS, 

d efiovoyvyyv ßeXB. ^onwi» 

6 BtoQ, i 9909. navBvidtiii 
«Qav)'f}. 



yiyde fia. 6 lAaqyaffirrjQ, 'Pwfi . 
SbvovX, i^aXtifpov, 'Eßqai, 
vmaro. vunatw, *EiX>jv. 
TovXSo, ^ Tpotp^ rtiv aT(^tvfiib» 

TWV, *P0}fl, 

ßavTt^. iX-&i. 'Pwfi. 
Tov Tov, av av, *JPia/i. 
afioffs, ae ayanvi, *Potft, 
inianv. ianreg avlX&. 'Eßgai. 
avriQ. tU tfjv nf^wTtjv. *Eßqai . 
IBi* d'noqovfilvtjv. *Pi»fi. 
oaXßarov e. evna&uav. 'Eß^i . 
vava, owoov 9^ awaov, 'Eß^ni. 
S iov9, Sdove. Bei, d'ti, *Pini» . 

üBßa. ua&taov. 'Eßffot, 
Kißa, Ctfff noi^eyirov, 'Eßqat, 
daiftov, aiotna, 'Eßgai, 
vava. awaov Sij awaov. 'Eß^ai. 
oyvv, CfC To ßa^ad'Qov, 'Eß^eu, 
ßiXi. aarava. tov aaraviv. 
'Eßpat. 



GOTTHiCA MINOIIA. SIS 

zov lyyMff, 

ova, 

Ye^yeQe&(fw. 

vava, 

amadiaos, ptnovi» miora /uov. 'ßßffm. 



DIETRICHS VON BERN GRABMAL ZU RAVBNNA. 

1. Sehr firäh schon mag der ausdrack golhisch für jedes 
߀KU9aikfir99 gegolten haben, wie später in WelseUand 
fotico für jedes gesehnörkel herhalten muste nnd noch heuti- 
ges tages alles scheinalte gothisch heirst und namentlich die 
Franzosen mit ihrem gotkique schnell bei der band sind. 

2. Wir wollen den von Da Gange beigebrachten, mit 
dem geschilderten weihnachtsbranch leicht zusammenhängen- 
den aussprach des 7n Jahrhunderts, mUlus in catendü la^ 
nuariis nefanda et ridieulosa, vetultis, mti eennda^, mti iot- 
ticasfaciat^ nicht geltend machen, sondern springen gleich 
zu jenem leichtwiegenden gebrauche des wertes in den späte- 
ren Jahrhunderten aber, wie er in Italien, Frankreich und 
selbst Deatschland noch heate wenigstens alles bezeichnen 
mufs, was nicht geradezu lateinisch oder griechisch genannt 
werden kann, wie es z. b. im Münchener cod. germ. 538 
(vom 15n Jahrhundert), den Franz Aloys Loder, hoftuch- 
binder von Berchlesgaden 1773 ergänzte, heilst Die Alte 
Legendt, od: das Leben, Leiden und Todt deren lieben 
Heiligen Gotts beyderle]r Geschlechts, wie solches zum Er- 
stenmahl dem teütsch- gottischen Druck übergeben worden 
von Wort zu Wort gleichlautend Geschrieben in Wagraim 
im Salzburgischen Landpfleggericht.* 

i. sieh viia 9. EiegÜ voa Aodoenat Rotomag. 9, IS hti d'Aftlie- 
ry {spieiieg.), Dv Cans« (ghss^r.)^ Gruma (nytM. xxix). 



374 GOTTBIGA MINORA. 

3. Diese redeweise verdächtigt auch solche fälle, die, 
wie der folgende, uns gerade für gothisches sprachalterthum 
von höchster Wichtigkeit sein würden. Girolamo Faber schil- 
dert uns 1664 das grabmal Theodorichs des grofsen zu Ra- 
venna, dem glanzsitze der gothischen macht und kirche, und 
behauptet, dafs an innen stehenden figuren der zwölf apostei 
lettere gotiche zu lesen wären. 

4. Das denkmal, eine achteckige kirche (baptisterium), 
von 25 fufs durchmefser^ trägt eine runde kuppel, die aus 
einem einzigen steine von 114 römischen füfsen umfange be- 
steht : yn solo marmo assai duro e che per quanto mostra sif- 
masi siß granito ^ e questa dalla parte stia interiare i concaua e 
fatta in cubo sagt Faber ^ und fährt fort, un si gran sassoy 

il quäle dt larghe^ssa arrha a died brachia^ e a due di gros^ 
sexxa si che il diametro dell orlo di essa appogiato sopra i 
muri della chiesa^ come si puo cornprendere dall area inte* 
riore, il cui diametro d di piedi venticinque e dalla grossexza 
della muraglia, conuien che sia trenta^cinquc piedi al meno 
d forse piu^; che pero intomo la detta cuppola oltre il sito, 
che occupano Faltare, e la porta, venti persone assai co- 
modamente vi sedono, dalla parte dißtori vedonsi dodeci basi 

1, Dach Franeito. Seotu»^ Itinerario tTItalia. Rom, 16^t •• 186. 
die kirche heifst S. Maria rotouda ; sie steht aufser der Stadt am ufer 
des flarses Montove. die kirche ist abgebildet in Ciampini opere tnusieo 
pag. 4. lab. ?. fig. 7 und pag. 66 und bei Peringskiuld nta Theoderiei 
regi's Ostrogothorum et Italiae autore J, Cochlaeo. Stockholm, 1699. 4. 
pag. 298. 

%, in »einer später (1678 zu Bologna) crschieaeoen Havenna ricer^ 
cata overo Compendio Istorico delf Antioa Citta di Raverma sagt er 
s. 80, un solo pezzo di Macigno, 

3. eben so Scottus s. 189, ^un soio satso intiero^ e molto duroy 
roneauo di dentro, 

4. in seiner Raveuna ricereaia sagt er, per fuale misurmio euU- 
tamente si troua auere nelia parte sua interkhre polmi romami fwk 
ranl' uno, e mezio di diametro^ e per il dißiori pahtU ^uarmnf otto 
e tre quarti, non compressi mteo le piedestalU o ansB^ ehi visono d^in- 
torno, e la grossezxa iua presente essere tU paimi quattro e tnezto, 
come si comprende da un /aro, ehe vi e nei mezzo iargo quanto Ha 
la moneta di un teetone, dieses loch (wo der stein an 13 fufs dicke hat) 
bringt liohl in die kirohe. Scottus t. 189, nel mezzo del quaU (sasso) 
e'l foramey cK iihimina la ehuea. 



GOTTHIGA MflVORA. ST« 

scauatc nel medesmo sasso^ ehe se stentatiano mUicamenie ie 
dodeci statue degli apostoli, i nomi de quali in ognuna di 
esse a lettere gotiche leggonsi intagliati. 

5. Dasselbe wiederholt er 1678 in seiner Ravenna rv- 
cercata (s. 180), mcdesimo sasso, sü le quali (basi) anticth 
mente stauano coUocate altretanto statue degli apostoli, come 
si congeltura da nomi loco scolpati ä lettere gotiche sotta tU* 
cuni dl dette basi, 

6. So viel werth es für ans iiätte, bildsäulen mit go- 
ihischen namensunterschriften, vielleicht also auch von go- 
thischen blldhauern gearbeitet ^ zu wifsen , so unwahr- 
scheinlich wäre es doch in Jeder beziehung gewesen, 
aber es ist auch nicht wahr, es findet sich (wie professor 
GöttUng noch 1840 wieder untersuchte) durchaus nichts von 
Schrift an dem denkmale S wohl aber ist das monogrammTheo*- 
dorichs, welches dr Ernst Förster (s. sein handbuch für 
reisende in Italien. München, 1840« 8. s. 537) vergebliob 
an den säulen auf dem markte sachte, obschon es auch Ger- 
hard in seiner reise anführte , ganz deutlich an ihrem kapitale 
zu sehen. 

7. Wir können nicht umhin, hier die stelle Prooops 
(Gotth. 1) anzureihen, worin er eine bildsäule Theodorichs 
zu Neapel schildert: 

Stabat in foro Neapoli Theuderichi Gothorum ptincipis 
effigies eo) calculis minimis sed omni colorum genere variis 
composita. hujus statuae Caput quondam delapsum est vivente 
Theadericho, sponte dissoluta lapillorum compagei statim 
insecuta est mors Theuderichi. octo post annis subito dif- 
ßuxere qui ventrem corfformabant lapilli: vitamque finiit 
Atalarichus ex Theuderici natus ßlia. nee ita multo post 
dccidunt et quibus genitalia effingebantur : simulque morta- 
lilatcm eooplet Amalasuntha Theuderici ßlia. haec quidem 

1. oben auf der kuppcl stand einst der römische porphyrsarg Theo» 
dorichs, den Amalasuintha ihm stiftete. Soldaten Ludwigs 12 raubten sei- 
neo decket, den kanonen herunter gesehorsen hatten, der sarg selbst ist 
gerettet and an der mauer der kirche S. ApolÜDare , heiA eingange von 
pallaste Theodorichs eingemauert, wie eine steintafel von 1563 beurkun- 
det, man sehe Scottus s. 189, Faher, Leander Albertos doseriptio S. 
Mnn'ae Rofundae, Peringskiöld (abzrirhnang von Sparvenfeld). 



376 GOrrfllCA MINORA. 

prius venerunt. at cum j am Romam obsedüseni Gothic carru- 
pta sunt ea, quae a femore ad pedes periinebant et sie tota 
ex eo loco statua disparuit, unde sumta conjectura : Romani 
hello superiorem fore Imperatoris ewercitum credidere inter- 
pretati no7i aliud esse Tkeudertcki pedes a Gothorum populo, 
cm is imperavit, idque Ulis non leve ad bonam spem incita- 
mentum fuit. 



6 

Bl>£ G0TH1SCII£ INSCHRII<T IN SPEIER. 

1. Lehmann gibt in seiner Speirer chronik (Frankfurt, 
1612) einen stein in holzschnitt wieder, dem er die worte 
hinzufugt 'Scheint als sey er von den Goten hinderlassen.* 
bietet aber dieser stein gleich von vom herein die Vermu- 
tung, dafs es sich hier um lateinische schriftzüge etwa des 
12n 13n Jahrhunderts handle, so hat auch getreue abbiidang 
der inschrift (der stein ist jetzt im Speirer antiquarium auf- 
bewahrt), welche mir professor K. Zeufs besorgte, genau 
vom inhalte in kenntnis gesetzt. 

2. Die gemeinde des nahen Mutterstadt (so schreibt 
sichs jetzt) hat wahrscheinlich an der ummaurung des domes 
nach dem Rheine zu mitgeholfen und einen theil der dorti- 
gen mauern und zinnen aufgeführt^; so dafs der text der 
inschrift, deren nmrSnder jetzt glatt umhauen sind, demge^ 
mäfs lautet 

MVDERST. I AT . PINnAS . S (I) | 
BI . QVINAS . ueu I dICAT . ISTAS. 

3. Die Schrift enthält, wie zweierlei e (E.6), so auch 
dicht neben einander zweierlei n (N . Ii), wie eine ähnliche 
dominschrift AXnO INCARN . DOM. 1189 bietet. 

Schwerlich aber ist statt pinnas zu lesen ptneas, ob- 
scbon der verwitterte stein auf ein 6 deuten liefse und das 
Lange / in pineas nicht zu irren brauchte; oder sollte man 
mit gleichem metrischen fehler uineAS lesen? etwa wie im 

1. die Südseite des doiucs enthält noch ähnlirhe insrhrififn mit der 
|;)bnsziih]en 1189. 1262. 1323. 



*i* 



GOTTmCA MDNQRA. «77 

22ii jähre Karis des grorsen ein gewisser Meginher zur 
seelenrettong seines verwandten Mnther fanf morgen laüdes 
dem Lorscher kiosler schenkte >. 4 



GOTHISCHES IN SPANIEN. 

1. 6. Hänel gibt in seinem Catalogus Ubrorum manu- 
9er^tarum (Leipzig, 1830. 4.) nnter den in Spanien n. Portugal 
gemachten catakgansziigen nur zn Lissabon (s. 1032) in der 
handsehrift D. i^ 48 ein ^Iphahetum Gotkicum ei amtiqua» 
notae Romanae ^ an, Yielieicht nicht mehr «nd fester als dat 
Alphabetum gothicumy weiches im Münchener Cod. tat. 357, ' 
(viii) stecken solL wer weiTs, welch rord-tuiv auch hier 
dahinter steckt; TielMeht kein befBeres, als lis aiphabet, 
welches aus Olaus Magnus im Vatican gemalt ist ^. dieses 
ist runisch. 

2. Dahin scheinen übrigens würklich die zeichen «^ 
schlagen, die auf mfinzea faftmden werden, welche während 
der gothenherrschaft in. ftjiwirn geprägt wurden, und die 
Oiaus Wormius in %V JMliratwra danica M^jrunica s. 7t 
aus Sertorius Ursatus Antonius AugustindiHlK^ii del Ve- 
lazquez erzbischof von Taracona, Dialog, (ital. itos^6, 19S)* 
zu seinen zwecken benutzte."^ ^ 

3. Dieselben hier vorkommendei' iclo^ieA il^'Y^^^F» 
führt Bernardo Aldrete in seiner abhagdlung Bit Origen y 
principio de la lengua Castellana (Madrid, 1874)' vor, dem 

1. Frey, bcsclireibans des btlr. RheinkreUes bd. 2, «• 177. versl. 
Nova iubitdia diphmaüca von Würdtwein. S, 262. 273. - 

2. sonderbar, ^afs diese hier wie bei Valcanias vereint ersoheiaäl.' V-^ 
in Madrid verzeichnet er Lege* gothorum und im Bscurial Gotkm9M>'- 
judicia i in Middlehili in England (Hänel s. 884 n. 2495) De ios Godoe 

y de los reges que fueron de su Image, in München befinden sich l^" 
ges de los Godos {Cod. hisp. 6. bl. 71 werden iotgmlos genannt); 
Cod. hisp. 16, bl. 36 handelt von den reges Godos; iB Cod. Frisingl27, 
bl. 30** steht Confessio Gothorum ; in St. Gallen Laudo9 Gothorum. 

3. siehe Skeireins s. xv. 

4. von ihm entnahm und erhielt auch Grnter für seine Inscriptiones 
sehr viel. 



37S GOTTHIGA MINORA. 

Tesoro de In lengua Castellana o espanola von Covarravias 
(der schon 1640 erschien) auf, indem er s. 57 hptst. xviii 
(Con la lengua Laiina vino la letra Romana, y quäl ßie, y 
quando cesso, y de la Gotica) sagt, En las monedas anttguas 
de Espana se hallan algunas con letras no conocidaSy que se 
conjetura hien que sea la letra antigua que se vso en ella 
antes de la venida de los RomanoSy dos pone el doctisslmo 
Don Antonio Angu^tino (dialo, 6.); la vna es de Empurias, 
que iiene eslas letras, parecele que dhe Emporid 6 Emporon 
dNry-^4^ NO- ^'^^ moneda et de Celsa, y iiene estas y 
que discn Celsu (^/\.'4. K) • ^^ suerto que. lo que pusieron 
con letras Latinas per vna parte, escriuieron de la otra con 
Espanolas u. s. w. 

4. Wie gern unterschreibt man Hugs Vermutung in be- 
treff gothischer Sprachdenkmäler, wenn er (einleitung ins 
neue testament 1, 418 aufl. 1) sagt 'solche haben wir am 
ersten aus Spanien zu erwarten; wenigstens hat sich ihr 
ritus in einer kapeile der hauptkirchc zu Toledo durch die 
Vorsorge und durch eine eigene Stiftung des kardinals Franz 
Ximenes vermutlich bis jetzt erhalten ;' und s. 420 'Spanien 
mufs noch denkmale in dieser spräche und schrift besitzen, 
da erst im 11 n Jahrhundert eine Toletanische synode die 
abschaffung der gothischen buchstaben befahl, um dafür die 
fränkische schrift einzuführen'. 

5. Die königl. hof- und Staatsbibliothek zu München 
besitzt einen schönen theodosianischen codex, welcher co- 
dex Alaricianus genannt wird und nach Hänel, der ihn flei- 
fsig. benutzte, zu einer altspanischen familie verwandter Co- 
dices aus dem 6n Jahrhunderte gehören dürfte, er ist ^n 
der seltenen schönen uncial geschrieben, wie mit allen hand- 
schriften dieser zeit auch der silberne codex, proben jener 
handschrift habe ich jüngst der Münchener «gelehrten anzei- 
gen (1840. n. 26) beigegeben. 



GOTTOKA MBHaUi. 3» 

8 

EIN 60THISGHBS EPIGRAMM. 

1. Aber eilen wir nach allen jenen ungothisehen slein«- 
inschriften, des scheingothischen Fov&ixip liochmals nnf 
erinnernd, einem wuridichen epigrammatischen denkmale go* 
ihischer spräche zn, wie solches die lateinische anthologie 
uns unter ihre massen verste<ikt darbietet. 

2. Es steht bei Burmann 5, 161, bei H. Meyer 2, 70, 
n. 1092. ich habe aber durch die gute von Fr. Dübner in 
Paris die beiden dortigen handsohriften (def uncialcodex 
Salmasianus ist aus dem siebenten Jahrhundert) nochmals 
berathen.- darnach heifst dasselbe: 

De conviviü^ barbaris. 

Inter eils^ Goticum^ seapiamatxiiuadrmcan^ 
Non audet^ quüquam dignas educere^ tersusi 
CalUope madido trepidat se jüngere Baccho ', 
Ne pedibus non stet ebria Mt^sa suis. 

3. Jeder erkennt in zeüe 1 gothische laute und klänge: 
der text ist aber sattsam rerdorben. um wie viel aber die 
salmasische handschriftim latein schlechter ist, hat sie, wie 
es scheint, das richtigere im gothischen erhalten, schauen 
wir dieses näher an. der sinn des ganzen kann kein anderer 
sein , als dafs der lateinische dachstubendichter über dem 
lärmen , welchen unter ihm die wiÜen Gothen beim wel- 
schen weine machten, zu keinem gedichte kommen könne, 
dichtkuust (CalUape) fliehe erschrocken vor den hyperboräi- 
schen Bacchussöhnen ^, den trinkeswein (i Trinchesvin), wie 
die Deutschen noch heut zn tage in Romheifsen. 

1. cod. Salmas. eonvims. 

2. cod. 2. cits. 

3. cod. 2, golkioum^ 

4. scapia madria ia drineam, 
3. cod. Salm, audit, 

6. eod. Salm, «dieere versot» 

7. cod. Salm, haceo, 

5. in anderem sinne sagt Hieronymas in seinen quaesi. hebr. (cod. 
Mon. Frising. 99, bl. 40*) $cio qiiendam gog et magog tum da pre 



380 GOTTHICA MINORA. 

4. Diese klage erinnert an die entschuldigung des Si- 
donius Apollinaris (carm. 12), dafs er dem consular Catul- 
linus das von ihm verlange hochzeitscarmen nicht gesendet 
habe, woran der drückende und lärmende einfiufs seiner bar- 
barischen Umgebung schuld sei. Thalia entziehe sich den 
sechsfüfsigen versen, seitdem sie siebenfufsige patronen er- 
blicke, glücklich seien die nasen, denen sie nicht jeden mor- 
gen den hauch ihrer zehnfachen knoblauchgerüche und zwie- 
beln entgegenrülpsten, doch man lese selber. 

Quid me, et si valeam, parare carmen 
Fescenninicolae jubes Dianes^ 
Inter crinigerns situm catervas 
Et Germanica verba sustinentem, 
Laudantem tetrico subinde vultu, . 
Quod Burgundio cantat esculentusj 
Infundens acido comam butyro? 
Vis dicam tibi, quid poema frangat ? 
Ex hoc barbaricis abacta plectris 
Spernit senipedem stylum Thalia, 
Ex quo septipedes videt patronos. 
Felices oculos tuos et aures, 
Feiicemque libet vocare nasvm, 
Cui non allia sordidaeque cepae 
Ructant mane novo decem apparatus. 
Quem non ut vetuütm patris parentem^ 
Nutricisque virum, die nee orto 
Tot tantique petunt simul Gigantes 
Quot vix Alcinoi culina ferret. 
Sed jam Musa tacet tenetque habenas 
Paucis hendecasyllabis jocata, 
Ne quisquam satiram vel hos vocaret. 

5. Aber was thaten die madidi (veindrugl^ans) Go- 
then dem römischen dichterling? unter dem ewigen geschrei 
von eils (denn cits ist doch nichts als verlesenes eiU ; man 

senti loco quam de ietechiel ad gothorum nvper in terra noiira bac- 
chandum hittoriam defith'sse. 



GorrmcA bonora. ^ 

mäste denn qmih lesen wollen, davon in der Skeireibs 46, 
16 quithlöy im althochd. aber geradezu kuiih Torkommt)' 
und von saqfiamatziaiadrincan konnte der fireilich, was 
den wein betri£ft, nächüBme Italiener nichts zn wq^ 
bringen. 

6. Jenes eils, oder da position gedacht werden mufs, 
welche für das welsche dir dem barbarischen h wohl zuzu- 
schreiben sein möchte, kmlss wonach übrigens immer noch 
ein fufsg^ed fehlt, kann nichts anderes sein wollen oder 
sollen, als der uralte geheiligte gemeindeutsche grufs, der 
im angelsächsischen als häl wes >, im althochdeutschen ieä 
wis ^ und selbst im gothischen Neuen Testamente an geeig- 
neter stelle wiederhallt: Mark. 9, 18 (jah dtigunnun göljan 
ma, häilSf thiudan Juddiä!)^ während Job. 12, 13 (und ge- 
wiss auch Mattb. 21, 9) Osanna beibehalten wurde, welches 
wort in den glossen des 12n ISn Jahrhunderts noch^ so aus- 
gelegt wird, Osanna in alterhis linguae significathne trans- 
ire in toto non potest. osi enim salvifica interpretatur, anna 
interjectio deprecantis ^ est quasi dicas, heilo out willen 
ehomo, quasi barbarus dicat, wola herro, heäe, gnddigo^. 
Eckehart erzählt früher in seinem Liber de casibus mo- « 
nasterii S. Galli'', Riga urbanorum eomperta equü poten-- 
Uores praevolant curraeeSf episcopo (Salomon, unter könig 
Konrad) pro porUs canspeeio eUmativo illum caniu sabttantp 
heil, herro, heii, liebo u. s. w. dieses gewünschte heiU 
(ave, salve) hat Notker (16, 10)^ Otfirid (1, 5, 15. 1, 6, 5. 
4, 66, 51. 4, 22,37) oft*, und ffie- mittelhochdeutsche kaiser- 

1. Eltmüllers küst (in Meyers ausgäbe der anthologie 7j s. 70) ist 
nielits ; noch weniger Meemanns (bei Bnniann) Hi», offtf e^fi (ofctf- * , 
ItMfi). — schweiiieh aber dreht aichs um eythut* 

%, hat wes ihujbldet fira tnöder (Thorpef Anaheia anglosax. 
». 181). 

3. Graff, Sprachschatz 4, 298. spiler aoch (nach xeS^) fr6 wit^ 
Mexand. 3428, oder wis ietner smlee unde fr6, Tristan 3162. 

4. Trierer gloisen (Hoffin. •• 19), Gräser Gl. (Cod. fj. 4.). 

5. Trierer gl. schlechter asma eontrqfeetio est, 

6. GriÜE. gl. kmiie gmadig^. 

7. Goldast, Script, rer. ahm, t, 44. 

8. vergl. im zehnten Jahrhundert, Ui in su9iudin§ Latinarum in- 
ierroganiihus Quesiuit nas aliquisf rupemdUur Bona futura i, keii 
unde sälida (st. Galier rhetorik in W. Waekernagels lesebuch 1, \i%). 



382 GOTTffl€A MINORA. 

chronik des 12n Jahrhunderts sa^ noch (1997^9 heil st un- 
sir wirf guoter! das althochdeutsche bildet von diesem zu- 
rufe .das Zeitwort heilasjan, heilezen (salutare) und heil" 
sunga (salutatio), wie das angelsächsische hdlatte^ das schwe- 
dische noch heUa, 

7. Wo anders aber mochte sich dieser faeilswnnsch, die- 
ser angmfs befser eignen, als wann man den kommenden und 
willkommenen den becher des heiles darreicht, und ihm gote 
unde mir wilkomeri ^ zurief, weshalb wie in Deutschland, so 
auch in allen welschen sprachen, jener diesen namen (firanz. 
vilcom, ital. bellicome, span. velicomen) gerade behielt« 

8. Dafs dem eils in unserm epigramme der deutsche 
hauch fehlt, wird auf welschem grund und boden so wenig 
verwundern, wie auf dem tatarischen der Krimm, wo wir ja 
oben (3, 24. 36) ganz demselben iefs (iellsck) begegneten, 
das wie unser eifs ganz genau das s des männlichen ad- 
jectives bewahrt zeigt, während iW i/rwr^ (sanumsit) das -s 
richtig abwarf. 

9. Aber wir schreiten weiter, es begegnet uns zunächst 
scapia: das kann sein skigifja, der schaiTe, Schaffner, kell- 
ncr, sei es von skapan (Ephcs. 3, 9 skapjan^ schaffen, 
schöpfen, oririfacere nnihaurire) sei es vom (dazugehörigen) 
skap, vas, hausinan (dem althochd. scaph, alts. scap)\ 
skapja wäre gebildet wie kasja (fgulus) von kas, ßslya 
(von fiMks)^ gudja (von guth), gavja (von gait) ^ haümja 
(von haüm)^ sviglja (von svigls)^ iiinrja (von timr)^ vardja^ 
vaursivja (neben vaurstva) ^. 

10. Wir hatten somit einen zweiten ausruf, eine anf- 
forderung wie wirthschafl ! kellner ! oder wir müsten, um 
befsere position oder füllung nach dem werte Goticum zu 
erhalten, skapjand lesen wollen, was alsdann heifscn könnte, 

1. grammalik 4, 132. Schmellcri bair. wörtcrback %, &4. 

2. das ablaulswort za skip {navis). 

3. ferner sieht ab nuta (von niutan)y vilvm (vihan), zu den obigen 
auch arbj'a (von arbi), al^vja (vou al^o) ; väiH^4/a (von de'ds), ubil-ldja 
(von täyi), vielleicbl anch frät^af — beiiävfig, wie täinjo (Hecblkorb) 
von ttiins, so ist nach Mdi^^ (^Cmt. 11, 33), von inon, JknU, ein 
flecbtkorb. 



~v 



GorrmcA minora. an 

wie noch, sie schaffen an, begehren, verlangen^; w^ man 

dann vielleicht lesen könnte 

* 

Inter heils gothicumy cum skapjand .... 
doch würde schwerlich der spröde Römer so in seiner mat* 
tersprache gekauderwelscht haben, dafs er das ihm nöthige. 
verbum gothisch ausdrückte ; obschon unser epigramm sicher- 
lich der zeit angehört, von welcher Cassiodorus sagt pueri 
slirpis Romanac noslra lingua loquMntur, eximie judicantes 
exhibere se nobis Juturam ßdem , quorum jam videantur qf- 
feclassc sermonem, 

11. Auch würde skapjand, was den sinn betrifft, zuj 
folgenden nicht fuglich passen, indem wir jedenfalls die b< 
den bedeutungsvollen lebenswörter matjan und drigkan wie- 
der erkennen^, wir mögen nun mit den handschriften drin- 
cam oder drigkan zu lesen geneigt sein, wonach wir aber 
ohne zweifei auch uiatjam oder matjan zu ergänzen haben 
werden. 

12. Wollten wir jenes skapjand wieder aufnehmen, so 
würde matjan jaQi) drigkan folgen müfsen. möchten wir 
skapja (der Schaffner) festhalten, so dürften wir matjamja(h) 
drigkam ! — oder wir lösen von skap das - ia ab und neh- 
men es, wie das zweite vor drinkain, auch vor matja(m) 
als jahi dann erhielten wir den vollen gothischen satz Hailsl 
skap jah matjan jah drigkan ! (Ave^ amice ! procura^ praebe 
et cibttm et potum) oder Mails! — • skap {procura oder 
poculum) ! — jak matjam jah drigkam ! 

13. Jedenfalls zeigt das abgekürzte /a vor drincam der 
handschrift seine prosodische kürze an, so dafs wir es auch 
vom in skap ja matjan zu kürzen hätten; wonach um so 

!. hvata skap{j)isf hvata skap(J)ats f vrvtA scfaaffeng ? 

/^. wir lafsen madria fallen und wandeln matiia ia mat{j,an, 
schwerlich liegt in matz das m 4er declinaüon oder des geschlechtes 
(mais), wie in ciiz, eilz, wa* lolUe s»nst hier das doppelte ia ia, 
was auch bliebe, wenn man letoi voUte skap(j)am tnat- ia ia dr, — 
Meerniann^ der ia eil» wohl haiU erkannte, tischt uns unter küSMft ifiHf* 
statt ct/x) efai skapia^matjan (schafBeisch) auf, das wenigsten» sk^pa- 
mats heirsen müste, und bei ia-drinka fragt er qualis potuaf und lüth 
unter camu-drinkan^ aii-drimkan^ kira-driHäm (das etwa bivzadragks 
heirsen müste) herun. 



384 GOTTHIGA MINORA. 

mehr nach (oder vor) Goticum etwas fehltet aber jenes /«r 
stimmt ferner überraschend zu der im ersten abschnitte die- 
ser abhandlung geltend gemachten ausspräche des ja in der 
althochdeutschen Übersetzung jm ckuedant ja ckudtun der 
Wiener handschrift (1, §.4). 



VANDALISGHES IN AFRIKA. 

1. An solchen winzigen trümmern müfsen wir uns an- 
klammern, in ermangelung gröfserer liederklänge, der prisca 
Gotthorum carminapene historico ritu^ die Jornandes (cap.4) 
kannte, warum schrieb ' Jornandes lateinisch ? ^ warum hat 
der Gothenkönig Sisebut (um 650), warum haben die Van- 
dalen Tunian und Etesmund, von denen die anthologie uns 
lateinische gedichte aufbewahrt hat ^^ nicht gothisch gesungen 
und geschrieben? wie müste ein klagelied geklungen haben, 
das Gelimer im unglück dichten wollte, wenn er ein guter 
zitherspieler wire.ßdicen cum esset optimus^fecisse eum Car- 
men ad deßendam praesentem fortunam, quod lugubribus et- 
tharae modis aptare vel/et*. 

1. vielleieht Imter \ h&ili (si \jdül) gothi \ eum skap jah \ matjan 
jah I drigktin. 

%, Auch AbUviufl? über ihn sieh Fabricius 3, 135. er ist gemeint, 
wenn in eod» tat, m. Tl% /. 1. (zu Münefaen) Thomas Haselbach sein 
österreichisches chronikon so beginnt Et quia Gothorum mentio prae- 
hahita est, et pro clariori notitia de eorum processu ordiendum ra- 
ius sutriy quae et oltm in generali Basiiiensi synodo 1433 per quen^ 
dam vejierabilem episcopum Fexomientem (von WexÖ) de Suetia, qui 
se de horum reliquijs fore gloriantuTy aiidiui in publica sessione, 
praetentibus adjicere, qfebat siquidem inter caetera: Quanquam pa- 
tres optimi de Gothorum et eorum diuersa gente Mbanius Gothice, 
Dionysius Graece, et Jordanus latine singularissimum Studium pro 
annalibus scribendis impenderunty trmämitibus ipsis j4quilonibus partf- 
bus innumeras processisse gentes, inier qua* de regno Gothorum ^ 
quod nunc vulgariter Suetia nuneupatur, pHmi fuere Ostrogothi et 
Fisigothi^ Sueans siue S4etidt\ nunc Sueti dieti n. s. w. 

3. Meyers Anthologia s. zzxiii and n. 545. 546 {Tucciant) 547 {Efe- 
mundis) 3d8 (ßisebuti regis earmen de eelipsibus solis et lunae). 

4. er hatte an den UemlerfUrsten Fara geschrieben Abripit eogi- 
tationes fortunae impetus. vale mi Phara et iantum eitkaram^ pa- 



■ « 



rf'l 






GOTimCA UNDBA. 

2. Hätten wir nur die worte einci Gothep, der naeh der 
Schlacht nächtlich mit einem Römer i$t einer und derselben 
grabe zosammengerathend den vertrag mit demselben sehloCi, 
sich gegenseitig heraasziih4|Gm, wonach ^sie beide so lange 
und so laut schreien, bin andere Gothen nahen, am ihnen 
seile herabzalafsen , nachdem jener ihr landsmann Gothieo 
sermone in prafundwn illud jam modo se incidüse aasgesagt 
hat 1. — oder warum theilte Paulus Diaconus uns nicht die 
patria verba mit, welche die Longobarden bei ihrer firei- 
lafsung durch den pfeil murmelten, ob rei ßrmitatem^? Cas^ 
siodor, der so nahe gestellte römische Senator, rühmt um das 
jähr 526 in seinen var. 11, 1 von Theodorichs toc&terAma* 
lasvintha aufser ihrer beredtsamkeit in attischer und ihrem 
prächtigen ausdruck in römischer rede, ihre fülle (ubertas) 
in der spräche ihres Volkes, von Theudates, dem söhne von 
Theodorichs Schwester Amalafritha rühmt Procopius (bell, 
gotth. 1) nur noch, iats er Latino sermone Platonisfuedogmate 
instiMus gewesen sei. 

num et tpongiam mtUe horum tndigenti: brot, das er lange nicht cpe- 
seheo, einen schwamm, nm seine trocknen trüben angen anzufeuchten. 

1. Prccopios Goth. %, poatridi» ttum renonai^o eertamine rurtum 
ßigerent Gotthi, karum quoque tmus in 0andun/orte tpeluneam ü- 
laptus est» hastes duos in anUeiiiam Jöedusque neeessitae egii^ pa- 
ettque inter $e mutuOy eaiutem Meriua aUeri Juxta euam eordijöre, 
tum vero magnum atque horrihiUm ecnum eient. adveriit ea res 
Gotthos et seeuti quo elamor voeabat, tnox äespeetantes in eavum 
roganty quts ille^ quave de causa quiritaretur. ex eompacto si/et 
Romanus i alter Gottkieo sermone in profundum illud jam modo ait 
se ineidisse, rogans demitteretur ad se funiSt per quem eniti posset„ 
atque Uli demissis pktrilnu inter se nexis restibus Gottkum attroAere 
sperabant. anteeepit ßnmn restium Ronumus attrahique properavit^ 
dieens calamitatis partieipi, si prior ipso aseenderet, nunquam iUius 
immemores fore populäres^ at si resedisse in eavo hostem intellexis- 
sent, euram sui alffeeturos» cum kis dietis evibravit sese, eumque eum 
eonspexissent et rem omnem didieissentt prope stuprfäeti miraeuh» 
mox et alterum adduxere^ qui pacta fidemque mutuo datam narrat* 

2. Paul. Wamefridi Langobard. 1, 13. ut bellatorum possint am- 
pUare numerum, phtres a serviH Jugo exeeptos ad Übertatis statum 
producunt, uique rata eorum haberi possit Hbertas^ sandunt mors 
solito per sagittam, murmurantes nikihminus ob rei ßrmitatem quae» 
dam patria verba» 

Z. F. D. A. I. 25 

i. 



SM GonreiOA mltora. 

3. Derselbe Prdcopi« sagt (in s. Vandal. 1)^ dafs die 
vandalisöhe spnehe oder nondart eins gewesen sei mit der 
gdthischen^ die uns überliommenea vandalischen und gepi- 
dischen eigenAamen bestätigen die nahe liegende thatsache. 
der bekannte bei Angustin erhaltene randidische gcbetsan* 
fang Sihöra armSn (mtserere domine) schein! wenigstens 
mundartliche eigenthümlichkeit anzudeuten. 

4. Letzteres, das ein junger zendischer pehlavitischer 
Orientalist vor einigen jähren in Leyden unter denHumberl- 
schen Sammlungen römisch -afrikanischer denkmäler in einer 
gröfseren steininschrift gelesen haben wollte^ trieb mich im 
vorigen herbste dorthin ; aber die ausbeute war ein abraxai 
der mit den rcrführerischen zeichen S6QNRA j DLuST^IANBCB 
tt* s. w. begann, sonach werden wir uns mit jenem falschen 
imperative armCni (statt armdi)^^ dem unerklärten sikora^ 
und jenem münterischen messinggewichte mit dem namen 
RAGINARI ^ begnügen, und um befsere nachentdeckungen mit 
den werten bei Eckehart d. jung., cott ilferro {dcus adjuvat^ 
domine) bitten, der geographus Ravennas sagt 3, 11 qwte 
Gaditana pätrin supra dicta et barbara ?nodo Abrida dicitur^ 
ubi gens f^andaiorum a Belisario devicta in Ajrica fugit et 
nunquam comparuit; vielleicht dafs sie mit den verlorene^ 
Stämmen Israels wieder gefunden werden, das ausländ von 
1837 s. 1086 if. suchte sie bei den Kabylen. 



1. Gotthicae natioites muUfpliees ei olim fuert ei nunö 
maximae horum et nobitissimae sunt Goitht, proprium notnen ex tota 
gente adepti , f^andaii, ßFüigotlhi et Crepidae, qttoe vetuttü» Saur^^ 
matas et Melancläaeno» vocabat^ sunt et qui Getas eos dixere, fteftM 
alio ii praeterquam nomine d\fferunt : candidi corpore omnes^ conuu 
rutili, proceri^ pulchra /acte; leges eaedem (beliaginew d.i. bilag^* 
neis, nach JorDsades II), nee dei eultus diserepät, ArH piaeita eunctie 
sequentibusi iingua una Gotihiea^ qume dieiiurt utque ego existimo. 
ab una omnos origine e dueum sibi nominibus discrivn'na sumpserc, 
(Procop. Vaudal. 1). 

^. stand arm^ unsara¥ 

3. Schmellers sigora oder sinoza (zu sinista) ist bekannt, wie^ 
wenn si-hora das gegenslück zu si -poneis v.drcJ 

4. vergi. das gothische ragineis. Raginari ist Raginahmri (wie t[/i^ 
tahari) d. 1. Rainer. 



GOrmCA MINOItA. Mt 

S. Alter leider werden die barbarisclien oder vandali- 
schen Vandaleo — le ffandre, vne gait mnli-u nennt sie 
noch das mittelalter ■ — nichts gtschricben babcn» nnd von 
den Römern dürfen wir mit dem unbekannten oder nun bo- 
kannten verfaTser des bncbekhen De Literis et Lmgva &»■ 
tarum (s. 3) sagen, Latini, qm caeterot prae le barbaros 
jactant (weil sie gleich den Griechen taa tanttm mmtbtm- 
tur), barbaritsimi nmt. 

10 

ANSILEUBOS. 

1. Opitz, der aof altes was deutacb beiTst, achtsame, 
nennt 1639 in der vorrede za seiner ausgäbe des annoüe- 
des, nachdem er von der ansbente für deutsche spräche in 
den glossen und glossareii des Isidorus, Suidas, Photins, 
Zonaras aliorumque lexica äviitSma gesprochen, quae in 
publicis privatisque bibliothecü latent, ctfjutque generit .An- 
sileubis Gotkorum epücopi glossarium, emtum es veteri 
eodice bibliothecae Moyssaciennt , in quo multa Gotthorvm 
aliorumque popuiorum barbara vocabula explicentur, vidiue 
te qffirmat Phil. Jac. Mauuacut dittertatione eritica ad 
dictionarium Harpocrationit '. 

2. Diese ausgäbe des Harpokration war 1614 za Paris 
bei Claudius Morellus herausgekommen; woselbst der ge- 
nannte herausgeber Phil. Jak. Mansssc s. 355 ganz die von 
Opitz angezogenen Worte gebraucht, einleitend mit der ver^ 
Sicherung ci(fus generis (gtostariwn) ego vidi AntilettbiB 
cujmdam G. ep. u. s.w. faat um dieselbe zeit erwXbnt dessel- 
ben selbsUndig anch Gnillanme de Catel in seiner Hiitoin 
deLanguedoe (Toulouse 1623, fol.) s. ISS, i'ay treime pit- 
reillement dans vn ancien Glossaire d'^nnleubat, que i*ag 
escrit ä la main , et le quet i'ay extrait des archtfs de 
tAbbaye de Moyaac, que Capitolium est interpreti Capitu- 
htm et Capitolinus par Capituli servttt. 

3. Das kloster Moissac (JlfuMiactffn) liegt bei Toulouse. 
Ansileubns oder Ansileobes lebte im zehnten Jahrhundert. 

1. Adenei Berte uDd Garin le Loheraia. 
"i. ebeadanach Eeeiril, hiitoria ttudH ttyjitologiei f. 77 f. 
28' 



388 GOTTHICA MINORA. 

11 

SltfARAGDlS. 

1. Wir besitzen aber aus Karls des grofsen zeit (und 
so kehren wir zu der zeit des Wiener codex und des Wa- 
lafrid Strabo, von welcher wir ausgiengen, zurück), noch 
um so beachtungswerthere bemerkungen über gothische 
sprachlaule und flexionen, als diese hier eben noch in jenem 
späten Jahrhunderte lebendig erscheinen, während die aus- 
legung der gothischen eigennamen dicht daneben schon sehr 
getrübt, die einsieht in die bedeutung ihrer wurzeibestand- 
theile schon überaus verdunkelt erscheint, denn Altinir soll 
bedeuten vetulus mihi, so dafs die gleichheit des gothischen 
-mir (mfh'-s) und fränkischen -mdr nicht mehr erkannt 
wird; oder Bainmir {A. i. Ram-, Ragin -//if»r*, als nitidus 
mihiy oder ^jnunt als buccOy -ting statt -ing u. s. w. 

2. Aber um so unbefangener erscheint gerade deshalb 
die bemerkung nos vero (also Sniaragdus ein Golhe?) sono 

feminina (nämlich gegenüber dem fränkischen) et inteUectu 
masculina propria muila hahemus in usu^ quorum haec sunt 
(*xempla^ wonach er eine menge männlicher gothischer ei- 
gennamen auf-/3r {Egicoy Uuitiza^ Luamba u. s.w.) auFIührt. 
nach diesen aber fährt er fort invcnies et feminina in öjer^ 
vünata propria, nt Froilö. Sunilo, Egilo, Emild u. s. w. 

3. ^'on jenen männlichen eigennamen auf -a^ sind jene 
obengenannten die westgothischen könige in Spanien (ffamia 
um 672, Eringtis öder Ericas um 680, Egica um 687, 
fVitisa um 701 und Frdila d. i. Fraujila kommt noch 76Ä 
ja 924 in Leon vor), er führt keinen Totila, Vulfila, Vun- 
nila oder einen Kostila, Thevdila der neapolitanischen Ur- 
kunde auf, wo zu Egica sich auch M4rica dargeboten hätte, 
wie das weibliche Ildichd % wozu wir bei Marini Ta/giiö im 
jähre 539 (n. 114) Runilo vom jähre 553 (n. 86; lesen. 

1. voraus zählt er golbische namen auf -m/r und -munt, nebst ihrer 
erklärung, dann frankiscbc aur -r/cA, -hart und rdf, -mnn (nebst er- 
klärong), -//e/iw, -ulf, -art, -bert, -/red, -mdr^ -ine, rfeh,6nnn 
ihre ninkehr (Gauzbert, Bertigaud n. ». w.) auf. 

? Sft/tiih)o ift wohl verwelscbl oder langobardisch? 



GOTTHICA MINORA. 



38t 



4. Smaragdas war vom jähre 805 bis nach 824 abt zu 
St. Michael an der Maas ^ im jähre 816 schrieb er, aufser 
einer menge theologischer abhandlungen ^ eine eayfositio in 
partibtis (orattoms) Donatt, -woYonMaLbillon 1682 zwei hand- 
schriften zu Corvey sah und sich jetzt zwei zu Paris befin^ 
den, die eine (Notre Dame 225) vom 9n lOn Jahrhundert, 
die andre (Cod. St. Germani 4.) jünger, vom jähre 1447. 
wir stellen hier zum schlufse den text dieser heiden, so wie 
den des corveyschen codex n. 524 auf, welchen Mabillon 
{vetcra a/ialecta 2, 422) wenigstens zur hälfte mitlheilt. 



Cod. Paris. 

la Francoi^um nam- 
que - Gottorumque ge- 
nere haec patronimica 
tpeciet frequentat . 
multoties a parte 
enim gen tili et a teo- 
disca Ulis eveniunt lin- 
gua de quibut in exem- 
pio, Gotthorum pauca 
primum ponimus no- 
mina, quorum haeo 
sunt exempia, 

altimir. giltimir, Ri- 

chimir. rainmir, 

uuaatmir, 
Uuigmvnt. Rigmunt. 

Ratmun. uualli- 

munt et timiiia. 

Quorum haec ext 
in tat in um interpre- 
tatio. 
Altmir namquo uetu- 

tutus mihi interpre- 

tatur. 
GijUmir debitus mitii. 



Cod. Corbej. 

In Francorum na/n- 
que Gottorumque gc- 
nere haec patronimira 
tpecies frequentatu r 
multotiens, a parte 
enim gentili eta theo- 
disca veniunt Ifn- 
gua de quibus in exem- 
plo, Gotthorum pauca 
primum ponimus no- 
minal quorum haec 
sunt exempia * 

altmir, gfitmir. rig- 

mir. rainmir, uual- 

mir. 
uuigmunt, rigmunt. 

ratniunt, wlmunl 

et similia. 

Quorum haec est 
in latinum interpm- 
tatio, 

Altmir namque vetu- 
lus mihi interpre- 
iatur. 

Glitmir debitus mihi. 



Cod. S. Germani. 



altmir. Giltmir. ric' 
mir, rainmir. uuat- 
mir. 

uuigmunt^ ratmunt. 
uualtmunt. 



1. iu pago Vivduncnsi ; das kloster soll im 7q 9n jahrh. vom grafen 
Wolfand oder WolFoald (dem söhne Gislaromns) und seiner gemahlin 
Adalsinda oder Aldasinda (der tochter Adalberts) gegründet worden sein. 

2. Griisse, literärgescbichte oder gescbicbte der literatnr 1, 1. 
9. 189. 

3. zu Oonatas 2, 10 



390 



GOTTmCA AfEHORA. 



Cod. Paris. 

Richmir potens mihi, 
Rainmir nitidus mihi. 
Uuantmir vestimen- 

tum mihi, 
Uuiltmunt volent hu- 

ca, 
Rigmunt potent bttea. 
Ratmunt consilium 

oris, 

Francorum namque 
patronimica secundum 



Cod. Corbej. 

Rigmir potent mihi, 
Rainmir nitidus mihi, 
Uuatmir vestimentum 

mihi, 
jyigmunt volens hu- 

ea, 
Rigmunt potens buea, 
Ratmunt consilium 

oris, 

Francorum patro- 
nimica secundum theo- 



Cod. S. Gennani. 



teodiseam iinguam discam linguam haec 



haec sunt nomina, 

Helprich, Altrich, Art- 

rieh, 
Ainchcart, Riehart, 

Stainhart, Richart. 

Rainhart, 
Archrat, Fulrat, 

Tanchrat, Falsraht. 

Gotraht, 
Reehtmant, Gotmanth, 
archmant, Richmant, 

Uuichmant. suarz- 

mant, liubman, 

Quorum haee sunt 
interpretationes, 

Helperich atf/utorium 

potens, 
Altrich senex potens, 
Artrich durus potens, 
Ainrath unus durus, 
Richart potens durus, 

Stainhart lapis durus. 

Richrart potens consi- 

lio. 

Rainhart nitidum con- Rainhart nitidum eon- 



sunt nomina. 

Helprich, Altrich, Art- 
rich. 
Ainarth, Richart, 

Steinhart, Richarht, 
Rainhart, 
Archarat, fulrath, 
tanchrat, fastrath, 
gotraht, 
raghman, gothman, 
arthiman, riehman, 
uuitman ^ suarzman, 
liubman. 

Quorum haec sunt 
interpretationes. 

Helperich atyutorium 

potens, 
Altrich sencx potens* 
Artrich durus potens, 
Ainarth vnus durus, 
Richarht potens con- 
silium. 
Steinhart lapis durus. 



Uuilmunt volens bue- 
ca. 



Helperich, Altrich, Art- 
rich, 

Amhart, richart* 

stainhart. richrat, 
rainhart, 

Archrat, fulrat, 

taneraht, faseraht. 



rahtman, gohtman, 
archiman , riehman . 
uuizman, suarsman, 
liubman. 



Haltrich senex potens. 



silium. 

Archraht durum con- 
silium, 

Fulraht plenum con- 
silium. 



silium, 
Archarat durum con- 

silium, 
Fulrath phnum eon- 

siHtim. 



rainrath nitidum con- 
silium. 
arerat 



t. am raode al wizman. 



Cod. Paris, 

Tanchrat grt^tumewn' 
silium, 

Fastraht firmum Kon- 
silium, 

Gothrat bonutn oort 
silium. 

Rathman con$ilißniu$ 
homo. 

Gohnan bonus hovuf, 

Avchman durus komo. 

Richtnati pQtent hottw» 



Suarzman nigrus ho- 
mo. 

Liubman amatus ho- 
mo. 

Helmut. hu{fus, ar- 
dus. bertus. /pedfit' 
marus, tingus. ri- 
CU5 et plurima, 

Uuigelmus, gamifßf- 
mus. Richelmus. 

Emulfus. Riehu{fu$, 
Sigulfus: Arn^lfi^. 

Leotardus. 



■■tJJU l' 



Mainfredus. Fro^/rfi- 

dus. Gautß'fi4f*^, 

Ri<Jredus, 
Guatmarus. Jgmß- 

rut. Teotmarut, 
Autinguut. Deotin- 

guus. Bertingus. 

Raingus. 
Teodricut. Auatieut. 

Rainrieus. 



GOTTffiCA MWeiA. 

Cad^Corbej. Cod. S. Gemumi. 

Tanchrathgrandecon- 

silium. 

Fastrath firmum con- 

silium. 

Gotraht bonum con- gotraht bonum eon- 

silium. silium. 

Raghman consiliarius rßikman 

homo, . » 



.■■„ . >.,>;..u K 



rsor 



Gothman bonus homo. Gothman bonuf hom^P 

Arthman durus homo. arthman durui konui. 

Richman potens homo. richman poten$ hOHiü, 

fFitman candidus ho- -^-rrr- 



IJU. 



mo. 



Suarzman nigrus ho- suarzfßan 
mo. 

» ■ ■ ■ ■ 

Liubman amatus ho- -r-r- 

mo. — 



"> . .•-.-»«'•• «VW 



-^ l 









' . «'»I..J.: 



Uuighelmus. Gatahffr 

mus. richelmus, 
Elmulfus. richufjftfs^ 

Sicuffus. Ar9f4fM^. 
Leuthardus, Maü^hf^ 

dus. Aginar^i^, 

Uuitardus. 
Ricbertus. Raihbertu^» 

Ermbertus. Frotber^ 

tus. 
Mainfredus, Frotfr^ 

dus. Gon^fred^. 

Riilfredus. 
Guntmarus. Agimß- 

rus. Teutmaru^. 
Oetingus. Deotingus, 

Bertringus. Radin" 

gut, 
Teotvieus, Amricus. 

Rainrieus, 



1. 80 weil theilt MabilloD nur mil. 



S92 



GOTTHICA MINORA. 



God, Paris. 

Frobaldus. 

Aldqfredus, 
fSrotbertus. 

Btr\fredus. 



Cod. Corbej 



HaurhertuM, 

Bertmarus. 
Gaurbert, 

Bertigaudus. 

Nas vero feminina 
et intellectu mateuli- 
na* proprio multa ha- 
bemus in usu quorutn 
kaee sunt exempia. 

Egioa. 

Uuiiixa. 

Uuamba. 



Frogm* 

Froila* 

liutila \ 

Fridila\ 

Jtgila. 

Adila, 

fiichila. 

$oniia* et simi&a. 

Sintiia ». 

Egila^ 

Gaudila. 

Anita \ 

Vonila ». 

Gardita, 

$unila\ 



Cod. S. Germani. 

Frobaldus, 

Aldefredus. 
Frotbertus, 

Bertejredus, 
Richertus, 

Bertericus. 
Ratbertus. ' 

Berterradus. 
Maurbertus. 

Bertemarus, 
Gauzbertus, 

Bertegaudus, 



Egica, 

Uuitza, 

Uuamba, 

Ega. 

Froia^. 

FroilaK 

LiubilaK 

Fridila ♦. 

Argila. 

Odila, 

Ricchila. 

SunilaK 

Sintila*. 

Egila r 

Gaudila. 

Anila •• 

Bonila •. 

GardHa. 

Sunila *. 



1. mascuhnum et pr. sieht. 

2. FraMjUy Fraufila. 

3. liuba 1 ist könig^ im j. 567, Uuba 2 im j. 601. 

4. Fretela 403 bei Hieronymos. 

5. Sut\fa bei Hieropyrnus. 

6. Svint{h)ila köoig ^%\^ CinthUa 636. 

7. AgUa könig 549. 

8. Banila and H6nüßP 



GOTTHIGA MNORA. ^ 
Cod. Paris. Cod.Corbej. Cod. 8* Oermani. 

Invenies etftmMna FemM^a 



in o terminata pro- 

pria ut - 

luno. Froüo. Hieoki- Frailo. hieeÜo. gw- 

lo. Sunilo. Egiio. äih. Egilo. Emiio, 



Emiio, 



- V^i 









FUCHS UND krebs; 

ZUM REINHARD FUCHS. 

Die nachfolgende fabel ist der fFtener pergamenthand- 
Schrift des 14n jh. 7i<> 2705, ßilher 428 (Denis 1, 357, 
Grqjff" Diut. 3, 165, ifo 2h7 falsch gezählt ») bL 169'^ ent- 
nommen ^ in welcher bekanntlich eine bedeutende anzaht 
strickerischer beispiele enthalten ist, aus denen Jac. Grimm 
ßtr seinen Reinhard Fuchs einige kleinere stäcke die den 
meister Reinecke betreffen auswählte, das hier nachfelgende 
lustige beispiel wurde wohl bei dieser auswahl überemmn, i^lg 
und doch dürfte es als eins der frischesten, worin meister ' . ^ 
Reinhard trijffJich geteuscht wird, recht eigentlich dorAm ^^^ 
gehört haben. 

Zweffelhqft könnte bleiben ob es dem Stricker ^ruülk 
schreiben oder höher hinatff xu räcken sei. scheinbar vier^ 
hebige klingend reimende Zeilen können durch Strickers 
mehrsylbige au/lakte erklärt werden (vergL ». 8. 11. 25« 
42; 10. 18; 26. 52. 53. 62. 82), aber auch dem \2n jh. 
gehören.^ gewisse reime (15 : 16. 21 : 22) sprechen ßbr 

« 

1. [Uoffmann$ ver», der W. altd. hdi. #.79]. 

2. [ich erlaube mir an dem hier geeagten %u »we(/hin. der Stricker 
braucht, wie fast alle mhd. dichter, würkliche nicht scheinbare kiin^ 
gende »eilen mit vier hebungen {s, Lachm. vorr. »u Wo\fr, xir), und 
bei mehrsylbigem at{ftakte bleibt ja die zahl der hebungen dieselbe wie 
bei einsylbigem oder gar keinem. %. 8 bt^ert stna den vere, \% ist we^ 
nigttent od wenne, b^fter od wenn mu sehreiben, aber beide Meilen sind 
stumpfe, wie 18, S9, 6|t. die vier sylben den mtteze der in %, 95 ASit- 
nen kein at{/faki sein; soU der vers geglättet werden, so ist kratzen 
and entweder %u streichen oder kratzn und »u sehreiben, in beiden fäU' 
len mit richtigen tfier hehungen, wie ^ der reimenden Meile, s. 10, 
wenn man sieh auch den at{ftakt her krilm wie gefallen li(ftt, bleiben 



m FUCHS um KftSBs. 

jenen: dagegen deutet die fmche färbung dß^ gtmi^en^ 
namenllich die ofischauliche nennung der örtliQhkßiten (?P, 
30. 40) eher wieder auf eine dem Stricker wenigstens 
etwas noch vorangehende zeit^ welcher im Reinhard die 
olbente von Tusc(al)An (J438. 1995) S die sckiile ze Salerne 

immer vier hehungen bei klingendem reime ; aber die frage ist hier^ 
ob dem Stricker die rohheit zuzutrauen ist eine klingende zeile mit 
vier auf eine mit drei hebungen zu reimen (: er sprach vil spoteliche). 
ich glaube her krcbez ist zu streichen, wie die Schreiber gespräche oft 
durch anreden deutlicher zu machen suchen, und die zeile lautete wie 
get ir SU müezliche (z. 89 kann gelautet haben wie sit ir so müezli- 
eben kojnen, obwohl hier die änderung entbehrlich ist) : diese form ist 
nicht ungebräuchlich, in muozilichirmaoze j4this Diut. \, 10. dieselbe 
bindung klingender zeilen von vier und von drei hebungen würde schon 
z. 1:2 statt ßnden, da ifiit dem schlechten eu{ftakte ein kiibes 
schwerlich ein gedieht begann , wenn nicht x, 2 ime zu lesen wür»^ 
und 53 : 54, wenn nicht der krebez sprach zu streichen schiene : eben 
so ist, wie hä^/ig anderwärts, er sprach z, 18. 52. 62. 82 zu tilgen, 
auch z, 23 : 24 wären drei hebungen mit vieren gebunden ; aber es ist 
zu schreiben denn ir und al iur könne (: eobÜBnc). — metrische richtige 
keit verlangt ferner », 14 hindr lach, 59 deoo oder ds{ß denne gan» 
gestrichen werde {derselbe fßU wiederAoit nch 68 bei danne), 60 fo 
ist w»tUch deich, 71 erm, 93 deich, 191 f^ewinnt. s. 90 stört das für 
den sinn entbehrliche loufen den vers, und z, 65 scheint geroe den^ 
sinne nicht weniger als dem verse zuwider, schlecht gebaut ist z, 69 
als er sin afterteil her für gestalt, und diese und die folgende zeile 
fallen durch die unglaubliche apocope gestalt: entwalt doppelt 
ai{f. der an*U(ß hebt sich, wenn man schreibt als er sinen after fUr 
gestalte, der krcbez niht langer entwalte, beide Zeilen mit vier hebunr 
gen, — ich bemerke bei dieser gelegenheit dcfs Hahns metrische bemer^ 
kungen und tabellcn in seinen kl, ged. des Strickers nicht ganz fehler- 
frei sind, — der reim lihtcr : gedihter21/. vergleicht sich mit Übte: 
gcdihte in Gottfrieds Trist. 13052/,- und vor : tor 15/. mit Antanor : 
tör Parz, 152, 23/. , aber den nom, lor im reime als strickerisrh an- 
zuerkennen reichen wenigstens die von Hahn s, xf. gesammelten bei- 
spiele apocopierter dalive nicJit hin, — HptJ] 

1. gewiss die noch heute bei Pisa ernährte kame/herde, deren vor- 
gängcr so gut durch die kreuzzüge dorthin verpflanzt wurden wie die 
heili'^e erde auf das campo santo zu Pisa. le$ mufi bei Jac, Grimms 
erklärung (Jieinh, Fuchs *. cxiv, vergi, ccxxv), dofs das kamel von 
Joscana he^fst ipefif es ßls J>remdes thier über Italien her eing^hrf 
wßr, bewertden, jjie pisanischen dromedare stammen kejnfisvegs ßUß 
den krewnsifgeu, ofi i^ coj)^.ait poipt l'epoqac ^rifiißß de 1# ^rtspüeft jj^- 
4r^4vi«itiop 4ß c^ .ajiimanx eo Tofcane \ mais il e^t ^tre&-c^Uw ^vV.«^^ 



FüGfls UND aas$. « ' 

> 

(1881), eben so im mSneh und der geiß dteßHM Beleih 
(327), kaieer Otto (470), im uh^ m der schUe Jtob ottd 
Salerne (1192) anheimfallen^ während dem Sitieker, dßr die 
verworrene rechtlose zeit unter Friedrieh dem strsiihMrm 
mehrmals xiemlich genau schildert, solche JHsehe bessiehun" 
gen auf namen tmd zeiten ün allgemeinem mas^eln* nur 
eine anspielung ist mir in frau Ehre und Jrau Sebwsdfi 
(529—535) aufgesiqßenf 

it b6t er sinen gaste 
mit guotem willen vaste 
beide Wirtschaft unde werdikeit. 
swer dar nlch giem» 4>de reh 
zno des selben wirtes hds, 
dem was er rehte ei« ArtAs 
fuid tet in allen alsam. 

fVas aber noch mehr ßtr das zwölfte Jh. sprechen 
könnte ist die nennung der Stadt Lome (40). die ff^iener 
hs, , die dieses gedieht allein bietet, geht in ihrer zweiten 
hälfte unmerklich mit der hand in jüngere rechtsehrettung 
und lautbezeichnung übery der gemqjfi wir keinen anstand 
nehmen in jenem Lome die Stadt Lihie, Luna, zu sehen, 
der krebs nämlich bietet dem ßtchse einen wetüauf an. die- 
ser ist höhnisch gleich bereit und sehtSgt dem t&n^samen 
auf der stelle vor von BnBe ze Beme oder gar, wenn dies 
noch SU gering sei, bis ze Bralranrt in daz lant zu laufen, 
dem krebs ist das natürlich allzu weit, aber vou Lüne unz 
in T«i8cftn wage er sich schon zu laufen^ wie er gi/th krie^ 
che, so woUe er sich doch eine baibe odor eme ganse weiU 
getrauen, das trifft gut zu. 'die Stadt Luna an der nord' 
westlichen küste Hetrurtens, im alterihume berühmt, von den 
Langobarden wohl gekannt ^, im ^j% von den Normannen 

l'aooee 162!^, premiere da regne du iprand-doc FerdinaBd aecoQid^ Us ji'^ 
avaieot pas encore para, et qne ce fat ce priace qiii,Je f^remier, doim^t^fMi 
ordres pour que la race y füt iatrodnite. la premiere noiiee de 4enjr 
exUtence daii8«e pays b*«8^ tovttefoui, que de Jl'ajiii^ 1090^ Quü eat dit 
qn'ib avaient «^t^ timt 4e la .ri^anc^ de Xaai«. Grober^ 4e ffemsö, .nQ- 
tic0 »ur la rofie dm tb^omadaires dani U itmudne de San Roß$ßre^ 
pres de Pise en Tasöome» nouv» an», des V99ag^ 1341, s. 25jd. — J3jfit^} 
1 ar>f Tasciae JUaienaif Pau^l. f^armfr. degeitii Lat^. f, 47. 



396 FUCHS UND KREBS. 

erobert y war im zwölften noch blühend y wie man ihre spU' 
ren (Lune-grano) bei Carrara noch heute sieht, als die Nor- 
mannen und Dänen oder Wikinger unter Björn lärnsida und 
seinem pflegevater Hosting gegen süden sogen, Rhein Scheide 
Loire Seine aufwärts, wobei sie Paris verbrannten, durch die 
meerenge von Gibraltar in das mitielmeer, Rhone aufwärts, 
endlich 857 nach Italien hinüber, da gedachten sie auch nach 
Rom SU gehen, vom stürme verschlagen landeten sie vor je^ 
nem Luna, hielten dieses Jur die Romaburg, und stürmten die 
Stadt, verliefsen sie aber, nachdem sie ihren irrthum erkannt 
hatten *• 

Die Stadt mufs aber länger besefsen worden sein, denn 
die künde jenes ereignisses gieng in die Ragnar - Lodbrok-^ 
saga über, wo im lAn hauptstück ersählt wird wie seine sah" 
ne die bürg oder Stadt Luna eroberten, von wo ihnen Odin, 
der graubärtige , den weg nach Romaburg seigte, den sie 
nicht wüsten *. 

Die von Werlauff, Symbolae ad geographiam medü aevi 
ex monumentis Islandicis (JKopenh. 1821. 4.) aus cod. AnuH 
Magn. 194. 8. fnitgetheilte isländische erdkunde Europas 
(itinerarium abbalis Nicolai) ersählt von Italien im swölften 
Jahrhundert folgendes, fa skal fara yfir fiall, er Munbard ■ 
heitir. Langbardaland heitir sunnun fra Munbardi (-fialli) ok 
nordr til Mundio. annar endi Mundiofials kemur til siofiir 
vestr 4 Slyriolandi, enn annar austr i Feneyiabotnum. k Mun- 

1 Wilhelm, Gemmeticens, hUtoria Normann, 1, 9. 10 {DuChegnm 
hittor. Norm, script. s, 220) Romam deliberant clandestina irraptioae 
obtinerc. sed nimia exorta tempestate ad urbem Lnnis (1010 eap. 1 1 arbem 
Gartis) devolvuntur vento impellente. cap, 1 1 haius itaqae peracta nrbis 
sobversione comperientes pagani Romam civitatem non cepisse, inito coa- 
silio de regressa disponant. Muratori antiq. Ital. 1, 25 pervasit naqve 
in Italiam eoram foror anno 857 et Lanae civitas, caius nunc vix vestigia 
cernnntur, ab ipsis dolo capla ac tandem attrila est, ut auctor est Dado 
de S. Quintino {de morib. et act. Norm, bei Du Chesne s, 64). vergi. 
Deppin g heerfahr len der Norm, s. 143 — 1 i5, Geijer gesch, von Schufe- 
den 1, cap, 10. 

2 yfi9 wir hier Odin noch vollthätig sehcn^ so heifit es bei tUr 
autfahrt der Normannen auch bei ff^llhelm. Gemmetic. 1, 5 elevaotar 
vexilla, libant venlis carbasa, vebnnlar Inpi pernices ad laceraodas do- 
minicas oves, deo suo Thor bumanam sangninem libaotes. 

3 mons Bardoois (Otto Frising, bist, Frid, Urstis, I, 453). 



••* 



P6<ii$. UND KRBMk « - . m 

'■■••. 

bardi er Cracis-Markadr okFracka-Skali. j^ er Mon-Tiy-^' 
flar^ Jia er dagför til Mario Gilldis. [>a er Lttna: j^ar ero 
Luno - sandar ^ hiä borginni. [»ar ero x milar at fara of [»a hioa 
fögru sanda, ok ero öllum megin borgir ok er [>angat vid synt. 
k millum Mariogilldis ok Lunu er Stephanusborgu ^ ok Marip- 
borg^. nun hei/it es weiter iLunu söndnm kaUa sumir menn 
ormgard, er Gunnar var i settr. dorthm also war die nordi- 
sche nibelungesagey noch mit Günthers schUmgenhölCy mit- 
gewandert^, weiter aber keifst es, dqfs m Luna die wege von 
Jacob (s. Jago di Compostella) mündeten ^, j^a sudr fra Kiofor- 
munt. i Lunu koma leidir saman af Spani ok fra Jacobs, end- 
lich^ dafs nur eine tageweide von Luna bis Lucca sei, dagfor 
or Lunu til Luku. — die handschrjß dieser erdkunde stammt 
aus dem lAn Jh. ; in diesem sagt Villaniin seiner geschickte 
von Florenz {bei MuratoH scryft. 13, 49) la citüi di Luni fu 
disfatta per gente ultramoiitane, hoggi h diserta e la contrada 
mal Sana. 

Hiernach unser text, an dem, da die Wiener kand- 
Schrift sekr gut ist, wenig xu ändern war. 

Müncken, 27 april 1841. 

H. F. MASSMANN. 



1 Poniremoli (pons trenmlns). .4 

2 arenae Lnnenses. 

3 S. Steffano, 

4 Sarzana, wo die kirehe 5. Maria. 

5 Müller sagabihL %, 144. fTh. Grimm, d. heldens. 41. 35!^. et 
geht aus dieser örtUehen haftung und herkwtft der sage hervor dqft 
im 9n Jh. der schlangenthurm der deutschen a%{ffqftung noch nicht 
fehlte, denn sicher trugen männer diese sage nach Italien, welche 
(nach demselben itinerarium) auch wüsten dqft die Gnitaheide^ da 
SigfHd den Fqfhe erschlugt zwischen Paderborn und Mainz lag : thar 
imilli er thorp, er Horus (Horhüs) heitir, annat heitir Riliandr, oc thar er 
Guitaheidi, er Sif^rdur v& at Fafoi. 

6 Müller sagabibl. 1, 238. Johannaei hist. eeel. Ist. 2, 397. 



W 



SOS FDCHS UND KREBS. 

Ein krebez gte üz einem bache 

im selben ze gemacbe 

bi einem Stade üf ein gras. 

ril gnot sin kurzwile was, 

der er sieb freuwen begunde. 5 

dar nach in kurzer stunde 

kom ein fuhs gegangen dar. 

der nam smes kriecbens vil wol war, 

er sprach vil spoteliche 

* her krebez, wie g^t ir s6 müezecliche ? 10 

wer hat iu die snelheit benomen 

ode wenne weit ir über die wise komen? 

an iuwerm gange ich mich verstau, 

ir kunnet wol hinder inch gftn 

inichel baz denue vor/ 15 

der krebez der was niht ein tör, 

er antwurte im zehant 

er sprach 'her fuhs, iu ist niht erkant 

ze rehte min nätiure : 

ich biu edel unde tiure ; 20 

ich bin sneller unde lihter 

und loufe ouch gedihler 

denne ir und allez iwer kunne. 

swer mir des enbunne, 

den mücze der tievel kratzen und roufen. 25 

her fuhs, well ir enwetle loufen? 

ich besten iuch gerne umbe ein pfunt.' 

d6 sprach der fuhs sft zestunt 

'ich getet nie niht s& gerne. 

well ir loufen von Bulle ze Berne? 30 

oder ze Bräbant in daz lant?' 

d6 sprach der krebez zehant 

'nein ich, lieber herre : 

daz zil waer uns zeverre. 

ir wert iuch mit unfuoge : 35 

als6 täten hie vor genuoge, 

die versagten umbe ein kleine guot. 

1. chrebs u.s.w. 26. fuhse — eoweble ^8. fvhse 

37. chlein g^ie (: m^te) 



*•■ 






> 

4* 



F 



ich bestüende inth kM WftH - : ' 

von Lune unz in TtiScftli) ' - * 40 

swie ich krieche oder swatUSe. 

louft ein halbe mile Oder ein gttti^^. 

des ist uns beiden nicht s^vil/ 

*ein mile diu si uül^^t üil/ 

sus sprach der fuhs sä iteiTtiltit. 45 

si verpönten e^ ümbe ein pAittt. 

dö sprach der krebeis ili^re, 

'ich wil i« duiN)h nta 6r« 

ein ^ze vorgAbe gebeu^ 

verwidert ir die, fiMim ttti* ilitii ld»eA, 50 

s6 mac hie loufes niht cnrgAti/ 

er sprach 'wie ist diu TorgAb# getfttt?' 

der krebes sprach 'die »ach« ieh dir Bßate : 

dine hindern füexe 

siiln an minem munde stan^ 55 

s6 mac der vorsprunc niht ttgka ; 

und als ich spreche 'nd wol hin/ 

s6 loufet : daz ist iwer gewin. 

mim wone denne guot gltioke bl, 

so ist wstliche da2 ick versAmet at.' 60 

^em fuhs geviel dia rede wol : 

er sprach 'ich bin, der iü tolgeti aol, 

swaz ist iuwer wille/ 

er sprach 'nu st6t stille. 

ich k6riu gerne mtn afterteil. 65 

iu gebe der tiuvel danne heil, 

ir gewinnet an mir rehte niht, 

ezn koeme danne von ungeschiht.' 

als er sin aflerteil her für gestalt, 

der krebez niht langer entwalt, 70 

die schüre er im in den zagel sl6z ; . 

der was s6 michel und s6 gr6z, 

daz er sin niht wart inne. 

38. chom ez 40. lovne 44. eim meile dirtei 51. 56. mach 
51. lovffez 54. din 59. mir enwoD 61. geoiele 63. swas 
68. ez enchom d. v. vD^schit 71. scjier 



^1 



4U0 FUCHS UND KREBS. 

d6 sprach der krebez mit sinne 

'nü loufet hin an dirre slunt 75 

oder ir verlicsct daz pfunt/ 

d6 lief er als6 s6re 

daz er da vor nie m^re 

im s6 rehte w6 getete, 

unz er was üf der zilstete. 80 

d6 warf er sich umbe, 

er sprach 'wä nü, krebz der tumbe? 

ir s&met iuch ein teil ze vil/ 

d6 sprach der krebez dort vor dem zil 

'herre, waz sol disiu rede sin? 85 

ir sumet iaeh, daz ist wol schin. 

nü seht, wk von oder wie. 

ja was ich hiate sä hie. 

wie Sit ir so mSezeclichen komen?' 

d6 daz der fuhs hete vernomen, 90 

d6 trüret er vil s6re 

und sprach d6 niht m^re 

wan 'ez ist billich daz ich iuch wer : 

iuch brähte ave nämelich her 

der tievel üz der helle.' 95 

Daz merke, swer der welle, 
daz bispel ist durch daz geseit, 
daz liste unde kündecheit 
bringent den man dicke hin. 

lernet wisheit unde sin : 100 

des gewiilnet ir irum und ^re. 
hie enist der rede niht m6re. 

91. tpovpt 93. wer« (: her) 



401 



R IT O D L I E B. 

fragm. I'». 

-f- Illius hcrbae vim medici dicunt fore talem : foL reot. 
[Tjorridula trlta cum parvo polline oiixta, 

Hinc pilulae factae f more fabellae, 

Si injiciantur aquis, quicumque comederet ex bis 
Piscis, quod nequeat subtus, sopra sedaquamnet\ 5 

^N: Inter tres digitos pilulaa tonundo rotandas 
Dilapidat stagno qao pisces agmine magno 
Conveniunt avide capiendo pilam sibi quisqae, 
Quam qui gustabant, sab aqua plus nare nequibaiit, 
Sed quasi ludendo saltus altos fiieiendo I o 

Undique diffugiunt, nee mergere se potueninl. 
nie sed in cymba percurril remige stagna, 
Post pisces virga cogens ad litora sicca, 
Quos duo cum funda circumcinxere sab unda, 
Cum terram peterent, ad aquam resalire ne quirenl. 1 5 
Sie piscando sibi ladum fecitqae sodali. 
Tunc jussere eocos pninis assare minores. 
Majores scnto regi portant, joculando : 
'V^enari melius hodie nos non poteramus/ 
Kcx. 'Retibus aut hamis hos cepisiisve sagenis?' 20 

\e\\, 'Non sie piscamus,' ait incola, 'sed dominamur 
Piscibus, e fundo veniant ad nos sine gra[t]0) 
Bl super stagnum saliendo iocum dare magnam ; 
Dum sub aqaam nequeunl, satis saltando faüscunl; 
Hos tandem virga facimus requiescere terra.' 25 

'Hoc volo/ rex dixit, 'specnlari copia dum fit.' 

^ 1 Plinius herbarum vires scribens variarum 

Laudat buglossam res ad multas nimis aptani : 
In validum potum, dicit, qui pönal eandem, 
Quantumcumque bibat, quod is ebrius haut fore posset. 

am rande ferventi. 
Z. F. D. A. I. 26 



40S RÜODLIBB. 



'l- *■ 



Pulverig ejasdem, deseribit Plinias idem, /»/. vernm 

Qai scrat in camem, si forte cani det eandeoi. 

Tempore qaod modico canis obcaeeetar ab ipso. 

Et qnidquid caecom faerit sine Inmine natam, 

Hujas 51 gastet quid, mox visum cito perdat. 35 

Herbae venalor cujus Studiosus amator 

In silvam pergit, plures hirpos ubi rescit, 

Capram cum fune secum ducente sodale, 

Quam caedunt inibi lato sub tegmiae fagi. 

Abstrahendo cutem caedunt per frustaqae camem, 40 

Quam super aspergunt cum pulvere, pelle recondimt, 

Amboque scandebant super arbore vel residebant*. 

Exul horrUnles hirpomm dans nlnlatas 

Nunc vetemm grandes, juvenum graciles modo voces 

Exprimeti nt reros hirpos ululare putares. 45 

Quo dum conveninnt hirpi, capram repererunt. 

Quam discerpebant in momentoque vorabant. 

Nee procttl hinc abennt, ambo quam lumina perdunt. 

Talibtts et paribus instat miles peregrinus^ 
Affectans sese cunctis, valet ut studiose, 50 

[In] magna pace regnnm dum stat et honore. 
[Aljterius regni marhmanni valde benigni 
[Nostr]is, a nostris is amor senratur et ipsis. • 
[Alter]tttrique meant emptum quodcumque volebant, 
Yectigal dantes vectigal et accipientes, 55 

Nubunt hinc illuc natasque suas dederant hoc» 
[Comjpatres fiunt, vel qui non sunt vocitabant. 
[Hi]c amor inter eos per multos duruit annos, 
Donec peccatis sunt rupta ligamina pacis. 
pBxJosor pacis nostri generalis et hoslis 60 

Semen aüzaniae non cessat mulüplicare. 
Est ubicumqne fides, ut stet ea non ibi praepes: 
Quo succedente fit grandis werra repente, 
Quodam mercato multo populo glomerato, 
[Pro] causa vili sunt occisi quia multi ... 65 

* ßrüher stand scandeotes und rcsideDtes. 



/ 



RliODLiEB. 

' fragm. H. 

' EsKP scio regem quia vestrum lani saiiicnletii. Jol. >■ 
Haec quod iion jiissil^ tua stnlta superbin suasil. 
Hinc vlden.s, qualein nuur nanciscaris lioiiurom. 
Rein pejorasli, cum le faiuarc ciipisti, 
Rinno sii.s|)cndt per suras saL mcruisli.' 

Acdnniant cuncü, cur hacu tardct ucleniri ? 
Princeps rcspondil: rex nosternon ita jusslt, 
Aut sc dedenletn vel caplnm perdcrc quomquam: 
Sed, si jiosscuius, captivos erueremus 
Cum praeda pariter, ijuae fedmiis amiko decenler. 
Vinvere victorem, majorem vult qnis itonorom? 
Sic leo pugiinado, par uleiseentio sed aguo. 
Noii honor est vobis uicifici damna doloris. jj 

Magnam vJndktac gt^iius est, si parvilis irac. 
Hinc precor amiuitC) vcstra quo JtnL amore, 
Solus ut isle conies noitiacum vadat incrmis, 
8eu vullis proprio seu quovis vile caballo, 
\i piitoeat vobis, sibi serviat ut pucr imus, 
Qui sihi prendal ei]uum, stabulans kiiiioDCt et ijiünni. 
lllque suam gentem vinctam prne bc gradienlem 
(•ernat, in obprokrium duxit vcl qiinlis periclmn. 
Ne quicquain leuier« praesumal talc patrare.' 

Tunc sibi dixcrc runcti sua verba placere, 
l'jl jubilo magno pali'iainrcpetuDl pruperniido. 
Et qoanivis vidranl sua doroata qualiu^r ardmil. 
Nnri trislabantur, dum libertale frunntor. 

Signifen et proceres alii regisque fidclcs 
■''iiiipolim subeuul, ibi captivosque rcservaiit, 
\\V iiomerant »ociov sanos liabuisscque cunotot 
Intime gaudebant. laudemquc deo irilinrbanl. 
Missus diri^lur regi, qui cunrla loquatnr. 
Quid velit ut r^iciant pracdoiiibus, utquc remandel, 
[MissuaJ quatido suiira poscitsibi reric calinllum, fvl. <'( 
f ArmigerJ liunc dum fert^ virgam de saepr siinul ibil. 

seditfcrieua velitare coegit 

. . c]alcare latus nbmaculare cruore. 

f Aspidcns soIUiJ regis speuulator ab allo 

\V.\ clamnjt: Jiiveuein video uimiiim pniperanteoi 



4 
1 



404 RÜODLIEB. 

.... narrel non [ab re] sie p[a . . . bit .] 

. . . [Occurrujnl illi malti rumoris avari, 40 

[Coniprendu]nt et equuni, quod narret camque requironi. 

[Nuntiat] omne bonum, nee plus modicnm neque multum . 

. . . . ro gladium regem properavit ad ipsum. 

' [0 rex, aetjemum columen regale tuomm 

.... sal]ve vale gaade, dignissime laude/ 45 

[Cui rex] : Mio sodes, nostri sunt ergo fideles 

[lncolum]es, aut qui sunt in pagnando perempti? 

[Nobis abl]ata, die, si sit praeda redempta?* 

[Nuntius] immensa circnmdatus undique tarba 

[Responde]ns dixit : *rex, a te tale quid absit, 50 

. . . ratorum periit qnia nemo tuorum. 

.... praeda redit integra non temerata. 

[Nunc socii q]uaenint hoc per me vel petierunt, 

[De capti]s quid agant in vincula quos redigebant? 

[Ultra] commissum nii est nisi, rex, tibi dictum.' 55 

[Tres marca]5 tribui legato rex jubet anri, 

misso nimis exhilaratur. 

' [Care, red]i propere vel ai sociis ita de me : 

[Rex gra]tes dictis vobis demandat et actis. 

[Cum vestri]s vinctis sibi quam propere veniatis.' 60 

equum juvenis citat ad remeandum, 

[Hora qua]e bina prius [iverat, i]bat id una. 

[Ad cele]randas res est per nimium bona merces. 

[Ut redi]it, socios, veniant, jubet in simul omnes. 

[Illi] venerunt et in ampla cnrte steterunt. 65 

[Tunc] per cancellos legatns dixit ad illos : 

[Vobis] immanes rex jussit dicere grates 

[Non so]lum dictis sed dicta sequentibus actis. 

[Rex vult], visatis hunc quam citius valeatis, 

[Mandan]s praedonum nee dimittatis et uUaro. 70 



RUODLIEB. ,405 

yon Jtesetn lange verschollenen werke eines dichters 
am Tegernsee (vergL Gervtnus geschickte rf. poet. nat. lit. 
d. D, 1840. 1, 102) hat der sufall zu dem fragment&i^ 
welche in den von J. Grimm herausgegebenen lateinischen 
gcdichten des 10« und \in jahrh. s. 129 — 198 enthalten 
sind, noch ein paar kleine brnchstüeke auffinden Iqfsen. 
nicht wo man dergleichen erwarten durßCy auf deckein von 
handsch'iften und incunabeln aus Ttgernsee auf der Hhlio- 
thek SU Mibichtmy sondern auf dem landsitz des als Staats- 
mann und literator hoch geachteten im j\ 1839 verstorben 
nen freiherm Karl Erenbert von Moll im vier stunden ent- 
fernten Dachau ist am 2 An april 1840 der pergamentumschlag 
eines im 15« jahrh, geschriebenen keftes von 24 papier blät- 
tern ^ das nicht eben aus jener abtei herzustammen scheint^ 
als eine solche reliquie erkannt und von den erben des se- 
ligen, den frciherren Johann und Joseph von Moll, auf die 
freundlichste weise abgetreten worden. 

Es haben sich aus diesem umschlug zwei octavblätter 
herstellen lafsen, ganz ähnlich den früher gefundenen und 
wie diese wahrscheinlich erster aufsatz von des dichteres 
hand. zwischen inne mögen, zu einem sextem gehörend, 
zwei andere solche doppelblätter gelegen haben, so dafs das 
gerettete zwei so weit von einander abliegende fragmente 
etgiht, deren Inhalt ihnen zwischen dem ersten und ztcei- 
ten der herausgegebenen ihren platz anweiset, so dafs sie 
sich jedoch ihrerseits weder an das eine noch an das an- 
dere ohne weitere lacke anschlöfsen. 

/f'Vr wollen sie in der reihe der gedruckten alsfragm, 
I *• und fragm. 1 ^ bezeichnen, wobei wir auf die zwischen 
I und \^ und zwischen I** und \^ bleibenden lacken rück- 
sicht nehmen, es ist in der erwähnten attsgabe s. 203 — 204 
von der lacke zwischen fragm, 1 und II als der vielleicht 
grasten die rede, da sie einest Zeitraum von fast zehn jäh- 
ren umfqfse, in welchem sich unser held bei dem könig, 
welchem er durch seinen weggefährteti, den Weidmann, zu- 
geführt ist, durch allerlei dienste belieht zu machen weifs, 
wie er dieses unter anderm durch Übung von ganz beson- 
dern weidmannskänsten gethan, erfahren wir aus dem ersten 
der neuen fragmente» wir sehen ihn schon hier, auf die 



406 RUODLIEB/ 

weise, welche auch in fragm. XII. XIU {$• 183. 214) dar- 
ge$tellt ist, mit jenein gefdhrten %ur Verwunderung des kö- 
nigs fische fangen. 

Die tugend des pulvers der buglossa wird mit gelehr- 
ter beziehung auf Plinius {wo sich indessen nichts derlei 
finden läfst) in einigen verseji besehrieben, deren Stellung 
zu den übrigen nicht klar aber vermutlich ßir den rein- 
Schreiber mittels der beiden durchgezogenen Knien und der 
buchstaben und zeichen am rande angedeutet ist. auch das 
aufser den Zeilen .stehende wert ferventi scheint ßir diesen 
fall ein anderes haben ersetzen sollen, auf das kunststück 
mit den fischen folgt, kraft derselben higlossa, ein weiteres 
mit Wolfen im walde, die scharfsichtig gelaufen kommen 
zum frafs, aber stockblind davon gehen. 

Indessen auch durch andere als solche känste des frie- 
dend sich auszuzeichnen findet der held bald einen anlafs, 
von weichern zu sagen dieses fragment leider nur den an- 
fang macht, die eintracht zwischen den grenz be wohnern 
(dafür wohl und als appellatiüum sind die marbmanni zu 
nehmen, und auch die Marcomanni früherer zeit mögen nur 
ßir und durch die Römer ein eigenname geworden sein) 
dieses und des benachbarten reiches wird gestört aus an- 
stißeft des erbfeindes der menschen durch einen verfall auf 
einem Jahrmarkt, der zu. mord und todtschlag und zu of- 
fener werra fuhrt, das nähere über den raubzug der nach- 
bam unter der anfuhrung eines auch hn fragm. II besfro- 
chenen comes und wie sie zurückgeschlagen find samt ihrer 
beute gefangen wordefi, vejynifsen wir nach wie vor, da es 
in die lacke zwischen den beiden neuen bruchstücken fallt, 
im letztem derselben ist der princeps {wohl der atßihrer) 
des siegerischen Haufens {wahrscheinlich Ruodlieb selbst) 
eben begriffen jenem comes vor dessen mitgefangenen eine 
scharfe straf rede zu halten, nichts destoweniger aber nimmt 
<r ihn in schütz, a^f eine weise die wohl der modernsten 
Übung des kriegsrechtes ehre machen würde, von der grenz- 
stadt (Finipolis) aus senden die sicger einen boten an ihren 
fiön/g bericht zu geben vom erfolg und anzufragen was 
weiter, und namentlich mit den gefangenen, zu thun. der 
böte wird nun auf seinem ritte zum könig und mit dem be- 



^ 

•^ 



RUODLIEB. 4nr 

scheide suräck zu den harremden genofs^y treulieh beglei- . 
tet in 37 versen der letzten seüe, welche Oberdem dq/i vorne 
ein ziemlicher streifen weggeschnitten^ an manchen stellen 
bis zur unleserlichkeit abgerieben ixt. 

Es erinnert sich vielleicht der leser des Rudlieb der 
zwölf goldnen lehren oder rathschläge, welche (s. 155 y. 
oder 207) dein beiden als lohn für seine dienste vom dank- 
baren konig zu theil werden, und wie eine allmähliche 
erprobung ihres nutzens in würklichen fällen^ worin sie Je- 
ner nach und nach zur anwendung bringt^ den Zettel des 
gewebes zu bilden scheint, zu welchem der tegemseeische 
dichter um reichen bunten eintrug «o wenig verlegen ge- 
wesen. daselbst (s. 207 — 208) ßnden sich, von J. Grimm 
eingeschaltet, hinweisungen auf ahnliche, namenilich in nor- 
dischen dichtungen vorkommende motive. ich halte den ge- 
genwärtigen anlafs nicht für ungeeignet, jenen beispielen 
ein paar andere, die wenigstens mir erst nach der hand 
kund geworden, wäre es auch etwas toeitläußger, beizu- 
fügen. 

Die Disciplina clericalis, uwlche Petrus Älfonsi, ein als 
geborner Jude mit der damaligen orientalischen namentlich 
arabischen literatur vertrauter spanischer geistlicher, um das 
J. 1100, ut redderel clericum disciplinatam, wie er in der 
twrrede sagt, partim ex proverbiis phiiosophorum et suis 
ousligationibus arabicis et fabulis et vcrsibus, partim ex 
auimalium et volucrum similitudiuibus gesammelt ins latein 
Übertragen hat, und welche durch spätere^ wie Chaucer, 
Boccaccio, den verfafser der Gesta Romanorum als reiche 
quelle von exempeln märlein and sprächen fleifsig benutzt 
v)orden ist, enthält unter seinen durch nachfolgende anwen- 
dung bewährten lehren (castigatiunes) wenigstens eine, die 
sich mit der ersten unter unsem zwölfen gew^sermafsen be^ 
rührt, sie lautet {bL 154 der M Unebener hs., in Schmidts 
ausgäbe s. 61) Sequere calles quamvis sint semitis longiores. 

Unter Boners fabeln ist auf einen ähnlichen -gedanken 
gebaut die hufidertste (s* 340 m Beneckes ausgäbe) vou 
einem kunig und von einem scberer, in welcher ein hoher 
pfaffe an künsten reich die Weisheit, 



408 RUODLIEB. 

Du soll daz ende diner werk ansehen 
und waz dir dar umbe müge geschehen 
auf einem markte feilbietet, ein könig kauft die Weisheit 
und sie schlägt ihm auf dieselbe weise zum heile aus^ wie 
dies in einer weiter, nämlich von einer auf drei solche 
Weisheiten, ausgedehnten ersählung der Gesta Romanorum 
der fall ist. 

Es ist dies im druck von 1488, auch in mehrern liss, 
die 103(?, in andern bald die \Se, bald die 91«, 96«^ 107p, 
163e u. s. w, dieses im mittelalter so beliebten kranzes von 
anziehenden^ wenn an sich flicht immer sehr geistlichen^ 
doch stets von einer geistlichen anwendung begleiteten ga- 
schichtchen, dessen Urheber man in dem französischen be- 
nedictiner Petrus Berchorius, der wn 1340 gebläht hätte, 
zu finden meint, ich füge sie, da das buch nur in sehr 
alten ausgaben^ also ?iicht überall leicht zu haben ist, hier 
bciy sowohl in der lateinischen fafsung (aus einer hs. von 
1407) als in einer wohl noch aus dem \An Jahrh. herräh^ 
renden deutschen bearbeitung^ welche in zwei Mänchener 
hss. vorkommt wtd auch ihrerseits manches bemerkenswerthe 
darbietet, 

GESTA ROMANORUM. 

Gap. cm. 

De mercatore qui tres sapientias vendidit. Domitianus 
rrgnavit in civitatc Romana prudens valde ac per omnia ja> 
stus. nnlli parcebat quin per viam justiliae incederet, pro- 
pter quod sui eum odio habuerunl. accidit cum in mensa 
sederet, venil quidam ad portam et pulsavil. janitor venit et 
quaesivit quis esset, ait ille 'mercalor sum et aiiquid habeo 
ad vendendum pro ulilitate imperatoris/ janitor hoc audiens 
ipsum introduxit. dixil Uli imperator 'karissime, qoid ha- 
bes ad vendendum?' at iste 'domibe, tres sapientias/ ait 
imperator 'et quomodo mihi qnamlibet sapientiam dabis?' 
qui ait 'quamlibet dabo vobis pro treeentis florenis.* impe- 
rator ait *et si mihi sapientia non profuerit, pecuniam per- 
dam/ ait mercator 'domine, in vestro regno semper manebo ; 
si sapienliae meae vobis non valuerint. reddatis mihi sa- 



RUODLIEB. 409 

pientias meas, et ego reddam vobis pecuuiam.' ait imperator 
*bene dicis; die mihi quas sapientias vendere vis/ ait ilie 
'dominc, sapicntia prima est illa, quidquid agas prüdenter 
agas et respice ßnem. secunda sapientia est illa, nunquatn 
viam publicam dimütas propter semitam aliquam, st tu rfi- 
ligis vitam tuam. lertia sapieoüa est illa: nunquam de nocte 
hospiUum capias ubi est dominus domus valde senex et uxor 
juvencula. haec tria custodi, et bene tibi erit/ imperator de- 
dit ei pro qualibet sapientia trecentos florenos. primam sa- 
pientiam scilic. quidquid agas etc. fecit sibi in aula, in Ca- 
mera ac in Omnibus locis in Latino et in vulgari scribi in 
pannis et in manutergiis et in suis vestibus. Propter suam 
justitiam multi de imperio conspirabant, ut eum occiderent. 
occulte cum balneatore ejus convenerunt pro pecunia, ut, 
quando ei barbam räderet, sibi guttur abscideret. barbiton- 
sor accepta pecunia hoc promisit. accidit quod imperator radi 
volebat. venit barbitonsor, lavit barbam et incepit rädere, 
vidit in manutergio scriptum , quidquid agas etc. et fuit li- 
leratus et cogitavit, si ipsum occidam, finis meus erit tur- 
pissimus quia morte turpissima condemnabor; ergo bonum 
est, quod finem istum respiciam et a malo proposito desistam. 
et tunc stetit.perterritus ita quod novaculum cecidit sibi de 
manibus. imperator ait ei 'karissime, quid est tibi?' at ilie 
o domine, miserere mei/ et tunc a principio uarrat. ait im- 
perator 'a modo sis fidelis, hoc tibi dimitto/ et cogitat 
'prima sapientia vitam meam salvavit.' et plures detractores 
in patibulo suspendit. 

Item alii imperatoris aemuli sibi invidebant, cogitave- 
runt ut eum occiderent et dixerunt ad invicem * tali die 
equitabit in illam villam, simus absconditi in silva per 
quam transit semita et eum ibi in secreto occidemus.' im- 
perator codem tempore praeparabat se et cum equitarct 
per publicam viam, dixerunt aliqui aemuli equitantes cum 
illo 'domine, bonum est per semitam ire, quia propinquior 
est et jucundior.' imperator intra se cogitabat 'secunda sa- 
pientia est quod viam publicam propter semitam non dimit- 
tam. per viam latam pergam ; vos ergo qui vullis, per semi- 
tam ite et omnia praeparate, et ego cito veniam.' illi vero 
qui per semitan perrexeruut omhes sunt occisi, quia crede- 



410 RÜODLieU. 

bant quod iniperalor esset inter eos. imperator cum hoc au« 
disset, cogilavit '^ecce liaec est secunda sapieniia, quae vi* 
lam meam salvavit/ 

Uli vero vidcntes se deceptos conspirabant qnomodo 
ipsum necarent. dixit uuus ex eis 'tali die pernoctabit in 
civitate illa in illo hospitio in quo omnes magnates bospi* 
tantur. concidamus cum bospitc et uxorc pro pretio, ul 
cum imperator dormiat cum occidamus et milites qui cum eo 
dormient.' cum igitur imperator ad civitatem venisset et in 
hospitio eodem se recepisset, aemuli sui quaesierunt hospitem 
cum uxore, quando imperator dormiret, quod eum occiderenl 
et promiserunt magnam pecuniam eis. tunc imperator fecit 
vocarc hospitem domus ad se. cum vero hospes imperatori 
fuisset praescntatus, apparuit senex valde. ait imperator 
'numquid uxorem habcs?' >tiam, domine.' qui ait 'ostende mihi 
eam.' quam cum imperator vidisset, apparuit juvencula habens 
in aetatc xviii annos. imperator post coenam vocavit camera- 
rium suum et ait illi 'cito alibi praepara mihi lectum occulto, 
quiahicnullo modo jacebo.' et tunc imperator ad aliud bospitinm 
occulto ivit et ibi dormivit. et vii milites in camera dormierunt. 
hospes et nxor ignorabanl qnod imperator exivisset et ipsum 
putabant in camera cum militibas dormire. circa mediam no- 
ctem iutravernnl, et vii milites unum post alium occiderunL 
mane facto imperator pro militibus misit et ad illud hospitium 
venit quaerens ubi cssent milites. hospes ait 'domine, dia 
est qnod surrexerunt et ad vos perrexcmut.' scd tum ipse 
hospes, cum imperatorem vidisset admirabatur, quod crcdebat 
eum occidisse. imperator itemm pro militibus interrogavil, 
et cum eos occisos invenirct, iurbatus est valde et intra se 
cogitabat 'jam tertia sapientia salvavit vilam meam. bona 
hora erat in qua pecuniam meam pro isiis sapientiis dedi/ 
et statim hospitem cum uxorc sua et cum tota familia in pa- 
iibulo suspendit. imperator autem quam diu vixit, illas tres 
sapientias secum obtinuit et in bona pace vitam suam finivit. 
Mystice : iste imperator potesl diei quilibet christianus 
qui habet Imperium cordis ac auimae regere, janitor in porla 
ejus est libera voluntas. mercator qui venit ad portam est Jesus 
Christus juxta illud, ego sto ad ostium et pulso. qui venit tres 
sapientias vendere pro ccc florenis i. e. pro aaima tua, quia 



RUODLIEB. 4tt 

florenl sant virtutes animae. Prima ^apienlia est, quidqnA 
agas etc. hoc est quidqoid boni facis, hoc principaliter deliet 
fieri propler denin in honorem ipsius. in omni facto tue eon- 
sidera finem juxta illa , memorare novissima et in aeternnni 
non peccabis. secunda sapienlia est, noli viam pnblicam etc. 
via publica est via decem praeceploruniy quae debes semper 
teuere usque ad mortem et nunquam per semitam malae vi- 
lae ambulare sicut faciunt haerelici, quia ibi latitant latrones 
et mnlta pericula quae sunt contra salutem animae. tertia 
sapientia est, non debes hospitare in domo senis. senex est 
mundus qui habet juvenculam uxorem i. e. vanitatem et fid- 
sitatem, quia omni die in mundo nova vanitas oritur. nemo 
potest deo et mundo servire. aemuli qui contra regem i. e. 
Christum conspirant, sunt daemones, quia semper nituntar 
hominem occidere, et si non possunt per se, tnnc qnaerunt 
barbitonsorem i. e. carnem, quia sicut barbitonsor radit 
pilos, sie caro tua radit a te omnes virtutes quas in ba- 
ptismo recepisti. sed st cogitares de fine i. e. de morte, 
quia nescimus quando vel qualiter vel qua morte debemus 
niori, et si sie homo cogitaret, recederenl ab eo omnes maii 
actus, studeamns ergo istas tres sapientias tenere, primo nl 
in Omnibus actibus nostris respiciamus finem, secundo per viam 
publicam Christi praeceptoris ambnlemns, tertio quod mundo 
et ejus vanitatibus non acquiescamns. qnodsi haeo fecerimns, 
vitam nostram in bona paee finiemus. 

Ain chaiser hiez Domitianus der reichnocht weiser und 
gewalliger und gar gerechter, und vertrug niemaüt. oder er 
gieng staet auf dem weg der gerechtichait. Nu geschach daz 
er ze einer zeit an i^einem tisch safs. do chom ainer vnd 
chlopfl an daz tor. der portner chom und vragt wer da waer. 
Er sprach ich pin ein chaufman und han etwaz ze verchau- 
l'en. daz dem chaiser nütz ist. do der torwartel daz also ver* 
nam. do fürt er den chaufman für den chaiser und für den 
tisch. Do sprach zu im der cbaiser. Lieber waz hast du ze 
verchaulTen nach meinem nutz. Er sprach herr drey weishait. 
Der chaiser sprach wie geist du mir iegliche besunder. Er 
anlwurt im. herr ieglichew umb drey hundert guldin. Der 
chaiser sprach, wie und frumt mir die weisliait nicht so ver- 



412 RUODLlEß. 

leus ich iDeiu gelt. Der chaufmau anlwurt. herr. ich beieib 
staetigz in ewerni reich, ist daz iiieiu weishait ewch nicht 
frummenl. so gebt mir mein weishait her wider, so gib ich 
ew wider ewr gut. Der chaiser sprach, du redest gar recht. 
Sag mir wie geist du mir die weishait. oder wie sint sie 
gehaizzen oder geschalTen. Er sprach herr die erst weishait 
ist die. was du tust das tu weisleicheti und sich an das 
end, die ander weishait ist die. das du nimmer solt lassen 
einen offen weg' und Strassen durch eins haimlichen Steiges 
willen. Die dritt weishait ist die. das du nimmer herberg 
vahest gar se spat, da der wirt alt ist und die hausfraw 
iunch, die drcy weishait behalt so wirt dir wol und du ferst 
wol und recht. Der chaiser gab im umb iegliche weishait 
drew hundert guidein. Nu hiez der chaiser die ersten weis* 
hait. waz du t&st daz tu weislichen und sich an daz end. 
schreiben latein und in der gemainen sprach in den sal an 
die want und in seiner chamer und an alle stet, an tisch- 
lachen und an handtücher und auf seine chlaider. Nu wom 
ir vil die in seinem reich worn. die zesammen verhaizzea 
und gesworn heten. si wolten den chaiser erslahen. Und daz 
solt geschehen mit dem partscheraer. und daz wolten si tun 
umb anders nichte nur daz er so ein gerechter richter waz. 
daz mochten si hart vertragen, den scherxr dingten si umb 
ein genanlz gelt. Nu geschach daz daz der chaiser seins 
partz wolt an werden, do chom der schencr und straich sein 
messer und wuosch dem chaiser seinen part und häb an zc 
Sehern dem chaiser seinen part. Da sach er an einem hantnch 
genagt den rers. waz du tust daz tu weisleich und sich an 
daz end. waz dir darnach ge. Da gedacht er im. ist nu daz 
ich in tot so wird mein end pöz und ich wird eins pösen 
todez getöt. davon ist gut. daz ich ez lazz sein, und wider- 
sitz dem pösen willen, und also erstand er erchomner und 
erschrochner daz im daz hautuch auz seiner hanl viel und 
im zittert die haut da er daz scharsach inn biet. Do sprach 
der chaiser zu im si lieber wie ist dir. Er sprach o lieber 
herr. vergebt mir ez und erparm t ewch über mich, ich wil 
ew auf ewr gnad sagen, damit sagt er im ez von ort und 
von end. Do sprach der chaiser zu im. hör nu pis getrew. 
daz sey dir vergeben. Do gedacht der chaiter. Trewn mir 



RUODLIEB. 4» 

ist dew erst weishait gut gewest und hat mir das leben be- 
habt, und er hieng manigen der yerraetter an einen galgen. 
Nu waem ander nachsechter. die wolten auch den chaiser 
erslahen. und sprachen unter einander, wie möchl wir sein 
bechomen. gar wol redten sie zesamen. an dem tag wil er 
reiltcn in die stat. so sey wir verporgen in dem vorst. so 
reit er einen heimlichen steig, und daselben erslahen wir in 
wol. so wirt man sein nicht inn. Do berait sich der chaiser 
daz er nu reiten wolt in die stat und er slug auf die ge- 
mainen strazzen. do sprachen die diener zu im die im auch 
nach satzten und sprachen zu im. herr wir süllen reiten den 
chürtzern steig, so chomen .wir schier in die stat. wann er 
ist chürtzer und trükchner. Nu gedacht der chaiser an die 
andern weishait daz er nicht liezz ein gemain strazzen durch 
einen churtzen steig, und sprach, ich wil reiten die gemai- 
nen strazz vil lieber dann den nnchunden steig, und well 
ez dem steig nach reitten daz tut ez. und baizzt uns be-. 
raitten in der stat wez wir bedürffen. so chum ich zu ewch 
hinnach. Nu wurden die di den steig ritten alle sampt er- 
slagen von den die in der hat lagen und des chaisers wart- 
ten. wann sie wonten unter den waer der chaiser. Do der 
chaiser daz vemam. da begond er gedenchen wider sich 
selben, nu secht daz ist die ander weishait die mir mein 
leben ernert hat. Da die aüchter nu sahen daz si betrogen 
waren, do gedachten sie in. wie si in noch möchten begreif- 
fen und töten. Do sprach einer unter in. secht der cbaiser 
der benachtet an der nacht in der stat datz dem gastgeben 
da all groz herren einreiten. nu mieten wir den wirt mit 
sampt der hawsfrawen umb ein gelt, und wenn sich der 
chaiser gelegt und vaii slaeft mit seinen rittem. so chomen 
wir dann und erslahen in im slaf und all sein ritter. Nu 
do der chaiser in die herberg cham. do hiez er für in cho- 
men den wirt. der chom für in. der was ein alter greiser 
man. do sprach zu im der chaiser. hast du ein hansfrawen. 
er antwurt im und sprach, ia herr ich han ein. Und do der 
chaiser sew ansach do erschain sew im gar iunchleich. und 
het an irem alter chaum sibenzehen iar. Der chaiser afs 
da mit den seinen, darnach ruft er seinem chamrer und 
sprach zu im. ge pald und berait mir haimlichen an ainer 



4!4 ilLODLIEB. 

andern stat ein pet. wann Ich hie. da man mir gepet hat. 
mit nichte nicht beleih, also ^eng der chaiser haimlicb in 
ein ander herberg da er slaffen wolt. und damit gieng er 
dahin, und siben ritter beliben in der chamer. do man dem 
chaiser vor inne het gepet. Nu west der wirt nicht darumb. 
daz der chaiser haimleich ein ander slafhaus hiet. Da gieng 
der wirt nach mitterer nacht hinein in die chamer. da die 
siben ritter inn lagen vhd töta^^t si alle sampt. vnd woi^l. 
der chaiser la^g auch da. Und do der morgen chom. do sanl 
der chaiser nach seinen rittern zu der herberg und der pol 
fragt wo sie wahren, da antwurt der alt und sprach, faerr. 
sein ist lanch daz sie aufgestanden sint und sein zu ew ge- 
gangen, und do der chaiser daz vernam. do wundert in ob 
sie der alte man getöt sölt haben. Nu sant er aber nach in. 
do erfur der pot chuntleich. daz si ermort wahren, da da/, 
der chaiser vernam. dez wart er gar trawrig und gedacht 
wider sich selben. Nu hat mir dez man» weishait zu dem 
dritten mol mein leben behalten, ez ist ein giitcw weil ge- 
wesen, daz ich mein gut gab umb die drey weishait. und 
zehant hiez er den alten wirt mit sampt seinem weib und 
mit allem seinen hausgesind haben an einem galgen. Und 
der chaiser als lang er lebt behielt er die drey weishait und 
endt sein tag in gut und in frid. 

Ir lieben, der gepietter daz ist ein ieglich Christen, der 
ein gepiet bat seinez hertzen und seiner sei ze weisen, der 
lorwsertel pei dem tor. daz ist dein freyer will, und davon 
mag weder gntz noch pözz in deinen mut chomen. nur ez 
sey dann dein will, der chaufmann der an daz tor chom« 
daz ist unser herre Jesus christus. aU geschriben stet 
Nempt war. ich ste am tor und chlopf an. der selb chaaf- 
man vailt bin drey weishait umb drew hundert guldin. dai 
ist dein sei. wan die gnidein das sint die tugent der sei. 
Die erst weishait ist die. waz du tust ete. daz ist. waz du 
guter ding würchest daz selb sey ze vodrist durch gol. 
und in golez namen. so hast du sein Ion. nud an allen dei- 
nen werchen betracht. waz endez dir darauz gen mag. Als 
Salomon spricht, chint gedench den endt in allen deinen 
werchen. tust du daz. so macht du nicht gesunden. Die an- 
der weishait waz die. Veiiazz nicht ein offenen weg chun- 



RUODLteO. 415 

den umb einen steig fremden und unchunden. Der offen weg 
nnd der chund. daz ist der weg der zehen gepot. dea mI* 
ben weg solt du gen staetichleich und in behalten undnnii« 
mer einen fremden weg varn. der fremd weg daz ist der 
steig der sünden und dez lasters als die chettzer tunt. auf 
dem selben steig ligent in der hut Schacher, daz sint ma* 
nicherlay scheeden der sei und pöser gelauben yil. dar inn 
manig sei zu der ewigen verdampnüzze chomen ist. die 
drilt weishait ist. herberg nicht in eines alten wirtez hauz. 
der ein schöns iunges weib bat. daz ist die eitelchait und 
pozhait. die sich alle zeit iünget nnd new wirt. daz man ze 
diser zeit aller maist sieht, und wonest darinne du so ist ze 
fürchten dez todez. wann man siebt nu liitzel weibez schäm 
und weiplicher eren. als man wol nu speeht an irer wat. wie 
unchseuschlicben die stet mit weitem pusem. daz in ir tüt- 
tel und ir achsel plekohent. daz si pei alten Zeiten dekchten 
und sich schampten. und wie si nu eingaerbt sint in ir ge- 
want. daz man achten sol wie si geleibt sey. daz ir die man 
begern mügen zu der uncbaeusch. dar zu sie sich schikchent. 
Und ist auch ein ander uppichait. dar inn die man gevallen 
sinL daz si daz schttmig gelit enttekchent vor dem hindern, 
daz etlwenn waz ein smsehe unznchU wo man die nider 
chlaider sach. Nu gukgent die weib mit begir den mannen 
zu dem hindern. Sölicher uppichait ist ie mer und ie mer. 
die wachsent und merent sich in dirre werit. sam ein weiser 
maister ze Rom ettwenn sprach, daz ettwenn ein laster waz 
daz ist nu ein silt und ein gewonbait worden, und davon 
ist sorgsam in sölicher eitelchait die tag und daz leben ze 
enden, wan doch niemant den zwain herren gedienen und 
wol gevallen mag. daz ist got in rechter ainvaltichait nadi- 
volgen und der werlt uppichait voUaisten. als sant Pauls 
spricht, wer gottez ritter wil sein, der mag. sich nicht ge- 
flochten in der werit sorg. Die nachsetzer die zesamen pla- 
rent wider die e und unsem herren christum. daz sint die 
tefifel und ir helffer. daz sint alle pöz la;ut. hochfertig un- 
cba^uscher geitig und neidig. sie sein gelert oder ungelert 
und doch die gelerten aller maist. wann sie sein vor got 
recht geleichsner. si verdampnent die ungelerlen und die ain- 
faltigen, die sich nicht bereden chünnen und zeiehent sie 



416 RUODLIEB. 

allez dez daz in der werlt geschiebt ez sey von iren Sün- 
den, aber ir misslat meldenl si nicbtz nicht als der gleichs- 
ner tet der vom in dem tcmpel stund, der sich selber lobt 
und der verdampnet den offen sündcr der binden in dem 
tempel stunt und getorst nicht sein äugen anfgcheben gen 
got. die selben die mietent den harscherscr. daz ist dein 
seiberz leip. der negt dein sei und alle die tugend. die an 
ir ist die nimpt er ab ir und negt si ab ir. die si auz deir 
lauf pracht hat. Aher geda'chtest du an daz end. daz ist an 
den tod. wann du nicht waist wann er chumpt und dich hin 
nimt. tsetest du daz so hüttest du dich vor den Sünden, wenn 
wir nicht wissen waz todez yrir sterben müessen. oder wenn, 
da von fleizzen wir uns ze wiirchen die zehen gepot. daz 
ist der offenbar weg und daz wir daz end ansehen, und nicht 
ansehen die alten werlt mit iren jungen und newen siinden 
die alle tag new werden. TU wir daz. so enden wir unser 
tag in frid und in rechtem leben. 

Ich brauche mich nicht aufsuhalien bei einzelnem^ was 
in diesen texten auffallen magy »• b. im ersten der beisatz 
in vulgari, der da zeigte wie sich der mittelalterliche ver- 
fafser sogar sein Rom nicht ohne einen von der vornehmem 
lateinischen spräche abweichenden dialeht, wie etwa ein 
französisches oder italienisches seiner seit denken konnte, — 
im zweiten* das in so alten schrißstücken seltene ez (esjiir 
ihr, vos) der bäurischen Volkssprache, dessen sich der den 
kurzem ßffssteig verschmähende kaiser gegen seine hoß- 
leute bedient — y sodann die in der moralisation gerügte 
damalige, heute kaum begreifliche männertracht. so vird 
der leser auch von selbst bemerkt haben, dq/i die zweite 
dieser Weisheiten genau mit der dritten des Tegemseeers 
zusammenfällt. 

Zum schliffse bringe ich noch ein drittes oder viertes 

* f$ üt in diesem die Orthographie der kä,j die vom deutschen 
bearheiter (der sich mitunter sogar im reimem mussprieht) selbst her* 
rühren kann und worin unter anderm die zetehen s und z verwech- 
selt werden, beibehalten, sie m{f eine ältere suriickMi{ffihren hat tm- 
Muli(/h'g geschienen, jedem »ettreum das seinige. auch die» kann und 
wird belehrend sein. 



RDODUBB. mt 

ttück der ort am^ die bmhn^ dtu, obsdkm M den divisit 
orbe BritaiiDis wtd »wer ^hren eigemtHeken, nieki eäehti^ 
^hen, nachkommen entweder enUUmden oder ieek JorÜe- 
hendy eich auf eine noch weit merkwürdigere weise mit unse- 
rer diciktung berOhrt. gekannt hat es längst J. Grknm (kifh 
dermärehen 3, 392), ohne sich in einem »ei^fnmkt, wo es 
leider dringenderes am denken gabj gerade bestimmt daran 
zu erinnern, ich selbst bin, obsehon mir die beid^ bücher, 
Lkuyds Archaeologia BritannicOy 17 07 .JhL undPryees Ar^ 
chaeologia Comu-britanniea, 1790. 4. ßHher durch die 
hand gegOMgen, erst eon London aus durch Richard €rar^ 
neu, den thäUgen freund und forscher gaeUsches alten- 
Aums, antfdas in dem ersten auf s. 251» in dem andern auf 
s* 55 — 04 enthaltene comische märlein au/merksam gemacht 
worden, es ist an letzterm orte sowohl im originale als 
auch in dem verwandten welschen (walesschen) dialekt und 
ins englische übertragen abgedruckt und lautet ai^ deutsch 
ohngefäkr wie folgt 

Es war einmal ein mann und ein weib^ die wohnten zu 
Sanel Levan in einem haus, das nannte man zun sdbafl>oek. 
and es gab wenig verdienst, nnd da JH^^ der mann mm 
weib * ich will eins thnn und dranben arbeit suchen, sieh dn 
zu, -wie da dich.derweika hie fiirtbringsl«* so nahm er denn 
Urlaub nnd wanderte fert, weit fort gegen Sonnenaufgangs 
und zuletzt kam er zu einem meierhof, da sachte er arbeit. 

'Was kannst du?* sagte der meier. *allerler sagte Hans. 
da verdingte er sich denn für drei pfiind jährliches lohns. 

Und wie das jähr um war, da wies ihm der meier die 
drei pfund. 'sieb Jiana' sagte der meier, *h!e hab ich dir dei- 
nen lohn, ists aber, dafs du mir ihn wiedergeben willst, so 
will ich dich ein (iirtrefflich klug stück lehren.' 'immer her mit 
dem geld* sagte Hans, 'nicht doch' sagte der meier, 'lafs mirs 
und du sollst hören.' 'nun denn sagte Hans, da sagte der 
meier 'sieh dich nor, dqft du nicht einen alten weg für 
einen neuen verlqfsest* 

Und da dingten sie auf ein neues jähr um denselben 
lohn, und wie das jähr um warV da brachte der meier die 
Z. F. D. A. I. 27 



•V 



418 RUODLIEB. 

drei pfund. 'sieh Hans sagte derineier, 'hie hab ich dir dei- 
nen lohn, ists aber, dafs du mir ihn wiedergeben willst, so 
will ich dich ein fürirefllich gnt slück lehren/ 'immer her mit 
dem geld' sagte Hans, 'nicht doch' sagte der meier, 'laTs mirs. 
und du sollst hören/ 'nun denn sagte Hans, da sagte der 
meier 'lf{fs dich flicht bereden, dqfs du in einem haus zu- 
kehrest, wo der wirth alt, die frau jung ist* 

Und da dingten sie auf ein weiteres jähr, und wie das 
jähr um war, da brachte der meier die drei pfund. 'sieh 
Hans' sagte der meier, 'hie hab ich dir deinen lohn, ists 
aber, dafs du mir ihn wiedergeben willst, so will ich dich 
ein klug stück lehren, das fürtreffliehste von allen.* 'immer 
her mit dem geld' sagte Hans, 'nicht doch* sagte der meier, 
' lafs mirs und du sollst hören.' 'nun denn sagte Hans, da 
sagte der meier 'lafs dich zweimal abdreschen, ehe du ein- 
mal zuschlägst, das ist ein klug stück und das fürtrefflieh- 
ste von allen.' 

Da wollte Hans nicht länger dienen, sondern heim sa 
seinem weihe, 'nicht doch' sagte der meier, 'bleib beule noch, 
meine frau wird des morgens backen, nnd da will sie dir 
einen kuchen machen, den sollst da mitbringen deinem weibe/ 
und sie buken die neun pfand in den kuchen, und da Hans 
Urlaub nahm, sagte der meier 'hie ist der kuchen, den du 
mitbringen sollst deinem weihe, und wenn ihr einmal recht 
guter dinge bei einander sitzet, du und dein weib, dann 
mögt ihr den kuchen anbrechen, und nicht eher.' 

Hans nahm urlauh und wanderte heim zu. zu Sanct 
Glarus traf er zusammen mit drei kaofleulen aus seiner 
pfarre, die zogen heim vom Jahrmarkt zu Exeter. 'ei Hans' 
sagten sie, 'es freut uns, dafs wir dich wieder sehen, wo 
bist du auch so lange geblieben?' Hans sprach 'ich bin in 
dienst gewesen, und nun geh ich heim zu meinem weibe.' 
'schön sagten die kauAeute, 'da sind wir eines wegs.' auf 
das schlagen die kaufleute den neuen weg ein und Hans blieb 
bei dem alten, und indem er so fortgieng am hag beim waid* 
haus, und die kaufleute noch nicht weit weg waren von 
Hans, da wurden sie angefallen von räubern, und sie fien- 
gen an zn schreien, nnd wie Hans das hörte, da schrie er 
auch 'räuber, räuberT nnd über sein schreien liefsen die 



RUODUBB. 419 

räuber ab von den kaufleuten, und zu Judenmarki kamen sie 
wieder zu einander, 'o Hans* sagten sie, 'wir haben dir groFs 
zu danken; ohne dich wars um uns geschehen, komm mit 
uns, wir wollen dich freihalten/ und als sie zu der herberge 
kamen, wo sie auch hinwärts über nacht gelegen, da sagte 
Hans 'ich mufs eins thun und mich umsehen nach dem Wir- 
te, 'nach dem wirte?' sagten sie, 'was willst du dem wirte?' 
habeu wir doch die wirtin, uud ein blutjunges ding ist sie. 
willst du aber durchaus den wirt, geh in die ktiche, da 
iindest du den wirt/ und wie er in die küche kommt, da 
sieht er den wirt, und das ist ein altes schwaches männ- 
lein and dreht den spiefs. 

'Ei' sagt Hans , 'da bleib ich nicht, ich geh ins haus 
nebenan.' 'nicht doch' sagten die kaufleute, 'nimm mit uns ein 
abendbrod, wir halten dich frei.' 

Nun halte die wirtin abgeredet mit einem liebhaber aus 
der Stadt, in der nacht wenn alles schliefe, so wollten sie 
den alten mann umbringen in seinem bett und die schuld 
dann auf die kaufleute schieben, und da nun Haus zu bette 
lag im hause nebenan, da war ein loch in der wand und er 
sah ein licht, und da stund er auf und horchte und hörte 
einen mann reden, und der mann stand mit dem rücken ge- 
gen das loch, 'sieh zu sagte der mann, 'dafs im hause ne- 
benan niemand gewahre was wir thun/ und nun erwürgt er 
mit dem sacktuch den alten mann im bett. über dem nimmt 
Hans sein mefser und schneidet durch das loch dem manne 
am rücken einen runden fleck aus dem rock. . 

Und am morgen erhob die wirtin groben jammer, dafs 
man ihren herzliebsten umgebracht, und weil sonst kein 
mannsvolk im hause gewesen als die kaufleute, so müfsen 
die dafür gehangen werden, die werden festgenommen und 
in das gefängnis geworfen, 'ach* sagen sie za Hans, der da 
kommt sie zu besuchen, 'uns geht es übel, unser wirt ist 
heute nacht umgebracht und wir sollen dafür gehangen wer- 
den.* 'wie, ihr alle? aber wenn ihr euch rechtfertigt?' sagt 
Hans, 'was wollt ihr dem geben, der da sagt, wer die mord- 
that begangen?' 'wer weifs das?' sagen sie, 'wer hat die übel*- 
that begangen?' Hans sagte: 'wenn ich euch nicht den beweis 
mache wer die that begangen, so will ich dafür gehangen sein/ 

27- 



420 RUODLIEB. 

'sprich !* sagten sie. *heatnacbt' sagt Hans, 'da ich zu bette lag, 
sah ich ein licht und da stund ich auf und da war ein loch 
in der giebelwand vom haus, und ein mann stund mit dem 
rücken gegen das loch, 'wird ja wohf sprach der mann, 'im 
hause nebenan keiner sein, der da sieht was wir thun.' und 
indem schnitt ich mit meinem mefser durch das loch dem 
mann einen fleck aus dem rock, einen ganz runden fleck, 
und damit ich mein wort beweise, hie hab ich den fleck in 
der tasche, seht!* 

Und damit kamen die kaufleute los. die frau und ihr 
kumpan wurden festgenommen und gehangen. 

Darauf giengen sie mit einander fort von Judenmarkt 
und kamen endlich nach Burian. hier trennte sich ihr weg. 
die kaufleute hätten gerne gesehen, dafs Hans mit ihnen ge- 
gangen wäre ; aber Haus wollte nicht, denn er trachtete 
heim zu seinem weihe. 

Und als er weg war von den kaufleuten, da verhielt er 
sich etwas, er wollte gewiss werden, ob ihm sein weih auch 
all wegen treu geblieben, es kamen ihm darüber allerlei ge- 
danken, und als er unter die thiir kam, deuchte ihn, er höre 
einen bei ihr im bett. da langte er nach dem mefser; erste- 
chen wollte er sie alle beide, aber über dem fiel ihm bei, dafs 
er sich zweimal besinnen müste ehe er einmal Zugriffe, und 
so gieng er wieder heraus und klopfte an. 'wer ists, in got- 
tes namen, wer ists 7* sagte sie. 'ich bins* sagte Hans. 'Jesus, 
Maria, was hör ich?* sagte sie. 'bist dus Hans?* da brachte sie 
ein licht, und als Hans eingetreten, sagte er 'wie ich da 
unter die thür kam, da war mirs als hör ich einen bei dir 
im bett.' 'o Hans' sprach sie, 'da du fortgiengst, so weit fort, 
da war ich schwanger im dritten monat und nun liegt der 
kleine herzensjange bei mir im bett. gott sei gedankt.' 

Da sprach Hans 'mein meister und sein weib haben mir 
einen kuchen gegeben und gesprochen, wenn wir einmal bei 
einander wSren recht guter dinge, ich und du, da sollten 
wir den kuchen anbrechen und nicht eher, und nun denk 
ich haben wir wohl Ursache recht gater dinge zu sein.' da 
brachen sie denn den knehen an, und es waren die neun 
pfund in dem kuehen. und das geld hoben sie auf und den 
kuchen afsen sie. und da gabs weiter wenig zankens und 



RUODLIEB. 421 

keifens zwischen Hans and seinem weihe, und dtmii so hat 
die gescbichle ein ende. 

In dieser geschickte^ die, wie es scheint, unter den be- 
wohnem von Comtoall noch heute fortlebt, trifft zwar van 
den drei klugen stücken auch nur eines fnit einem der xwölfe 
des Tegernseeers zusammen; aber in der fafsung dersel- 
ben sind einige der entscheidendsten fnomente, die sich ihrer 
specialität wegen wohl nur als überlieferte begreifen lafsen, 
wie das auswandern, das dienen, der in guten rathschlä-^ 
gen bestehende lohn, und vor allem der kuchen der die 
klingende Weisheit enthält und nur bei der heimkunfl an- 
geschnitten werden darf so auffallend ganz dieselben, als 
sich der deutsche bruder am nördlichen fufse der alpen und 
ein vielleicht nur sein gaeliseh sprechender erzHhler von 
heute in einer ecke von England einander ferne stehen, 
!*^as den gedanken an eine reihe von rathschlägen und eine 
allmählJiche erprobung derselben durch die that betrifft, so 
konnte er allerdings erzählem und dichtem ganz verschie- 
dener Zeiten und orte in den sinn gekommen sein, ohne dafs 
es dazu irgend einer iU>erlieferung bedurft hätte, wollte 
man gleichwohl eine solche annehmen {und in der that wei- 
set die geschickte vieler nicht minder nahe gelegener und 
von millionen nachgedachter gedanken, die von ganz an- 
denn gewichte sind, nur gar zu oft auf einen einzigen er- 
sten finder zurück), so würde ick wenigstens mich am lieb- 
sten nach dem muttet^lande aller selbstspiegelung, dem Orient^ 
wenden, unter dessen märchen und fabeln und lehren der 
Weisheit auch jener gedanke nach den westen getragen sein 
konnte, arabische und andere aus jenen gegenden gekom- 
mene bächer, wie die, welche Petrus Alfonsi ausgebeutet, 
mochten lange vorher von seinen durch alle weit zerstreu- 
ten stammesgenofsen auch anderwärts aufgethan, was an 
den alpen konnte auch an den gestaden der nordischen meere 
evhWrt sein *. indessen das auf so verwunderliche weise zu- 

^ io uoeitet wuht selbst die fabet von der gefangenen naehti- 
gaU, die dem schütten drei lehren verspricht vnd^ losgeiqften, 
sie dem I hören verkündet , in dem griechischen legendenroman Baar- 
lam und Joasaph (cod. graec, Monae, 188/. ^^8, Aretins beiiräge 
'if 6, 38. 9» 28), welcher von einigen dern Johannes von Damaseus 



ißSt RUODLIEB. 

sammentreffende in der nähern ausßihrung des gaelischen wie 
des baierischen erzählers — dq/s auch dieses schon auf ahn» 
licher Überlieferung beruhe^ wird etwa der name Afrika^ den 
der letztere seinem schauplats beilegt, kaum hinreichen 
glaublich su machen, wäre es erst eine erßndung entweder 
des Tegernseeers oder eines Gaelen gleicher oder älterer seit, 
so würde schon der verkehr zwischen den deutschen eingebor^ 
nen und den einwandernden schottischen (d. h. irischen und 
andern gaelischen) Benedictinern eine Übertragung nach die^ 
ser oder jener richtung begreifen lafsen, wenn gar vieles 
gi*öfsere derartvon dort ausgegangen, so wird auch diesem 
kleinern gleicher Ursprung zugetraut werden dürfen. 

In der ausgäbe der lateinischen gedickte des lOn und 
\,\n jh, unter denen die friiher gefundenen fragmente von 
Rudlieb gedruckt wurden ist s. 230 zu Aurificantes nach /. 
Grimms einleuchtender bemerkung zu setzen aurifices und 
byzaales zu sireichen, s. 232 zu vinnm oder ämor Gerdradis 
noch einige andere, in den citaten der deutschen mythohgie 
s. S7f nicht begriffene stellen* in dem sogenannten Liter oc" 
cultus (hss. in München und nach Leyser hist. poet, m. aevi 
s. 1 1 78 in Helmstädt) keifst es bei darstellung eines rauf 
handeis, 

Hujus ad edictum nullos plus percutit ictum, 
Sed per clamoFem poscunt Gertrudis amorem. 
im Latinarius metricus eines Andreas rector scholarum(JUün' 
chener hs.) finden sich unter andern versen worin die beson- 
dem pairocinia verschiedener heiligen aufgezählt werden 
auch diese, 

pia Gerdrudis, quae pacis commoda cudis, 
Bellaque concludis, nos caeli mergito ludis. 
die h, Gertrud also eine friedensstifierin. aber auch noch ein 
anderes UeUingsgeschäft wurde ihr zugetraut, wie aus der 

zugeschrieben wird, auf gleichet herkommen^ auch sie ist von Petrus 
j4(fonsi (hl. 139 des Münehener eoä., b0i Schmidt s, ^1 ff.), wie von 
Boner (Benecke n^ xcii) und dem v«|/. dsv Gesta Romanorum (druck 
V, 1488 n« 167, in der okem erwähnten deuUchen bearbeitung »• 59) 
benulÄt, schien mir aber 0ls eigentliche thierfabel nicht gam^ in die 
rmhe der hier besproehsnen er»ähitingeH su gehören. 



i¥' 



RUODLlfiB. . 42S 

auf Zählung von allerlei abergUmben (in hss. des iönjh.) et- 
hellt y wo unter atiderm gesagt ist, aliqui dicant quod quando 
auiina egressa est, tuac prima nocte pernoctabit cum beata 
Gcrdrude, secunda nocte cum archaugelis, sed tertia uocte 
vadit sicut difSnitum est de ea. hierat{fwohl bezieht sich auch 
in einer poetischen ersählung von dem reichen scbreibaer {aus 
dem \bnjk,) dessen tägliches gebet zu der muten sant Ger- 
draut dafs sie im schueffe herberg gut. 

J. A. SCHMELLER. 



ZU WERNHER VOM NIEDERRHEIN. 

Der leichtsinn, mit welchem fVemhers gedichtc in der 
alten /landsehri/t, aus welcher ich sie bekannt gemacht habe, 
(entstellt sind, ist nicht geringer als wir ihn in deti papier- 
handschriften des 15/i jahrh. »u finden gewohnt sind, der 
Schreiber, dem sie vielleicht dictiert wui^den » hat auf alle 
mögliche weise gesündigt und nicht allein aus fahrläfsigkeil 
fcJäerhaft geschrieben, sondern indem er mit halbem ohr zu- 
hörte kam es ihm auch nicht darauf an, ein ganz anderes 
wort, wenn es nur einen leidlichen sinn gewährte, hinzu- 
setzen, oder hochdeutsche formen, die ihm geläufig sem 
mochten, einzumischen, die reime beweisen d^/i die spräche 
des dichtcrs viel entschiedener niederdeutsch war und wahr- 
scheinlich kam sie ziemlich mit jener überein, die sich in 
Gottfried Hagcns reimchronik darstellt, nur dqfs sie alter- 
thämlicher war. wir besitzen aber von diesem denkmal eine 
zwar verhällnismq/sig alte handschr0, aber die beste ist 
doch immer wenigstens zwei Jahrhunderte jünger als unser 
codejc von fVernher. 

Bei dem werth, den mir fFernhers gedichte für die ge- 
schichte derpoesie zu haben scheinen, reizt dieses ungünstige 
Verhältnis zu vorschlagen und vermutunge^i die dem verderbe 
ten tea:t aufzuhelfen suchen, eine reihe der scharfsinnigsten 
und glücklichsten, zum theil verbefserungen der mcinigen^ 
habe ich von W. Wackemagel erhalten, andere von M. Haupt, 
ich mache sie hier zugleich mit dem, was ich selbst bei aber*^ 
r/ialigcr durchsieht gefunden habe, bekommt. 



1, 


5. 


1, 


6. 


1, 


24. 


•> 

'•9 


7. 


3, 


21. 


4, 


31. 


5, 


27. 


6, 


4. 


6, 


5. 


6, 


25. 


7, 


14. 


7, 


15. 



424 Zu WERNHER VOM NIEDERRHEIN. 

Ir] It fVj4CKERN.4Gb'L. 

givech] givcth (gibet) s. 18, 26. Af^. 
he] hc hede fV. 
sint] würen. 

uirhorte, erhörte^ wie 5^26. vgl. gramm: 2 , 856. So7. 

getit unde hawent zale] gitet unde havet en zale. en 

zale haven wäre wie in viuspilli 75 ia ruovu ha- 

p6n. ;r. 

si herj he si. 

auch die enget kennen sein antlitz nicht. 

di mennische chenuil] des oder di menniscbin kiut. 
vgl. 6^ 11. 9, 17. 

hiz] iesch fV. 

uon] vor. 

meinen] menien, menigen }V. and Hjupt. dann 
aber schlage ich weiter vor unde der menigen al- 
ler oder ander den menigen allen. Roiher 2652 
enzwisken den menigin. fVemher reimt übrigens 
67, 24 widere : nidene und, wenn meine verb^fte^ 
rung richtig ist^ 65,4 under: wunden. 
8, 18. reit in dieser bedeutung würde ich eher von rideo 

herleiten. fF, 
10. 12. alsd virsalt, ebenso verkauft. Jeder um dreifsig 
Pfennige W. vielmehr nach 28, 22 dreifsig um 
ein ei; nach Regenbogens gedieht je dreifsig um 
einen pfennig. 

virzalt von verzeln, verurtheilt, W. 

gervch] gewuoch, gewuoc W^ 
12, 33. 34. Christas nämlich^ indem er die silnder in das 
paradier brachte. 

in siner gewere, in seinem himmlischen gewand. 

mit here, cum exercitu, W* 

sunder n6t W. 

he, der enget, urkundi Wahrzeichen, das kreuz ist 
gemeint, welches den sändem den eingang in das 
paradies verschajie. 

hc*, hArrc, Pilatus wird angeredet. 

ich zweifle nicht dafs cr-=ir, aber so zu schreiben 
ist unnöthig. so steht Rot, 33, 12 ^ P, 53, 16 fji 



'1, 


11. 


11, 


13. 


12, 


33. 


13, 


1. 


13, 


2. 


13, 


4. 


13, 


5. 


13, 


14. 


u, 


26. 



Zu WERNBßR VOM NBEDBRRHEIN. 4^5 

j4P. vergL Lachm. zuNib. 365, 1 (eine anmer- 
kungy die schon zu 125, 1 hätte können gesetzt 
werden) H. auch nochmals unten 48, 19. ere=:ire. 

14, 31. gegrutin] ze gruten vergL 24, 19. 1^. 

15, 23. schuden dUnkt mich nur ein Schreibfehler, denn in 

all den andern verglichenen formen hat das u. 
seine anderen gründe , ist entweder = wi oder 
= iu, letzteres auch in duse : denn das pronom, 
dieser enthält eigentlich die zwei pronomina der 
und sa, daher auch solche ahd. ags. alts, formen 
wie theasa, theos, thias. vgl, ov-Tog tov-tov. W. 
17, 23. wich kann wirz und auch wiht, wifl sein; aufser^ 
dem zweifle ich nicht ist undi visch zuzusetzen^ 
denn es heifst Lucas 24, 42 at illi obtalemnt ei 
partem piscis assi et &vum mellis. 

17, 27. do] di. 17, 28. hadte] bäten. 

18, 21. sich bagin] wäre sich begäben, beeilen^ nachzu- 

weisen, so würde das einen passenden sinn gewäh- 
rcn; aber auch 14, 20 müste man so lesen, 
22, 7. 8. He in is nit s6 s^re wunt, 

von sinin Worten werde (= enwerde) he gisunt. H, 

inaht dA sagin ist in parenthese zu setzen, 

in] umbe in H, 

waren] varen. 

vor lüwe fehlt die Verneinung nine. 

leizit] letzet, verhindert, 

gidilich] warum nicht giteliche ? ff"^. 

der hant] gewalt. 

verscheredit] verschreitet ff^. 

worden] vordere, fördere fV, 

giheruit] giervet, mit reichthum ausgestattet, ver- 
sorgt, vgl. z, 37,36. denn erve ist allgemein gut, 
vermögen 28, 18. 32, 26. 

sus wir gifnusse] si is virgifnusse W, und H. 

izreit] its (iz ist) vthiW, heisit] eiset Af^., viel- 
mehr eise. 

nach ir fehlt wohl wirt. 

- 32, 4. er (der habsüchtige) wählt dafs er der er- 
löstmg theilhqftig werden könne, da er durch ge- 



22, 


27. 


22, 


30. 


24, 


9. 


24, 


33. 


•>7 


29. 


28, 


6. 


28, 


15. 


28, 


26. 


30, 


3. 


31, 


19. 


31, 


31. 


31, 


32. 


31, 


33. 


31. 


34 



33, 


3. 


33, 


31. 


34, 


3. 


34, 


10. 


34, 


30. 


35, 


8. 


35, 


10. 


35, 


22. 



426 ZU WfiRNHER VOM N1£DERHH£1N. 

ringere schuld {aU andere) seines Schöpfers 
huld verloren habe, allein die gier erzeugt den 
stolz: keine barmherzigkeit macht frei ^ erlöset 
sie (32, 4 si accasativy die girde, d, i. abstract 
für das concrete den gierigen). H. 
casscn] cafsen H. 

sin* zin] smerzen tV, vielldckt ist auch sin* lese- 
fehler für sm*. 
smerze] smerzen. 
vnsi] undc fF, undi so? 
von mi] von me. 
bilive] beklibe fV. 
doch] döth, tdt fF. 

nct] uet = vaeht? H. veil und sleit ist fVcrnhers 
form, vergl. 2, 17. 38, 30 und 29, 5. 31, 28. 
37,20. 39, 1. 41, 13. 
35, 24. willint si sine prister knnditlj wiilit si sinem prie- 
ster künden fV. und H, 

37, 25. dqfs sife aber auch ein (aus den bergschluchten) 

rinnendes tvcfser hef/it geht aus einer stelle im 
herzog Ernst hervor, 3519 — 21 der blnomen sie 
gennzzen und der sifen die Aä vluzzen, so sie wol- 
den trinken. 

38, 20. so wedit is] so wer diz ist? s6 wer dir (= di?) 

ist? fr. 

38, 30. geweit] mide giveit. 

39, 18. druppen halte ich lieber fUr tropfen und dag für 

dach, was dann auch genau reimt, H. 

39, 22. ane vorfin inslahin] der wirtane worfin iudc slagin, 

der wirt dort hinein geworfen und gethan, ge- 
stürzt, wo u. s, w* H. ane voriin] ftne wdfen. 
vgl, leseb, 1, 215, 1. fF. ich siehe Haupts er- 
klärung an sich vor^ auch steht der andern die 
folgende seile entgegen, wo von weinen und kla- 
gen die rede ist. 

40, 3. drankes] krankes. 

40, 4. iaim* gliche] jiimerliohe, wie der aussätzige. 

41, 17. fehlt wohl he vor imc. 
il, 33. girovit] geroub«! M^. 



42, 


9. 


43, 


5. 


43, 


13. 


44, 


31. 


45, 


17. 


46, 


27. 


47, 


17. 



ZU WBRNHB» VOM NIlfERinKiN; ^ ^ 

42, 2. dat] dft. (mide i 8ide= mite : site) fF. 
42, 5. UcDc] Weine fF. wAnen üt wohl fFenthers/orm. 
vgl. 5, 23. auch kaiserchr. 4* inrtetc. durch 
diese treffliche verbefserung wird sinn und jsusam' 
menhang'klar. 

gibutith] geviuhtet fV, 

moyses] Moysesen IV. 

bizenchinii] bizeichinit fV. 

an ir hut] Ane vruht IV. 

Da] Der an fV. Da di porie] DA di böte H. gialei- 
nit] gisant fV. und H. 

was] raz fV. 

wisbe • Dv andire g&te] wisheit die andire gruotte 
(gruozte) fV. 
47, 30. iviiV unrecht hübe ich eine Ver nei nu ng ungenommen, 
wie fV. mir andeutet. Sahmon wüste nicht mehr 
als sie, als die königm Saba nämUch, welche al- 
lerdings auch in der folgenden seile gemeint 
wird. fV. macht zugleich die richtige betner- 
kung 'd^fs beide »eilen befser zwischen 17 und 18 
stehen. 

hier scheint eine ^eile xuJeUen. 

es ist nicht nSth^ walde in wolde zu befsem. vgl. 
wale 2, n. 4, St. 56,28. wanen 19, it. 74>,8t; 
kraden41, 2. 

Irdeilil] It deilit fV. 

kunnin konnte richtig sein, und kamen wäre dann 
ausgel({fsen ; vgl. gramm. 4, 137. 

hinnewarl] hinnerart. 

hier fehlt etwas von der ruthe Aarons. fV. 
57, 14. distMn] di sterrin. 

59. 3. Wrden niden] Vor dem nide (hq/se?) Von den 
jaden, hc ^. 

59, 29. halde virleich] scalde virzeich /^. 

60, 20. solich, tales. werden] wesen; vgl.üiy 12. fF. 
62, 13. hier fehlt wieder etwas. fV. 

62, 14. badde ist zu löschen, gidath] gedAble fV. 
62, 15. alb] Ahte fV. 
62. 28. inbati] enhAn fV. 



48, 


*> 


48, 


11. 


49, 


7. 


50, 


12. 


52, 


28. 


56, 


21. 



66, 


8. 


67, 


26. 


68, 


5. 


68, 


32. 


69, 


6. 


70, 


2. 



428 ZU WBRNHER VOM NIEDERRHBIN. 

62, 29. enichir] ein köre? werden] wesen W- 

63, 9. hauint viie] havcn wiie }F, 
63, 12. ze neminc] zeiucme IF, 

63, 31. girigen] gerigenen {von rihen) fV, 
65, 18. di genil] biz(^nit, bizeichenet Jf^, meme verbefse- 
rung der folgenden seile, wodurch diese unver- 
ändert erhalten wird, gebe ich nicht auf, auch 
scheint mir s, 21. 22 dafür zu sprechen, 

SumiHchin — sumilichin] sumeliche — sumeliche fV. 

gi niachin] gisroachin U^, 

viigin] risen. 

valcli] sillich If^, indessen ist hier immer st^Uch ge- 
schriebefi, *• 18, 18. 26,23. 48, 1. 70, 23. 

ander] Vader H^, 

sine] sinen, sinem. geliche d. h. gefällig sei fV, 

jinmerkungen. 8, 4 /. 14. statt 41. 14, 25. diese zahl ist tu 
streichen und der ganze satz unter 14, 26 zu rücken. 15, 23. in der 
dritten zeile /. 31 statt 13. 25, 32. zu borngiddz vgi. ISrac 8993. 
frauendienst 82, 7. 31, 19. /. 37 statt 27. /. 39, 22 statt 21. 

WILHELM GRIMM. 



KONIG WENZELS LANDFRIEDEN. HERZOG 
FRIEDRICHS VON BRAÜNSCHWEIG ERMOR- 
DUNG. IRREFOGELE. 

Die nachfolgenden stücke kommen alle drei aus dem 
Frankfurter Stadtarchive, wo sie in schriftziigen des fünf- 
zehnten (das erste vielleicht noch des viersehnten) Jahrhun- 
derts erhalten sind, neben diesen äufserlichkeiten sind ih- 
nen noch gemeinschaftlich die nicht sehr cotTecte spräche, 
die humoristische form, die sehr tüchtige gesinnung, dar- 
aus schliefse ich dqfs sie von einem verfafser, vielleicht 
einem Frankfurter, herrühren 7nögen. 

N"^ 1 wurde vor einigen Jahren von unscrm seitdem 
verstorbeneji bürgermeist4^r Thomas zuerst aufgifunden, es 
steht auf einem papierstreifen, der zusammengedreht war 
und als band um andere papiere diente, daher theilweise 
9ef*rieben und unlesbar ist, untef* dem römischem könig vfr- 



POLITISCHE GEDICHTE. 49» 

stehe ich fVenzel. weniger als seine Vorgänger kam er 
i?fs reich, böhmische herm hatten ihn 1394 gefangen, aber 
er wurde wieder befreit und kam 1397 nnch Frankfurt 
(der könig ist noch nicht todt), wo er am ^n Januar 1398 
einen landfneden verordnete {gedruckt bei Lehmann, chro- 
nica von Speier 4e ausg. s. 739) a?if dessen einzelne ar- 
tikel sich die parodie bezieht, die andeutung am schlufse 
kann daher auch nicht auf den hundert jähr später erfolg- 
ten bauernauf stand gehen, die venvimtng, in welche zu 
ff^ensels seit das reich gerathen war, hat selbst kein ge- 
Schichtschreiber übersehen, weshalb diese zettgenöjsische 
stimme um so willkommener sein mag. 

N"* 2 ist in die wahltagsacten, welche atf dem Frank- 
furter Stadtarchiv eine reihe folianten bilden, band 1 s. 32 
ziemlich gleichzeitig mitten unter die damals an Frankfurt 
gelangten und von dieser Stadt erlafsenen missive find be- 
urkundungen eingeschrieben, die kurfürsten welche den 
kUnig IFenzel absetzen wollten hielten zu diesem zweck im 
mai 1400 zu Frankfurt einen vorbereitenden reichstag. (Uff 
dem riickweg umrde hersog Friedrich von Braunschweig mit 
andern am 5n Juni bei Fritzlar von mainzischen amtleuten 
plötzlich überfallen und im handgemenge getödtet. die öf- 
fentliche stimme verdächtigte den Mainzer erzbischof Jo- 
hann von Nafsau wegen dieser unthat. dagegen behauptete 
der crzbischof dafs er an dem Vorgang weder mit rath und 
that noch auch nur durch mitwifsenschafl betheiligt gewe- 
sen und dies wurde ihm auch von mehreren der thäter selbst 
bezeugt, allerdings scheint die meinung neuerer geschicht- 
schreiber als habe Friedrich aussieht gehabt Wenzels nach- 
f olger zu werden^ was dann freilich in des erzbischofs 
plane schwerlich gepasst haben würde, keinen grund zu ha- 
ben, aber es ist doch schwer zu glauben dq/i die main zi- 
schen amtleute ohne einen rückhalt handelten, wenn auch 
die erfolgte tödtung vielleicht nicht in ihrer absieht lag. 
der name Königsberg mit welchem sich der verfafser an- 
reden läfst ist doch wohl nur ein angenommener, denselben 
gegenständ behandelt ein lateinisches gedieht, welches zu- 
erst bei Theodor Engelhus vorkommt, mit einer kleinen 
abweichung am schli^s öfter gedruckt ist und hier zur ver- 



430 POLITISCHB GEDICIIT£. 

gleicliung aus Rechtmeiers braunschw. Vdneb, chronica s, 078 
jHitgetheiU wird, 

Regula non ficta ncquam Moguntia dicta, 
Germen Pilati nunc denuo vivificati, 
Sicut dum vLxit itcrum Christum crucifixit. 
Namquc ducem siravit Fridcricum, qui quasi David 
Brunswic protexit, gentemque suam bene rexit. 
Transtulit ad Christum respublica dicitur istum. 
Pro qua perrexit Francfurt. heu tunc sibi texit 
Traditio vestem, quem mortis postea testem 
Nequiter inflixit, prope Frizlar vulnera fixit. 
Heu, heu, heu mille miles validissimus ille ! 
Sternitur ipse fuga, qui sepius ardua iuga 
Belli contrivit. spes est quod in ethere vivit. 
Nunc iacet in crypta, de quo sunt talia scripta : 
FRE fremit in mundo, D£ deprimit alta profundo, 
RI rigidum flectit, CUS cuspide mucroque pleclit. 
Vivat ut in celis dux inclitus ille fidelis, 
Optet ei quisquis, qui scriptis condolet istis. 
N^ 3 lag bei dem ersten stück, vielleicht besieht es sich 
auf 4ie räubereien, wegen welcher konig Ruprecht im jähr 
1405 eine anzahl wetterauischer bürgen mit hülfe der reichs- 
Städte bracht vgl. die gleichzeitige nachricht bei Bodmann 
rheing. altefth. 812. 

Franijvrt a. M. im Juli 1841. 

FR. BÖHMER. 



1 



Ir hercn gent mir daz hotten brot, 

der römische kunig ist noch nit tot, 

er wil dem lande machen fride. 

Er het geboten bidcrwide 

daz jederman sin kriegen lasse. 

Er meinet daz man dez riches Strasse 

gar sicher var in sime geleite, 

als mir ein karicher von Oehingen seite. 

Er sprach : man hei es an die lute gelan 

und sei der krieg in satzunge ston 






'm- • 



pOLmsqBB GEOicq^E. 43t 

bitze daz die fufirrnsanifte kumen, 
als ich rede ban vemiunen, 
daz sii den krieg sullent stillen 
mit der heren und stete willen. 

Die fünf wil icb neb nennen, 
so mugent ir sii erkennen. 
Der erste ein bader wesen sol 
der nie geswitzete, merckent wol. 
Den anderen icb hie erzeuge, 
ein underköifer der nie geloug. i 
Den dirten nenne ich an dirre zal, 
ein müUer der nie gestal. 
Den vierden nenne icb an dirre frist, 
einere der rudig oder kretzig ist 
und do bi nie gegucket hat, 
der fueget wol an disen rat. 
Der fünfte scheideroan 
der sol sin ein spiler 
der do reiset bi dem win 
und alle tage tribet sin ungeur 
und doch do bie nie geswnr. 

Wir werdend erste ergetzei 
wie der kunig den lantfriden setzet, 
daz er do her zn iung waz 
wen er wersorget uns deste b|s. 
Swer muesent den lantfriden 
die heren und die stette 
do mitte ob sii in halten wellen. 
Die arttückel wil ich erzeigen 
die dem lande hören zu. 

Zu erstem, daz noch kein ku 
irn rehten meister haben sol : 
daz gevellet uns armen gesellen wol. 
Wo man die riehen geburen windet 
sii habent kunge res oder rinder 
sü suUent es teilen als gligh 
daz die airmen ouch werden! rieb. 
So sol der pflüg ouch fride ban 
wo man in siht za acker gan : 






432 POLITISCHE GEDICHTE. 

die pfert und oQch den ackerman 

mag man vollen und dennen triben 

als daz der pflüg sol belibe 

als daz der kunig gebotten habe, 

man breche ime denne die isen abe. 

Der koufman vert ufl* gutem geleite 

wo er hin wil, wite oder breite, 

und trüge er golt uf dem rucken 

so were er doch sicher vor den mucken, 

vir die harscher spriche ich dir nüt. 

Wo aber einere durch die lant fert, 

den sol man loffen lossen, 

daz pfert und ouch die hosse (ochsen?; 

man tugentliche nemen sol: 

daz zümet dem guten lantfriden wol 

den der kunig geboten hat. 

Wo aber einere durch die lant gat, 

der gebe er nüt me den spies und swert, 

so het er den zol wol gewert. 

Vier pfert vor eime wagen 

die sol man nemen oue klagen 

und machen darus kein gesrei, 

vor eime karriche nemen zwei 

oder doch zum roinesten eins, 

er habe denne niergent keins. 

Do noch wurt ez gut rot 

der ime nuwent die schwen lot : 

noch mus man es est glouben 

daz nicman bume mit nassen schouben. 

Daz hört ouch wol zu diser sun : 

swin schof gans oder hun 

die gent wol sicher ... er wege 

als daz ir die wolfe pflegen 

da mitte so blibet daz länt in eren 

bitz die fünve heissent sweren 

in dem land 

sprach bant. 

Wer aber in denselben dagen 

daz einere rebt von dem ander beger 






PÜdllSCHE GEDICHTB; 4SS 

der ahte die. fünf her 

und leiste in minne nnd rehi 
so blibe der lantfriden alwegen sieht. 
Wer daz uiber vert, 
der het dez kuniges gebot entert 
and übervert dez landez reht, 
er si grove finge oder kneht 
gebure pfaSe oder lege, 
die merckent obene di . . gefrege. 
Ir wenent als es sie in schimpf; 
so spriche ich doch zu worheit, 
wer dem lande git fride oder geleit 
man ime billich rigen (nigen?) sol, 
daz zürnet dem römische kunige wol, 
et zetera buntschuch 
hanget der zagel durch die bruch. 
Amen. 



Nota als herczog Rndolff Ton Sassen etc. mit herczog Bern- 
hard und herczog Fridrich gebrudem Yon Brunswig und 
Lüneburg sinen swegern von disem tage zoch, da worf- 
fin in des bischoffs Ton Mencze amptlnde nider^ als her- 
nach ludet: 

Durch luste solde ich eins morgens gain 

An eyiiem anger wol gelann, 

Da begenete mir yn dem angir grüne 

Eyn wip, waz ufsirmassen schone. 

Sie spräche 'Got grufse dich, Königsberg, 

Ich mufs dir clagen yamerwerg 

Die uns armen sint getann.' 

Ich danckete der frauwen uff guten wann. • 

Ich sprach *Jungfirauwe mynneclich, 

Durch got wan abe irkent ir mich ?* 

Sie sprach *Du bist mir wol bekaut ; 

Ich bin in botschafft zu dir gesaut 

Von sehs hochgebom frauwen. 

Die bidden dich in ganczen truwen, 
Z. F. D. A. I. 28 



484 POLmSGHE GEDICHTE. 

Daz du zu yn wollest ryden, 

Want sie sint in grofsem lyden, 

Als ich dich hie sal wal bescheiden, 

Wiltu myn botschalTt hören and beiden?' 

Ich sprach ' Jungfrauw, ja ich gern : 

Auch mag ich nit wol enbern 

Ich mufs wifsen wer ir sijt, 

Wan ich bij allir myner geczijt 

Schonern boten noch nie gesach. 

Ir moget wol sin ein übertach 

Ubir allen reynen guten wyben, 

Ir suUit wol dusent leit viririben 

So fruntlich ist uwir angesicht/ 

Sie sprach 'Des enachten ich nicht. 

Wiltu wissen wer ich sij, 

So wil ich dich bescheiden hie. 

Ich bin iz Gerechtikeit genennit. 

Wie wenig daz man mich hie irkennit. 

Doch waz ich etwann hie bekant. 

Nu werde ich in ein andir lant 

Yirtrieben and gar firslosseii 

Mit andim myiieii genossen* 

Ich spracb ' Zarte Jungfranw fyn, 

Sagit Biir wvr uwir genossen sin.* 

Sie sprach 'Gern, in kurtzir frist. 

Die die dbirste undir uns ist, 

Die iit gnant die hoe firaawe Ere^ 

Die mich gesant hat zu dire^ 

Frauwe Truwe und frauwe Warheit, 

Frauwe Mafse und auch Gercchtekeyt, 

Frauwe Dugent und frauwe Reyne-zocht : 

Wir hau gnommen alle die flocht 

Und werden uTs dem lande viriagit, 

Daz sij got und dir geclagit/ 

Ich sprach 'Jungfrauwe schone riebe, 

Nemet nit vir ubil des ich uch bieden : 

Wer wil üch also virtriben?' 

Sie sprach ' Wir können nirgen blibea 

Vor «yme weibe, die heifsit finraiw« l|tfeude. 



pQUTB}«iiB (S]i»icfl;m. jll 



Die enlesset uns uirgeQ io k^yne^i )«p4<^« 

Von der mufs ich die bosheit san 

Was sie uns kurczlich hat getan. 

Sie hat uns getann grofsen mort, 

Daz soUestu mogelich sagen vort 

Den Fürsten graven und den herren, 

Obe sich yemant wulde keren 

An diesen; ieinerlichen dot 

Der umb der cristenheid not 

Und willen ist gelieden 

Und zu unrecht ist bestrieden 

Und scheutlich schemelich hindirgangen 

Und uns die unsem abegefengei^ 

Fürsten graven herren ritter und knecht, 

Widir goty widir ere und widir recht 

Und widir alle die cristenheid. 

Königsberg, daz sal dir wesen leit 

Und Salt iz mogelich vorbafs brengep, 

Wan du zu rechten waren dingen 

Hast globit und gesworo.' 

Ich sprach ' Jungfruwe hochgebom, 

Der rede der erli^^et mich 

Durch unsem herreii von b^iemelFiob- 

Ich mochte der wUrlieM $ff yiel aageu, 

Mir wurde myn llp enciwey geslagen 

Mit knotteln und mit hüten kolben 

Und lebendig undir die erden getolbep, 

Als manchen vor mir ist gescheen 

Die viel der warheid woldeii iehen.' 

Sie sprach 'filibet iz ungeroohen, 

Der cristenglaube wirt daruoib ^^ubroebev^ 

Wann sie sint umb der cristeQbej^ 

Komen in difs grofse leit, 

Und umb der cristen noit 

Ist der helt geblieben doit. 

Von Brunswig herczoge Friedericii, 

Der sinen lip so iemerlich 

Und clegelich hat viriorn.' 

Ich sprach 'JuagfirMW bocbgeborn, 

28* 



4S6 POLITISCHE GEDICHTE. 

Sagit mir durch uwir hulde 

Gibit man des ymant schulde?' 

Sie sprach 'Von Mencze bisschoff Johann , 

Des amptlude sin gewesin dran; 

Blibit er in dem Itimäde stann, 

Als mir die lüde sagen gemejme, 

So gebe ich umb sin ere gar cleyne/ 

Ich sprach 'Jungfranw, dovor sij got. 

Der uns alle geschaffen hat, 

Daz bischoff Johann von Mencze 

It leide frauwe Schanden dencze ; 

Daz er sich mufs aläo entschulden 

Daz er behalden frauwe Eren hulden, 

Daz raden ich yme in ganczen trawen, 

Und lafse yme vor frauwe Schanden gruwen/ 

Sie sprach 'Konigisberg, myn liebir knecht, 

Höre mir zu und virstant mich recht. 

Dut er darczu nit als er sal, 

So virlibit yme eyne schänden mal 

Daz er virwynnet nommerme.' 

Ich sprach 'Daz dei mir sichir we 

Daz er also virlore sin ere, 

Obe er daran nnscbuldig were/ 

Sie sprach 'INfse bofsheit ist geschiebt ; 

Wiltu daz Yorbafs sagen nit, 

So höre doch waz ich dir san/ 

Ich sprach 'Iz engeet mich doch nit an.' 

Sie sprach *Wie bistu dann ein mann? 

Hastu den wappen nit gesworn ?* 

Ich sprach 'Ja ich, hochgeborn; 

Wer da wol dut, den secze ich vort. 

Den besten an den eren -ort; 

Und wen ich weifs eynen bosewioht, 

Den seczen ich bij keynen gnden nicht. 

Y doch wil ich ir keynen scheiden, 

Dann wolt ir ymand anders meUen, 

Daz mogit ir dun ane alle myn straffen.* 

Sie sprach 'So wil ich schrihen waffen 

Ubir Hans Hag vnn Lebenstein, 



POLinSCHB GBDICHTB. 

Eynen der grosten virredir ein, 

Den hade die sonne ye beschein, 

Grave Heinrich von Waldecke, 

Von Papperg her Friederich, 

Eyme virreder nnd eyme niordir glich, 

Von Falkinberg her Conczemann, 

Der frauwen Schanden gndb gan» 

Her Friederich von Uirtingiahasen, 

Darfur sal allirmenlich grasen, 

Daz edil blut von Bmnenswig 

Hat ermordet iemerlich 

Widir got und widir ere. 

Ich wonschen, daz er nommerme 

Zu gnaden müfse komen. 

Auch haut sie den fromen 

Uirczog Rudoiff von Sassenlant, 

Eyn kurfurste edil und wol bekant, 

Widir got und widir ere gefangen. 

Ach got weren sie alle gehangen, 

Die darubir und daran gewest sint. 

Und an allen äugen Mint, 

Des weren sie sichir alle wert. 

Warumb? sie haut firanwen Schanden swert 

Gar schentlichen lassen snyden. 

Daz geschach zn den geczijden, 

Da man vierczehenhundert iar 

Zalte, daz ist sichir war. 

Dunt nu die fursten darczu nit 

In der lande iz ist geschit. 

So hat ire ere den rieden 

Mit iren lantfridden, 

So sint sie meyneydig alle gar. 

Königsberg, des saltn nemen war/ 

Ich sprach 'Jnngfrauwe, daz mogit ir san, 

Do wil ich ansehaldig sin an.* 



438 POLmSGHB GBDIGHTE. 



Irrefogele waren zu zijden bekant. 

der was einer Colmenach genant; 

den andern wiel ich wijseQ, 

der hiefs Jacob Krauwejsen ; 

ich wifsle darczu einen noch 

vom Donrlsberge hiefs Heintz Koch ; 

ich meynen darzu Johannes Guben, 

der begonde an leren flecken haut cluben ; 

so bette Pauwels von Braket auch gerne 

Bacherachs bede wollen sin schuldiger mit gewern. 

Ach got wie notig ist Johannes Lene ; 

er bette vil lieber dan ander zwene; 

es were wol wert eins maMer hoppen 

der solich not ane schaden hette können alle gestoppen 



DIE WARNUNG. 

Dieses durch einzelne K&gt nicht vnmerkwUrdige ge- 
dieht ist nur in der kmkbchri/i 2696 der fFiener hoßi- 
bliothek enthalten^ mm der Hoffmann in seinem Verzeich- 
nisse s. 2^ ff, handelU es steht darin von s. 26 1* bis 302'* 
und hat den titel Dafs buch heizzet dev wamnnge. 7iach 
s. 302 sind drei blätter ausgeschnitten, mit denen der schlufs 
dieses gedichtes und der anfang des in den altdeutschen 
blättern U 217 ff. heransg^gebenen fehlt, die abweichungen 
meines textes voji der handschrift anzugeben war über- 
ßäfsigy da die weise des Schreibers aus den buchstäblichen 
abdrücken anderer stücke dieser handschrtjt sich zur ge- 
nüge erkennen läfst. duf*ch gleiche Wiederholung auch die- 
ses gedichtes mochte ich dem allerdings nicht uneorgfälti- 
gen Schreiber y der im 14« Jh. gedickte des 12n und 13« 
zusammontrug^ keine unmttze «Are anthun. mis detn 13« 
/v/, wie jeder sieht^. diese wamung. 

HAUPT. 



. • 



DIE WAHNL'NÜ. 

Nu verueiul, siinda're, 
diu jauuerlicbeu luitre, 
wie allcz daz eio eode uimt 
daz DU der werlde wol gezimt. 
bMiu lip unde guoL, 
gedanc sinne uude muot, 
Treudc unde wiinne, 
friuiit uiidc küane, 
elliu Merlliich gescliaft, 
liehtiu varwe uade itraA 
muoz sicii vcrk&ren 
van allen sinen tnn 
ze grAzem unwerde, 
zc einer bumsen erde. 
hör ze liorwe hör treit, 
sA friuitt den Friunt ze gmtiB \äl. 
den löten l6ler weinel: 
an den arm er sich leinet 
unt siuflct vil säre. 
den friuiit klagt er m^i'c 
deuB er sin selbes vreiee (u<i 
diu im sA vaste nähet zno. 
Iiäcb Hebe liep würbet : 
der nu vil va^lc wirbet 
um sines töten friundes guol, 
ze leben li.1l er vesteu muol, 
(int cnweiit der naht selbe ufat 
daz in der idt aa silil. -^ 
er machet in ier.hibe in 
der er Uage wmaat waM bf 
unt käme hAt «mmgen,' 
rebten erben u ertwKogfla. 
*" d6 m^n sinea friuat le graba-tsnoe 
zäher gab er im g^uioos . 
von dem rftwe warll im vil gAch: 
er gab im Ifilsel hin aktb 



« kanätckrift 6 wä (vdI oikr vm/ut immer, stUea ood, fait 
le) Jt. vU Uten l(. Hör. ze Mfa»a lrait:T 



440 DIE WARNUNG. 

sines gnotes. als erz begreif, 
diu klage im ab dem herzen sleif. 
diu habe diu ist besezzen, 
des friundes ist vergezzen. 40 

al daz selbe im geschiht 
swie schiere man in töten sifat. 
man gedenket sin vil seine 
und teilet im vil kleine, 

als er den friunden nu tuot 45 

die im da liezen ir guot 
nnt im getrouten s6 wol 
als friunt von rehte friunde sol. 
Von des jungen hin scheiden 
wil niht dem alten leiden 50 

diu sin missel^ts 
daz ist des liuvels rät. 
begrebt daz kiut den wisen, 
s6 heizet er sich wisen 

alles des der alte hftt. 55 

sin trdst ze langem leben stki. 
d6 g^t ez an die barmkeit. 
s6 man der witze guot leit 
in der tumpheite hant, 

da wirt schade nach erkant. 60 

nu der gelt ist gemftret 
dar er den muot köret, 
sinen willen wil er haben wol 
unt ist tumpheite vol. 

sine friunt diez im d& liezen, 65 

die eulxt er sin niht geniezen. 
üz der helle si her dingent, 
Aä si mit noBten ringent, 
daz man in ir guot teile 

unt si von söre heile 70 

252* unt in helfe uz ängstlicher not: 
si twingt der hellefiwers t6t. 
zc herzen ez im nine göt 

48. frivodeo 51. Dem sein m. 55. h^t? 56. tl^i? 

57. Da (öft^r Jiir dd) 69. teilet 70. hsilet 73. ia 



Die WARNONC». 4« 

der ob dem gaote hie st6t 
Hat gedenket lange ze lebcfne. 75 

ez kumt im niht vergebene, 
er daldetz in der selben n6t 
als jener lidet den tot 
der imz üf sin triwe lie 

d6 im diu stle fiz gie. 80 

als er in allen freuden ist 
unt schaffet vaste sine genist 
unt hilft den armen s61en niht, 
wand er got lützel an siht, 
dem h^ren schephsre 85 

wirt er vil nmnaere, 
über in gfet der gotes haz. 
s6 muoz daz uanntze vaz 
diu s61e rämen sä zestete, 
daz er guot mit gnote niene tete 90 

mit almuosn oder mit gebete 
den von ien er ez bete, 
ze helle er sin buoze bestftt, 
swenn diu st\e dz g6t/ 
D6 git im denne niemen niht, 95 

swaz im ze liden geaehihl. 
swem er sin gnol Uzen hftt, 
vil kleine er im ze herzen gftt. 
d6 riebet tAt des tAten leit 
s6 man erben zuo dem vordem leit. 100 

nu merkt die jsemeriioben n6t, 
daz den ungewamten tAt 
enzit niemen föchten wil: 
des wirt der liute veriom vil. 
den vater weint man sAre, 105 

den sun michel mAre, 
nach braoder bruoder hin verl, 
wir stn ot alle nnerwert, 
252 ^ ez si uns liep oder leit, 

der tAt kumt vil bereite HO 

92, seinen 89. Die 99. richtet 



442 DIE WARNUNG. 

er ilet naht uude tac, 

dehein sache in gesümen mac, 

er kürzet unser wdnzit. 

s6 der mensche in seniler freude lit 

unt gedenket wier im wol tuo, 1 1 5 

verholne g6t der t6t zuo: 

von der s^Ie er in scheidet: 

diu freude im denne leidet 

da er sanfte inne swebte, 

d6 er ka angest lebte. 120 

daz ist ein tägelichiu n6t 

die uns der jaemerliche t6t 

erzeigt mit wuofes grimme 

in weinunder stimme, 

daz wir alle ein ander vliesen, 125 

s6 wir den t6t kiesen. 

swie liep wir ein ander sin 

als des t6des zeichen wirt schiu 

in swarzgelwer varwe, 

der lip albegarwe 130 

unt diu lit erweicheni, 

diu ougen erbleichent, 

der munt unt diu nase val, 

die füeze unt die hende sal. 

der amblic im widerstftt 135 

dem der friunt wol ze herzen g^l, 

wand im der abe griuset, 

s6 die gez»me verliuset 

diu linde r6twize hut 

unt erwelket als ein kriit 140 

dem diu gruose ist entwichen 

unt fiuhtel6s erblichen, 

s6 nimt ez niemeo in die haut, 

wan ze aiiste hat ez sich gewant. 

also ist der men«che nAch der zit 145 

der stirbet unt iöter lit, 

115. wie 116. verholn 118. im] mit 195. Verliesen 

126. schiesen 138. div 140. er weichet 141. gmse: 

ff^'h. Grimm zur goid. schm. 972. 142. iveht«les 



DiB WARNUNGi 44t 

253" so enist in der werlde niht^ 
da daz oage gesihi, 
daz si s6 ungezseme, 
swie er t wsere genaeme. 150 

war umbe g^t der nan nihi 
da er sin wip tAte siht .^ 

unt kiisst si sam er 6 tele? S 

da eist in ab der ratete, 
daz ist diu jaemerlichiu n6t 1 55 

die UAS zeiget der tdt, 
b^diu wip uade kint, 
diu liep s6 der Itp sint^ 
daz si den vriuaden widerst^ut 
unde gähes von in g^nt. 160 

r nach dem t6de ir niemen pblegeu wU, 

und habent doch 4er friunde vü. 
schoene hus er gewunnen hAt^ 
wan daz in niemea driane lAt 
beliben einen BiAn6t 105 

dar nach uat er lige tAU 
Nu zimber schöne unde woi 
unt berihte ez -«Ues guotes vol 
unt si ganz uat gesrnUf. 

deheime siechtuome kut^ i70 

als sin got nibt langeMSirU» 
als schiere kuint sin zil 
ald4 er siech unde kranc 
mit dem töde hüft-sion giranc. 
weder hus noch gaot I75 

noch dehein froelich miioi 
bringt in über daz niht, 
als im ze sterben geschikt. 

durch daz warnet iuch eozit. 
der t6t iu Afjdem rukke lit 180 

so ir aller JieAte leben weit, 
iwer tage wer«teat i« gezelt, 
ez si iu liep <Mler kit« 

153. chuste. 154. aeiseit 156. div — den t. 164. wan] 

vnt 170. dehwiii 173. Ato da 174» Aotn 



444 DIE WARNUNG. 

ir verlieset al die arbeit 
253 *" daz ir nach guote runget ie. 185 

ir müezetz alicz läzen hfe, 
irn habt ez vor hin gesaut, 
iu bringet spise noch gewant 
hin nach deheiner slahte man 
der des iuren ie iht gewan. 190 

man vergizzet iwer sä zestunt, 
als ir der erde werdet kunt. 

von diu habt rehter witze muot 
unt gebt selbe iwer gnot. 

swaz ir vor hin gesendet, 1 95 

deist der s61e unverwendet: 
allez midet si ez bereit 
da dem tr6st wirt verseit 
der hie durch got lützel git 
unt in der werlt durst bellt. 200 

der dem libe hie wol tuot 
unt gewinnet durch sich selben guot 
unt gedenkt ez lange ze niezen 
unt l^t sich bedriezen 

daz er durch got iht tuo, 205 

dem sprichet der rihtsere zuo 
an der jungisten zit 
da man uns allen 16n git 
'du verfluochter, var in die n6t 
da der ^wige t6t 210 

den tiufel unde sin her 
költ immer äne wer. 
da wis immer m^re 
mit endel6sem s6re : 

da wirt dir danne w6: 215 

unt daz nimmer zerg^.' 
Owft der verte die der vert! 
wan der ist immer unernert. 
d6 hat riwe der zit niht, 
wand ez nimmer m6r geschiht 220 

184. alle 196. daz ist 197. si« m: si? 21S. wir« ir 



Die WARNUNG. 4a 

daz im vrist werde gegeben 
darch bezzerunge daz leben. 
254' na habt daz vleisch mit zarte: 
lach beginnet swaeren harte 
swaz na dem libe wt>l tuot. 225 

iu b^iiint der heizen helle glaot 
aller slahte gemach. 
d6 riwet ez iuch deiz ie geschach 
daz iu in der werit was wol, 
Sit ez ein solch ende nemen sol. 230 

daz wizzen man nnde wip 
daz dia s^le unt der Itp 
von hitze habent solhe n6t 
daz si gcrner wseren t6t, 

wände si ensampt brinnent: 235 

deheine gendde si gewinnent. 
in allem sinem s^re 
gesiht er nimmer m6re 
tac noch sannen schin. 

der iä ze helle maoz sin 240 

nach dem arteile, 
ze gr6zem anheile 
ist der selbe giboni, 
der hie semfte hftt erkorn 
wider ^wicltchen gemach 245 

dft niemen leide nie geschach. 
der helle roach ant ir stano 
die machent die üli.vil lano. 
eiI^•karzia stunt wirt tflsent jAr^ 
daz ist sicherlichen wAr. 250 

da enslaht ir iaren viant niht, 
swaz ia ze liden geschiht: 
oach nemt ir niemen sin guot, 
swaz ia der tiavel leides taol: 
irn brennet noch enronbet: 255 

alles Übels ir iach geloabet: 

222. des leben: gr. 4, 755/. 224. ivx aber die hs, hat dies 
oft Jpir iacb. 226. betone 228. daz es. 251. enuUeh 



• 



> 



440 DIE WARNUNG. 

'im 

ir ratet niemen dehein schaden, 
wan di\ Sit ir selbe mit geladen 
ze vil langem s6re 

in dem swebel immer mßre : 260 

254'' daz irrt iuch übelta^le 
unt aller bocsen ra^tc. 
Der süeze met, der lüter win 
muoz iu da vil üwer sin: 

ir muget mit deheinen sinnen 265 

schoener wibe Ak niht gewinnen : 
irn zabelt ouch da niht, 
wan dA niemen würfel siht: 
iu enmachet niemen guot bat 
noch dehein schoene bettestat: 270 

irn habt willen noch gedanc 
uf bluomcn noch üf vogelsanc : 
daz müezt ir allez miden 
unt gr6ze not Uden. 

des enweiz iu got deheinen danr. 275 

sint toetet iuch der helle twanc. 

daz ir gerihte müezet doln, 
die schulde kunnt ir wol geholn. 
got enfürhtel ir niht, 

wand iuch ze kirchen niemen siht 280 

mit rehtem gela'ze. 
gesunde unt gevrxze, 
huor unt unreiniu wort 
sint aller iwer tugende hört, 
untriwe valsch unde nit, 285 

zorn unt boeser dinge strit, 
vil unreiner gclust, 
lüge unt elliu Akust, 
Wille arger dinge. 

swie iu dar an gelinge, 290 

s6 habt ir boeser sache muol. 
swaz iu got dar umbe tuot, 

257. ouch nieuien 276. sein t. iv. 28'i. ((«^lleudc 

288. honchust 



». * * D» WARNUNG. ÜT ». 

■ ' *1 

(Uz wirt ze rehle im gezelt, » 

stl ir inch bezzern niene weit, 
Swcr IUI nilit biipzeii welle, 2t{p'^ ^ 

f!cr si einen lac ze helle: ^ 

in diinket allez daz guol 
swaz man im liie durch gol Inot- 
255* nerat ein fiwer iu die hanl: 

vil sciiicre habt ir bebant »00 ^ 

der groezUchen hitzc wcs«n '^ 

Aä von wir ze allen ztten lesen, * 

iä von daz wazzer brinnet, 

ob ez dar zuo rinnet. 

da muoz vlciscb unde bein .105 • 

zuo der s£le smelzen «nein '^^■' 

immer ftne ende. 

swer daz niene wende 

in disem kurt|^' [ebene, 

ob er hAt ze gebene 310 . -^tit 

oder vasle oder wache ■ ^' 

unihc mnnege bcese sache, 

daz er altez sin leben , 

für zins dem liuvel hAt gegeben, 

der Idze riwe werden schin, 316 

welle er nihl ze helle bid, 

oder er verl eine vart 

daz im nie so süezez wart 

ern diene ez mit sAre. 

sA muoz er mtchel mtn 320 

Ane [An nAt Hden. 

gerner moht er hie mtden 

des wol der Hp enbiere 

änc grAze swxre. 

diu mäze ist reine nnde gnot 325 

unt swachet niemen rehten ranot. 
si git dem libe slste kfsft , -. 

unt enwirt nibt harte sündehaft. 
weit ir dne helle wesen, 

'314. hit den livH g. S19. Brn div 



448 DIE WARNUNG. 

mit der mäze mugct ir genesen, 330 

wan dannoch habt ir sünden vii 
dar umbe ich doch niht enwil • 
iu erteilen gotes zorn, 
wan si werdent selten gar verlorn, 
mit der mäze muget ir vr6 sin, 335 

daz doch nimmer wirl schin 
255^ der sünden unreinekeit 

noch deheines trtieben muotes leit. 
swem diu mAze entsliTel 

unl über die mäze grifet 340 

an elliu diu unt er tuot, 
der ist boeslich gemuot, 
des hat got vergezzcn 
der tivel hat in besezzen, 

wan er des libes gelust 345 

erfüllet uf der s(le vertust, 
nihtes er sich dnen wil 
und füeget besser sünde vii 
dem libe über sine kraft. 

der Ist mit dem öbelem geiste bebafi. 350 

der erfiUlt in alles des er mac 
als einen witen bettesac, 
der ist gote ungenasme 
unt der wcrlt widerza*mc. 

er möhte niht unreiner sin : 355 

daz ist wol an siner fuore schin. 
Swer im solch leben kiusel 
daz er gel unt werlt verlinset, 
dem ist elliu 6re 

verteilet immer mßre. 360 

daz sint ruomaere, 
diebe unt rouba^re, 
kirchen breunsere 
unt schächmordaere 

meinswerer unt lügnaere, 365 

unt ouch valschc ribtaere, 

331. Want 333. Ir 334. si] dt'e sich an die mAxe hatten, 
341. an allen dingen ant er I. T 358. onl die w. 36S. Mein s^^r 



DKWARNUN6. «4» 

» 

ttnt alier triwen liere. 

der ist aber niemen msere, 

wände man sin woi enbaere, 

nnt ist ein rehter triigen«re, 370 

daz er hie niene lebte 

und in der helle s wehte. 

swaz Unte ich in genennet hän, 
daz Salt ir wizzen äne wän 
256" daz die von gr6zer schulde 375 

gotes unt der werlt hulde 
mit michelm rehte ine sint, 
wan si wären ie des tiavels kint. 

manger ist der werlt genaeme 
nnt'gote widerzaeme: 380 

so ist einer gote genseme 
unt der werlt widerzseme: 
so ist einer genaeme 
unt in beiden zseme, 

der ander ungenaeme 385 

in beiden ungezaeme. 

der milte unt der goofce 
unt der reine gemuot^, 
der gedulUc unt btfmherzic ist 
unt hazzet allen vulschen list, 390 

b^diu getriu unt wArhaft, 
den minnet diu gotes kraft, 
von der werlt ist er ge&ret, 
wand er si tngende l^ret. 
der ist daz wol gebraute golt, 395 

im ist got unt diu werlt holt. 

einer ist ein gefueger man, 
der werlt er wol gewarten kau 
au allen ir dingen, 

nftch ir lohe wol geringen: 400 

mit allem vlize er gerne tuet 
allez daz si danket guot 
und hiiet sich aOer bdsheit: 

403. hvtet (die meisten kürtungm $ind gegen die ht.) 
Z. F. D. A. I. 29 



» 



.$ 



450 DIE WARNUNG. 

ungewizzen ist im vil leit: 
mit gewizzener ahte 405 

ist er in lobes trahte 
daz er iht des getuo 
di\ diu werlt haz habe zao^ 
unt dient mit allem sinne 

nAch ir Idnes gewinne. 410 

256*' da gedenkt er gotcs niht zao 

daz crz durch sinen willn iht tuo : 
nAch freuden ringt er s^re 
unt daz in diu werit ßre, 

wan durch ir liebe er lidet vil. 415 

der mensche der des niene wil 
durch got deheine wis verdoln 
(er wil der werlte lön holn: 
dar uAch st^t sin geranc, 

ze gote selten sm gedanc), i20 

der ist der w^erlt gezseme, 
gote vil ungenaeme. 
So ist einer ungezaeme 
in beiden ungenaeme. 

der vil klaffende man 425 

der manic bo&se maere kan, 
der swert unde liuget vil 
unt flieget ungefüegex spil 
unt ungewizzeBlichen tuot 
unt ist untogenüich gemuot, 430 

mit trinken unt mit hoore 
phlit er maneger unfiiore, 
er ist übel unt nngeminne, 
in allem sinem sinne 

ist niwan haz unde nit, 435 

untriwe in sinem herzen lit^ 
er ist bitterlichen h^r, 
untriwen hit er m6r 
unt valschlicher trahte 
denne guoter dinge ahte, 440 

407. er fehlt, 436. der] vnt 437. here (: mere) 



DOS WARNUNG. 451 

er tuot übel swk er mac 
(daz ist der s61e ein grözer siäc), 
unt wirt nimmer wol gemnot, 
vor Sünden ist er unbehnot, 
wan in diinket niht des gaot 445 

daz ander iemen getuot. 
derst der werit ungezseme 
nnt gote ungenseme, 
257'' nnde ist des tinvels kint: 

die Hute im alle vint sint. 450 

des enmöhte nimmer werden rät. 
ow^ daz er gotes bilde hit 
der durch in lac tot 
unt leit scbäntliche nAt! 

ez triiege ein woIf als6 woi : 455 

der tuot doch daz er tuon sei 
unt enkumt von siner i niht, 
swaz im ze liden geschiht. 
er ist euch des hundes spot 
swer versmaehet unsem herren got, 460 

wan er biilet vil genAte 
nach täglichem brAtes 
der zagel im nimmer geltt, 
da mite griiezt er alle ztt 
mit vil getriwem-Buote 465 

sinen meister zallem gnote 
unt enist niht unstete: 
swaz im der herre tsite, 
em koeme doch von im niht: 
sölher triwen man dem hunde gibt. 470 

Nu schäme sich der boese man 
der daz 16n niht verdienen kan 
daz unser herre got git 
dem hunde all er tAt iit, 
ob er genAde A nihi cnbAt^ 475 

daz er Ane wize oach bestlt. 
daz waere dem ein genist 

456. daz tut 460. h«rre got 

29* 



257'' 



45t> DIE WARNUNG. 

der iemer iü ze helle ist. 

owö der missewcnde 

daz daz vihe uiich sinem ende ^iHO 

goie lieber ist deiine der man 

den gebczzern nicmen kan ! 

jariH der jämmerlichen n6l ! 

der mensche ist jaemerlichen t6t. 

wie den der mensche verliuset 'S 8 5 

den er im ze frinnde kiuset! 

diu arbeit ist gar verlorn 

daz der mensche wart giborn. 

daz man sin mit vlize phlac 

nnz an den riuwigen tac 490 

daz er nngemächlich siinde tete. 

verteilet wart im sA ze siele 

himelischiu ^re. 

saJic wirt er nimmer nH>re. 

do er gelernte die bdsheit» 495 

zehant wart er gote leit 

ie niedre unde m^re. 

nach allem sinem stire 

siinde t der sünda^re. 

so wirt er gote unmsere. 500 

der lil jämmerlichen tot, 

wan bittergrimme wirt sin niVl 

an ende immer m6re 

mit smerzendem sdve. 

daz merket sündsere: 505 

machet iwer herze la;rc 

von aller misseUete 

6 diu riwe werde ze spa»tc. 

spart ir si in die helle, 

seht wer si danne enphdhen welle. 510 

got enruochct ir da niht, 

wand er iuch enhoeret noch ensibt, 

wan iu ist verteilet gar 



491. viipemiechUehe 501. leit 507. Vor 509. ir] er 

510. swer 



DIE WARNUNG. 4fi3 

zuo der yerlomen t6len schar, 
owi jämer unde nöt^ 515 

daz den 6wigen t6t 
niemen bie enfiirhten wil! 
daz macht der boesen werlde spil, 
daz niemen angest dar zno hit. 
ungetriulich si in lät. 520 

mit swem si kumt an daz zil, 
der hat immer ncete vil, 
wan si schaffet ze der selben finst 
daz er immer m£r verlorn ist. 
258" Daz färbte der nu welle« 525 

in besliuzet diu belle, 
ir sult gedenken unt verst^n 
wie ez dem sol ergtn 
der gote ie gefrömdet hAt 
sine 16re unt sinen rftt, 530 

unt tet im wol alle zit 
mit dem daz diu werlt git 
dem vil gar verworbtem man 
der sich ir nibt getroesten kan: 
dar umbe er bin ze belle veri 535 

unt ist da immer «nernert. 
seht, als6 muoz ez im ergftn 
der nimmer buoze wil bistAn 
unt fristet sine riuwe. 

den hat des tiuvels kiuwe 540 

verslunden unz an die fiieze 
durch der valscben werii sfieze. 

in der belle ist manic man 
der gezeigen nibt enkan 

W&. der freuden ibt ist 545 

dar umbe er die fewegen yrist 
in dem beche woofet, 
schriet unde ruofeU 
mit grisgramunden zenen 
muoz er sich alles des entwenen 550 

536. vnnerl 



4&4 DIE WARNUNG. 

des er nu niht enbern wil 
uai vazzt sin uf die sÜe vil. 
owi aller noete ii6t! 
daz ist der ^wige tot. 

jämer uut eilende 555 

daz hästu in diner hende, 
truren mit s6re 
ie m^re unde m£re, 
siuflen weinen unde klagen, 
grimme bitter swa^re tragen 560 

sunder ende kae tröst, 
wan da wirt niemen erlöst. 
258^ er hoert oucb nimmer m6r gesagen 
wie in hie sine friunde klagen: 
wie mac daz jaemerlicber sin? 505 

er gesibt nimmer liebtes scbin, 
er hat rouch unde stanc, 
im sint kurze stunde lanc, 
er beeret weinunden wuof, 
bitters schrfennes mof^ 570 

ze allen ziten ach unt w^^ 
unt daz daz nimmer zerg^ 
des hat er gewisbeit. 
daz ist alles leides leit, 

daz debein tröst dar zuo kumt. 575 

diu gr6ze riwe im niht enfirumt 
die er ze allen ziten bit, 
wan sin mao nimmer werden rdt. 
Hie rou in niht des er tete. 

beilege tage unt beilege stete 580 

die ge^rte er nie mit gebete, 

swie vil er der mnoze bete, 

daz im wuocherhaft weere. 

ze kirchen sagte er maTe 

und irrte vil manegen muot 585 

der ze gotes bulden was guot. 

er sach die linte sterben 

57 6. in 578. enmac 



DIB WARNUNG. 455 

jaemerliche verderben: 

daz erschrahte im selten den gidanc. 

sin leben dubte in guot girano, 590 

er wände sines libes kraft 

wäre immer werhaft: 

ze sime gesunde er sich versaeh. 

ze den liuten er vil dicke spraeb 

'waz ist daz icb färbten sol? 595 

min dinc st^t eben unde wol: 

trinken unde ezzen, 

des wil icb micb vermezzen: 

daz tuen icb mänlicben. 

von diu muoz entwicben 600 

2^9" aller siecbtuom minem magen. 

icb wil dekeinea w^en klagen/ 

der dünkt die werlt ein werder man 
durcb daz er guot gewinnen kan. 
er ist docb tumber denne ein kint, 605 

als die leider alle sint 
die sieb troestent ir mahl 
unt ze gote babent debein aht« 
von wem babent si ir kraft 
unde menschlich gischaft 610 

sin unt verstendikeit? 
iz waere gote vil leit 
gxb ez iemen ander denne er. 
er ist der rehte gewer 

dem wir sin alle sulen jehen 615 

swaz wir wizzen unde sehen, 
von sinem worte ez allez i&t, 
diu werlt unt elliu ir genist. 
Juden unde beiden 

sint docb s6 underscheiden, 620 

gote jehent si einer krefte 
unt aller geschefte^ 
daz er nimt unde gtt 
al nach sines willen zil. 

h88. iaBincrlichen 599. maDnlichen 



456 DIE WARNUNG. 

swaz kristen des niht entuot, 625 

der ist Ane rehter wilze maot. 
ein boum der vil würzen bäl, 
grüene unt wol gesunt slät, 
den wiphel kc^rt erm wol ze tal: 
s6 wirt des starken boumes val. 630 

daz ist gote ein ringez werc. 
daz selbe tuot er den berc: 
er mac in sieht gemachen 
mit vil lihten Sachen. 
War gedenkt ein unbescheiden man 635 

der got niht erkennen Jean? 
er wsent von siner krefle leben 
unt heizt im guote spise geben, 
259 '^ si bringt in über daz zil niht, 

als im ze sterben geschiht. 6-iO 

er az unt tranc genöte, 

der gar verlorne tAte. 

wie möhte in gefristen daz? 

gefromt het im kiusche baz, 

na lit er da ze helle 645 

unt manic sin geselle 

die mit im lebten, 

dd si in den freuden swebten. 

het er die mäze an gesehen, 

sd wa^r im niht misseschehen 650 

an deheiner siner sselikeit. 

nu ist ez im allez leit, 

swä er missevarn hat. 

diu spotte riwe in an gäi 

vil manec verlorner töte 655 

warnet iuch gen6te 

dem umbe sine schulde 

verteilt ist gotes huldc. 

möhten si her wider komen, 

ir betet schiere vernomen 660 

waz in ze helle wirret 

62.). t'nluiit ß27. wiatzen 



f 



DIB WARNUNG. '487 

daz si aller freuden irret. 

da ist wuofen unde klagen : 

daz leit mugen si niemen sagen. 

si wizzenz äne si wol, 665 

den man ez allez glouben sol, 

die beilegen die ez habent geschriben, 

den ez von gote ist beliben. 

er sagt ez mit sinem munde, 

wan ez anders niemen künde. 670 

vil endehaft er uns seit 

waz im si liep oder leit 

daz der mensche zallen ziten tun 

unt babe angest dar zuo. 

nu vernemt dem scbephoere 675 

unt boeret siniu mere. 
260* 'lä daz übel unt tuo daz guot: ^* 

daz ist kristenlicber muot.' 
daz ist kurzliche geseit 

unt bedarf doch gr6zer underscfceii.. 680 

daz der mensch daz übel läze 
unt sich der sünden m4ze, ^. ^^ 

dane mag er niht mite genesen, 
em welle dar zuo guot wesen. 
der den liuten niht enniml 685 

unt niwan siner habe zimi, 
daz ist dannoch niht ze guot, 

ob er anders niht entuot. „^ 

ob niemen Ton im stirbet 
noch von siner schulde yerdirbet, 690 

der guottste ist niht ze vil. 
so er niemen anders helfen wil. 
Nu sprichet vil manic man 
der niht rehte leben kan 

'got der verliuset mich niht, 695 

wände niemen leit von mir geschiht, 
wand ich beg6n mich des minen 

679. chvizlichon 685. icht 689. iemen 692. er fehii. 

t)9ö. mir] im 



4Ö8 DIE WARNUNG. 

unt ennim nieman des sinen. 

ich bän ouch niemen erslag^n: 

waz mac man her ze mir geklagen? 700 

ich phlige mines wibes, 

deheiner andern iibes. 

ich izze min arbeit 

unt tuon niemen debein leit. 

wider gote getet ich nie niht. 705 

niemen leit von mir geschiht/ 

wie reht sich der machen wil ! 

siner heilikeit dünkt in vil. 

nu hat er niht m^re gct^n, 

wan daz übel hikt er verlÄn, 710 

unt gewinnet des debeinen muot 

daz er dar nach tno daz guot. 

daz gibot muoz gar ik wesen, 
wil er immer genesen. 
260 '^ nu beeret wie geschriben ist. 715 

ez sprichet unser herre Krist 
'Ik daz übel unt tuo daz guot.' 
niemen ist s6 wol behuot 
vor unrehten dingen, 

ern welle ze gote bringen 720 

sin tägelich arbeit, 
gotes Idn ist im unbereit, 
bat er den man niht erslagen, 
wil er sinen schaden niht klagen 
unt in mit nihtiu grüezen 725 

noch sinen smerzen büezen 
mit guoter handelunge. 
swä den menschen n6t twunge, 
der mit siner klage in gruozte 
und im mit willen bnozte 730 

swaz im wä taste, 
der behielte gotes rsetc: 
ze 16ne wurde im gegeben 

707. rechte 719. Von 7U. wil cr| wii 725. in] le- 

rnen 729. der fehlt. 730. in 



<■* 



DIB WARNDZ$G. 4M 

ein vil wönnedichez lebea. 
Der des alles Diene tnot 735 

der erfüllet niht den gotes mnol 
unt verwirfet sine Itre; 
dem gescbibt ouch nimmer m^re 
von gote deheiner slahte gaot, 
' wan er sines willen niht entuot. 740 

als ir des iibelen abe gest^t, 
daz guote sä dar nach g^t, 
weit ir behalten daz gibot 
als iu gesetzet hftt got, 

od ir vliest die vordem arbeit, 745 

ez si iu liep oder leit. 

daz übel erkennt ir alle wol, 
des guoten i'ueh bewisen sol. 
daz ist diu grAze güete 

mit semftem gemuete: 750 

dar nAch diu rehte erbarmkeit, 
der die wol ze herzen treit: 
261" Ak hoeret diu sfieze zno 

daz man si bescheidenlichen tuo: 

diemuot unt gedultikeit, 755 

der die stttticUchen treit, 

den loeset got As alier nAt, 

dft der zom mnoz lilen den t6t: 

der dft reiner kinsche pbliget, 

der hftt der helle an gesiget: 760 

triwe unde wArheit, 

der si in sin gemüete leit 

unt ir volget alle zit, 

wie volleclich im got git 

sin 16n an der selben stunt 765 

als uns daz sterben wirt kunt! 

weit ir der tugende aller phlegen 

so müezt ir si in die minne legen 

diu ik heizet cAritas, 

an die niemen genas. 770 

745. Oder in vertieset 748. ich m 758. du] dtz 






460 DIB WARNli\(;. 

umb die miane ez alsA slöt, 
swaz ir guotes begöt, 
iä muoz si immer mit gewesen 
od ir muget nimmer genesen, 
liet ir elliu diu riebe 775 

unt al die werlt gewalticliche, 
unt gaebet ir si alle bin 
durcb des himelricbes gewin, 
dar zuo ze brennen den lip, 
unt liezet ir kint unt wip, 780 

friunde unde künne, 
unt aller slahte wünne, 
nimmer möhtet ir genesen, 
unt wolt ir nibt geminne wesen. 
babt ir einige vientscbaft, 785 

aller guottxte kraft 
mag iucb nimmer ernem, 
weit ir iucb bazzes nibt wem, 
von dem diu vientscbaft erspringei 
diu uns den tdt bringet. 790 

261 '* Als ir daz gnot unt den lip, 
b(^diu kint nnde wip 
gar durcb got babt gegeben, 
irn weit in der minne leben, 
cz ist allez sami verlorn: 795 

zuo der belle sit ir erkom. 
des nemt iu debeinen ir6st 
daz ir Aä von ibt werdet erlöst, 
da ensi diu gotes minne bi, 
der helle wert ir nimmer fri. 800 

er wjget eine vientscbaft 
wider aller guota^te kraft 
unt ziubt iucb in die helle, 
der nu genesen weDe 

der habe der vientschefte nibt. 805 

swaz im ze liden gescbibt, 
schade laster mit schänden, 

774. oder 7H. woldet 800. werdet 



t, < >^ 



DIE WARNDtil. 4C1 

niht recher sqjjttii änden : ' ^ ^. 

durch got sol er ez liden 

unt allen zom vermiim' 810 

der toetlich sände si: "V 

so wirt er der helle firl. 

diu rede dünket iuch starc, 
der rAt glichen arc. 

da slifent von den guoten 815 

die ubele gemuoten: 
hinder sich si vaste gftnt, 
dem rätes keinen wis gestaut: 
daz ist ein jsemerlichiu n6t: 
die verslindet der (^wege \Ai. 820 

w^ daz er ie wart gibom 
der sines dankes wirt verlorn 
durch werltliche 6re! 
der gesiht nimmer m^re 

gotes antlütze: 825 

so ist er onnütze 
unt verdamnet An ende : . 
diu n6t ist &ne w^nde. ^ 

262* nu beere ich manegen man-iJagen, 

der sprichet wie er snl vertragen 830 

ningen ungemach den man im tnot. 

er dähl sich als ein ÜSjft gemnot, 

ob er dar wider taste njkt, 

sA im leides iht ,geschiht, 

^nt worde ungenseme, 835 

daz er niemen ze 6ren <«me, ^ ^ 

unt spricht, verirüeg erz alsd gar, 

sin na;me ze jungist niemen war, 

ez diuht ein gr62er unsin, 

die gebüren teeten Af in 846 

unt naemn im uns anz bettestr6, 

si vorhten dehetn sine dr6. 

als er in s6 weich waere; 

811. süade fehlt, 817. Hin sich 81S. rate si tJehnciDca 

836. gczaeme 839. Ez divcht in ein 841^ Vnt nemen in aalz • 

an daz 



■f 

r 



462 DIE WARNUNG. 

niemen in verbaerc; 

durch got noch durch ^re 845 

entlihe im niemen möre; 
s6 möht er niemen ze 6ren zemen, 
er mtiese daz almuosen nemen. 
Nu wä geschach ouch daz ie 

daz diu werit sd gar ahte gevie 850 

eines mannes durch sin güete 
unt umb verträglich gemiiete? 
die gebäre habent m^r erslagen 
der liute, als ich hocre sagen, 
daz si twinga;re sin 855 

unt tuont ir ungüete schin. 
si wellnt gewaltcn mfere 
durch werltliche Are 
danne in sin dürft waere 

durch deheiner noete swa;re. 860 

der seht diu werlt swä si mac 
und sieht si doch der gotes slac. 
der ein gedultic man ist, 
erzeigt er daz ze langer vrisl 
mit manicvalter güete, 865 

ant lebt mit diemüete 
262^ sA daz er durch got vertreit 
unt niemen tuet dehein leit 
unt die menschen alsA minnet 
daz er niht gewinnet 870 

eme helfe in da mite, 
unt h^t zühticliche site 
s6 daz er ahnuosen git 
unt vl6get got ze aller zit, 
den bringt nieman ze b6sheit, 875 

diu werlt in ze minne treit. 
war umb sol er denn übel leben 
wider got ze allen ziten streben, 
daz man im kuonheit jehe 
unt im schade Ak von geschehe? 880 

846. entlide 861. «chtet 877. vnt wider 



fr%? 



DIB WARNUNG. 4«8 



diu liute nenaent Are 
unt erkennent ir niht mtre 
denae daz der stein innen hftt 
die wile er unzerkloben stät. 
des diu kristenheit schaden hAt 885 

unt äne gotes hulde stftt, 
daz muoz baz ein schade sin 
denne deheines iob^s schin. 
swä slac g^t wider siac, 

unt daz gescheiden niemen mac, 890 

und brant wider brande 
rouchet in dem lande, 
roup roube wider verl, 
unl daz belibet nnerwert, 
stumbeln unde hfthen 895 

unt wüestennes gäben, 
unl der da mite wirt erslagen, 
den hoeret man selten klagen, 
wan et got ze vriunt hat yerkorn 
unt ist euch ^iclich veriom. 900 

Welt ir daz heizen Are? 
ez ist michel m^ 

ein bärlichiu schände >Kr'''*f 

nnt schadet al dem lande. 
263'' ze allem sinem s6re 9Ö5 

so enhftt er niht mtre 
niwan usel unt brende 
unt bluotige hende 
unt magerz antlfitze. 

s6 spricht der nnniitze 910 

'ich hin veriom daz ich h£t, 
min dinc mir kumberlichen sttt, 
vil wol bedorfte ich hiure 
miner vriunde stinre, 

ez gftt mir an die bam nAi, 915 

ich enhAn trinken noch br6t.' 



884. die weilen 894. vnernert 903. psrliebiu 

904. tUem dem 014. miner] in einer 



3 



464 DIE WARNFNC, 

sus wirt er bittende über al 
unt ist der liute müesal. 
ist daz nu rcbter witze sin? 
als(^ tribet er daz jÄr hin 920 

ze fremden nahtseiden, 
daz zimt wol snellen beiden ! 
weit ir kn nutz übel leben 
unt ilne Freude ende geben 
aller iure zite 925 

mit urliuges strite 
durch die barn ^re 
(die besorgt ir michel m^rc 
denn die s^le und daz guol), 
daz ist unrehter witze muot. 930 

als ez denn wol umbe g^t, 
ir beider ir abe geslöt: 
ir verlieset habe unt ^re, 
der st^le al ze s^re, 

wan diu muoz Ak mite werden vlorn. 935 

ze dem urliuge hoeret gotes zom, 
mit dem fride er manic sMe nert, 
diu unminne ze helle vert. 
Weder waer nn bezzer einz verkom 
denne sc^le unt &re unt guot verlorn? 940 

ein ebenmäze ich iu sage 
Ak mite ich iuch ze wege trage. 
2G3^ zw(^ne schaden sint iu bi: 

eines mugt ir nimmer werden fn, 

den niüezct ir cnphAhen. 945 

durch daz sull ir gAhen 

daz ir den minncrn erweit: 

ze sinne wirt iu daz gezelt. 

an den ougcn stumbt man einen man : 

der biutet swaz er ie gewan, 950 

dar zuo fuoz oder hant; 

die hAt er vil wol bewant, 



919. sin] schein 9.'i0. nichter 936. diu niuninne] diu 

aup niinne ? 



DIE WARNUNG. «5 

wan im daz seien mGre frunit 

denoc swaz im von der haut kunit. 

nn wizzet, vlür er daz sehen, 955 

ze guote mijht im niht gcselieheii 

weder von fuozc noch vod hanti 

alleH Werkes wa;r er erwant. f-'' 

umb daz guot ez als6 »UtL ^^: " 

swem des gärlicbe zerg£t, ^;i' 960 

dem ist fire annütze 

unt ireude ein ardriitze. 

mag er guoi wo) gegeben, 

$A ziml im frcelichez leben 

uat £rt in allez daz der üt, 965 

sA minnet got sin genisl. 

dA wider sprichet na der man 

der sich «nnes niht vertKn kan 

'wie inag ich denne baben guot, 

sA man mir leit dar an tuet 970 

unt mir daz nimt alle zit 

ant mir des niht wider git?* 

neml ir nu hin, sä nimt er her: 

daz inuoz ouch scheiden eLwer. 

weit irz danue lange triben, $75 

sA mag iu niht belihca. 

ze bngcr vrist tnot iu tiiemcn uilil 

der von iu leides nicne gihl. 

hab vr hin zc iu iht ze sprechcu 

ilaz er gerne welle rechen, 980 

264* daz buozt nAöh flriiiade r&te: 

vil wunderlichen drile 

hielt im scbosnez sprechen t 

daz lAt in niht rechen 

deheines trüeben uuotes Zorn, 985 

wan der wirt Ton guoter rede veriorn. 

ist daz er hAcbrarl treit 

nnt tnot iu ombe sns leit, 

wil er sich tiwer mit iu machen 
955. v«rlar 9G0. iwer 977. le lange Uot? 980. «r 
— wells} ir — wellet 988. la] im 

Z. F. D. A. 1. .30 



466 DIE WARNUNG. 

mit unredelichen sachen, 990, 

dem ist liep daz ir da wider tuot: 
desler fräveler wirt im der muot. 
um den hüetet iuch aller meist : 
den hat besezzn ein übel geist: 
den kumt mit süezem gruoze an 995 

unt sprechet als ein karger man 
'daz wir ein ander minnen 
mit friuntlichen sinnen, 
daz ist dem tiavel >il lelt: 
wie gerne erz von ein ander treit! 1000 

nu sul wir ims niht gestaten, 
unser frömde sol er sich nicht salen. 
Swaz iu an mir werre 
nähen oder verre, 

daz biieze ich als iu liep ist 1005 

in vil kurzer frist. 
ja sult ir ze allen ziten 
durch freude zuo mir riten: 
si iwer hus als min : 

lät mich iwern friunt sin: 1010 

hunde unde vederspil 
unt ander kurzwile vil 
daz habt mit mir gemeine: 
freude deheine 

wil ich an iu niezen: 1015 

ich iäz mich niht bedriezen 
hin ze iu deheiner triuwen : 
ja sul wir emiuwen 
264^ mit freuden unser friun tschaft, 

daz der tiuvel werde schadehaft 1020 

der uns wolde scheiden 
unt ein ander leiden.' 
mit sölhen Worten süezen 
sult ir dem manne bfiezen 
der übermüete dia in twanc 1025 

d6 er nach iurem schaden ranc. 
hAt jur bmoder iu iht gitAn, 

1001. im 



DIE WARNUNG. c. 

weit ir schedeliche rede hdn^ 

ir Irelzt im sin gemdete 

ze gr6zer ungüete. 1030 

iuriu wort sult ir besniden) 

linde machen sA die siden .^ 

unt als ein honic söeze, 

daz iwer rede btieze 

an dem manne al sin mi^setät: 1035 

deist des almähtegen gotes rät. 

durch got sult ir minnen 

iuren vint mit allen sinnen^ 

in gote den frinnt alsam, 

s6 mag in niemen werden gram: 1040 

daz besliuzet elliu diu gibot 

diu in gesazt sint von got« 

weit ir der helle abe gesttn, 
der 6 sult ir. nach g6n : 

Voigt ir unz an iuren tAt, 1045 

si benimt iu aller vreise nAt. 
tuot dem libe niht ze wt, 
daz er in der fireode beslA.^ 
behalt ir ganzer kiosehe sirit, 
daz lobet got alle sti: 1050 

mag aber des nihi wesen, 
s6 sult ir mit der A genesen, 
für daz huor nemt ein wip: 
die minnet als iuren lip, 

die sult ir haben eine, 1055 

unt ander deheine. 
265" swaz si wider inch gelnoty 

des habt bescheidenlichen muot: 
büezt si in der mäze 

daz siz dar nach läze. 1060 

Ob des tinvels strit für gAt, 
daz si.stsete dnun bestAi 
unt wil sichs niht m&zen, 
ir snlt si niht lAzen: 



1035. alle seiu 



30* 



468 DIE WAILNUXC. 

mit vasten Dot mit wachen 1065 

sult ir fiir si riwe machen, 

got fingen destcr möre 

daz er si Aä von hek^re. 

ir snlt mit ir niht äbel leben, 

daz dem tiuvel iht werde gegeben 1070 

dehein State ze ioren triawen. 

ir sult niht erninwen 

übel mit iibeltaete, 

wan daz sint des tiuvels raete, 

daz ir tuot leit wider leit: 1075 

vil gerne er daz zesamne treit 

daz man die gotes minne vertribe 

unt der staete haz belibe. 

ob iu iemen frömder leit tnot, 

aller vientschefte muot 1080 

mtiezet ir bin ze im vermiden 

unt salt ez durch got liden, 

weit ir der helle äne gest^n 

unt in daz himelriche gftn. 

s6 ir den frömden müezt vertragen, 1085 

waz weit ir von iwer konen klagen? 

habt ir die k rehte erkant, 

so ist iwer fuoz unt iwer haut 

daz wip, swaz si iu getuot : 

von diu habt des ringen muot. 1090 

ir weit wsßnen daz diu 6 
als6 lihte zerg6 
unt unsenfle si ze behalten, 
guoter sinne muoz er walten 
265^ daz er got fürhte s6re, 1095 

sin lop unt sin £re 
minne als er von rehte sol, 
gedulticliche gerne dol 
der 6 joch unt ir getwanc, 
sA wirt senfte sin gerano 1100 

daz er mit der £ hftt. 

1070. ieh 1071. fUt 1003. Vot lenfta 



OK WARNUNG. j. 

ob diu gotea minn« 4ft mite gkt, 
d4 soL der zoro entwichen 
allenthalben biUtchen, 
Ist er Ane gotes minne, 
mit allem sinem sinne 
mag er der k niht gephlegen : 
so belibt diu liebe under wegen 
die er ze dem wibe haben gelt 
im getuot ir dienest nimm«' w<ri. 
ir sult si durch got miniieD 

dA mit« aalt ir gwianen' 

daz faimeliscbe wesen, 

ob ir mit gote weit geneMs. 

ez dünket mich ^iht mannes niMOl, 

ob ir nibl duldet swaz si iu taoL 

noch luener ist der vertreit 

unt sinen zom hin leit 

dBt twinget sin gemtiete 

von aller nngüete; 

der vilitct iils ein belt so), 

dem zimt slu Dianhelt wo). 

BWer wulde mit wibea slrilen 

lunbe ir sünilc ze allen zilen, 

der vcrlür atlez sin leben 

unt waT langem leide (jcgcbc^n 

flir aWa sine misselAl. 

ob er si nlch der £ hit 

unt nach der werlde willen niht, 

swaz im ze liden getehiht 

daz er daz gednlticlichen ircüh 

sin 14n findet er bereit 
' alsA von rehte eiA man 

der kristealilrtien leben kan. -^ 

nu beeret wie er ir ver^ipife. 

all ich in beseheidflnÜeheB sage: 

guoter zübte ze m&zen 

sol er si niht erUzen, 

. inac - 1134. chrUtlMhen tl3T. ircbten 



470 DIE WARNLNG. 

refsuDge ze maneger stunt, 
sd wirt diu meisterschaft kuot 1140 

daz si in fürhtet etewaz, 
si kan sich hiieten dester baz. 
dar undr ir minneclichen phlege, 
d^ mite er ir den muot gelege, 
daz si niht enwüete 1145 

ilf dehein ungiiete. 
ist daz daz allez niene fnimt, 
daz si der tiuvel Überkumt, 
so gedenke, swaz er enphangen hat. 
des ist deheiner slahte rät. 1150 

an daz krinze muoz er g6n, 
die starken marter besten: 
swer hat ein übel wip, 
dem ist gekestigct der lip 

An freude ze allen ziten, 1155 

der muoz mit leide striten. 
durch daz ist 6 ein heilic leben, 
daz si für sünde ist gegeben 
unt für alle misse tat, 

der si kristenlichen hat, 1160 

swaz im ze liden geschehe, 
daz er got ze lobe jehe. 
Swer ist ze rehter buoze komen 
unt üf sich daz kriuze hat ginomen 
unt treit ez als ez got truoc 1165 

den man dar an ze tdde sluoc, 
volget er im an daz ende, 
daz ist unwcnde 
in euphähe du des tiuvels wer 
allez himelische her 1170 

266*" zeinem husgenöze immer mir: 
s6 wirt verendet sin s6r 
mit wünneclichem lebene 
unt sl<^t sin dinc ebene« 

ez ist ein vil engez leben, 1175 

1161. gesehasbe 1162. isehe 



DIB WARNUNG. ,r 

swer der k ir reht wil geben : 
für wftr ich iu da« sagen k«n, 
er war lihte ein UAsterman 
uder ein kldjeniere 

mit fflinneire swaere. 11 

durch daz h&n ich iu geaett, 
den der niuot Af hirit treit, 
daz er sich bedenke b, 
ob im dar an missegä, 

ob er zome müge wideretin . 11 

unt mit gedultikeitü gln. 
ez ist verlost oder geniati 
wan ez ein swieriu bänW ist. 
s6 muoz ez iedocb wesen 
ia 6 muget ir niht genesen. 1 1 

weit ir niht wan buores phlegen 
unl die £ Uzen ander wegen, 
wie endet sich dan iwer leben T- 
der helle sit ir ergeben. 
sAne wart iu nie minne , II 

ze also süezcm gewinne, 
diu ensiure alsA s£rc 
ze belle immer sairc. 
wie vicnl ir ir danne sit, 
SW& si da bi iu Itt, 12' 

diu iu bringet in die iidl 
daz ir mit samt ir den t6t 
immer miiezet lidenl 
ir muget si gerne mtden 
unt darben sölher süeze 12« 

diu aller frendeo iiieze 
k^ret in den hellegrunl, 
di wirt iu nimmer frende kunt 
267* noch niemen der hnorcs phliget. 

Bwenn er dar iiuie tAt liget, 12' 

sA ist im verteilet gar 
nnder die verworhten schar 

1178. leichter 118S. ez fehlt. 1197, Div sovre 1213. d 



472 DIE WARNUNG, 

diu durch huores schulde 

ist Ane gotes hulde. 

iwer ieglicher alsd lebe 1215 

als er welle daz im got gebe 

an dem starken urleile 

niwan mit sselden heile, 
luch dünkt ez si sd vrcelich 

unt gr6zer wiinne gelich 1220 

da ir mit sorgen inne swebet 

unt vaste wider gote lebet. 

gefriet habt ir iuren muot, 

daz ir durch niemen niht tuot 

unt weit mit gemache leben. 1225 

wer sol iu dar umbe geben 

mit den marteraem geliche 

daz öwige riebe? 

ez ist si tiwer ane komen, 

daz habt ir 6 wol vemomen: 1230 

si sint gesoten unt gebraut 
. unt mit blie berant, 

an daz kriuze genagel6t, 

durch got en manegen wis t6t, 

erslagen unt crblendet: 1235 

also habenl si verendet 

ir leben durch gotes hulde 

umbe siinlliche schulde. 

weit ir s6 riogecliche 

daz veile himelricbe 1240 

umbe sus hin tragen, 

ir hccrt ein ander maere sagen 

da michel riwe nach g6t 

unt grdz angest an st6t. 
nu vememt diu gotes nuere. 1245 

tuot hin den sündaere, 
2ij7^ daz im ze liebe iht daz geschehe 

daz er gotes £re sehe. 

1^18. iiiwcr 1^19. Ovch duncchet ez siv so vr. i;^;^!'. Dar 

1^6. den] die 1247. daz icbt 



DIB WARNDNGi 

aller tr6st im dft tiaret, 

diu süeze iiii starke störet 1250 

diu in nu hin verleitet 

unt den muot dar nach spreitet. 

ow6 welch zageheit, 
daz man in alle tage seit, 
unt ez iu allez für diu 6ren g^t 1255 

unt in dem hei*zen niht besttt! 
daz vihe nimt der rede war, 
daz ez .von der stete niht gitar, 
daz ez an beschriren stAt 
swenne ez unrehte gftt. 1260 

daz houbet neiget ez nidere 
unf kfiret hin widere: 
ez hAt vorhte zuo dem man 
der ez alle zit gemeistem kan. 
der ist wirs denn daz vihe gemuot, 1265 

der nimmer rehte getuot. 
nu habt ir alle sinnes vil : 
iur deheiner in niezen wil. 
nach kurzer süeze ir ringet, 
swaz ir des zesamn« bringet 12' 

daz unlange wert« 
iwer ieglicher nihtes gerl 

wan daz er von tage ze tage <» 

habe des er sich betrage« 
Wie danne s6 diu zit kumt . 1275 

daz iu dehein spise |Eumt7 t: 

wa ist dann die süeze üpise hin 7 - 

wä ist ouch der lange gewin 
des ir ftn ende snlt genesen? 
des müezet ir denn ftne wesen, 1280 

so si alle von iu gfint 

die iu des übelen bi gestfint ß^^ 

unt mit iu aiezent daz guot- 
da bi ir manege sünde tuot. ^ 

1251. vertüilet 1254. vor snit 1259. da ez? / 

beschrieren 1268. in ze recbte n. w. 1271. werte 

1272. s«rte ^ 



474 DIE WARMWG. 

268* dem zabel ich daz geliche« 1285 

der in dirre werlde riebe 
den liuten volget, daz er taot 
durch ir iegliches maot 
daz in danne siiiirzet s^re, 

s6 ir deheioer m^re 1290 

im geraten niht enmac 
(daz ist sin jüngister tac) 
ant er niht m^re lebet, 
sd man in in die erde grebei. 
swaz er iif die sHe hat entnomen, 1295 

daz ist von ir rite komen. 
er muoz gelten di.ze stete 
swaz er ie wider gol getete. 
der tiuvel in ze hant bestdt, 
ir ieglicbem er nähe get, 1300 

unsamfle er mit im ringet, 
umbe schulde er in twingct. 
ir dcheiner im di niene frumt, 
sd ez an daz gelten kumt, 
durch der willen er hie 1305 

manege sünde begie. 
als ist der durch der Hute rät 
in daz zabelhiis gät. 
si heiznt in spiln durch gewin, 
ir deheiner hat aber den sin 1310 

daz er gedenkt wiez denne gestit, 
ob daz spil an die Verlust gdt. 
als er phandes niht m^re hat 
(daz spil er ungerne lät), 

sd hat angest der tumbe 1315 

unt sihet alumbe 
wen er vinde in sölben siten 
den er phaudcs müge bilen. 
des spilcs im niemen gest^t, 
so ez im an die vlust git. 1320 

an dem gewinne habent si pbliht, 

1285. zabeleii 1300. ir iegUcher naher |^t 



OIB WARNUNG. 

an die vlost kftrent si sieb nibi: 
268 *" des enwii er sich nibt verstin. 
s6 sin beizeot'Ze spii gftn, 
so erbarmet ez die gaoten 1325 

und die wol gemnoten: 
die rAtent imz daz erz 14ze 
unt sich sölher fuore mdze, 
si wellnt in ledegen, ob er wil, 
daz er niht m^re spii. 1330 

daz lobt er in an die hant: 
sd Icesent si im daz gewant 
unt macbent in der schulden fri, 
daz er dar nftch ein frum man. si. 
si st^nt höher von der stete 1335 

durch der rät unt er ez tete 
daz er verlos Ar nnde guot: 
ir debeinem sftret ez den muot. 
so erbarmet er niwan den man 
der sin nie dehein schulde gewan: il 

daz ist der bibtigsere: 
der hilft üz grdzer swsere • 
dem yil gar verworhtem man 
der sich sändens nibt mAzen kan. 
Der briester Iceset im sin phant i^ 

unt git im daz verlorn gewant: 
daz ist diu schcene reinekeit 
die der mensche in guotem leben treit. 
der spilende sweret sAre 

daz er nimmer mAre 131^ 

Verliesen welle sin gewant, 
ob man im Icese phant« 
daz wirt mit bihte erlAst, 
daz luot des antlazzes trAst, 
wil er dar nach rehte leben 1355 

unt sinem spii ein ende geben, 
daz diu sAl sA dicke ibt werde phant 
in des välandes hant 

1335. naher 1339. dem man 134S. im guten 



476 DIE WAR>T>G. 

mit roabe ODt mit brande, 

mit buore not mit g:eslandf : 1360 

*269' bMia der nit unt der zorn 

habeat daz phant dicke .verioro. 

dia lüge unt din ontrinwe 

üf dem brete machet riuwe 

da man die sdle setzet hin 1365 

durch der sänden gewin. 

weh ir der alles abe st^n, 

in stseter baoze besten, 

sd wirt der lehnaere gewert 

daz er phandes von iu niht gert: 137(1 

man heizt in in die helle varen 

unt hinnen für bewaren 

daz er iu iht lihe, 

iures geltes sich rerzihe. 

entnemen daz ist ringe: 1375 

wie manz ze gelte bringe, 
daz ist ein swaeria sache 
die ich niemen übte mache, 
wan sd trüge ich den man 
der sich übeles niht gemäzen kan. 1380 

vil manegen sündaere Grumt 
daz er weiz wie ez kumi 
umbe den spilaere. 
s6 der biutel wirt Isere, 

unt phandes niht mftre h4t, 1385 

der lehnaere uf st4t 
unt vordert sin gelt dd. 
der unnütze sprichet sä 
'herre, lä mir eine vrist: 

mines guotes hie niht ist/ 1390 

'so sol ihir gelten din leben, 
daz muosl du mir her geben/ 
zalier liutc gesihte 
von einem boesen wihte 
missemachet wirt ein edel man 1395 

ISn. Aller 



der niht rehte leben kan. 
s6 schämt sich der tnmbe, 
als jener in ziuhet nmbe, 
269^ unt stürbe gcmer in der n6t, 

möht er erweri>en den tot. 1400 

Da mant der spilsere 
uns der gr6zen swaere 
die der sündaere hätj 
als in der tiuvel bestftt 

an der jungisten zit. 1405 

s6 er df dem brete lit, 
s6 muoz er gelten swaz er so! : 
mit entnemen wart im nie so wol 
im enwerd mit gelten als6 w6 
6 daz gerihte an im ergt. > 1410 

swer daz gelt entsitze, 
der hoere mine witze; 
ich Ißre in daz ers über wirt 
unt in der tiuvel gar verbirt. 

muget ir gar sin Ane wip 1415 

unt wol betwingen inren lif 
ze kiuschedtcher reinekeit 
unt tuot niemen dehein leit 
wan allez liep vnt i^Uez gQot, 
ze gote rihtet inren moot: 1420 

minncrt liep nnde leit: 
swer iu vindes herze treit, 
dem sult ir wesen alsA guot 
sam der iu leides niht entoot: 
unt vl^get got alle zit: 1425 

vil riche phantloese er git, 
liget ot ir im raste an: 
er macht iu zeinem riehen man : 
ein guldiniu kr6ne 

Af iwer honbet schAne, 1430 

phelle unde samit 
dA gr6z gezierde an lit 

1410. gerichte gar an 14)29. Eine guideine 



■^y 



478 DIE WARNUNG. 

von edelem gesleinc 
b^diu gr6z unt kleine, 

dar zuo wünueclich gesanc 1435 

unt süezes seitspiles klanc, 
270" daz macht iu manic tusent jär 
zeiner kurzwile, daz ist wAr : 
s6 sehet ir unser frouwen, 
die muget ir gerne schouwen, 1440 

ir sun den schephaere: 
da hoerct dehcin maere 
ze siner schoene wunder 
die er hat besunder 

über alle sine geschaft: 1445 

daz lieht hat so grdze krad 
daz von sinem antlütze gßt 
daz niht sinnes dar zuo st^t 
der künne erahlen den scbin 
welher mäze er muge sin: 1450 

ob er uf der erde wsere, 
niemen daz verbaere, 
al diu werlt fiiere gar 
und na;me siner schoene war. 
Welt ir stseticlichen biten, 1455 

unlange wirt ez vermiten 
iuch enbringen sine engel dar 
mit maneger himelischen schar 
Aä ir den herren an sehet, 
der wärheit ir denne jehet 1460 

daz ir mt^r vindet wünne 
denn ieman gesagen künne. 

ez erg^t ab niht vergebene, 
ir müezetz mit dem lebene 
daz ich iu vor h4n gezelt 1465 

erwerben, ob ir dar weit, 
mit kiusche unt mit reinekeit 
diu manege sHe dar treit. 

144:2. da hSret ir d. m. 1444. er fehU. 144d. siu 

1453. AUe — fVr gar 



DIE WARNUNG. 

mag aber des niht wescn, 

äae wip mii^'et ir niht genesen. 

ziio iwer ö nemt eine 

iiut anüer deheine. 

die li.ibt als i'u si geseit 

da vor allez vil bereit, - *- 

bowel ont gewinnet brAt, ^ 

daz ir den amien ir not * 

btiezet nAüli iwer stat. 

den siechen suU ir machen bat, 

dem blözen gebt sine wäl: 

daz ist des lierren goles rftt. 

kunt iu der eilende, 

den oemt bi der hende, 

wisel in zuo dem (iure, 

sin nül machl im tiure. 

iurcn zehenden siilt ir geben, 

<A'au des muoz der li^rjtre leben 

der in den wec wisen muoz 

i& iu aller noete werde buoz. 

Hrliugc snlt ir scheiden, 

allez übel den linten leiden 

mit guoler witze rate, 

daz sich der mensche drAte 

von beeseni niiiolc kPre 

durch iwer guotc Ii^rc. 

hrizL dit) buuch It^ren iuriit kiut, 

ob si iu liep fiinti 

so erkenncnts rehles elwaz 

unt minnent got dester baz. 

ez ist euch diu vorhle gnot, 

der si dem kinde rehte taot, 

dA mite vertribet, daz ist vir, 

siniu kintlichiu jär. 

kamt cz ze riterschefte dann«, 

geltch einem Trumen manne 

wirt ez der 6rcn niht betrogen, 



1501. vertreibet w 



480 DIE WARNUNG. 

wan ez mit vorhten wart gezogen. 

noch sul wir tuen m^re 
nach wiser liute l^re. 
iuren liuten sult ir huor wern^ 
ob ir die s61e weit ernern. 1510 

gotes dienst sult ir minnen 
mit allen iuren sinnen, 
271* unt märet ez mit iurem guote, 
unde habt ez danne in huote, 
daz ez niemen übeler nider lege 1515 

der des tiuvels willen pfalege. 
Iwer spise niezt ze mäzen, 
daz si iu sünde erläzen, 
unt ringet got ze aller zit, 
wan er iu guoten lön git. 1520 

diu kiusche ist ein vil hcrtez leben 
da wir alle nach sulen streben 
unt ist geistlich genant: 
des sult ir alle sin gemant, 
daz ir ez minnet swä ez si, 1525 

wan da ist got selbe bi. 
hat der man hiis unt wip, 
dannoch sol er den lip 
setzen in eine mäze, 

daz er in niht enläze 1530 

deheine boese gir verenden 
diu die sftlc muge geschenden, 
daz er im enziehe 
unt allez daz fliehe 

daz äue die notdurfl si, 1535 

unt wese der mAze gerne bi. 
wil er alsA nach der kiusche streben, 
s6 hill er kristenlichez leben, 
sd h^t in got in huote 

unt wont in sinem maote« 1540 

swer der spise gewalt hJit, 
daz si ofte vor im sUt, 

1506. Wirt 1518. ivodcD 1519. phleipet 1535. noldurfte 



DIE WARNONG. 
nluzet er si spärliche 
dnrch daz gutes riebe, 
nnt al siacm {;i]iache alsam tuot, 
dem ist ez zwir alsam guol 
sam oh er ami wiiere 
aal na duruli uäl eiibtorc. 
der bi sioem w3>e Itt 
ant si doch nüdet manege zit 
' so in der lip twinget, 
als er mit der gir ringet, 
dem wirt zweier slabte lAn gegeben, 
wan er bit ein onsenftez leben : 
für war ich iu daz sagen kan, 
er wtere sanftr ein klÄsterman. 
dehein state bAt er der sünde 
noeb debeines gemacbes künde 
der der werit nngewaltic iat: 
der mag wol lange fnst 
an ir getwanc sin: 
ir vrende wirt im selten scbin. 
gDot ]f>a er gewinnet, 
ein niüatch der uiene minnet 
in dem herzen die bAsheil 
noch willen dar inne treit. 
iedocli der weriüicbe man, 
der wol ze Irenden kan 
unt der guot siale hit, 
der st durch got IJlt 
nnt trüret durch sin ort, 
dem wirt mi^el mhn 
lAnes dar umbe gegeben 
denne durch dehein müaichleben. 
swer dicke bi dem fiore stAt 
unt unverbrant d4 roB g^ 
der bftt sich iipchel baz bebnot 
denne der der louc noch gluot 
niender mac gewinnen : 

allem suineiii gemaobe ISST. 1569. lUt IST 



482 DIE WARNUNG. 

wie so] der enbrinnen? 1580 

DA mite hAn ich iuch gemant. 
die die wcrlt habent erkant, 
unt gar in ir gewall lit 
daz si si rüerent alle zit, 

die slrickn die kiusche an die hant, 1585 

so belibent si unverbrant 
unl sint ouch Ane mäsen gar 
sd got der hende nimt war, 
272 "" so die liute ze urteile g^nt 

unt ze rede umb ir sündc stSnt. 1590 

swcr denne wol gesichert hat, 
des mag werden guot rät. 

ich hän in zwei dinc vor gczelt : 
der nemt iu einez, swelhz ir weit. 
Sit bi dem fiwer unverbrant, 1595 

daz irz doch habt in der hant, 
oder Sit da von alle zit, 
daz diu hitze ir strit 
an iu iht verende 

ze grözer missewende. 1600 

der eintwederz müezt ir nemen, 
weit ir gote in sinem riebe zemen. 
weit ir ir beider ftne wesen, 
s6 muget ir nimmer genesen, 
habt mit der ^ wip 1605 

oder mit kiusche den lip. 

nu vememt, man oni wip, 
weit ir s^le unde lip 
vor der heizen helle nern, 
ir müezt iuch grözer sünde wern 1610 

unt boeser missetaete, 
unt vlieht des tiuvels nnete 
unt wert iuch ungezo^mer glust, 
diu ist der s(^lc gewissiu vliist: 
alle die in der werlt leben, 1615 

die müezen wider si streben: 

1597. Oder ir seit 1599. ibk] ich 



^. 



k. 



DU WARNUNG. 4« 

si ist ein verrttserinne "^' ' 

unt phliget valsolier minne: 
mit untriwen si ia gesttt 

unz iu diu s^le Az g£t: 1620 

swer ir danne hat gephleget, 
ik mite hat si inch beweget: 
also denne niemen helfen kan, 
so g^t si smielende dan, 

si Isei iuch in die helle tragen, 1625 

daz sie niemen siht dar ombe klagen. 
272^ na war zuo sol man daz minnen 
da man not maoz von gewinnen 
iem^r unt iem^r m^re 

mit unendehaftem s^re? 1630 

Ich spriche hin ze der witze kinde 
unt ze Sinnes ingesinde, 
daz ist swer sich verst£t 
wä übel und guot hin gftt, 
unt erkennt den tAt unt daz leben, 163Sk 

unt wil dem wirserm geben 
bfidin s£le nnde lip, 
ez si man oder wip, 
daz sine gewizzen .iibersiht 
unt der werlt guoter freude giht 1640 

alles des leides nnt wir tragen, 
daz wir alle zit möhten klagen. 

der hat verlorn sin wip, 
diu was im liep s6 der lip: 
od dem wibe ist der man t6t, 1645 

daz gelicht sich aber der vordem aAt: 
diu kint diu vil lic^ sint, 
diu füeret hin des t6des wint: 
friunt unde mdge 

vailent in des todes wAge: 1650 

man verlinst daz kAme gewunnen guot, 
unt erlischt in frendea h6her muot: 
gr6z gedinge zergftt, 

1623. gehelfeo 1645. oder 

3r 



484 DIE WARNUNG. 

friande hilfe abe g^t, 

gröz geheize wirt erlogen 1655 

friunde wirt vil betrogen 
von ^Tiuntlichem wäne, 
ein friuntscbaft stßt äne 
der andern, diu ir solte 

volgen, ob si wolte. 1660 

daz ist allz der werlt triigenheit. 
swer si ze herzen danne treit, 
Sit si verk^rte st«te hat, 
daz si unlange weren lät 
273* swaz si dem menschen vreude git, 1665 

von rehte hat er übel zit 
der ir dar über volgen wil 
unz an daz jungiste zil. 

zweier werlde wize ist in bischert, 
swaz Hute nu ze helle vert: 1670 

in ist dort w^ unde ouch hie. 
der erde leben wart noch nie 
s6 boese als ez nu ist. 
elliu freude in kurzer vrist 
ist gärlichen hin geleit. 1675 

guot gemüete niemen treit 
niwan bitterlichen grin. 
ieglicher ziuht daz guot hin 
unt ruochet wie ez jenem ergftt 
der truric habel6s bestftt. 1680 

niemen büezt dem andern sin n6t. 
diu erre triwe diu ist t6t 
an den die barmic wären 
vor vier unt zwcinzic jären. 
riebe höve sint zesliffen, 1685 

sine hat niht begrilTen 
weder murc noch want, 
ez ist allez von der hant 
läzen bi den kinden 
unt bi ir gesinden. 1690 

1658. gf^slcl 1677. girin 1682. der eren triwen 



DJK WARIVUNG. ^ 486 

Nu merkt ein jaemerliche not. 

edelc herrn siiit alle t6t, 

bßdiu ir frowen unt ir wip, 

die mit tagenden den lip 

zierten schöne ande wol, 1695 

die man immer klagen sol. 

si freuten als diu sune 

die werlt mit grdzer wanne. 

Sit daz si sint erstorben, 

nu ist diu werlt verdorben 1700 

an wol gfelobter framkeit: 
daz sint diu trdrigen leit 
273^ diu diu verweiset erde ireit. 
si ist vil gar hin geleit, 

man tribet si äz als ein vihe, 1705 

wand ich allenthalben sihe 
bärlich versagen ftne schäm, 
der 6re ist maft witen gram: 
daz hat diu edele wol erkant, 
si hdt gerumet daz lant 1710 

unt ist gevaren über mer, 
daz si bi den beiden sich emer, 
nu die kristen $6 boese sint 
daz in diu schände zinht ir kint. 
dar umbe hlt got' sin lant 1715 

daz im ze dienste was genant 
ungetouften liuten gegeben 
do er die kristen sach anders leben 
denne si von rehte solden, 
ob si 6re haben wolden; 1720 

daz ist ein kläglichia not. 
die hunde ezzent daz bröt 
daz den kinden was gegeben, 
ob si rehte wolden leben, 
si nimen sin boeslichen war. 1725 

dö giengen die rnden dar 
unt brächen inz üz der hant. 

1703. ein diu fehlt. 1707. Bwrüchen 1718. daz er 

720. rvder 



486 DIE WARmJNG. 

der vater het wol erkant 

daz siz versmaehten alle zil. 

Ton den schulden ez na lil 1730 

den hunden in dem munde 

daz daz kint niht ezzen künde. 

got ruocht der kristenheite niht, 
wan er ir bösheit ane siht 
mit ungetriwem lebene. 1735 

nu wil er niht Tergebene 
in dehein dre Idzen, 
wan si wellent sich niht mäzen 
der schäntlichen unreinikeit. 
von diu sint si gote leit, 1740 

274* unt kürzet in ir zit, 

daz der mensche 6 tot lit 
(^ er halbez daz gelebc 
daz im got gesalzter järe gebe. 
Langez leben habent si venü'orht, 1745 

got ist von in anervorhl, 
si entsitzent sinen zorn niht, 
swaz in ze liden geschiht. 
nu geiselt ers gendte 

t man si vinde tdte. 1750 

si gräwent in der kintheit, 
elliu freude wirt in schiere leit. 
d^ mite rieht sich got an in, 
wan si habent deheinen sin. 

ir vordem fere phlAgen 1755 

6 duz si tot lägen, 
unt beten got vor ougen 
offenbar unt tougen : 
si wikrn barmherzic unde guot 
unt beten tugentlichen muot: 1760 

ir büs beten si wol, 
da uns immer nAch jämem sol. 
über jär was da höchzit 
Aä der hof nu jnmerlichen lit 

17Ü. gesatzer 1753. riehtet 



DIE WARiNüiNt;. 

kne iiigesiDtlc ; 

ich Vixaz ik niemen viiiUü. 

die heüegcn habent sich ür gezogen, 

vou der kupppl sial sl gcflogea 

üf zuo ir schephure: 

liie wAren si uoma^rc. 

8wä ir nu kieset 

daz iliu uiiire mieset 

uot die steine sint geriieri, 

da wirl selten gescliriren 
"wä nu, truhsa'zen? 

die Herren genie aezeit.' 
owfi -waz öreu ist gelegen, 

Sit diu tre begunde phlegen 
i^ der milleu härschcrtc, 

von des grimmen lödes krcfte ! 
wä nu elliu wiinne? 
ich Wienc uiemen küone 
für war dem audern ge sagen 
war umbe er frö gemüel sol [ragen, 
wfl sihet er des mau lachen sol, 
daz löblichen lielc wol? 
niwan haz unde nit: 
i^re Freude begruben lil 
unt elliu werltlich wünne. 
aller lugende künue 
daz ist hin geschciden. 
durch not miioz uns leiden 
daz wir Treude vatraa 
unt zuo der wiinne k£reu. 
Ovis jilraer unde not! 
waz edeler riler ist lAl 
unt Trowcn schtunc lebende, 
iu g^^ze^ lugende sweticnde ! 
so weinendin ma;rc 
machcnt freude lare, 
daz diu werlt ist erstorben 

i. ea-Ai- 1181. ieman ITOtt. nicm.^ii.l» 



-■^ 



4K liE 

uir «a -yr^n ^ 

liinc «a iLj^ ^ 

i.ist jutr iiiir. JORT ak g^z^^: l&M 

L'^ -.^ c>7 M Ui sew»«: 1815 

'jc7:^' -Ki !•: LH »Jff d^tr reaach 
:*s lüL rcot^n wirlea jach? 
•:^ wl. ans lan^e midcB. 

•jn»f:oft« Boez wir li^n 1820 

sw4 wir BV ze berber^^n sin: 
4ii mirt aas muninne schin 
an frömder gebire, 
die biat nan uns zewäre 

Qüt ander gnotlaete niht, 1825 

wan man uns nngcme sihl. 
wfm sol danne li^ sfai 
der ungetriwen weiUe scbih? 
der ir nu an hanget 

iinz daz si sin belanget 1830 

unt in in jAmcr senket 
Ulli in leide ertrenket, 
den Nol ouch denne niemen klagen, 
^'an er häl sich selben erslagen. 

nu sehet ir undor dougen 1835 

iint merkt ir valsohiu tougen. 
als der moio an gtl» 

1HÜ7. airh «lies sc 1811. vorneU«! 18S0. vnsanfto 

tH:{3./*. rrr/r/. '2039 /. 1831. cfVi inyM//. 1832. leider 

1835. dir uuson 1836. vsUchc* 



DIB WARNUNG. 489 

ir beschönde yroBÜehen st6t: 
diu heide vil der blaomen hat: 
der walt mit ^enem loube stät: 1840 

die tage sint kldr unde übt: 
manger bände spil man denne sibt: 
so gebabt sich allez daz wol 
daz uf der erde leben sol. 
daz ist der werlde bdchzit. 1845 

ir gäbe si den liuten git: 
si geheizet einem langez leben, 
einem wil si vil guotes geben, 
einem libet si gewalt, 

zeinem herren b&t si den gezalt: 1850 

ze jungist wert sis alle 
mit des tödes valle. 
Nu grifen wider an die zit 
daz si ez allez inne git. 
275^ den sumer si gezieret hat 1855 

mit vil schoener bluomen wät, 
maneger bände vogel singent, 
den liuten si freude bringent, 
unt grüenet loub unde gras, 
swer 6 dicke trüric was, 1860 

den heizt dia werll 6*6 sin 
unt erzeigt im maneger bluomen schin 
unt heizt in denken swes er wil, 
des gewinne er alles vil. 

der geheiz ist ein gemeiner r&t 1865 

da si der helle mite hat 
manege s61e gewunnen. 
die liute nibt enkunnen 
der nnUiwen sich verstau 
die si mit der werlt sehent g6n. 1870 

des sumers kurzer aneblic 
ist tumben liuten ein strio 
dem tiuvel si ze v&hen 
unt zao der helle ze gäben. 

1863. gedenchen 1865. Dir g. 1874. ze fehlU 



490 DIE WARNUNG. 

si schowent blaomen unde kl6 1875 

unt wä der walt geloobet stti 
unt hoernt der vogelline sanc, 
diu wil ist in in den kirchen lanc, 
diu messe unfroelich, 

dem sänge niender gelich 1880 

daz diu nahtegal hat 
mit schoener bluomen wät. 
si gßnt schowen in daz holz, 
der sumerwiinne sint si stolz, 
dii diu lilje bi der r^sen st^t: 1885 

der ez allez geschaffen hat, 
des freunt sich ir deheine, 
si lobent in vil kleine 
unt tuont sin dehein war. 

wie die bluomen sint gevar, 1890 

daz wellent si betrahten, 
ze gote lützel ahten. 
276*^ des gelönt er in vil wol, 

als ez allez ende nemen sol. 
So ist der meister aller sinne 1895 

gescheiden von der minne 
die er zuo den sünda^ren hüit, 
wan er an sin gerihte gät 
mit Zornes antliitze. 

s6 ist in unnütze 1900 

b^diu bluomen ande gras, 
daz 6 ir himelriche was, 
wan ez jährlich zergöt, 
s6 got unt sin ^re gcst^t. 

der möhte niht unwiser sin, 1905 

der im des marwen krütes schin 
zc gr6zer wünne hat genomen 
unt ist von rehter vreude kernen 
diu mit gote maoz gestftn 
unt deheinen wis mag zcrgftn. 1910 

nu hoeret wiez ein ende nimt 

1397/. h^: ($et? 1900. un 



DIE WARMONG. 
daz iu nu ze lahter wol geztint. 
hftbe begiaucDt die winde wsea, 
die miiezen kallen rifen blsen. 
als er da mite komeo ist, 
80 eiiwirl der bluomcn genisl 
niwaa twcrhes über Duht. 
daz ist alles krütes slaht 
daz ez von der kclte sterbe 
unt äne werme verderbe, 
diu lilje unt diu rase 
unt die schccne zttlöse 
Ugent bleich nnde val, 
beide erwelket uude sal. 
deu wall der winder grisct, 
da^ loup von frAste riset, 
die vögele Idzenl ir gesanc, 
trflric ist ir geranc, 
si twiiiget snft uni aiielianc 
unt oucb die kalte naht lanu. 
i** über al dorret daz gras 
daz den sumer gn'iene was. 
vil wol SDieckendez krüt 
daz ist danne niemens triil, 
wan ez den wäz hat verlorn 
dar iiDibc ez zc ^rcn was erkurn: 
nn lil ez ze unwerde 
unt fillet üf der erde, 
nu ninil ez niemen in die liaiiLt 
ez leit ouch niemen df sin gwant 
durch debriiiru guotcn smuo : 
-sA suochet man ez al den lao, 
dem libe er ez nähen leit 
dureli sine edel er ez treit, 
das guol smac von im gii 
swA er sitze oder stG. 
Als ez dannc sLirbel, 
der guole wftz verdirbet, 



'.^ 



IftlS. laater 1819. chaltQB (= kaltio) 1920. wime 



492 DIE WARNUNG. 

der mensche wirft ez üz der hant, 

wan er hat wol erkant 1950 

daz ez In gehezzern niene mac: 

verlorn häl ez den guoten smac 

der den menschen ^rte 

unt im sin freude m^rte. 

nu muoz in sin bedriezen, 1955 

ern troul sin niht geniezen. 

daz het er 6 wol erkant, 

dö erz alr^rste vant, 

swes er dar an gerte, 

daz ez niht lange werte. 1960 

nu bringtz in allez ze gesihte 
swes der mensche bedarf ze ihte 
unt merket wie lange ez wer 
des er dar an ze freuden ger. 
nu grifet sü ze der sunnen an: 1965 

swaz si schines ie gewan, 
den enphüeret si uns vil dicke 
mit leidem aneblicke 
277" swenn si warme schinet, 

daz herze uns enüinet 1970 

unt werden denne wol gemnot, 

wan uns daz weter diinket guot. 

schiere diu sunne under gf^t, 

ein küeler luft uf st^t, 

diu wölken beginnent üf brehen 1975 

grimme susen unde schehen, 

si loufent hin unde her 

unt gf^nt allez entwer, 

griulich si gevar sint. 

s6 kumt ein ungestüemer wint 1990 

unt wirft ez allez ze tal. 

dö wirt des wazzers ein val, 

den liuten ein gröz ungemach, 

ez g^t in allen durch daz dach, 

daz im niemen mag entrinnen 1985 

1070. daz herze vnt entlcinet: ich glaube gemeM iit Da* herz 
thaut uns attf. vergl. aafleinen, Schmelier 2, 472. 1172. d«i] div 




mit deh^^pl^W sinnen, 
eines tagä|f%tE geschiht 
daz man guoles weters giht, 
unt vil boesez dar nftch, 

daz den liuten wirt gäch 1990 

ab der sträze underz dach 
durch bezzeren ir gemach. 
s6 der regen fliuzet hin 
in allen wuochera^ gewin, 

bßdiu gras unde körn 1995 

von der güsse wirt verlorn, 
dö endet sich diu wiinne 
die zeigte din sänne. 
Ab offent got sine mäht, 

daz er al lures herzen aht 2000 

zefiieret in kurzer vrist 
unt allez daz iu liep ist, 
wan ir sin wider in phleget, 
swenn erz also ze muote leget 
daz ir für in minnet 2005 

allez daz ir gevnnnet« 
277^ Ist der tac schoea uuäe hmc, 

des wizzt ir im deheinen danc: 

der 6ren ir der snnnen jehet, 

swenn ir si in liehtem schine sehet. 2010 

nu wer gab ir den liebten schin 

oder wer hiez si schoene sin? 

swaz iwer ouge übersiht, 

daz geschuof sich selbe niht, 

ez machte der beilege Krist 2015 

der den sündaeren frömde ist. 

der gescheite ir der wiinne jehet, 

den scheph(ere ir übersehet. 

Vol dir, frowe sunnel 

du bist al der werlt wanne. 2020 

saelic si diu nahtigal 

nnt ir süezen sanges schall 

1991. mder daz d. 1998. div z«ig«t 2000. alle 



494 DOS WARNUNG. 

willekomen sol diu beide sin 

unt aller ir bluomen scbinl' 

daz werc boere icb grüezen 2025 

mit worlen vil süezen, 

den Werkmeister man sas lät 

der ez allez gemacbet bat: 

den grüezet ir undäre 

unt lebet mit frömder gebftre. 2030 

ir Sit von rebten sinnen komen. 

waz gotes babt ir in genomen 

alle werltlicbe scboenbeit 

diu unstaete vreude treit 

unt immer trdric ende b&t, 2035 

swenne si diu kurze wunne lät? 

s6 ir die sunnen vr6 sebet, 
schoenes tages ir ir jebet: 
des dankt ir ir unt gote nibt. 
von den scbulden iu gescbibt 2040 

dar näcb vil boesez weter doln : 
gotes zom kämet ir wol geboln. 
als ir daz scboene wip sebet 
unt ir maneger tugende jebet, 
278" da gedenkt ir gotes niender bi, 2045 

swiez docb allez sin werc si. 
ir beginnt si loben unt 6ren 
unt wellt an in nibt kftren 
deheiues lobes trabte 

der ez allz in siner abte 2050 

gemachet unt gescbaffen bat 
in s6 schocner wirde als ez stAt, 
in tugentlicbem sinne, 
üf s6 getane minne 

daz er iu lieber wolde sin 2055 

denne der wünneclicbe scbin 
den ir nimmer muget geseben 
da ir grözer scboene weit jeben. 
Swaz ir gesebet daz iu gevalle, 

2033. AUer werlUicher 2044. mM»^ 



DK WABMDNGj 

daz iwer liebe mlle, 

lobt got siner knfts 

unt aller stner gescbefte, 

daz erz s6 wert gemaehel bAt 

dar umbe ez ia ze berzen gftt: 

sd zürnet der weroman nibt, 

swer sia werc also siht 

daz er im lobes ire ]At 

für alle sin hanl^tAt. 

swer den list lobt nnt in nibt 

dem er ze würfcen gescbibt, 

unl er sin nibt 6re bdien mac, 

er tuot eini^n slac, 

daz ez allez zerre rt 

daz enwirt von niemen erwert. 

DU minnet blueraen nnde gns, 'z 
niht in der sin meister was, 
wip unt vogel^anc 
uDt die liebten tage lano, 
der saclie iegliche 
□enit zo einem bimelricbe : 
daz bat allcz ende 
in gräzcr missewendo. 
ZTS** als ez in »Her liebist ist 

unt ilü milc scbnlTel iwcr genist, 
SÄ sierbel ir ode cz zcrgOl 
durcb des bende ez allez göt. 
däst danne des tiuvels spot 
daz ir die werll für einea got 
dnrcb kurze freude habt genomen 
unt Sit von im verre komen 
der sm meister ist gewesen, 
an den nibt mag genesen. 

DU merkt den ende den ez bAt, 
wan des ist debein ril 
ir miiezt da mite gescbeiden sin. 
ez si verlost oder gewin, 
2071. nid] ein 3076. Min aUez m. 2SS5. ad«r 
danoe 3095. <li vdd s- bf»t 



496 DIE WARNUNG. 

ir muget da niht beliben 
unl sultz niht immer triben. 
ze siner zite ez al zergftt, 
niwan diu gotes genäde bestöt. 2100 

swer der wirt verteilet, 
dem ist ungeheilet 
von werltlicher sache, 
diu waen niemen mache 

tr6st an der jungisten zit, 2105 

sA man uns allen lön git. 
w4 denne bluomen unde gras 
daz dir 6 ze freuden liep was? 
diu beide unt der grüene walt, 
ir aller zit ist äz gezalt. 2110 

da hebet sich der werlt s6r, 
si gefreut den menschen nimmer m^r: 
der verlorne ist ir danne gram, 
daz si im ie so wol gezam. 
Daz ist ein vorhtlicher tac. 2115 

swer den gebezzem niene mac 
daz ist ein gar verworhter man, 
wand im erweren niemen kan. 
ir habt alle wol vernomen 
des urteiles vor komen. 2120 

279 *" als ir diu s^le entweichet, 

diu liebte varwe ir erbleichet: 

kläriu ougen, röten munt 

het si d6 si was gesunt: 

daz ist albegarwe 2125 

in eislicher varwe 

unt git^n griulichen. 

ja miiezen ir entwichen 

die ir ^ gerne wären bi. 

nu seht ob daz niht ein jämer si? 2130 

wer sol denne vr6 sin, 

Sit uns der tdt tuot schin 

:2I04. icmen 2118. lernen 2120. Tür? 2121. ir] dem weibef 
vergl. 2077. eotweich und in der folgenden %eüe wart ir Ueick? 
2123. ir roter m. 2130. niht jibner? 



DIB WARNUNG. 497 

daz erz alldz machet unwert '^ 

swes der mensche ze sinen freuden gert ^ 

unt vil boesen ende nimt. 2135 

daz im hiute wol gezimt, 
morgen ez im widerst^t, 
daz im der muot abe gftt, 
unt wirt im unmsere 

sam ez nie liep worden waere. 2140 

Daz ist der werlde unstaetikeit. 

m 

daz ir got gebe leit! 

waz si der liute betriuget! 

wie offenbar si liuget! 

nu ruochet waz iu iemen sage: 2145 

ir valsch der schinet alle tage, 

ir werc hat der staete niht. 

den man hiute fr6 siht, 

der muoz morgen k^ren 

von friunden unt von 6ren:' 2150 

daz ist ein starkiu sache. 

swer durch sin leben iache^ 

der gedenke wie ez enden sol: 

so zimt im weinen alsA wol. 

diu werlt boesen 16n gft. 2155 

Aä wider gedenke er alle zit. 
vor gote er gar verdirbel, 
der in ir dienest stirbet. 
279 *• nu volge ir swer der welle, 

er muoz durch si ze der helle: 2160 

also ist geteilt daz spil. 

swer nu daz boese nemen wil, '•, 

der hat den schaden an der haut : " "^ 

daz ist immer unverwant. 

minnet got unz an iuren t6t, 2165 

so enphliehet ir der sMe not: 

oder Sit der werlt giselle, 

ir müezt durch si ze der helle. 

der eintwederz müezt ir nemen, 

2153. enden] ein om\c nemen 2160. si] sein 

Z. F. D. A. I. 32 



498 DIE WARNUNG. 

dem tiuvel oder gole gezemen: 2170 

ir muget in beiden niht wol 

gedienn als man von rehte sol. 

nu war habt ir iuren sin getan, 

daz ir iuch s6 verre habt verll^n 

üf der werlt freud unt üf ir gemach? 2175 

wan ze jungist ie von ir geschach 

grdziii n6t ze liden, 

swer si niht wolde miden. 

dar über volgt ir, ob ir weit: 

ez ist iu allez vor gezelt. 2180 

an den vreuden ir nu hanget, 
der iuch kume belanget, 
daz muoz nemlichen sin, 
swenn iu daz alter wirt schin. 
dö endet cz sich vil gar, 2185 

daz ist sichcrlichen war. 
daz wip iuch ungerne siht, 
so muget ir danne niht, 
der muot ist iu swsere, 

tanz ist iu anmsere, 2190 

singens iuch verdriuzet, 
wan iu daz houbet diuzet 
von gesühte als ein herhorn : 
iu ist der Freuden schal zorn, 
wan si iu danne fliuhet, 2195 

zuo der jugent si sich ziuhet: 
280" vaste müet iuch des alters not: 
s6 wa*rt ir gerner denne tdt. 
diu jär iu unnütze sint, 

Sit ir Sit man noch kint, 2200 

niwan der liute müesal. 
si Sachen gerne iuren val, 
daz iu hin naeme der t6t, 
daz si von iu wseren äne not. 
ist danne gaot iwer leben, 2205 

Sit im also wirt ende gegeben? 

2173. war/eA/f. sin hin getan 2182. rhvenne 2200. dms 
zweite siifehit. 2202. wir sehen 



OIB WARNUNG. 499 

diu werlt hat ans verkorn 
unt haben gotes holde verlorn. 
Wir mohten lange niht gewem. 

niht wil der mensche gern 2210 

der s^le des ir waere n6t: 

niwan trinken unde brdt, 

dar zuo phenninge unt gewant, 

huobe dörfer unde lant, 

wibe wehsei alle zit, 2215 

diu werlt in in dem herzen lit: 

da enhdt gol wesens niht, 

siner stat er da niht siht, 

im ist der stuol dk benomen, 

er ist in uz den herzen komen. 2220 

des herren si nu lihte enbernt, 

eines andern gotes si in gerut. 

einer betet sinen buch an, 
wan allez daz er ie gewan, 
in siner wambe daz versanc: 2225 

der saget siner wambe danc, 
daz si daz in in k^ret 
danne sich sin vreude m£ret. 
einer dinget an diu wipx 

der hat stle unde ]ip 2230 

in ir gendde ergeben 
unt wil in ir geböte leben 
daz siht gotinne: 
der dient er ambe minne. 
280^ einer anbetet daz guot: 2235 

der hat ze anders nihte muot, 
sine sinne wendet er dar an, 
wand er der s61e niene guotes gati, 
niwan sinem guote: 

im göt niht.ze muote 2240 

unser aller schephsre, 
er ist im yil unmsere. 
einer anbetet daz vogelsanc 

n09. mShten 2216. in] iv 2220. im 2229. iligel 
2233. daz si si sin g. ? 2235. arbeitet 2236. ander nibt 

32* 



riOO DIE WARNUNG- 

unt die liebten tage lanc, 

dar zuo bluonicn undc gras, 2245 

daz ie des vihes spise was : 
diu rinder vrezzenl den got, 
er ist der tcerschen oliscn spot. 
daz ist nu der werlt leben : 
der belle babenl si sich ergeben 2250 

durcb zergänclicben gemaeh 
Ak der s^I nie liebe von geschacb. 
die gote als ich in hAu genant, 
daz habt ir vil wol erkant 

daz ir von in sit betrogen: 2255 

si habent ie und ie gelogen, 
wan ez immer niene wert 
des ir von in ze freuden gert. 
war umb werbt ir ndvh der wnnne niht 
ik niemen leide von geschiht, 2260 

dA elliu Freude aii ist 
immer An endhafte vristT 
Als6 ditz allez zerg^l 
dA iwer freudc an stet, 

s6 müezt ir st6n ze gerihte, 2265 

ze des herren angesihte 
der al die werlt geschafTen hAl 
unt iu allez daz lAt 
des ir alle tage lebet. 

die wile ir nAch der werlde strebel, 2270 

so mag iu niht ze hilfe kernen 
swaz ir nu ze herren habt genomen : 
281' die sint alle na hie. 

swaz ir dA von vemAmet ie, 

daz sehet ir alle tage an, 2275 

swie ez iuch gebezzern niene kan. 

nu seht wie ez verdirbct. 
dar zuo der mensche stirbet: 
von aller freude er danne kumt, 
diu werlt in lüfzel dA gefnimf. 2280 

2277. wie ez allez v. 



OIB WARNUNG. Mi 

daz ist daz gqi;enwurtege lebea 
da wir all mit noeten inne swebea. 
daz sult ir alle rehte an sehen 
waz in allen gihen mac geschehen: 
so geminnt ir nimmer m£re 2285 

werltliche tre, 
Sit si ze jungist alsd zimt 
daz si trdrigez ende nimt» 
sd ie lieber gewin, 

so ie leider vert er hin. 2290 

sd sich daz jftr geniwet hAt, 
diu werlt in lichter varwe stAt: 
denne sult ir nemen goume 
der wol geloubten boume, 
der liljen unt der rAsen 2295 

ont der schoenen zitl6sen« 
diu grüene beide. unt der kl^, 
mit welhem j4mer daz zerg6. 
s6 der walt griset 

unt daz loup riset, 2300 

die vögele läzent ir gesanc: 
s6 wirt der. kalte winter lanc, 
die bluomen sich der erde ergebenl, 
die vögele trdrielich^n lebent, 
die scboene beide ervalwet 2305 

aller bluomea blat ersalwet, 
die boume bl6z unde sal: 
so bat verendet sinen val 
b^diu loup unde gras, 

swaz ze freuden gewabsen was: 2310 

281'' dar zuo die wünneclicben tage, 

die sint ouch in der selben klage: 

trAreclicbe ez allez hin g^t 

swaz der werlde wol ze freuden st£t. 

daz ist jAmers klage unde leit 2315 

daz uns zallen ziten riwe treit. 



2%6A. waz iv in allen g. !^285. gewinnet :2303. der erde 
sii'h 2308. sein 2313. Trovreehliehen 



502 DIE WARNUNG. 

Noch hab wir des leides m^re 
mil kläglichem s^re 
daz UDS daz alter danne git, 
s6 ieglich dinc sine zit 2320 

b^din gelebt unt gewert, 
swaz des alters hat gegert, 
daz neiget sich gegen der erde 
allez uz sinem werde. 

ez wirt daz ros so unwert 2325 

daz sin ze Freuden niemen gert: 
die kleinen Sprünge ez h4t verlän: 
des maoz ez in der ciden gän. 
der riter unde sin wät 

unt swaz er harnasches hat, 2330 

daz wirt ungenxme 
unt von alter widerzanne. 
des scheinen wibes ansehen 
dem ist ein wizen s6 geschehen 
daz ir nu niemen nimt war 2335 

der ougn (^ dicke blihten dar. 
daz hebet sich allez vil fruo: 
dane g6nt niht zweinzic jftr zuo 
daz diu jugent runzen danne hat 
unt des alters zeichen üf gät. 2340 

wie unlangc ^az nu wert 
des der mensche ze sinen freuden gert! 
noch sehe wir ez alle tage : 
daz ist ein bärmlichiu klage. 

nu merkt die gegenwnrtegen zit 2345 

diu uns mit ji^mer an lit, 
wie ez täglichen hin g^t 
Ak von der mensche vreude hat. 
282 *" swer daz wolte an sehen, 

der entörste nimmer gejehen 2350 

daz ditze leben wa;re guot, 
Sit ez an dem ende w6 tuot« 

2328. eidon verstehe ich nicht: passen würde in der reiten, am 
wagvn, 2334. in weitzen 2337. sieb] ez 2343. ez ftkU. 
2316. d. uns allen m. 



OIB WARNUNG. 

als den son verliusei der man, 

sA riwet lu daz em ie gcwan. 

verliusl der sun sin guot wip 2355 

diu im liep was sd der lip, 

wä ist diu wünne danne komen 

die er im dar an het genomen? 

gelebt aber si sinen tot, 

daz ist ein jaemerlichiu n6t, 2360 

s6 ist diu liebe gescheiden 

zwischen den lieben beiden. 

weit ir dar über fr6 sin, 

unt iu alle tage wirt schin 

riwe unt alliu jAmerkeit, 2365 

alters unt t6des leit, 

verlornüsse werder dinge, 

lieber ahte misselinge? 

ungeliicke ez allez hin treit 

swaz der mensche ilf geleit. 2370 

nu gedenket balde an den tot 
unt an alles dinges n6t, 
wie jaemerliche ez muoz ergän, 
wan ezn mac ot immer niht gestAn. 
der h6he berc riset, 2375 

den walt der winder griset, 
er st^t bl6z unde val, 
diu beide bar unde sal, 
die grüenen wisen sint gesniten 
dar k6mn gegangen unt geriten 2380 

riter unde firouwen 
durch gchoene bluomen achoaweii 
unt durch daz siieze vogelgesanc: . 
diu sunne lieht, die tage lanc, 
die werdent tunkel nAch der zit, 2385 

s6 der sumer sinen strit 
282^ dem winder l&i doroh lAt, 
wan ez gol ron ^rste gebtl 
daz erz allz in trären kArte 

2367. verchcrler 2374. iht 2389. ez 



504 DIE WARNUNG. 

unt ouch den menschen l^rle 2390 

dtiz er sich bedenke da bi 
welch sin selbes ende si. 
D'ä scheident sich lebende, 
ir ieglicher strebende 

n<\ch dem guole wider triuwe: 2395 

daz machet Janicrs riuwe. 
der friunl durch schaden wirt verkoru, 
diu tugcnt von alter verlorn, 
gesellen scheidet unvertrac, 
daz diu liebe niht gcwem mac 2400 

die diu triwe dar brähte 
dö si ir ze friunde gedähtc : 
unstaete scheidet künne 
unt aller werlt wünne. 

swaz an der statte abe ninil, 2405 

zc debeincm werde daz gezimt. 
diu güsse trüebt die brunnen, 
daz wölken nimt der sunncn 
ir vil minneclichcn schin, 

daz si muoz von reble tunkel sin. 2410 

diu vogellin niene singent, 
als si diu weter twingent. 
val daz grüene gras st6t, 
als ez der rife ane g(^t, 

die bluomen man hiur schoenc sihi : 2415 

von dem kalten rife in gcschiht 
daz si hangent val unde bleich, 
b^diu erwelket unde weich, 
unt habent verlorn ir süezen smac : 
swer si 6 schonte al den tac, 2420 

der ensiht niht denne gar, 
wan si sint jaemerlich gevar 
unt habent des gaoten smackcs niht. 
der schoenen frowen sam geschiht. 
283' iwcr unwisen herzen got 2425 

ist danne des välandes spot 

2390. ertc 2392. selbo 2408. daz] div 2419. §csmar 
2420. allen 2425. Ivrcn 



DIE WARNUNG*. 905 

der lach dar zao verrftten hftt, 
an dem nu iwer fireude stät. 

nu gedenket ir als einer tuot 
dem von gote gescheiden ist der muot 2490 
'ich muoz ob der erde wesen, 
dar under mag ich niht genesen: 
da schinet mich diu sunne an, 
daz taot si vil manegem man : 
ich sihe bluomen unde gras, 2435 

daz ie der Uute ireude was: 
wes sol ich die vogel twingen 
daz si niene singen? 
Ane wip mag ich niht gesin: 
daz selbe tet der vater min. 2440 

dar zuo muoz ich haben guot 
unt dicke vroelichen muot. 
daz ist allez menschlich leben: 
wie mag ich mich dan des begeben? 
sol ich dar umbe ze helle varn,' 2445 

daz mag ich übele bewarn.' 

so sprichet vil manic man. 
der doch wol daz tuon kan, 
der gerne wolde rehte leben» 
dem künde ich guote m4ze geben. j45# 

ir sult iu nemen ein w*i(»: r 

die habt liep s6 den lipi' . "^ ' 
die andern sult ir miden 
unt durch got liden 

swaz iu diu schocne leides tnoti 2455 

daz ist für alle sünde guot. •» 

habt ir guote spise, ^ - ,. 

so tuot sam der wise: 
kome si für iuch äf den tisch, 
ez si daz vleisch oder der visch, 2460 

b6diu der met unt der win, 
lät iuz niht ze liep sin, 
283 ^ niezet si spärlichen : 

2437. wcs] Vmbc waz 2455. dia kone? 



*. * 






506 DIE WARNUNG. 

• 

der gile sult ir entwichen 

die der lip über m^ze h4t, 2465 

diu die sde nibt genesen \äi: 
ir sult ez armen liuten geben, 
daz heizet beiligez leben: 
dem libe ez harte w6 tuot, 
ez ist aber der s^le vil guot. 2470 

Welt ir guoler kleider phlegen^ 
diu sult ir als6 an legen 
äne alle höhvart, 
wan got nie leiders uiht wart, 
da von kom des engeis val 2475 

von der hoehe in daz tal. 
Sit ir diemüete 
mit milticlicber güete, 
so enschadet in diu werlt nihl 
uut swes man ir zc vreuden gibt. 2480 

bluomen unt vogclsanc 
bctwinge niemeus gedanc 
ze deheiner ungiiete: 
niht minne ez in sime gcmüete: 
läz im sumer als den wintcr sin, 2485 

sn^ als bluomen scbin, 
einez als daz ander wesen 
(man sol sin doch immer niht genesen), 
richeit unt armuot: 

diu habe niemen niht entuot 2490 

des der sMe schade si, 
ist gröziu liebe niht dft bi. 
daz guot niemen ze herzen trage, 
n4ch Verlust erz ouch niene klage, 
freu sich der gewinne niht, 2495 

wan ez got vil ungerne siht, 
swaz der mensche gewinnet, 
ob er daz ze si>re minnet. 
swer sine liebe dar lät 
daz diu werlt ze frcuden hftt, 2500 



•> 



2482. brtwiu^el 2495. Eria sich 



DIE WARNUNG. SOT 

284" als ez im deone entrinnet, 
riwe er dar nach gewinnet, 
ze delieiner slahte gewinne 
beeret des menschen minne: 
er sol minuen mßre 2505 

got unt sin ^re 
denne deheiner slahte guot 
daz dem libe wol tuot. 
swer mit gote wil genesen, 
der sol richer arm wesen. 2510 

der daz guot in der frömde hat 
unt im ze herzen niht engAt 
unt ez niht enminnet 
swie vil er sin gewinnet, 
der lebet als ein kristen sol, 2515 

dem tuot diu werit niht wol, 
den irrt diu sumerwünne niht, 
swaz er ir gehoeret oder gesiht, 
der rebten gotes minne, 

er ist zwar mit guotem sinne, 2520 

wan er färbtet got m6re 
denne er minne der werlt Are. 



Ir miiezet alle als6 leben, 
sol iu got sin himelriche geben, 
er git iuz dar umbe niht 2525 

daz iu von der werlt guot geschiht 
unt daz ir die minnet, 
ze einem gote gewinnet, 
unt ir für himelriche phleget, 
iuren schephser gar hin leget 2530 

unt sin dehein war tuot 
durch daz zergänclich guot. 
iä muget ir niht mite genesen: 
diu belle wirt iwer wesen. 
unt dünkt iuch daz s6 sw«re, 2535 

der hie gemaches enbsere 
umb daz ^wige leben, 
ez wirt iu um sus niht gegeben. 
284'* ir niüezct smerzen drumbe doln, 



508 DIE WARNüiNG. 

well ir daz gotes riebe holn. 2540 

DU nemt die werlt in die haul: 
swaz ir an ir t^re habt erkaiil, 
da muoz man umbe miden 
daz man übel mac liden. 

dem ez ze lobe sol komeu, 2545 

im wirt gemacbes vil benomen, 
er muoz si tiure gewinnen 
mit vil schoenen sinnen, 
dem diu werlt git ir ^re 

nacb ir lobes l^re. 2550 

Sit man daz tiure gewinne! 
unt irz sd si^re minnet 
daz diu werlt lönes git, 
unt wert doch unlange zil, 
war umbe sol des dünken vil, 2555 

der daz himelriche enphAhen wil, 
koufet erz mit st^re, 
Sit erz hat immer m^rc? 
niht m^re er dar umbe gebe, 
er kurz oder lange lebe, 2560 

wan des diu werlt hat strit 
umb ir ^re die si git. 
daz ist zuht unt diemuot, 
diu milte ist groezlichen guot 
ze aller slahte 6ren, 2565 

die sol diu güete l^ren 
den menschen daz er ir phlegc 
unt si an die n6tdurft lege, 
swd s6 guotes dürft si. 

der ncete wese diu milte bi 2570 

unt troeste nach ir güete 
des habel6sen gmüete. 
des wil diu werlt niht enbern, 
sölber tugent müezt ir si gewern 
unt maniger dannoch dar zuo 2575 

d. si iu dehein guot tuo. 

t257i. inüczl ir] muz 



DIE WARNUNG. SOt 

285 ** Ir müezet sölher zähle phlegen, 
h^rschaft lAzen undar wegen: 
iwer zorn sol verborgen sin 
daz er immer werde schin: 2580 

iwer sprechen muoz stn besuiten 
unt ungefiiegiu wort Termiten, 
mxzic an iwer spise, 
so dünkt ir zühte wise 

unt behaltet iwer werdikeit, 2585 

wan diu lüge ist al der werlde leit. 
boesitt wip solt ir miden 
unt manegen knmber liden 
der iwerm libe w^ tuet 

unt dicke trüebet iu den muot. 2590 

vl^get got dar under alle zit, 
diu werlt in vollen lAn git 
aller tugentlichen sinne: 
so kumt in ze gewinne 

ir ^re, swä ir si weit, 2595 

ze saelden sit ir gezelt 
unt gelncke ze ingesinde, 
dem heile ze liebem kinde. 
daz allez müezel ir beg^n, 
weit ir in der werlde lop gestftn. 2600 

swaz ich iu vor hän geseit, 
ob iuch der muot dar zuo treit 
daz ir tre minnet 
unt die gerne gewinnet, 

nu sehet wA ir daz liep ist t9K 

daz ir den heiligen Krist 
in dem herzen habt ze minne 
mit allem inrem sinne, ^^ 

unt 6rt iuch immer dester baz 
daz ir got lobet etwaz. 2610 

nu ez die werlt dönket guol 
daz ir ze gote habet muot, 
wes sult irz denne miden 

2586. wa 



510 DIB WARNUNG. 

unt durch si einen liden 
285 *" kumber mit s6re 2615 

durch ir bare t^re ? 
wan diu muoz gar zergt^u, 
sine mac niht immer gest^n. 
nu habt ir vernomen wol 
waz man durch die werlt tuou sol. 2620 

anders muget ir niht gewinnen 
ir I6n mit deheinen sinnen, 
umbe ir 6re miiezt ir geben 
iwer froelichez leben. 

ir gebotes müezt ir nemen war 2625 

unt daz bebalten gar 
unt volgen ir 16re 
umbe ir kurze ^re. 
ander 16n si iu niht engit : 
ez wert vil unlangc zit 2630 

swaz ir von ir enphahel: 
gein dem t6dc ez allez glihet 
daz ir da ze unwerde gebet 
der werlt al die wile ir lebet, 
daz wa;re gote gena;me 2635 

unt diuhte in vil gezaeme. 
nach ^ren ir iuch pinet, 
daz iu der lip verswiuet, 
unt wizzt ir kurze zit wol, 
daz si iu niht lange wem sol. 2640 

Swaz mit riwen scheidet hin, 
daz ist ein bärmiclich gewin, 
unt nimmer m^re wider kumU 
ze stseter freude ez niht enfrumt. 
sd möble iuz gerner wesen hin 2645 

umb einen endclösen gwin. 
seht wa ez Ak hin fliuget 
daz iuch nu allez tringet, 
der I<^n den iu diu werlt git, 
ilk iwer dienest ane lit. 2650 

2643. immer 2645. So mohtot ivs 2649. Den 



DIE WARNUNG. 

weit ir duruii der werlt frv. 
unt durch fr valscbe 16rc 
i" iwers willeu vil miden 
Hill not durch si lideo, 
diu enmancgen wis iu w& tuol, 
AareU ir lop unt durch ir }{uol . - 
duz alle Uige ahe niitit • \,,,, 

tiDt aa dem eode üliel zimt 
unl grAz riwe dar nach gtH, 
si> der mcDsche des tödes sich versliU, 
ow6, war habt ir gedähl? 
war hAt iuch iwer sia hrSbl? 
war gcdeuket iwer wilze muot, 
daz ir des durch got aiht enluol 
unt umb daz Cwige leben 
daz iu dar umbe wurde gegeben? 
dl ist Cren überkrafl 
unt allez lop werbaft, 
ellin freude Ad ende, 

aller wünne znoleude, 

elliu siieze in einer senfte ist. 

daz heize ich rehle gentst 

ik Irüren unde sorgen 

immer ist verborgen 

unt lusent jär ein kurziu stunt. 

da ist leides riwr unkunt 

unt elliu unfrcude vertrihen, 

niwan diu ininne ist d4 belibeu 

ik der mensche immer inne swchl. 

öz der inJize wiinneclichen lebt 

unt siht got als er ist, 

in giilclfcber genist 

nnt in unser mcnschcit 

die der herrc an« treil. 

sölher oagenwcidc er enbirt, 

der ze helle bnlht wirt. 
na merkt die wünne alle, 

diu] unt 9662. im hin bnbt 3671. i> einei 



512 DIE WARNUNG. 

seht wie si iu gevalle, 
die er in dem bimelriche liut, 
den der wirt ük wcsen lAt. 2690 

286^ Als ir cz denne belrahtet 
unt vlizicliche erahtel, 
s6 wizzt ir denne vil wol 
daz man si baz gelten sol 

denne werlllich 6re 2695 

diu sich endet mit s^re. 
daz hiuielriche gest^t, 
so daz allez zerg6t, 
nu waz sinncs ist daz, 

weit ir der werlt gelten baz 2700 

den t6t den si iu wil geben 
denne gote sin 6wigez leben? 
den menschen ich nu tumber sihc 
denn daz unsprechende vihe. 
daz nimt daz leben für den UM 2705 

unt gemach für ander not. 

ich hikn iuch wol vemomen, 
ir weit mit gemache komen 
in daz bimelriche, 

einem spilman geliche. 2710 

ein wirt vihtet einen strii, 
daz der sinen vil tdt gelit. 
als er den sie gewinnet, 
ze siner heimuot er sinnet, 
daz er unt die siDc 2715 

vcrgezzcn ir pinc 
mit semftem gemache 
nach urliuges sache. 
der wirt s6 s^re was wunt 
daz er kumc worden was gesunt, 2720 

sine riler zerhouwen: 
die mäsen muget ir schouwen 
an den guoten knehten 
(iio wol getorsten vchtcn, 

V689. Wie ir — habt ( : Int) 



iie nAt liten unke daz i< 

daz in der herre-^^ifr tiuz 
sUele machte ir lebsn, 
daz er in ze 16ne Woldc t^cbeii. 
287 * unt in gemaokes gandc, 
als er allertbeste k«nde, 
■ in siner heinmete 
nach wirtlicher gUele. 
die henren Termezzen 
ze gemache stnt geseuen- 
iint mowent immer mtoe 
nich verendctoz strtL ■■-.■■■. 
versperret ist ir bnretart 
beliken müezen dJt vor 
die den strit «iht euWiblen 
nnt der flJihte'^edAbten'. 
na kamt der>'tiinib« ipilmaB 
der nutzer dinge niht eokaii, 
'herre herre, lA mich in, 
wan ich din gesinde Inii. 
ich wiL mit dir lleUben, . iv-.i 
die iibelen jAc^TWlrilMBiui 
mich htt din nAtlwHCZMij'j 
din werit hAt mSm' vvifnmem, ^ 
mich jaget grAzer neete «4tj> 
ich fiirhte den grinmigea tAt.' 
'Ich erkenne din zewftre niht 
nnt enmoche waz dir geschiht. 
solt ich dir dnri^ dlne mfieiekeil 
nÜBAS gemachei iXä hnvit^ 
daz salen die niezen ^. 
die mich da niene liezetf ^'-'1 
in miner nriioges uAtt 
den wil ich gd»«tt. min fci0^ > <- ■ 
alle die nh ik.»^ ■ ' " '^ ' 
4A ich von dem strke gie, 
ir deheinem wil ich ä*st versagen,' 

2726. leiden 
;. F. D. A. 1. J 






DIB WARNUNG. 

wil er min urliugc tragen, 

üf mine vinde vehten, 

vindc ich den gerebten 

an dem werke unt an dem muote, 

ich wil im tuon Ke gaote 

daz er immer wÜDDeclichen lebt, 

ob er ze jungst den sig erstrebt. 

deh einem müezigen man 

ich miues heimwesens gan. 

Aa bist gemaches niht wert; 

din herze bneser dinge gert, 

daz ist huor unt geslende 

nnt manic misse wen de, 

spil lüge meinswuor: 

diu unlriwe ie uäch fuor 

der du lange hast gepblegen, 

daz du dich selbe bist bewegen 

mit dinem b(esen lebene, 

daz du nu wil vergebene 

haben semfte unt gemach, 

daz nie niemcn gesohaob. 

au var ze diiicn gndzen 

die da sint verst^zen 

von himele an der helle gnint: 

da wIrt dir aller £rate kiuit 

weihen 16n die gewinaent 

die die bAsbeit minnent, 

die arbeit fliehent 

unt sich zno den zagen ziehenl.' 

s4 wir denne den zagen vertrifacn 
&W& s6 hclde suln beliben, 
ir hcrrn ir miiezet vehten i 
weit ir mit gnoten fcaehtea 
den selben gmaoh niezen, 
sA sol iuch niht bedriezec 
mit in ze liden die nAt, 
weit ir eszen ir bröt. 

wi »0 iein bnide bdniben: T 



DirWARNIINef! . 

Welt ir als ein spilmaa 

der vergebene ie gttol gewan 
in daz gotes rtche gtm^ 
ir miiezet vor dem tor stAn. 
er gitz nieman Tergebene 
in miiezigem lebene 
288* des er ik gewalt hftt 2805 

unt die liute in iät. 

nu gedenket alle geliche, 
wer mag das iiimelrfche^i^^*i«x 
mit senften gewinnu^fx ^»:/, V > 

weit ir onch die wevUf li^nnen 2^1 o 

unt ir nach if rebte phiegen/ 
ir miiezet läzen under wegen 
iurcn willn an manegen dingen, 
unsamfte mjlext far ring«tl 1% 

nach ir lobe alle ait 2815 

unt mit dem übe haben stritt 
daz ir in alles des irret 
daz der werlde an im wirret, 
si wil der inmkeiihdt niklf ^ 
den fräz si «ttgern» Hihc^ 2820 

ir ist der spibere ' > i^ 

aber gar nnmamü: --• '^ > ^ 

der sohiltet auaeni herreti gM^ 
die heiligen sint sfai tpott 
daz ist ein menschlich satanAt 2825 

der so verfluocht d^a gotes rAt; 
der huorser leben l^widersttl^ 
wan er manic bAlpfeit beg^: 
der diep ist ir unwert, 

des roubaeres si niht engert^ 2830 

der ungetriwe stinkt li an, •> 

der werlt hulde^iif nie gman,»» ^ 4^« 

daz ist ^e^ jMHlk!^'^ ' 

der sprecfaMB d^Ü^ nibt enkan: 

der werlt ist er nnmnre, -^* 2835 

vil gern si sin enbaere: 

der trsege unt der lazze, 

33* 



516 DIE WARNUNG. 

die hat si ze hazze: 

Sit diu lüge unt der zorn 

die zuht gar h4nt verlorn, 2840 

so sint si an 6re, 

diu werlt hazzt si sftre: 
288 '' der arge stinkt die werlt an 

sam daz nie guoten smac gewau : 

also tuot der gihsche man 2845 

der nimmer gnuoc gewinnen kan 

unt der schäme niht enhät 

unt sich Af boese senfte lät, 

der ist ze der werlt gar enwiht, 

daz liut in ungerne siht: 2850 

swer hat haz unde nit 

unt ungefliegen strit, 

der ist den liuten unwert, 

diu werlt sin ze nihte gert. 

ob ich ez wol gesprechen tar, 2855 

des menschen bdsbeit ich gar 

mit rede in hÄn für geleit. 

swen der muot df (re treit, 

der muoz daz allez läzen, 

arger dinge sich mäzen, 2860 

oder er ist der werlt unwert 

daz si sin ze frionde niht engert. 
Nu vememt alle durch got 
wie der tiuvel machet sinen spot» 
daz er iu daz geliebet bftt 2865 

daz kurzliche zergftt. 
daz ist werltlich Are: 
diu bringt ze grdzem s6re 
alle die si minnent 

unt gerne ir lop gewinnen!. 2870 

nu seht waz ir dar umbe tuot. 
dem si besitzet den muot, 
sinen willen muoz er ULzen 
unt alles des sich mäzen 

2874. sich des 



-Ä^ 



daz ze unfaore geziuhet, 2875 

wan ez diu 6re fliiibcit 

Ak ir alle tage uftch strebt 

die wile ir. nftch der werit lebt. 
289' die rede merkt besonder: 

da ist gemach under 2880 

daz ir dk sult miden 

unt durch 6re abe sniden. 

entriwen ir müezet not doln; 

weit ir der werlt Inp'Tiitili^ 

si git ez iu umb 8||||K») |^ |08^* 

swaz liebes iu von flr ]^|c1iibt. 
ir lön ir enphähet, 

gotes Idn iu versmfthet. 

diu zwei sult ir zespreiten 

unt für die ougen breiten 2890^ 

unt lät si btdiu schouwen 

riter unde frouwen, 

leien unde phaffen 

lät dar zuo schaffen, 

schiere si beseheii 2895 

welhem löne matt sol jeben - 

groezerre #erdekeit| 

diu diu werlt odtsi" got treit. 

bi einem vindet ir d^Dt tAt 

unt manege jaemerlich^ not, 2900 

bi dem andern daz leben: 

daz wirt mit freuden gegeben 

allen die ez suochent 

unt mit dieniite roocfaenl, 

die dar nach ringent 2905 

unt gote ir gelt bringent 

wederz nu in iurem sinne 

stß ze bezzeihn gewihil^i ' ' - 

der tdt dd^ Aktf'lMli^ Wbtn^ 

dem sult ir den kouf geben 2910 

umbe den dft veile ist 

2876. ez diu] er die ^897. den diu? 




518 DIE WARNUNG. 

ir ietweders genist. 

der dem tiuvel torste widersageu, 
der solde immer gole klagen 
daz er im so lange zins lidt 2915 

gegeben durch der werlde rät 
289^ unt nach michelm sSre 
hat gedienet umb ir dre. 
sicherlich er ist verlorn, 

der die werlt hat erkom 2920 

zeinem wünneclichem lebene. 
er freut sich vergebene, 
er wähst ze grdzem wuofe 
unt ze bärmeclichem ruofe. 
Ich wil iu niht liegen 2925 

noch durch friuntschaft triegen, 
als ich hie vor tete, 
dd ich was an iwer stete 
in der werlde reise, 

miner s^le ze vreise. 2930 

dd machte ich iuz allez guot, 
swaz ir nu wider gote tuet, 
ich long aber vil s^re: 
daz riwet mich immer mt^re. 
nu nemt bi mir bilde. 2935 

ich was worden wilde, 
got wolde ich niht erkennen, 
ich hörte in aber dicke nennen, 
dd sach ich die liute sterben, 
disse lebenes verderben, 2940 

unt wurden griulich gevar. 
des begunde ich harte nemen war. 
ich hörte klage unde wuof, 
von vriunden jaemeriichen ruof. 
dö kom ich hin ze der stete 2945 

Ak man si von den liuten tete. 
alles des diu werlt hat, 
freude genuht unde rät, 

2913. getorste 2940. ditxes 



des eavoigt in in die,(ru9b« niht 

d& in ze Mwon :ges«|ul)t. 2950 

ich sach st -in di« «pda 

werfen ze unw^rde.. 

der i vier belte phlüc 

dl er alle zit äf Ue, - 
9* zwei wizia liiAcfaea . ; 3935 

mit QDdern siüfsaoheD, . , . „ i.b 

ein örküfise vil guot, - 4^,-, 

mit sainil wol beliaot, "^\, 

ein declacben liermin, ~- -^ 

d& was ein guot phclle ob scIuQ» ,:,. )9M> 

ilä phlac man des lierreu mite ^ 
nach der rieben UaU site: 
d& wart er v«a g«8cbflidf», 
dA er begnnde Leide« : 

den liotea ander der bant. 2965 

si giben im toetlüli gewint 
an hende unt »n bAcb: 
in ein unwerdez tdch 
want muu den rieben : 

man Icil in ärmicliuheu 2970 

df die baren erde 
ze langem uuwerde. 
Dane was küsse noch bot 
Qocb daz lilacben da ze siel: 
mit dnni ^ullcr in iiieiuvii düble: 2975 

gebieten er oiene mabte: 
niht was daz Ulapben dft« 
man hat ez gekmlteD andenwi« 
des nam ich «lies vil wol war. 
man leil« den rieben man bw 2980 

bi allem siucm küiiiii!, 
san er nie guol (;ewiiune. 
des berreu nun vil gar vergaz, 
ze den liiezen im dö niemeu saz, 
des gedrauges was umbe in nibl, 2985 

}. Der hernn 



520 DIE WARNUiNG. 

als man doch bi riehen liuten siht. 
die wile er mohte ande lebte 
unt in sinen freuden swebte, 
d6 liezen si nieman dar zuo 
weder späte noch vruo: 2990 

dö in diu gruobe dd enphie, 
ir deheiner zu6 im gie 
290 '^ der ik waere beliben 

unt bete die maden von im getribcn, 

also die liute täten ^ 2995 

^ daz dem herren wurde w^. 

mit der erde si in bedahten 

sd si aller snellist mähten. 

d6 liezen si in ligen eine, 

si körnen dar wider seine. 3000 

war kom dö guot unt ^re 

daz er mit der s^le sOre 

hete kume gewunnen? 

der t6t hat ims enbunnen. 

als ich gesach den riehen 3005 

ligen sd jämmerlichen, 
dd gedäht ich miner armuot. 
Sit man dem herren sd tuot, 
nu muoz ez über al g^n, 

unser keiner mac hie besten, 3010 

wir müezen under d^erde 
alle zeinem unwerde. 
jariä der kläglichen zit, 
swer mit der werlde tftt gclit! 
also begunde ich trabten, 3015 

des menschen leben ahten, 
daz ez bärmclichen muoz zerg^ii 
unt niht lange mac gest^n. 
sä zestete trAret ich durch n6t, 
ich vorhte den jämmerlichen tdt. 3020 

Dö tröste mich ein gedanc, 
der was bces unde kranc. 

3004. im sein 3011. dir crdr 3021. ein Irovrio gedur 



> 



ich ged&hte lange ze leben ' 
unt dem Übe frende ze gebend 
unt danne über manege zit 3025 

sd mir daz alter ane lit, 
daz ich freude nifat mac gephlegen, 
sd wil ich Ift^en ander wegen 
unt ze buoze gestdn 

daz ich wider got habe getan. 3030 

291 " dd gehabte ich mich wol 

als ein tomber man tnon sol 

und frent mich als ich h tele/ 

von stete nnde ze stete 

ich fiior unt kom da ich was eriiant. 3035 

einen oiinen vriunt ich dft vant, 

der was wirt der selde. 

dd enphiengen mich sin beide, 

der het mich alles 6 gewenet 

da ich mich dicke hin n&ch gesenet, 3040 

guoter handelange. 

also lebt wir her von spränge 

mit frende ant wünneclichem spil, 

des bete wir zallen ztteh vil. 

dö wdnde ich ze allem gaote, 3045 

ich fände in in sölhem mnote 

als ich in hie bevor lie, 

dd unser schibe ensamt gie. 

schiere wart ich innen 

daz er an sinen sinnen 3050 

sich gar het verwandelöt: 

daz machte der tagemenge ndt. 

er gebftrte als ein kint 

dem alle sinne firemde sint. 

er sach mich wunderlichen an 3055 

als ein gar tobende man. 

dd frAgte ich man nnde wip, 

wan er was mir liep sd der lip, 

wie ez umbe in wsere komen, 

305i. seine 



522 DIE WARNUNG. 

daz het ich gerne vernoiueu. 3060 

d6 sprächeus alle geliche, 
er wäre der järe riebe, 
daz alter bei in überkomen 
unt het im sine sinne benouieu.. 
als eines kindes man sin phlac 3065 

swä er saz unde lac. 
debeiner vasten moht er pblegen, 
die muos er l^zen under wegen. 
291^ daz beizt ein bärmiclicb n6t, 

wan er was mit lebendem libe UH, 3070 

Sit er gote noch der werlt zam, 
daz im die friunde wären gram, 
sines t6des wünsch tens alle tage, 
des het ich trureclicbe klage 
daz ein s6 edel riter phlac 3075 

schoener tagende manegen tac 
unt von alter dar zuo gedieh 
daz man in des himelrichs verzech. 
Do diu jäv schieden hin 
daz er het löblichen sin, 3080 

dö wolde er niht büezen 
unt got mit nihte grüezen: 
in daz alter er ez schoup. 
dö sin kraft d6 verstoup 

d6 moht er niht gemiden, 3085 

durch got niht erliden. 
also wirt der liute vil verlorn 
die die werlt ze harte habent erkorn. 

do begunde ich merken die n6t 
unt des alters kläglichen tot: 3090 

ich het si b^diu ersehen 
unt swaz iä von was geschehen. 
der liep zarten frioni h&t, 
als im diu s61e Az gftt, 
ze grözem anwerde 3095 

3067. Dehain v. m. or gcphle^en 3090. not 

3092. was] vns 



DIE WAIUVUNG. äa 

gäbt er sin uii^r il'erdc. 

den daz alter »ber begrifel 

UDt im der sin eiilslilel. 

daz er iiiemcn uol orkniiien kjiii, 

swaz der sünden ie gswao, 310 

sint si Hügebiezet dar kamen, 

die blibflat danoe nabenoroen : 

der ist mit der jagest verlorn, 

swenn in der tAt bdt erlwm. 

die vreislkhcn Uge. . 310 

die merket ir fit M^-^--.'-. 
'.' die man in b6deDlhaUban-lcgAi 
die wile ir der werit pUeget. ,: 
s6 die jugent ewliebt 4er t6t, ' . 
daz ist der ersten lüge adt, 311 

daz er ungewamet stidrei, 
in den sönden verdiriwt. 
andertbalp daz aller Iit, 
daz hat verendet die rit 
daz Sünde solden sin vertriben; 311 

nn sint si nnze dar b^ben 
d& got nocb din weiü Ut ' ■ >i. 

deheiner slabte sifnas lU' 
an dem menseben iee sA verr* knml 
daz im sin leben niht enfinOHt. 312 

Als ich si beidiu ersicb, 
den tAt unt altera ungemaob, . lar 
wie nngewaerlioh ez ist 
der der werlt pUiget la^ vritt, •fr 
miner misse wende 312 

begunde iob geben ein eade, '*' 

ob ich Dueb dar inne lige 
daz ich ir damkes niht pUige; ■' 
daz selbe ich in pto ' - ' ' •'«■ 
bAdin frnö not «pftt«, ' ' 313 

daz irz nngeme tnot 

3106. ir] er 1)107. nu 3108. jr] < 



524 DIB WARNUNG. 

des iuch twinge ein boeser muot. 
ir sult ze allen ziten 
mit dem libe striten 

unz ir in der sünde eiilwent 3135 

Ak er sieb dicke nach sent. 
swer der s61e ängesüichen lebt 
unt nkch der werlde 6ren strebt 
unt ir freude für gesetzet hat 
daz er si ungeme lät, 3140 

er ist ouch lihte sb gemuot 
daz er miielichen vf^ tuot 
dem libe, als er doch sol 
der sine sünde erkennet wol : 
292^ wil der umb gotes minne 3145 

werben mit sinne, 
daz er in in sin hulde neme 
unt im ze dienest gezeme, 
dem libe sol er widersagen 
unt daz in siner gir tragen. 3150 

wie er aber gewinne den muot 
der im dar zao si guot, 
des bewise ich in wol vil, 
ob er mir volgen wil. 

er muoz mit vier Sachen 3155 

im ein helfe machen 
diu alle sünda^re nert, 
der sich der helle gerne wert, 
daz ist diu gröze riuwe: 

diu was ie diu getriuwe, 3160 

diu st^t für der helle tor 
unt behabt den menschen hie vor 
der ir phliget unz an ir t6t: 
si benimt im die ^wegen ndt. 
mit wie getanen sinnen 3165 

ir riwe muget gewinnen, 
daz wil ich iuch Itircn, 
weit ir iuch dar an k6ren. 

:U35. svoden 



DIB WASWOm. 

Suochet die tosten, stnäde, 
dd der lip des blonde 3170 

daz im diu sfinde wart kunt 
uDl diu arme s^e wunt. 
dd nemt die gwizzen in die hanl, 
diu hdt die schulde wol erkant, 
unt wart von jAre ze jAre, 3175 

sd yindet ir zewAre 
alle iwer bAsheitt 
diu gewizzen si zesamne treit. 
sehet ir den hüfon rehte an, 
der nie sorge gewan, 3180 

dem muoz dar abe eisen 
von so gitAnen fireisen. 
293 *" sd sultir gedenken sA 
bddiu wenne unde wA 

der lip solhin dinc tete 3185 

ze heileger zit und heileger stete, 
s6 man sünde miden solde, 
der got furhten wolde. 
zallen ziten ist ez niht guot, 
der deheine bAsbeii loot, 3190 

an allen steten nnbillich: 
doch ist ez harte grinlieh 
ze heileger stete nnt heileger zit. 
swer denn in deheiner snnde lit, 
daz sult ir wizzen Ane wAn, ' . ^ 3195 

daz ist sacrildgium gitAn. 
dA hoeret zwischin buoze zno, 
daz man die reiniclichen tno. 

s6 daz dan alsA ist geschehen 
daz ir die sünde habt gesehen 3200 

ieslich besnnder, 
sd nimt iuch michel wunder 
daz iuch diu erde niht verslant, 
von weihen schulden sis erwant. 
got wartet alles riuwe, 3205 

3186. 3193. vnt zo h. 3!^4. si des verwant 



526 DIB WARNUNG. 

daz sich der mensche erniuwe 
von der alten schulde 
unt werbe um sine hulde. 
nü g^t an der süuden stanc 
iint manic angestlich gedanc. l\2\0 

aller Crsle iu danne widerstdt 
swaz in nu ze Freuden g^t: 
sA dünket iuch unreine 
daz iu ^ was gemeine. 

sä zchant iu widervcrl 32 15 

daz manegen siindoere nert: 
daz ist daz strenge gerihte : 
daz kumt iu sA ze gesihte : 
d6 sehet ir die verteilten scharn, 
293^ als man si ze helle heizet varn: 3220 

gr6ziu vorhtc wähsct sä zestunt, 
da von diu guote riwe kumt. 
Nu erkennet wä ir sit gewesen 
unt wä ir her nach sit genesen : 
da k^ret iwer sorge hin: 3225 

daz wirt iu danne ein gewin. 
nu sult ir wizzen wä ir sit: 
daz ist diu gegenwürtege zit. 
wie jämmerliche diu zei^^t! 
deheinen tac ez ganz gest^t. 3230 

ze kirchen sit ir hiute komen 
unt habt die messe wol yemomcn. 
daz gotes wort geviel iu wol, 
als ez getouften liuten sol, 
iwer missetät was iu leit, 3235 

iu kom ein riwe vil bereit: 
als ir d6 von kirchen gienget, 
ein andern muot ir gevienget, 
b^diu buhurt unde tanz^ 

frowen schoene unde glänz, 3240 

singen unde seitspil, 
des vemämt ir sä zehant vii: 



DIE WARNUNG. 



V 



diu frpude iucfa tld verklärte, 
eineo andern muol si iiicli l^rtr. 
die Sünde versmähte iu nihl als t. 3248 

nu sehet wie diu wcril gest^, 
daz ist diu gegenwüricge zit 
da der lange ti^t inne lil, 
daz der mensche giiot gewinnet, 
sin berze df f^ade brinnet 32&0 

unt tobt nach ^z«n «res, 

smen ^alt wil er «Aren, l' 

afazie jir er im Af teitj 
sin wiUe iä n alter tnH: 
da gedeidLt er gotes niender zno, )';.' 3255 

waz er um sölcb trabten tuo. ' 

i' na veroemt wie ez danne ergtt. 

ein man der hiote fM sttt, ^ 

der mnoz morgen ktren tt 

von liebe lint Ten £reD, 3260 ^ 

von wonne nnt v<»i gnole 
mit Irürigem muot«. 
eiutweder in niml der t^il 

«d er gwinnt sA kamberliche n^^l ^ 

diu im iillcz daz nimt 3265 

ilaz im ze vrenden wol gezinit. " 

sA ie lieber er gewunnen hSt. ^ 

b6 ie leider ez zcrgAt. • 

verltust der man sin Are .., * 

sone wil din wertt aiht mSre > 9270 ^ 

von im deheäaen dienest mmen i 
wem lüI er denn« gezetneBT - A 

nn leget er ez her nnt hin; 
nnwerhafl ist der-gewin 

den uns der werlde firende ^ 3376' 

si liet ona M i|«r litdMtew'Mlii • 

Schade aoliande oder Ml, -'■' 
der di^ legUehes «A "' v 

hanget am ze alleo xiten an, 

*. niler 3271. von im] In 



isas DIE WARNUNG. 

wan ir niemen sich erwern kan. 3280 

daz ist diu gegenwürlege zit, 
da der jämer aller inne lit. 
von Sprunge habt ir gesehen 
des iu iwer gewizzen muoz jehen, 
vil manege boese missetAt, 3285 

dar umbe iuch got verdamnet hat. 
da muoz riwe bi wesen, 
weit ir immer genesen, 
swenn ir den hiifen an $eht, 
maneger schulde ir iu selben jehl 3290 

sol iu daz niht riwe machen, 
sone kumt si von deheinen sacheu. 
daz ist da ir gewesen sit 
mit Sünden alle iwer zit. 
294 ^ swA ir nu sit alsam, 3295 

daz merket unde sehet ez an: 
daz ist diu gagenwürtege zit 
diu uns allen trüregez ende git. 
weit ir daz allez merken wol, 
sd man frum unt schaden tuon sol, 3300 

wie muget ir danne kn vorhte sin? 
iu wirt alle tage schin, 
swaz ir habt in den henden 
daz ez zerg6t mit missewenden. 
sol iu daz niht riwe geben, 3305 

so weit ir in Steines wise leben, 
den niemen mac geweicben 
gebrüchen noch geleichen» 
s6 wesct der werll geselle 
unt vart hin ze helle. 3310 

zwäre weit ir genesen, 
daz muoz iwer soi^e wesen 
wie ez danne omb iuch gest^ 
als iu diu s^le uz gk. 

ir wizzt wol wa ir gewesen stt: 3315 

nu schowet die gagenwürtege zit 

3284. des ir iwer g. muzzet ieheo 3291. niht fehU, 

3295. W« 3308. grebrovchen 






#■ 



OIB WARNUNG, 
dft ir aliez inae lebet 
ttnt üf des lädes w%e swebet. 
diu zwei habt ir nu wol gesehen : 
nn biüezt ir der driten riwc jeiicn : 
nftrartcl in dnz drite leben : 
tf'virt iu cintwedcrz gegeben, 
der iiimcl oder diu helle, 
die enphähe swer nu well«. 
Dft sitzet ze ^sibte 
got an sime gerihle; 
dA bidemt cngel unde man : 
der nie vorlite gewan, 
der muoz da zitern als ein loup 
daz ie von grözem winde stoup. 3S3Q> 

griulichcn nimt er iwer war 
nnt ist vil zomeclich gevar. 
5* 4nc bannunge er dar kumi, 
sin giietc niemcn d4 enlhimt 
der in der werlde freude tit 
unt ir verdienet sine zit, 
der ist ze bocscr kuste 
in der Cwigcn verlasie. 
dS frumt clliu riwe niht, 
äne I6n si gcschiht: 
si soldc in disem leben weseti. 
der immer woldc genesen, 
d& mache! got ein scheiden, 
die lieben von den leiden. 
ovf!: cndclösc oAt I 
der dA k^ret in den läl, 
den besliuzt diu belle, 
daz rürJLte der nu welle. 
daK wizzp man unde wip, 
da brinnet s^le unde lip, 3350 

ala ez hie iß der erde gCt 
das sin hie üze niht bestPt. 
w3 dannc biiiomcn unde gras 
daz des menschen vreude was? 



■'4^ 



3320. ir in der 3351 /. T 
Z. F. D. A. I. 






530 DIE WARNUNG. 

da von singt ir danne nihl, 3355 

wan iu zc weinen geschiht. 
da surt der wibe minne, 
dA ist niht höfschens inne, 
swebel bech unde stanc 

daz git man in für vogelsanc. 3360 

iwer rael unt iwer win 
muoz daz heize fiur sin. 
ze allem ir s^re 
so gesehent si nimmer m^re 
weder friunt noch mftge, 3305 

si mugen dehein vrdgc 
von in niht gewinnen, 
si müezn An freude brinnen 
immer in dem eilende 

Ane tr6st unt Ane wende. 3370 

21)0*' dA siget immft zetal 
in des abgrundes val 
diu helle mit ir gesinden, 
des enmac si nibt erwinden. 
der himel allez Af gH : 3375 

swer hie unsemfte h^t 
durch die gotes £re, 
der stigct immer m^re 
ze berge in gr6zer wünne 

mit dem gotes künne. 3380 

diu helle siget allz ze Ul: 
daz ist ein (Ewiger val, 
ez wirt ein witez gevelle 
dA der himel unt diu helle 
von ein ander ziehent 3385 

unt ein ander immer fliehenC. 
daz ist ein eilende 
vil verre Ane ande. 
da enzwischen ist der boten niht, 
wan liep niht m6re liep gesiht. 3390 

daz ist ein jaemerlich scheiden : 

3379. in] vnt in 3386. vnt immer ein ander fl. 

3390. liebes geschiht 



"4.- DB WAItNUIW. aSt 

daz Solde in vastb leiden -*^ 

dise weriüiohfl fae,^ '* " 

Sit si wirt ze sölhem «Ar«. - - . 

daz urteil habt ir ers(3i|i'. '■ 3395 

unt allez das d& mao gwiehen, 

erbarmoB^ ande oAl ^ 

unt den fivigen tAt. 

von sA voriitUefaen dingen 

sol in riwe enspriogen. 3400 

daz ist diu drite saeiw 

diu in daz trftren maehe ■*' 

daz dem rinsnre ze btFXoi f^t * 

umb alle sine missetAt. 

die vierden sache svlt ir sehen, 340^ 

s6 müezt ir nenüicheo jehan '^ 

daz bie frenden iHbt ist' 
wider die obersten geniit 
da täsent jAp sint ein tae t 

langer wile dft niht werden mao 3410 

da der menscbe ainen berren stht 
von dem im solch liep gcsuhiht J'" 

daz er itiuuer m^re freude hAi 
unt diu nimmer zergät: 

der engl in sinr liesnhöude hl 3415 

unt aller liimcliscLn- list : 
dft ist manic zierflam wssen 
dft der mensohe inne sol genesen : 
da ist einer tiabte wiinne 
die nimmer mensoben kfinne 3420 

mit sinen sinnen mag betrahlen 
unt dehein'witze ahteu: ,h 
daz ist gotes ane seben. ^ 

waz hie in erde ist gescbebint 
d6 im din menseheit intifiKL ".'' <<' 3425 

daz er SI aa sieb gnaan^ 
do enknnde in niemen drinae 
mit debeiner slahle sinne 



532 DIE WARNUNG. 

also guot erkennen. 

dicke miios er sich nennen: 3430 

daz vervienc allez samt niht, 
wan swaz man uf der erde siht, 
ir ze wuocber man des gibt: 
daz ist ein jaemerlich geschihl. 
ir herz was sinne laere, 3435 

sine Westen niht der ma;re 
iint striten daz er wsere 
als ein ander siinda;re 
von einem manne her komen 
der sine muoter bete genomen. 3440 

Joseph sin valer niene was, 
diu maget sin maget wesent genas, 
ez was ein gr6ziu tougen. 
mit vieischlichcn ougcn 

möhtet ir nieman gesehen 3445 

dem man gotes namen muoz jehen : 
296^ der genäden ist uns niht gegeben, 
s6 boese ist dirre werlde leben. 

dz disen hersachen 
wil er uns anders machen. 3450 

als6 denne daz ergit 
unt der mensche uf erst^t, 
swer denne mit im blibet, 
unwilze er dem vertribet 

unt git im sinnes als6 vil, 3455 

swaz er gotes tougen wizzen wil, 
daz im daz allez offen ist 
unt aller himeliscber list, 
wie got in sincr menscheit 
alle sine kraft treit. 3460 

daz sibet er danne vil wol 
der mit im beliben sol, 
dann sulen menschen ougen sehen 
allez des man gote muoz jehen. 
daz ist diu meiste wiinne 3465 

Iii33. ir ze w. man ir des g. 3445. Möcht «r 3449. ■•• 

eben ? Ursachen ? 3463. Daz sovlen 



HB WARNIBC. 

die immer meiMriien küane' :< ' 

ii ze himele mac gesehen, 
dem ee ze liebe soL ^Bchebo«. 
daz heizet rehtiu 6re u 
unt aoders siht mftre, 
der mit ^te sol geneseu 
uDt io sinem riohe wesen. 
da sult ir alle nlch streben, 
die daz werltliche leben 
ze himelriche babeat genomen 
unt äz ir wUien aint ksMen. 
daz ist diu Tierde saehe - 
di icb iuch mite mache 
rinwic, ob ez gol wil. 
dem isl nilitcs zc vÜ 
daz wunderwerc beizen sul 
er tuot ez ringecliche unt wnl. 
wie ir enncher s!l genese», 
UDt daz gegeuwnrtege wesen, 
unt der belle grdze freise 
unt des uiLeiles eise, 
unt die himeliscben wünnc 
mit engclisubem künne 
unt swaz iu dft liebes inuc gcschphen. 
daz habt ir allez wol crseli-en. 
unser licrrc daz vil wol sihi 
daz d 

nu erbarmet ir im sire. 
dar umbe icb iuch Ure 
daz ir in alles des Haut 
swaz ir siaer güele habt erkant, 
daz er ze unwerde 
von liimele Af die erde 
durch unser aiinde ist komen. 
alle habt ir w<d vemomen 
waz er hie niden hit erlilen, 
mit maneger ncete gestriten, 

■vflil wrrc 3182. ringechlichen : ringer liehen v 

3189. naz 3103. so unvolUländig. 



534 DIE WARNUNG. 

hunger durst iinde släf 
daz dulle er allez als ein schäf: 
gröz angest er ze dem tdde h6t 3505 

da unser tröst an st^t. 
d6 si im daz herze gevie, 
bluotiger sweiz gie 
üz sinem libe sk zestete, ' 
diu sorge im vil w6 tele. 3510 

des mant in, sündsere, 
so erhoert er iuch zewaere: 
des menschen broede erkennt er s^, 
als er des sweizes denket da 
der daz bluot von dem herzen truoe 3515 

d6 in diu angest an sluoc. 
Do daz was ergangen 
daz er sluont gevangcn 
unl gebunden vor Pylätd, 

des wäm die Juden vil vr6. 3520 

an daz öre sluog in ein kneht 
an aller slahte reht, 
297*' daz er niwan zwei wort sprach: 
an im er anders nihi ensach, 
er z6ch in vräveler worle 3525 

mit valscher zungen orte. 
d6 sprach der herre guote 
mit vil semftem muote 
'ob diu gewizzen dir daz seit 
daz ich übele hän gereit, 3530 

denne gib urkünde 
s6 bis tu kne sünde 
daz du dar umbe zom hast, 
s6 du mme schulde wizzen last. 
hAn ich aber wol gesprochen, 3535 

waz hästu denne gerochen, 
daz du mich siehst ftne reht?' 
des erbalc sich der kneht. 
sd grözer diemüete 

3r»li. gedencchei H53I. soldf 



Dm WARNUNG. S85 

mit geduldiclicher güeie 3540 

mant deu schephaere, 

daz er iwer sünden iw»re 

mit anüäze geringe 

uQt iucli ze anschuidien briuge. 

eine schäm er onch leit| 3545 

als uns diu marterschrift seit: 
si endahten im den lip 
blöz sach in man unde wip, 
getruobt wart im dia menseheit 
im was der anekiie leit. 3550 

mit hadern si in bedahten^ 
so sis boBsist vinden mabten. 
daz ieit er aliez umbe das 
daz wir in minnen dester baz. 
der schäm mant den btren, "• • 3555 

da mite sult ir mftren 
sine barmunge üf iwer n6t. 
swaz er ieit uns an sinen I6t, 
daz st^ für iwer schulde 

unt gebe iu aine bulde. 3560 

298" an den t6t wart im verteilet, 
daz die lindsre heilet« 
diu ougen man im d6 verbaut: 
swenn ir den herren des ermant^ 
s6 muoz er lAzen sinen eorn, 3565 

diu rAche wirt an iu vefkom. 
Sä ze kurzen stunden 

zeiner sul wart er gibanden. 

d6 ndmen si den dorn unt den hagen, 

dA wart der herre mite geslagen 3570 

vil wunderlichen s6re. 

daz sol uns immer mAre 

hin ze dem aohephrnre wegen, 

swÄ wir Sünden riwe pblegMt 

man wir in des mit rehter bete 3575 

er erhoert uns lA sestete. 

;ij6C. wart 3567. Da 35«S. ttulr 



536 DIE WARNUNG. 

si sazten im unschöne 
ein diimin kr6ne 
Af daz houbet durch spot : 

daz verlruoc der siieze got. 3580 

d6 Stichen in die dorne 
hinden unde yome 
durch sine swarte, 
daz smarz in yU harte : 

des mant in alles ze der zit 3585 

als iu gr6z angest an lit. 
sin kriuze muos er tragen 
da er an wart geslagen : 
des ganges sul wir geniezen, 
ob uns alle sselde liezen: 3590 

mant in stn mit minneclichem muote, 
so gewert iuch der guote. 
an daz kriuze nagelten si in d6: 
des wart diu muoter unvrö 
diu den berren getruoc, 3595 

ir was ot leide genuoc. 
die nagele si dar truogen, 
mit hämeren si die slaogen 
298^ durch füeze unt durch hende: 

d6 klagt die missewende 3600 

diu maget süeze unde guot, 
vor leide ertönte ir der muot. 
zw^ne beten si gevangen, 
die wurden zuo im erbangen, 
daz wären schftchsere, 3605 

der schulde diu was swsere. 
Swie si in noßten wahren, 
mit scheltens ungebseren 
refsten si den heilant. 

si beten an im niht erkani 3610 

der götlicben krefte 
an Wunders gescheite. 
d6 kom des berren güete 

360;^. ertötet 3606. lare 



r 






<• 


DIE WARNUNG. 


537 


in scmflein gomiicie, 






gröze bannuuge si lirülite. 


3Uia 




des einen er ^edälile. 






daz er den woMe nern 






ual im den ungelouben wem. 






in slnngte der heilige geisl 






der die sÖle uerl aller meist. 


3620 



do bedäiite sich der arme mau, 

gr6ze riwe er zehant gewan, 
^y sä bekandc er die gotlieit, 
^< im wart sin missetät leit, 
> ■ iim scbephiKre hCrcn 3625 

mant er siner ^reii, 
^ als er kGeni in sin rirhe, 

daz er sin geii<ediclicbc 

denne da gedachte 

unt iu dar in braibte. StiSO 

daz lobte im der guote, /■ 

im was sin wol zc muote. ^ 

dA genas der arm man, 

wan er grfize riwe gewan 

daz selbe maTe 3633 

I4rcl die sünduTC 

3t>3ä. Grt^ff lHat. 3,403 gibt 3932 «'ff «h. uitSt irc dh iohl 
nach itea niil*n bertchnBte Huri übtrtaA dufi bei der pngim'erung der 
ht. vifr ioilen überiprungta verdrn tinil 



j» 



#. 



538 



C A T O. 

Oi. 1 sp." Dw sali di nicht mit quader vmato 
Up dinc grote slerke vorlaleii. 
Nu höre kint wot spricht david : 
Eyn konyug, syn rike dat is wit, 
It ne wert nicht beholde bi siner macht, 5 

Heft he sik kegc gode vorvracht. 
Aliena noli concitpiscere. 
Du salt di nicht vremede dinge begeren, 
Unrechtes g5des saltu di werö: 
Weute girecheyt en worlele is 10 

Vil mcger sunde, dat is wys. 
Scncca secht in gudc dingen 
Salomö spricht de lüde er leue to bringe. 
Pauca in convivio loquerc. 

Wo du bist to gaste beden, 15 

Sone dar saltu Inttich reden. 
Augustinus spricht also: 
Wan de buk van spise is vro, 
So sal he sine tunge thome 

Vil sik neyncs dinges vorrome. 20 

Biddet di to etende eyn arm man, 
So swich vfi nym dat hi di gan. 
Vp der tafelen wol gc i»n dan, 
Dar de valschcyt richtet vorc, 
Vil di schale wachten de dore. 25 

Beneßcii accepti mcmor esto, 
Vn mit deme nappe wedder schenke 
Dar di mede geschenket is. 
Dust du dat, so bistu wis. 

Neminem iudica, 30 

Dv sah oc nemes richler weseu, 
Wultu an der sele genesen. 

J3. uugeHseheinlich verdorben. vor 23 /chit ein rcrji ; vben :so 
vor V. 



G^t JulxlM^richti TU ruhtet nicht, ' 

Hyi^lijiicbt flnwi3rd£ gerichtet. 

'Ät «Ai'reoht 19 dat saltu don, 3S 

Vultn van gode hebbe Un^ 

Do ok nicht boDfi male recht. 

Na höre wot gregorius secht. 

Si dem est aitimus, ut nobis oarmima dtemä. 

Hie tibi praecipue silpura mente coiauba. 5 

(s got en got also vnse mät 

Vn uns de sdirifl wittic dut, 

Dat üe schapca lieft alle tling 

Vn besloten in der wcrlde ryng 

Vh oc inede de hemels tronc, 10 

Dat he viis bewisct vi! schone: 

Dir vnie saltu got dinea hcren 

Mit lüttere berten to de erste ereu. 

Kos tiigila semp»r ne sompito dcditut esUi .■ 

Nam ditttuma gtiies uiciis alimenla ministral. 15 ^ 

Lullii'b slapc, vele waken ^ 

S'iltii kint dor dcssc sake, 

Weilte de da{(clike8 rowe 

Is des iastcrs en snode vrowe. 

Dit saltu sone also vorslan : 20 

Du sali nicht ledich gan 

Mit de liuc aritcyde sere 

irie mit de li'ten contemplcre, 

Dat di de duucl nicht ledich vindc. 

He vn al sin gesinne. 25 

De gude sunte leronimus 

In sine büke sprecht aldus : 

Wnr de vyent cn dol h'te vint 

Van godr ledich, dat makct lic bliiil 

Vil benynipl em sine sin 30 

Vii düt dar quade ding yn. 

Virtutem primam puto asc com/ir^wi^iv lingtinm . 

Pro.rimiiit ille deo Qui seil ralione tacerfi. 

Ilorc »al is de erste doget r 

Vultn don dat dy voget, 35 

Dwinge dine lunge vn dine munt 



540 CATO. 

So blift din lif vn diu sele sunl. 

Godc is neger en icwclic man 

De mit reden to tiden spreke kan 

Vfi sine langen kan wol holden : 5 

De kan sines sinncs wolden. 

De wise körtet sine mere: 

De dore vorlenget sine lere. 

Salomö spricht: we sine mät 

Bewaret, he behut der sele grünt. 10 

Sperrte repugnando tibi tu contrarius esto ; 

Conveniet nulli qui secum discedet ipse, 

Kint noch mer wil ic di vorlese: 

Du Salt di nicht sulve tege wese : 

Wente we yege sik salve dfit, 15 

De is eyne andere seiden gut. 

Si uitam inspicias^ hominum si denique moros : 

Cum culpas alias, nemo sine crimine uiuit. 

We du schowesi der werlde leue, 

We du de lüde schalt wult geue, 20 

So denke sone tovore in dy sy, 

Dat ne mä sunder süde mach . . . 

Got spricht mit sines solues 

De ny vnrecht spreke künde: 

y 
De ane sunde hebbe en lef 25 

De werpe erste de steyn up dit wif. 

Dauid spricht: mische dar denke, 

My moder my i sundc vntfenk. 

Isidorus dar af ok secht, 

De quat: duel vfi leret dat recht. 30 

He dodet sie mit eync swerde : 

we, dat hc ny bukstaue lerde! 

Quae nocilura te?ics quamvis sint cara relinque : 

Utilitas opibus praeponi tempore debet. 

Kint hefstu icht dat dy schade, 35 

1 '' AI hefst du it lef, vorlat it drade : 

Wente mc scal neme vnder tyden 

11. esse 12. dissidot 21. \n dinc ^in 22. mach md 
23. .Hulues munde 



GATO. Mi 

Dult vn qiiade vnrede miden. 

Höre wo ic dat bedude mede: 

Ic mevne mer de mut der sele 5 

We des liues, dat sege ic dy, 

Des machtu lone my. 

Salomö vn Dauid 

Segen dal bi erer tyd, 

Dat in rechticheyt is beter cn brot tO 

Wan mit vnrecbte al rot golt. 

Constans et lenis, dum tenqms postulat ac res, 

Temporibus mores sapiens stue crimine tnttit. 

Sone wes stede an ding m&de, 

Dar to sacbtmodich also en rode 15 

De vor winde bucbt: 

Dat is din ere vn din tucbL 

Stedege dat recht vn holde dar by 

Vn wes sachtmodich dar by 

De iegen de dar sint vorlogen 20 

Vn de nymande hebbe de ze vorhege. 

Salomö het in sine sale 

Eyne lowe vn eiie osse male: 

De lowe bedudel^de grymieheyt, 

Vn de osse de sacbtmodicbeyt. 25 

Nil temere uxori de sertds erede guerenti: 

Sepe etenim muiier quem coniunx däigit odit, 

Kint nu bore wot my behaget: 

Wan din wif mit haste claget 

Ouer din yugesinde mit böser tucht, 30 

Dar vmme loue ere werde nicht: 

Went se dicke mit bäte menet 

De de mäne mit truwe denet. 

Cumque mones aliquem, nee se uelii ipse menere^ 

Si tibi sit carus, noli desistere ceptis. 35 

Vortiii manesta eynen man 

De du wot heft Ieg$ ofte dan» 

Vn he des gerne hedde vordrach 

11. goItr6t? \%und 13 tauten sonst Constans el lenis, ot reu 
t>xpostulal, estn : Temporibus mores snpiens stae crimine mulal. 
20. den grnen ? 



«> « 



54^ GATO. 

Dal du hefst da dor gut bejach, 
Is he diu vrüt van hHen gut, 5 

Lat nicht af dine müt. 
Isidorus sprecht i sine dichten: 
De me mit werde nicht kä berichte, 
Deme scal me harder wesen 

Vn mit siege dal beste vorelesen. 10 

Salomö spricht, de wise man: 
Ic wolde leuer siege vntphan 
Van myne truwe vrunde, 
Wan eyn küssen van des müde 
De valsch spreke vn sule wort spreke 15 

Vn der achler rüge vorsake. 
Contra verbosos noli contendere verbis: 
Semio cujictis datur, antMi sapientia paucis. 
Du sali nicht kiue, lere ic vort, 
Tcgcn de klepesschen dine wort: 20 

Meugem is geue de rede 
Dar luttich wisheit volget mede: 
De sine reden nicht kan sturen 
De is en horch sunder muren. 
Arisloliles spricht, der si wys, 25 

V^or de man vnstedich is, 
Als is gerne sine rede vn sin lene? 
Vn sin ende wert em also geue. 
Wultu dine wort bewenden. 
So lal de dore mit sine torn vulenden 30 

Sine rede de he hefl begänt. 
Wen sik dene sachtet sin hose grünt, 
So sprck denne du vü ga vä eme, 
Dal he denne sine dorheyl bekene. 
Diligo sie aliosy ut sis tibi carus amicus : 35 

2 ^ Sic bonus esto bonis, ne te mala dat/tpna «/?- 
Heftu my lef vfi vtvorkore 
Hebbe di sulue io lef to voren: 
Oc du also deme guden gut 
Dal di nichl na volge schade grol. 5 

18. sonst Sermo dator canctis. 35. dilifcr 
2^' l abgeschnitten, sequaotur. 



CATO. * As 

Sacrates secht: da iiy werf 
Also dat din vorderf 
Nicht en si, dat is my rat, 
So beholdesta dine stat. 

Geue ic van mines gndes dele 10 

Eyne andere also vele 
Dat du snluö biddest brot, 
Wi scolde clag6 dine not. 
Ritmores ßigCy ne ineipieis notms aUttr kaberi: 
Nam nullt tacuisse noeety nocet esse locu- 15 

Nye mere saltn tleen 
Vn uele sprekens dy vnteen: 
Betide swege dat is grote ere, 
Vn vele to sprekene scadet sere. 
Also de rose bewiset ere krfit, 20 

Se also meldet dö soallio sin lut. 
Oc sone desse lere vorsta: 
Aldus spreckt Seneca: 
Du syst na edder veme, 

Der oren gebrnket gerne 25 

Vä WCS van der tnngS wys, 
So gift di de werMo den prlc 
Rem tibi promüsam eertam pNim ittere noU: ' 
Rarafides ideo qma nmlti multa loftAmtur, 
Dat di louet is mit vare 30 

Loue nicht eyne andere vorware, 
Wentc vele lade vele sprekC, 
Des mute ze dicke de truwe breke. 
De gude sunte lacobus 

An siner epistelS sprecht aldns: 85 

2'' De worde vn de werke grot 
De sint sunder truwe dot. 
Cum te aliquis laudaty iudeof km$ esse memento : 
Plus aliis de te quam tu Hbieredere imA*. ' 
Sone wan dn kanst prove 5 

Dat dy en lonet vft wol genoget, 
So se sula6 in dine samwytticheyt 

15. abgeschniUeny locutum. 23. oder sprecht 25. gebrdke 



.> •• 



544 » CATO. 

Vn richte di na der recbticheyt. 
Loue eyne andere nicht bet van dy, 
tht sal di io mitte sy. 10 

Des berichtet vns aldas 
De gode meyster Isidorns : 
Men loaet de andere huden, 
Mochte he morge mank de lüde 
Neme yn setten np der scande ricke 15 

Dal 4ede he gerne, also me vinjl iicke. 
Officium aUerius multü narrare mißmenta^. ^ 
Atque aliis cum tu benefecerü yu^psileio. 
Hefstu eyne andere gut gedan, 
Sone dat lat an di bestan. 20 

God leret salue: swich al stille, 
Gift da gud dorch minen willen: 
Wente wat dar gift din vorde* h9^4»;^ 
Dat se diner luchtere vmbekant, .. .: 

En meyster gut de het Isidorus . j- 25 

Spreket vn leret alsas: ..,j^- 

Sestu de gude vnder de hosen, , ,- 

So salin TU en and^e losen , 
Vn gete harde wide vntwey, . *,,v 

Dat me de bosea vorbetcret se: 30 

Men s#ige diner enge swich, 
So geystn de eren stich. 
MuUorum cum /acta senex et dicta recenses, 
Fac tibi succurrant iuuenis qttae feceris ipse. 
Kint wan du bist en older man, 35 

2* Vä dy nemät sturen kan 

Du vult de iunge lüde straffen 

Vii mit dine worde beclaffen, 

So denke wot du heft bedreue, 

Do di de ioget gaf dat leue. 5 

Hir vme sone al sunder nyden 

Ghüme de junge er spei to tiden. 

Ne eures, siquis tacito sermone loquatur: 

Conscius ipse sibi de seputat omniadicin 

9. wan 



GATO. i 545 



z ama f 



Sprecht ymet stille rede, 10 

Dar beware di nicht mede: 

Wente de sik sculdich weyt» 

Säet he mne, dat is em leyti 

Wente he wenet alleyne 

Dat me ene mit quade meyne. 15 

Cum fueris JbliXf quae sunt aduersa caueto: 

Non eodem statu respondent ultima primis, 

We di komet rikedage vn lacke 

Vn gif di gudes menich Stacke» 

So denke wo it dy na kome» 20 

Oft di dat lacke vnthoget 

De leste vn de ersten ding 

Hebbe dicke eyne scheue ring. 

Na boret wo spricht Ouidias 

An sine büke vn leret alsas! 25 

Bista lackich vn rike, 

Dat ap erden din gelike 

Als di danket dat nvniat en sy« 

Vn bist van h'ten vry: 

So machta vele vrande telen 30 

Vi Oft iewelic wil sie to dy seDon. 

Sfen vntgeyt di wedder da^lppke^ 

Alle dine vrende ten to nigge. 

Cum dubia et Jragilis est nobis uUa tributa. 

In mortem alterius spem tu tibi pomere noli. 85 

Zwei pergamentblätter aus Hildesheim, die handschri/t 
gehört dem vierzehnten Jahrhundert an; doch steht si^ dem 
dreizehnten näher als dem fia\fsehnten. die abkiirzungen 
in den lateinischen Worten sind aiffgelöst. 

GÖTTINGEN. WILHELM MÜLLER. 



Z. F. D. A. I. 35 



546 

OSTERLIED. 

Conletatur omnis creatura 
paschale festam celebratura. 

Nu wil we keren al usen vlit 

an de YÜ wunnichliken tyt, 

de dar pasche is ghenant, 

aller tyde en gülden bant. 

Jungh ufi olt de vrowen sik, 5 

WC sin der vroude worden rik. 

Wc nu hcdde duscnt tuugbcn, 

de alle engheischen sangh sunghcn, 

de mochten Dicht io vuUen loven 

dat use leve here in desser werdighen nacht 

hefl ghedan 10 

Qü noch alle iarlikes begheyt 
to desser eddelcn hochtyt werdioheyt. 
We set nu in allen Creatoren 
dat se van art ufi ok van nataren 
lovet got unsen heren 15 

uü sin lof venneren. 
de vögele singhet, 
vische springhet, 
de koye mughet, 

loawen rughet, 20 

hanen kreyet, 
de lüde seyet, 
de sundere sonet, 
bome gronet, 

un alle k^ret sc eren vlit 25 

in desse leven tyt. 
De hevcn dar bewiset sik so wunnichlik to 

dessen stolten daghen. 
Arm un rik vrowct sik nu, 
wente se vergheten aller smerte, 
de se dar liden 30 

an winter tyden. 
De sunne keret dar an al eren vlit 



OSTERLIED. Mt 

wo se speie an desser soten tyl: 

se is der paschen spelman 

de US vrowet alle ensan. 35 

De erde wert so rechte mejt 

dat se an tat en nje grone cleyt 

un up cre hovet set enen nyen krans, 

de is van mannigherleye blomen ghanst 

also kumpt se to x' hove 40 

un to sine paschelke love. 

Dat grone lof cyret den wall, 

dar singhet de vogheie manichralt^ 

erer en iewelik na siner wis, 

de nachtegale nimpt dar den pris >tÖ 

dat se singhe boven alle. 

Aldos beghinnet se to lovende äsen heren de 

erer aller schipper is: 

se sprikt de vogheie an 

dat se wol to köre ghan, 

up dat se vullen bringhen x' lof 50 

wente an den hemelschen hof. 

Salve pasche iocunditas : 

per te fit immortalitas, 

tu cunctis das honorem. 

Cunctornm es leticia, 55 

Celestes et terrestres 

te celebrant in amore« 
Dieses gedickt findet sich in einer prächtig geschrie- 
benen pergamenthandschrift in Hildesheim vom jähre 1478. 
sie enthält mehrere meditationen gebete und gedichte auf 
ostem, meist lateinisch, hier und da niederdeutsch, ofi bei- 
des durch einander gemischt, anfder letzten seile steht Ex- 
pliciunt orationes festivae, nee non gloriosae et divinae, de 
quibus gratiarum fluunt venae, omnium deliciarom habundan- 
tils plenac. Iste liber habet formam mensae omnibns deliffls 
refertae, in qua tot fercula aponsae x^ proponantur, quot dul- 
ces meditationes vel orationes in eo scriptae inveniuntur etc. 
das mitgetheilte gedieht ist das längste und beste, die versen^ 
den sind in der handschrijl meist durch puncte angedeutet. 
GÖTTINGEN. WILHELM MÜLLER. 

35* 



LANGOB.UIDISCHES WORTEKBUCH. 



I 



I 



Das nacl\folgeaäe Wörterbuch ist dem Imigobardischett 
gfsetse in zweien handschri/leti desselben, su Rom und La 
Cava bei Neapel, beigefügt. 

Jeiie handschriß ist Cod. Valkan. n" 5001 membr. 4. 
(bl. 139* — ^140''), diese (su La Cava) der bckanntr schöne 
Codex legis Languburduiiim '. die römische hand^chrt/t wie- 
derholt sich in späterer abschrijl in Cod. Vaticaa. n" 5000 
(W. 147" W.Ä.W.). das römische rerseicluiis theMlr Grqff" 
{in der Diatiska 2, 357) mit und dr Häjler {die deutschen 
päbste \SS9), dach feklerkajl^. besprochen sind beide hand- 
schri/ien von Perts (tm archi» 5, 131 ,/".). das kürzere 
vatikanische wörterverscichnis hält seine alphabetische folge 
ein; das erweiterte von La Cava nicht: dieses wiederholt 
oderßlgt ein, wo räum war. so folgen A (18—25) nach 
B 17 und nach C 33; ebenso C (37) nach D 36; F (66) 
nach G 65; G (73. 74) nach /72; I (81. 82) nach L 80 und 
jtf 89 ; L (93) HocA 92 i M (IM — 113) aacA S 110; R 
(120.121) nach 7'119, und iiach Z erneut eine gen se reihe 
B«* \ (128) 0(129) P (130—134) R (135— 137) S 
(138) JW (139. 140) C (141) ^ (142. 143) S (144— 152) 
/ (153) T (154. 155) U (156. 157) X (158) R (159) Z 
(160) C(161) S(162. 163) A {\U) fl(165) /(166). 

Das Verzeichnis mischt natürlich lateinische und deut- 
sche Wörter, letztere haben wir durch cursive scbriß hervor- 
gehoben, die am schlufs aus beiden handschrißen milgetheil- 
teu genealogien von jtrmen (Ernienius), Ingo (TJngus) und 
Escio (bOstius) haben in Grimms mylhologie ihre Würdi- 
gung gefunden. 

1. i'trgl. auch Carin Troyn in M Praprcgsn Delle Scienie, ildle ! 



1832. 8. *. lOi— HS. 



I, Napoli Dnlla Tipu^alla di Por 



3. nSeht minder in Hugo Grvtiut Jlfstona tiotthonun V(nilaUi« 
et LugobardorDm {.4mifr^m 1B5S. 8} i. 574—381. 



LAN60BARDISGHBS WÖRTERBIJCH. IM" 

Die spraekträmmer werden wäikommen sem: sie. zeigen 
eigenthümlichkeiten welche mit bmgobardischen namen und 
andern Wörtern zusammengestellt zu werden verdienen. Leo 
hat in seiner geschickte Italiens (1, \2%ff.) einen versuch 
gemacht die uns in gesetzen und geschickten überkommenen 
wurzeln und wortformen, laute und biegungen Umgobardi- 
scher mundart zu ordnen, vieles bleibt hier noch sckärfer 
zu sichten und überhaupt erst zu reinigen, manches wort 
hat in den rechtsaltertkämern und der grammatik smtdem 
glücklicke deutung gejunden. langobardiscke namen müsten 
dazu genommen werden ^, ebenso die bei Paulus Diaconus 
u^SmW. zerstreuten Wörter^. 



Müncken, 27 april 1841. 



H. F. MASSMANN. 



Codex Vaticaniis. Codex La Cava. 

1. ^5fafi>i . deceptio . fraus. 1. Astaljn. Id deceptjo. aut 

fraus. 

2. Asto. aolunt^irie. [13. 141.] 

3. Anagrip. faidam. uP nia- 2. Anagrjp. Id faida. aut 
nü aliquid apphendere. Inimicicja. {vgl. 142.) 

4. Aldia. de matre^ lib*a 3. Aldia. Id de matre Ijbe- 
iiata.^ ranata^. 

5. Aamund. ose extra- 4. Aamund. Id . a se ex- 
neü. ^ {vgl. 64. 89.) traneum^, 

1. Peru Monum. bist. germ. 3, 282. (rr^ DiutUka 9, 366. 

2. *. b. fttrator qoi Ungut proprit mtrphtis (intrpthis) dicitur 
(6, 6), ehmi $o reotor loci ilUas, quem sclialdhtis lingut proprit dicunt 
{er hieß Argaidei, dat von trga (ioers, ioutilis) abgeleitet wird), vgl, 
dazu 1, 9 (Uog-bart), 1, 15 (iama), 1, 20 (feld), 1, 21 (adtlingi), 2, 9 
(fara). — ähnlich Gregor von Tour* für fränkische mundart, morgt- 
negiba (malutino dooo 9, 20), scramtsazos (cultros vtUdos 4, 52), bac- 
cbioon (pateras ligoeas 9, 28). vergi. Grimwa grammai. !, 16, neue 
at{flage, 

3. matre] Hofier falfch mtau. 

4. vergl. Grimm rechtsalterikUmst $. 309. 

5. Grimm rechtsalierik. e, 331 '(l*iawid). Hqficr faheh extra 
poteaUiea. 



550 



LANGOBARDISCHES WÖRTERBUCH. 



Codex Vaticanus. 
(5. ActogUt. q^ iiq'' " que- 



nt. 



7. Arimann?, qseqt*sculü 



dfiicü. 



8. Arhchil, adunacio. 



*J. yindccauirl, lex lango- 
b'dor, 



Vvgl^ 2.J 



10. Bart)an*. patnius. 

11. Bandü. ucxillü.^ 



Codex La Cava. 

5. Astogjld. Id est qd Ini- 
quo ^ animo querjt. (vgL 
71. 143.) 

6. Arimannus, Id est q scn- 
tu' do'micu' sequitur. 
{vgL 22.) 

7. Arischild id est adnna- 
tio. (vgl. 127. 160.) 

8. Aritraibus. Id est . soli- 
dos nungentos. 

9. Aistan. Id Irato animo. ^ 

10. Amissiuus. Id est nata- 
ralis. 

1 1 . At/doncs, Id sacramtales 
legi Ij mos.* 

12. Andegauerc et ari- 
gauerc. Id cui donauit. 
\A aljqd stabile dedit 
secdih lege' langobardo* 
rum. 

13. Annentarius. Id.ysap' 
grex bou'. ut eqaoram. 
{vgl. 21). 

14. Asto, Id est. uolantarie. 
{vgl. Vatic. 2.) 

15. A. mittat. Idpdat. 

16. barbanns. Id patms. 

17. handu^. Id ucxillu'. 

18. Amenicula. Id ubi übe 
pcndunt. 



1. liÖßcr falsch in quu. 

2. vcrgL Grimm rechttalterth, t. 292. 

3. Grimm rechttalterth. *. 4. 

4. also von Ailh, eit. 

5. daraus dürfte hervorgehen daft vielleicht 18. 19. 20. 21 «.*.». 
vor 13 einst standen, 

0. Cod. rat. liiftt hiernach drei seilen (B. B. B.) offen für ««cä- 

tra'ßcc. 



A- * 









Codex VtticaMS. ^ Codex L« CaVMf 

19. Ambulatorja. Id est. pa- 
stora cabaiy. 

20. Aborsum. Id . n sa fra- 
l' grauerjt. {vgl. 62.) 

21. Armenta. Id greges bou*. 
■ ul equoruBU {vgl. 13.) 

22. 'Arimtumo. Id homo mun- 

dus Ijber. 

23. Arjolos ■t*«jol«s. Id 
Ifl«WDL^tor«S. i5 ■ ' '^ 

24. AM^es. H«iffq[Bda- ^"^g 
T»* aspicimt. *■ 

25. Anetanes. IdThie. ^ 

26. Cespiljbia.i Id Icitjg. 
(vgl. 3».) 'v ^■''" . 

12. Camfi». pMgm se" par 27. Cmi^kto. U. pngn. «eu "* ' 
gnato'' pugnator. ■ ' 

13. Camfitu. pugiulor. . 

14. Cafan. hcres. (46.) W^^ 4*** • 

15. Cassia. casile ml' palia- \t^fjl. .37.] • " , 

16. Caroi0t. -28. t'arolas. Iit Kdoiiiari-. ^ 

lilitrarc, seu licfnnderp. 



17. Crapurcigaarß. sepul- 
tura. 



ullirniarc. O-jg-/. 38.) 



29. Coadonaa. Id Curte ubi 
seMiJbabilant. 

30. Cflspjtibu. Id ierrjs. ^ 

('■«■/. 26.) 
I :tl. Cir.itTJx. Id est sigDum 

uiilnerjs. 
[^;i.| S2. CmindioM.' ragis,' Id. i{ 

palacjo iTgis vustodiunt. 
O^gl. 59.) 



urtpi-üiiglich« 



. * ^ iatatij 



552 LAHGOBARDISCBBS WÖKXÜBUCB. 

Code;i Vaticanus. Codex La Cava. 

83. Casa mancipiata. Id or* 
dinata. 

34. Ancilla gentjle. M pa* 

gana. 

35. Caacio* 19 scripta^ obli- 
g9^}attis. 

36. Defifidlii. Id.dona.qae 

ej In die uotom' aliqd 
^..i accepit. 

[vgl. 15.] 37. Cassinam. Id c*seUa. 

18. BdiMiare. firmare uP 38. Edoniare. Id•Inbera^e^ 

absoluera^se a culpa. (vgl. 28.) 

19« Exigias. ptica trausa. 
20. Erino. subtas cubitü. 

. (ay/. 65. 98.)» 

2t. J^atdaAmaddcidi. (vgl. 39, W^aJda. Id Inimicicja. 



52.) 
22* Ferqdum. simile. 
23. Fuluor. fill' legitim^. 



(vgl. 51.) 

40. Fergdu^. Id est. similem. 

41. Fulfor. Id filjas legiti- 
mus. 

24. Fara. genealogia. gno. ' 42. Fara. Id parentela. 
2^-Fardeßo. quod ad ux* 43. Faderßdo. Uest. qdad- 



4' parcn. (vgl. 28.)* 



dux daparentjbus. 



26. Fu{/realt. p qua^tä man 44. Fuffreald. Id qui per sa- 
datä. ^ cerdotes circa altare li- 

bcrj sunt. ^ 

27. Figongit. (n^ify. 31.) 46. Figantj. Id est . ut se^ 

habeat sibi. 

28. Fereua. esculü. (vgl. 45. Ferea. Id.esclum. 
32.) 

äS^. Fomacchar*9irmis.(ZZ.) 47. Fumachar. Id est aruo 

ca^po stuppla. 
l.-jU i. lilm*are. 

2. Cod, FaUc. Hifst hiertuuih % zeiien leer (E. E.)* 

3. PauL JDzac. 2, 9 Langobardorum faras i. e. generationes vel 
lineas. 

A, et. i. also Fatarviho (Fadrafaiha), ags. Faderingfech. 
5. Grimm, rechtsalterth, *. 4^9. eben $0 diu vorang^ktmie fal- 
JV (Cal-bora; vergL Vidrebora) gebildet. 



4- 



JkVl^-'^-V* Ä^ 



LANGOBARDISCHES WÖRTERBUCH. 353 

Codex Vaticanus. Codex La Cava. 

30. Figangi. culpa, (a. tfT 

3*-) A ' $ -- 

31. i%iw^iiMent» T fiirto. ,-\- 
('■ 27.) ,,•*, 4- .-:/: " ' 

32. /V^ea. (vgl, t&mdfn [ötfif. 

La Cava.) -:'^;(^- a-. '.!:'*'' 

33. Fttmacar. ef|f'~nö clu- 
sos. (29.) 

34. Pigangus. (30.27.) *^ 

48. FideJussor. Id. Media- **•■ 

lor. ^ 

49. Fraidan. Id. Hcfu^uai. j^ 
(69.) ^ 

50. Bxigatur. Id est Inqui- ' 
ratnr. •* 

51. Faida. Id est Inimicicja. * ' 
(39.) 

52. Fragauerit. Id est lese- .» 
ril. (20.) , 

53. Facuodia. Id est. elo- 
jj, (juEDcja. 

34. Filjas Id capJUo. Id est. 
.^■i abaq; uirj, • 

35. Ciuadribora. 'y q*dru- 55. Guidrjbora. Id est quat- * 
biü. :,,luoruias. {vgl. 1*^4, 

36. Gargathunchin. ^iiali- 56. Gory^Aunj^)!, Id. stcftn « 
Utep*. (i>ff/.51.) !tPW»e' psone. (fcy/. * 

37. Gastaldus. ' ^ .^ 

38. CwccwWoB.orbitaria.iiui [73.] ^ % ' <^ f, ^ 
mulieri uiante sluleiil. 

(vgl. 106.) 

39. Gairethix. obligattu. 57. Gairftlu'jc. Id. «i rccipil • 

doDum. ■* 

ö8- Gixilgjgelj. Id Ijberj bo- 

mines. ,• ,, '. ^ 



554 



LANGOBARplSCHBS WÖRTERBUCH. 

Codex La Cava. 



Codex Vaticanuf. 

40. GuidrigUt. cl. ' soIi'. [65.] 

41. Gigilt, qni donum reci- 
pit. 

42. Gaida. z giseleum fer- 59. Gaida. Id. Casmdios. 
rum z ajstula sagipte. 

43. Gaida. cartula. 

44. Gasindeus, 
[46.] 



[vgl. 154.] 

[«. 59 Casindios. vgl. 32.] 

60. Gaijar. Id. coheredes 
parentes pximi (67.) 

61. GaJo. Idest. Siluaregjs. 



45. Galo. Gualdo. 

46. Gafant. parens. coherc- [67.] 
des proximos (14 und 

60. 67 La Cava,) 
[49.] 62* Guaregang. Id est q de 

exlera fiaes ueait. 

47. Gamalos, cöfabalalores. 63. Gahamalos. ^ Id. confa- 



[40.] 
[32.] 

[46.] 
k. 
h. 



bulatos. 



48. Gal. (s. 45.) 

49. Guareganc. fpMbtixtt- [62.] 
TIS flniJ>5 aenit. 

[101.] 



64. Gualapau^. Id % se fur- 
tiuu^ uestjfflta' aljenu' 
InduerjU aat capite id fa- 
cie se Irans figuraaerii 
latrocinaodo animo. 

65. Guidfjgjld. Id est. cl. 
lolidos. {vgl. Vatic. 40.) 

66. Prea. Id. puella % In al- 
lerjus niundiu^ est. 

67. Gafandus. Id faeredes 
^pximj parentes. 



50. Mnpans. qui i volü regis 
dimittitur. 



68. Inpans. Id % In uolu^ re- 
gjs dimittjtur. 



1. Uoßer falsch el. 

2. d, r. Gamthtids. 



LAÜfGOBAHDBCHBS WÖRT^jpnni. 

Codex Vatieanss. CS^dex Lli Cava. 

51. IngargatkugustcimBsy [88.] 
bitriü regis sie appcia- 

ius fiiit iuxta qtialitate 
p*. (vgl. 36.) 

52. In/ratda. refugiü apcT 69. Infaida. Id. KfvA aije- 
aliü. nu' refugiam. (49.) 

53. Inderson, sepis aliena. 70. Iderzon, Id. sepia aliena. 

54. Instricatu. iraiatum. 71. laslrjgatu'. Id est oaa- 

fragatam. 
72. Inactjgjld. Id ealBoaum. 
[106.] 73. Gmechorfn, Id qmi for- 

tja adulterauerit femina 
libera. (123.) 
[105.] -^ 74. Guerstdff. ^ li eat. Con- 

sue^ivbrinitiqua. (124.) 
K. 
K. 
54. Mjindhüaib. qd' i die 75. LtdinlaH^4A est. In die 

obitus siue reliquid. obitus sai. 

56- LaunegilL 76. LaunegiUL^ Id est. do-^* 

nu^ qI merjtam. 

57. Liberia, que libera di- 77. Liberia. Id. qui Ijbera 
missa e. dimissa est. 

58. Lagt, aap icn«cul(L 78. Lagj. Id est. Sup genu- 

culum. 

59. Lange. longQ. uari bar- 79. Lang* Id est. Longa' 
bä. ide longam barbä. uard. 

57. Lithingi. quedam nobi- 80. Lühingf. Id est. quida' 
lis prosapia. nobi^js. ' 

81. Inpensile'. Id est. In 
sua ^pprjetate. 

82. IntereUus. Id est. occi- 
sns. 

1. d. L Gatrfidt (1!M). 

2. vergL auch Codice diplomatico loscaoo 1, 616 d. 76, 29 und 
Marini Papiri diplom. 74. 90. 143. 169. 

3. das etwa hierher gehörige Lex iteht nach Obfiiscelur. 
)» - 



556 LANGOBARDISGHES WÖRTERBUCH. 

Codex Vaticanus. Codex La Cava. 

61. jnLarpahis. stralor. ^ 83. Marphais* Id est. sla- 

tutor. 

62. Morgincap, qua'ta pars. 84. Morgjncaph. Id esl. 

quarta' partem. 

63. Maruuorf. (vgl, 72.) 

64. JMundtü. dominä. (vgl. [113.] 

89. 5.) 

65. Marioth. brachiü sup [88.] 
cubitum. (vgl. 20. 73. 

98.) 

66. Meta ^pmissio V 9posi- 85. Meta. Id. ^pmissio qd 
cio. marjto fac uxorj aolequa' 

toUat. 

67. Matrinia. nouerca. 86. Matrinia. Id est. naner- 

cam. (128.) 

68. Metßo. arra. (vgl. 2h,) 

69. Messari». [vgl. 148.] 

70. Modul«, qaercü. 87. Modola. Id est qaeremi. 
[65.] 88. Mofjoth. Id est Sup cu- 

bitam. 

89. Maragohrs. marchU' 
guorßin. Id. qiialjbet mi- 
nore^ causa^. 

90. Jugera terre. Id. qoaii- 

tu^ arare possunt ca' xl 
parja kou'. 

71. Mort. homicidiü. [139.] 

72. Murunuf. (vgl. 63.) 

73. Mario, sup cubitü. (65.) 

74. nTasca. slriga. 

— n. 

— n. 

— n. 

[76.] 91. Oberus. Id. ciiriit fa- 

ptura. 

1. Paul. Diae. 6,6. 



LANGOBARMSCBBS Wf^TEMUH»; MT 

Codex Vaücanus. Codex La Cava. 

75. Odan. qae ajiecta li- 92. Odan. Id. qae^ adjecta 
cta godan dixerüt. ipe Ijttera godan dixerunt. 
e quiapadromaiios mer- ipse est q apod romanos 
curi^ dr. mercarius dicitur. 

93. Lex dicitur. ad Ijganda^. 
Id. q aljgat prauos hoini- 

nes lex eni^ dr eo qd 
ajöios nros Ijget. ' 

76. Oberus. mctura curtis. [91.] 

94. Obfuscetur. Id. obscu« 
ret*. 

— 0. 

77. JProlaub. spolia de 95. Ploderaub. id. spoija de- 
mortuo. mortuorum. 

78. Proditor. indicator. 96. Pdilor. id Indicator. 

c 

79. Plobü. cogü. [134.] 

80. Pleunuu 97. Pleuma, id» pala delugo. 

— P. 98. Pulsaib, a. ^tere. [vgl. 

183.] 

— Q- 

- Q- 

81. Sculdais. rectorloci.^ 99. Scif/i&Atf. id.Rectorloci. 

82. Scala. later patcra. 100. Scala. id patera. 

83. Sularia. 101. Stalarja. Id. Saljcem. 

84. Scainara, furto. 102. Scamera. Id est. furo- 

nes. 

85. ScilpoL armiger. 103. Scilfor. Id est. armi- 

ger. 5 

86. Stupla. rcsaacio. 

87. Sa/a. [144.] 

104. Siljqaas. Id nicesima 

U 
pars so di. (163.) 

1. die Worte Lex enim .... liefet stehen in der hands, {räumet 
halber) nach 94. beweis der einschiehung des nicht hergehorigen L. 

2. vergL Paul, Diaeonus, 

3. d, f. 8cild-bora, wie maadbora, radbora. 



S58 LANGOBARDISCHBS WÖRTBRBDCH. 

Codex Vaticanus. Codex La Gara« 

105. SaacuDu; id est. Sla- 
tnim; decFebim) 

88. Siolesaii. 106. Stolega^. id est. % or- 

dinal conuentu^. 

89. Selmundia. I sue pote- 107. Silmundia, id. In sne 
statis arbitro. potestatisarbitrju'.(»fiL 

146.) 

90. Snaida, 

91. Socas. 108. Sogax. Id est. Funem. 

92. Sonorjfj^ktr, ucrris q 109. Sonorpahir. id. uerrc' 
alios uincit i grege pu- q alios uerres In grege 



gaans. 



cit 

uin. 



110. Sudes. Id est. palus. 

111. Macina^. Id est. pon- 
tonem. 

112. Muttauerit. Id est pre- 
stauit. 

[64.] 113. Mundium. Id est. ptj- 

nencja. 

93. Tfhingare. [vgl. 154.] 

94. Thereus. disparilif seu 114. Threus. id. hominesme- 
ignobilit" nat' q eciri df «janj. q n sunt noUles. 
nothus. a'missarius nä- 

lis. 

95. Thificx. donatio. 115. Thinx. Id est. donacjo« 



{vgl. 152.) 



96. Thtngit. 

97. Trabice. i. trabiteliü ui- 
tis. 



98. Treno, i. subtus cubitü. 116. Trfno. id est. Subtas 
{vgl. 20. 65). cubitu'. 

99. Treuua. 117. Treuuä^. Id est. qdau- 

ctor publicas facit. 
100. Trogingis. 118. Tron^'ngin. id est «r- 

senicü. {vgL 158.) 
— T. 119. Tibia. id est gunU. 



- - ^ 



LANGOBAimiSCHES W^imRlHJGH. 

Codex Valicaiiils. Codex La Cava. 

120. Robore\ Id est Sorbam. 
(165.) 

121. Ritu id est consuetudo. 
{vgl. 124.) 

101. WJualapao^, qai se für- [64.] 
lim uestimtü aliud idue* 

rit aat capile \xV facie 
traasfigurauerit latroci- 
nandi aio. 

102. Vncie. vi. medietas. 

103. Vncie. liij. Tcia pars. 

104. Ftdrebora. i. 



105. Vafreda. i. 

106, Vecorian. i. {s. 38.) 

[105.] 
[106.] 
[102.] 



[67.] 



[79.] 



[126.] 
\vgL 156.] 

122. Uidrjbora. Id est. Li- 
bera. {vgl. 55.) 

[124.] 

123. Uechorfn. Id est. orbi- 
tarja. {vgl. 73. 125.) 

124. Uarßda. Id est. consae- 
tudo. {vgl. 74. 121.) 

125. Vegoren. Id est. mino- 
rem culpam. (figL 123.) 

126. Uncie sex. il est me- 
dietas. 

127. Zabas. Id estadunaeje. 
(160.) 

128. Nouerca. Id est. matrj- 
nia. (86.) 

129. Orjattir. Intencjo Id est 
nascatur. 

130. Phibuere. Id est! an- 

c 

testare. 

131. Pre est. Id est super 
est. 

132. Ppelrare. Id est Inci- 
tare. 

133. Ppuslai. Id est ^p una 
ferita. {vgl. 98.) 

134. Plouum. Idlncibo aratj. 



560 LANGOBARDISCRBS WÖRTBRBDCH. 

Codex Vaticanas. Codex La Cava. 

135. Redimiere id est Co'- 
parare. 

136. Res. Id est. sabstancja. 

137. Resecata^. Id est. delj- 
leratum. 

138. Sculca. id est. guardia« 
[71.] 139. Mort. Id est. homki- 

dium. 

140. Magist co'maciBi Id 
est. Fabricatores. 

141. Creditor. id. cui pce* 
stauerjt. 

[3.] 142. Anegrjp. Idest. säcre- 

tü'. muljeijs. (2.) 

[6.] 143. Asto. idest. uoluntarje. 

(5. 52.) 

[87.] 144. Sala. Id est. domo In 

carte &cta. 
145. Septimiim genacaln'. itt. 
usq; In vij' generagV 
nc'. 

[89.] 146. Silmundia uiaere. 'U. 

usq; In arbitria' sie 
potestatis vivere. (107.) 
147. Sola edificanda'. ISea- 
sa facienda'. 

[69.] 148. Seruas massaijos. Id 

est. seruus qordinalas^ 
est sup aljos In domo 
senioris sui. 

149. Sepestantaija. ü Sem 
laiet. (vgL 162.) 

150. Stipalacjo. la^pmittto.* 
at confirmacjo. 

151. Saltarias qnod est eoP , 
sores q homines ntfeor 

I 

1. e$ $teki eher in ttere, «otf aber vivere. ««iii. 






L^GOBARDISjGHES wAttBaRO 
Codex Vaücanus. 



'^f 9ti 



[93.] 
[100.] 



[102. 103.] 



geniesxiii« 



Codex La €aVa. 

dant. Id est. exactores 

([ui In loco est. 
52. Sponte. id aoluntarje. 

(143.) 
5S. Inecercilu. idia publica 

oste. 

54. Tkir^a In gaida.. U.. 
donare In publice. 

55. Trothjngo. id designa- 
uit. ut Indicauerjt aut 
defjnierjt. (vgl. 118.) 

56. Uncias duas. Id. sexta' 
pars. 

57. Ultjmu'. Id. nouissi- 
muv. 

58. Cenodochia. Id. ubi pe- 
regrjni excipiuntor. 

59. Resecare. Id. fnnditus 
tollere. 

60. Zabas. fi. fabnlas. 
(127.) . - 

61. Casu. Id est. nmeitmio. 

62. Sepe. Id est. cotjdie et 
aemper. 

63. Siljquas. Id est. uice-* 
sima pars so^jdi. (104.) 

64. Ab arbore culj sem ettt 
uocabuln' tenens. ' 

Oft» Robore'. Id eal sorba*. 

(120.) 
66. Iure. Id legem. 
Explj closa. • 
ipjli} Maljni f«( «res filiot habut. 



-.^ 



<if 



qucni' itoimMi bec aunt. 
Armen, Tingus, Ostjus. 

1. Sprichwort f 

7" /o/^< Incip de | reges Longobardorum fnoaodo regoa | veront is 
hoc mundo. 
Z. F. D. A. I. 36 



502 LANGOBARDISCHES WÖRTERBUCH! 

Codex Vaücanus. Codex La Cava. 



SiDguli genuerunt qualaor 
generacjoncs. 
Armen genuit golhos. guan- 
dalos. brjgjdos. Saxonea. 

Tingas. gen. Tuscos et lon- 

gobardos. burgond'ones. 

baJoarjos. 
Hostius gennit Romanos. 

brjttones. francos et ala- 

mannos. ^ 



Primas crmeni'. genuit bu- 
tes. gualangntos. guan- 
dalos. gepidos. saxones. 

Ingo, genuit burgundiones. 
turingos. langobardos. 
baiocros. 

Escio. romanos. brictone*. 

' Francos. alamaniios.* 

CApituIa regis saliche qac 
jslitnit dns Karolus. 
impr. dicta c eni salicba. 
p proceres iju* gentis. 
qui tue erant reclorcs. id 
guisogaste. salegaste gni- 
dogaste. arogaste bodo- 
gaste, guicouodo. i loco 
cognominäte. salachanne. 
bodoganne. Z guidobane. 

Lex ribuaria. sub clotha- 
rio. rege edita. 

Lexbaioariorü. sub regibj 
francor, tbeodorico. cbil- 
debcrto. clotthario. 



1. t. Grimms myihologie, anhang s. xxvii. 

?. zu dieser Stammtafel stimmt mehr die angäbe des Nenniu$ 
Primus homo vcnit ad Earopam Alanus cum tribus filiis suis, qnomm no- 
mina Hisicion (<f. t. Iscio = Oscius), Armcnon (:= Armen), Neagio 
(z= Tingas) tf. «. tr. (frei Grimm a, a, o, s. xxviii). — mum erkennt 
in diesen geneahgien das fortleben tmd fortwmehsen aiiheimiseker 
sagen aus sehr bestimmter zeit und bestimmter SrtHehkeitm tmd gt- 
rade dieses alles spricht ßir die ursprwmgUehkeit der sagen He |W- 
nius und Taeftus uns erhalten haben. 






5V 



4» 



* ^ 



f • 



FRAGMENTA THEOTISGA. 

Im aogenblicke herbstlicher abreise von M ünc&en erhidt 
ich die zweite aufläge der fragmenta Theotisca die 1834 
Endlicher und HoffmaDn von Fallersleben herausgegeben hal- 
ten, auf dem titel jener zweiten aufläge steht 'editio secoa- 
da aucta et emendata curante J. F. Mafsmann und freund 
Endlicher leitet dieselbe an Kopitar, dem die erste gewidmet 
war, ein. derselbe sagt s. ii 'nunc tandem, gravissime no- 
per increpitus, rem paucis expedio, iniquae mentis debitor, 
ita ut merae Mafsmanni curae orbi reddantur, relicta et Uli, 
de hii quae hoc loeo dicenda forewt^ ^errima düpukmdi 
opportunitate* 

Es war im herbste 1837, als der nach allen selten rü- 
stige und kundige Endlicher mich während meines aufent- 
haltes in Wien nicht nur zur nachträglichen durchsieht der 
betreffenden pei^amentstreifen und blätter veranlaTste, son- 
dern, da jene erste Prachtausgabe vergriffen war^ auch ^Udch 
auf frischer thal in der druekerei einen Wiederabdruck be- 
sorgen lieTs, in welchen das genaoer oder neu erlesene gleich 
eingetragen werden sollte und wurde, manches streifeben 
hatte sich inzwischen noch hinzugefunden (wie schon Uaupt 
in den Wien, jahrb. 67. 1834. ein solches ergänzendes mitge- 
theilt hatte), andere fügten sich mir, bisher bei seile gele- 
gen, glucklich ein, manche durch des buchbinders knick und 
kniff erloschene oder verletzte zeile ergab sich meinem ange 
sicherer oder wahrscheinlicher u. s. w. alles dieses wurde 
in den erneuten satz eingeschaltet oder umgeändert, zugleich 
bei dieser etwas webemden arbeit um des satzes/(rillen> der 
bei geänderter einriehlong mit volUländigea läidi^a za im- 
schön ansgesehen haben wurde, die siJion bei der ersten 
ansgabe versuchU ergänzung des weggeschnittenen durchge- 
führt, wo es einzelne silbeu oder Wörter galt, war dies leich- 
ter, wo ganze Zeilen, schwerer, gewagter, und hier schlüpfte 
dem im Stegreif und schmerz arbeitenden manches unter 

36* 



.-»**!? 

"^1 

Hf 



■*.• 



564 FRAGMENTA THEOTISCA. 

was er bald darauf weg^ÜDSchte, so wie mancher dmckfeh- 
1er sich eiDSchlich oder stehen blieb, der mich nun unlieb 
ansieht, manches davon wurde bereits in dem von Mfin- 
chen aus im wioter 1838 mit mehr ruhe hinzugefügten in* 
dcx oder wörterbuche verbefserl; anderes aber sollte dem 
Vorworte, das ich bei der durch häusliches leid damals her- 
beigeführten schnellen abreise in Wien rasch znsammenge- 
stellt hinterliefs, vorbehalten bleiben, dies Vorwort nun blieb 
wegen gänzlich anderartiger arbeiten des freundes und for- 
derers liegen: ich kam 1839 zum zweiten male nach Wien, 
fand neue streifen und bruchstücke, fügte dieselben jener 
vorrede nachträglich ein, und diese blieb abermals in Wien 
und neuerdings in München liegen, das weri^ aber wurde 
endlich in der kaiserstadt abgeschlofsen, so dafs mir nanmehr 
nichts übrig bleibt, als jene nachtrage, nachweise und naeb- 
befserungen hier niederzulegen, ich spreche aber zuerst vom 
neu hinzugekommenen. 

Solche neue einschaltungen erfolgten für Matthäus nach 
bl. VII der ersten ausgäbe, das nun viir geworden ist', als bläi" 
ter IX. X. XI, so dafs viii nun xii wurde, eben so nach alt 
bl. IX (nunxiii) das bl.xv, wonach alt x — xiii nun xv — xnn 
wurden, nach alt xiv (nun xix) trat bl. xx ein, wonach alt 
XV nun XXI werden muste. nach diesem tritt neu hinzu bLzzi, 
mit bl. XXIII aber (d.i. alt xvi) schliefst Matthäus, so weit 
1837. die zweite reise, das jähr 1839, führte mir im Mat- 
thäus neu hinzu a) zu bl. iv den anfang von Matth. 12» 31 : 
Bidiu quuidr/ . . . . | uuerdant [Ideo dico vobis, omne peeca- 
tum et bksphemia remittetur hominibus, Spiritus autem blas- 
phemia]; auf der kehrseite das latein von Mattb. \2f 41 
(auf bl. v) condemnabuxii eam quia poenit^n/iVrm egerunt im 
predtcdiiione ion« et ecce plus quam ionas hie vegina austri 
tvrget in tudicio. — b) zu bl. vii (früher vi) deutsch Mattb. 
13, 26. 27, lateinisch (kehrseite) Matth. 13, 36 — 39. letzten 
gewährt die worte discv^xXx eins dicentes. eifisier» | nMi 
parabolam zizaniovnm agri. qui TtBfondens \ Ulis gai semi^ 
nat ait bonü fem est filiuj hommü \ ager autem est mwuba^ 
bonum uero semen hü sunt filü \ regni. zisania Otiten 



1. weil die früher aaP bl. i (ans Matth. 10) anfgefahrlen vene einem 
besonderen blatte angehörten, das nnn als ii iShIt. 



FRAGHBNTA TBBOHSCA. SK 

sunt nequam. mimicus autem | jut seminavit ea. esi üabblmt* 
oiessis uero consummatio \ seeuli est. messores autem tmgi^ii 
sunt, die auf der Vorderseite hinzugewonnenen deatnAen 
worle sind diese 

(guotan) samuH in acckre 

smemo. duo auh dea man. sle/un. quam \ » 

ßant sitn. enti er saita. den achar. htlsamun \ 

mittan untav hnetjsi. enti genc. duo \ 

auh {/efe uph ar. uuohs. enti obax \ 

gaworhta, duo arsei^iiim sih. lulFamun scritunmih \ 

scalcha (c)hes* zuo. enti quatun | 

c) wahrscheinlich zu Matth. 26, 31 (schlufs von hl. xx) 
duo quad im ihs | suuihan. ist dese | Gascriban ist b ... • 
Zum Isidorus (alt bl. xxiii — xxiv) fand sich 1837 nur 
ein kleines Stückchen (bl. xxxn) hinzuy das sich aber durch 
kleine läppchen und atreifchen 1839 so gestaltete 
huuanta er uns uuarA kaboran. nalles imo selbemo \ 
huuanta kauuisso daz er.* man uuard. unortoi tm- j 
sih htlfit. bidiu uuart er uns. kaboran. Sunn anur uuard \ 
uns kageban. huues? t^ugotes sunn. Siin her Xxiotn oba \ 
sinem scultrom ioh bidiu huuanta «er in siin selbe« scuUrom \ 
siincruci iruoc ioh bidm huuanta den titulo sine« riihhes, oba\ 
sinem scultrom enti sinemo haubit». pilatus tascreqf. 

Die kehrseite dieses bUUtehens enthält die lateinischw 
Worte aus Isidorus 5, ö (Holzm. s. 58): dicentefk Nee dim 
uenisse xpum de quo hec | omnia ore ppheta rum ftdiesagiü 
cecinerunt. auch von Isidor. 4, 3 fand sich das latein: «trtus 
eorum In persona -u. s.w. zu bl. xxxi (alt xxiu), dessen sehr 
kleine theilchen mir 1837 ganz abgiengen, das ich demnach 
damals nur nach ausgäbe 1 wiedergeben konnte, kiuin seit 
1839 nun nachgetragen werden dafs die dort xxiVy 19 
aufgefallene Wiederholung des Wortes gotes auf einem brueh- 
stückchen sich wirklich vorfand, dagegen zeile 7 klar go^ 
nissa steht, wie im index s. 35' auch schon angesetzt wurde $ 
z. 15 aber blofs uueüt statt des im index s. 50^ schon be- 

* patrisfaniliai. dieses brachstück fuhrt dem index nicht nnr wie- 
derholt die formen $l^fun, uuShs, säita, de*e, uph v. s. w. , nnd nioht 
nur neu arzeiganzu, sondern Tor allem das compositnm lul'$dmof^T 
lolinm, zizania (zu gramm. 3, 371. 376). 



M6 FRAGMENTA THEOTISGA. 

zweifelten uueista^ dessen früher angenommenes a nur durch 
einen gegendruck beim aafeinanderkleben des buchbindera 
entstanden war; z. 20 bestätigt sich buohkum aas oben ab- 
geschnittenen, in der untern hälfte geretteten buchstaben. 
das dieses wort und bruchstück enthaltende blättchen (buoh- 
hum I si 2oh des | en^2 heilac keis/) gewährt rückwärts die 
latcin. Worte ans Isidor 4, 3. 4 spiritus eius qni flat svam 
cy\m dicitur genest i|n principio fecit. t\oelum et terram 
et Spiritus Je \ rebatur super aq\uam. 

Zu Augnstini Sermo (alt xxv — ^xxvii) fügte sich nach bl. xxv 
(nunxxxiii) das neue bl.xxxiv, das sich aus der zweiten hälfte 
des alten bl. xxv (s. 57 der ersten ausg.) and der daza ge* 
hörigen, nur früher weggelafsenen zweiten hälfte bildete, in- 
dem sich auch zu dieser ein weiterer crgänzangsstreifen vor- 
fand, solche ergänzungen durch neu hinzugekommene per» 
gameutstreifchen erfahren von den älteren blättern noch we- 
sentlich bl.xvi (neuxxiii), xix (neu xxvi), xxv (neu xxxm). 
Diese letzteren führten zum theil grammatisch nicht un* 
wesentliche änderungen mit sich : bl. 19 (nun 26) gewann 
(wonach auch die zeilen seines lateins theilweise anders zn 
begrenzen waren) seine aasgänge sicher, von denen hier nur 
der von z. 15 hervorgehoben wird, wo ad infemos nicht za 
helluy sondern z • . . fem d. i. za infeme oder za ferne 
übersetzt ist. ^ auf bl. 25 (nun 23) war im ersten abdrucke 
übersehen worden dafs nach z. 1 HEAR. jedenfalls ein ftnrf- 
dit oder saghit, sagit, somit auch in den übrigen Zeilen 
manches fehlen müfsc: Endlicher trug in den Wien, jahrb« 
1834 s. 24 auch würklich nach was ein neu hinzugefundener 
streifen einfügte^ der mit dem zunächst nöthigen sagAi/ an- 
hub. die von ihm damals gegebene ergänzung der zweiten 
zeile aber darch SE^Z muste dem richtigeren SEES (oder 
SEf^f^ES) weichen, wovon das genitivische schinfs-ji auch 
noch sichtbar ist. * was aber wichtiger sein dürfte ist dab 

1. siehe J. Grimm hymn. s. 51. — vergl. alt 15, 1 (niiii23, 7) eia- 
lifi sine iangiri/n (statt sinero iaDgir6n6), 8 (nan 13) f«ter0# enti snnef, 
wie schon 7, 8 (nun 8) stand; x. 10 (nan 16) enbrncp« (eonfnmmationemX 
wie Endlicher schon 1834 (Wiener jahrb. 67 oder hesead. abdmol f. tS) 
■aehgeholt und hieraos Holsmann ■• 161 anf^efährt hatte. 

2. gleichmärsis s^^^nn dadnreh «aeb der voraasgeheade, in der al- 



FHAGMENTA THEOTISQAi (^ 

durch Jenen streifen in z. 10 desselben blaUes dem eigen« 
thüinlich ifvicdergegebenen satze, Inmanii unsih xa ofc^A«»- 
nanne in s^uue desan antuurtun mitU'gart uue^an (admonel 
nos intelligere mare praesens saeculum esse), welches nao^ 
der ersten aufl. in die gramm. 4, 117 als ein beispiel des 
accus, c. infinit, übergieng, nun das particip. uui^fantan an* 
zusetzen kommt. ' zeile 14 des neuen blattes 10 habe ich 
aus dem die zeile beginnenden Tun ein thara^an ergänzt, 
oder wollte man lieber heral'anl vgl. Otfrid 5, 29,91« 
5, 18, 12. 2, 9, 81. 3, 2,43. 5, 10, 6. u.s.w. 

Dies führt mich auf <Ue weiter gewagten ergänzungen 
der lücken. schon die früheren herausgeber hatten solche 
versucht, doch nicht gleichmäfsig. mehrere blätter, z. b« 
G (nun 7), 13 (nun 18), 19 (nun 26), 22 (nun 29), 25 
(nun 33) hatten sie durchweg ergänzt, dagegen 18 (nun 25) 
nur halb, und 5 (nun 6) gar nicht, der anders geordnete 
engere druck der neuen aufläge nöthigte die unschönen puncto 
besonders aus den letztern beiden der eben aufgezählten 
blätter zu beseitigen und forderte um so mehr zu der an 
sich reizenden ausfüUung der räume, auch in den neu hin- 
zugekommenen halbblätiern und streifen, so wie zur nochma- 
ligen raumprüfung der früheren ergänzungen auf. doch sol- 
len alle diese cursiv gedruckten ergänzungen nur typogra- 
phische lückenbüfser sein, das meiste von den ergänzungen 
meiner Vorgänger blieb deshalb gern stehen.^ einige der 
neuen ergänzungen ergaben sich leichter, auch wo nur schwa- 

ten vorrode abgedruckte schluPs einer uubekauuten predigt oder homilie 
Dicht unwesentliche berichtigungen, eben so die lateinische nnterschrift 
antor dem evang. Matth. daselbst, welche im wiederabdrucke a. v nicht 
aurgeuommen, mir aber aagenblicklich nicht znr band sind nnd nachge- 
liefert werden können. 

1. vergl. 31, 5 sih chundita uuetan kasantan ; 34, 1 qnaedat ir mib 
uuBsan; aber 35, 11 christan gamartr6tan ni uuülta (Ch. pati non vult). 
über die obige stelle (mittigart in s^nue) vergl. übrigens aneh Grimms 
mythol. 458 f. 

2. so cAamit 7, (vergl. 0, 7 ureAandono; )20, 14 rebacAannes; 
22, 17 cAuninc; 18, 21 auahAot), J8i21, 5. uuiüu 7, 14. uuilun 18, 22. 
quatun : petre 21, 14 (statt quatun petre d. i. petro). 12« 6 blieb daher 
auch huuelihhe statt habet stehen. 



568 FRAGMENTA THEOTISCA. 

che reste der ursprünglichen buchslaben übrig waren.' an* 

dere schon schwerer, obschon wohl sicher.^ manche sind 

vielleicht nicht ganz unglücklich (wie 24, 28), aber mehre- 

res würde ich jetzt anders wünschen und geben, so z. b. 

13, 3 dn^ folc statt Aaz folc der früheren herausgeber; 12^ 6 

habet st. huuelihhe der ersten ausgäbe; 20, 10 demo st. 

desemo; 20, 14 aer danne st. y/iaer untax; 14, 7 kres sU 

fmmes; 15, 8 sii st. ist; 22, 2 sii st. bim; 9, 8 gahftre 

im st. sie; 7^ 17 gotes st. das. hieher rechne ich auch 

befserc synonyma, wie 6, 8 suar st. sniumo^ 10 huuanta 

St. bidiu; 26, 19 auh st. huuanta; 7, 16. 22. 20, 1. 24, 18 

auh st. auuar; 9, 9 auh st. danne; 7, 14 oh st. usang 

6, 13 uuorhtun st. gäbun^ 20, 20 gnädic st. mi/ift'; 20. 17 

Juorun st. gengun; 10, iZ Jiior st. ^eiic^« 20, 22 gague'tan 

st. gasagit; gulti sLjbrgulti; 9, 26 Jrambrakt st. gabraht^ 

11,15 A»e?c st. betdta; 14, 4 healtun garati st. cengun m.* 

hinzufügen würde ich 6, 12 ifa^;^ zu 'ardamptun ; 16 ji^t/o nach 

'quMuuimo'; 9, 12 ß;?^! vor 'in himile'; 14,8 nibt^ gaoniaso ^ 

18, 4 (/m vor 'leohtchar.' tilgen dagegen 6, 3 demo; 3, 12 

aer; 21, 25. za; vielleicht auch 14, 16 des. 

In gröfserem mafse zu verbefsem wäre 7, 15 enti so 
aer uuirdit; jedenfalls 10, 16 uuortan nuarth. zuversichüi* 
eher halte ich ergänzen sollen 25, 13 mana^Mn alla; ZZ^T 
Der gene in Jbrahtun plugisdnta; 16 mislih h^ro meinentöuo 
maunö ; 24, 20 enti der danney 23 ih sprihhu hnnila nmba 
chunda sahhu meinan^d umbi ni nueiz huuaz ander, 29 durah 
ghibure; und 8, 1 begönne wahrscheinlich sae- man oder 
smte-'ttkfiin, 

1. z. b. 22, 7 hauuanares (aas 14), 9, 23 nihu, 26 ht/o/?, 24, 12 
hlättre u. 8. w. 

2. z. b. 9, 13 f^azumjtigeui (Tatiao: gazuftigent). 14, 2 in dea fbr- 
rostitn \ßnstri, durfte 8, 21 («at 22) ftvnta (dann gewinn für gramm. 
4, 285) ergänzt werden? Isidor. 13, 6, 18 gibt geptie» Septem dareh 
sibun stundom sibuniu, 

3. wie sollte aber 9, 7 publicanus gegeben werden? ßnjoi mit 
Tatian? oder^ri>iiirt oder einfacher zolnaritf — wie 11, 4 oequam? 
ahuh, are, hakmutcf wie 22, 27 vinetum inngnemf doch weder dareh 
erchno neeh aäaif ob dngch hoh^v wie 20, 8 aecreto? 9Mnirigo¥ 
tauealo9 II, 27 reizte st. ded ^ueme bmoder zu ergünsen daM gm» 
bnioder. 



liRAGHENtA THB0TE3C!A. 

In* den ergänznngen meiner vorgf^nger ergaben sich in 
folge genauerer abwägung der liickenbreiten oder mit hilfe 
noch vorhandener andeutungen der dinte oder nach gnmd^ 
Sätzen der grammatik einige nothwendige ändernngen : a) z. b. 
2, 1 uuidar imo st. ihüse (aach nach dem latein, wie Hatpt, 
in den Wien, jahrb. a. a. o. auf bL 28,- 2 statt iro nach 
dem latein. uestra iumteru wollte oder dem räume zvt Heb 
iuueru oder noch befser iuuer). anfser dem unsicheren gha» 
buo^^e^ (15, 24, befser ghabu^jv^^) und heimingum (3, 10) 
ist 16, 12 auch iit^tana zu breit: es mnfs wenigstens inao 
gesetzt werden, wie 27, 20 und öfter, bl. 16, 24 ist für 
'nuftr f A tu saghem' auch nicht räum, befser 'uuftr tu sagheni 
ih; 14, 2 ist 'bi demo temple' und 6 'in demo allare* zu breit 
und unnöthig (vgl. 13. 14. 21, 17. 19). — b) bl. 8, 3 itl 
oi^^Iit zu breit und widerstrebt dem latein. erit, auch ist 
i/tftrdit nicht zu verkennen, auf bl. 12 (alt 8), 2 war die 
durch des buchbinders schuld ganz durchbrochene stelle 
durchaus zu lang ergänzt mit 'uuirdit iuuer ambahtman enU 
so kuuelib so dar nneUe unUnr tu eristo \ uuesan : räum wie 
leise spuren erlauben nur 'sü \ iuuuer amhaht enti der uueüb 
unUir tu eristo uuesan/ das der nach enti statt eines wie« 
derholten 's6 huu^lih* rechtfertigt sich schon aus Tatbuit 
parallelstelle. — c) 3, 2 'uuidar mannes sune statt des firA» 
heren sunti. 

Früher ansgelafsenes wurde nachgeholt, z. b. 13, SS 
iuo vor daz. dies galt besonders eine ganze zeile auf 28 
(alt 21), wo der ausgang von z. 19 die z. 20 mit dem gtoi* 
eben ausgange hatte übersehen machen, manches er|^nzte 
sich bei schärferem hinblick aus den verbliebenen buchsla» 
benhälften anders als bei meinen vor^ngem, sowohl in ein* 
zelnen lauten (4, 13 ^uot. 30, 14 ^achuntati. 12, 22 sie^ 
nicht si. 8, 12 ha/?et, das halbe p ist gewiss zu erkenneB; 
gauussio auf alt 17, 30 war nur druckfehler) als fleodonen 
und ganzen Wörtern, bl. 34, 2i^ steht ganz klar 'az ant^- 
uurtm des gaunaltes* (nicht antuurttVo gauualtes, was auch 
Holzmann s. 161 noch aufführte, während er das in z. 1 
desselben blattes angesetzte baldi richtig rügte s. 162, wäh- 
rend statt des von ihm angesetzten baldita aber nur *baldit* 
steht, statt des auf demselben bl. 34, (alt 36), 28, angesetz- 



570 FRAGMENTA THEOTISCA. 

ten 'anlbabennes' führt er in seiucm wörterb. s. 156''aiitba- 
benne' auf. sicher aber ist kein nn zu lesen, höchstens 
'anthabcmes', woraus ohne zweifei 'antbaltentes*, sustentan- 
tis oder noch befser *^anthabentes' zu machen war. was 
ganze Wörter betrifft, so sei hier besonders das schon von 
Haupt angegriffene taus (7, 22) hervorgehoben, das durch- 
aus nicht sexagesimum bedeuten konnte und kann, scharfes 
hinblicken ergab den rest eines zerschnittenen x und cus 
(s. d. facs.) also sexcuz statt sthssuc, wie drizuv neben 
drizuc. eben so muste sich das unerhörte nodili für locu- 
tio (16, 16) in das auch dem äuge ganz klar gewordene 
medili umändern (s. facsim.), worüber der index nachzuse- 
hen ist. 

Früher gelafsene lücken füllten sich durch wiederholte 
prüfung aus: so 34, 2 desero, 3 nier arsturbi. 24, 16 (8): 
gascu^f sOy wonach auch im latein. creat genügt. 

Frühere einschiebungen wurden theils als unnötbig (30, 19 
ubar diz ist), theils weil in der alten verschreibung jselber 
schon erklärung und berichtigung zu tage trat, weggelafsen. 
einige male hat der alte Schreiber frühere versehen ausge- 
löscht und das richtigere darauf geschrieben, wonach 17, 8 
durchaus nur tynagogum (nicht synag | omgum) und 12,20 
quedante (nicht qucr/edante) ' und 29, 26 nur einmal ana- 
galihhan ^ zu lesen oder zu drucken war. — W. 35, 30 
steht klar, wie Uaupt schon vermutete, gameiti nandunc 
festnissa^ wie das facsimile beweist, welches auch das selt- 
same batas auf 33, 12 bestätigt. 

Die fehler des alten Schreibers wurden belafsen, im 
Wörterbuche aber nachgewiesen : so 12, 6 mage st. managft. 
28, 21 managu st. maganu oder meginu, 20 uualgeru st. 
Msi al/Äru, 6 gahorit st. gahr6rit, was auch W. Wackcr- 
nagel in s. lesebuche 1, 50 bemerkte (vgl. den index). 

Manche alte auslafsungen müsten dagegen verbessert 
werden : so ist 22, 6 statt karatanes wohl zu lesen karate# 
Aafanes. 25, 9 ist 'fona gotes uuortan bestimmt zu ergän- 
zen 7ona gotes uuorto uuortuk daz katan es ist (a dei verbo 

1. drunter stand qut/edantes, so dalli e in qae - anf das alle d 
trifft. 

t, das erstere ist totimnit augekratzt. 



FRACOf ENTA THEOnSCA. «t.^ 

quod factam est), wodurch das falscbe uuortan für ver^ 
(verbis) entteBl wird. 13, 11.-12 ist zwischen ka- \ quemet 
zu ergänzen iLMkaruuita sintim und 24, 20 etwa ausgelafsen 
mannischiu uuort ni uuizun (hnnlana verba non sciunt), etwa ^^ 
wie im lateinisehen texte zn 27» XAytft intemae auch ae- 
temae fehlen dürfte (wenigstens der deutschen Übersetzung 
nach) und 4» 13. 14 gegenüber dem lateinischen das deutsche 
geirrt erscheint und 15^ 2. 20 buntem für coeci (5.9 bUat6) 
jedenßdls falsch übersetzt ist. auch 39» 28 ist *uaorle.|^ 
bSotantemo andres (verbo jubentia)* eigen übersetzt. mai| 
vgl. 0« 20 aadita aadebiUs (andebit ist) — gahMff aer 
gohoriL 

Zum schlolae einige stehen gebliebene dmekfehler: O^ 
29 herza. 7, 18 der^. 8, 18 sin. 9, 23 sibnnzo. 9,10 uail^ 
10 herostom, 3taMn. 10,22 tuoet, 25deisu. e,27gahority 
28 arsuuettet» 25 fimtantunty 24 gasShante ni gasShant^ 
18, 24 sin^. 22, 7 elidittllgeia..23, 7 iungirm. 0,30 bialtf- 
znn. 7, 2. 3 iunneriu. 2, 4 iienia^. veildiide 4, 10 lösspribj» 
hit. 5, 22. 23, 19 einhauelih. 7, 7 eiugahuuelih. 8, 0. 24 
zanogagrim. 34, 3 cinnissa. trenne dagegen 7, 21. 10, IS 
sum ^s. 25, 9. 10 kam €s. 8» 5 ubiltfttiin e^ti «r foUU aU 
irfullit. * -. 

Osterburg in der Altmarkt 12 sept. 1841. - ', ^ 

H. F. MASSMANN. : ' 



3 schwankende lantiiiifQa kommea ia frage in 9, 7. «rcAnndono !!0, 

14 rebacAunnes. %%, 17 cAaninc. 18, 31 anahAoL ^, IT lopsange. 3, 

15 blinfer, 17 uunfrentin. 14, U fknM ir mih. 25,27yhimin. !IS, 11 
MaotA. 11, 11 sel/ent. 9, 15 gabntfelilib, 17 b«««r. II, 9 seamafof. 
9, 14 itrauero. 19, 7 nahhifteB. 9, SM^hop. 10, 154;atrebta. IjjjJj^jhiTi 
26 zebuni, 30 bigangant. 6, %1 gahorlt. 32, U^gorogltia, WBaitK% wk 
arstinelltt. 34, 39 eb^otan (wie bSotan a. a. w.). 



l■^: 



572 



GIBICHENSTEIN- 

Gerade wie die nordische sage den namen Sigfind nicht 
mehr vollständig fafste (s. 4) scheint ihr auch Gibicho ent- 
fremdet; sie hat dafür Giuki, was sich wiederum nur ans 
der Wandlung des F in V begreift, f^ erweicht dann in U» 

Das nordische V ist überhaupt dem lat. und gotb. f^ 
gleich, also dem U nahe geblieben; während der hochdeal- 
sche, altsächsische, zum theil auch angelsächsische laut, in ff^ 
und y gespalten, jenes dem CT, dieses dem F zuführt, da- 
rum nimmt ahd. f^ kaum, altn. V sehr leicht vocaiische be- 
schaffcnheit an. der eigenname, von dem ich hier handeln 
will, lautet ahd. Kipicho und würde golh. Gibika lauten, 
die ags. form ist Gifica^, die alts. Gtoeko, woraus sich die 
altn. Givki und Gmki ergibt, wie haukr aus hackr, hqfukr, 
alts. havocy ags. hqfoc, ahd. hapuh, und gotb. sicher nicht 
anders als habuks^. das ganz analoge Sipicho, goth. Sh 
biküy ags. StfecOy alts. Siveko hätte ebenso zu Siaki wer- 
den können, es hatte sich aber die apocope Bikki geltend 
gemacht, in der jüngeren Vilkinasaga blieb sogar iS^a (nach 
einem westfälischen Siveka) stehn für St/kt, da die weibli- 
che form Si/ka anderwärts vorkommt, neben Giuki ist uns 
aber in der edda Giqflaug als name seiner Schwester be- 
wahrt worden (Ssem. 211 ^) und beide liegen einander, wie 
geschwisternamen oft, ganz nahe, gotb. Gibika^ Gibaldugg^ 

1. travellers song 38 Burgendum v^old G(fica; vgl. 131 Gädkere, 

2. der forseode, raubende, captor, acceptor, darum auch motipiter 
nicht aus (uKvnrtQoQ oder dem laoskr. OQupatra zu erklären, so schSi 
das homerische beiwort mit den Vorstellungen unseres altertbums sich 
verträgt, die nach dem kreirsflage groTser raubvögel zeit und wahrschein- 
lich auch räum bestimmten : svii vida sem valr flygr värlängan dag ok 
standi byrr undir bäda vcengi (Gragds 2, 170), wozu vgl. mythol. 361 
— 363. so weit der bahn oder die henne fliegt (rechtsalterth. 105) klingt 
nur zahmer als ein älteres So weit der habicht oder weihe kreifsel, wie 
die Römer tagten Jundos^ qvantum «nVvi volani (Petron. 37), quantum 
milvtiM oherrat (Persius rat. 4, 26). 



GIBICHENSTEIN. 87S 

ahd. Kipicho, Käpalouc. so stehen sich zur seile Freyr 
und Frej/ja (goth. Frduja und Frduj6)j Stgmundr und Sign^; 
selbst unsere geschlchte bietet mehrfache beispiele dafür an 
die band dafs geschwistern ähnliche namen erlheilt wurden, 
z. b. Otto des grofscn kinder von Otig^'ba (Eädgifu) hiefsen 
Liudolf und Liudgard. was sich in der sitte behauptete, 
wird in den mythen noch tiefem grund haben. 

Zeigt sich nun Gibika an der spitze eines alten ge- 
schlechts (denn nicht blofs in der edda nennen sich die Giu- 
küngar, gewissermafsen die Niflungar nach ihm, sondern 
auch die Burgunden fuhren in ihrem volksrecht ihre könige 
auf ihn zurück'), so darf nach der bedeutung eines solchen 
namens geft*agt werden, sie mufs aber ungefähr mit der 
eines einfachen goth. giba^ ahd. kepo d. i. dator, largitor 
zusammenfallen, und die hinzugefügte diminutivendung soll, 
allem anschein nach, blofs den begriff des lieben, gütigen 
gebers hervorheben (gramm. 3, 664. 665). von dem ahn- 
herrn eines selbst schon mythischen heldenstamms ist es 
leicht zu einem höheren wesen, ja zu dem höchsten geber 
aller guter, dtoxmQ iatov aufzusteigen, die Griechen dachten 
sich unter diesem letzten ausdruck zunächst HenAes, dann 
aber alle götter (Od. 8, 325. 335). 

Die hier versuchte erhebung des namens Gibika kann 
ich freilich nicht aus der edda, deren lehre natürlich oft ab- 
weicht von dem was bei andern deutschen Völkern geglaubt 
wurde, aber doch durch eine andere Wahrnehmung unter- 
stützen. 

Es gibt in mebrern landstrichen Deutschlands felsen 
und waldhügel die nach Gibika benannt sind, am bekann- 
testen darunter ist der GivtkimstSn, jetzt Gibicbenstein, bei 
Halle an der Saale, dessen die annalisten des eilften jabrh. 
als eines magdeburgischen schlofses und königliehen gefÜng- 
nisses erwähnen, im jähre 1003 oder 1004 Uefs hier Hein- 

1. auch im Waltliarius beirst Gantharis vater Gibicho, in der Nib. 
nbt wird er bekaDoUich nicht geoannt, erst die umarbeitmiy ichob dafür 
Dankr&t ein (Nib. 7, 2. 565, 7. 1082, 6) und der dichter des Bit. 9617. 
2620 nahm nebrn einander Dankrat und Gibeehe auf. beide liersen sich 
identißciercn, du in dank g^aliae, grates, in gebe munus, gralia liegt, 
80 daTs Dankrät und Gibeche munificus, gratinsns aussagen kannten. 



574 GIBICHENSTEIN. 

rieb 2 dea bairischen herzog Heinrich aufbewahrea (Pertz 
5, 92. 805) ) im jabre 1014 wurde der Langobarde Easilin 
(Pertz 5, 836), im jabre 1027 herzog Ernst von Schwaben 
(Wippo in vita Conr. sal. pag. 474. Herrn, contr. ad h. a.), 
im jabre 1045 herzog Gotfried von Lothringen (Lambert. 
Schafnab. ad h. a.), im jähre 1070 Ludwig der Springer von 
Thüringen daselbst gelangen gehalten (Menken 1, 1143. 
1309). ^ Urkunden des lOn jahrh. ziehen die form Ghikon-- 
siSm, Geoikonst4n vor; Heinrich von Gebechenstein wird 
bei Spervogel MS. 2,227^ angeführt, ein anderer Geoe^ 
kenstein liegt bei Nienburg an der Weser, und es finden 
sich darauf heidengräber und ein sogenanntes teufelsbett 
(Rathlefs Hoya 3, 29. Spilckers beitr. 1, 1). ein dritter fei- 
aen namens Gibickenstein, oder entstellt Gübichenstein, 
Hübichenstein, wird mitten auf dem Harz im walde unweit 
des flirsterbofes in Grund augetroffen ; von ihm geben volks- 
gagen auf die ich gleich kommen werde, den vierten und 
fünften vermag ich blofs aus grenzbestimmungen hessischer 
weisthümer aufzuzeigen, Geb2€hiskoppeheiNiederBjalai(weisib» 
3, 340) und Gebicheborse bei Wetter (3, 344), wo koppe 
und bone* nichts anderes als anhöbe, hügel ausdrücken. ^ 
noch mehr beispiele werden sich weiterem forschen dar- 
bieten. 

Worauf es nun femer ankommt, Gibtcko, Gebiche ist 
als mannsname ungebräuchlich und selten, die Lorscher tra- 
ditionen gewähren ihn kaum einigemal; mit welchem fug 
sollte der genitiv vor stein auf menschliche anbauer und be- 
sitzer zu beziehen sein? befser deutet sich Gibichenstein, 
wie Brunhildenstein, Kriemhildenstein, ^ Witgenstein u. a. m. 
nach beiden und höheren wesen, welche auf solchen meist 
in der wildnis gelegenen felsen die jsage hausen Uefs. übep- 
lieferungen des volks gewähren hier willkommenste beatäti* 
gong, wie das teufelsbett des Nienburger Gibichensteins 

1. in der letzten stelle wird Gihelstnn, nnd bei Thietmar ndbei Gi- 
vüuuMtin verichiedentlich Ivikanst^n g^efunden (Pertz 5, 762. 8)E4. 8!t6). 

% hofpe vgl. ichneekoppe u. s. w. barse scheint barze bei Schnei* 
l«r 1, IHM. 905 ; die trad. Fnident . bei Sckannat n^ 444 haben einen ort 
Borsaha ; eine urk. bei Lacomblet n^ %Si (a. 1117) einen wald Saleburse. 

Zm ein Rriemhilten graben weisth. 1, 48 — 51. 



GIBIGHBNSTBIN. 675 

an viel andere nnd an Brunhildenbett auf dem Feldberg ge- 
mahnt, so sind neulich erst harzische volkssagen kund ge* 
worden, in denen Giibich geradezu als wohlthätiger zwerg- 
könig auftritt.' näheren bescheid von diesen dingen wird 
man etwa vor acht hundert jähren jenen gefangenen auf Gi« 
bichcustein für die lange weile gegeben haben, wir, unsrer 
eigenen vorzeit fremd geworden, können nur täppisch suchen 
das neue mit dem alten zu verknüpfen. 

JACOB GRIMM. 



HASEHART. 

Wenn zwei Völker in lebendigen verkehr gerathen nnd 
aus ihren sprachen wechselsweise einzelne Wörter übernom- 
men werden müfsen, so ergeben sich bald von selbst dafür 
gewisse lautbestimmungen, wie sie den eigenthümlichen or? 
gancn jedes volks angemefsen scheinen, ganz im wider- 
sprach mit dem erst später au%es teilten pedantischen grund- 
satz dafs die fremde form in Schreibung und ausspräche 
ängstlich gewahrt werden müfse. zum einleuchtenden bei« 
spiel gereicht die romanische Wortbildung ART oder ARD 
welche aus dem deutschen HART oder HARD schon seht 
frühe eindrang und dem latein völlig unbekannt war. sie 
ist auch im deutschen kein ableitendes dement, sondern blofs 
in der composition vorhanden $ ihre häufigkeit aber und eben 
die von den romanischen Sprachwerkzeugen geforderte Un- 
terdrückung des H, weil nun ein festerer anschlufs an das 
vorausgehende wort thunlich wurde, muste ART abstracl und 
derivativ machen, unser deutsches HART, ursprünglich ad- 
jectivisch (goth. hardus, ahd. herli)^ konnte nur in zusam« 
mengesetzten eigennamen Substantivgeltung gewinnen (gramm. 
2,563. 581); den romanischen sprachen genfigte es aber 
nicht namen wie Renard, Bemardp Gerards Minardy 
Everard zu übernehmen, die unserm Reinhart, Bemhari, 
Gerharif Meinharit Eberhart entsprechen, sondern sie zeug- 
ten nun auch, zumal die französische, weitere nomina wie 

1. Ilenn. Ilarr^'s sn^en IViedcrsachsens, zweite abth. s. 32 — iS. 



576 HASBHART. 

babillard, bdtard, ßiyard, viellardj gaillard in menge.' 
einzelne derselben wurden späterhin in die deutsche spräche 
eingelafsen, mit richtiger herstellung des ihr gebührenden H, 
z. b. stanthart Wh. 368, 7 aus estandart, itendard;basthard 
aus bastai'd^ bdtard, ital. bastardo; taphart ans tabard$ 
Bonthart gr. Rud. i, 22 ans einem zu vermutenden Bondard 
Springer, vgl. gramm. 2, 340. 

Hierher gehört auch ein seltener mhd. ausdruck, der 
sich noch nicht bei den älteren dichtem, vielmehr erst im letz- 
ten viertel des 13n jahrh. darbietet, und sichtbar dem franz. 
hasartj hasard nachgeahmt, seiner wurzel nach also un- 
deutsch ist wie stanthart basthart und taphart. ich kenne 
hasehart nur aus folgenden vier stellen. Ls. 2, 312 sagt 
meister Irregang, er könne 

gewinnen und Verliesen 

ein hasehart vf einein bret, 
in Langensteins Martina heifst es bl. 122^ 

af hasehartes schanze setzen, 
in einem ungedruckten gedichte Rüdigers von Mnnre, an des- 
sen schlufs jener Irregang wieder auftritt (Hagens grundrifs 

s. 345) 

das dich hasehart verser! 
bei Herman Damen (Müll. 65% vgl. MsH. 3, 167) 

her vurbüte in einem bore 

hasehart umme sie alle. 
die beiden ersten male ist hasehart ohne zweifei Würfelspiel; 
die folgende Verwünschung mag auf spiel oder allgemein auf 
Unglück bezogen werden, ohne dafs eine personification anzu- 
nehmen nöthig wird, versem ist perdere. in der vierten stelle 
erkläre ich vurbüte nicht von verbieten^ sondern von dem nie* 
derdeutschen bäten tauschen (brem. wb. 1, 174. nnl. buiten). 
Swendeler ist so leichtfertig, er würde in einem trinkgelag 
Tirol Metz Mainz und Trier nm ein Würfelspiel vertansdien« 
Was hasehart oder hasart eigentlich bedeute lehrt vat 
vielleicht am besten das schöne fabliau von saint Pierre ud 
dem jongleor bei M6on 3, 282. Peter bringt ein beriette und 

1. ital. BemardOf Gerardo, vegliardo, gagUmrdo, auf ttalicke 
weise entspranip Orhndo, tmnz. RoUmt ans ahd. Hmoäümtt fränk. 
ChrSdoland, 



BASBHART. 8^ 

drei Würfel herzu; nnier bertene (sonst aueh trehne, brehtn, 
vgl. Ducange unter belencus nnd berlenghum) fttrsteht man 
das bret worauf gewürfelt wird, wie in der angezogene^ 
stelle ans Ls. 2, 312 auch ein bret genannt ist, mAberlmwi^^ 
brelenc leitet sich wohl selbst aus dem deutschen bretlin oder 
bretHng her. das spielen oder würfeln helfet aber nun v. 138 
haxeter, und der geringere, verlierende wurf v. 183. 201 
hasart, hierzu slimmt dafs das span. axat zufall und un« 
glück ausdrückt, bei dem ital. assardo finde ich nur die ber 
deutung des heutigen franz. hasard angegeben, auch das 
provenz. axars gilt vom Würfelspiel. 

Raynouard hat eine wunderliche et]rmologie vorgeschla- 
gen, er meint in diesem provenz. asar den nord. pl. asar, 
götter, nnd den bcgrilF von falum enthalten, weniger unge- 
reimt stellt Ihre hasard zu dem schwed. haske, altn. hdski 
periculum. sollte nicht das lat. as, ital. assoy franz. as zum 
gründe liegen? denn das span. axar bezeichnet auch das ass 
auf dem würfel, d. h. die geringste, nachtheiligste zahl. 

JAG. GRIMM. 



WÜOTILGOZ. 

Die ags. genealogien haben einen yedelgedt^ Gvedolgeit, 
f^othelffedt, Vithelgedt^ als Vödens söhn, der mit Saxne&i 
auf gleicher linie der abstammung stehend, hoch in das alter- 
thum rücken mufs (mythol. anh. vu viii). der seltene name 
ist nun mit Sicherheit auch in den nithartischen bauerliedem 
gefunden, wo man Uetelgöx MsH. 3, 200\ 208^, gewöhnlich 
aber richUger fFüetelgöx 220\ 221 *. 241*. 278\ 279', 280'» 
liest, in älteren Urkunden habe ich noch kein fVuotUgöz an- 
getroffen, die mhd. form lehrt dafs ags. Vödelgedt oder V^ 
delgedt zu schreiben sei und dafs die Vermutung Vedelg^ii 
= Fetidelgedl bei Zeufs s. 57 falle, ich haUe flröher daru 
gedacht mit Vedelgedt die yMergedtas im Beovnlf zu ver- 
gleichen ; dann müste auch VMergedtas gesetzt werden, was 
bedenklich scheint. 

Es kann uns vorerst an jener entdeckten gleichung Vi^ 
delgedt = tFuotilgos genügen ; in den sinn des namens zu 
Z. F. D. A. 1. 37 






't 



DRUCK VON BREITKOPF UND HÄRTEL IN LEIPZIG.